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Ich konnte immer noch ein schweigsamer Handwerker werden. Mit viel innerer Gefasstheit versuchte ich, dieses neue Element der Stimmlosigkeit in mein Leben zu integrieren, aber es gelang mir nur schwer. An manchem Morgen konnte man mein Kissen auswringen, aber nicht, weil ich geschwitzt hatte.
Als Nächstes zog man mir die beiden Vakuumschläuche aus dem Bauch und nähte die Löcher zu. Dann kam der Katheter dran, der aber in der langen Zeit irgendwie angewachsen war und nur mit einem brutalen Ruck aus der blutenden Harnröhre gerissen werden konnte. Die Folge war, dass das Wasserlösen jedes Mal zu einer höllisch brennenden Folter wurde, die ich so lange wie möglich hinauszögerte. Umso grösser waren dann der Druck und die Qual, wenn ich es nicht mehr zurückhalten konnte.
Zum Glück hatte ich aber immer noch meine vierstündlichen Spritzen, die ich mit zunehmender Inbrunst herbeisehnte. Um die Intervallzeit zu verkürzen, begann ich, laut zu stöhnen und unerträgliche Schmerzen zu veranschaulichen. Leider hatte ich das Pech, von einem Arzt betreut zu werden, der dieses Verhalten richtig deutete und Lunte roch. Zu meinem Leidwesen vergrösserte er die vier Stunden Abstand zwischen den Spritzen auf sechs. Schlimmer noch: Als es eines Tages wieder so weit war, hielt ich den Arm hin, die Schwester band ihn ab und fixte mir die beglückende Droge ins Blut. Aber nichts geschah.
Ich wartete noch zwei Minuten. Nichts. Sonst war der Flash immer nach kurzer Zeit eingefahren. Ich gab bedrohliche Laute von mir und bedeutete der Schwester, sie habe mir das falsche Zeug gespritzt, da passiere überhaupt nichts. Schweigend ging sie hinaus und kam mit dem Arzt wieder, der mir behutsam beizubringen versuchte, dass ich durch den monatelangen Drogenkonsum in eine Abhängigkeit geraten war und dass man mich nun wieder entwöhnen müsse. Man habe mir aus diesem Grund eine Salzlösung injiziert.
So war das also! Man hatte mich zum Junkie gemacht, weil man gedacht hatte, der kratzt sowieso ab, erleichtern wir ihm die letzten Tage und dröhnen ihn mit Drogen zu. Ich tobte, ich schrie, was meine zerfledderten Stimmbänder hergaben, ich verdammte innerlich die ganze verlogene, weiss gekleidete Bande und wand mich wie ein Wurm vor Entzugsschmerzen. Ohne die Spritzen wollte und konnte ich nicht weiterleben. Sie waren die einzigen Lichtblicke in meinem armseligen Dasein. Jetzt hatte man mir auch dieses letzte Glück noch genommen. Ich war ein Junkie auf Turkey und ich konnte mich nicht wehren, weil ich immer noch ans Bett gefesselt war. Selbstverständlich tat ich meinem ärztlichen Team mit diesen Vorhaltungen Unrecht, aber damals war mir das egal.
Mittlerweile wog ich bei meinen hundertdreiundneunzig Zentimetern noch knappe vierzig Kilo. Essen war nicht drin, aber ich durfte ab und zu aus einer Schnabeltasse etwas dünnen Tee schlürfen.
Nach zirka einer Woche im Krankenzimmer spürte ich plötzlich einen höllischen Stich beim Atmen, als würde ein Messer zwischen meinen Rippen stecken. Ich schrieb die Symptome auf die Schreibtafel, die man mir zwecks Kommunikation bereitgestellt hatte. Nach einer kurzen Untersuchung vernahm ich die Diagnose Lungenembolie. Ich hatte keine Ahnung, was das war, aber nach dem Schmerz zu urteilen, war es kein Kinderkram. Erst später erfuhr ich, dass diese Embolie mir trotz der gesundheitlichen Fortschritte um ein Haar das Leben gekostet hätte. Mein Blut wurde nun so stark verdünnt, dass wahrscheinlich nur noch hellrotes Wasser durch meine Adern rann. Zwar nahm der Schmerz beim Atmen mit der Zeit zum Glück ab, aber die Atemzüge waren von einem röchelnden Geräusch begleitet. Da war wieder Wasser in meinen Lungen und aus diesem Anlass durfte ich eine neue Variation der Folter kennen lernen, die zum Ziel hatte, mich von dieser überflüssigen Flüssigkeit zu befreien. Sie versuchten zwar, das Instrument vor mir zu verbergen, aber es war zwecklos: Ich sah das riesige, spritzenähnliche Ding. Man stach mir die dicke, cirka 30 Zentimeter lange Nadel durch den Rücken direkt in die Lunge, um dort die Brühe abzusaugen. Zweimal täglich. Vom wochenlangen Liegen war mein Rücken wundgescheuert und jede noch so kleine Bewegung war eine Strapaze, die ich mir lange überlegte, bevor ich mich ihr aussetzte.
Hörte denn diese Schinderei nie auf? Dauernd kamen wieder neue Komplikationen und Torturen hinzu. In meiner Verzweiflung dachte ich oft, ich hätte liebend gern mit Jesus am Kreuz getauscht. Der konnte wenigstens nach ein paar Stunden seinen Geist aufgeben, aber bei mir schien die Qual kein Ende zu nehmen. Es kam mir vor, als wolle das Schicksal mich total zerbrechen, mir jeglichen Stolz und jegliche Lebensfreude entreissen.
Als Rettungsanker in der Not hatte ich eine Technik entwickelt, die es mir erlaubte, mich tief in mein Inneres zurückzuziehen und in meine Gedankenwelt zu versenken, um mich diesem maroden, schmerzenden Körper zu entziehen und die innere Verbindung zu ihm zu unterbrechen. Ich begab mich im Geiste in eine Fantasiewelt, wanderte durch schöne Landschaften, sass an sprudelnden Bächen und genoss einen tiefblauen Himmel. Ich träumte mich in meine Kindheit zurück und beschwor die Szenen meiner frühen Lebensjahre herauf, die ich in aller Intensität wieder und wieder durchlebte.

Noch keine Zähne, aber lächeln wie ein Grosser: Der 1. Geburtstag

Die Familie Borer 1959: Iwan, Ingo, Mutti, Ines, Bo mit der attraktiven Zahnlücke, Vati, Pia.

Bo als Erstkommunikant. Er sieht frömmer aus, als er ist.

Schon als Teenie ein Herz für Kinder. Bo 1964 mit seiner jüngsten Schwester Nadja.

1967: Elvis, zieh dich warm an, jetzt komme ich!

Von jetzt an wird die Welt verbessert! Der bärtige Protestsänger (1971).

Auch in einem Jazzbassisten kann ein Rocker stecken (1974).

Make love not war! Mit ganzem Herzen bei der Sache.

Der Bart ist ab, aber der Schnauzer hält sich tapfer. Bei einem Konzert im Basler Komödientheater 1975 als Protestsänger.

Das Nesthäkchen an der weissen Bassgeige. Die Bourbon Street Jazzband 1973.

Auch ein Weltverbesserer muss seine Brötchen verdienen. Und die Brusthaare werden offenherzig zur Schau getragen. Hans Hingerl and the Hit Singers 1977.

Die ganz coolen Jungs! Monroe mit Quickly, Noby, Chris und Bo 1977.

Das schönste Gefährt der Welt: Die geliebte Harley Davidson Electra Glide.

Der Tiger ist los! Die Bo Katzman Band mit Sally Solomon, Ditschgi Gutzwiller, Benny Stadelmann, Ueli Gasser und Marco Cerletti.

Ein richtiger Rocker muss cool schauen. 1980 stilgerecht bis zur Gürtelschnalle.

Der nette Junge von nebenan ist in Wirklichkeit ein Macho. Bo Katzman 1982.

»Wer andern eine Wanne hinstellt, fällt selbst hinein.« Die beiden unzertrennlichen Dschungelbuch-Fans Bo und Flaps.

Working on the Galley: Die bösen Piraten auf grosser Fahrt. Die Gang 1986 mit Philipp, Christian, Bo, Felix und Penthouse.

I’m in love with my Typewriter… Die Bo Katzman Gang 1983 mit Benny, den beiden Hohl-Brüdern Philipp und Felix und Christian Ploesser.

My Name is Katzmann… Beau Katzmann. Wo »Katze« draufsteht, ist auch Katze drin.

Zwei Katzenmänner auf einem Bild. Bo mit Kater E.T.

Kopflos ins Abenteuer gestürzt: Das Motiv des Plattencovers des ersten Solo albums »The Kat«, 1979.

Die beste Band der Welt: Marc Portmann, Lisa Scannell, Felix »Big Z« Zindel und Tom Gisler.

The serious side of Bo – In einer Unterrichtsstunde am Progymnasium 1985.

Die Soul Cats 1998 mit Sandy Chiesa und Werner Wirz.

Erholung in der Natur. Bo holt sich Energie und Ruhe auf langen Spaziergängen.
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