- -
- 100%
- +
Die Alliierten Konferenzen
beinhalteten Regelungen zur territorialen Eindämmung Deutschlands und Japans. Damit verbunden waren Gebietsabtretungen Deutschlands an Polen. Japan verlor alle vor dem Ersten WeltkriegErster Weltkrieg erworbenen Gebiete.
etablierten je einen Alliierten Kontrollrat als Institution für die Überwachung Deutschlands und Österreichs. In Japan übernahm diese Funktion der Alliierte Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte.
schufen durch die Aufteilung von Deutschland und Österreich in Besatzungszonen eine effektive territoriale Kontrolle.
erreichten durch die Demilitarisierung des Saarlands und die gemeinsame Verwaltung des Ruhrgebiets eine effektive Kontrolle der deutschen Rüstungsproduktion.
Außenpolitische Überwachung Deutschlands und Japanszielten mit diesen vorübergehenden Maßnahmen auf die umfassende außenpolitische und militärische Überwachung insbesondere von Deutschland und Japan als ehemaligen Angreiferstaaten.
Sehen wir uns die getroffenen Vereinbarungen etwas genauer entlang der bereits bekannten Trias von territorialer Neuordnung, Überwachung und Friedenssicherung an:
Eindämmung Deutschlands und Japans: Die Alliierten veränderten zwar den Zuschnitt Deutschlands, das einen Teil seines Gebiets abtreten musste (an Polen, das nach Westen verschoben wurde), bestätigten aber dessen territoriale und wirtschaftliche Einheit. Die zahlreichen Annexionen und der Anschluss Österreichs wurden rückgängig gemacht. Ruhrgebiet und Saarland wurden – wie bereits 1918 – demilitarisiert. Langfristig würde Deutschland durch die Institutionalisierung der Teilung in Besatzungszonen und die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik weiter geteilt werden. Das war zwar von den Alliierten zunächst nicht intendiert, stellte aber langfristig betrachtet sicher, dass Deutschland keine Bedrohung für die Nachbarstaaten mehr darstellte. Auch Österreich wurde in Besatzungszonen geteilt und eine Alliierte Kontrollkommission übernahm bis 1955 die Verwaltung.
Für Japan waren die territorialen Veränderungen etwas größer: Die Uhren wurden in territorialer Hinsicht auf 1854 zurückgestellt, das heißt, Japan verlor auch alle vor dem Ersten WeltkriegErster Weltkrieg erworbenen Gebietsansprüche. Vietnam und Korea, die beide von Japan besetzt worden waren, wurden unter eine gemeinsame Verwaltung gestellt: Im Fall Koreas hatten sich Stalin, Chiang Kai-Scheck und Churchill 1943 darauf verständigt, das Land unter die Verwaltung der Sowjetunion und der USA zu stellen. Im Fall Vietnams wurde eine Treuhandschaft durch China und Großbritannien vereinbart. Diese sollte explizit die Wiederbesetzung durch Frankreich verhindern.
Überwachung Deutschlands und Japans als Angreiferstaaten: Die Eingriffe der Alliierten in die innerstaatlichen politischen und wirtschaftlichen Strukturen Deutschlands und Japans waren umfassend. Ähnlich zur Alliierten Militär-Kontrollkommission, die die Einhaltung der Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrags überwachen sollte, wurden Deutschland und Japan einer externen Kontrolle unterworfen. Für Deutschland agierte der Alliierte KontrollratAlliierter Kontrollrat, dem die Siegermächte unter Beteiligung Frankreichs angehörtenÜberwachung Deutschlands durch Alliierten Kontrollrat. De facto waren es aber die jeweiligen Militärbefehlshaber der Besatzungszonen, die Entscheidungen trafen (Dallinger/Golz 2005: 316). Die Kontrolle war im Verhältnis zu den für Deutschland nach dem Ersten WeltkriegErster Weltkrieg getroffenen Regelungen nicht nur tiefer (der Kontrollrat traf sämtliche politischen Entscheidungen für Deutschland, nicht nur außenpolitische, diese wurden von zwölf Direktoraten vorbereitet), sie war auch breiter, da sie das gesamte Staatsgebiet Deutschlands umfasste.
In beiden Staaten wurden Verwaltung und Wirtschaftsorganisationen dezentralisiertWirtschaftliche Dezentralisierung. In Japan war ursprünglich die Auflösung der wirtschaftlichen Riesenkonzerne (Zaibatsu) geplant, denen die Verantwortung für Japans aggressive Kriegs- und Eroberungspolitik zugewiesen wurde. Dieser Plan wurde nicht verwirklicht; verwirklicht wurde aber eine umfassende Bodenreform, die den Großgrundbesitz verteilte und eine gerechtere Verteilung innerhalb Japans gewährleistete (Dallinger/Golz 2005: 367f.).
Der Alliierte Kontrollrat löste sich im Zusammenhang mit der Entscheidung der USA und Großbritanniens, einen westdeutschen Bundesstaat zu gründen, auf. Die Sowjetunion verließ den Rat. Sie versuchte danach, mit der Berlin-BlockadeBerlin-Blockade (1948) und der Blockade der Lebensmittelversorgung Berlins die Westmächte zur Aufgabe West-Berlins zu zwingen. Im Fall Japans traf, da es keine vergleichbare Institution zum Alliierten Kontrollrat gab, der militärische Oberbefehlshaber der US-Armee alle Entscheidungen.
RegionStaatterritoriale Veränderungweitere Regelungen/ImplikationenEuropaDeutschlandnimmt durch Westverschiebung Polens Gebietsverluste hin;wird in Besatzungszonen aufgeteiltwird durch die Gründung der deutschen Teilstaaten langfristig geteilt und stellt keine Bedrohung für Nachbarstaaten dar;externe Kontrolle durch Alliierte Kontrollkommission;Abtrennung Saargebiet (als franz. Protektorat), Demontage und Kontrolle des Ruhrgebiets;Reparationszahlungen;Demilitarisierung, Denazifizierung, Demokratisierung, DezentralisierungÖsterreichwird wieder unabhängig;wird in Besatzungszonen aufgeteiltÜberwachung der Außenpolitik (bis 1955);Demilitarisierung;wird neutralItalienRückgabe der besetzten Gebiete (Albanien);Verlust der Kolonien (Libyen, Somaliland)Polenwird nach Westen und Süden verschobenAsienJapanwird auf die Größe von 1854 reduziert;gibt besetzte Gebiete zurück (Korea, Mandschurei) und die vor dem Ersten WeltkriegErster Weltkrieg erworbenen Gebiete (z.B. Taiwan)Überwachung durch militärischen Oberbefehlshaber der USA;DemilitarisierungKoreawird entlang des 38. Breitengrades in Besatzungszonen aufgeteilt (Kontrolle durch Sowjetunion, USA)Souveränitätsverzicht durch Alliierte Treuhandschaft (ab 1947 der Vereinten Nationen);Demilitarisierung;wird durch den Koreakrieg dauerhaft geteiltVietnamwird entlang des 47. Breitengrades in Besatzungszonen aufgeteilt (Kontrolle durch China, GB)Souveränitätsverzicht durch Alliierte Treuhandschaft;Demilitarisierung;bleibt bis zum Ende des Vietnamkriegs geteiltNaher und Mittlerer OstenPalästinawird von den VN ab 1947 treuhänderisch verwaltetIrakwird von den VN ab 1947 treuhänderisch verwaltetTerritoriale und sonstige Regelungen nach den Alliierten Konferenzen
Merke
Die Bedeutung der Regelungen zu Deutschland und Japan
Die Bedeutung der Regelungen zu Deutschland und Japan liegt darin, dass beide Staaten sowohl territorial verkleinert als auch in ihrer staatlichen Entwicklung so überwacht wurden, dass sie für ihr regionales Umfeld keine Bedrohung mehr darstellten. Beide Staaten verloren ihre Anwartschaft auf einen Großmachtstatus und schieden aus dem Kreis der Großmächte aus.
Friedenssicherung durch die Vereinten NationenVereinte Nationen: Mit den Vereinten NationenVereinte Nationen wurde eine Organisation geschaffen, die, ähnlich zum System des Völkerbunds, als wichtigste Aufgabe die Friedenssicherung hatteFriedenssicherung durch die Vereinten Nationen. Darüber hinaus sollte sie die Menschenrechte schützen und die sozialen Lebensbedingungen sowie den Lebensstandard der Bevölkerung weltweit verbessern.
Die Charta der Vereinten Nationen (1945)
etabliert mit den Vereinten NationenVereinte Nationen ein kollektives Entscheidungsgremium bzw. eine Weltorganisation, deren wichtigstes Ziel der Erhalt und die Förderung des Weltfriedens, der Schutz der Menschenrechte sowie die Steigerung der sozialen Lebensbedingungen und des Lebensstandards der Menschen sind.
etabliert zusätzlich zu den bestehenden Grundnormen, wie der friedlichen Streitbeilegung und dem Verbot eines Angriffskriegs, neue Verhaltensnormen: Das Verbot der Gewaltanwendung zwischen Staaten, das Recht von Staaten auf territoriale Unversehrtheit und politische Unabhängigkeit, das Verbot der Unterstützung von Staaten, gegen die die Vereinten Nationen Zwangsmaßnahmen verhängen und damit verbunden die Befugnis der Vereinten Nationen, Zwangsmaßnahmen gegenüber Staaten überhaupt durchzuführen.
Als ultimatives Entscheidungsgremium vergleichbar mit dem Völkerbundrat wurde der Sicherheitsrat der Vereinten NationenVereinte Nationen etabliert. Er wurde als höchste Autorität im Bereich der Friedenssicherung konzipiert mit der Hauptverantwortung für die Aufrechterhaltung des Weltfriedens und der Sicherheit. Die fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder bildeten China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA, die in Fragen der kollektiven Sicherheit je ein Vetorecht erhielten. Japan war, anders noch als im Völkerbund, kein ständiges Mitglied des Sicherheitsrats mehr. Neben den permanenten Sicherheitsratsmitgliedern wurden nicht-ständige Mitglieder zugelassen, die bis heute durch die Generalversammlung gewählt werden.
Im Unterschied zum Völkerbund waren die USA diesmal Mitglied der Vereinten NationenVereinte Nationen. Aber nicht nur das: Alle existierenden Staaten wurden Mitglied, was die Vereinten NationenVereinte Nationen zu einer Weltorganisation machte.
Aufgrund der negativen Erfahrungen des Völkerbunds mit dem Abrüstungsgebot wurde in der Charta der Vereinten NationenVereinte Nationen auf einen Artikel zur Abrüstung verzichtet. Dafür wurden eine Reihe Unterorganisationen der Vereinten NationenVereinte Nationen geschaffen, wie die United NationsVereinte Nationen Conference on Food and Agriculture oder die United NationsVereinte Nationen Relief and Rehabilitation Administration, um die von der NS-Herrschaft befreiten Länder zu unterstützen.
Als eine der Ursachen des Zweiten WeltkriegZweiter Weltkriegs betrachteten die Alliierten die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre. Folglich etablierten sie wirtschaftliche Institutionen, die eine Wiederholung einer solchen Krise verhindern sollten. Dies geschah in Form einer Reihe von internationalen Wirtschafts- und FinanzorganisationenErgänzung durch internationale Finanz- und Wirtschaftsinstitutionen, die die wirtschaftliche Seite der Kriegsverhütung bearbeiten sollten. Diese wurden kollektiv als Bretton-Woods-Institutionen bezeichnet, benannt nach dem Ort, an dem ihre Statute ausgehandelt wurden. Die unbestrittene HegemonieHegemonie der USA nach dem Zweiten WeltkriegZweiter Weltkrieg führte dazu, dass diese internationalen Organisationen als Instrumente zur Verwirklichung einer liberalen Welthandelsordnung konzipiert wurden. Die meisten Organisationen hatten dabei ursprünglich sehr konkrete Aufgaben im Rahmen des wirtschaftlichen Aufbaus vor allem in Europa, entwickelten aber bald globale Aktivitäten und wandelten sich.
Die Bretton-Woods-Institutionen
Die drei neu gegründeten Institutionen Internationaler Währungsfonds, Weltbank und Allgemeines Abkommen für Handel und Zölle (GATT) wurden mit dem Ziel gegründet, den Freihandel international zu fördern und die Risiken der weltwirtschaftlichen Verflechtung zu kontrollieren.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank (ursprünglich Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) wurden speziell mit der Aufgabe gegründet, die Weltwirtschaft neu zu ordnen und den Freihandel zu fördern. Diese Aufgabe sollten die drei so genannten Bretton-Woods-InstitutionenBretton-Woods-Institutionen arbeitsteilig erledigen. Der IWF war dafür zuständig, Zahlungsbilanzdefizite der Staaten kurzfristig auszugleichen, womit verhindert werden sollte, dass ein Staat zu irgendeinem Zeitpunkt zahlungsunfähig wird. Die Weltbank war für die Förderung entsprechender Projekte des Wiederaufbaus zuständig. Die Gründung einer geplanten Internationalen Handelsorganisation, die für die Liberalisierung des internationalen Handels zuständig sein sollte, scheiterte. Die Ersatzlösung war das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen, auch GATT genannt. Alle drei Institutionen waren keine globalen Institutionen, selbst wenn sie als solche angelegt waren. Ihre Mitgliedschaft war auf die westlich orientierten Staaten begrenzt. Das GATT hatte beispielsweise 1948 nur 18 Mitglieder und die danach beigetretenen Mitglieder waren überwiegend neue Staaten. 1963 wuchs diese Zahl durch die Dekolonisation auf 59 Mitglieder an. Die grundlegende Bedeutung der Bretton-Woods-Institutionen lag darin, dass sie nach dem Zweiten WeltkriegZweiten Weltkrieg eine liberale Ordnung etablierten, die auf dem Prinzip des Freihandels aufbaute.
Regionale Konflikte und die Formierung des Ost-West-Konflikts
Eine Reihe von zum Teil lokalen, zum Teil regionalen Konflikten hatte bereits während der Potsdamer Konferenz zu großem Misstrauen gegenüber expansionistischen Motivationen zwischen den Alliierten geführt. Großbritannien und die Sowjetunion hatten starke Interessengegensätze in Bezug auf Südosteuropa und den Nahen und Mittleren Osten. Der Sowjetunion schwebte eine Aufteilung in Interessensphären in Europa vor, und sie beanspruchte einen Teil Libyens (Tripolitanien). Diesen Anspruch lehnte Großbritannien mit Blick auf die strategische Bedeutung der Region für das Empire vehement ab. Vor allem die Iran-, die Griechenland- und die Türkeikrisen verschärften die feindlichen Wahrnehmungen zwischen Großbritannien und der UdSSR. In Asien waren es der Vietnam-Krieg, der Sieg der kommunistischen Bewegung in China unter Mao Tse-tung und der Korea-Krieg, die in den USA große Befürchtungen weckten, dass es zu einer rapiden Ausbreitung kommunistischer Systeme kommen könnte. Beide Regierungen reagierten darauf mit Strategien der politischen und militärischen Eindämmung der Sowjetunion.
KonfliktEreignisseErgebnisLibyen-Krise (1945)Konflikt zwischen Großbritannien und der Sowjetunion um Tripolitanien (Libyen) als ehemaliger italienischer KolonieLibyen bleibt in westlicher InteressensphäreIran-Krise (1946)Konflikt um Abzug sowjetischer Truppen aus Iran nach alliierter Besetzung (zur Organisation kriegswichtiger Güter, Erdöl) während des Zweiten WeltkriegZweiter Weltkriegs und sowjetische Unterstützung von Unabhängigkeitsbewegungen im IranAbzug sowjetischer Truppen auf Druck der USATürkei-Krise (1946–1947)Konflikt um Forderung der Sowjetunion nach Abtretung von Gebieten der Türkei an Georgien und Armenien sowie um internationale Verwaltung des Bosporus und der Dardanellen als strategischem Meereszugang für Sowjetunion (Sowjetunion strebt Revision des Vertrags von Montreux 1936 an)US-Unterstützung im Rahmen der Truman-Doktrin sichert türkische SouveränitätGriechenland-Krise (1944–1947)Konflikt um Regierungskontrolle nach Ausbruch des Bürgerkriegs in Griechenland zwischen Royalisten und KommunistenGroßbritannien muss sich 1947 zurückziehen;USA und Sowjetunion treten in Stellvertreterkrieg einVietnamkrieg (1946–1954)Rückzug Großbritanniens als Verwalter Südvietnams führt zu Dekolonisationskrieg unter Führung Ho Chi Minhs zur Wiedervereinigung Vietnamsvertragswidrige Wiederbesetzung des Südens nach britischem Abzug durch Frankreich endet in französischer Niederlage bei Dien Bien Phu;Unterstützung der USA für Frankreich ab 1954 führt zu Stellvertreterkrieg mit China und Sowjetunion bis 1975Ende des chinesischen Bürgerkriegs (1949)Wiederaufflammen des Bürgerkriegs zwischen Kommunisten und Nationalisten nach Niederlage Japans 1945;Kuomintang flieht nach Taiwan und gründet dort einen neuen StaatSieg der Kommunisten unter Führung Mao Tse-tungs über die nationalistische Kuomintang;Etablierung diplomatischer Beziehungen zwischen China und Sowjetunion beschwört im Westen die „Rote Gefahr“ heraufKoreakrieg (1950–1953)Angriff Nordkoreas auf Südkorea mit Unterstützung Chinas und der Sowjetunionvon den Vereinten Nationen mandatierter Einsatz militärischer Truppen sichert Südkoreas Unabhängigkeit;Teilung entlang des 38. Breitengrades wird beibehaltenRegionale Krisen und die Herausbildung des Ost-West-KonfliktOst-West-Konflikts
Allen Krisen war gemeinsam, dass sie sich in strategisch wichtigen Regionen ereigneten, in denen britische direkt auf sowjetische Interessen trafen. Die Krisen hatten große Relevanz für die Herausbildung des Ost-West-KonfliktOst-West-Konflikts, weil sie eine Annäherung zwischen den USA und Großbritannien anzeigten, die ansonsten größere Interessenkonflikte über den weltpolitischen Machtanspruch Großbritanniens hatten (Young/Kent 2013: 38). Ab 1946/47 verhärteten sich die jeweiligen Positionen zwischen den westlichen Alliierten und der UdSSR, mit Rückwirkungen auf eine europäische Friedensordnung.
Die wichtigsten globalen Trendsglobale Trends und Entwicklungen von den Alliierten Konferenzen bis Mitte der 1960er Jahre
Für Europa markierte das Jahr 1947 somit einen fundamentalen Umbruch: In diesem Jahr begann in Europa die Blockbildung, im Westen forciert durch Großbritannien und die USA, im Osten durch die Sowjetunion. Als Ergebnis dieser Blockbildung entstanden jeweils zwei hochintegrierte, institutionalisierte Wirtschafts- und Militärbündnisse mit jeweils ausschließlicher Mitgliedschaft. Die zweite wichtige Entwicklung war die Dekolonisation, die die Positionen Großbritanniens und Frankreichs schwächte. Dies hatte den Effekt, dass die USA und die Sowjetunion als die stärksten Mächte international aufstiegen.
NationalstaatlicheNationalstaatliche EbeneZwischenstaatliche EbeneZeitRaumBlockbildungEntstehung einander wechselseitig ausschließender Staatengruppen, liberal-marktwirtschaftlich organisierte und sozialistische Staatenhohe Interaktion und Integration innerhalb der Blöcke, wenig Integration über Blöcke hinweg1948–1963GlobalDekolonisationStaatenbildungsprozesse unter den ehemaligen Kolonien;Entstehung einer hohen Zahl neuer Staaten im Globalen Süden, die eigenständige Außenpolitik verfolgenneue integrative Verbünde, explizit konzipiert als Blockfreiheit (Dritte Welt);Wettbewerb zwischen USA und Sowjetunion um neu entstandene Staatenab 1946/ 47Afrika und AsienDekolonisationskriege in Afrika und in AsienKriege zwischen Kolonialmacht und Unabhängigkeitsbewegungen, oftmals gegen Unternehmensinteressen durchgesetzt;anhaltende Konflikte mit hohen Opferzahlen (Dekolonisationskriege);interventionistische Maßnahmen durch Weltmächtetransnationale Effekte in Form einer Destabilisierung neuer Staaten;Konflikte werden als Teil der Ost-West-KonfliktOst-West-Konfliktkonstellation und im Rahmen globaler Machtkonkurrenz ausgetragenab 1960er JahreAsien, Naher Osten, am Horn von Afrika, Südafrikaregionale Ordnungskonflikte in der Nahsicht: Nahost-Konflikt und Angola-KonfliktAngola-KonfliktKriege zwischen Staaten der Dritten Welt um regionale Führerschaft oder zur Klärung von GrenzstreitigkeitenKonflikte werden als Teil der Ost-West-KonfliktOst-West-Konfliktkonstellation und im Rahmen globaler Machtkonkurrenz ausgetragenab 1948Naher Osten, südliches AfrikaVerbreitung autoritärer Staaten in der „Dritten Welt“nach der Dekolonisation kommt es zur Etablierung autoritärer Einparteienherrschaften;Militärdiktaturen und Entwicklungsdiktaturen dominieren den gesamten Globalen Südenkommunistische Ideologie wirkt auf ehemalige Kolonien ein;westliche Staaten wirken mit einer militärisch angeleiteten Entwicklungsstratgie entgegenab 1950Lateinamerika, Afrika, AsienDie wichtigsten globalen Trendsglobale Trends von 1947 bis Mitte der 1960er Jahre
BlockbildungBlockbildung (1948–1963)
Merke
Blockbildung
Blockbildung bezeichnet die institutionalisierte Integration der ost- und westeuropäischen Staaten nach 1947 in zwei unterschiedliche wirtschaftliche, politische und ideologisch ausgerichtete Systeme. In beiden Fällen vollzieht sich diese Integration unter der Dominanz eines Hegemons, im Fall des westlichen Blocks der USA, im Fall des östlichen Blocks der Sowjetunion. Sie wird durchbrochen durch die Bildung der BlockfreienbewegungBlockfreienbewegung im Zuge der Dekolonisation ab 1947.
In Westeuropa war es Großbritannien, das damit begann, eine Allianz als Gegengewicht zur sowjetischen Einflusssphäre zu organisierenWesteuropa: Blockbildung unter Führung Großbritanniens. Der Bündnis- und Beistandsvertrag von Dünkirchen (1947) zwischen Großbritannien und Frankreich war zwar primär gegen Deutschland gerichtet, stellte jedoch zugleich den Kristallisationskern für eine westeuropäische Zusammenarbeit im Kontext des sich verschärfenden Ost-West-KonfliktOst-West-Konflikts dar. Dieser Vertrag wurde 1948 – wiederum auf Initiative Großbritanniens – um Belgien, Luxemburg und die Niederlande (Brüsseler Fünf-Mächte-Pakt) zu einem Pakt zur kollektiven Verteidigung und zur wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Zusammenarbeit erweitert.
Die USA hatten 1947 damit begonnen, den wirtschaftlichen Aufbau Westeuropas durch den Marshall-Plan zu unterstützen. 1948 gründeten sie die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC), zur Koordination der europäischen Volkswirtschaften mit Kanada und den westeuropäischen Staaten. Die Berlin-Blockade im Juni 1948 führte zu Verhandlungen über einen Atlantischen Vertrag und zur Gründung der NATONATO 1949 durch die USA, Kanada und zehn westeuropäische Staaten. Die NATO war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch keine integrative Militärorganisation mit gemeinsamen militärischen Einheiten und einem Oberkommando, sondern definierte sich selbst als kollektives Sicherheitssystem.
Die Transformation der NATONATO in eine Integrierte Allianz vollzog sich erst 1950: Sie wurde mit dem „Verlust“ Chinas (1949) für den Westen, unter dem Eindruck der Explosion der ersten sowjetischen Atombombe (September 1949) und insbesondere durch den Ausbruch des Korea-Kriegs (Juni 1950) gefördert. 1950 fiel die Entscheidung, die Bundesrepublik wieder aufzurüsten und in die NATO zu integrieren, bei gleichzeitiger Verstärkung der Bodentruppen in Europa und der Entsendung eines US-amerikanischen NATO-Oberbefehlshabers nach Brüssel. Mit der Integration Griechenlands (1952) sowie Deutschlands und der Türkei (beide 1955) war die Beitritt Deutschlands zur NATO 1955Bildung der NATO vollendet. Sie sollte in dieser Form bis nach dem Ende des Ost-West-KonfliktOst-West-Konflikts bestehen bleiben.
US-EinflussbereichSowjetischer EinflussbereichEuropaVertrag von Dünkirchen 1947 (Führung: GB)bilaterale Bündnis- und Beistandsverträge (1943–1948)Koordination der Volkswirtschaften: Organization for European Economic Cooperation (OEEC, 1948)Koordination der Volkswirtschaften: Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW, 1949)NATO (1949, 1952 Griechenland, Türkei, 1955 Beitritt Westdeutschland)Warschauer Pakt (1955, Beitritt DDR)WeltRio Pakt (1947)OAS (1948)SEATO (1954)ANZUS-Pakt (1951)CENTO (1955)Bilaterale VerträgeNordkorea (1955)Kuba (1960)Vietnam (1975)Innerstaatliche InterventionenGuatemala (1954)Kuba (1962)Brasilien (1964)Chile (1970–1973)El Salvador (1981)Grenada (1983)Britisch Guayana (1963)Dominik. Republik (1965)El Salvador (1981)Panama (1989)DDR (1953)Ungarn (1956)Tschechoslowakei (1968)Afghanistan (1979)Ideologische RechtfertigungTruman-Doktrin (1947)Breschnew-Doktrin der eingeschränkten Souveränität sozialistischer Staaten (1968)Ausscheren Frankreichs (1966)Abspaltung Chinas (1963)Organisation der Bündnissysteme in Ost und West
Spiegelbildlich zur Integration des westlichen Verteidigungsbündnisses und diesem auf dem Fuß folgend, verlief die Integration des östlichen Verteidigungsbündnisses.Spiegelbildliche Integration des östlichen zum westlichen Bündnis Im Januar 1949 wurde auf Initiative der Sowjetunion der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGWRat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW)) zwischen Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien gegründet. Die DDR wurde 1950 Mitglied. Der RGW koordinierte die Volkswirtschaften der Volksdemokratien, ähnlich wie die OEEC dies für Westeuropa tat. Mit dem Warschauer Pakt über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand bildete die Sowjetunion 1955 mit Albanien (1962/68 ausgeschieden), Bulgarien, der DDR, Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei und Ungarn einen militärischen Beistandspakt. Ähnlich zur NATO ab 1955 integrierte der Warschauer Pakt die Streitkräfte seiner Mitglieder unter einem Vereinten Oberkommando unter sowjetischem Oberbefehl.




