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›Danke‹, strahlten meine benetzten Augen, übermittelten ihm die in Gedanken geformten Worte, ›für dieses unbezahlbare Geschenk.‹ Dabei umspannte ich mit der Bewegung meines Kopfes das ganze Becken.
›Ich möchte mich mit einem Geschenk bedanken, Zohreh. Was wünscht du dir von mir?‹ Um meine Lippen erschienen grinsende Grübchen. ›Es sollte ebenso unbezahlbar sein.‹
Seinen Wunsch ahnte ich bereits, bevor er in meinem Geist erklang.
›Eine Nacht mit der Scharlachroten Königin, bevor sie gekrönt wird.‹ Im Hauch der Gedanken wehte mein Gespräch mit Laana mit, unsere Planungen der Zukunft.
›Dann komm zu mir‹, sandte ich ihm wollüstig als Gedanken und winkte ihn mit meinen Händen heran. ›Du brauchst dich nicht verstellen‹, beruhigende Gefühle begleiteten meine geistigen Worte, denn ich wollte ihn so sehen, wie er war.
Nach kurzer Überlegung entkleidete sich Zohreh und zeigte sich mir als sehniger, kraftstrotzender Jendroi, der er war. Sein nahezu menschlicher Körper wies Anzeichen von Schwimmhäuten auf. Die malvenfarbige Haut wirkte sehr glatt. Regungslos ruhten die aufgedunsenen Augen in seinem Schädel, der mich stark an einen Kraken erinnerte.
Wortlos schwebte Zohreh Kraft seines Geistes zu mir ins Becken und wir tauchten gemeinsam ab.
Es war eine wunderbare Erfahrung. Seine Tentakel glitten über meinen Körper, ertasteten ihn und kamen meinem Kopf dabei sehr nahe. Angeregt durch das Ektoplasma und der berüchtigten Gefahr, in die ich mich begab, überließ ich ihm die Führung und konzentrierte mich ganz auf die eigene Lust. Und sie kam in seichten Wellen dank seines Geschickes und den zahllosen Berührungen. Die mir vermittelten Lustgefühle sandte ich zu ihm hinab, während sein Kopf zwischen meinen Schenkeln versunken war und mich sanfte Tentakelspitzen massierten. Eine längliche Zunge drang tief in mich ein, um meine Feuchtigkeit aufzusaugen. Dabei streichelte sie das empfindliche, weiche Gewebe meiner Scheide. Das Ektoplasma verhinderte mein lautes Stöhnen, steigerte jedoch meinen Orgasmus, der wie ein Feuerwerk mit lautem Knall zerplatzte, um dann in Tausenden von Funken prasselnd herabzusinken.
Als ich Luft holte trat Laana grinsend an den Beckenrand heran. Ich schwamm zu ihr und strich mit dem Ektoplasma an den Händen über ihre Füße. Sie setzte sich an den Rand, meine Hände schoben sich nun über ihre herrlichen Schenkel und ich legte meinen Kopf seitlich auf ihren Schoß, während sie sanft durch mein glitschiges Haar streifte und wir gemütlich unsere weiteren Vorhaben besprachen.
So verlockend, wie ich auf ihren Schenkeln lag, war es Laana bald nicht mehr danach, weitere Worte zu wechseln und hob ein Bein über meinen Kopf. Ihren geöffneten Schoß schob sie zur Beckenkante und ich begann, ihr heißes Fleisch mit Küssen und sanfter Massage durch meine Zunge zu verwöhnen. Laana sank verführerisch nach hinten auf die Kacheln und wurde immer feuchter, was mich gierig nach dem herben Saft ihrer Spalte lecken ließ. Ihren Geschmack und die Gefühle, die meine Zunge bei ihrer Wanderschaft erlebte, sandte ich telepathisch zu Laanas Gehilfen Zohreh, als wäre er es, der seine Herrin liebkoste. Da spürte ich schon seine tastenden Tentakel, die ihren Weg in meinen Schoß fanden und viel intensiver in mich eindrangen, als es der harte Schaft eines Mannes je vermochte. Er umfasste meine Schenkel wie ich bei Laana und übermittelte mir seine Gefühle der Lust, erweiterte diese psionische Brücke und verband unsere drei Geister zu einem lustvollen Ganzen, das vor Wonne zuckte und einen prickelnden Schauer durch die Körper jagte.
Atemlos zog ich Laana zu mir ins Becken und neckte sie, indem ich ihren Kopf untertauchte. Die Gelegenheit nutzend wanderte sie mit ihrer Zunge über meinen Bauch, kitzelte über meinen Schamhügel und rieb meine vom Plasma umspülte Spalte. Erneut fungierte Zohreh als Mittler und ließ es sich nicht nehmen, mit den Tentakeln Laanas Körperöffnungen zu erforschen. Nun war es mein Geist, der von seinen Empfindungen geflutet wurde, herb, feucht und weich. Am Beckenrand festgekrallt hallten meine Lustschreie durch den Raum und mischten sich in den Gedankensturm purer, dreifach erlebter Lust.
Im Plasma treibend hielten Laana und ich uns in den Armen. Wir tauschten zärtliche Küsse aus und ließen die Erinnerung an die erlebten Wonnen in Ruhe auf uns wirken. Ihre Nähe erzeugte einen prickelnden Schauer in meinem Schoß, einen verzögerten Orgasmus, wie ich ihn nur bei intensiver Befriedigung erlebte.
Erst nach unzähligen Augenblicken stiegen wir aus dem Becken. Das Ektoplasma rann wie Öl an unseren Körpern herab. Hand in Hand wechselten wir durch die Schatten in ihr Schlafzimmer. An einer Seite brannte schon der Kamin und warf seinen feurigen Schein in den Raum. Dort betteten wir uns gemütlich auf den mollig gewärmten Teppich. Rot flackerndes Licht züngelte über Laanas Körper und spiegelte sich in ihren Augen und den ektoplasmischen Tropfen wider. Es brauchte keine Worte, nur diesen Moment.
Wir verstanden einander, mein Herz pochte wild und mein Magen war von dem Gefühl unzähliger flatternder Teufelchen erfüllt. Meine Augen suchten die ihren und fanden darin das starke, gegenseitige Verlangen. Die Intensität meiner Gefühle überraschte mich. Ich wusste sie nicht recht einzuordnen. War das Liebe? Ich wusste es nicht, denn dieses Gefühl der Sterblichen war mir bislang fremd. Dämonen liebten nicht. Oder doch? Alles schien mir so vertraut, als hätte ich mich immer danach gesehnt. Die Verwirrung vergrößerte meinen Appetit nach dieser neuen Empfindung. Ich spürte, wie meine Unterlippe bebte und das Plasma in den offenen Mund drang. Meine Lider sanken zärtlich hinab, meine Hände zogen sie näher und ich gab mich ihrem Ziehen hin. Voller Begierde öffnete sich auch ihr Mund und ihre Lider schlossen sich sanft während ihre Zunge sich vorwagte und mir das Plasma von den Lippen strich.
Zeit wurde bedeutungslos.
Meine Zungenspitze berührte die ihre, es folgten unsere Lippen, die vom Ektoplasma wie geronnenes Öl miteinander verschmolzen. Ein leises Schmatzen begleitete unsere Liebkosungen. Seit sich unsere Blicke zum ersten Mal trafen, verzehrte ich mich nach ihr. Nun besiegelten wir unsere Verbindung. Ich konnte gar nicht genug von ihr bekommen, wurde süchtig nach ihrer Berührung, stöhnte und sorgte bei ihr für lustvolles Stöhnen, als sich unser Spiel weiter fortsetzte. Das Plasma klebte unsere Körper aneinander. Ich spürte sie wie einen samtenen Umhang, den eine warme Frühlingsbrise über meine Haut streicheln ließ.
Wir sanken gemeinsam auf das weiche Bett, unterbrachen nicht die gegenseitigen Liebkosungen. Unsere Körper trockneten, doch das Knistern des Kamins und der Geruch unserer Leidenschaft blieben. Ineinander verschlungen ruhten wir. Sie streichelte einzelne Strähnen meines tiefschwarzen Haares.
Mir kam ein Gedanke.
»Ich habe durch Zohreh etwas Neues gelernt, und würde es gerne bei dir ausprobieren. Es handelt sich um eine Tätowierung, in die psionische Energie einfließt.«
Interesse blitzte in ihren Augen auf. Sie drehte sich auf den Rücken, drückte sich mit den Ellenbogen ab und brachte sich in Pose, damit ich sie tätowieren konnte.
»Bitte«, bot sie sich amüsiert an, »ich bin gespannt, was dir als Motiv einfällt.«
Eifrig machte ich mich daran, das Gelernte umzusetzen und holte alle notwendigen Utensilien. Beim ersten Nadelstich biss sich Laana lächelnd auf die Unterlippe und sah mir genau zu. Der erste dunkle Tropfen verband sich mit ihrer Haut, drang in das Gewebe ein und setzte sich fest. Sorgfältig fügte ich weitere Punkte hinzu. Jeder Stich erfolgte konzentriert. In meinem Geist formte sich ein Netz von Gedankenkraft. Ich übertrug dies in das Motiv, sandte meine Kraft über die Nadel durch die schwarzen Tropfen in ihre Haut. Langsam nahm die Tätowierung Form an. In vielen kleinen Pausen verwöhnten wir erneut einander. Eine Schattenrose entstand und zierte ihren Unterleib. Dankbar sah sie mich an.
»Das ist schön«, hauchte sie.
»Nein, du bist viel schöner.« Verliebt umrahmte ich die Rose mit meinem Finger, dann beugte ich mich zu ihr und wir küssten uns.
»Unsere Begleiter sind in einen langen Schlaf gelegt worden. Sie werden den Unterschied nicht merken.« Sie drückte ihren Oberkörper hoch. »Was meinst du? Soll ich diesen Schlaf um einen weiteren Tag verlängern lassen?«
Begeistert nickte ich. »Wenn das möglich ist, und sie nichts davon merken.«
Ein Lächeln antwortete mir, sie schloss kurz die Augen. »So, jetzt haben wir einen weiteren Tag nur für uns.« Sie drehte ihre Hüfte. »Eine zweite Tätowierung sähe bestimmt toll aus.«
Zwinkernd nahm ich ihren Wunsch auf. »Ich hoffe, uns geht nicht der Honig aus – während einer unserer Pausen. Er inspiriert mich zu ausgefallenen Formen. Lass mich mal sehen, womit ich mich nun beschäftigen werde …« Ihre glatte Haut fühlte sich so herrlich an, dass ich mit der Zunge kreisend über ihren Schenkel wanderte.
Im Verlauf der nächsten Stunden nahm eine verschlungene Ranke entlang ihres Unterschenkels Gestalt an. Voller Genuss widmeten wir uns in den Pausen einander, kosteten sündige Naschereien von salziger Haut.
Doch auch dieser Tag verging – viel zu schnell für meinen Geschmack – und ich atmete ihren ungetrübten Geruch tief ein, bewahrte ihn in meiner Lunge, bevor uns Zohreh zurück zum Lager in den Narbenlanden brachte.
5. Kapitel
Staubwolken verklebten die Augen und machten das Fortkommen schwierig. Ich hatte es aufgegeben, den feinen Sand während unserer Rastpausen aus der Kleidung auszuschütteln und ignorierte das Reiben an Stellen, die so ohne weiteres für den Sand gar nicht zugänglich sein sollten.
Für unsere Begleiter spielten Laana und ich weiterhin die Verführerin und ihr Opfer. Aufreizende Blicke, mein verzehrendes Hungern und die Versuche, einen Kuss zu erhaschen, um dann abgewiesen zu werden, nährten den Boden für unsere Maskerade. Tatsächlich war mein Verlangen so groß, dass ich mich öfter als üblich selbst befriedigte, während vom nahen Zelt Torvac für tiefe, drängende Lustschreie meiner Sehnsucht Laana sorgte, denn auch ihn bezogen wir in unser Spiel mit ein.
Wir kamen nur schleppend voran und mussten immer länger nach einer brauchbaren Wasserquelle suchen. Um mein neues Wissen zu festigen, bot ich meinen Gefährten an, in ihre Haut psionische Tätowierungen einzubringen. Nachdem ich auf ihre Fragen und Vorbehalte eingegangen war, begann ich bei Moi’ra, das geistige Geflecht in eine Form zu bringen. Sie mochte Ketten, war mit ihnen verbunden, und so bildete ich auch eine rauchverwobene Kette um ihren Oberarm, die sie beschützen sollte. Es dauerte etwas, sie auf die Nutzung der Tätowierung einzustimmen und die notwendige Konzentration aufzubringen, die Kraft zu aktivieren. Mehr als eine Tätowierung schaffte ich am Tag nicht – es war ein langsamer und sehr anstrengender Prozess.
Bei Wogar kam mir die Idee einer Klaue, ähnlich der eines Drachen, mit angedeuteten Flügeln aus Schatten. Die Kraft der Heilung floss darin ein.
Mich irritierte sein neues Schwert, das sich als Seelentrinker entpuppte – geschaffen, um die Seelen der Getöteten aufzunehmen und ihre Essenzen für kraftvolle Schläge zu nutzen. Der Ruf der Waffe endete jedoch nicht durch die Zusammenführung mit dem Krieger. Viel schlimmer, die Waffe redete unablässig mit ihm, und konnte sich telepathisch auch mit mir unterhalten. Dabei machte sie nicht vor selbstherrlichen Äußerungen Halt, was bei mir zu bissigen Bemerkungen führte. In seinem Zorn drohte es mir, Wogar dazu zu zwingen, die Schneide gegen mich zu führen. Da mir die magische Beschaffenheit des Metalls und die mehr körperliche als geistige Kraft des Halbdrachen bewusst war, verkniff ich mir weitere Anmerkungen und achtete fortan sorgsam darauf, wie die intelligente Waffe ihren Träger beeinflusste. Immerhin glich die schlaue Schneide ein gedankliches Manko des Glaubenskriegers aus. Ihr Wissen konnte noch nützlich für mich sein, und durch sorgfältig gewählte Worte hatte ich schon so manch eingebildeten Geist den Kopf verdreht.
Über felsigen Boden führte unser Weg entlang eines seichten Hügels. Bis zum Horizont war niemand auszumachen. Die Hitze des Tages sorgte für ein Flimmern in der Luft und spiegelte den trockenen, grauen Boden im Himmel wider. Unsere Marschordnung folgte einer lockeren Linie. Ich ging hinter Torvac, der sich ohne Unterlass um meinen Schutz sorgte, auch wenn ihm am Abend kaum Zeit für mich blieb. Laana bewegte sich meist am Kopf unseres Trosses, ließ sich dann zurückfallen, hatte einige blitzende Blicke für mich und setzte sich wieder an die Spitze. Dort marschierte breitschultrig Wogar, dicht gefolgt von Moi’ra.
Unvermittelt bebte die Erde, Steine flogen in die Höhe und keine zehn Schritt neben uns brach ein haushohes, steinernes Monstrum mit grob erkennbaren Gliedmaßen aus dem Boden hervor. Wir bildeten einen Ring, die Kämpfer gingen vor und sahen sich schnell den harten Fäusten gegenüber. Wogar wurde von einem mächtigen Hieb erwischt, der laut knackend mindestens eine Rippe brach und ihn zur Seite beförderte. Die Gelegenheit nutzte Torvac, wütend in den felsigen Rücken zu schlagen. Seine riesige Axt gab einen hellen Ton von sich, als einige Brocken absplitterten. Er schnaufte – zum einen, um sich vom aufgewirbelten Staub zu befreien, zum anderen aus Sorge um seine Waffe.
Völlig überraschend tauchte der Kopf unseres Gegners ab, seine Kiefer weiteten sich und kamen mir vor wie ein Doppelportal. Moi’ra rollte noch zur Seite, aber das Maul war zu groß. Sie prallte gegen einen steinigen Wulst, der wohl Lippen darstellen sollte, und wurde in Gänze verschluckt.
Unser Drachenkrieger hatte sich aufgerappelt und drängte nun, motiviert durch Anfeuerungen seines Schwertes, auf den brüchigen Stein ein. Seine Schläge zogen den Zorn des Steinwesens auf sich. Fäuste, groß wie ein Quaderstein, droschen auf den viel kleineren Angreifer ein. Aus mehreren Quetschungen quoll sein dunkles Blut hervor. Noch einmal konnte er einige Splitter herausschlagen, dann ging er nach einem Treffer auf seine Schulter zu Boden. Seine dabei verdrehten Augen waren kein gutes Zeichen. Ich eilte zu ihm, suchte und fand die Tätowierung und berührte sie. Das Gebrüll des Minotaurenkriegers und das Blitzen der Waffen meiner blonden Sehnsucht ignorierte ich. Voller Konzentration griff ich nach dem Gespinst geistiger Energien und entfesselte ihre Kraft. Sie wallte durch den geschundenen Krieger, fand die Veränderungen in der Struktur des Körpers und korrigierte sie, spornte die eigenen Heilungskräfte an, neues Gewebe zu bilden und Wunden zu schließen.
Mit lautem Getöse zerfiel der steinige Hüne zu einem Geröllhaufen. Wogar schlug wieder die Augen auf und knurrte wütend einige Schimpfworte in der Sprache der Orks. Ich schmunzelte. Ein splitterndes Geräusch erregte meine Aufmerksamkeit. Moi’ra arbeitete sich aus dem Schutt heraus und staubte sich ab. Sie schien unversehrt.
So überraschend unser Angreifer aufgetaucht war, so trügerisch friedlich muteten die verstreuten Steinklumpen jetzt an.
Unser Weg führte weiter durch die unwirtliche Landschaft. Weitere Kämpfe mit kleineren Kreaturen konnten uns nicht aufhalten. Auf dem Kamm eines emporragenden Hügels schälte sich eine Festung aus dem Gestein. Grau und düster wirkte der Ort. Wir beobachteten das Gebiet aus sicherer Entfernung. Kleine Gestalten wuselten vor einem Zugang in den Fels. Wir vermuteten Minenarbeiten, denn darauf deutete auch das wenige Arbeitsgerät hin, das wir sahen.
Bevor wir uns weiter annäherten, flimmerte die Luft und wurde dunkler und dichter. Wir bildeten eine Verteidigungsformation. Konturen wurden schärfer und zeichneten eine aufrechte Gestalt von schwarzer Robe verhüllt ab. Ich erkannte sie sofort. Zohreh.
Furchtsam trat ich zwei Schritte zurück und vermittelte so den anderen mein Erschrecken. Sie sollten nicht erfahren, was ich bereits wusste.
»Ihr werdet dies hier benötigen!«, hallte eine kräftige Männerstimme zu uns herüber. Aus den Tiefen seiner Ärmel schlängelte sich eine schwarze Kette hervor und lag reglos in seinen Händen. Zu Moi’ra gewandt schwebte er heran.
»Nehmt sie und nutzt sie weise. Die Macht der Ketten wird das Schicksal dieses Landes bestimmen«, prophezeite der verhüllte Jendroi.
Leise rasselnd wechselten die metallenen Glieder ihren Besitzer. Unser Mönch sah sie an, und bevor sie eine Frage stellen konnte, verschwand unser Besucher wieder in einem Flirren.
»Was war denn das?«, fragte ich schockiert. »Kanntest du ihn?«
»Nein«, schüttelte Moi’ra – noch immer überwältigt – den Kopf.
»Was ist denn das für eine Kette?«, grunzte Wogar dumpf.
Sanft schwang sie die dunklen, matt glänzenden Glieder in der geschulten Hand.
»Das ist Adamant, das härteste Metall diesseits der Schattenzinnen«, betonte Laana.
»Ein überraschendes Geschenk«, sagte der Mönch. »Aber wir sind nicht hier, um uns darum Gedanken zu machen. Dort vorne ist ein guter Platz, achtet darauf, dass mich keiner stört.«
Moi’ra begann, das von Landru vermittelte Muster in den verdorrten Boden zu ziehen, wobei sie den mitgenommenen Stab in die Mitte setzte. Ich sah ihr zu, ohne die Wirkung zu verstehen, spürte aber eine Veränderung.
Das feine Gespinst der Energieflüsse war in den Narbenlanden gestört, verzerrt und unberechenbar. Die geschaffene Markierung bildete ein Leuchtfeuer in absoluter Dunkelheit, eine sichere Stelle, geordnet in ihrer Struktur. Sandkörner wirbelten auf, als die Luft flimmerte, sich Realitäten verschoben und nach seiner Reise durch die parallele Astralwelt Landru neben der gesetzten Markierung Gestalt annahm.
Trockene Augäpfel sahen in Richtung der Festung. Seine zerschlissene Robe drängte den Staub zur Seite und bereitete ihm den Weg. Seine Annäherung wurde bemerkt. Ich erkannte über eine Handvoll der kleinen Gestalten aus ihrer Höhle auf ihn zu rennen. Es mussten Zwerge sein, die hier ihr Bergwerk betrieben. Landru hob seine rechte Hand an, ein Fingerknochen zeigte auf die kleine Gruppe. Um seine Fingerspitze formte sich ein rot pulsierender Feuerball, löste sich und raste in die Menge, wo er explodierte, die Körper röstete und ihr Leben auslöschte.
»Jetzt ist es an euch«, krächzte die leblose Stimme. »Nehmt die Festung ein!«
Aufmerksam näherten wir uns dem massiven Außenwall. Irgendetwas bewegte sich dort und verschwand hinter der Brüstung. Das Hauptportal mieden wir und erkundeten die seitlichen Bereiche. Wo die Festung in ein natürliches Felsmassiv überging, bot sich die Möglichkeit, mit Hilfe von Moi’ras Ketten und den mitgenommenen Seilen zur Mauerkannte hinauf zu klettern. Ein Kribbeln im Bauch zeigte meine Aufregung an, eine Spannung in Erwartung des Kampfes.
So leise wir konnten schwangen wir uns über den schützenden Wulst, hockten uns ab und sahen vom Wehrgang aus auf das Geschehen.
Unsere Augen weiteten sich.
Ausgestreckt auf dem dreckigen Boden des Innenhofes lag ein riesiger Koloss, ein Konstrukt mit menschenähnlichen Formen, das nur von mächtigen Magiern und findigen Konstrukteuren geschaffen werden konnte. Aufgerichtet ragte es mindestens sechzig Fuß hoch auf. In der Stirn befand sich eine dreieckige Mulde, der Platz für das Prisma. Zu unserem Glück schien die Konstruktion sich nicht zu rühren.
Ganz anders verhielten sich die schwebenden Eisenkugeln und animierten Ritterrüstungen, die sich in der Festung verteilten. Offenbar hatte sich jemand sehr viel Mühe gemacht, das Gebiet gegen unerwünschte Eindringlinge zu sichern. Mir blieb keine Zeit für weitere Gedanken über die Hüter dieses Ortes. Sie hatten uns bemerkt.
Eine Kugel drehte sich uns zu, gab ein kurzes Knistern von sich und ein heller Blitzstrahl schoss hervor. Vor Schreck duckte ich mich, obwohl ich wusste, dass mir diese Energie nichts anhaben konnte. Das galt aber nicht für meine Gefährten, und so jaulte Wogar wütend und rieb sich die verkohlte Stelle, wo der Stromstoß eingedrungen war.
Ich umfasste meinen Krummsäbel und rannte auf die Kugel zu. Moi’ra war direkt hinter mir, gefolgt von Laana. Wir hatten nicht viel Platz auf dem Wehrgang. Mehrere meiner Schläge gingen ins Leere. Die Kugel, so groß wie ein Kürbis, war flink und jagte mir einen Blitzstrahl in die Seite. Fahles Kribbeln breitete sich von der getroffenen Stelle aus. Unbeeindruckt drehte ich mich um und schwang meine Waffe in einen von unten geführten Bogen hinauf, traf die Kugel in der Mitte und schlitzte ihre Oberfläche an. Kettenenden prallten gegen das Metall, die Kugel zitterte und fiel zu Boden.
Vom Wehrgang auf der anderen Seite kam keine Reaktion, auch wenn wir sicher waren, dass unsere Anwesenheit von ihnen bemerkt worden war. Dafür machten wir mehrere Kugeln am Tor aus, wo auch eine Treppe in den Innenhof führte. Dorthin wollten wir.
Nacheinander brachten wir die Kugeln zu Fall und standen dann den ersten Ritterrüstungen gegenüber. In ihren Visieren glommen zwei rote Punkte. Da sie nicht von ihren Patrouillenwegen abgingen, konnten wir sie der Reihe nach mit unserer Überzahl zu Schrott verarbeiten, wenngleich sie uns auch einige Wunden beibrachten. Einer hieb mir so tief ins Bein, dass ich ein Stück weit humpeln musste, bis ich mich auf die Wundstelle konzentrieren konnte, die ausgefransten Ränder durch geistige Kraft glättete und neue Haut die Verletzung versiegelte. Das Loch in meiner Hose blieb.
Schnaufend standen wir nach einem Rundlauf vor dem inmitten des Burghofes liegenden, gigantischen Koloss und betrachteten die zerstörten Wächter.
Fauliger Gestank reizte meine Nase, dann hörte ich auch schon die knöcherne Stimme.
»Viel zu langsam«, tadelte uns Landru. Er hatte seinen Weg zu uns gefunden und schritt ohne uns eines Blickes zu würdigen auf die breiten Treppen zu, die zu einem hoch aufragenden Doppelportal führten. Der Weg in das Innere des Felsens war frei.
Der Blick meiner blonden Geliebten fesselte mich.
»Ich muss dich jetzt verlassen«, hauchte sie mir leise zu, dass nur ich es verstehen konnte.
Unruhe lenkte mich von ihr ab. Torvac hatte die dunkel gekleidete Gestalt unter einem Treppengang bemerkt. Zohreh war zurückgekehrt und hatte einen jungen Mann mitgebracht.
»Sie geht mit mir!«, brandete sein Befehl zu uns herüber. Sein behandschuhter Finger zeigte auf Laana.
Vom Geschehen überrumpelt konnten wir nur tatenlos zusehen, wie die Erscheinung mit unserer Gefährtin verschwand. Irgendwie wirkte Moi’ra sogar erleichtert. Ich war verwirrt und verärgert, wie wenig Einfluss ich auf diesen Wechsel nehmen konnte.
Dann richteten sich unsere Augen auf den Neuankömmling.
Er räusperte sich nervös.
»Ähm, hallo, ich bin Mirtek und habe den Auftrag, euch bei der Erkundung der Festung zu helfen.«
»Und was kannst du?«, grunzte Wogar.
»Also«, zögerte der Neuankömmling, »wenn es darum geht, einen Gang oder eine Türe nach Fallen zu durchsuchen oder ein Schloss zu öffnen, könnt ihr euch auf mich verlassen.«
»So, so, verlassen sollen wir uns also«, kommentierte Moi’ra trocken. »Ich bin mir da nicht sicher, aber wenn du so gut bist, darfst du jetzt gerne vorgehen.«
»Vorgehen?« Irritiert wanderte sein Blick umher.
»Die Türe«, ich wies auf das Portal, »und die Flure und Gewölbe dahinter. Oder sollen wir erst die Fallen auslösen, damit du sagen kannst: ›da ist eine‹?«
»Nein, nein«, wedelte er ab, »so war das nicht gemeint.«
»So meinen wir das aber«, schnaufte Torvac und umfasste seine beeindruckende Axt fester.
»Vielleicht sollten wir einen Zugang wählen, der weniger offensichtlich ist«, schlug Moi’ra vor.
»Vom Wehrgang aus waren Türen in den Fels zu erkennen«, erwähnte ich. »Bemerkt hat man uns sowieso, aber so können wir das Gebäude von oben einnehmen.«
»Dann lasst uns hinauf gehen«, erklärte der Halbork und schritt auf eine Treppe an der Seite zu. Wir folgten.
Zwei schwere Holztüren versprachen einen Zugang in den Fels. Mirtek beschäftigte sich lange mit ihnen, öffnete ein Schloss und wies in einen schmalen Gang.
Vorsichtig gingen die Krieger mit Mirtek an der Spitze vor. Nur das sanfte Rasseln und Reiben der Rüstungen konnte ich hören. An einer Gabelung übernahm Landru das Kommando.
»Ihr geht dort entlang«, sein Fingerknochen zeigte zum rechten Durchgang. »Ich werde mich um die andere Seite kümmern.«




