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Ja, was Die …? Natürlich, Die Kinder von Frau Staphorst. Die rote Tinte malt die Titelbuchstaben auf das Etikett. Von: Rolien Kolar. Aber wie weiter? »Sie zeichnet uns das Leben einer großen Familie. Wie liebenswert skizziert die Autorin, selbst noch ein Kind, diese Kinder.«
(Zeichnen und skizzieren, der Kritiker liebt offenbar sehr das Malen.) Und noch mehr Besprechungen. Und sie wird vor den Buchhandlungen stehen bleiben, um zu hören, was die Leute darüber sagen. Sie werden auf sie zeigen: »Schau mal, das ist Rolien, du musst versuchen, dich mit ihr anzufreunden, denn sie ist berühmt!«
Endlich zwingt sie sich zum Arbeiten. Der schöpferische Drang, der zwar vorhanden ist, muss, um in die Tat umgesetzt zu werden, mit Gedanken an eine glanzvolle Zukunft genährt werden, wobei aber ausschließlich der geistige Erfolg zählt, nie der materielle. Aber richtig glauben an diesen Ruhm tut sie nicht. Denn, so überlegt sie, auch hier wird es so sein: Immer wenn man im Voraus ein (glückliches) Ende erwartet, verkehren sich die Dinge ins genaue Gegenteil. Eigentlich erschrickt man vor solchen Gedanken; sie sind gleichermaßen unzuverlässig wie quälend, weil sie alles auf den Kopf stellen und einem damit wieder eine Illusion rauben. Unter diesem Eindruck beginnt sie mit ihrer ersten Seite.
»An einem warmen Sommerabend saß die ganze Familie Staphorst im Garten und unterhielt sich. Zuerst kam Herr Staphorst, von den Kindern meist Pa genannt. Er war fünfunddreißig Jahre alt, hatte einen blonden Schnurrbart und auf seinen Händen schwarze Haare. Dann kam Frau Staphorst. Sie trug, auch wenn es heiß war, dunkelrote Samtkleider mit langen Falten. [Die von Juffrouw Balto reichten bis zu ihren Schultern.]
Auf dem Tisch stand eine Schale mit länglichen rosa Keksen, genauso rosa wie die Wangen von Frau Staphorst. Dann kamen ihre sieben Kinder mit dem Fräulein …, sieben fröhliche, glückliche Kinder.«
Sie steht auf, läuft zum Bäcker an der Straßenecke und findet dort quadratische rosa Kekse, die sie länglich knabbert. Dann zieht sie mit Heft, Bleistift, Spitzer und sich selbst in den Schuppen um; der ist dem Garten der Staphorst-Kinder näher. [»Rolien Kolars Karriere begann zwischen Kohlenkästen.«] Hier ist es sehr still. Sie lauscht der Stille. Sie lauscht Ralien, die ihr diktiert. Ihre Finger werden vor Kälte steif. Sie wärmt sie im Mund auf und schreibt dann weiter. Ralien verliert keine weitere Minute. Jetzt passiert den kleinen Staphorstchen alles Mögliche: Sie masern und röteln, radeln und autoen, greinen und feiern. Immer wieder erweisen sich die Mutter und das Fräulein als gute, geduldige Erzieher. Der Vater kommt über seine fünfunddreißig Jahre, den blonden Schnurrbart und die schwarzen Haare auf den Händen nicht hinaus, deshalb muss er im dritten Kapitel von einer Straßenbahn überfahren werden, um ihn für immer von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Schließlich ist das die einzige Lösung in Anbetracht des Titels, aus dem eindeutig hervorgeht, dass sich hier alles um die Kinder von Frau Staphorst dreht. Auch von den Brüdern Wim und Jaap wird die Familie erlöst. Es sind richtige Nervensägen, aber weil Ralien nicht weiß, wie Jungs nerven, werden sie von ihr in ein englisches Internat verbannt. In ihren Briefen singen die Jungs ein Loblied auf die Direktorin, Miss Lloyd. Diese Miss Lloyd wird ein noch getreueres Abbild von Clara Balto als Frau Staphorst.
Für diese schöpferische Leistung braucht sie nicht nur die Kekse, sondern auch Doras dunkelrotes Samtcape. Und während der rosa Zucker auf ihrer Zunge schmilzt, ihre rechte Hand schreibt und ihre linke den Samt berührt, erlebt sie erneut diesen warmen Freudenschauer beim Abschied oben an der engen Treppe, als sie in den Falten dieses dunkelroten Hausmantels fast verschwunden ist.
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