- -
- 100%
- +
Offen dafür zu sein, den Eindruck also zulassen zu können, zeigt die Bereitschaft, den regulativen Impuls der Pflanze annehmen zu können. Wir öffnen uns der Kraft der Pflanze, heißen sie willkommen und lassen sie in unserem Inneren im besten Sinne wirken.
Suchen Sie sich die Stoffe aus, die Sie aus ganzem Herzen gerne riechen mögen. Dabei können Sie nie etwas falsch machen. Sind Sie der Dufterfahrung erst einmal auf der Spur, dann wird es Sie bald auch zu den Stoffen hinziehen, die ein gewisses Mysterium für Sie darstellen, weil Ihnen der Zugang irgendwie verwehrt scheint. Sie müssen erst den Schlüssel finden. Das steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Suche nach sich selbst.
Alles, was dem Ausgleich von Spannungen dient, kann als förderlich für den Lebensprozess eingestuft werden und bringt uns der Liebe näher. Interessanterweise bewirkt ein regelmäßiger Gebrauch der als angenehm empfundenen Räuchersubstanzen genau das, weil der regulative Impuls unser System aus Körper/Geist/Seele harmonisiert und stabilisiert. Diese Wirkung von Räucherungen kann sehr deutlich gespürt werden. Wir werden zunehmend zur Öffnung fähig sein. Die Energie beginnt freier zu fließen und Kraft wird erzeugt.
Damit steigt in der Regel auch die Akzeptanz für Räucherstoffe, die zunächst als unangenehm empfunden wurden. Man kommt zunehmend mit sich selbst in Einklang.
Was wir genau erleben, wenn wir uns den Räucherdüften aussetzen, ist also ganz verschieden und hängt einerseits von unserer Befindlichkeit, aber andererseits auch von der Absicht ab, weshalb wir überhaupt räuchern. Was ich herausfinden möchte, welches Problem ich lösen will oder auch welchen Anlass ich feiern möchte, übt einen starken Einfluss auf die Wirksamkeit des Räucherwerks aus. Räuchern schafft immer eine Verbindung zu den feinstofflichen Ebenen und trägt somit das Anliegen in höhere Dimensionen, aus denen Unterstützung und Erfüllung zu kommen scheint. Gebete und gute Wünsche werden durch den Rauch in jenseitige Bereiche transportiert und lösen das aus, was in der wahren Absicht desjenigen, der räuchert, entspricht. Man betritt damit den metaphysischen Raum des Schöpferischen, wo alle Erscheinungen ihren Ursprung haben.
* Rätsch, Christian, „Räucherstoffe – Der Atem des Drachen“, AT-Verlag, CH–Aarau 1996
Räuchermethoden und Utensilien

Um das Räuchern als angenehmes und problemloses Medium im täglichen Leben einsetzen zu können, bedarf es sinnvoller und praktischer Gerätschaften und Hilfsmittel. Im Verlaufe der Jahrtausende haben sich verschiedene Methoden und Verfahrensweisen entwickelt und erhalten, wie die aromatischen Pflanzenstoffe zubereitet und verräuchert werden können. Die traditionellen Formen des Räucherns ähneln sich jedoch auf der ganzen Welt. Die Methoden und Gegenstände variieren zumeist nur entsprechend der ästhetischen Empfindung der verschiedenen Kulturen. Wir finden heute also weltweit gewisse Standardformen, wie geräuchert wird.
Formen des Räucherns
Räucherstäbchen
Räucherstäbchen sind weit verbreitet und insbesondere in der heutigen Zeit sehr gefragt. Sie stellen eine sehr praktische Form dar, duftenden Rauch zu erzeugen. Das Stäbchen wird an einem Ende entzündet, die Flamme nach wenigen Sekunden ausgepustet, wenn sie nicht von alleine erlischt, wonach dann das Stäbchen langsam verglimmt und mit einem feinen Rauchfaden den aromatischen Duft freisetzt. Man geht davon aus, dass diese Form des Räucherns von buddhistischen Mönchen in Indien entwickelt wurde. Wir finden zwei typische Formen von Räucherstäbchen:
1. mit Stützholz: Dabei handelt es sich um einen Bambusspan, der zu zwei Dritteln mit einer feuchten Paste ummantelt wird, deren Grundlage im Idealfall aus hochwertigen aromatischen Hölzern wie Rotem Sandelholz und Zedernholz besteht. Das Holzmehl wird mit Traganthschleim oder flüssigem Gummi arabicum als Bindemittel versetzt. Die aromatischen Stoffe werden dann teilweise im festen Zustand, oft aber auch als ätherisches Öl dazugegeben. Wenn die Paste getrocknet ist, sind die Räucherstäbchen fertig. Es ist arabische, indische und chinesische Praxis in der Räucherwerkproduktion der heutigen Zeit, Parfüm-Kreationen für phantasievolle Duftnoten einzusetzen, deren Rezepturen streng geheim gehalten werden. Dabei wird in der Regel zwischen synthetischen und natürlichen Komponenten keine qualitative Grenze gezogen. Man findet am Markt sehr viele solcher Räucherstäbchen von stark synthetisch parfümierter Qualität, insbesondere aus Indien (Agarbatti) und China (Joss-sticks). Letztlich kann man nur seiner Nase vertrauen, wenn es um Qualität geht, weil es sehr schwierig ist, authentische Inhaltsangaben ohne chemophysikalische Analyse zu erhalten.

Dünne Stäbchen mit feinerer Ummantelung gelten in Indien als hochwertigere Qualität. Um sie gut abbrennen zu können, werden unterschiedlichste Halter angeboten.
Bei buddhistischen Festlichkeiten und Zeremonien hauptsächlich in fernöstlichen Ländern (Hongkong, Thailand, Malaysia) werden auch sehr große Räucherstäbe von bis zu 2 m Länge im Freien abgebrannt.
2. ohne Stützholz: Hier wird die vorbereitete aromatische Paste – in einem Verfahren ähnlich der Herstellung von Nudeln – als Schlange ausgepresst, die nach der Trocknung als Stäbchen eigene Stabilität erlangt. Diese Stäbchen haben den Vorteil, dass bei der Verbrennung keine störenden Nuancen von verbranntem Bambusholz enthalten sind.
Eine besonders reine und naturbelassene Qualität solcher Räucherstäbchen findet man in der tibetischen Tradition. Die originalen „Healing Incense“ Räucherstäbchen werden nach ursprünglicher Rezeptur als traditionelle Tibetische Medizin namens Agar 31 aus 31 pflanzlichen Stoffen heute in Nepal hergestellt. Sie sind im buddhistischen medizinischen Tantra durch die Jahrhunderte überliefert. Diese Räucherstäbchen sind etwas grober in ihrer Machart (Ø bis 5 mm), gelten aber als hochgradig heilsam und frei von allen Nebenwirkungen. Ihr Duft ist kraftvoll holzig-würzig, ohne viel Rauch zu entwickeln. Hier sollte man wirklich versuchen, die Originalqualität zu bekommen, da natürlich unter dieser Bezeichnung auch viel minderwertige Qualität angeboten wird. Es ist jedoch auf den Packungen deklariert, wenn die Qualität unter der Aufsicht eines tibetischen Mediziners produziert wurde.
Die Wirksamkeit, die Agar 31 nachgesagt wird, erstreckt sich auf Höhenangst, Kopfschmerz, Übelkeit durch Sauerstoffmangel, was natürlich in Höhenlagen ab 2.000 m, aus der diese Tradition stammt, keine Seltenheit ist. Es soll aber ebenso bei geistiger Überlastung, Stress, Schlaflosigkeit, Rücken- und Brustschmerzen, trockenen Lippen, Muskelsteife und Schmerzen mit psychosomatischer Ursache sehr hilfreich sein.
Die entspannende und meditationsfördernde Wirkung dieser Räucherstäbchen wird von Kennern sehr geschätzt. Man kann sie nicht nur räuchern, sondern es wird auch empfohlen, sie bei neuralgischen Beschwerden fein zu zermahlen und mit etwas Pflanzenöl als Massagemittel einzusetzen. Man kann damit eine äußerst wärmende und lindernde Wirkung erzielen.
Auch unter der Bezeichnung „Zimpo“ (Zhempus) oder „Potala“ werden handgemachte tibetische Räucherstäbchen angeboten, die aus 25 aromatischen Pflanzenstoffen aus der Himalayaregion hergestellt werden. Rotes und Weißes Sandelholz, Rhododendron, Safran, Beifuß, Galgant, Nardenwurzel, Zedernholz und Kostuswurzel gehören unter anderem zu den traditionell verarbeiteten Pflanzenteilen. Diese Stäbchen werden mit der Absicht geräuchert, einen offenen geistigen Zustand hervorzurufen, die Luft zu reinigen, negative Einflüsse abzuwehren und eine liebevolle und lebensförderliche Atmosphäre zu schaffen.


Tibetische Räucherstäbchen in Klangschale
Japanische Räucherstäbchen in flacher Schachtel
Zum Abbrennen dieser Stäbchen eignet sich besonders gut eine Schale, die mit Sand gefüllt wird. Wenn sich genügend Duft entfaltet hat, dann können die Stäbchen einfach umgekehrt in den Sand gesteckt und zu einem späteren Zeitpunkt wieder angezündet werden.
Die alte japanische Räuchertradition hat eine meisterhafte Qualität an Räucherstäbchen ohne Stützholz anzubieten, die sich auch in der westlichen Welt zunehmender Beliebtheit erfreut. Dabei handelt es sich um sehr feine Stäbchen, die auf eine subtile und raffinierte Form der Räucherkultur hinweisen. Zeitgleich mit der Einführung des Buddhismus hat Japan im 6. Jahrhundert den Gebrauch von edlem Räucherwerk aus China übernommen und bald schon fanden die aromatischen Düfte ihren Weg aus den religiösen Zusammenhängen auch in die Welt der sensiblen Genüsse und Künste. Den Geist zu schulen, um die Schönheit der Dinge wahrnehmen zu können, galt schon immer als ethische Grundlage der hohen japanischen Lebenskultur, wie sie in Adelskreisen gepflegt wurde. Dem Duft zu lauschen ist eine aktive Form, zu Inspiration und Feinsinn zu gelangen. Koh-do, der Weg des Räucherns, entstand vor diesem Hintergrund und brachte dementsprechend auch besonders ästhetische Variationen an Räucherstäbchen hervor.
Bei diesen exquisiten Räucherstäbchen werden in der Regel kleine Halter zum Abbrennen mitgeliefert. Auch das Preisniveau dieser Produkte liegt ganz am oberen Ende des Marktes, wenn besonders edle Hölzer wie Adlerholz (Jinkoh) und Weißes Sandelholz als Grundstoff fein zermahlen eingesetzt werden. Mit weiteren ausgesuchten und gemahlenen Aromastoffen wie Nelken, Anis, Zimt, Abelmoschuskörnern und Weihrauch vermischt und unter Zugabe von heißem Wasser sowie der klebrigen Rinde des Tabuko-Baumes wird der Teig hergestellt, aus dem dann die Stäbchen gepresst werden.
Exklusive Hersteller verzichten bei der Produktion auf die Verwendung synthetischer Duftstoffe oder Bindemittel, die aber bei günstigeren Angeboten nicht auszuschließen sind. Auch bei den Japanern ist die genaue Zusammensetzung der Räucherwerk-Kreationen immer ein wohl gehütetes Geheimnis.
Räucherspiralen
Ein weiteres Produkt, das nach dem gleichen Verfahren wie die stützholzfreien Stäbchen hergestellt wird, ist die Räucherspirale. Sie hat den Vorteil einer sehr langen Brenndauer und wird gerne dort eingesetzt, wo über einen langen Zeitraum hinweg geräuchert oder besonders große Räume wie Tempelhallen von Duft erfüllt werden sollen. In Indien werden sehr große Spiralen mit bis zu 40 cm Durchmesser und einer Brenndauer bis zu 24 Stunden speziell dafür hergestellt, um Insekten zu vertreiben. Meistens wird das Süßgras Citronella (Cymbopogon nardus) als Aromastoff darin verarbeitet. Diese großen Spiralen haben bereits feine Schnüre zum Aufhängen, die so genial angebracht sind, dass immer nur die Asche abfällt und die Halterung bis zum Schluss trägt. Für die kleinen Spiralen gibt es spezielle Ständer zum Abbrennen.

Räucherspirale und Halter
Räucherkegel und andere Formen
Eine der weltweit meistverbreiteten Formen ist der Kegel zum Räuchern. Er wird einfach an der Spitze entzündet und verglimmt dann von selbst über einen Zeitraum von etwa 20 Minuten. Neben Indien, Indonesien, China und Japan werden auch in unseren Breitengraden Räucherkegel hergestellt. Aus dem Riesengebirge in Sachsen kennt man die so genannten „Räuchermännchen“ und andere Objekte aus Keramik, in die solche Kegel hineingesetzt werden, um dann ihren Duft insbesondere zur Weihnachtszeit zu verbreiten. Das ist eine alte Tradition in dieser Region, die im Zuge des wachsenden Interesses an Duftthemen nun auch verstärkte Nachfrage in anderen europäischen Ländern findet.
Die Kegel sind ganz einfach abzubrennen. Da sie keine sehr starke Hitze entwickeln, können wir sie durchaus auch auf einem kleinen Keramikteller verräuchern. So ist dies auch eine praktische Möglichkeit des Räucherns, wenn man auf Reisen ist und das Übernachtungszimmer mit einem vertrauten Duft füllen möchte.
Noch kultivierter wird es dann, wenn mit entsprechenden Werkzeugen exquisite Formen aus der ausgewalzten Masse gestanzt werden. Es wird nicht überraschen, dass insbesondere in der japanischen Kultur die feinen ästhetischen Details wieder besonders geschätzt werden.

Ein Räucherkegel wird entzündet.
Indianische Smudges
In der nordamerikanisch-indianischen Tradition werden die so genannten Kräuter der Kraft als „Smudges“ verräuchert. Dazu werden bestimmte Zweige, Buschpflanzen und Kräuter „auf gute Art“ geschnitten, angetrocknet und zu etwa 20-30 cm langen Bündeln verschnürt, die dann luftig und dunkel über längere Zeit zum Durchtrocknen aufgehängt werden. Kräuter auf gute Art zu schneiden bedeutet, mit Achtsamkeit und Respekt für die Pflanze und das Leben vorzugehen, sie nicht unnötig zu strapazieren und sich für das Geschenk ihrer Lebenskraft zu bedanken.
Die getrockneten und fest verschnürten Smudges werden an der Spitze angezündet, bis sie richtig brennen, und dann durch die Luft gewedelt, sodass sie kräftig glimmen und dabei ihren kräftig-krautigen Duft entfalten. Tipis, Ritualplätze, Gebrauchsgegenstände und natürlich der Körper werden mit aromatischem Rauch eingehüllt und von allen negativen Einflüssen gereinigt.
Zedernspitzen (Western Cedar tips),
Wacholderzweigspitzen (Juniperus tips)
Präriebeifuß (Desert Sage)
Weißer Salbei (White Sage)
Das sind die klassischen Kräuter der Kraft, die auf die oben beschriebene Weise verräuchert werden.
Das Süßgras (Sweetgrass) wird zu einem Zopf geflochten, dessen Ende dann angezündet wird.
Eine Besonderheit der indianischen Räucheraccessoires ist eine perlmuttglänzende Süßwassermuschel von 12 bis 18 cm Länge, die als Abalonemuschel bezeichnet wird. Sie eignet sich sehr gut dafür, um die Kräuter zu verglimmen oder die glimmenden Bündel abzulegen. Da sie unter dem Rand wie eine Perlenkette von natürlichen Löchern durchzogen ist, bietet sie gute Luftzufuhr für die Glut.

Räuchermasse in Blattform
Es ist durchaus empfehlenswert, aus heimischen Aromapflanzen wie Wacholderzweigspitzen, Salbei, Lavendel, Zedernspitzen, Thymian, Bohnenkraut, Zitronenmelisse, Rosmarin usw. gemischte Räucherbündel herzustellen und zu trocknen. Oft fällt einem genau das in die Hände, was man braucht. Eine schamanisch-ganzheitliche Medizin geht davon aus, dass sich genau das Kraut im Garten eines Menschen ansiedelt, was er benötigt, um seinen aus dem Gleichgewicht geratenen Organismus wieder in die natürliche Ordnung zu bringen*. Wenn man den aromatischen Rauch der selbstgemachten Räucherbündel auf sich wirken lässt, kann dies zur eigenen Kraft zurückführen.

Smudges und Süßgraszopf
Reine aromatische Pflanzenstoffe räuchern
Das 4. Kapitel dieses Buches stellt eine Vielzahl von Aromapflanzen vor, die zum Zwecke des Räucherns Verwendung finden. „Wie oben so unten“ lautet die hermetische Formel zur Erklärung unserer Welt der Erscheinungen. Ebenso wie Rauchzeichen bei den Indianern Botschaften über größere Distanzen hinweg befördert haben, kann aromatischer Rauch auch Zeichen und Bilder zwischen den Innenwelten übermitteln. Die schamanische Tradition der Indianer wusste auch um diese Wahrheit und die rituelle Pfeife wurde in diesem Sinne eingesetzt, um einen guten Kontakt herzustellen und die Übermittlung von Information zu besiegeln. Sie hatten dafür ihre ganz speziellen „Kinnak“-Mischungen von Kräutern, die diesen Prozess unterstützen.
Es hat einen besonderen Reiz, naturreine Einzelstoffe zu verräuchern, denn wir können dadurch zu einer individuellen Pflanzenpersönlichkeit in Kontakt treten und schauen, wie unsere spezifische Reaktion auf deren Duftcharakteristik aussieht. Jede Aromapflanze bringt ihre Persönlichkeit als wesenhafte Botschaft in ihren ätherischen Ölen zum Ausdruck. Der Duft beim Verräuchern der Pflanzensubstanz wird hauptsächlich durch die ätherischen Öle erzeugt. Sie sind das Kommunikationsmittel der Pflanzenwelt. Die Duftstoffe lösen bei uns eine emotionale Reaktion aus. Was wir gerne mögen, steht in einer besonderen Beziehung zu uns und hat eine unterstützende Wirkung. Damit haben wir das wichtigste Werkzeug zur Hand, um herauszufinden, welchen Räucherstoff wir verwenden sollten: unseren Geruchssinn. Wenn wir also mit unserem individuellen Eindruck experimentieren, dann entwickeln wir unsere ganz persönliche Erfahrung. Ausgehend von dieser Erfahrung ergibt sich dann wiederum die Möglichkeit, mit der Dynamik sich ergänzender Kombinationen zu spielen. Auf diese Art und Weise schaffen wir uns die wirkliche Kenntnis, die das Räuchern so wertvoll macht: die Kenntnis unserer selbst. Wir brauchen dafür nur in geringem Umfang von außen geschult zu werden. Der wichtigste Schritt besteht darin, zu der eigenen Erfahrung zu stehen und nachzufühlen, was in uns ausgelöst wird. Geschult werden müssen wir im Umgang mit den Räucherstoffen und in der Wahl der Methode.
Um die Stoffe auf praktische Weise verräuchern zu können, gibt es zwei Grundformen, die nachfolgend mit ihren Vor- und Nachteilen beschrieben werden.

Räucherzange mit Räucherkohle
Räuchern auf glühender Holzkohle
Kleine glühende Holzkohlenstücke in einem Feuertiegel sind das klassische Medium, um die Räucherstoffe verglimmen zu lassen, wofür diese auf die Glut gestreut werden.
Da es nicht ganz einfach ist, Holzkohlestücke zu entzünden und nur relativ wenige Menschen einen offenen Kamin besitzen, wurden die so genannten Schnellzünder-Kohletabletten entwickelt. Die Standardgrößen liegen bei einem Durchmesser von 3 bzw. 4 cm und weisen eine dellenförmige Vertiefung in der Mitte auf. In diese Vertiefung werden die Räucherstoffe gelegt, sobald die Kohle durchgeglüht ist.
Man nimmt die Tablette am besten mit einer Metallzange auf und hält sie über eine Kerzenflamme. Der Schnellzündereffekt wird dadurch erreicht, dass der gepresste Kohlenstaub mit Kaliumnitrat versetzt wurde. Die Räucherkohle entzündet sich dadurch schnell und glüht von alleine durch, sofern die Luftzufuhr sichergestellt ist. Der Prozess kann durch Pusten beschleunigt werden. Nach etwa 3 – 5 Minuten ist sie vorbereitet und erscheint weißlich auf der Oberfläche bei Licht bzw. rotglühend in der Dunkelheit.
Diese Kohle hat jedoch den Nachteil, dass sich beim Entzünden ein gewisser Eigengeruch (ähnlich wie bei Wunderkerzen) entwickelt, der von manchen Menschen als störend empfunden wird. In ein Räuchergefäß gesetzt, können nunmehr im Verlauf von ca. 40 Minuten Stoffe auf der glühenden Tablette verräuchert werden, bevor sie ihre Kraft verliert und erlischt. Die Tabletten sind in der Regel zu zehn Stück in einer luftdicht und feuchtigkeitsfest verschweißten Rolle verpackt. Da die Kohle hygroskopisch ist (d. h. Luftfeuchtigkeit zieht), muss sichergestellt werden, dass die einmal geöffnete Rolle immer wieder sorgfältig und trocken verpackt wird, damit sie auch weiterhin gut zündet.

Räuchergefäße
Es gibt gewisse Voraussetzungen, die ein funktional zum Räuchern geeignetes Gefäß mitbringen muss. Zunächst einmal sollte sichergestellt sein, dass die nicht unerhebliche Hitzeentwicklung der glühenden Kohle nach unten hin abgeschirmt wird und nicht die Oberfläche des Tisches in Mitleidenschaft zieht. Gleichzeitig ist eine gute Sauerstoffzufuhr für das gleichmäßige und komplette Verglühen unerlässlich.

Räuchergefäß aus Ton mit Sand
Antike Räuchertöpfe weisen deshalb oft einen perforierten Rand auf, der die Umgebung schützt und dennoch den Luftfluss zulässt.
Ein Gefäß wie das oben abgebildete wird zu zwei Drittel mit Sand gefüllt. Es empfiehlt sich, die Oberfläche des Sandes zu furchen (z. B. mit einer Kuchengabel) und die Kohle dann so aufzulegen, dass die Luftzufuhr für die Glut auch von unten gegeben ist. Das gewährleistet ein komplettes Durchglühen der Kohle.
Ein moderneres Objekt ist das Gefäß mit der Lochblecheinlage. Hier ist die Durchlüftung der glühenden Kohle optimal gelöst und die Hitze durch ein Luftpolster nach unten abgeschirmt. Der ausgestellte Rand lässt auch noch zu, das Gefäß zwischen Daumen und Zeigefinger zu transportieren, ohne sich dabei zu verbrennen.
Gerade bei Gartenfesten ist es eine wunderbare Überraschung, wenn ein größerer Feuertiegel mit glühenden Holzkohlestücken vom Grill bestückt wird und aromatische Hölzer, Kräuter und Harze verräuchert mit ihrem wunderbaren Duft die ganze Atmosphäre verzaubern. Ganz davon abgesehen ist das auch eine Möglichkeit, unliebsamen Quälgeistern aus dem Insektenreich das Terrain streitig zu machen.

Moderne Räucherschalen mit Lochblecheinlage
Räuchern auf dem Edelstahlsieb
Das wachsende Bedürfnis nach einer etwas saubereren Art des Räucherns ließ in jüngster Zeit ein Verfahren stärker in den Vordergrund treten, das nach dem aromatherapeutischen Prinzip der wohl bekannten Duftlampe funktioniert.
Hierbei wird das aromatische Pflanzenmaterial auf einem sehr fein gerasterten Edelstahlsieb etwa 3 cm über der Flammenspitze eines konventionellen Teelichts verräuchert. Dies ist ein Prozess, bei dem die Hitze durch Abstand variiert werden kann und auch die Rauchentwicklung geringer ist, obgleich der Dufteindruck sehr intensiv und authentisch ausstrahlt. Auf diesem feinmaschigen Sieb können durchaus auch Harze verräuchert werden – vorausgesetzt, das Prinzip „weniger ist mehr“ findet ausreichend Beachtung.
Olibanum, Myrrhe, Guggul, Benzoe, Mastix, Sandarak lassen sich auf diese Weise recht unproblematisch verräuchern. Harze und Resinoide, die sehr dünnflüssig werden (Fichte, Elemi), sollten möglichst zusammen mit Hölzern oder Kräutern aufgelegt werden, die dann das Harz teilweise aufsaugen und so eine homogene Duftverbindung eingehen. Wenn tatsächlich extrem dünnflüssige Räucherstoffe zur Anwendung auf dem Sieb kommen sollen, gibt es noch die letzte Möglichkeit, ein Stück Alufolie unterzulegen.
Die Methode des Räucherns mit dem Sieb eignet sich hervorragend für Duftexperimente aller Art. Der ENNEAROM „Räucherzyklus“ beispielsweise, bei dem neun Stoffe nacheinander aufgelegt werden, ist nur unter Verwendung des Räuchersiebes möglich. Der neu aufgelegte Stoff ist dabei immer für ca. 3 Minuten ganz präsent im Vordergrund und kann spezifisch für sich allein wahrgenommen werden, bevor er in den tragenden Hintergrund übergeht und sich in die Runde der bereits wirkenden Stoffe integriert. Dieser langsame Übergang und der sich aufbauende Hintergrund einer Komposition, die dann ihren Duft über einen langen Zeitraum gleichmäßig abgibt, ist eine faszinierende Erfahrung.




