Isolatoren und Armaturen für Isolatorketten in Starkstrom-Freileitungen

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1979 wurden Freileitungs-Stützer für 15 kV bis 132 kV von SEDIVER (Frankreich) bekannt, die als Umhüllungs- und Schirmwerkstoff EPDM-Gummi und dann später auch Silikon-Gummi aufweisen [178], [179], [180]. Diese Isolatorenserie wurde unter dem Namen "Armourlite" bzw. "Armorsil" bekannt (Bild 201).
Bild 201: Armorlite-Freileitungs-Stützer von SEDIVER Frankreich (1979)
Umhüllung und Schirme wurden in einem Fertigungsschritt auf den GfP-Kern aufgespritzt (injection moulding). Die Endarmaturen und der GfP-Kern sind durch radiale Pressung mittels Preßwerkzeug mit 8 Preßbacken verpreßt. Bild 202 zeigt am Beispiel der Kopfarmatur eines horizontalen Freileitungs-Stützers die Verpressung.

Bild 202: Armorlite-Stützer mit aufgepreßter Kopfarmatur
Die Fußarmatur wurde in verschiedener Ausführung geliefert:
* Für vertikale und horizontale Anordnung der Freileitungs-Stützer mit Stehbolzen- oder Sockelbefestigung (Bild 203 und 204).
* Für schräge Anordnung der Freileitungs-Stützer mit Sockelbefestigung und speziellem Anpassungsstück für Holzmaste (Bild 205).
Außer der Ausführung der Kopfarmatur für die Aufnahme von Tragmulden, lieferte SEDIVER auch Kopfarmaturen mit laschenartigem Anschluß. Die Ausführung mit Einloch-Lasche ist für die Aufhängung des Leiterseiles mittels einer normalen Tragklemme vorgesehen. Die Zweiloch-Lasche ermöglicht u. a. die Gestaltung von Isolier-Traversen (braced line post assemblies, Bild 207) [180].

Bild 203: Fußarmatur mit Stehbolzen-Befestigung

Bild 204: Fußarmatur mit Sockel-Befetigung

Bild 205: Sockel-Befestigung mit Anpassungsstück für Holzmaste

Bild 206: Kopfarmaturen mit Einlochlasche (links) und Zweilochlasche (rechts)
Bild 207: Armourlite-Stützer für Isoliertraversen (braced line post insulators)
Während SEDIVER ursprünglich die Umhüllung des Kernes abschließend an der Kopf- und Fußarmatur auf den GfP-Kern aufgespritzt hat (Bild 201), wurde später die Umhüllung über die verpreßten Ansätze der Kopf- und Fußarmatur hinaus gespritzt (Bild 208) [179].
Bild 208: Verbesserte Umhüllung an Armourlite-Freileitungs-Stützern
Gegenüber Keramik-Freileitungs-Stützem zeigen die Verbund-Freileitungs-Stützer ein sehr elastisches Verhalten bei ungleicher Leiterseil-Zugkraft. Sie haben daher auch eine große dynamische Festigkeit und sind besonders gut für MS-Weitspannsysteme geeignet (Bild 209) [180].
Bild 209: Elastisches Verhalten des Verbund-Freileitungs-Stützers bei ungleicher Leiterseil-Zugkraft
Mit dem Armourlite-System von SEDIVER ist es möglich, Kompaktleitungen bis zu sehr hohen Spannungen zu bauen [180]. Die Vorteile solcher Kompaktleitungen sind besonders:
* geringerer Phasenabstand,
* einsetzbar für Holz-, Stahl- und Betonmaste,
* einfache Möglichkeiten zur Nachrüstung,
* minimale Störung der Umgebung (einfache Ansicht),
* mehr Publikumsakzeptanz.
Beispiele solcher Kompaktleitungen zeigen die Bilder 210 bis 213.

Bild 210: Horizontale Leiterseil-Anordnung

Bild 211: Delta-Leiterseil-Anordnung

Bild 212: Vertikale Leiterseil-Anordnung

Bild 213: Vertikale Leiterseil-Anordnung, Doppelsystem
In den USA wurden bis 1990 bereits mehr als 60 % der Freileitungen mit Verbund-Freileitungs-Stützern ausgerüstet.
Ab ca. 1990 werden weltweit Verbund-Freileitungs-Stützer bis 500 kV hergestellt:
* Ohio Brass (USA) unter der Bezeichnung "Veri-Lite" [181] und "Hi-Lite".
* Lapp (USA) unter der Bezeichnung "CLP" (Composite Line Post Insulator) [183].
* Dulmison (USA) [185], Maclean Power Systems (Kanada), NGK (Japan) usw.
Die von Ohio Brass (USA) gefertigten Hi-Lite-Verbund-Freileitungs-Stützer für 66 kV bis 345 kV sind mit leiterseitigen Aufpreß-Endarmaturen
* für horizontale Anordnung mit Kopfklemme nach ANSI C 29.7 (mit Hilfsbohrung, Bild 214),
* für vertikale Anordnung mit Kopfklemme nach ANSI C 29.7 (Bild 215) oder
* für horizontale Anordnung mit Zweiloch-Anschlußlasche für Isoliertraversen mit Tragklemmen-Aufhängung des Leiterseiles (Bild 216 und Bild 207)versehen [182], [185], [279].

Bild 214: Kopfklemme, horizontale Anordnung
Bild 215: Kopfklemme, vertikale Anordnung

Bild 216: Zweilochlasche, horzontale Anordnung
Dazu werden von dieser Firma für die Isoliertraversen für hohe Spannungen Potentialringe für horizontale Freileitungs-Stützer angeboten (Bild 217) [182]. Die Öffnung der Ringe sind dabei so groß, dass eine nachträgliche Montage auf der Aufpreß-Endarmatur möglich ist.

Bild 217: Potentialringe für Freileitungs-Stützer in horizontaler Anordnung oben: für 230 kV unten: für 345 kV
NGK (Japan) startet 1994 ebenfalls mit der Herstellung von Verbund-Freileitungs-Stützem und stellt diese für Nennspannungen bis 500 kV her [186]. Die Umhüllung mit Schirmen besteht aus Silikon-Gummi und wird in einem Arbeitsgang auf den GfP-Kern aufgespritzt. Besondere Aufmerksamkeit wurde bei der Entwicklung dieser Isolatoren der Verbindung zwischen GfP-Kern und Umhüllung am Übergang zur Endarmatur gewidmet (Bild 218).
Bild 218: Verbundzone am NGK-Freileitungs-Stützer
Der Übergang besteht aus einem Silikongummi-Kissen am Ende der Umhüllung, auf das zwei O-Ringe aufgebracht sind. Der Abschluß zwischen Endarmatur und Umhüllung erfolgt mittels eines Silikon-Dichtungsmittels (RTV Silicone Sealant).
1999 wird aus Ungarn ein Verbund-Freileitungs-Stützer für 24 kV bekannt, den die Hersteller als Hybrid-Isolator bezeichnen (Bild 219) [187].

Bild 219: Hybrid-Freileitungs-Stützer (Ungarn, 1999)
Dieser Isolator wird in Bahn- und Verteilungsnetzen eingesetzt. Auf einen runden Metallkern, mit einem Gewindeansatz für die Mastbefestigung, wird ein zylindrischer Epoxidharzkem aufgebracht, der eine Umhüllung mit Schirmen aus Silikongummi erhält.
Ebenfalls einen Hybrid-Freileitungs-Stützer bis 25 kV, mit der Bezeichnung "Raybowl", bringt tyco Electronics im Jahre 2003 auf den Markt [188]. Der Isolator besteht aus einem Pozellankern mit eingekitteter Fußarmatur, auf dem ein Silikon-Gehäuse mit achsenparalellen Schirmen befestigt ist (Bild 220). Der Kopf des Porzellankernes ist mit Kopf- und Halsrille versehen.

Bild 220: "RaybowP-Hybrid-Freileitungs-Stützer (2003)
Der Isolator ist für Gebiete mit hoher Verschmutzung vorgesehen und hat gegenüber einem nur aus Porzellan bestehendem Isolierkörper die Vorteile, dass er
- die besten Eigenschaften von Porzellan und Silikon in sich vereint,
- leichter ist und
- Schutz gegenüber Vandalismus bietet.
1.2. Ketten-Isolatoren
Zu den Ketten-Isolatoren zählen alle Isolatorenbauarten, die in einzelnen oder mehreren Gliedern, meist im Zusammenhang mit Zubehörteilen für die Aufhängung und Abspannung von Leitungsseilen benutzt werden.
Es wird unterschieden in:
Schlingen-Isolatoren (Hewlett insulators). Das sind scheiben- bzw. glockenförmige Isolatoren, deren Isolierkörper zwei im Inneren kreuzweise angeordnete Durchführungskanäle aufweisen. Durch diese Kanäle sind metallene Seilschlingen geführt, die eine Verwendung der Isolatoren einzeln oder in mehreren Gliedern in Trag- oder Abspannlage gestatten.
Der Isolierkörper der Schlingen-Isolatoren wird nur auf Druck beansprucht.
In elektrischer Hinsicht zählen diese Isolatoren zu den durchschlagbaren Isolatoren (Typ B).
Sie werden vorwiegend für Nennspannungen >1 kV einzeln oder in Ketten aus mehreren Gliedern verwendet.
Kappen-Isolatoren (cap and pin insulators). Es sind teller- oder glockenförmige, mit einem oder mehreren Schirmen versehene Isolatoren. Eine über ihrem Isolierkörper befestigte Metallkappe (Isolatorenkappe) und ein in das Innere des Isolierkörpers ragender Metallbolzen (zumeist ein Isolatorenklöppel), gestatten ihre Verwendung einzeln oder in mehreren Gliedern in Trag- oder Abspannlage. Kappen-Isolatoren werden auf Zug beansprucht, wobei der Isolierkörper je nach seiner inneren Bauart mehr oder weniger auf Druck und Scherung beansprucht wird.
In elektrischer Hinsicht zählen Kappen-Isolatoren zu den durchschlagbaren Isolatoren (Typ B).
Kappen-Isolatoren werden für Nennspannungen >1 kV einzeln oder in Ketten aus mehreren Gliedern verwendet.
Vollkern-Isolatoren sind Isolatoren, deren Isolierkörper aus einem Vollzylinder (Vollkern) mit einem oder mehreren Schirmen oder auch mit Rippen besteht. An den Enden des Isolierkörpers sind Metallkappen (Isolatorenkappen) befestigt, die eine Verwendung einzeln oder in mehreren Gliedern in Trag- oder Abspannlage gestatten.
Vollkern-Isolatoren werden auf Zug beansprucht.
In elektrischer Hinsicht zählen sie zu den nicht durchschlagbaren Isolatoren (Typ A).
Diese Isolatoren werden vorwiegend für Nennspannungen >1 kV und nur selten unter 1 kV verwendet.
Langstab-Isolatoren (long rod insulators). Das sind Isolatoren, deren Isolierkörper aus einem langen Vollzylinder (Vollkern) mit zahlreichen Schirmen besteht. An beiden Enden des Isolierkörpers sind baugleiche Metallarmaturen (Isolatorenkappen) angebracht, die eine Verwendung der Isolatoren einzeln oder in mehreren Gliedern in Trag- oder Abspannlage zulassen.
Langstab-Isolatoren werden auf Zug beansprucht.
In elektrischer Hinsicht gehören sie zu den nicht durchschlagbaren Isolatorenbauarten (Typ A).
Sie werden ausschließlich für Nennspannungen >1 kV verwendet.
Verbund-Isolatoren (composite insulators) sind Isolatoren, deren Isolierkörper aus einem langen zylindrischen, massiven Isolierkern (Vollkern) zur Aufnahme der äußeren mechanischen Belastungen besteht, der durch eine aus elastomeren Werkstoff gefertigte Umhüllung, die mit Schirmen versehen ist, geschützt wird. Die Krafteinleitung in den Isolierkern erfolgt an beiden Enden durch unterschiedliche oder gleiche hülsenförmige Metallarmaturen, die auf den Isolierkem aufgepresst sind. Der Isolierkern besteht üblicherweise aus Glasfasern, die mit einer Polymermatrix verbunden werden.
Verbund-Isolatoren können einzeln oder in mehreren Gliedern in Trag- oder Abspannlage eingesetzt werden. Sie werden auf Zug beansprucht.
In elektrischer Hinsicht gehören sie zu den nicht durchschlagbaren Isolatoren (Typ A). Sie werden ausschließlich für Nennspannungen >1 kV eingesetzt.
* * *
Zur Entwicklungsgeschichte der Ketten-Isolatoren:
Für höhere Nennspannungen ist die Verwendung von Stützen-Isolatoren und Freileitungs-Stützern in der Regel begrenzt, da bei diesen
* für die modernen Bauweisen der Freileitungen die Mindestbruchkräfte nicht mehr ausreichen,
* die Überschlagspannungen mit der Vergrößerung der Abmessungen nicht im gleichen Verhältnis zunehmen und
* die eintretende große Zunahme des Isolatorengewichtes Grenzen setzt.
Bedingt durch neue Forderungen beim Ausbau der Freileitungsnetze durch
- Erhöhung der Betriebsspannungen,
- Vergrößerung der Leiterseilquerschnitte und
- Vergrößerung der Spannweiten,
erreichte der Stützen-Isolator schnell seine Grenzen. Es begann Mitte der 20er-Jahre in den Freileitungen mit Spannungen über 30 kV eine Verdrängung der Stützerbauweise durch die Hängerbauweise mit "Ketten-Isolatoren". Das Prinzip der starren Befestigung des Isolators am Mast wurde verlassen.
Stütz-Isolatoren besitzen gegenüber den Ketten-Isolatoren einige entscheidende Nachteile, die ihre Anwendung für Hochspannungs-Freileitungen moderner Bauart in Frage stellen:
* Die feste Verbindung des Leiterseiles mit dem Isolator und die des Isolators mit dem Mast, bildet ein starres System, welches Isolator, Seil, Mast und Gründung zusätzlich belastet.Durch das elastische System der Ketten-Isolatoren wird eine höhere Betriebssicherheit gegenüber äußeren Einwirkungen, wie Sturm und ungleiche Eislast erreicht, da insbesondere die aus Ketten-Isolatoren gebildeten Tragketten durch Ausweichen die Belastungen auf mehrere Spannfelder verteilen können.
* Die mehrscherbigen, zusammengesetzten Stützen-Isolatoren brachen nach einer Reihe von Jahren durch Kräfte, die infolge der unterschiedlichen Wärmeausdehnungskoeffizienten von Zement-Kittung und Porzellan zwischen den Einzelteilen des Isolatores entstanden. Der einheitliche keramische Aufbau der Ketten-Isolatoren vermeidet dieses Problem.
* Den Größenabmessungen der Stützen-Isolatoren waren aus technischen und fabrikatorischen Gründen Grenzen gesetzt. Die Herstellungskosten für Stützen-Isolatoren für höhere Spannungen stiegen in viel stärkerem Maße, als die Spannung, die zu isolieren war. Die maximal mögliche Betriebsspannung, für die Stützen-Isolatoren noch hergestellt werden konnten, lag bei 75 kV[22].Bei Ketten-Isolatoren kann im Gegensatz dazu durch Aneinanderreihung von Einzelgliedem die jeweils gewünschte Isolation und Betriebsspannung erreicht werden. Durch Einfügung weiterer Einzelglieder läßt sich leicht die elektrische Sicherheit der Isolation erhöhen.
* Die Sicherheit der Bunde zur Seilbefestigung am Stütz-Isolator ist sehr von den handwerklichen Fähigkeiten der Monteure abhängig. Die Befestigung des Leiterseiles an Isolatorketten aus Ketten-Isolatoren geschieht dagegen mittels Klemmen (Trag- und Abspannklemmen), deren Haltekraft wesentlich weniger von der Montage-Qualität abhängt.
Aus diesen Gründen entschied man sich bereits 1910 bei der Projektierung der ersten europäischen 110-kV-Freileitung von Lauchhammer nach Riesa für den Einsatz von Ketten-Isolatoren [22].
Auch die 1924 einsetzende Entwicklung des Freileitungs-Stützers konnte die oben genannten Nachteile der Stützen-Isolatoren für Freileitungen mit Nennspannungen über 100 kV nicht beseitigen. Erst die Entwicklung der Ketten-Isolatoren, mit denen durch Aneinanderreihung von einzelnen Isolatoren, die durch Metallteile verbunden werden, beliebig lange Isolierstrecken hergestellt werden konnten, brachte den entscheidenden Fortschritt im Hochspannungs-Freileitungsbau.
1936 sah man die Hauptvorteile der Ketten-Isolatoren in folgenden Punkten [42]:
* leichte Lagerhaltung,
* Unterteilung der Spannung auf mehrere Isolatoren,
* hohe Überschlags- und Durchschlagsicherheit,
* geringe Überbrückungsmöglichkeiten durch Zweige und Vögel,
* Ermöglichung großer Spannweiten,
* leichte Auswechselmöglichkeit beschädigter Einzelglieder,
* das Leiterseil ist nicht unmittelbar am Isolator befestigt.
1.2.1. Schlingen-Isolatoren
Aus der Forderung heraus, Porzellan mechanisch nur auf Druck zu beanspruchen, führte die Entwicklung von Ketten-Isolatoren zunächst zu Isolatorenformen, die auf dem Grundprinzip des "Isolier-Eies" beruhten (Bild 221) [189].

Bild 221: Grundprinzip des Isolier-Eies
Die ersten brauchbaren Isolatoren nach diesem Prinzip entstanden 1907 in den USA in Form der "Hewlett-Isolatoren" [22], in Deutschland "Schlingen-Isolatoren" genannt (Bild 222 und 223). Sie wurden zuerst von der General Electric Co. (USA) hergestellt und bereits bei der 110-kV-Freileitung Grand Rapids Muskegon eingesetzt [65], [274].
Bild 222: Original-Hewlett-Hängeisolator
Bild 223: Original-Hewlet-Abspannisolator (link strain typ)
Edward M. Hewlett erfand gemeinsam mit Harold W. Buck diesen Isolator, der in der ganzen Welt lange Zeit den Freileitungsbau beherrschte [20], [190], [191]. So wurden u. a. auch
- die erste kanadische 110-kV-Freileitung zwischen den Niagara-Fällen und Detroit (ca. 500 km) 1908 mit 5-gliedrigen Isolatorenketten aus Hewlett-Isolatoren [192],
- ein System der Freileitung Lauta-Gröditz (Sachsen) und auch
- die Freileitungen des Bayernwerkes der 1. Ausbaustufe damit ausgerüstet.
In Deutschland wurde der Schlingen-Isolator in 2 "normalisierten" Ausführungen hergestellt [88]:
- als Hängeisolator (Bild 224 ) und
- als Abspannisolator (Bild 225).
Die einzelnen Isolierkörper wurden dabei zunächst mit doppelt geführten Seilen, die durch einfache Doppelklemmen geklemmt waren, verbunden [20], [190] und später dann mit Seilschlingen aus Stahl- oder Kupferseil (Querschnitt 35 qmm oder 50 qmm) kettengliederartig umschlungen, so dass bei Bruch eines Isolierkörpers das Leiterseil nicht herabfallen konnte [203].

Bild 224: Hewlett-Hängeisolator, normalisierte deutsche AusführungBild 225: Hewlett-Abspannisolator, normalisierte deutsche Ausführung
Die offenen Seilschlingen der Form "O" (Bild 227) [195], die an den Enden mit Halbkugeln versehen waren, wurden bei der Montage zur Isolatorkette mit Schlingenverbindem verbunden (Bild 226), wobei sich in Deutschland der Schlingenverbinder nach Bay (AEG) [193], [194] besonders bewährte (Bild 226).

Bild 226: Seilschlingen und Schlingenverbinder am Hewlett-Isolator

Bild 227: Seilschlinge für Hewlett-Isolatoren (Form "O")
Die mit einer durchgehenden Bohrung versehenen Halbkugeln an den Schlingenenden, wurden durch kleine Konen mit dem Schlingenseil verbunden.

Bild 228: Schlingenverbinder (System Bay) zum Schließen von Seilschlingen der Form "O"
Der Bay-Schlingenverbinder besteht aus 2 gleichgeformten Schalen zur Aufnahme der Halbkugeln der Seilschlingenenden. Diese Schalen werden beidseitig durch übergeschobene Halbschalen zusammengehalten und durch Splinte gesichert (Bild 229) [193].
Ein weiterer Schlingenverbinder war die Konuskupplung der AEG [20].
Seilschlingen der "O-Form" wurden zunächst nicht nur zur Verbindung der Einzelglieder angewandt, sondern mit Hilfe von Rollen auch zur Verbindung mit den Kettenzubehörteilen an den Enden der Isolatorkette (Bild 229 bis 231) [88].

Bild 229: Doppel-Abspannkette mit Hewlett-Isolatoren und Seilschlingen Form "O"

Bild 230: Einfach-Tragkette mit Hewlett-Isolatoren und Seilschlingen Form "O"

Bild 231: Doppel-Tragkette mit Hewlett-Isolatoren und Seilschlingen Form "O"
Diese Bauweise führte zu sehr langen Isolatorketten. Zu deren Verkürzung wurden deshalb Seilschlingen der Form "U" (Bild 232) entwickelt, die in Verbindung mit sog. "Hänge-Seilschlössem" (Bild 233 und 234), die End-Isolatoren der Ketten direkt mit dem Mast bzw. den Trag- oder Abspannklemmen verbinden konnten [52], [195].

Bild 232: Seilschlinge Form "U"

Bild 233: Seilschlösser mit Ösen-bzw. Klöppelanschluß für Seilschlingen der Form "U"
Bild 234: Fertig montierte Seilschlingen der Form "U" mit Hänge-Seilschlössern
Eine weitere Verbesserung an Hewlett-Isolatorketten wurde durch die Einführung von Seilschlingen der Form "S" und deren Verbindung mit Kreuz-Schlingenverbindem (Bild 235) erreicht [88], [203].

Bild 235: Seilschlinge Form "S" mit Kreuz-Schlingenverbinder
Die Porzellanfabriken Hermsdorf und Freiberg hatten dazu 1921 einen Kreuz-Schlingenverbinder geschaffen [196], [204], dessen 2 gleiche Schalen sich einfach zusammenschieben ließen und sich deshalb durch eine leichte Handhabung auszeichneten (Bild 236).



