- -
- 100%
- +
›Er ist ein Wert an sich! Er bringt dich dazu, das Leben weiter zu erforschen – dein Leben. Das ist doch ganz wichtig. Selbst wenn wir wirklich nur ein Teil von dir wären, so hätte das doch auch eine ganz enorme Tragweite!
›Ist also alles, was mit Bewusstseinserweiterung zu tun hat – um einen Modebegriff zu verwenden – etwas so Persönliches, dass alle daran beteiligten Kräfte oder Wesen, die außerhalb jener Welt liegen, die für uns fassbar ist, niemals verlässliche Zeichen ihrer Existenz liefern werden?
›Das nun auch wieder nicht, bekomme ich zur Antwort. Die Stimme klingt diesmal besonders sanft. Nein, wir wissen sehr wohl, wie weit wir mit unserem Anliegen gehen können. In jedem Fall gründet es auf Vertrauen. Damit du es besser verstehst, möchten wir dir mitteilen, dass wir so lange vertrauensstiftend auf die Öffnung für alles, was sich nicht unmittelbar fassen lässt, einwirken wollen, bis wir eine gewisse Anzahl von Menschen, die gegenwärtig auf der Erde leben, erreicht haben. Sie werden eine Art ‘psychische Batterie’ bilden, die das Potenzial birgt, ihre Gesinnung auf gefällige Weise weiterzuverbreiten … Diese bunt zusammengewürfelte Gruppe von Menschen wird auch die emotionale Erschütterung für die Menschheit abfedern, welche unser Erscheinen auslösen wird. Wann wir euch unsere Existenz mitteilen, werden wir frei entscheiden, dann aber unwiderlegbare Beweise liefern.
›Dann habt ihr das also doch vor?
›Durchaus! Wir sind ja keine Schwärmer, die meinen, sie könnten mit einem Streich die ganze Welt umkrempeln und das Bewusstsein der kompletten Weltbevölkerung revolutionieren. Wir folgen einem bestimmten Ruf, können ihm aber nicht zuvorkommen.
›Habt ihr eure Methode also geändert? Es hat ja schon den Anschein, als hättet ihr in den letzten Jahrzehnten immer wieder versucht, mehr oder minder deutliche Beweise eurer Existenz zu liefern.
›Ja, wir gehen nun anders vor.
›Könnt ihr mir sagen, warum?
Da nehme ich ein amüsiertes Lächeln wahr … und finde den vertrauten Ton, auf den ich mich so rasch eingelassen habe, gleich wieder ein wenig zu forsch.
›Weil wir … keine Götter sind, sondern Wesen, die sich weiterentwickeln und immer noch lernen! Im Grunde haben wir die Auffassungsgabe der gegenwärtigen Menschheit etwas überschätzt. Wir hatten mit mehr Offenheit und Ehrlichkeit gerechnet. Die meisten Menschen, die wir für die Weitergabe der Nachricht von unserer Existenz ausgewählt hatten, wurden entweder verlacht oder zum Schweigen gebracht, die stichhaltigen Beweise aber, die wir ihnen lieferten, völlig verfälscht. Andere wieder, die Zeugnis hätten ablegen können, verstrickten sich in ihrer eigenen Eitelkeit … von echten Betrügern einmal ganz abgesehen. Auf all das werden wir noch zurückkommen.
›Habt ihr das Gefühl, euch getäuscht zu haben?
›Ja und nein … Es war auf jeden Fall wichtig, eure Aufmerksamkeit auf ‘den Umkreis’ zu ziehen, also euch eine globalere Perspektive zu eröffnen, und ins kollektive Bewusstsein eures Planeten eine Bresche zu schlagen – selbst wenn die Sprache, die damit zusammenhing sehr schnell degenerierte. Heute lässt sich darüber nur in recht kindischen Begriffen reden. Dennoch ist es gut, dass es sie gibt. So wurde zumindest schon einmal der Keim für weitere Überlegungen gelegt. Es gibt da schon eine beachtliche Entwicklung.
Diesmal lege ich den Stift weg. Ein leichter Eisregen klopft gegen das Fenster meines Arbeitszimmers und trübt die Worte, die ich aufgenommen habe. Außerdem habe ich Nackenschmerzen. Soll ich das Gespräch mit meinen ‘Gästen’ unterbrechen oder werden sie sich von selbst zurückziehen? Doch schließlich überwiegt die Lust, die Unterhaltung fortzusetzen und so lasse ich mich zu einer weiteren Frage hinreißen.
›Wir haben doch gerade über Lichtwesen und Engel gesprochen. Ich habe zwar eine Meinung zu dem Thema, würde aber gerne hören, was ihr dazu sagt. Wenn ich eurer Erklärung Glauben schenken darf und ihr zwar keine irdischen, aber doch sehr konkrete Wesen seid, seid ihr dann nicht … die Engel, die in allen Kulturen der Welt vorkommen?
›Warum sollten wir nicht einfach Menschen sein? Im Moment sind wir einfach nur Menschen!
›Im Moment?
›Ja, das muss man immer dazusagen. Es ist ja kein Zustand endgültig. Die Dinge sind immer in Bewegung. Der Mensch gilt für gewöhnlich als Gipfel der Schöpfung. Man glaubt, nur seine Intelligenz könne noch weiter zunehmen. Doch das Leben nimmt in seinem unerschöpflichen Expansionsdrang stets Formen an, die seiner Weiterentwicklung am ehesten entgegenkommen. Aus unserer Perspektive nehmen wir ganz deutlich wahr, wie ein Ruf nach dem Übermenschlichen an den Menschen ergeht. Das zieht uns unwiderstehlich an, ob wir wollen oder nicht – genau wie ein Kind auf jeden Fall wächst und später altert, ob es ihm nun passt oder nicht. Und das betrifft uns beide, sowohl uns als auch euch.
›Ihr sagt, ihr seid keine Engel, würdet aber eines Tages dazu werden … wahrscheinlich sogar früher als wir.
›Oh ja, so könnte man es sagen. Aber weißt du, im Absoluten zählt Zeit nicht viel! Zwischen dem Entwicklungsstand deiner und unserer Zivilisation liegen einige Millionen Jahre. Das hört sich viel an und mag ein wenig entmutigend klingen. Doch man tut gut daran, die Dinge etwas nüchterner zu betrachten. Wir müssen einsehen, dass ein paar Millionen Jahre angesichts des immensen Ausmaßes der Zeit eine Kleinigkeit ist – zumal man sich fragen kann, ob es Zeit überhaupt gibt – abgesehen davon, dass wir sie als Illusion brauchen, die uns Halt gibt. So viel also zu deinem ‘eines Tages’ … Und was das ‘Engelwerden’ selbst anbelangt …, so basiert das doch auf einer recht kindlichen Vorstellung von der Evolution. Das anzunehmen wäre etwa so, wie zu glauben, dass Hunde eines Tages Menschen würden!
›Das wird in einigen Kulturen tatsächlich gelehrt.
›Es ist schlecht ausgedrückt und wird falsch verstanden. Jede Lebensform strebt der ihr vorausgehenden nach. Das heißt aber nicht, dass sie exakt in die Fußstapfen ihrer Vorläufer tritt, wenn sie nur lange genug am Lebensbaum gereift ist! Sie wird dann eher zu etwas Ähnlichem, Entsprechendem … das noch größer und schöner ist. Insofern muss ich dir sagen, dass wir nie Engel sein werden – und ihr auch nicht – einfach weil wir Menschen sind. Unsere Wirklichkeit ist der von Engeln vergleichbar, das schon …, aber nicht mit ihr identisch, denn unser Erfahrungs- und Wahrnehmungshorizont ist einfach ein anderer. Wir werden also zu dem, was wir aufgrund unserer eigenen Erfahrungen erreichen können – auch wenn unsere aufkeimende Einsicht vom erblühenden Bewusstsein der Engel mitgetragen und befruchtet wird.
›Damit willst du mir zu verstehen geben, dass es ebenso schön ist, ein Mensch zu sein, wie ein Engel, platze ich innerlich heraus.
Während mir diese Bemerkung entschlüpft, fällt mir auf, dass ich das Wesen zum ersten Mal geduzt und damit eigenmächtig einen Schritt in Richtung Nähe getan habe … auch wenn es die Ähnlichkeit zwischen uns ja eigens betont hat.
›Ja, genau das wollte ich dir nahe bringen. Entsprechend ist ein Tier ebenso wertvoll wie ein Mensch und so weiter. Es ist nicht sinnvoll, sich zu etwas entwickeln zu wollen, das uns vorausgeht. Viel wichtiger ist es, stets mit ganzer Kraft zu versuchen, die Idee der Vollendung, welche das Leben in uns – in unsere Gattung – gelegt hat, restlos zur Geltung zu bringen. Wir sind alle Schöpfer. Da versteht es sich von selbst, dass wir nichts zustande bringen werden, wenn wir immer nur alles nachmachen. Jeder Lebensform ist aufgetragen, ihre eigene Vollkommenheit hervorzubringen. Ohne es zu wissen, sind wir alle schöpferisch tätig … Mitschöpfer im wahrsten Sinne des Wortes.
›Kannst du – können Sie mir das noch etwas genauer sagen?
›Warum nimmst du das ‘du’ zurück? Warum machst du einen Schritt rückwärts? Das ist doch in Ordnung! Wenn dein ‘Sie’ respektvolle Distanz ausdrücken soll, kannst du es vergessen – die brauchen wir nicht. Alles, was Abstand schafft und dazu beiträgt, eine unmittelbare Begegnung abzuschwächen, Barrieren zu errichten oder etwas auszuschließen, ist überflüssig, findest du nicht? Ich habe es dir ja eben gesagt, wir sprechen als Menschen miteinander, die auf dem Weg zum Übermenschlichen sind. Wir sind nicht eure Lehrmeister und ihr nicht unsere Schüler.
›Ich wüsste nur gerne … bist du nur ‘einer’ oder seid ihr ‘mehrere’? Im tiefsten Inneren vernehme ich hinter dem ‘ich’ ein ‘wir’, das mitredet.
›Ich werde auch immer wieder vom ‘ich’ zum ‘wir’ übergehen, denn obwohl ich mich durchaus als Individuum an dich wende, spreche ich doch nicht nur für mich – sondern im Namen einer Bewegung.
›Einer Organisation?
›Ich sage mit Bedacht ‘Bewegung’, weil bei dem Begriff ‘Organisation’ in der Gesellschaft, in der du lebst, bestimmte Bedeutungen mitschwingen. Dieses Wort klingt fast zwangsläufig nach Machtbestrebungen und Hierarchien. Sage ich hingegen ‘Bewegung’, so denke ich eher an eine Herzensbewegung, einen Gefühlsimpuls und eine gemeinsame Hoffnung – an ein Netzwerk, das der Menschheit auf Erden zur Hilfe kommt. ‘Ich’ und ‘wir’ werden in meinen Worten oft ineinanderfließen, weil das kollektive Bewusstsein in meiner Welt sehr verbreitet ist. Das heißt jedoch nicht, dass wir alle das Gleiche denken und das individuelle Denken hinter dem Kollektiven zurücksteht oder zweitrangig ist. In unserer Gesellschaft wird einfach viel miteinander gesprochen, wir tauschen uns intensiv aus. Diese Kommunikation erlaubt uns nicht nur, das Gemeinwohl im Blick zu haben, sondern auch, alles in eine viel umfassendere Vision von Harmonie einzubinden. Wir sind in unserem Denken und Handeln alle völlig frei. Dennoch hat jeder von uns genügend Intuition und geistige Kraft erworben, um die Ereignisse mit einem gewissen Abstand zu betrachten, sie also in größerem Zusammenhang zu sehen. Darum empfinden wir uns als Zelle eines organischen Ganzen. Dieses Wissen beeinträchtigt in keiner Weise unser Selbstverhältnis – es macht einen nicht geringer.
Im Gegenteil, man wird dadurch verantwortungsbewusster und erst eigentlich zum Künstler des sich entwickelnden Lebens. Leuchtet dir das ein?
›Darf ich dir sagen, was für Schwindelzustände das auslösen kann? Ich weiß nicht, ob dir klar ist, in welchem Maße alles, was du da sagst – und mich ja zugleich auch miterleben lässt – den meisten meiner Mitmenschen den Boden unter den Füßen wegziehen würde. Schon deine Anwesenheit … und dann die Worte, die du verwendest … was du von deiner Welt erzählst – das zeugt von einem so hohen Ideal, es erscheint so entrückt und unerreichbar, dass es einen zutiefst beunruhigen kann. Es ist geradezu beängstigend.
›Das wissen wir sehr wohl. Darum wollen wir mit dir auch ein lockeres Gespräch führen, das ruhig immer wieder unterbrochen werden darf. So bin ich bisher ja auch vorgegangen. Wir sollten uns aber nichts vormachen. Wie viel Nähe und Intimität wir auch immer zulassen – dieses Gespräch verfolgt doch ein klares Ziel, nämlich eine weitere Bresche in das menschliche Bewusstsein zu schlagen. Aus diesem Grund führen wir es. Insofern sind Verunsicherungen unvermeidlich. Wenn man eine Wohnung ausbaut, weiß man sehr wohl, dass man eine Zeit lang auf einer Baustelle leben muss, zwischen Gerüsten, neuen Materialien und eben auch mit Handwerkern, die unsere gewohnten Abläufe durcheinanderbringen. Das ist der Preis, den man für die Vergrößerung der Räume zahlt. Um eine Verbesserung zu erreichen, muss man erst einmal Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Ist dieser Preis zu hoch? Ist das zu belastend? Dann sollte sich die Erdbevölkerung nicht weiter beklagen. Wenn eure Menschheit den Mut nicht aufbringt, sich auch mal aus der Bahn werfen zu lassen, sollte sie auch nicht ihren Lebensüberdruss wie einen alten Rucksack mit sich herumschleppen.
Vergiss nicht, dass es sehr lehrreich sein kann, aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden. Da kann einem schon mal schwindelig werden! Zu deiner Beruhigung kann ich aber sagen, dass auch wir noch solche Zustände durchleben, in denen alles verschwimmt und wir orientierungslos sind. Zum Glück – denn das zeigt, dass wir in der Lage sind, uns zu verändern, zu erneuern … und voller Elan über uns hinauszuwachsen. Unbeweglichkeit, Erstarrung und Fortschrittsfeindlichkeit jeder Art, führen zu einer Stagnation, die nicht einmal im ‘Tod’ – wie ihr das nennt – vorkommt. Wie viele deiner Zeitgenossen sind toter als tot …, weil sie das Risiko zu leben einfach nicht eingehen wollen.
›Wenn ich das richtig verstehe – kann ich nicht umhin einzuwerfen – sind Engel … oder Wesen, die sich ihnen annähern wollen, also stets von Eifer beflügelt … sehr aktiv und voller Elan!
›Ganz genau! Erst wenn die Abenteuerlust uns packt, wachsen unserem Bewusstsein Flügel. Dann entwickeln wir auch ein von Feuereifer beflügeltes Vertrauen.
›Warum sprichst du nicht von ‘beflügeltem Denken’?
›Auch wenn dich das vielleicht schockiert: Denken ist nur ein Nebenprodukt des Bewusstseins … Es ist eine Zwischenstufe des Lebens auf seinem Weg, etwas in die Welt zu bringen. Insofern ist es nur ein Instrument, ein Werkzeug – zu wahrer Erkenntnis führt es nicht. Es ist weder Quelle noch Ziel. Es passt seine Formen und Funktionsweisen den Gegebenheiten an. Allenfalls ist es so etwas wie eine Sprache – etwas anderes wird es niemals sein. Es dient nur der Übertragung der ursprünglichen Kraft, etwa wie ein Treibriemen in der Technik. Denken erzeugt Wissen – intuitive Erkenntnis aber ist eine Frucht des reinen Bewusstseins und damit Ausdruck der Essenz des Lebens selbst.
›Das ist ja höchst kompliziert!
›Weil man sich nicht die Mühe macht, wirklich darüber nachzudenken. Weil ihr die Zeit lieber damit verbringt, mit Computerprogrammen herumzuspielen, als euch Gedanken darüber zu machen, was euch am Leben erhält und aufleben lässt – oder aber erstickt. Gibt es auf Erden etwa irgendeine Schule, in der Glücklichsein gelehrt wird? Nein – dafür lernt man denken, also Ideen zu entwickeln und Theorien aufzustellen, die dann zu weiteren Ideen führen … und so fort. Dabei bleibt man stehen! Die Kunst, glücklich zu sein – also wieder zu sich selbst zu finden und sein unbegrenztes Potenzial an Erkenntnis und Erleuchtung auszuschöpfen, ist überhaupt kein Thema.
›Vielleicht ist uns das zu langweilig! Man sagt ja, dass glückliche Menschen keine Geschichte haben …
›Darum ergreifen wir heute wieder das Wort. Glück kann in der Tat langweilig erscheinen, wenn man es in ein bestimmtes Denksystem einschließt oder in ein Dogma sperrt. Glück ist ein anderes Wort für Liebe. Wie soll man einen Garten lieben, der einem Gefängnis gleichkommt – von Verboten und Pflichten umzäunt wie mit Stacheldraht?
1) Auch die Materie wird durch unsere Beziehung zu ihr blockiert. Wie die Ergebnisse der Quantenphysik gezeigt haben, ist ein Betrachter niemals objektiv.

Dienstag, 31. März
Heute Nacht ist etwas Seltsames passiert. Ich bin plötzlich aufgewacht. Im ersten Moment sah ich mich im Halbdunkel nach vertrauten Gegenständen um, nach dem Fenster, der Ecke der Kommode oder dem Bilderrahmen an der Wand. Vergebens. Ich erkannte mein Zimmer nicht wieder. Auch lag ich nicht mehr im Bett, sondern stand aufrecht – in einem Raum, der keine räumlichen Dimensionen hatte. Meine Füße standen auf einer festen Unterlage, ich konnte gehen, sah aber nicht, was unter mir war. Ich weiß noch genau, dass ich zögerte, vielleicht auch ein wenig ängstlich war, doch dann machte ich ein paar Schritte … Erst in diesem Moment wurde mir klar, dass ich mich in einem Raum bewegte, der aus reinem Licht bestand. Während ich das schreibe, ist mir vollauf bewusst, wie entrückt und schwebend mein Erlebnis auf meine Leser wirken muss – man könnte es für einen Traum halten. Es ist nicht leicht, die richtigen Worte zu finden, um zu verdeutlichen, wie konkret meine Erfahrung war.
Ich ging also mehrere Schritte vorwärts – weniger, um etwas zu sehen, als vielmehr auf jemanden zu. Ich hatte das Gefühl, erwartet zu werden. Während ich voranschritt, wurde das Licht immer heller und intensiver, wie wenn man sich einem Energiefeld nähert. Es schien aus sich selbst heraus zu leuchten, jedenfalls konnte ich keine Lichtquelle erkennen. Auf einmal trat eine menschliche Gestalt mitten aus diesem Leuchten hervor – direkt vor mich hin. Ich hatte überhaupt keine Angst, ganz im Gegenteil. Im ersten Moment dachte ich bloß, dieses Wesen ist viel größer als ich. Als ich weiter darauf zugehen wollte, hielt mich plötzlich irgendetwas zurück. Inzwischen bin ich überzeugt, dass eine außerhalb von mir liegende Kraft meinem Drang, näher heranzugehen, sanft entgegenwirkte. Es war, als würde jemand zu mir sagen: “Schau … bleib fürs Erste, wo du bist. Das ist schon richtig so.”
Zugleich quoll mein Busen über von einer unbeschreiblichen Freude … Ich betrachtete das Wesen oder doch seine Gestalt und war nur noch von tiefster Dankbarkeit erfüllt: “Danke, danke …”, dachte ich. Wie eine Welle kam mir nun ein unbeschreibliches Lächeln entgegen … fast wie ein Duft, denn im Grunde sah ich nur einen stummen Umriss.
Plötzlich durchfuhr mich ein heftiges Zucken. Es folgte ein schwindelerregender Sturz … dann saß ich mit rasendem Herzen und zitternden Gliedern wieder auf meinem Bett. Es war viel zu viel – so mein Eindruck … oder viel zu wenig, ich weiß es nicht. Jedenfalls war ich heute Morgen, als ich mein Heft aufschlug und den Stift zur Hand nahm, fürchterlich frustriert. Warum wurde mir eine Hand gereicht, nur um sie gleich wieder wegzuziehen?
›Hallo, mein Freund da oben in der Höhe? Hörst du mich?
Der Himmel draußen ist fast weiß. Genauso weiß, wie das Blatt vor mir – in Erwartung der Worte, die hoffentlich bald auf mich einstürmen werden.
›Hallo, hörst du mich?
›Gib doch Ruhe! Merkst du denn nicht, dass heute Morgen einfach nicht genug Raum in dir ist – sozusagen nicht genug ‘weiße Stellen’? Du schwätzt und erzählst einfach drauf los … Wo sollen wir da noch Platz finden? Sieh nur, wie die Gefühle in dir anbranden – du wirst von ihnen überrollt, wie von schäumender Gischt. Du sollst sie nicht vertreiben … nein, das verlange ich nicht von dir. Lebe sie aus, lass sie auf dich wirken und ihre Arbeit tun. War es schön? Dann lass dich von der Gegenwart des Schönen einhüllen. Genieße es, lass es sich in dir ausbreiten, bis du ganz voll davon bist … und satt. Mach es nicht wie jene Weisen, die nichts an sich heranlassen, als gehöre sich das so. Lebe, was du zu leben hast. Danach kannst du uns zuhören.
Dann zieht sich die Stimme von mir zurück, als würde sie nach hinten weggezogen … Es folgen zähe Minuten. Ich atme tief durch und versuche es zu genießen … ganz sanft …, bis mich allmählich das Gefühl überkommt, einem Betrug aufzusitzen. Wie jetzt? Manche sagen doch, man solle seine Gefühle abtöten. Erst neulich habe ich das wieder in einer Zeitschrift gelesen. Das hat ja eine ganze Denkrichtung geprägt. Unsere Emotionen abtöten! Im Moment erscheint mir das völlig absurd. Oder sollen wir lieber unserem Ego zu Leibe rücken? Auch das habe ich schon oft gehört. Es überwinden, darüber hinausgehen – das ja! Uns nicht von unseren niederen Persönlichkeitsanteilen und ihren zerstörerischen Trieben leiten lassen, wohlan! Dann müsste man aber eher davon sprechen, sie zu bezwingen, ihrer Herr werden und sie zu verwandeln …, aber abtöten? Töten ist nun mal töten. Das wird immer aus einer dualistischen Regung hervorgehen. So erschafft man den schlimmsten Feind, setzt ihn stückweise zusammen, einfach indem man ihn auf den Plan ruft. Ich glaube aber, dass es im Leben überhaupt keinen schlimmsten Feind gibt. Gegner, die man enttarnen, denen man die Maske abreißen muss, schon – im Grunde aber vor allem Gelegenheiten, sich selbst zu begegnen.
›Sollen wir unser Gespräch da fortsetzen, wo wir damit aufgehört haben? Die Stimme ist auf einmal wieder über mir aufgetaucht. Ich glaube, du hast mich schon gefragt, ob ich ein ‘geistiges Wesen’ bin. Ehrlich gesagt, finde ich deine Frage etwas merkwürdig, ja geradezu komisch! Natürlich bin ich das! Genau wie du und deine Leser auch. Wir sind alle mehr Geist als Körper. Was wir sehen oder von uns zeigen, ist doch nichts anderes als die Objektivierung unseres Bewusstseins. Wir projizieren es nach außen – wie ein Hologramm. Allerdings ist das auch wieder so ein Wort, das eher geeignet ist, Verwirrung zu stiften, als die Dinge zu klären. Es könnte zu ganz falschen Vorstellungen führen.
›Aber du weißt wohl, was ich meine.
›Ja und genau das amüsiert mich! Es ist absolut entscheidend, Denkweisen aufzulösen, die alte, irrige Vorstellungen und Begriffe befördern. Sie verstärken sich sonst gegenseitig. Wer von ‘Geistern’ oder ‘geistigen Wesen’ spricht und damit Wesen meint, die nicht inkarniert sind, sollte lieber von Seelen sprechen, die auf einem anderen Kanal des Lebens voll handlungsfähige Persönlichkeiten sind.
Geist ist wirklich etwas anderes! Wir können ihn meinetwegen höheres Bewusstsein nennen. Wenn man das nun weiterdenkt, hat auch der Begriff ‘nicht inkarniert’ keine feste Bedeutung. Der Geist liegt jenseits der Seele, in einer höheren Region. Er bewirkt, dass ein Wesen es selbst bleibt, während es zugleich in einer Welt nach der anderen einen Körper annimmt, der gerade zu ihm passt. Er legt ihn gleichsam an, wie ein Kleindungsstück. Er gehört dann zu seiner Erscheinung.
›Würdest du mir also zustimmen, wenn ich den Ausdruck Seelenleib oder Bewusstseinskörper verwende?
›Absolut. Man darf nur nicht aus dem Blick verlieren, dass auch diese Begriffe natürlich ihre Grenzen haben! Sie können die Dinge nur andeuten, nicht wirklich zum Ausdruck bringen. Ihre poetische Dimension ist wahrscheinlich das Interessanteste an ihnen – denn in der Poesie verbindet sich alles Wesentliche. Sie verweist auf Ungreifbares und löst so die Grenzen eines allzu engen, festgelegten Denkens auf. Mehr habe ich zum Thema des ‘Geistigen’ im Moment nicht zu sagen. Wie du siehst, führt deine Frage nicht sehr weit. Ich kann dir nun ganz klar sagen, dass ich zu einer Gemeinschaft von Nicht-Irdischen Wesen gehöre. Ich vertrete sie sozusagen. Damit weißt du schon sehr viel – über mich und meine Wirklichkeit. Und nun, da ich mich zu erkennen gegeben habe, möchte ich gerne auch wissen, wer du bist.
Ich muss gestehen, dass die Frage meines Gesprächspartners mich sprachlos macht. Ich glaube nämlich kaum, dass damit meine gegenwärtige Identität als Einwohner von Québec gemeint ist.
›Es wäre durchaus interessant, diese Frage allen Erdbewohnern zu stellen, fügt er noch hinzu, bevor ich mir überhaupt Gedanken darüber machen kann. Identität ist heutzutage wahrscheinlich das größte Problem überhaupt. Wer kann schon genau sagen, wer er ist oder wozu sein Leben gut ist? Man kann zwar verkünden: “Ich bin Maurer, Arzt, Professor oder treibe Handel”. Doch damit ist gar nichts gesagt. Man hat lediglich seine Rolle benannt, doch gewiss nichts darüber ausgesagt, wer man wirklich ist. Das Traurige ist, dass die meisten deiner Mitmenschen unfähig sind, auf diese Frage zu antworten – ja, sie überhaupt zu stellen.
›Ich stimme dir durchaus zu, aber wer bringt heute schon den Mut auf, noch groß zu philosophieren – wer hat überhaupt Zeit dafür?
›Eine solche Bemerkung ist symptomatisch für einen Zustand der Erstarrung. Allein dieser Einwand rechtfertigt bereits unser Erscheinen auf Erden. Wer spricht denn von Philosophieren? Was hat ein Umgang mit Ideen zum eigenen intellektuellen Vergnügen denn mit der Frage zu tun, wer man ist und was unser Leben für eine Bedeutung hat? Ich möchte dir ein Geheimnis anvertrauen. In all den Millionen von Jahren, in denen wir andere Welten beobachten und mit anderen Kulturen in Kontakt treten, haben wir immer wieder dieselbe Erfahrung gemacht: Sobald ein Volk oder auch ein einzelnes Wesen seine eigentliche Identität erkannt hat, sobald es sich seinem Ursprung nähert und seinem Leben einen Sinn geben kann, verliert es jedes Bedürfnis, über andere zu herrschen. Jegliche Regung, Machtbeziehungen einzugehen, wird ihm vollkommen fremd. Konflikte hat es nicht mehr nötig. Das ungute Verlangen danach ebbt in ihm ab – und damit seltsamerweise auch jede Lebensangst. Darum ist die Frage: “Wer bist du?” ganz entscheidend für unser Anliegen. Sie steht im Zentrum dessen, was wir deiner Welt zu geben haben … sofern diese bereit ist, sich dem Willen zum Glück zu öffnen. Wir sind alles andere als Philosophen – zumindest nicht in dem Sinne, wie ihr Philosophie im Allgemeinen auffasst. Im Gegenteil, wir sind ganz praktisch orientierte Wesen. Wir wissen inzwischen, wer wir sind, weil wir bereit waren, ein paar grundlegende Schwierigkeiten zu beseitigen. Wir wollten uns nichts mehr vormachen. Wenn Hindernisse auftraten, haben wir uns echte Fragen gestellt, um auch die richtigen Antworten zu finden. Das ist immer noch so – und dabei geht es weder um religiösen Glauben oder spirituelle Erhebung noch um Wissenschaft. Es ist einfach ein unerschütterlicher Lebenswille … Denn Leben ist im Grunde reines Glück, reines Entzücken. Die Unterscheidung zwischen heilig und profan ist ihm völlig fremd. Es ist das Leben, in all seiner unteilbaren Schönheit, das ist alles.




