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Insofern stehen gerade die gläubigen Anhänger der verschiedenen Religionen einer tieferen Einsicht ins Leben im Wege …, aber auch viele Vertreter des ‘Spiritualismus’. Sie sind die größten Widersacher – das Haupthindernis jeder Bewusstseinserweiterung. Anstatt verbindend zu wirken, machen sie die Gräben nur tiefer.
›Gut …, aber wie steht es dann um euch? Ihr habt ja bereits angedeutet, dass ihr nicht von unserem Planeten stammt, sondern einer anderen Zivilisation angehört. Bevor wir weitermachen, muss ich wissen, wohin wir uns gemeinsam bewegen und warum gerade ihr eingreift.
›Wir bewegen uns … auf eine große Vereinfachung zu, also weder in Richtung einer langweiligen Philosophie noch einer neuen Religion – die immer etwas Dogmatisches hat, also Einschränkungen mit sich bringt. Wir gehen einer großen Freiheit entgegen …, in der sich der wahre Lebenshauch in seiner vollen Bedeutung und ganzen Schönheit entfalten kann. Ja, der Sinn der Schönheit … ist das Wesentliche! Das möchten wir euch aufzeigen und helfen, es freizulegen.
Jetzt willst du wissen, wer wir sind, nicht wahr?
Nun, wir sagen gewiss nicht: “Das oder jenes ist die Wahrheit.” Wir nötigen dich nicht, zu schreiben: “Ihr sollt an dies oder jenes glauben … und daran nicht.” Wie gesagt, wir setzen neue Impulse und lassen die Erinnerung wieder aufleben. Diese Aufgabe fällt uns zu, weil wir ein wenig älter sind als ihr, das ist alles. Wir sind nicht mehr so klamm und träge, sondern einfach schon ein wenig wacher. Also sind wir auch nicht etwa ‘von Gottes Gnaden’ oder aufgrund einer zum x-ten Mal durchlaufenen Einweihung ‘besser’ oder ‘weiser’ als ihr. Wir sind einfach schon etwas länger unterwegs auf dem berühmten Pfad der Evolution. Darüber können wir gerne noch sprechen, wenn du willst.
Du sollst uns auch nicht für ‘Meister’ halten. Es gibt Wörter, die zu bestimmten Zeiten durchaus nützlich und verständlich waren, inzwischen aber längst nicht mehr zur Erweiterung des Bewusstseins beitragen. Man bekommt geradezu Bauchweh davon. Lass uns lieber von freundschaftlichen Beziehungen sprechen …
›Und von Brüderlichkeit?
›Auch mit diesem Wort sollten wir behutsam umgehen! Die nobelsten Begriffe wurden in den letzten Jahrzehnten dermaßen verfälscht und herabgewürdigt! Das ist ein gutes Beispiel.
Natürlich verbindet uns ein starkes Gefühl der Brüderlichkeit – doch nennt uns um Gottes Willen nicht Brüder. Das geht nicht mehr. Es würde nur wieder an klösterliche Eingeschlossenheit erinnern, an eine elitäre Gemeinschaft oder gar Sekte.
So mag es genügen, auf das Band der tiefen, alten Freundschaft und Zuneigung zu verweisen, das uns mit euch verbindet. Darum reichen wir euch heute die Hand. Ist das nicht viel besser …?
Da spüre ich, wie die Stimme in mir auf einmal schwächer wird – sie verblasst, ganz ohne Vorwarnung. Ich frage mich, ob sich irgendetwas an meiner inneren Haltung verändert hat? … Wie lange muss ich nun wohl wieder warten! Wie brüchig die Brücke zwischen den Welten doch noch ist! Eine winzige Unachtsamkeit genügt … Wenn ich eine Sekunde nicht reinen Herzens bin …, löst sie sich schon wieder auf. Da bin ich mir ganz sicher.

Dienstag, 24. März
Voller Ungeduld habe ich den nächsten Tag erwartet … nun ist er da. Ganz spontan gleitet meine Hand zum Stift – als könne sie durch diese Geste meinen heimlichen Gesprächspartner erreichen oder den Zugangscode eintippen.
Dann beginne ich innerlich schon einmal mit der Unterhaltung. Man muss es einfach wagen und ich bin mir erstaunlich sicher, gehört zu werden.
›Gestern habt ihr mir etwas über ‘Freundschaft’ erzählt. Findet ihr Freundschaft wichtiger als Liebe? Ich glaube, ich habe euch das Wort Liebe noch nie aussprechen hören. Aber … seid ihr überhaupt da?
›Und du? Bist du geistig anwesend? Gestern warst du so voller Fragen. Du hast dir zehn zugleich gestellt …, darum bist du aus meiner Sphäre einfach herausgefallen. Du musst lernen, zuzuhören. Nun, du sprichst von “Liebe”! Denk einmal nach. Wunderst du dich wirklich, dass dieses Wort noch nicht gefallen ist? Es ist doch auch so ein Oberbegriff, in den man alles kreuz- und quer hineinstopfen kann. Dieses Wort ist so abgedroschen, so allgemein verfügbar. Seit alle es verwenden, wie es ihnen gerade passt, hat es an Kraft eingebüßt … Jeder versteht es auf seine Weise und setzt es im Sinne eigener Interessen ein! Hast du jemals einen Menschen getroffen, der sich nicht nach Liebe sehnt … bereit ist, zu lieben und ‘nur Gutes will’? Anderes hört man nur von kranken Leuten, die ihr inneres Gleichgewicht verloren haben. Sie leiden und betrügen sich selbst. Es gibt auf dieser Welt fast so viele Auffassungen von Liebe wie Lebewesen. Da umspannt ein einziges Wort die ganze Palette – vom Sexualtrieb über die Befriedigung egoistischer Bedürfnisse bis hin zu mystischer Ekstase. Liebe … ja, natürlich …, aber auch hier müssen wir uns gut überlegen, was wir mit Worten überhaupt ausdrücken können.
Was Liebe wirklich ist, lässt sich in schwammigen Begriffen nicht fassen. Da hilft es nichts, noch so sanfte, wohlklingende Worte zu wählen oder zuckersüße Reden zu führen. Liebe ist nicht nur eine vage Vorstellung oder ein geschöntes Ideal – jedes Lebewesen trägt sie tief verborgen in sich.
›Nun gut, sagte ich – überrascht von der Intensität, mit der unsere Diskussion sogleich wieder anhob. In Ordnung, ich glaube, ich verstehe euch. Aber welche Sprache sollen wir dann verwenden, auf welchen Wortschatz zurückgreifen? Mit dem Wort ‘Licht’ ist es ja wohl nicht anders?
›Natürlich! Und bei den Wörtern ‘Energie’ und ‘Schwingung’ ist es genauso. Auch sie sind schon dermaßen abgenutzt. Freilich wollen wir mit dir nicht das Wörterbuch neu erfinden, das leuchtet dir bestimmt ein. Das würde ohnehin nur dazu führen, dass sich wieder eine Elite bildet, die sich für schlauer hält als alle anderen – sofern es überhaupt Anklang finden würde. Dieses Muster kann sich unendlich fortsetzen. Darüber müssen wir uns im Klaren sein. Also werden wir selbstverständlich Wörter benutzen, die bereits existieren, sie aber behutsam und umsichtig einsetzen. Wir gebrauchen sie nur, wenn es keine besseren gibt. Das sollst du stets mit bedenken. Außerdem müssen sie immer in den richtigen Kontext eingebettet sein. Wir sind keine Moralapostel und vertreten auch keinen Katechismus. Im Übrigen wollen wir niemanden bekehren! Echte Weisheit, also Weisheit des Herzens – ein wenig Vernunft und gesunder Menschenverstand –, das sollte die Grundlage jeder Lebensform sein. Doch leider gehen diese Qualitäten dem Großteil der Menschen gerade ab.
›Genau … Sollen wir nicht zuallererst einmal über den gesunden Menschenverstand sprechen? Was ich gerade erlebe, wird den meisten Leuten völlig verrückt vorkommen – zumindest hier in unserem westlichen Kulturkreis –, so selbstverständlich es mir auch erscheint.
›Gut, dass du auf diesen Unterschied hinweist. Die gegenwärtige westliche Kultur schnürt den anderen die Luft ab und wird der Empfindsamkeit der Erdbevölkerung nicht gerecht. Sie gibt sich respektvoll und tolerant, ist in Wahrheit aber totalitär. Über den gesunden Menschenverstand können wir gerne sprechen. Er zeigt sich zunächst einmal darin, nicht immer dieselben Fehler zu machen. Stattdessen sollte man sich bewusst machen, was eigentlich gerade geschieht. Allerdings ist die Welt, in der du lebst, ihren althergebrachten Verhaltensmustern außerordentlich treu – so treu, dass wir aus unserer Sicht ständig Gelegenheit hätten, in Gelächter auszubrechen – wäre die Lage nicht so ernst. Offen gestanden …, sobald ein ‘unüberwindliches Hindernis’ beseitigt ist, versteift ihr euch sogleich darauf, ein neues zu errichten. Man darf nicht vergessen, dass die Erde bis vor Kurzem noch eine Scheibe war und als Mittelpunkt des Universums galt. Über Kontinente hinweg miteinander zu sprechen, wäre für Hexerei gehalten worden. Niemals hätte man für möglich gehalten, dass der menschliche Körper Geschwindigkeiten von über hundert Stundenkilometern aushält. Eine Maschine, die schneller und präziser reagiert als das menschliche Gehirn war für die letzte Generation doch reines Science-Fiction – heute aber ist es einfach undenkbar, dass es jenseits der Erde intelligentes Leben geben soll … Falls doch, wäre es so weit entfernt, dass wir niemals in damit Kontakt treten könnten!
›In der Tat, komme ich nicht umhin einzuwenden – nur: Jetzt verschließt ihr aber die Türen. Ihr bewegt euch in eine Richtung, die fast schon einem Prozess gegen die wissenschaftliche Vorgehensweise gleichkommt. Es ist eine alte Debatte. Sie wird von Anhängern der Vermutung, es gäbe etwas, das unsere sieben Sinne übersteigt, schon lange geführt. Wenn wir in eine echte Diskussion einsteigen wollen, muss ich euch unterbrechen. Da seid ihr nämlich auf dem Holzweg …
Bei diesen Worten reißt der Kontakt zwischen uns tatsächlich ab. Stille. Ein paar Minuten lang herrscht Schweigen und ich überlege, ob ich zu frech war. Doch noch während ich mir diese Frage stelle, scheint sich plötzlich etwas wie eine Hand auf meine linke Schulter zu legen. Bilde ich mir das nur ein? Ist es etwa ein unbewusster Wunsch? Mag sein …, aber es ist mein Eindruck und ich möchte ja offen und empfänglich sein. Jedenfalls werde ich von einer Stimmung der Sanftmut erfasst und da erscheint die Stimme in mir auch schon wieder.
›Sehr gut, jetzt reden wir wirklich als Freunde miteinander … du hast recht, es wäre in der Tat ein Irrweg, wenn auch wir das wissenschaftliche Denken ‘dem Geistigen’ entgegensetzen würden – also das ‘Berechenbare’ dem ‘Unberechenbaren’. Das würde der dualistischen Vorstellung entsprechen und uns wahrlich in eine Sackgasse führen. Um sie zu umgehen, müssen wir nicht einmal besondere Toleranz walten lassen. Die Welt, aus der wir zu dir sprechen, unterscheidet längst nicht mehr zwischen Geist und Materie – zwischen sogenannter Wissenschaft und Metaphysik. Nicht etwa, weil wir besonders weise wären. Wir leben einfach in diesem Zustand … und er bringt uns dazu, auf euch zuzugehen.
›Ihr lebt also in der Alleinheit …?
›Wir leben in einer ihrer Dimensionen. Wenn du so willst, auf einem schönen Ast des Lebensbaumes, der liebevoll alle Dimensionen erprobt, in die das Bewusstsein sich im Unendlichen ausdehnen kann. Die Lebenskraft, die jedem Wesen innewohnt, setzt sich nie einfach an den Wegesrand und verkündet: “Wunderbar! Ich bin angekommen!” Sobald sie auch nur einen Funken Bewusstsein hat, drängt es sie, sich weiter auszudehnen und zu entwickeln. Darin liegt ihr ganzes Glück.
›Dann erzählt doch erst einmal von euch selbst und eurer Welt … oder von dem Ort, von wo ihr gerade zu mir sprecht. Für mich bleibt das nämlich alles sehr vage, versteht ihr? Ich nehme nur eine Stimme wahr – die mir sagt, sie sei nicht irdischer Natur, höre Gedanken, dich mich etwas lehren wollen, ohne sich zu einem Meister zu bekennen … Ihr möchtet gehört werden – und ich will auch zuhören. Aber die Leser dieser Zeilen wird das doch etwas verwirren. Seid ihr Lichtwesen, Engel, Geister oder ganz einfach Geschöpfe von einem anderen Stern – so hörte es sich fast an.
›Du sagst ‘ganz einfach’ – das ist eigentlich überflüssig. In Wirklichkeit gibt es nichts Kompliziertes. Man muss die Worte nur recht aufzufassen wissen, ihre tiefere Bedeutung kennen und erahnen, wie man jenseits der üblichen Dimensionen mit ihnen spielt. Du fragst zunächst einmal: “Seid ihr Lichtwesen?” Was meinst du denn genau mit Licht?
›Sieh mal, wir wollen hier nicht auftreten wie Lehrer in der Schule. Doch wir sollten schon wissen, worüber wir reden. Bestimme Begriffe haben ihre Bedeutung fast verloren, weil sie ganz unterschiedliche Dinge bezeichnen, Dinge, die überhaupt sehr schwer zu fassen sind. ‘Licht’ gehört auch dazu … Was ist das eigentlich genau? Es wird ja oft behauptet, es sei Energie … im Sinne des auf Liebe basierenden, immateriellen Lebens. Damit ist alles gesagt – und nichts! Warum? Weil der Ausdruck ‘immateriell’ im Grunde sinnlos ist. Denk doch einmal nach … alles ist zugleich materiell und immateriell, konkret und abstrakt, objektiv und subjektiv. Was man in deiner Welt Materie nennt, ist nichts anderes als ein bestimmter Zustand dieser Materie. Er hängt mit gewissen Gesetzen zusammen, die sich aufeinander beziehen, also einer internen Logik folgen. Wenn aber grundsätzlich Systeme vorstellbar sind, die einer anderen inneren Logik folgen, muss es auch Formen der Materie geben, die ganz anderen Gesetzmäßigkeiten gehorchen.
›Das ist doch das berühmte Beispiel mit den Fernsehkanälen, nicht wahr? Die Tatsache, dass man auf einer bestimmten Frequenz eine Sendung empfängt, heißt ja nicht, dass auf anderen Kanälen nicht etwas anderes läuft – in Mono oder Stereo – mit noch schöneren Bildern, vielleicht in 3D oder sogar mit einer Duftnote.
›Ganz genau! Fändest du es da plausibel, wenn die Bevölkerung des ersten Kanals die Existenz eines zweiten Kanals – oder 30 weiterer Kanäle – leugnete? Wäre das nicht wider jegliche Vernunft? … Was würdest du dazu sagen, wenn die Akteure des ersten Kanals, die Regisseure oder Beleuchter des zweiten Kanals ‘Lichtwesen’ nennen würden? So einfach ist das. Man kann also sagen, alles ist Materie – oder aber – alles ist feinstofflich. Es hängt allein vom Standpunkt des Betrachters ab. Die eigentliche Schwierigkeit besteht darin, die Menschen von der eingefahrenen Vorstellung zu befreien, es gäbe nur einen möglichen Standpunkt, man könne die Dinge nur aus einer einzigen Perspektive betrachten. Man darf nicht alles durcheinanderwerfen! Es ist nicht sinnvoll, von ‘Lichtwesen’ als von ‘geistigen Wesen’ zu sprechen, oder von ‘Wesen, die allein unserer Fantasie entspringen’.
›Und das Licht selbst? Wie seht ihr das?
›Als Zustand der Selbstverwirklichung – also der Bewusstseinsentfaltung. Es geht dabei um Vollendung und Reifung der Lebenskraft im Herzen des Seins. Man befindet sich dann sozusagen im Gleichklang mit dem Programm, das auf Kanal1 oder 30 läuft. Einen Vertrag mit einem Fernsehsender zu haben, bedeutet aber freilich nicht, dass man nicht gelegentlich auch auf anderen Kanälen mitwirken kann. Manchmal ist das einfach nötig. Genauso ist es auch mit den Akteuren des Lichts. Sie müssen sich ja nicht zwangsläufig außerhalb des Kanals befinden, in dessen Frequenzbereich man lebt, wie es häufig vermutet wird. Das Schöne und Große – alles, was die Welt schöner und größer macht – liegt nicht unbedingt in weiter Ferne. Es ist nicht zwangsläufig unerreichbar.
›Damit wollt ihr wohl sagen, dass es auch in meiner Welt Lichtwesen gibt.
›Das wollen wir dir nicht nur sagen – wir können es dir versichern! Es sind nicht einmal besonders hochrangige Menschen oder Ausnahmewesen. Es genügt, wenn sie eine gute Ausstrahlung haben und von innerer Wärme erfüllt sind, also ‘lichtvolle Wesen’, die dem Leben mit einem Lächeln begegnen. Ihre Anwesenheit kann wie von Zauberhand alles erhellen! Denn im Grunde ist alles aus Licht gemacht. Das ist das große Geheimnis. Licht ist der Urstoff, aus dem alle anderen Lebensformen hervorgehen – der ursprüngliche Odem des Lebens. Darum tragen alle Wesen aus allen Welten Licht in sich. Sobald sich das Bewusstsein dafür öffnet – nicht nur intellektuell –, blüht unser Herz auf und zaubert uns ein Lächeln auf die Lippen … und zwar so nachhaltig, dass die Übergänge von einem Kanal zum nächsten sich von selbst ergeben. Das ist das Besondere daran. Es ist etwas völlig Außergewöhnliches!
›Ihr habt mehrfach den Begriff ‘Schönheit’ verwendet. Hat er so eine große Bedeutung für euch?
›Mehr als das – er ist absolut entscheidend! Das Schöne ermöglicht den Zugang zum Lebenshauch, der uns dem Glück entgegenführt. Wenn es um inneres Wachstum geht, um die Suche nach dem Sinn des Lebens – oder seines eigenen Lebens – entwickelt man oft einen Hang zur Askese. Man beginnt den Körper und die ‘niedere Persönlichkeit’ zu missachten. Das mag für die Menschen aus deiner Welt eine unumgängliche Phase sein, eine Etappe auf ihrem Weg. Sie birgt jedoch die Gefahr, sich selbstgefällig darin einzurichten. Damit fällt nicht nur das Schöne aus, sondern gerade auch seine eigentliche Funktion. Es scheint überhaupt keine Rolle mehr zu spielen. In gewisser Hinsicht gehört es fast schon zum guten Ton, das gering zu schätzen. Aber sieh dir die Natur und das Universum doch einmal an! Ist nicht alles darin durch und durch schön? Noch der geringste Grashalm ist perfekt gebaut, ein vollendetes Kunstwerk! Wer hat ihn denn gemacht? Wer hat ihn entworfen und ihm seine Gestalt verliehen? Der Zufall etwa? Nein … Schönheit gehört zur Schöpferkraft. Sie ist ein Teil der Lebensenergie auf der Suche nach sich selbst. Gut, wenn du willst, können wir mich und die meinen als Lichtarbeiter bezeichnen, aber wir sind auch bewusst Handelnde im Sinne der Schönheit.
›Was ich noch fragen wollte … bedeutet ‘Schönheit’ wirklich in allen Welten dasselbe? Sprechen wir wirklich alle dieselbe Sprache, unabhängig davon, auf welchem Kanal wir uns befinden?
Während ich diese Frage klar und deutlich formuliere, überlege ich zugleich, ob ich damit nicht wieder zum Spielverderber werde, weil ich wie ein Intellektueller auftrete, der Spaß daran hat, Begriffe abzuklopfen, Ideen zu wälzen und herumzuphilosophieren.
›Schönheit ist ja zunächst einmal Harmonie … bekomme ich zur Antwort, obwohl ich das Gefühl habe, meine Frage noch nicht einmal richtig gestellt zu haben. Harmonie aber ist die erhabene, rechte Ordnung der Dinge. Sie ist der perfekte Aufbau, das vollendete innere Gleichgewicht der Komposition – und in größerem Zusammenhang der Gleichklang aller Formen. Ja, ganz weit gefasst, ist Schönheit wirklich universell. Sie kommt einem umfassenden Gefühl von Genauigkeit, Vollendung und Fülle gleich. Die Geometrie des Universums besteht aus zahllosen unterschiedlichen Schichten. Wenn auf einer Ebene Harmonie und Gleichgewicht erreicht sind, entsteht eine Facette des Schönen … und wenn überall Harmonie und Gleichklang herrscht, verströmt sich die wahre Schönheit in ihrer ganzen Fülle.

Donnerstag, 26. März
Ich kreuze das Datum in meinem Kalender an. Der Beginn meiner Gespräche mit den höheren Wesen – wie ich sie nun nenne – liegt schon fast eine Woche zurück. Ich lese noch einmal, was ich aufgeschrieben habe und wundere mich, wie langsam ich vorankomme. Genau genommen haben sie bei meinen Korrekturen durchaus ein Wörtchen mitgeredet. Sie haben mich gebeten, bestimmte Begriffe zu ändern, Ausdrücke umzuformulieren und mich manchmal sogar gefragt, wie dieses oder jenes Wort wohl aufgefasst wird. Ich bin dabei, meinen Text zu überarbeiten und dabei überkommt mich eine schreckliche Ungewissheit. Zwar hege ich keinen Zweifel an der Genauigkeit dessen, was ich weitergeben möchte, aber durchaus an seiner Herkunft. Ich frage mich plötzlich, wo es eigentlich herkommt … Also lasse ich die Frage ganz von selbst aufs Papier gleiten … Was beweist mir denn, dass dieser Dialog nicht nur auf einen geheimnisvollen Mechanismus meines Unbewussten zurückgeht, meines höheren Ich, wenn man so will? Das ist eine triftige Frage, die mich dazu bringt, innezuhalten. Wenn die Quelle meines bisher Aufgeschriebenen wirklich da ist, was wird sie mir dann antworten? Die Minuten ziehen sich hin, doch schließlich taucht ein helles Sirren in meinem linken Ohr auf. Wie eine Welle bricht sich eine kaum hörbare Melodie zu mir Bahn.
Das ist der Auslöser. Mit einem kurzen Klicken hat sich der wohlbekannte Schalter in der Mitte meines Kopfes umgelegt … Das geistige Wesen ist da.
›Da hast du eine ganz wunderbare Frage gestellt, sagt es zu mir. Warum hättest du sie auch länger zurückhalten sollen? Wenn du sie uns nicht gestellt hättest, wäre sie dir bestimmt eines Tages vorgelegt und womöglich voller Ironie ins Gesicht geschleudert worden … Gut, reden wir also darüber, bevor wir weitermachen!
Bei jedem wahrhaftigen und mutigen inneren Vorgehen muss zunächst einmal Vertrauen vorherrschen. Es ist nicht nur Beiwerk, sondern wirklich entscheidend, lass dir das gesagt sein. Vertrauen zu haben heißt nicht, dass man keine eigene Meinung hat oder den gesunden Menschenverstand hintanstellt. Es ist auch keine Naivität. Vertrauen heißt gerade, einen Schritt vorwärts zu tun … einen Schritt in die Luft – oder mitten hinein ins Labyrinth. Man muss sich den Möglichkeiten öffnen … vielleicht werden sie ja zum Sprungbrett, zum Ausgangspunkt großer Veränderungen.
Ohne das kann man gar nichts erreichen. Nur Vertrauen kann eine echte Schöpfung oder Entdeckung auf den Weg bringen.
Welchen Beweis können wir dir dafür liefern? Gibt es irgendetwas Konkretes, das du deinen Lesern anbieten kannst? Sie werden sich sicher fragen, wo du deine Weisheiten hernimmst. Nein … Wir haben keine Beweise – darum geht es auch nicht … Ein Beweis ist kein Weg. Anders, als oft angenommen, ergibt sich der Beweis erst, wenn das Bewusstsein den Weg bereits zurückgelegt hat. Er erscheint, wenn man Schutzwälle überwunden und aus der Festung selbst gebauter ‘Unmöglichkeiten’ herausgetreten ist. Dann kommt er noch dazu.
Weißt, was deine Welt und deine Kultur lahmlegt und blockiert? Es sind gerade solche Schutzwälle. Dem Anschein nach pflegt ihr ein sehr freiheitliches Denken. Es fällt euch leicht, neue Vorstellungen zu entwickeln und atemberaubende Entdeckungen zu machen.
In Wirklichkeit bewegt sich diese Freiheit jedoch im eng gesteckten Rahmen althergebrachter mathematischer Prinzipien, die einer ganz bestimmten Weltanschauung angehören. Euer ganzes Potenzial bleibt in traditionellen Bahnen stecken.
›Könnt ihr mir ein Beispiel geben? Ich möchte nicht, dass wir mit allzu vagen Begriffen jonglieren.
›Nun gut. Bedenke doch einmal Folgendes: In deiner Welt hält man eigentlich nur das für wirklich, was man auch anfassen kann. Wir sagen bewusst nicht “was man sehen kann”, denn ihr wisst ja ganz genau, wie leicht es ist, mit moderner Technik ein Bild herzustellen und zu bearbeiten. Wenn ihr nicht wisst, wo etwas herkommt, wollt ihr es erst einmal anfassen und prüfen. Daher müsst ihr alles, was ihr nicht einordnen könnt, gleich in die Hand nehmen. Insofern zwingt euch die Materie ihr Gesetz auf – in der Form, wie sie auf Erden vorkommt. Wenn ihr dabei stehen bleibt, seid ihr Gefangene des Materiellen.1
Um diese Wahrnehmung hinter sich zu lassen, muss man sich zunächst einmal klarmachen, dass es durchaus eine Kraft geben könnte, welche in der Lage ist, die Erscheinungsformen der Materie zu modifizieren und ihre ‘Naturgesetze’ zu beeinflussen. Doch um so zu denken, um den Verhärtungen und Tabus zu trotzen und sich womöglich dem Vorwurf der Lächerlichkeit auszusetzen – muss man Vertrauen aufbringen. Das ist der Keim jeden Wagemuts und aller Verwegenheit. Alles Materielle reagiert auf Betrachtung – was man anfassen kann, ‘antwortet’ unserem Blick und stellt sich entsprechend dar. Wie es sich gibt, hängt von unseren Gedanken ab – also von unserer Gesinnung …
›Damit wollt ihr also sagen, dass im Hinblick auf bestimmte Wirklichkeiten unsere innere Einstellung wichtiger ist als jeder offenkundige Beweis?
›So ist es. Wir haben längst eingesehen, dass es wenig sinnvoll ist, jemandem den Zugang zu einer riesigen, prunkvollen Wohnstatt zu eröffnen, der nicht bereit ist, selbst nach dem Schlüssel zu suchen. Diese Suche aber umfasst eine völlige Umwertung der Werte. Man muss bereit sein, sich ganz neu zu orientieren.
›Nun gut, dieser Auffassung von Vertrauen kann ich zustimmen. Was aber, wenn ihr nur eine Illusion seid, wenn alles, was ich gerade höre, nichts weiter ist, als das Spiel gewisser unbewusster Kräfte, die mir ein Ideal vorzaubern? Was soll mir dann der ganze Wagemut?




