Das skurrile Leben der Myriam Sanders

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«Ich übernehme den Fall!», erklärt Myriam.
Noemi sieht sie an und nickt. «Du meinst …?»
«Ich hole den Schlüssel für dich. Was und wo auch immer er ist.»
Noemi umarmt Myriam. Eine innige Geste, die Myriam, trotz der intimen Handlung, die sie Minuten zuvor durchgeführt hat, überrascht. Als sie loslässt, greift sie in eine kleine Handtasche und zieht einen schwarzen Briefumschlag hervor. Sie öffnet die Klappe, zieht ein Stück samtschwarzen und violetten Kartenkarton in Postkartengröße heraus und reicht es ihr. Myriam betrachtet das kleine Rechteck. Es ist eine elegante Einladung zu einer Party. Die Schrift darauf ist mit Blattgold geprägt. Heaven & Hell Mixer in The Pearl. Bist du ein Engel oder ein Dämon? Rausfinden. Einladung gewährt Inhaber + 1 Gasteintritt.
«Dies ist für heute Abend!», bemerkt sie und liest das Datum und die Uhrzeit, die unten abgedruckt sind. Noemi nickt. «Dies ist meine vorerst einzige Chance, damit du agieren kannst. Und ich kann lange genug von zu Hause wegbleiben, um diese Vereinbarung mit dir zu treffen. Ich werde mir noch Dessous kaufen, damit es realistisch ist, dass ich so lange weg bin, ich will keinen Zweifel an meiner Aufrichtigkeit lassen. Ich entschuldige mich, wenn das auch sehr kurzfristig ist, Myriam.»
Sie schiebt die Einladung zurück in den Umschlag und steckt sie in Myriams Jacke.
«In Anbetracht der Kürze der Zeit, verzichte ich auf eine Anzahlung. Es reicht, wenn du mir 500 Euro heute Nachmittag auf mein PayPal-Konto überträgst. Hier ist meine e-Mail-Adresse.»
«Okay, das mache ich, kannst dich drauf verlassen.»
«Und wenn ich erfolgreich meinen Job erledigt habe, bekomme ich noch einmal 500 Euro. Ist das in Ordnung für dich?»
«Ja, alles gut. Abgemacht. Die Anzahlung heute Nachmittag und den Rest nach erfolgreichem Abschluss.»
«Ich habe zwar ein Date mit Netflix und einer Flasche Scotch, aber ich nehme an, das kann warten.» Myriam öffnet die Wagentür für sie.
«Und du wirst einen Gast mitbringen? Für den Anschein. Nicht viele tauchen alleine auf.»
«Ah, verdammt. Ich dachte, du wärst mein Date.»
«Sorry! Wenn du den Schlüssel hast, Myriam, bin ich ganz bei dir, wenn es dir gefällt.»
Noemi gibt ihr einen warmen Kuss auf die Lippen, bevor sie in ihren eleganten Mercedes steigt.
«Bis heute Abend!», gurrt sie. Myriam sieht zu, wie ihre Heckleuchten um die Ecke verschwinden. Sie ist eine Frau, die das Leben bereichern und in Unordnung bringen kann.
Aber, hey, no risk, no fun? Ich bin mir nicht ganz sicher, was für einen Job ich für diese Nacht unterschrieben habe? Bin ich Verhandler? Den Schlüssel stehlen? Ich denke, ich werde einfach das tun, was ich immer tue. Spiel es nach Gespür. Vodoo, das ist doch alles Quatsch. Das Rätsel werde ich lösen. Bring einen Gast mit, hat sie gesagt. Wen könnte ich anrufen, um mich zu eskortieren? Eine hochkarätige Angelegenheit wie diese? Ich würde wie ein schmerzender Daumen herausragen, wenn es nicht die passende Begleitung wäre. Ich würde ein elegantes Mädchen an meinem Arm brauchen, um hineinzupassen. Aber wer? Und was ist das Pearl? So viel ich weiß, handelt es sich um einen angesagten Club in bester Charlottenburger Lage gegenüber dem Theater des Westens, zieht die Stars und Sternchen wie Justin Bieber, Sängerin Rita Ora, Mike Tyson, Fußballspieler und deutsche Schauspieler wie z.B. Nora Tschirner, ein Club mit edlem Ambiente an. Außerdem bucht der Club regelmäßig exklusive Live Acts wie FUTURE, Travis Scott oder Größen aus der deutschen Musikszene. Für Partyspaß sorgt dabei ein zehn Meter hoher Wasserfall im Lounge-Bereich, eine kraftvolle Soundanlage, der LED Dancefloor.
Eine regelmäßige Veranstaltung im Partykalender des Clubs ist die After-Work-Party, die hier in Kooperation mit dem Radiosender 104.6 RTL veranstaltet wird. Immer donnerstags gibt es beim Ku‘damm neben den besten Hits zum Tanzen beim After Work auch eine Kleinigkeit zu Essen wie Pizza oder Fingerfood, das im Eintritt inbegriffen ist.
Und da gehe ich heute Abend mit einer Begleitung hin. Thema: Himmel und Hölle. Ist wohl eine Sonderveranstaltung. Mal sehen, was mein Kleiderschrank dazu sagt. Das Finanzielle ist gesichert.
Myriam geht zurück in ihr Büro. Annie lehnt am Schreibtisch. Sie umarmt den Ordner, den sie aus der Kanzlei des Anwalts mitgebracht hat. Sie sieht Myriam mit ihren großen blauen Augen an. Sie schüttelt den Kopf, um eine glänzende, braune Haarsträhne aus ihrem Gesicht zu entfernen.
Myriam lächelt. «Was macht deine Beziehung?»
Annie schüttelt den Kopf und sieht zu Boden.
«Du bist nicht mehr bei dem Kerl? Wie heißt er?»
«Todd? Nein. Er hat sich als echter Idiot erwiesen», erwidert Annie. «Außerdem haben wir nie richtig zusammen gepasst, weißt du – da wo es zählt.»
«Hast du heute Abend irgendwelche Pläne?»
«Ich? Nein», antwortet sie.
«Willst du mit mir zu einer Party gehen?» Annie sieht verblüfft aus.
«Oh, danke, aber ich stehe nicht auf Mädchen.» Myriam ist nicht überrascht, denn das wusste sie.
«Nein, es ist nichts dergleichen. Arbeitssache. Ein bisschen Geselligkeit, vielleicht einige Informationen mit geringem Einfluss.»
«Klingt irgendwie lustig. Sicher!»
«Großartig. Dies ist eine schicke Angelegenheit, wenn du ein Kleid hast, das für den Rahmen angemessen ist?»
Ihr Gesicht leuchtet auf.
«Ich habe ein Kleid von meinem Abschlussball! Es ist so ein wunderschönes Teil, ich wollte es immer wieder tragen.»
Myriam lächelt. «Dann ist es ein Date. Ich hole dich um einundzwanzig Uhr ab.»
Zurück in ihrer Wohnung nimmt Myriam ein Bad mit Duftschaum und entspannt sich. Wohlig räkelt sie sich im warmen Wasser, legt noch eine Maske auf und wartet, bis sich das Gesicht zusammenzieht, als sie trocknet, um dann alles wieder abzuspülen. Dann noch Haare waschen und Maske abziehen. Beim Anziehen lässt sie sich viel Zeit. Sie wählt ein Cocktailkleid, das seit der letzten Party am anderen Ende des Schranks hängt. Ein schwarzer Hauch von Nichts. Der Saum bedeckt kaum ihren runden Po. Da der Rock die Grenze zwischen Himmel und Hölle selbst überspannt, nimmt sie an, dass er für eine Heaven & Hell-Party ausreichen würde. Aber zuerst legt sie sich eine schwarze Spitzenkorsage an und einen schwarzen Spitzentanga. Schwarze Nylons vervollständigen das Bild. Myriam betrachtet sich in einem Ganzkörperspiegel und ist mit ihrem Anblick zufrieden.
Das dunkelblonde Haar steckt sie in eine Hochsteckfrisur als Hommage an ihre Klientin, Frau Noemi Moretti, und verschönert sich mit rauchigem Lidschatten und ein bisschen Rouge, um ihre Wangen zu betonen. Ihre kürzeste schwarze Lederjacke passt perfekt zu dem Kleid, und sie trägt knallrote High Heels dazu.
So ausgestattet, gibt sie ein gutes Bild ab. Sie nimmt ihr femininstes Taschentuch, steckt es zu dem kleinen Revolver in ihre schwarze Abendtasche und tritt in die Nacht hinaus.
Myriam hält vor Annies Haus. Eine Wohnung, in der sie noch bei ihren Eltern wohnt. Ein Anruf und vier Minuten später bewegt sie sich vorsichtig mit Stöckelschuhen die Vordertreppe hinunter, die dem kleinen Mädchen eine gewisse Größe verleihen. Ihr Kleid ist überraschend elegant. Das Mädchen sieht aus wie eine Debütantin, als sie so auf Myriam zutippelt. Sie klettert auf den Vordersitz und sieht sie mit ihren großen, blauen Augen an, die mit den dunklen Akzenten ihres Make-Ups leuchten.
Zwischen den Sommersprossen auf ihren Wangen funkelt Glitzer. Sie lächelt und fragt: «Sieht das gut aus?»
«Ja, du siehst toll aus! Wir fahren zum Club The Pearl, der zurzeit äußerst angesagt ist.» Während sie fahren, flucht Myriam innerlich.
Wie sexy meine Assistentin aussieht! Der Geruch ihres Parfums und meine überaktive Libido.
Jedes Mal, wenn Myriam einen Gang wechselt, reiben sich die nackten Beine aneinander, was sie nur noch mehr erregt. Annie weiß es nicht, aber in diesem Moment ist sie wie ein T-Bone-Steak, das über einem Löwenkäfig baumelt. Zum Glück dauerte es nicht lange, bis das Fegefeuer in Sicht kommt. Ein gehobener Club gegenüber dem Theater des Westens. Zwei Scheinwerfer laufen mit ihren brennenden Strahlen über den Himmel. Einer hellrot und der andere bläulich weiß. Himmel und Hölle streiten sich um das Fegefeuer. Nette Geste. Annies Augen schauen aus dem Beifahrerseitenfenster. Ein bisschen schicker als sie es erwartet hat.
«Wow», sagt sie. «Ich weiß nicht, ob ich hier reinpasse.»
Myriam spottet. «Oh, ich denke, du wirst gut passen.»
Myriam hält am Straßenrand und eine Frau in einer roten Weste nimmt ihr den Autoschlüssel ab. Annie und Myriam schließen sich dem Besucherstrom von schönen Menschen an. Als sie sich der Haustür nähern, legt Myriam ihrem Arm um Annie. Sie spannt sich für eine Sekunde an, aber Myriam wirft ihr einen Blick zu, der sagt: Entspann dich, du bist mein Date, handle natürlich.
Myriam gibt dem großen Mann, der an der Tür steht, ihre Einladung. Er sieht aus wie ein rasierter Gorilla im Smoking. Er nimmt die Einladung entgegen und sieht sie sich an. Er streckt seine riesige Hand aus und gibt einen Daumen nach unten. Myriam zieht eine Augenbraue hoch und will ihn fragen, was zum Teufel das bedeuten soll, aber er öffnet seinen riesigen Mund. «Hölle», verkündet er.
«Hölle?», fragt Annie und packt Myriams Arm fester. Der Gorilla im Anzug streckt nur den Arm aus und hindert sie daran, die Haupttür zu betreten. Stattdessen führt er sie zu einer roten Tür gleich um die Ecke. Die Worte «ABANDON ALL HOPE» (Alle Hoffnung aufgeben) war über die Tür gesprüht. Myriam führt ihre besorgte Assistentin zur Tür und als sie ankommen, schwingt sie langsam auf. Ein weiterer Mann im schwarzen Anzug mit roter Krawatte, diesmal etwas kleiner, erwartet sie. Er träg eine Halbmaske über dem Gesicht. Ein langnasiges Dämonengesicht mit hohen Wangenknochen, schwarzen Augen und kurzen Hörnern, die aus der Stirn ragen.
«Geht runter», sagt er, als sie eintreten.
Erst dann wird ihnen klar, dass es sich um einen Aufzug handelt. Sie gleiten langsam hinab, die Wände erinnern an einen Gitterkäfig, der über den Boden des Nachtclubs schwebt. Innen, Samt-rosarot und poliertes schwarzes Leder, soweit sie sehen können. Der Raum ist dunkel, und die einzigen Lichter in der Dunkelheit leuchten rot. Es sind mindestens hundert Menschen auf dem Boden gedrängt. Die Hölle brodelt, wie es scheint. Als sie aus dem Aufzug steigen, sehen sie, dass der Boden abgestuft ist. Natürlich! Die sieben Schichten der Hölle! Aber anstatt abzusteigen, hebt sich jede Reihe in die Mitte des Raumes, bevor sie schließlich eine Bühne bildet. Im Moment tanzen zwei kurvige Frauen, die nur in Tangas gekleidet sind, verführerisch schütteln sie ihre Haare und streicheln sich gegenseitig. Sie sind allein auf der Bühne, aber es gibt auch ein paar Requisiten. Ein großer schwarzer Thron aus Stahl und Plüsch, lila Samt, steht neben einem hölzernen Pranger, einer schwarzen Lederbank mit daran befestigten Kettenfesseln und einem Andreaskreuz mit Lederfesseln. BDSM Bondage Ausrüstung! Es sieht so aus, als ob sie heute Abend eine Show zu sehen bekommen.
Myriam schlängelt sich durch die Menge und macht sich den Weg frei, um zum Barbereich zu gelangen. Annie folgt dicht hinter ihr und sie hält sie wie ein verlorenes Kind an der Hand. In gewissem Sinne ist es wohl auch.
«Tut mir leid, Annie», ruft Myriam ihr über den dröhnenden Bass der Musik hinweg zu. Sie sieht Myriam nicht an. In der Nähe steht eine mit Leder und Metall bekleidete Domina mit einem unglaublich hohen Stilettoabsatz auf dem Rücken einer anderen Frau. Annie beobachtet sie aufmerksam mit offenem Mund. Die devote Frau kniet auf allen Vieren auf dem Boden. Sie ist nackt und nur mit einer Latexmaske bekleidet. Die Kapuze ist über ihr Gesicht gezogen. Es gibt keine Augenlöcher, nur ihre purpurroten Lippen sind durch ein Mundloch mit Reißverschluss sichtbar. Die Domina schlägt mit lustvollen Abständen ihren knallroten Arsch mit einer Peitsche und die Schreie der devoten Frau sind sogar über die Musik hinweg zu hören.
Bondage-Sklaven und Sklavinnen bedienen ihre Herrin oder ihre Herren. Po und Oberschenkel werden ausgepeitscht, Phalli dringen in jede Öffnung ein. Dies ist keine Party! Das ist eine Orgie.
Bevor sie die Bar erreichen, werden sie von einem erwachsenen Mann aufgehalten, der als Baby verkleidet ist. Er weint, während er an einem Schnuller kaut.
«Hast du meine Mama gesehen?»
«Nein, such weiter!», knurrt Myriam.
Der Mann stolpert davon und zieht einen übergroßen Teddybär hinter sich her. Myriam schüttelt ihren Kopf. Sachen gibt es! Als sie sich wieder Annie zuwendet, sieht sie, dass sie ein paar Meter entfernt steht. Den Nacken nach hinten geneigt, sieht sie eine muskulöse Frau direkt an. Die Frau ist eine Domina. Stachelkragen, Armbänder und BH. Sie trägt einen schwarzen Lippenstift in ihrem weiß geschminkten Gesicht und einen schwarzen Lederhut über ihrem langen, rabenschwarzen Haar.
Sie ist groß, und überragt die kleine Annie wie eine wunderschöne Amazonas-Kriegerprinzessin in ihren Stiefeln mit hohen Absätzen. Sie sagt etwas zu Annie und reibt Annies Kinn mit Daumen und Zeigefinger. Genau als Myriam das Paar erreicht, schiebt die Domina ihren Daumen in Annies Mund. Es sieht nicht so aus, als würde sie Widerstand leisten.
«Hallo!», ruft Myriam aus. Sie sehen beide auf. «Hände weg von meiner Freundin.»
Myriam nimmt Annie am Handgelenk und will sie wegführen. «Wenn ein Engel in die Hölle fällt», erklärt die Domina. «Du wärst verrückt, sie nicht zu fangen.»
Myriam ignoriert die Frau, kann auch nicht viel mit ihrer Aussage anfangen, und sie schaffen es, unbeschadet an die Bar zu gelangen.
«Was hat sie zu dir gesagt?»
Annie lächelt, zuckt mit den Schultern und sieht in die Menge. «Sie sagte, ich sei wunderschön und sie könne in mein Herz sehen.»
«Hat sie dir verraten, was sie gesehen hat, Annie?»
Sie ignoriert die Frage. «Sie sagte, ich solle sie ‚Mistress‘ nennen.» Sie kichert albern. «Mistress.»
Myriam bereut, sie mitgebracht zu haben. Dieser Ort ist zu intensiv für sie.
«Versuch einfach deinen Kopf bei dir zu behalten und bleib in meiner Nähe!» Myriam winkt den Barkeeper herbei und bestellt einen Scotch für sich und ein Wasser für Annie.
Während sie warten, schaut sie sich um. Myriam taucht in einen Ort voller heißer Rhythmen und erotischer Stimmung ein. Der Clubbereich, eine Tanzfläche mit DJ, am Rand einzusehende Separees, offene Liegeflächen, drei Bars. Zu aller erst fallen ihr die Menschen auf, die auffällig gekleidet sind. Von Lack und Leder, bis hin zu Masken, die sie so noch nie gesehen hat, nackte Brüste und offene Hosenschlitze, zelebrierter Techno, Hedonismus und Fetisch, sehr hippe, schöne Menschen. Auffällig ist die große Anzahl junger Frauen. Selbstbewusst beanspruchen schon Anfang zwanzigjährige ihren Platz bei dieser Sex-Party. Adaptionen aus der SM-Szene sind dabei ganz offensichtlich: Hundehalsbänder und Lederharnesse sieht Myriam. Rund 20 junge Frauen folgen auf die Tanzfläche, und schon kurz nach der Ankunft wälzen sich im Wechsel immer mindestens fünf von ihnen nackt auf dem nahestehenden Bett der Gastgeberin. Einige stürzen sich förmlich aufeinander, irgendwann scheint es fast egal, wer wen küsst, leckt, fingert. Andere schauen nur etwas überrascht zu, doch alle scheinen sich wohlzufühlen. Man ist ja, irgendwie, unter sich.
In den vielen kleinen Separees am Rand wird gechillt, gefummelt, gevögelt. Tanzen, vögeln, sich frei machen.
Auf den Treppen neben der Bar sitzen zwei junge Mädels und lassen sich parallel von zwei Typen lecken. Mit all den winzigen Räumen, bestückt mit Sofas, Emporen und sogar einem Beichtstuhl, ist die Location ideal, um halb versteckt, halb öffentlich Finger zwischen Beinen und Zungen in drei verschiedenen Mündern verschwinden zu lassen. Im Beichtstuhl wird lautstark gevögelt und der Vorhang wippt im Takt. Vor Myriam hat sich ein Mädel tanzend auf ein Podest verzogen, da kommen plötzlich drei leicht bekleidete Mädels und machen einfach mit. Lautstark stimmen sie sich ab, wer als nächste mit der Tanzenden vögeln darf. Myriam hat schnell verstanden, dass man sich hier so zeigt, wie man will. Es wird, egal, was man tut, dir dabei zugesehen. Alle, die dort hinkommen, sind nur da, um zuzusehen oder zusehen zu lassen. Um Sex, den andere Menschen miteinander haben, direkt zu beobachten, oder davon angestachelt zu werden, dass andere zuschauen. Und um vielleicht auch irgendwie Teil von der Sache zu werden.
Myriam fühlt plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter. Sie ballt die Faust, aber als sie sich umdreht, steht Noemi da. So schön wie heute Mittag, nur dass sie jetzt einen rot-schwarzen Latexanzug trägt. Ein Teufelsschwanz schwingt hinter ihr. Auf den ersten Blick könnte man es als einen Teil des Anzugs ansehen, aber beim zweiten Blick erkennt man, dass er an einem Analplug befestigt ist, der durch eine mit Reißverschluss versehene Klappe im Anzug in sie hineingeschoben wurde und einen einfachen Zugang ermöglicht.
Sie lächelt. «Du hast es geschafft», sagt sie.
«Ja, das habe ich!» Myriam verspürt einen Anflug von Wut, aber sie ist irgendwo in ihren wunderschönen grünen Augen verschwunden. «Du hättest mir sagen können, dass dies eine versaute Sexparty ist. In diesem Club ist das normalerweise nicht üblich. Ich meine, hier finden «normale» Partys statt.»
Noemi tritt dicht an sie heran und reibt sich mit ihrem in Latex gewickelten Bein an der Innenseite von Myriams Oberschenkel.
«Es tut mir so leid, Frau Sanders», sagt sie und legt ihre Hände auf die freigelegte Öffnung, die einen Blick auf ihre Muschi gewährt.
«Ich brauche dich so sehr und ich war mir nicht sicher, ob du kommen würdest, wenn du gewusst hättest, wohin ich dich einlade. Wir sind hier auch nicht im Hauptclub, sondern im Kellergewölbe, unterhalb des offiziellen Ambientes. Dies ist der innere Zirkel.»
«Ich würde immer kommen», sagt Myriam. «Und hätte das Kind einfach nicht mitgebracht.»
«Kind?», fragt sie, «Welches Kind?» Myriam dreht den Kopf und Annie ist weg.
«Verdammt! Wo ist sie geblieben, ich habe ihr doch gesagt, dass sie in meiner Nähe bleiben soll!» Myriam grummelt. Sie will ihr nachgehen, aber Noemi stoppt sie.
«Es ist keine Zeit! Die Show beginnt», sagt sie. «Schau nur!»
Als sie das sagt, werden die Lichter gedimmt. Der Lärm verstummt. Plötzlich durchfährt ein intensiver weißer Lichtstrahl die Dunkelheit. Er endet auf der Bühne und entzündet dort ein Feuer. Die letzten Tänzerinnen klettern hinunter und zerstreuen sich in der Menge, vermutlich um mit Peitschenhieben versohlt und von Verrückten gevögelt zu werden.
Eine einsame Frau tritt aus der Dunkelheit. In ein schwarzes Gewand gehüllt, verliert sich ihr Gesicht in dem Schatten unter ihrer Kapuze, trotz des intensiven Lichts, in dem die Bühne badet. Sie streckt die Arme aus und beginnt zu sprechen. Ein harter Strom von Konsonanten. Myriam ist klar, dass es ein Zauber oder eine Beschwörung sein soll. Die Frau geht plötzlich in Flammen auf! Anstatt zu schreien und zu Boden zu fallen, wie es jeder andere tun würde, steht sie mit ausgestreckten Armen auf der Bühne. Ihre Robe verbrennt und verschwindet in den Rauchwolken.
«Das ist Antonia Moretti», flüstert Naomi.
So schnell die Flammen erscheinen, lösen sie sich auch wieder auf. Schließlich steht Antonia Moretti ganz nackt mit ihren üppigen Brüsten und einer straff glänzenden bronzenen Haut stolz vor den Menschen. Das Publikum brüllt vor Begeisterung. Ordentlicher Trick.
Myriam klatscht.
«Der Schlüssel! Im VIP-Raum, oben», flüstert Noemi ihr ins Ohr. «In einer Glaspyramide.»
Dann verschwindet sie in der Menge. Myriam steht alleine an der Bar, Annie weg und unauffindbar und Noemi im Gewühl untergetaucht. Myriam umklammert ihren Drink. Myriam hat beide aus den Augen verloren.
«Meine Damen und Herren, alle jenseits und dazwischen!» Antonia Morettis Stimme verstärkt sich von irgendwoher, als sie deutlich über den Lärm hinweg zu hören ist. «Heute Abend gibt es keinen Himmel und keine Hoffnung! Heute Abend sind wir alle verdammt! Trinkt, fickt und seid fröhlich, denn alle morgigen Partys beginnen - jetzt! Bringt den ersten Tribut hervor!»
Antonia tritt einen Schritt zurück und setzt sich auf den Thron. Mit ihrem Alabasterkörper sieht sie wie die dominierende Unterweltkaiserin aus, die sie ist. Noemi sticht mit einer Krone aus goldenen Dornen aus der Menge hervor, mit einem großen Smaragd in der Mitte zwischen zwei langen dämonischen Hörnern. Sie klettert die Stufen hinauf und senkt die Krone auf Antonias Kopf, wo sie sodann auf ihrem pechschwarzen Haar ruht.
Die gekrönte Kaiserin deutet auf den Boden. Noemi sinkt auf die Knie, beugt sich dann vor, küsst und leckt die Füße ihrer Geliebten. Rechts von der Bühne erscheint die Domina, die ihren Daumen in Annies Mund geschoben hatte, und nicht weit dahinter folgt eine nackte junge Frau. Auf Händen und Knien, wie ein Haustier auf allen Vieren und mit einem eigenen Lederhalsband. Aber anstatt sich von Voodoo-Magie leiten zu lassen, wird sie von einer Kettenleine geführt, die sich um die Faust der Domina wickelt und von hinten gepeitscht. Völlig überrascht und fassungslos geht Myriam einen Schritt vor, um besser zu sehen, aber in einer Menge wie dieser, ist das schwierig. Da oben auf der Bühne, mit der Masse menschlicher Körper zwischen ihnen, hätte die junge Frau genauso gut auf dem Mond sein können.
Noemi blickt einen Moment auf, bevor sie wieder die Füße ihrer Geliebten anbetet. Die Domina hebt die Frau an den Haaren auf die Füße. Sie steht hinter dem viel kleineren Mädchen, zieht ihren Kopf zurück und beugt sich vor, um ihre Zunge über deren Gesicht zu streichen. Das Mädchen zittert, aber sie scheint nicht viel zu kämpfen. Die Domina dreht sie herum und küsst sie auf den Mund. Hart, von Angesicht zu Angesicht, die Zunge der Domina wühlt sichtbar in deren Mund. Sie zwingt sie auf die Knie und die Domina befielt ihr, ihr mit ihren kleinen Händen den Schritt zu reiben.
Myriam schaut sich um. Sie entdeckt Annie entfernt mit einem jungen Mann. Eng umschlungen, sich küssend.
Ich habe nie gemerkt, was für ein sexy kleines Luder Annie ist. Myriam schüttelt ihren Kopf. Für mich sieht das alles falsch aus. Meine kleine Annie? Hier bei dieser versauten Veranstaltung und, wie es scheint, völlig freiwillig?
Die Domina fesselt das Mädchen an das Andreaskreuz, beide Hände rechts und links an die Querbalken. Dann fesselt die Frau die Fußgelenke. Sie steht nun breitbeinig mit nackt rasierter Muschi vor der Menge und hält nun eine Flogger in der Hand. Zuerst streichelt sie damit den Körper, fast liebevoll, um in der nächsten Sekunde mit einer Flogger ihren Oberschenkel zu peitschen. Das Mädchen schreit.
Die Domina nimmt ihre Hand und schiebt sie zwischen deren Schenkel und reibt ihre Muschi. Stöhnend windet sich das Mädchen. Jetzt hat die Domina einen Dildo in der Hand und beginnt damit, für alle sichtbar die Klitoris zu stimulieren. Immer heftiger windet sich die junge Schönheit unter der Berührung.
Mit der anderen Hand schlägt die Domina mit der Flogger auf deren Oberschenkel, immer noch den Dildo in ihrer Pussy. Sie schlägt immer fester. Das Mädchen windet sich zwischen Lust und Schmerz heftig. Plötzlich dringt ein gellender Schrei aus ihrem Mund und sie bekommt einen Orgasmus. Erschöpft hängt sie an dem Kreuz.
Die Domina bindet sie los und fesselt nun ihre Hände vor ihren Bauch.
Myriam hat keine Zeit, den Rest der Szene in sich aufzunehmen.
Noch ist es Zeit, Noemi zu helfen. Nach ein paar Minuten, in denen sie sich durch die Menge duckt und schlängelt, entdeckt sie eine Treppe, die vom Hauptfußboden des Clubs in einen schwach beleuchteten Bereich oberhalb führt. Sie macht sich auf den Weg zur Treppe, die von einem Samtseil und einer Frau in einem schwarzen Hosenanzug abgesperrt wird. Sie steht mit verschränkten Armen da, die Muskeln spannen den Stoff. Ihr Blick soll sagen: «Fix mich nicht an!»
Myriam beschließt, den direkten Angriff zu versuchen. Sie legt die Einladung vor, die Noemi ihr gegeben hat, und lässig reicht sie sie der Wache. Nicht zu viel Augenkontakt, nicht zu wenig. Die Wache sieht es sich an und gibt es ihr zurück. «Nur VIPs.»
Hmm, das war schiefgegangen, also versucht sie es mit Flirten.



