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Ist Ihnen ein Zitat zu lang, können Sie es kürzen, indem Sie die weggelassene Stelle durch drei Auslassungspunkte in eckigen Klammern ersetzen: […]. Die Kürzung darf aber den Sinn des Originaltexts nicht verändern. Direkte Zitate sollten Sie sparsam einsetzen. Sie verweisen darin auf besonders wichtige Aussagen. Schlagen Sie zu Einzelheiten der Zitierweise im Leitfaden Ihrer Schule nach, denn es gibt verschiedene Möglichkeiten beim Zitieren.
Indirektes (sinngemässes) Zitat
Wenn Sie indirekt zitieren, übernehmen Sie nicht wörtliche Formulierungen, sondern die Ideen, Gedanken oder Thesen Dritter, drücken diese Inhalte aber in Ihren eigenen Worten aus. Durch ein «vgl.» (= vergleiche) vor dem Quellenbeleg kennzeichnen Sie solche Textpassagen als indirektes Zitat. Dieser Quellenbeleg kann beim sinngemässen Zitieren auch erst nach mehreren Sätzen erfolgen, muss aber deutlich ausweisen, worauf er sich bezieht. Mithilfe indirekter Zitate können Sie die Forschungsergebnisse mehrerer Werke oder einen langen, komplexen Gedankengang zusammenfassen. Und die eigenen Formulierungen zeigen, dass Sie die Inhalte verstanden haben.
Die sinngemässe Wiedergabe Ihrer Quellen birgt aber auch Risiken: Durch eine unachtsame Kürzung können Sie ungewollt den Sinn des Originals entstellen oder die Hypothese einer Autorin oder eines Autors zu einer Behauptung machen. Durch Verallgemeinerungen können die Aussagen des Quellentexts ebenfalls falsch wiedergeben werden. Für Lesende ist unter Umständen nicht klar, wann die Quelle spricht und wann Sie sprechen. Dies vermeiden Sie durch Ankündigungssätze oder durch redeeinleitende Verben (gemäss XY, wie XY darlegt, XY weist darauf hin, dass …).
Zitate aus zweiter Hand
Als Zitat aus zweiter Hand wird eine Textstelle bezeichnet, die bereits in der von Ihnen benutzten Quelle als Zitat aufgeführt wird. Sie greifen also nicht auf den Originaltext zurück. Dies sollte allerdings nur in gut begründeten Ausnahmefällen geschehen, denn Sie können nicht wissen, ob die Autorin oder der Autor Ihrer Quelle korrekt zitiert (wortgetreu, nicht aus dem Zusammenhang gerissen, nicht aus zweiter oder gar dritter Hand und so weiter). Ist für Sie ein solches Zitat aus zweiter Hand unumgänglich, so müssen Sie angeben, dass der Beleg nicht aus dem Original stammt, sondern aus einer anderen Quelle, indem Sie hinzufügen «zitiert nach».
Beispiel: «Nicht meine Gedanken erzwingen meine Bilder, meine Bilder erzwingen meine Gedanken» (Dürrenmatt 1961, S. 12, zitiert nach von Matt 2004, S. 245). Im Quellenverzeichnis stehen Dürrenmatts «Die Panne» (Dürrenmatt, Friedrich: Die Panne. Zürich 1961) und das Buch von Peter von Matt (Matt, Peter von: Die tintenblauen Eidgenossen. Über die literarische und politische Schweiz. München: dtv 2004).
Zitieren oder Verweisen bei Bildern, Tabellen und Zeichnungen
Die gewählten Bilder oder Tabellen sollen in engem Zusammenhang mit dem geschriebenen Text stehen und ihn in sinnvoller Weise ergänzen. Beim Einfügen von Abbildungen und Tabellen gelten folgende Regeln:
• Sie stehen direkt beim Fliesstext, zu dem sie gehören.
• Sie werden durchnummeriert, jeweils nach der Kennzeichnung «Abbildung» oder «Tabelle», damit Sie in Ihrem Text problemlos darauf verweisen können, zum Beispiel: «wie in Tabelle 9 dargestellt» oder «vergleiche Abbildung 4» (vgl. Niederhauser 2015, S. 51).
• Sie tragen einen aussagekräftigen Titel (Bildlegende), der bei Tabellen manchmal oberhalb platziert wird, bei Abbildungen eher unterhalb.
Enthält Ihre Arbeit zahlreiche Abbildungen und Tabellen, können Sie ein Tabellen- oder Abbildungsverzeichnis erstellen. Da es für solche Verzeichnisse keine einheitlichen Regeln gibt, wenden Sie sich dafür am besten an Ihre betreuende Lehrperson.
Haben Sie die Abbildungen und Tabellen eigenständig erstellt, braucht es keinen Quellenverweis. Bei Bildern von Dritten hingegen müssen Sie nach der Bildlegende eine Quellenangabe hinzufügen. Ansonsten würde das Bild als Ihr eigenes verstanden, was wiederum ein Plagiat wäre. Korrekterweise zitieren Sie beim Verwenden fremder Bilder genauso, wie Sie es bei der Übernahme von Ideen oder Texten in Ihrer Arbeit machen: Nachname Autor, Jahr und Seitenzahl oder Internetadresse (URL) und Abrufdatum (siehe 2.3.3).
Haben Sie geringfügige Änderungen an der Originalabbildung vorgenommen (zum Beispiel Beschriftungen angepasst), kennzeichnen Sie es wie bei einem indirekten Zitat («vgl.»). Bei wesentlichen Änderungen hingegen setzen Sie vor den Quellenbeleg «in Anlehnung an» oder «modifiziert nach».
2.3.3 Quellenverzeichnis/Literaturverzeichnis erstellen
Zwischen den Bezeichnungen «Quellenverzeichnis» und «Literaturverzeichnis» wird oft nicht unterschieden. Einige Autoren differenzieren jedoch:
«Ein Literaturverzeichnis enthält nur Monografien (Bücher) und Aufsätze, die in Sammelwerken oder Zeitschriften erschienen sind. Wenn darüber hinaus Internetquellen oder andere Quellen zitiert werden, wird das Literaturverzeichnis zum Quellenverzeichnis» (Sandberg 2017, S. 279).
Verfahren Sie nach dem Namen-Datum-System, werden im Quellenverzeichnis alle verwendeten Dokumente alphabetisch aufgelistet. Wenn eine Leserin oder ein Leser Ihr Quellenverzeichnis am Schluss der Arbeit anschaut, dann weiss sie oder er nicht, welches Dokument Sie wo in Ihrer Arbeit verwendet haben. Es braucht also noch den Kurzbeleg in Ihrer Arbeit dazu (siehe 2.3.2). Wenn Sie das Nummern-System verwenden, werden die Quellen in der Reihenfolge des Vorkommens angegeben, und die Lesenden können die entsprechenden Stellen unter der aufgeführten Nummer im Fliesstext suchen.
Im Folgenden sind die wichtigsten Regeln für das Erstellen eins Quellenverzeichnisses aufgeführt. Diese Regeln sind je nach Verfasser, Forschungsgebiet und Institution unterschiedlich, auch hier gibt es keine einheitliche und allgemeingültige Regel. Es empfiehlt sich daher, sich nach dem Leitfaden Ihrer eigenen Institution zu richten, der in der Regel weitere Details enthält.
Bücher
Der vollständige Quellennachweis eines Buchs am Schluss Ihrer Arbeit im Quellen- oder Literaturverzeichnis wird folgendermassen gemacht: Nachname Autor/in, Vorname: Titel. Verlagsort: Verlag Publikationsjahr. Zum Beispiel: Bauer, Joachim: Schmerzgrenze. Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt. München: Heyne, 3. Auflage 2013 (siehe weitere Beispiele im Literaturverzeichnis, hier).
Artikel im Internet
Nachname Autor/in, Vorname: Titel des Artikels (Jahr). Online: www. … [Abrufdatum].
Beispiel: Hippler, Jochen: Globale Werte, Völkerrecht und zwischenstaatliche Gewalt – Auf dem Weg zu einer politischen Weltkultur? Online: www.jochenhippler.de/html/globale_werte-_volkerrecht-_gewalt.html [Abrufdatum: 26.08.2018].
Falls die Autorin oder der Autor unbekannt ist, gibt man die Institution oder einen zentralen Begriff der Website an. Beispiel: Deutsches Historisches Museum: hdg.de/lemo/bestand/medien/video-truemmer-alltag.html [Abrufdatum: 18.08.2016].
Artikel in einem Buch
Artikel in einem Buch werden so aufgeführt: Nachname Autor/in, Vorname: Titel des Artikels. In: Nachname Herausgeberschaft, Vorname Herausgeberschaft (Hrsg.): Titel des Buches. Verlagsort: Verlag Jahr, Seitenzahlen.
Beispiel: Wilke, Manfred: Wieslers Umkehr. In: Henckel von Donnersmark, Florian (Hrsg.): Das Leben der anderen. Filmbuch. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007, S. 201−213.
Artikel in einer Zeitschrift
Nachname Autor/in, Vorname: Titel des Artikels. In: Titel der Zeitschrift, Bandnummer, Jahr, Seitenzahlen.
Beispiel: Klein, Stefan: Ist weniger wirklich mehr? Die Wissenschaft untersucht, wie Besitz und Glück zusammenhängen. In: NZZ-Folio, Nr. 10, 2016, S. 24−33.
Artikel in einer Zeitung
Nachname Autor/in, Vorname: Titel des Artikels. In: Name der Zeitung. Datum, Seitenzahlen.
Beispiel: Laukenmann, Joachim: Jetzt tut sich Entscheidendes. In: Tages-Anzeiger. 30. September 2016, S. 42.

Aufgabe 3 Quellenverzeichnis
Ordnen Sie die folgenden Quellennachweise in der Reihenfolge, wie sie im Quellenverzeichnis aufgeführt werden, und korrigieren Sie sie. Jede einzelne Quellenangabe enthält mindestens einen formalen Fehler.
a) Kulturverhalten in der Schweiz 2014. Filme, Kinos und Filmfestivals. Online: bfs.admin.ch. Stichwort: Themen, Kultur, Film/Kino, Typ: PDF.
b) Koch, Sebastian: Warum ich erst jetzt eine Kinohauptrolle in Deutschland spiele. In: Henckel von Donnersmarck, Florian: Das Leben der Anderen. Filmbuch. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007.
c) Wenger, Brigitte: Orthorexie: Gesund, gesünder, verbissen. In: srf.ch. Veröffentlicht am 17.02.2016 [Abrufdatum: 18.08.2016].
d) Samuel, Misteli: Hochzeit mit neunzehn. Geschieden, alleinerziehend, selbständig: Florije Rahimi ist eine moderne Muslimin. In: NZZ-Folio, August 2016, S. 39–40.
e) Kast, Bas: Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft. Die Kraft der Intuition. Fischer.
2.4 Literatur
Empfohlene und verwendete Literatur
Beck, Barbara; Lübeck, Anja: Wissenschaftliches Arbeiten am Beispiel der Facharbeit in der gymnasialen Oberstufe. Eine Handreichung für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler. Münster: Waxmann 2016.
Brockhaus.de: Plagiat. Online: https://brockhaus.de/ecs/enzy/article/plagiat [Abrufdatum: 14.08.2018].
Franke, Fabian; Kempe, Hannah; Klein, Annette; Rumpf, Louise; Schüller-Zwierlein, André: Schlüsselkompetenzen: Literatur recherchieren in Bibliotheken und Internet. Stuttgart: Metzler, 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2014.
Haarkötter, Hektor: Die Kunst der Recherche. Konstanz: UVK 2015.
Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz: klicksafe.de − Suchmaschinen. Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz (2018). Online: www.klicksafe.de/suchmaschinen [Abrufdatum: 16.03.2018].
Machill, Marcel; Beiler, Markus; Gerstner, Johannes R.: Der Info-Kompass. Orientierung für den kompetenten Umgang mit Informationen. Düsseldorf: LfM 2012.
Machill, Marcel; Beiler, Markus; Gerstner, Johannes R.: Suchen, finden, weitergeben − Workshop zur Informationskompetenz im Netz. Handreichung für Dozentinnen und Dozenten. Düsseldorf: LfM 2014.
Niederhauser, Jürg: Die schriftliche Arbeit kompakt: von der Ideenfindung bis zur fertigen Arbeit: für Schule, Hochschule und Universität. Mannheim: Bibliographisches Institut, Dudenredaktion 2015.
Sandberg, Berit: Wissenschaftliches Arbeiten von Abbildung bis Zitat. Lehr- und Übungsbuch für Bachelor, Master und Promotion. Berlin: de Gruyter, 3. Auflage 2017.
Wikipedia.org: Citavi (2018a). Online: https://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=158122287 [Abrufdatum: 16.03.2018].
Wikipedia.org: SQ3R-Methode (2018b). Online: https://de.wikipedia.org/wiki/SQ3R-Methode [Abrufdatum: 16.03.2018].
Wikipedia.org: Zotero (2018c). Online: https://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=157710186 [Abrufdatum: 16.03.2018].
Wytrzens, Georg; Schauppenlehner-Kloyber, Elisabeth; Gratzer, Hans Karl; Sieghardt, Monika: Wissenschaftliches Arbeiten. Eine Einführung. Wien: facultas Universitätsverlag, 5. Auflage 2017.
Lösungen
Aufgabe 1 Einsatz von Operatoren
• Bienensterben oder Krankheitserreger oder Pflege oder Medikamente oder Zucht
• Bienensterben oder Krankheitserreger oder Pflege oder Medikamente oder Zucht und Biene
• Bei allen Suchmaschinen gibt es die Möglichkeit, das Land und die Suchperiode einzugeben. Bei Google finden Sie diese Möglichkeit der Einschränkung unter den Tools oder in der erweiterten Suche.
Aufgabe 2 Auswählen von Dokumenten
• Folgende Titel muss man sich anschauen: c) und f).
• Folgende Titel sind vermutlich nicht Erfolg versprechend:
a) ist vor der Klimakonferenz erschienen und befasst sich nicht mit Entwicklungsländern.
b) ist auf ein enges Thema fokussiert und hat keine politische Dimension.
d) legt nur die Folgen des Klimawandels dar.
e) Der Titel klingt interessant, der Artikel ist mit dem Erscheinungsjahr 2007 aber zu alt und die Zeitung «Blick» als Informationsquelle für Ihre Abschlussarbeit weniger geeignet, da sie ein sehr breites Publikum ansprechen muss.
In g) werden zwar die Folgen des Klimawandels in Schwellen- oder Entwicklungsländern angesprochen, aber die Seite wurde seit 2012 nicht mehr aktualisiert.
Aufgabe 3 Quellenverzeichnis
Sie sehen im Folgenden am Fettdruck, welche Angaben fehlten oder fehlerhaft waren. Ausserdem sind die Quellen alphabetisch zu ordnen: e – b – a – d – c
a) Kulturverhalten in der Schweiz 2014. Filme, Kinos und Filmfestivals. Online: bfs.admin.ch. Stichwort: Themen, Kultur, Film/Kino, publiziert am 19.07.2016 [Abrufdatum: 24.03.2018]. Typ: PDF.
b) Koch, Sebastian: Warum ich erst jetzt eine Kinohauptrolle in Deutschland spiele. In: Henckel von Donnersmarck, Florian: Das Leben der Anderen. Filmbuch. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007, S. 171–181.
c) Wenger, Brigitte: Orthorexie: Gesund, gesünder, verbissen. Online: srf.ch/sendungen/puls. Veröffentlicht am 17.2.2016 [Abrufdatum: 24.03.2018]. Damit man den Artikel findet, braucht es genauere Angaben als srf.ch.
d) Misteli, Samuel (nach amerikanischer Zitierweise folgt der Vorname nach dem Nachnamen): Hochzeit mit neunzehn. Geschieden, alleinerziehend, selbständig: Florije Rahimi ist eine moderne Muslimin. In: NZZ-Folio, August 2016, S. 39–40.
e) Kast, Bas: Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft. Die Kraft der Intuition. Frankfurt am Main: Fischer 2009.
Worum geht es?
Zahlreiche örtliche oder räumliche Gegebenheiten, die unseren Alltag betreffen, beispielsweise der Weg vom Wohnort zur nächsten ÖV-Haltestelle oder die Verbreitung der Filialen von McDonald’s in der Schweiz, erfassen wir mit Daten, die einen räumlichen Bezug haben. Es wäre sicher möglich, diese Daten in Tabellen darzustellen. Viel aufschlussreicher ist es, solche Daten auf geografischen Karten oder Plänen festzuhalten. Das Kartografieren der Daten zeigt uns Zusammenhänge auf, die als Grundlage für Entscheidungen in vielerlei Hinsicht dienen, beispielsweise für die Verkehrsplanung, die Standortsuche für neue Schulhäuser oder die Massnahmen zur Verbesserung der Artenvielfalt und vieles mehr.
Dieses Kapitel strebt folgende Lernziele an:
• Sie kennen die spezifischen Voraussetzungen und Merkmale der Arbeit mit raumbezogenen Daten.
• Sie sind in der Lage, die Datenerhebung im Gelände sorgfältig zu planen und alle notwendigen Vorbereitungsarbeiten vorzunehmen.
• Sie kennen – abhängig von der Fragestellung – verschiedene Möglichkeiten, räumliche Stichproben zu definieren.
• Sie können Feldarbeit präzise durchführen, die Daten auswerten, mit geeigneten Symbolen, Signaturen und Farben darstellen (GIS) und dokumentieren.
Inhalt
3.1 Daten mit Raumbezug
3.2 Planen der Geländearbeit
3.3 Ortsbezogene Informationen sammeln − aber wo genau?
3.4 Durchführung der Geländearbeit
3.5 Kartieren − Darstellung von Raumdaten
3.6 Interpretation
3.7 Arbeitsschritte im Überblick
Lösungen
3.1 Daten mit Raumbezug
Die kartografische Aufzeichnung von raumbezogenen Daten hat durch die Digitalisierung einen enormen Aufschwung erfahren. Informationen zu verschiedenen Lebensbereichen, von der Anzahl von Singlehaushalten in den verschiedenen Regionen der Schweiz über die Verteilung der (Fach-)Hochschulen bis zur regionalen Verteilung der Wohnungspreise, werden heute auf interaktiven Karten festgehalten. Das Verkehrsaufkommen oder auch die aktuellen Flugbewegungen weltweit können sogar in Echtzeit dynamisch mitverfolgt werden.
Es ist für uns zu einer Selbstverständlichkeit geworden, Karten auf dem Smartphone zu haben, mit denen man Fotos, Öffnungszeiten, Adressen, Telefonnummern oder auch die Qualität von Restaurants einer beliebigen europäischen Region einsehen kann. Im Gegensatz zu einer Restaurantliste hat die Karte den Vorteil, dass die Informationen sofort räumlich zugeordnet werden können.
Eine Maturaarbeit, die mit raumbezogenen Daten arbeitet, könnte sehr reizvoll sein. Es könnte beispielsweise die Frage nach den beliebtesten Treffpunkten der Jugendlichen Ihres Alters in Ihrer Wohnstadt gestellt werden und so den Kern Ihrer Arbeit bilden. Die Daten aus der Zählung von Jugendlichen an einschlägigen Orten wie Quartiertreffpunkten, Stadtpärken und Pubs haben einen klaren Raumbezug. Sie sind mit einem bestimmten Ort auf der Erdoberfläche verknüpft, und sie lassen sich demnach auf einer Karte einzeichnen.
Die kartografische Darstellung dieser Informationen hat allerdings nur einen beschreibenden Charakter. Die Interpretation der Darstellung, also die Frage, warum die räumliche Verteilung des untersuchten Merkmals «bevorzugter Treffpunkt für junge Menschen in meiner Wohnstadt» genau so aussieht, wie das die Karte zum Ausdruck bringt, liefert die Karte nicht. Die Frage nach dem «Warum» klären Sie mithilfe von weiteren Informationsquellen, beispielsweise mit einer kurzen Befragung der Jugendlichen.

Aufgabe 1 Raumbezug erkennen
Welche der folgenden Daten weisen einen klaren Raumbezug auf?
• Benzinpreis an verschiedenen Tankstellen im Grossraum Bern an einem bestimmten Stichtag
• Notendurchschnitt im Fach Mathematik in den Klassen in Ihrem Schulhaus
• Anbauprodukte auf den verschiedenen Parzellen eines Bauernbetriebs
• Lohnstruktur bei den SBB
• Herkunft der Gemüseverkäuferinnen und -verkäufer auf dem Wochenmarkt
• Schüttmengen (Wasseraustritt in Litern pro Minute) und Wasserqualität natürlicher Quellen im Kanton Glarus
• Beschlagnahmtes Kokain am Flughafen Zürich
• Verkehrsaufkommen in der Länggasse (Berner Stadtquartier)
Viele Fragestellungen, die sich aus den sozial-, wirtschafts- oder naturwissenschaftlichen Themen von Maturaarbeiten ergeben, führen zu ortsgebundenen Daten, lassen sich also kartografisch darstellen. Warum also nicht selbst eine Karte anfertigen, um die gesammelten Informationen in ihrer räumlichen Verbreitung festzuhalten, darzustellen und auszuwerten?
Man unterscheidet Karten und Pläne, die auf Sekundärdaten (zum Beispiel aus Publikationen, von Amtsstellen oder aus dem Internet) basieren, und Karten, auf denen Daten festgehalten werden, die aus eigenen Erhebungen (Zählungen, Beobachtungen, Befragungen, Messungen) stammen, also aus Primärdaten.
Wenn Sie Sekundärdaten auswerten, müssen Sie die zu untersuchenden Grössen (zum Beispiel Höhe der Wohnungsmieten, Steuerbelastung, Niederschlagsmengen, Mass der eingestrahlten Sonnenenergie oder Ähnliches) einzelnen Raumpunkten zuordnen und auf einer Karte oder einem Plan darstellen. Für diese Arbeit ist es nicht nötig, diese Orte im Raum aufzusuchen. Allerdings müssen die Daten so erfasst worden sein, dass eine räumliche Zuordnung möglich ist (zum Beispiel Hausnummern oder GPS-Koordinaten).
Das Sammeln von Primärdaten hingegen setzt oft Recherchen vor Ort, das heisst direkt beim zu untersuchenden Objekt, voraus. Die Arbeit vor Ort ist anspruchsvoll, unterscheidet sich aber wohltuend vom Unterricht im Klassenzimmer, indem Sie sich einmal mit dem «wirklichen Leben» auseinandersetzen können anstatt nur mit Informationen aus Lehrbüchern, Statistiken oder Filmen.

Aufgabe 2 Recherchen vor Ort
Bei welchen der folgenden möglichen Arbeitsthemen sind Recherchen vor Ort sinnvoll oder sogar notwendig? Die Lösungsvorschläge ergeben viele Hinweise auf die Rahmenbedingungen der diskutierten Themen.
• Die Regulierung des Hirschbestands im Schweizerischen Nationalpark
• Nutzung der öffentlichen Plätze in der Stadt Basel
• Die Herrschaft von Louis XIV
• Berglandwirtschaft in Grindelwald. Krisen und Chancen
• Das Autobahnkreuz Härkingen/Egerkingen als Lebens- und Wirtschaftsraum
• Schulstress. Wie gehe ich mit Prüfungsangst um?
• Einkaufsmöglichkeiten und Einkaufsverhalten in Beinwil am See
• Ölmalerei und Aquarellieren – Zwei Maltechniken im Vergleich
Recherchieren vor Ort, Daten erheben im Gelände und die kartografische Darstellung der Ergebnisse gehen oft Hand in Hand. Im nächsten Abschnitt lernen Sie einerseits, was alles zur Planung, Vorbereitung und Durchführung einer Messkampagne im Feld gehört, andererseits, worauf Sie bei der Wahl der Untersuchungsstandorte und bei der kartografischen Darstellung der Ergebnisse achten müssen.
3.2 Planen der Geländearbeit
Geländearbeit ist erfahrungsgemäss mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie sorgfältige und umfassende Vorbereitungen treffen. Sie müssen sich gut überlegen, welche Daten Sie zu welchem Zweck im Gelände erfassen wollen. Die zu erhebenden Daten sind selbstverständlich von Ihrer Fragestellung abhängig. Die folgenden beiden Beispiele sollen Ihnen zeigen, welche Überlegungen Sie vor der Erhebung der Daten im Gelände machen müssen.
Sie möchten herausfinden, wie sich ein Quartier in Ihrer Stadt in den letzten Jahren oder Jahrzehnten verändert hat. Interessiert Sie vor allem die bauliche Entwicklung (alter Baubestand, Zustand der Häuser, Renovationen, Neubauten)? Oder möchten Sie herausfinden, wie die Gebäude früher und heute genutzt wurden (Wohnen, Restaurant, Gewerbe, Einkaufen)? Vielleicht interessieren Sie sich eher für die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers (Familiengrössen, Altersstruktur, soziale Schicht, Zufriedenheit mit dem Wohnumfeld und der Infrastruktur)? Oder sogar für alle diese Aspekte?
Abbildung 3.1: Wer wohnt in diesen Häusern in der Lorraine? Wann sind die Häuser gebaut worden, welche Veränderungen haben sie seither erfahren (siehe Abbildung 3.11)?




