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»Äh, brauchst du die Felldecke noch?«, deutete ich mit einem Fingerzeig fragend an.
»Nein, nein, bediene dich.«
Sie kommentierte meine Entscheidung, das Bett zusätzlich zu polstern, nicht. Stattdessen widmete sie sich einer etwa anderthalb Schritt langen Kette und prüfte sie anscheinend wie andere ihre Waffen auf Fehler untersuchten.
»Kämpfst du damit?«, wollte ich auf das Metall deutend wissen.
»Wir lernen eine Kampfkunst, die für viele Augen ungewöhnliche Waffen einbezieht. Von Kindesbeinen an habe ich gelernt, mich mit dieser Kette zur Wehr zu setzten. Bislang hat das auch immer gut funktioniert.«
Ihr Grinsen verwischte jeden Zweifel an der Wahrheit. Fast war mir, als würde sie mit den Ketten reden, auf eine ihr eigene Art. Vom Zusehen wurde ich langsam müde. Das Stroh und die Decken reichten bei weitem nicht, um mir als angenehme Unterlage zu dienen. Innerlich rief ich mich zur Besonnenheit, nicht so verwöhnt zu sein, und eiferte in Gedanken den Momenten hinterher, wo weiche Daunen meinen strapazierten Körper einlullten.
»Nanu?« Ihr überraschter Ausruf weckte mich aus den Träumen. Meine Mitbewohnerin hielt ein Ende der Kette in der Hand. Nichts rührte sich. Das andere Ende lag ausgebreitet auf dem Boden. Ich runzelte die Stirn.
»Stimmt was nicht? Ist etwas mit der Kette?«, erkundigte ich mich und unterdrückte ein Lachen.
Mir fielen noch einige witzige, aber unpassende Bemerkungen ein, worauf eine Kette denn gehorchen sollte, und schreckte zurück, als Bewegung in die Kette kam. So überrascht kippte ich beinahe mit dem Kopf gegen die Steinwand, stützte mich aber gerade noch mit einer Hand ab.
»Die lebt! Die Kette hat sich bewegt!«, rief ich erschrocken.
Von dem weiblichen Mönch kam keine Erklärung. Sie wirkte sehr konzentriert. Eine Schweißperle bildete sich auf ihrer Stirn.
»Warum …?«
Ihre Frage stand im Raum, dann wurde sie förmlich von der Kette nach vorne gezogen und musste loslassen, um nicht mit dem Gesicht voran auf dem Boden zu landen. Eine zweite Kette schlängelte der ersten hinterher, riss einige Splitter aus der hölzernen Zimmertüre und verschwand darunter. Mit großen Augen glotzte ich ihnen nach.
Moi’ra drückte sich vom Boden ab und drehte sich mit ihrem Schwung in eine aufrechte Position. Wäre ich nicht so bestürzt, hätte ich bei der artistischen Darbietung geklatscht. Mit zwei Schritten war sie bei der Türe und riss sie auf. Ich kramte mich aus den Decken heraus und ging ihr nach. Vom Flur hörte ich Kettenrasseln und sah gerade noch, wie die beiden Ketten auf ein Geländer zu krochen und dann Anstalten machten, in den darunter liegenden Schankraum zu fallen. Kurz vor dem Rand verknoteten sich beide: eine wickelte sich um einen Pfosten, der Rest verschwand aus meiner Sicht. Hatte ich mich getäuscht, oder waren die Ketten länger, als noch in unserer Unterkunft?
Unter dem Stimmengewirr waren die ärgerlichen, hell krächzenden Laute einer nicht besonders großen Person zu hören, die durch ein Gurgeln abgeschnitten wurden. Kaum einer schien sich darum zu kümmern, als zunächst der Oberkörper und dann die ganze Gestalt eines Goblins von den Ketten über das Geländer gezogen wurde. Er zappelte, zerrte und biss, aber das Eisen war unnachgiebig. Das belebte Metall brachte seine Beute in unser Zimmer.
Interessiert ging ich hinterher und sah zu, wie die Ketten den Gefangenen vor einem Stuhl festhielten und ihre Enden Widerhaken ausbildeten, um sich in der Decke und am Boden zu befestigten. Entlang der Gliedmaße ringelte sich das Eisen und zog den Körper langsam auseinander. Haut spannte sich, Knochen knackten, Sehnen rissen.
Das schrille Kreischen des Goblins übertönte das dumpfe Klatschen seiner zu Boden fallenden Organe und Gedärme, als die Ketten seinen Körper zerteilten, und endete jäh. Gespenstische Stille nahm von dem Raum Besitz. Ich wagte nicht zu atmen und sah gebannt auf die straff gespannte Haut zwischen den eingehakten Ketten.
Langsam, gegen den Widerstand ankämpfend, wuchsen Gesichtszüge aus der grünlich fleckigen Haut – Stirn, Nase, Mund, geschlossene Augen und kantige Wangen. Lippen bewegten sich und muteten der nun hauchdünnen Gewebeschicht den letzten Rest ihrer Zähigkeit zu. Sie rissen ein schmales Loch und bildeten so einen Rachen, der in die Dunkelheit des Zimmers führte.
All meine Haare knisterten, als der Mund zu sprechen begann. Wer auch immer dieser Unbekannte war, seine Stimme vibrierte in meinem Körper, mein Magen verkrampfte. Mir wurde flau. Geschockt von der auf mich einströmenden Macht konnte mein Verstand die ersten Worte nicht verarbeiten. Ich war auch nicht die angesprochene.
»… Tochter. Der Bote darf die Stadt nicht wieder verlassen. Was er bei sich führt, müsst ihr in eure Gewalt bringen. Er wird nicht auf direktem Wege reisen, aber aus Talor starten. Findet ihn!« Dröhnend wallte der Befehl durch das kleine Zimmer.
Meine Blase drohte, sich zu entleeren. Ich drückte meine Beine zusammen, lächelte verkniffen und biss mir dabei auf die Unterlippe.
Langsam zog sich das Gesicht zurück, die Haut erschlaffte. Von ihrer Mitte aus verbreitete sich eine Vibration, dann schleuderten die Ketten in alle Richtungen davon und zerrissen dabei das strapazierte Gewebe.
»Das war mein Vater«, konstatierte Moi’ra und rief auf eine mir unbekannte Weise die Ketten wieder zu sich heran. Wie rasselnde Schlangen schmiegten sie sich über den Boden und um ihre Arme.
Noch ergriffen von der Begegnung nickte ich kurz.
»Wer könnte uns eine Auskunft geben über Boten, die diese Stadt betreten?«, rätselte der Mönch laut vor sich hin.
Ich schluckte mehrmals und versuchte so, den Klumpen im Hals zu verdrängen. Jetzt hatte ich Bauchschmerzen, aber mein Kehlkopf war frei.
»Wirt«, testete ich meine Stimme und schluckte erneut, bevor ich sicherer wieder fortfuhr. »Ein Wirt weiß immer, wer in der Gegend neu ist.«
Voller Tatendrang marschierte meine neue Verbündete zur Türe. Ich raffte mich auf und stiefelte hinter ihr her die Treppe hinab in den belebten Schankraum.
Emsig bewegten sich die breiten Schultern des bärtigen Wirts hinter dem Tresen hin und her.
»Ah, da seid ihr ja«, ein dicker Finger zeigte knapp oberhalb der Holzplatte auf uns. »So geht das nicht, einfach meine Gäste aus einem Gespräch zerren!« Sein Aufruhr diente mehr dazu, seinem Unmut Luft zu machen, als tatsächlich Rechenschaft zu verlangen.
»Wir hatten zu reden«, sagte Moi’ra kühl.
Dem starren Blick der kühlen Kämpferin konnte der aufgebrachte Wirt nicht standhalten. Er widmete sich wieder mit einem benutzten Putzlappen den großen Krügen.
»Aber er war nicht gesprächig. Vielleicht könnt Ihr uns weiterhelfen.« Sie sprach feststellend, nicht fragend.
»Die Blutige Axt ist ein Treffpunkt für viele Reisende.« Ich hatte seine Aufmerksamkeit. »Und wenn einer weiß, ob ein Fremder in die Stadt gekommen ist, dann doch ein Wirt Euren Formats.«
Stolz des Lobes wuchs er ein wenig in die Höhe.
»Kann sein, dass ich etwas weiß«, deutete er grummelnd an.
Mehrere Münzen glänzten, als ich meine Hand wieder vom Tresen zog. Wortlos nahm er sie an sich und biss testend in sie hinein.
»Gut.« Die Münzen verschwanden unter seine Schürze. »Ihr sucht jemanden, aber das ist in so einer großen Stadt nicht einfach. Bei dem ganzen Gesindel hier verliert auch jemand wie ich leicht den Überblick. Aber ich wäre nicht Gombor, wenn ich nicht von dem wachsamen Auge der Stadtwache wüsste. Sie bewachen alle Tore, niemand betritt oder verlässt die Stadt ohne ihr Wissen. Es sind alles Minotauren, groß gewachsene Krieger.«
Hinter uns klirrte ein Krug. Grunzende Laute verrieten den Zank – ich erkannte die Schimpfworte eines Hygulls an seinen kläffenden Lauten.
»Hey! He, das bezahlst du, du Kröte!«, bellte der aufgebrachte Gast einen hutzligen Gnom an. Die Hyänenschnauze beugte sich geifernd über die hoffnungslos unterlegene, kleine, menschenähnliche Gestalt.
Um Schlimmeres zu verhindern, polterte der Wirt den Tresen entlang. Er verschwand aus meiner Sicht und tauchte an der Seite wieder auf. Meine erste Vermutung bestätigte sich. Die gedrungene Gestalt hatte kurze Beine. Ein stämmiger Zwerg. Ich lugte über die Theke. Dort verlief eine erhöhte Fußleiste.
Wutschnaubend hielt der Ladenbesitzer auf die Streitenden zu, doch es war zu spät. Mit beiden Händen hatte der Hygull bereits ein Tablett mit dampfenden Schüsseln von einem anderen Tisch genommen und zum Schlag gegen den Gnom ausgeholt. Das dicke Holz zersplitterte, Suppe, Blut und Gehirn verteilte sich auf Gäste und Möbel.
»Und wer kann jetzt wieder den Dreck beseitigen? Na?«, wollte der Zwerg mit geballter Faust drohend wissen. Um ihn herum warteten mehrere Augenpaare auf einen günstigen Moment, den Erschlagenen zu rächen.
Auch wenn ich gerne der sich entwickelnden Kneipenschlägerei gefrönt hätte, war der Augenblick günstig, ohne Aufsehen die Kaschemme zu verlassen. Im Gehen sandte ich geistige Energien den Streithähnen zu, um ihre aggressive Stimmung weiter anzustacheln.
Noch bevor wir die Straße betraten, vermischten sich die Anschuldigungen mit handgreiflichen Schlägen. Die Stadt fing an, mir zu gefallen.
Es war nicht weiter schwierig, sich zum Hauptquartier der Minotauren durchzufragen. Jeder kannte diesen Ort, und ich nutzte die Gelegenheit, zwei vorbeikommende Wächter anzusprechen. Ihre Augen glitzerten, als sie meine Annäherung bemerkten.
»Entschuldigt, wenn ich so direkt meine Worte an euch richte, aber ich bin völlig verwirrt von diesen ganzen Gassen und verschlungenen Wegen.« Ärgerlich wischte ich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Mir wurde gesagt, wenn ich etwas brauche, sollte ich mich an die Stadtwache richten.«
Um ihren Geist etwas abzulenken und meine folgende Bitte leichter zu befolgen, löste ich mit geneigtem Kopf mein Haarband, schüttelte kräftig meine Haare durch und sammelte die verteilten Strähnen mit beiden Händen ein. Dazu reckte ich die Arme über den Kopf, was meine weiblichen Kurven deutlich zur Geltung brachte. Als wäre es das Natürlichste der Welt, nahm ich mir viel Zeit, den langen Zopf zu bändigen.
Beide Minotauren lehnten sich auf ihre großen Äxte und warteten geduldig. Ihre Augen wanderten von meinem Scheitel bis zu den Sohlen meiner hohen Stiefel.
»Bringt ihr mich zu eurem Quartier?« Ein, zwei Augenblicke verstrichen, damit ihnen die Doppeldeutigkeit zu denken gab. »Es gibt doch ein Hauptquartier, oder?«
»Ja, ja«, räusperte sich der links von mir Stehende.
»Oh, das ist so lieb von euch! Ich bin Crish, das ist Moi’ra. Es ist ja so schön, auf so hilfsbereite …« Mein Wortschwall zog sich bis zum Eingang der Minotaurenhöhlen hin und gab ihnen keine Chance, einen vernünftigen Gedanken zu fassen. Sie kamen nicht einmal auf die Idee, uns zwei hübsche Mädels in eine Ecke zu zerren und zu vergewaltigen. »… und wer führt euch an?«
Gezielte Fragen entlockten ihnen wertvolle Informationen.
»Unser Leutnant, Torvac«, kam die raue Antwort.
»Ist er auch ein Minotaurus, dieser Torvac?«, gab ich mich naiv.
»Er ist der Stärkste von uns allen. Nur ein Minotaurus führt einen Minotaurus an!« Er sprach mit dem stolzen Brustton der Unabhängigkeit.
»Ihn will ich sprechen! Geht das? Ja?« Sie konnten meinen bettelnden Augen nicht widerstehen.
Wir bogen um ein längliches Gebäude und gingen geradewegs auf einen hohen Höhleneingang zu. Beide Minotauren grüßten respektvoll mit geschlossener Faust vor der Brust zwei Wachen am Eingang. Es gab also eine Hackordnung. Ich spürte ihre schmachtenden Blicke in meinem Rücken, was sicherlich noch durch meine schwingenden Hüften verstärkt wurde.
Innen war es deutlich kühler als in den staubigen Gassen. Abzweigungen führten in zahlreiche von Fackeln beleuchtete Gänge. Schnell war mir klar, dass ich mich ohne weitere Hilfe hier völlig verlaufen würde. Ich sah keine Hinweise, auch nicht, als ich mich aufmerksam umsah. Keine Systematik hatte dieses Labyrinth geformt, dennoch wanderten wir, so hatte ich das Gefühl, sehr zielstrebig immer tiefer in den Komplex. Kleinere und größere Gruppen von Minotauren passierten uns. Viele gingen in einen sehr weitläufigen Raum, an dem wir kurz vorbeikamen. Zahlreiche Tische und Bänke füllten den Saal, offenbar der Speisenraum, und dort befand sich, an der gegorenen Würze erkennbar, auch ein Schankraum.
Wände und Boden bestanden aus gestampftem Lehm. An einigen Stellen ragten Felsen heraus. In einem Gang sah ich Reihen von Vorhängen aus Stoff oder Leder, die allem Anschein nach als Sichtschutz für die dahinter befindlichen Räume dienten.
Noch während ich mich interessiert umschaute, hielten wir an. Fast wäre ich in einen unserer Begleiter hinein gelaufen. Wir standen vor einem breiten, mit dickem Leder verdeckten Durchgang.
»Wartet hier!«, gebot der Gesprächigere und schob sich in den Raum.
Gelangweilt spielte ich mit einer Haarsträhne und lugte aus unschuldigen Augen zum verbliebenen Minotaurus hinüber. Ob er schüchtern war? Sein Fell hatte einen rötlichen Stich. Ich legte meinen Kopf schräg und sah ihn unverhohlen mit aufreizenden Augen an. Sein Blick wich meinem aus und wanderte an mir hinab. Seine verstärkte Rottönung schrieb ich einer Einbildung zu.
Leder knarrte und eine große Hand winkte uns heran.
»Ihr sollt eintreten!«
Ich gewährte Moi’ra den Vortritt und schlüpfte hinter ihr her in die geräumige Höhle. Ein hoher, breiter Tisch stand in der Mitte, dahinter ein Stuhl mit mächtiger Rückenlehne. Kleine Verzierungen darin hatten die Form von Äxten und Hörnern. An einer Wandseite war ein Ritterschild mit dem Wappen einer flammenden Faust angebracht, dahinter zwei doppelschneidige Barbarenäxte. Es ging noch ein Raum ab, der jedoch ebenso wie alle anderen von einem Vorhang geschlossen war. Eine große Laterne warf ihr Licht in alle Richtungen und tauchte den Raum in ein Spiel aus zuckenden Schatten.
Aus den dunkelbraunen Wänden schälte sich die riesige Gestalt des Anführers wie ein Hochgebirge aus einer Ebene. Fast neun Fuß ragte er auf seinen stämmigen Hufen vor uns auf und übertraf damit alle anderen Minotauren um mehr als eine Kopflänge. Sein Fell war dicht und von einer Licht verschluckenden Schwärze. Aus rot glimmenden Augen blickte er zu uns herab. Jeder Atemzug spannte seine breiten Brustmuskeln. Dicke Adern zogen sich zu den klauenbewehrten Pranken, die mit Leichtigkeit mein ganzes Gesäß fassen konnten. Seine Hörner schwangen sich im leichten Bogen sanft zu den Seiten hinauf und gaben ihm eine würdevolle Erscheinung. Intensiv männlicher Geruch ging von ihm aus, gewürzt mit einer Schärfe, die ich schnell erkannte. Allein sein Anblick verriet das dämonische Blut in seinen Adern. Sein tiefer Bass erzeugte bei mir ein Kribbeln im Magen. Während er sprach, blitzten große Eckzähne in seinem Maul auf.
»Ihr wolltet mich sprechen, also sprecht! Aber fasst euch kurz, meine Zeit ist kostbar!« Befehlsgewohnt dröhnte seine Stimme durch den ganzen Raum.
Ich blieb einige Schritte von ihm entfernt stehen, um nicht meinen Kopf in den Nacken legen zu müssen. Mit großer Mühe rappelte ich meinen Verstand zusammen und sprach mit klarer Stimme, wenngleich meine Augen sich nach seiner stattlichen Männlichkeit verschlangen und ich innerlich vibrierte. Leider trug er an seiner interessantesten und sicherlich beeindruckendsten Stelle einen Lendenschurz.
»Ich grüße Euch, Torvac, Leutnant der Wache. Ich bin Crish. An meiner Seite ist Moi’ra. Wir haben um ein Gespräch gebeten, weil wir sicher sind, nur hier die richtigen und vertrauenswürdigen Informationen zu bekommen, nach denen wir suchen.« Allmählich wurde ich sicherer. Kleine Gesten unterstützten meine Worte, mit den Augen versprühte ich so viel Charme, wie ich aufbringen konnte. »Wir sind erst seit einigen Stunden in der Stadt und schon nach wenigen Gesprächen war uns klar, dass wir uns an die Stadtwache wenden müssten. Und da hörte ich, welch beeindruckenden Anführer diese Wache haben soll, und fürwahr, man sollte den Sprecher auspeitschen, so untertrieben hat er seine Worte.«
Torvac richtete sich geschmeichelt weiter auf. Zum Glück musste ich nicht lügen, was meine schwärmerischen Worte leicht ins Lächerliche gezogen hätte. Ich atmete durch.
»Wir suchen jemanden, doch sein Name ist uns unbekannt. Wir wissen nur, dass er in den nächsten Tagen erscheinen wird und wo er seine Reise begann. Könnt Ihr uns helfen?«
»Ihr habt recht daran getan, zu mir zu kommen. Niemand betritt die Stadt ohne mein Wissen, daher bin ich sicher, dass meine Minotaurenwachen denjenigen finden, den ihr sucht. Aber das hat seinen Preis …« Er ließ den Satz im Raum stehen und schaute uns abwechselnd an. Mit deutlich entblößten Fangzähnen, was bei ihm einem sehr breiten Lächeln entsprach, und mit zwei hochgehaltenen Krallen unterstützte er seine Forderung: »Zwei Nächte mit mir!«
Zuerst wollte ich ›vier Nächte‹ brüllen, besann mich aber, wer hier um was handelte und stibitzte zu Moi’ra hinüber. Die Kämpferin wog den Preis ab und nickte leicht. Ich sah nun offen zu ihr hin, denn mit ihrem Einverständnis hatte ich nicht so leicht gerechnet, und nickte unterstützend, meine Zustimmung offenbarend.
»Abgemacht«, besiegelte sie das Angebot, »aber zunächst möchte ich den Staub loswerden und mich reinigen. Gibt es hier ein Badehaus, das Ihr empfehlen könnt?«
»Warum so förmlich, kleine Frau? Ich bringe euch gerne zu dem besten Badehaus der Stadt. Geht voran, ich weise euch den Weg.«
Mit beiden Pranken deutete er auf den Durchgang. Im Gang waren viele Augenpaare auf uns gerichtet, aber alle sahen auch, zu wem wir offensichtlich gehörten. Langsamer gehend spürte ich bald die große Hand an meinem Rücken.
»Dort geht es weiter«, brummte Torvac. Ich sah zu ihm auf, spürte das Funkeln in meinen Augen und das verzehrende Brennen in meinem Unterleib. Leicht gegen ihn drückend rieb ich meine Haut, nur durch die Bänder meines Brusthalters unterbrochen, gegen seine Handfläche.
»Danke«, hauchte ich und nahm dann wieder Schritt auf. Er unterstützte meinen Gang und lenkte mich mit sanftem Druck gegen meinen Po. Verführerisch lächelte ich zwei Minotauren zu, die jedoch schnell ihre Mäuler schlossen, als ihr Anführer knurrte.
Auf dem Weg durch die Höhle erzählten wir alles, was wir von dem Boten wussten – was nicht sehr viel war. Dann stach Sonnenlicht in meine Augen und der Staub hatte uns wieder.
Wir nahmen einen sehr ungewöhnlichen Weg zum Badehaus. Torvac stellte sich neben eine der drei Schritt hohen, breiten Mauern und zog uns in eine Umarmung.
»Haltet euch fest!«, gebot er und ging in die Hocke. So fest ich konnte drückte ich meinen Körper an den seinen und krallte mich in die dichten Locken seines Fells.
Dann sprang Torvac.
Ich glaubte, mein Magen rutsche hinab und wurde kräftig durchgeschüttelt, als wir auf der Mauer landeten. Nachdem ich meine Hose gestrafft und meine Brusthalterung wieder in die richtige Position gebracht hatte, sah ich über die Dächer der Stadt. Einzelne Türme ragten noch weiter hinauf, ansonsten war das durch die Mauerwerke gebildete Labyrinth von hier oben deutlich erkennbar. Auf den Wällen patrouillierten Minotauren.
»Wir müssen hier lang«, erklärte unser hünenhafter Führer und drängte uns voran. Anscheinend konnte er es nicht abwarten, uns ohne Kleidung zu sehen, und brachte uns auf schnellem Wege zum Badehaus.
Um dort wieder in die Gasse hinunter zu kommen, packte er uns erneut und sprang hinab. Bevor ich recht wusste, was geschah, erfolgte bereits die harte Landung auf dem Boden. Wir standen im Staub vor einem hellen Gebäude, das eine Kuppel zierte und mehr breit als hoch war.
Kein Eintritt wurde gefordert, als der Leutnant mit uns den Eingang passierte. Zielstrebig suchte er eine Bedienstete und fragte nach einem großen Badezuber für uns drei.
»Wartet einen Augenblick, bis das Wasser die richtige Temperatur hat«, bat uns die junge Frau und deutete auf eine Sitzgelegenheit mit einem niedrigen Tisch, auf dem Gläser und Karaffen mit einladend frisch wirkenden Getränken standen. Augenblicke und einen Schluck später erschien sie wieder.
»Folgt mir bitte.« Sie wandte sich um und wir schritten hinter ihr einen mit Holz vertäfelten Gang entlang. Mit seinen großen Händen schob Torvac uns sanft voran. Ich lächelte ihm zu, er neckte mich und kitzelte mit einer Klaue in meinem Bauchnabel. Verspielt schlug ich sie weg.
»An den Seiten findet Ihr Badezusätze und einen Stoß Handtücher. Läutet nach mir, wenn noch etwas gewünscht wird«, erläuterte die Bedienstete auf die Gegenstände zeigend. »Ich wünsche einen angenehmen Aufenthalt.«
Unser Begleiter verzichtete auf irgendwelche Zusätze, legte mit wenigen Handgriffen seine spärliche Kleidung ab und stieg in den großen Holztrog. Beim Anblick des zwischen seinen Schenkeln baumelnden Fleisches und der großen Hoden leckte ich mir über die Lippen.
Noch während ich langsam das Haarband löste und mit beiden Händen meine rabenschwarze Mähne durchschüttelte, landeten Moi’ras Ketten auf dem Holzboden. Geschmeidig kletterte sie in den Trog. Ich streifte meine Stiefel und die Hose ab. Drei Stufen erleichterten das Einsteigen. Noch während ich sie betrat, löste ich den Knoten meines Brusthalters am Rücken. Grazil streckte ich meinen rechten Fuß aus und testete das Wasser. Es war angenehm warm. Auf der Wasseroberfläche spiegelte sich mein Antlitz, das ich selbstverliebt betrachtete.
Vom Scheitel bis zur Sohle verteilten sich auf fast sechs Fuß betont weibliche, grazile Kurven. Der sanfte Schwung eines Künstlers hätte meinen Körper nicht besser einfassen können. Lange, schlanke Beine führten zu dem ausgeprägten Becken, gingen in eine enge Taille über und fanden in den großen, festen Brüsten ihre Vollendung. Auch im schwachen Licht des Raumes wirkte meine goldbraune Haut makellos, samtweich und frisch. Kein Haar ärgerte den Betrachter. In mir vereinte sich Jugend und Reife. Mädchenhaft verträumt sah mein eigenes Spiegelbild mich an. Weiche, harmonische Gesichtszüge mit etwas stärkeren Wangenknochen sorgten für eine exotische, aufregende Note. Sanft geschwungene Brauen, wie ein feiner Pinselstrich gezogen, betonten gemeinsam mit den langen, gebogenen und tiefschwarzen Wimpern meine großen, mandelförmigen Augen, deren Iris in einem kräftigen Violett leuchteten. Über dem runden Kinn thronte mein zart geschwungener Mund. Zwischen seinen vollen roten Lippen blitzten strahlend weiße Zähne und eine lange, spitz zulaufende, rosa Zunge hervor. Beherrscht wurde mein Gesicht von einer schmalen und weich gerundeten Nase, die leicht angehoben verlief, was mir ein neckisches, spitzbübisches oder mädchenhaft weiches Wesen gab. Umrahmt wurde der Kopf von seidig glänzendem, rabenschwarzem langem Haar, welches glatt mit dem Ansatz von Wellen auf meine zierlichen Schultern fiel und bis zu den beiden kleinen Buchten in Höhe der straffen Pobacken reichte. Ich trug es oft zu einer ausgefallenen Frisur hochgesteckt oder als wilde Mähne, mein aggressiv animalisches Wesen ausdrückend. Nun hob ich es leicht an, bauschte es mit meinen feingliedrigen Händen auf. Es war weich und duftete wie meine Haut nach junger Weiblichkeit mit der Würze des Frühlings, leidenschaftlich und intensiv.
Durch die Ablenkung spürte ich erst den behaarten Arm, als er mich von den Beinen holte und mich platschend ins Wasser beförderte. Prustend tauchte ich wieder auf, wischte Wasser und Haare aus den Augen und lachte mit den beiden anderen. Wir näherten uns einander.
Moi’ra kam sofort zur Sache, als wollte sie es schnell hinter sich bringen. Ich hatte nichts dagegen, ihrem Treiben zuzusehen und meine prickelnde Vorfreude zu genießen. Torvacs Männlichkeit hatte sich schon erhoben, als wir nackt zu ihm ins Wasser stiegen. Jetzt pulsierte sein Blut zwischen unseren Händen, die sein Fleisch härteten, bis es steil aufgerichtet bereit war. Selbst wenn wir beide Handpaare übereinander setzten, hätte es einer dritten Frau bedurft, sein mächtiges Geschlecht ganz zu greifen. Mit dem Zeigefinger kam ich bei weitem nicht an meinen Daumen heran, so groß war sein Umfang. Ich blieb knapp oberhalb der Wasseroberfläche und half meiner Begleiterin, auf den Minotaurus zu steigen. Er hielt sie an den Pobacken fest, sie setzte ihre Füße breit gespreizt auf den Rand ab und hielt sich mit beiden Armen an seinen Schultern fest. Mit einer Hand konnte ich gerade eben den pulsierenden Schwanz festhalten, schleuderte mit der andern etwas Wasser gegen die von dunklen Haaren umrahmten Schamlippen und rieb sie dann mit den Fingerkuppen, bis sie sich erwartungsvoll teilten. Ich spürte Moi’ras Konzentration, ihre Beherrschung. Zunächst drückte die pralle Eichel gegen das rot schimmernde Fleisch, drohte, zur Seite zu rutschen. Eisern hielt ich sie in Position und sah fasziniert zu, wie die dunkle, nahezu schwarze Haut zwischen die feuchten schwarzen Locken und die hervorgetretenen Schamlippen glitt, sie ein Stück weit mitnahm, um dann innezuhalten und langsam wieder hervor zu kommen. Als ich die Unterseite der Eichel wieder sah, endete die Bewegung wieder und kehrte sich um, drängte wieder in sie. Meine Hände brauchten nicht weiter zu unterstützen und wanderten hinauf zum straffen Gesäß. Nach drei weiteren, sanften Stößen, die immer tiefer in den Frauenkörper drangen, löste Torvac seine haltenden Hände, glitt hinauf zu ihren Schulterblättern und vor zu den Brüsten. Moi’ra rutschte entlang meiner Finger ganz auf seinen Schoß. Ihre Konzentration brach, sie stöhnte auf, hatte ihn soweit es ihr möglich war in sich aufgenommen.



