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Die Karte ist endlich fertig. Sie zeigt die räumliche Verteilung der von Ihnen im Gelände erfassten Daten. Die eigenständig erstellte Karte mit den zu erkennenden Mustern und Strukturen dient Ihnen jetzt dazu, Ihre Fragestellungen zu klären und die Arbeitshypothesen zu überprüfen.
Angenommen, Sie würden sich im Rahmen Ihrer Arbeit mit dem Berner Wochenmarkt auseinandersetzen. Ihr Interesse gilt sowohl den Anbietenden als auch den Kundinnen und Kunden der Gemüse- und Früchtestände. Sie planen Interviews mit Standbetreibern und mit Gelegenheits- oder Stammkundinnen, die sich auf dem Markt mit frischen Produkten eindecken. Zudem möchten Sie bei den Stadtbehörden in Erfahrung bringen, wie die Standplätze bewirtschaftet werden und welche Bedingungen eine Standbetreiberin oder ein Standbetreiber erfüllen muss, um einen Standplatz zu erhalten.
Eine Ihrer Fragestellungen bezieht sich auf die Herkunft der Standbetreibenden beziehungsweise der an den Marktständen angebotenen Produkte. Ihre zugehörige Arbeitshypothese lautet: Früher war der Berner Wochenmarkt ein echter «Bärner Märit» mit ausschliesslich lokal produzierten Produkten. Mit der Globalisierung des Nahrungsmittelmarkts werden auf dem Berner Wochenmarkt heute aber immer mehr Produkte angeboten, die nicht aus lokaler Produktion stammen. Um Ihre Hypothese zu überprüfen, spazieren Sie über den Markt. An jedem Stand ist auf einem kleinen Schild Name und Herkunft der Standbetreiberin oder des Standbetreibers zu erkennen. Sie halten diese Informationen auf einem Protokollblatt fest und stellen später die Herkunftsorte der Personen auf einer Karte dar (Abbildung 3.15).

Aufgabe 5 Kartendaten
Welche Schlüsse können Sie aus der Karte in Abbildung 3.15 in Bezug auf Ihre Hypothese ziehen? Welche Antworten auf Ihre Fragestellung finden Sie nicht auf der Karte?
Abbildung 3.15: Herkunft der Standbetreiberinnen und -betreiber am Berner Wochenmarkt auf dem Bundesplatz (eigene Erhebung, 4.7.2017), Abbildung 3.16: Produktevielfalt auf dem Berner Wochenmarkt («Märit»). Woher kommen die Standbetreiber, woher deren Produkte?

Aufgabe 6 Daten interpretieren
Betrachten Sie die Nutzungskartierung für die Länggassstrasse (Abbildung 3.12) genauer.
Welche der folgenden Aussagen lassen sich mit der Karte belegen?
• Die Länggasse ist das Universitätsquartier von Bern.
• Angebote des kurzfristigen Bedarfs dominieren vorhandene Nutzungen.
• Die Länggasse ist ein sehr multikulturelles Quartier.
• An der Länggassstrasse befindet sich das Zentrum der Länggasse.
• In der Länggassstrasse hat es nur wenige Wohnungen.
3.7 Arbeitsschritte im Überblick
Geländearbeit kann sehr spannend sein. Damit sie erfolgreich wird, muss die Planung und Vorbereitung umsichtig sein. Auch mögliche Probleme oder Pannen müssen vorausschauend in die Überlegungen miteinbezogen werden. Geländearbeit ist immer mit einem relativ hohen Aufwand verbunden, der meist dadurch entsteht, dass Sie mit mehreren verschiedenen Verfahren arbeiten und häufig Apparate oder Messinstrumente einsetzen. Die Durchführung ist gerade deshalb meist abwechslungsreich, und die Auswertung bietet interessante Erkenntnisse. Kurz gesagt: eine attraktive Methode für eine schriftliche Arbeit.
Zusammenfassend verläuft eine Datenerhebung im Gelände typischerweise in den folgenden Schritten:
Schritt 1Formulierung der Fragestellung(en) und Arbeitshypothese(n)• Schriftliches Festhalten von Fragestellung und Arbeitshypothese• Notwendigkeit der Geländearbeit begründen• Wahl des Untersuchungsgebiets begründenSchritt 2Karten oder Pläne des Untersuchungsgebiets beschaffen• zweckmässige Grundlagenkarte beschaffen (Amtsstellen, Geo-Portale im Internet)• auf Detailtreue (Massstab), Beschriftung und Aktualität achtenSchritt 3Ortsbegehung• Aufsuchen des geplanten Untersuchungsgebiets• Dokumentieren der Situation vor Ort (Fotos, Skizzen)Schritt 4Abgrenzen des Untersuchungsraums• genaues Festlegen des Geländeausschnitts (mit Begründung)• Eintragen auf Karte oder PlanSchritt 5Merkmale (Variablen) und deren Merkmalsausprägungen festlegen• zu erfassende Daten definieren• Beobachtungs- und/oder Messkategorien festlegenSchritt 6Protokollblatt erstellen• Standort, Zeitpunkt, Person• Auflisten der Variablen und deren Merkmalsausprägungen• Platz für Notizen zu nicht quantifizierbaren DatenSchritt 7Standorte im Gelände festlegen• gezielte Auswahl oder Zufallsauswahl• Auswahlmethode festlegen und begründen• Standorte auf Karte oder Plan eintragenSchritt 8Durchführen der Datenerhebung• Daten im Gelände erfassen• Protokollblätter ausfüllen• Forschungstagebuch führenSchritt 9Kartieren• gesammeltes Datenmaterial aufarbeiten, Diagramme erstellen• Farben, Signaturen, Symbole festlegen• Ergebnisse auf einer Karte oder einem Plan eintragen• Legende verfassenSchritt 10Interpretation• Arbeitshypothesen mit erhobenen Daten und kartografischer Darstellung überprüfen• Forschungsfrage beantwortenLösungen
Aufgabe 1 Raumbezug erkennen
Nicht jeder Raumbezug ist offensichtlich. In einigen Fällen braucht es die richtigen Fragestellungen und Zusatzinformationen.








Aufgabe 2 Recherchen vor Ort








Aufgabe 3 Verkehrszählung vorbereiten
(1) Da sich die Zählung auf ein eher kleines Gebiet bezieht, ist ein genauer Plan von Vorteil, auf dem neben der Hauptstrasse auch die einmündenden Seitenstrassen und alle Kreuzungen ersichtlich sind. Zudem sollte jedes einzelne Gebäude erkennbar sein, damit der Zählstandort (oder mehrere Zählstandorte) genau festgelegt werden kann.
(2) Mein Untersuchungsgebiet muss ein längeres Stück der grossen Strasse umfassen. Dann kann ich entlang der Strasse Zählstellen festlegen und Unterschiede im Verkehrsaufkommen erfassen. Neben der Strasse selbst sollte mein Untersuchungsgebiet auch die Zufahrtsstrassen umfassen, damit ersichtlich wird, wie sich die Verkehrsströme verteilen.
(3) Merkmale? Art des Verkehrsmittels: Autos, Motorräder (MIV); Busse, Postautos (ÖV); zu Fuss, Fahrräder (LV)
Anzahl Fahrzeuge: pro Minute oder pro Zeitintervall von 10 Minuten
Anzahl Passagiere: Belegung von Bussen lässt sich wohl nur abschätzen.
(4) a) Eventuell einen mechanischen Zähler: um vorbeifahrende Autos oder vorbeilaufende Personen zu zählen (anstelle Strichliste). Eventuell eine Kamera, um typische Verkehrssituationen zu dokumentieren.
b) Wann sollen die Zählungen stattfinden? Es gibt beträchtliche Unterschiede zwischen Werktagen und dem Wochenende, aber auch zwischen verschiedenen Tageszeiten (Verkehrsspitzen am Morgen, am Mittag und am Abend). Da ich nicht stundenlang zählen kann, muss ich Stichzeiten definieren, zu denen gezählt wird (z. B. zu jeder vollen Stunde zehn Minuten).
Vielleicht braucht es mehrere Zählpersonen an verschiedenen Stellen. Ich kann die Zählung also nur mit Hilfspersonal durchführen. Dieses muss ich genau instruieren.
Aufgabe 4, siehe nächste Seite
Aufgabe 5 Kartendaten
Die Standbetreiber kommen alle aus dem Umkreis von Bern, maximal 35 Kilometer entfernt. Produkte aus dem Seeland, dem Emmental oder dem Freiburgerland können in diesem Kontext durchaus als «lokale Produkte» bezeichnet werden. Die Globalisierung im Gemüsemarkt hat also bisher nicht dazu geführt, dass der Berner Wochenmarkt seinen lokalen Bezug verloren hat.
Allerdings verkaufen Standbetreiber auch Früchte oder Gemüse aus dem Zwischenhandel, diese Produkte stammen kaum aus lokaler Produktion. Genauere Informationen liessen sich zum Beispiel durch Interviews mit den Standbetreibern in Erfahrung bringen.
Aufgabe 6 Daten interpretieren





Aufgabe 4 Standorte festlegen

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