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2.1.2 Wo suche ich nach den gewünschten Quellen?
Je nachdem, welche Art von Quellen (Texte, Bilder, Filme) Sie benötigen, stehen Ihnen für Ihre Suche verschiedene Orte zur Verfügung:
• In Bibliothekskatalogen und Metabibliothekskatalogen[1] wie «Swissbib» oder «Karlsruher Virtueller Katalog» suchen Sie hauptsächlich nach Fachbüchern[2]. Beachten Sie dabei, dass die einzelnen Artikel der Fachzeitschriften in der Regel nicht im Online-Katalog aufgeführt sind.
• In Ihrer Schulbibliothek und in öffentlichen Bibliotheken erhalten Sie professionelle Unterstützung bei der Recherche.
• Bei kommerziellen Medienanbietern (zum Beispiel Buchhandelskataloge wie «buch.ch») können Sie Bücher kaufen, die Sie während der ganzen Arbeit brauchen und bearbeiten wollen.
• Die Suchmaschinen im Internet geben Ihnen einen ersten Überblick.
• Von den gängigen Datenbanken und Fachportalen stehen Ihnen für detaillierte Recherchen einige über «www.digithek.ch» zur Verfügung, andere konsultieren Sie in den öffentlichen Bibliotheken.
• In Zeitungs- und Zeitschriftenarchiven suchen Sie nach Artikeln zum Thema.
• Verlassen Sie sich bei der Suche nach Filmmaterial nicht nur auf YouTube, sondern suchen Sie auch in Online-Lexika und in Filmarchiven.
• Für spezielle Informationen können Sie sich auch an Stadtarchive, amtliche Stellen, Museen, Vereine, Berufsvereinigungen, Fachorganisationen oder Fachpersonen wenden.
2.1.3 Wie gehe ich bei der Suche vor?
Suchbegriffe sammeln: Gewisse Stichwörter zum Thema eignen sich als Suchbegriffe, andere müssen einer gezielten Suche angepasst werden. Formulieren Sie, ausgehend von Stichwörtern, die Sie zu Ihrem Thema zusammengestellt haben, eine Liste von Suchbegriffen. Verwenden Sie die Wörter im Singular und kombinieren Sie geeignete Begriffe. Denken Sie daran, dass lediglich orthografisch ähnliche Begriffe, nicht aber sinnverwandte Bezeichnungen beim Suchlauf berücksichtigt werden. Oft lässt sich die Suche durch Synonyme und Unterbegriffe präzisieren (zum Beispiel Völkermord – Genozid).
StichwortSuchbegriffeTerritorialTerritorialkonflikt, Bosnien, GrenzeReligiöse WurzelnReligion, muslimisch, katholisch, orthodoxStaatsformVielvölkerstaat, Kommunismus, DemokratieInnerstaatlichEthnieRassismusRassismus, DiskriminierungFalls Sie das Gewünschte nicht finden, modulieren Sie die verwendeten Stichwörter. Hier ein Beispiel zum Vorgehen für den ursprünglichen Suchbegriff muslimisch:
Synonyme: mohammedanisch
Oberbegriff: Islam
Unterbegriff: schiitisch, sunnitisch
Tipps zur Verwendung von Suchbegriffen
• Listen Sie nur aussagekräftige Begriffe auf.
• Listen Sie nicht alle denkbaren Synonyme auf, das könnte Ihre Recherche aufblähen.
• Lösen Sie Abkürzungen auf.
• Bedenken Sie alternative Schreibweisen, vermeiden Sie Suchbegriffe mit mehrdeutiger Orthografie (Umlaute, Eszett) oder verwenden Sie Platzhalter (* oder % oder ?).
• Suchen Sie standardmässig im Singular. Pluralformen können Sie durch Platzhalter (* oder % oder ?) am Wortende einbeziehen.
Tipps zur Suche mit Suchmaschinen
Suchbegriffe können miteinander kombiniert werden. Dazu setzen Sie einen der Operatoren UND, ODER, NICHT (AND, OR, NOT) zwischen die gewählten Suchbegriffe.
• UND zeigt Treffer an, die beide Begriffe enthalten.
• ODER zeigt Treffer an mit einem oder beiden Suchbegriffen.
• NICHT verhindert die Anzeige von Seiten mit dem betreffenden Begriff.
• Anführungszeichen am Anfang und Ende einer Wortfolge zeigen Treffer mit genau dieser Wortfolge an.
Ohne weitere Angaben wird in den meisten Suchmaschinen zwischen mehreren Suchbegriffen eine UND-Verknüpfung hergestellt.
In der Regel erhalten Sie nicht zu wenige, sondern zu viele Treffer, die Sie nach weiteren Kriterien (Zeitraum, Land, Sprache, Quelle) filtern können.

Aufgabe 1 Einsatz von Operatoren
Sie möchten möglichst viele Treffer zu den Suchbegriffen Bienensterben, Krankheitserreger, Pflege, Medikamente, Zucht.
• Formulieren Sie die Suchanfrage mithilfe der Operatoren.
• In einem nächsten Schritt möchten Sie, dass alle Treffer zu diesen Suchbegriffen auch wirklich mit Bienen zu tun haben. Wie formulieren Sie die Suchanfrage nun?
• Zuletzt möchten Sie, dass die Informationen die Schweiz betreffen und nicht älter als sechs Monate sind. Wie gehen Sie vor?
2.1.4 Wie bewerte ich die gefundenen Quellen?
Die folgenden drei Kriterien müssen die gefundenen Materialien auf jeden Fall erfüllen:
• Glaubwürdigkeit und Gültigkeit: Die Suchresultate sind aktuell und glaubwürdig.
• Relevanz: Die gefundenen Informationen sind von Interesse und praktischem Nutzen für die Arbeit.
• Verständlichkeit: Die Informationen sind für Sie verständlich und nachvollziehbar.
Kürzlich erschienene wissenschaftliche Publikationen erfüllen das Kriterium der Glaubwürdigkeit am besten. Am schwierigsten sind Quellen im Internet einzuschätzen.
Glaubwürdigkeit und Aktualität von Internetquellen prüfen
Bei der Suche im Web genügen wenige Klicks, um eine Riesenauswahl an Treffern zu erhalten. Allerdings ist es aufwendig zu prüfen, ob die gefundenen Quellen vertrauenswürdig sind. Folgende Kriterien können hierzu erste Anhaltspunkte bieten (vgl. Sandberg 2017, S. 73−79):
Ist der Autor oder die Autorin der Quelle bekannt?Finden sich zum Beispiel im Impressum oder in der Rubrik «Über uns» Kontaktangaben (Adresse, Telefon, E-Mail)? Funktionieren entsprechende Links?Handelt es sich um Expertinnen und/oder Experten aus dem akademischen Umfeld oder um Laienbeiträge? Sind andere Werke dieser Autorinnen und Autoren zum gleichen Thema veröffentlicht worden?Wer betreibt die Webseite?Die URL kann verraten, wer eine Webseite verantwortet. Handelt es sich um eine Universität (zum Beispiel «unibe.ch»), um ein öffentliches Amt, um eine Regierungsseite (zum Beispiel «admin.ch», «gouv.fr») oder um eine private Seite?Welches sind die Absichten der Autorin oder des Autors?Will sie oder er informieren, unterhalten, die persönliche Meinung kundtun, Werbung machen, politisch beeinflussen oder helfen ohne kommerzielles Interesse dahinter? Äussert sie oder er sich nicht explizit dazu, hilft die Art der Webseite weiter: Ist es zum Beispiel eine Firma, die etwas verkaufen will, oder ein Politiker, dessen Angaben in den Kontext seiner politischen Ansichten gestellt werden müssen? Oder handelt es sich um eine Umweltschutzorganisation?Beispiele zum Begriff «Wolf»: Stammen die Auskünfte über dieses Tier von einem bekannten Naturforscher, von einer Zoodirektorin, von einem Umweltaktivisten, von einer Wirtschaftspolitikerin, von einem Schafzüchter oder aus esoterischen Kreisen?Gibt die Autorin oder der Autor Quellen an?Legt die Seite ihre Informationsquellen über weiterführende Links offen, oder sind die Angaben anderweitig überprüfbar (zum Beispiel über Bücher)? Handelt es sich um glaubhafte Quellen? Wird umgekehrt auch von anderen Webseiten auf diejenige der Autorin oder des Autors verlinkt? Wie ist die Qualität dieser Seiten? Gibt es ernst zu nehmende Kommentare oder Bewertungen von Benutzenden?Wie aktuell ist die Seite?Sind Erstellungs- und/oder Aktualisierungsdatum ersichtlich? Funktionieren die aufgeführten Links?Ohne Abgleich mit anderen Quellen ist «Wikipedia» nicht in jedem Fall zuverlässig (vgl. Landeszentrale für Medien und Kommunikation [LMK] Rheinland-Pfalz 2016). Da jede und jeder dort Beiträge verfassen kann, wissen wir nicht, wer einen Artikel verfasst hat. Auch können Artikel aus politischen oder persönlichen Gründen geändert oder «geschönt» sein. Es empfiehlt sich, eine zweite Quelle beizuziehen, zum Beispiel die «Encyclopedia Britannica».
Weitere Hinweise zu Internetrecherche und Beurteilung von Internetseiten finden Sie in den Broschüren und Netzbeiträgen der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (vgl. Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen 2016), insbesondere in den Broschüren «Suchen, finden, weitergeben» (vgl. Machill et al. 2014) oder «Der Info-Kompass: Orientierung für den kompetenten Umgang mit Informationen» (vgl. Machill et al. 2012).
Relevanz prüfen
Um herauszufinden, ob die gefundenen Materialien fürs Beantworten Ihrer Fragestellung interessant und nützlich sind, suchen Sie die Inhalts- und Stichwortverzeichnisse ab. Auch in Dokumenten, die eine andere Fragestellung verfolgen, können Sie wichtige Informationen finden.

Aufgabe 2 Auswählen von Dokumenten
Sie verfolgen in einem Unterkapitel Ihrer Arbeit folgende Fragestellung: Sieht das Pariser Übereinkommen von 2015 in Sachen Reduktion des Treibhausgasausstosses für Schwellen- und Entwicklungsländer das Gleiche vor wie für die Industriestaaten? Sie haben in einem Zeitungsarchiv und mit Google bereits einige Dokumente gefunden, die zu dieser Fragestellung Abschnitte und Kapitel enthalten könnten. Lesen Sie die folgende Titelliste. Entscheiden Sie, welche der Dokumente Sie genauer anschauen wollen.
a) Nur noch kurz die Welt retten. Beim Klimagipfel in Paris steht viel auf dem Spiel. Wie gross ist die Bereitschaft für Kompromisse? Online: http://news.rtl2.de/weltweit/un-klimagipfel-in-paris-weltweit/ [Abrufdatum: 25.03.2018].
Lead: Die Mission ist klar, allein die Umsetzung gestaltet sich schwierig. 150 Staats- und Regierungschefs ringen von nun an in Paris um ein neues Klimaabkommen.
b) Manchen Korallen hilft der Klimawandel. In: Tages-Anzeiger, 18.08.2016. Der Klimawandel schadet Korallenriffen, so die allgemeine Annahme. Zumindest an einigen Korallenriffen könnte der mit dem Klimawandel einhergehende Meeresspiegelanstieg die Lebensbedingungen jedoch deutlich verbessern.
c) Hofmann, Markus: Alle Länder beim Klima gefordert. In: Neue Zürcher Zeitung, 14.12.2015.
Lead: Das Pariser Abkommen legt die Grundlage für eine klimaneutrale Wirtschaft. Der erste Vertrag, der alle Staaten zu Klimaschutzmassnahmen verpflichtet, ist das Ergebnis vieler Kompromisse. Das Pariser Abkommen ermöglicht es, die Anstrengungen aller Länder mit der Zeit zu erhöhen.
d) Armut durch Klimawandel. In: Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2013.
Lead: Die ärmsten Regionen Afrikas und Asiens sind vom globalen Klimawandel in besonderem Mass betroffen. Eine Studie der Weltbank prognostiziert unter gleichbleibenden Bedingungen eine Zuspitzung der Armut und Unterernährung. Online: www.nzz.ch/armut-durch-klimawandel-1.18101924 [Abrufdatum: 14.08.2018].
e) Klimawandel: Auch Schwellenländer verantwortlich. Online: www.blick.ch/news/klimawandel-auch-schwellenlaender-verantwortlich-id1461952.html 04.12.2007 [Abrufdatum: 03.03.2017].
Lead: Auch Schwellenländer verantwortlich. WASHINGTON − Die Gefahren des Klimawandels können gemäss einer Studie nicht von …
f) Neue Partnerschaft für Klimaschutz: Entwicklungsländer stärker unterstützen. Online: www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/07/2016-07-04-petersberger-klimadialog.html [Abrufdatum: 24.03.2018].
Lead: Die Bundesregierung will Entwicklungsländern dabei helfen, die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen. Zum Auftakt des Petersberger Klimadialogs stellten Entwicklungsminister Müller und Bundesumweltministerin Hendricks dazu Pläne für eine Partnerschaft vor.
g) Massnahmen gegen den Klimawandel in Afrika. Online: www.gesichter-afrikas.de/klima/klimawandel/massnahmen.html [Abrufdatum: 24.03.2018].
2.1.5 Wie verwalte ich die gefundenen Informationen?
Rechercheprotokoll
Um auch zu einem späteren Zeitpunkt nachvollziehen zu können, wonach Sie bereits gesucht haben, ist es gut, wenn Sie Ihre Suchbegriffe notieren und Ihren Rechercheweg protokollieren. Dafür eignet sich eine tabellarische Darstellung. In den ersten beiden Spalten führen Sie die Quelle sowie die verwendeten Suchbegriffe an, in der dritten die URL der Treffer. Unabdingbar ist auch das Datum des Abrufs. Und mit der Bewertung des Ergebnisses (Spalte 4) ersparen Sie sich Wiederholungen.
QuelleSuchbegriffeErgebnisse (Treffer)EinschätzungDatumGoogleBosnien Territorialkonflikthttps://de.wikipedia.org/wiki/BosnienkriegBrauchbarer Überblick15.03.18Schweizerisches Zeitungsarchiv «swissdox.ch»Bosnien VielvölkerstaatBosniens steiniger Weg aus der Sackgasse. NZZ, 20. Nov. 2015.Aktuelle politische Einordnung15.03.18Katalog Schweizer Hochschulbibliotheken «swissbib.ch»Bosnien RassismusDorin, A. 2010: Srebrenica – Geschichte eines salonfähigen Rassismus. Kai Homilius Verlag.Tief greifende Analyse15.03.18Der Aufwand für die Erstellung eines Rechercheprotokolls erscheint vielleicht gross, aber nicht selten möchte man beim Schreiben auf einen Artikel oder eine Textstelle hinweisen, von denen man nicht mehr weiss, wo man sie gefunden hat. Ohne Dokumentation der ursprünglichen Vorgehensweise ist der Rechercheweg meist nicht mehr nachvollziehbar, das heisst, die Suche beginnt von vorne – ein ärgerlicher Zeitverlust. Es lohnt sich, auch Quellen mit der Einschätzung «unbrauchbar» aufzulisten. So vermeiden Sie, sich wiederholt mit unnützen Quellen zu beschäftigen.
Literaturverwaltungsprogramme
Aktualisieren Sie während des Sammelns von Informationen laufend Ihr Literaturverzeichnis. Das ist in vielen Textverarbeitungsprogrammen möglich (zum Beispiel Word: «Verweise» – «Quellen verwalten» – «Literaturverzeichnis»). Es lohnt sich aber auch zu prüfen, ob Sie nicht die Möglichkeiten nutzen wollen, die ein Literaturverwaltungsprogramm bietet.
Citavi ist ein Literaturverwaltungsprogramm für Microsoft Windows. Das Programm integriert die Verwaltung von Literaturangaben und Dokumenten. Die Nutzung des Programms ist kostenlos, sofern die einzelnen Projektordner nicht mehr als hundert Einträge umfassen. Nachweise verschiedener Dokumenttypen (Bücher, Artikel, Vorträge, Ton- und Filmdokumente und so weiter) können gesammelt, verwaltet, gespeichert und inhaltlich erschlossen werden. Citavi unterstützt auch Literaturrecherchen, indem es Online-Zugriffe auf wissenschaftliche Literaturdatenbanken sowie Buchhandels- und Bibliothekskataloge ermöglicht (vgl. Wikipedia.org 2018a: Stichwort «Citavi»).
Zotero ist ein kostenloses Literaturverwaltungsprogramm für Microsoft Windows und Mac zum Sammeln, Verwalten und Zitieren unterschiedlicher Online- und Offline-Quellen (vgl. Wikipedia.org 2018c: Stichwort «Zotero»).
2.2 Die ausgewählten Materialien verarbeiten
Nun haben Sie Texte gesichtet, ausgewählt und gespeichert. Im nächsten Schritt wollen Sie die Textstellen innerhalb der Dokumente finden, die Informationen zu Ihrer Fragestellung enthalten; das sind meist Abschnitte oder Unterkapitel. Verschaffen Sie sich einen Überblick mittels Überschriften, Inhaltsverzeichnis und so weiter: Worum geht es im Text? Wo steht das, was für meine Arbeit interessant ist? Vergegenwärtigen Sie sich die Fragestellung Ihrer Arbeit und wählen Sie die wichtigen Abschnitte des Dokuments aus. Lesen Sie diese ausgewählten Abschnitte und Kapitel genau, das heisst Satz für Satz. Manchmal müssen Sie vielleicht Wörter nachschlagen, manchmal einen komplexen Satz mehrmals lesen, manchmal auch ganze Abschnitte. Filtern Sie nach jedem grösseren Abschnitt die Informationen heraus, die für Ihre Fragestellung wichtig sind. Das können Zahlen, Fachbegriffe, Zusammenhänge, Fakten oder Schlüsselbegriffe sein. Auch einige wichtige Sätze sollten Sie herausschreiben, die sich als Zitate eignen. Notieren Sie diese Zitate (und wo Sie sie gefunden haben) auf ein separates Blatt. Legen Sie nun alle Texte, Dokumente, Videos und so weiter, die Sie durchgearbeitet haben, weg. Ordnen Sie die gewonnenen Stichwörter neu, nach Ihrer eigenen Logik und in Bezug auf Ihre Fragestellung. Vielleicht müssen Sie die Stichwörter in eine neue Reihenfolge bringen, vielleicht gehören gewisse Stichwörter unter einen anderen Oberbegriff. Schreiben Sie auf der Grundlage der neu strukturierten Stichwörtersammlung in einem nächsten Schritt einen Text. Schreiben Sie so, als ob Sie den Sachverhalt jemandem erklären würden, der von Ihrem Thema noch nichts weiss.
Gönnen Sie sich danach eine Pause, vergegenwärtigen Sie sich Ihre Fragestellung erneut und lesen Sie Ihren eigenen Text durch. Wird die Fragestellung Ihrer Arbeit darin beantwortet, und zwar auf eine gut nachvollziehbare Art und Weise? Ist Ihr Text genügend explizit formuliert, aber ohne Wiederholungen? Enthält Ihre Zusammenfassung die nötigen Fakten, Zahlen, Proportionen und so weiter? Enthält sie die nötigen Fachbegriffe aus dem Sachgebiet? Werden diese aus dem Zusammenhang klar, oder werden sie erklärt? Gibt es in Ihrer Zusammenfassung Schnittstellen zu den nächsten Kapiteln Ihrer Abschlussarbeit, beispielsweise zur quantitativen Befragung oder zum Experiment? In diesem Arbeitsschritt können Sie Ihre Quellentexte wieder konsultieren und beispielsweise Fachbegriffe ergänzen.
Wenn Sie alle Dokumente auf diese Weise gelesen, analysiert, strukturiert und Ihre Notizen daraus zu Ihrem neuen eigenen Text verarbeitet haben, ist eine grosse gedankliche Arbeit geleistet. Sie können nun Quellenverweise und Zitate einfügen und das Literaturverzeichnis für den Schluss der Arbeit erstellen (falls Sie es nicht während des Schreibens und Lesens bereits angelegt und laufend ergänzt haben). Wie Sie das machen, wird im folgenden Abschnitt erklärt.
2.3 Mit Quellentexten korrekt umgehen
Es geht darum, dass Sie für Leserinnen und Leser erkennbar machen, aus welchen Dokumenten (Quellentexten) Sie welche Informationen gewonnen haben. Das hat drei Gründe:
• Sie betten Ihre Arbeit in den Forschungskontext ein. Die Leserinnen und Leser erfahren durch Ihre Quellenangaben, wie aktuell Ihre Arbeit ist, ob Sie sich anhand wissenschaftlicher Literatur informieren und ob Sie journalistische Quellen heranziehen.
• Sie ermöglichen interessierten Leserinnen und Lesern, dem Thema weiter nachzugehen. Mit den genauen Angaben, wo und wie die Quellen des Textes zu finden sind, helfen Sie ihnen dabei.
• Es geht um Redlichkeit. Wenn Sie keine Quellenangaben in Ihre Arbeit einfügen, beanspruchen Sie die Autorschaft aller Gedanken, die darin enthalten sind. An den meisten Schulen wird eine Arbeit abgelehnt, wenn die Quellenverweise ungenügend sind, das heisst, wenn die ganze Arbeit oder Ausschnitte als sogenannte Plagiate eingestuft werden.
2.3.1 Den wissenschaftlichen Ehrenkodex einhalten
Beginnen wir mit der Transparenz, die so wichtig geworden ist, weil wir heute zu fast unendlich vielen Informationen Zugang haben. Um grundlegenden wissenschaftlichen Standards zu genügen, müssen Sie alle bedeutsamen Aussagen Ihrer Arbeit mit überprüfbaren Quellen begründen und belegen (siehe Abschnitt 1.4.3). Die klare Kennzeichnung der Zitate, aber auch der zugrunde liegenden Informationsbasis ist ein wichtiger Bestandteil Ihrer Arbeit (Franke et al. 2014, S. 96). Wenn Sie sich an diese einleuchtende Grundregel halten, laufen Sie auch nicht Gefahr, ein Plagiat zu verfassen. Zudem zeigen Sie, dass Sie sich seriös informiert haben und das Forschungsumfeld kennen.
Gemäss Brockhaus ist ein Plagiat «geistiger Diebstahl, also vollständige oder teilweise Übernahme eines fremden literarischen, musikalischen, bildnerischen oder wissenschaftlichen Werkes in unveränderter oder nur unwesentlich geänderter Fassung unter Vorgabe eigener Urheberschaft» (vgl. Brockhaus.de 2018: Stichwort «Plagiat»). Immer wenn Sie einen Gedanken von jemand anderem übernehmen, selbst wenn Sie ihn in eigenen Worten formulieren, ist die Quellenangabe unerlässlich.
Es kann auch vorkommen, dass Sie unbeabsichtigt, vielleicht sogar unbewusst ein Plagiat verfassen. Wie ist das möglich? Sie werden kaum ohne Absicht ganze Texte kopieren (Vollplagiat). Hingegen können Sie unsorgfältig mit Ihren Quellennachweisen umgehen und sich einem Plagiatsvorwurf aussetzen, wenn Sie zwar die Quelle für ein wörtliches Zitat angeben, aber die Anführungszeichen vergessen. Denken Sie also immer daran, beim Recherchieren und der Arbeit mit Literatur genau zu notieren, woher Sie einen Text übernommen haben und ob es sich um ein wörtliches Zitat handelt, am besten mit einem Rechercheprotokoll (siehe 2.1.5).
2.3.2 Richtig zitieren und verweisen
Sie weisen die Herkunft Ihrer Informationen doppelt nach: jeweils verkürzt an der Stelle, wo Sie die Informationen im Hauptteil wiedergeben, und das zweite Mal ausführlich am Ende Ihrer Arbeit im sogenannten Quellenverzeichnis – mit allen bibliografischen Angaben wie Herausgeber, Erscheinungsjahr, Auflage und so weiter. Für das Quellenverzeichnis lesen Sie bitte unter 2.3.3, «Quellenverzeichnis erstellen».
Zitate und Abbildungen zeigen, dass Sie sich vertieft mit anderen Werken zu Ihrem Thema befasst haben und dass Sie in der Lage sind, Ihre Fragestellung mit dieser Literatur in Beziehung zu setzen. Zitate und Abbildungen sollen also inhaltlich genau in Ihre Argumentation passen, ausdrücklich angekündigt und auch kommentiert werden. Sie können auf zwei verschiedene Arten zitieren: direkt (wörtlich) oder indirekt (sinngemäss).
Direktes (wörtliches) Zitat
Für ein direktes Zitat übernehmen Sie eine Textpassage wortgetreu in Ihre Arbeit. Sie setzen sie in Anführungs- und Schlusszeichen und geben danach die Quelle in einem sogenannten Kurzbeleg an (Nachname Autor, Jahr und Seitenzahl); je nach Richtlinien an Ihrer Schule gilt etwas anderes. Zentral ist dabei Folgendes: Ihre Kurzbelege sind einheitlich und so ausführlich, dass Ihre Leserinnen und Leser im Quellenverzeichnis problemlos die Quellentexte finden, zum Beispiel: (Sandberg 2017, S. 132). Bei Zitaten aus Internettexten geben Sie die Institution oder die Autoren und Autorinnen an, die für die Webseite verantwortlich sind.
Ist die Passage relativ kurz, können Sie sie direkt in einen Ihrer selbst geschriebenen Sätze einbauen. Beachten Sie dabei, dass die Syntax stimmen muss. Bei längeren Passagen ist es üblich, sie als eigenen Absatz zu kennzeichnen, zum Beispiel eingerückt, mit kursiver Schrift und einzeiligem Abstand. Fragen Sie zu Details Ihre betreuende Lehrperson, denn es gibt keine einheitliche Regelung.
Bei einem direkten Zitat dürfen Sie am Quellentext nichts ändern, das heisst, Sie übernehmen ihn buchstabengetreu, selbst wenn er Fehler oder eine veraltete Sprache enthält. Sie können allenfalls durch ein «[sic!]» nach dem Fehler anzeigen, dass das entsprechende Wort im Original tatsächlich so geschrieben steht. Achten Sie darauf, das wörtliche Zitat genau abzuschreiben. Das Verbot für Änderungen gilt auch für den Inhalt: Die Aussage des Zitats muss mit den Absichten der Autorin oder des Autors übereinstimmen und darf nicht aus dem Zusammenhang gerissen sein.




