Elisabeth, Erbin von Toggenburg. Oder Geschichte der Frauen von Sargans in der Schweiz

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Adelheit fragte mit ihrer gewöhnlichen Holdseligkeit, was ihre geliebte Schwester veranlasse, sich die nöthige Nachtruhe abzubrechen? Wenigstens, fuhr sie fort, könnt ihr nicht die nehmliche Ursach der Schlaflosigkeit haben, wie wir, die um das ungewisse Schicksal eines Abwesenden besorgt sind, und den ausbleibenden Nachrichten von ihm mit Unglücksahndungen entgegen sehen.
Auch ich konnte kein Auge schliessen, erwiederte die unmuthige Gräfinn, indem sie die Augen rieb und herzlich gähnte, der Schein des Lichts lockte mich hieher, und ich war sehr verwundert, sehr erfreut, wollte ich sagen, auch euch hier zu finden.
Wie ist es doch irgend einem verständigen Wesen möglich, sich in einen Zirkel einzudrängen, wo es kein Geschäft hat, als den Endzweck der geschlossenen Gesellschaft zu stören. Imaginens Lage mußte so unleidlich seyn als die unsrige; sie kämpfte mit dem Schlafe und wir mit der peinlichsten Ungeduld, sie entschlummert oder entfernt, und uns in Freyheit zu sehen, Dinge zu hören, welche, wie uns immer deutlicher ward, für uns auf Adelheits Lippen schwebten.
So quälten wir uns gegenseitig eine halbe Nacht hindurch, bis jener Zufall uns aus einander scheuchte, welcher mir ewig gleich unvergeßlich und unerklärbar seyn wird. – Es war weit gegen den Morgen. Wir schwiegen alle, weil wir einander nichts zu sagen hatten. Adelheit hatte schon einigemal Miene gemacht, uns gute Nacht zu sagen, ohne daß sie sich überwinden konnte, die Hoffnung auf irgend einen unbewachten Augenblick aufzugeben. Die Lichter brannten dunkel. Imagina schloß jetzt die Augen, und ließ den Kopf mit der unverkennbaren Miene eines Entschlafenden auf die Schulter sinken.
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Elisabeth, Gräfinn von Toggenburg, an ihren Bruder, Ludwig, Grafen von Mätsch.
Hier, mein Bruder, hast du den Anfang meines Versprechens in der Geschichte der Unglücklichen Noria Venosta, welche meine Aufmerksamkeit auf tausendfache Art reizt. Ich hatte sie irrig für vollständig gehalten, und finde nun, daß sie nichts ist, als ein Fragment. Vielleicht habe ich unvorsichtig die Aebtißinn zu viel von dem geplünderten Archiv zurücknehmen lassen, vielleicht auch, und dies ist mir wahrscheinlich, vernichtete die Zeit den Rest von dem, was zu erfahren ich nicht ohne Begierde bin. Einige abgerissene Stücken und das Ende der Geschichte fand ich noch, und sie dienten nur dazu, eine Neugier zu vermehren, welche unbefriedigt geblieben seyn würde, wenn ich mich, von der Mühe in bestaubten Papieren zu wühlen, hätte abschrecken lassen, und nicht aufmerksam genug gewesen wär, in der Geschichte manchen Wink zu finden, wo ich zu suchen habe. Die Geschichten der Elisabeth von Homburg und der Lukretia Malatriti, deren Noria Erwähnung thut, sind für uns verloren, aber von den beyden Fräulein von Sargans, an welche Noriens Erzählung gerichtet, ist, fand ich viel; viel von der edeln, ach der beklagenswürdigen Frau von der Wart, auch einige Briefe von ihrer Hand geschrieben, die ich dir, so bald sie gelesen sind, mittheile, besonders den einen, welcher, wie mich dünkt, genau an die Lücke von Noriens Erzählung paßt, welche du und ich beklagen.
Fragst du nach der Würkung, welche diese Lectür auf mein Herz that? – O Bruder! es ist nur gar zu wahr, daß der Unglückliche überall sein Bild zu finden meynt. Noria und ich, dem Anschein nach, welch ein ungleiches Paar! Und doch wie leicht war es vielleicht möglich, daß beyde Schwestern im Unglück wurden? War Henrich von Montfort, um dessen Verlust so viel tausend Thränen geflossen sind, vielleicht bey seiner schönen Außenseite, eben das Ungeheuer, welches Walter von Vatz bey der Seinigen war? und erflehte ich vielleicht mit meinen Zähren um ihn vom Himmel mein Unglück? – O Vorsicht42! laß mich nie murren, wenn du mir ein Gut entrücktest, dessen wahren Gehalt du besser kanntest als ich! Ich flehte um mein Glück, und du gewährtest es mir in Entreissung dessen, was mich vielleicht unaussprechlich elend gemacht hätte.
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Adelheit von der Wart, an Noria Venosta.
O ihr, die ich mit Freuden Mutter nennen würde, da ihr die Gemahlinn meines unglücklichen Vaters seyd, wenn nicht diejenige, welche mich die Natur mit diesem theuren Namen nennen lehrte, mir ihn auf ewig verbittert hätte! Freundinn! künftige Vertraute! war es eine Erscheinung, oder erblickte ich würklich diejenige, deren Bild mein Herz sich so oft mahlte, ohne je das Original dazu zu finden?
Ach wir sind getrennt, getrennt, wie ich es befürchte, und der Schade dieses Verlusts ist nicht mein allein, es ist leider auch der eurige!
O daß ich in jener unglücklichen Nacht, da ich zu euch schlich, euch und eure schöne Mitgefangene zu warnen, so zögernd mit dem Bekenntnisse zu Werke ging; es sey dem Grafen von Vatz nicht zu trauen! – Verzeihet! Donat war mein Bruder! es ist schwer von einem Bruder das Schimpflichste zu gestehen!
Um Gottes und der heiligen Jungfrau willen, laßt euch nicht durch seine Freundlichkeit täuschen; ergreift auf eurer Reise nach dem Schlosse den ersten Augenblick zur Flucht, denn seyd ihr erst auf demselben angelangt, so wartet eurer der Tod oder ein schimpfliches Gefängniß, und das Fräulein von Rappersweil hat ein noch traurigeres Schicksal zu besorgen.
Jener Klostermann, Abt oder was er ist, der uns mit seinem heuchlerischen Gefolge entgegen zog, Gnade vor euerm Ueberwinder zu erflehen, wußte meinen Bruder auf seiner schwächsten Seite zu fassen, er versprach ihm seine Schonung mit dem Besitz einer jungen Schönheit zu vergelten, von welcher er vorgab, sie sey in seiner Gewalt. Donat, welcher nie der Geistlichkeit zu trauen pflegte, wollte die Erfüllung des Versprochenen auf der Stelle sehen, und die unglückliche Elisabeth ward dem Räuber ihrer Ehre entgegen geführt. Ihr begleitetet sie und vermehrtet durch euren Anblick das Feuer, mit welchem ich mich entschloß, die Unschuldige zu retten, so wie ich schon mehrere gerettet habe, die mit ihr im gleichen Fall waren.
Ich erblickte euch, Noria, und welchen Eindruck machtet ihr auf mein nach weiblicher Freundschaft schmachtendes Herz! O ihr kennt nicht meine ganze Lage, sonst würdet ihr errathen können, wie nöthig dieses Glück mir ist, nach welchem ich so lang vergeblich schmachtete. Zwar meine Schwester! – doch ihr kennt Imagina und werdet sie noch besser kennen lernen.
Imagina ist die Vertraute der Ausschweifungen ihres Gemahls. Blos das Versprechen der niederträchtichsten Nachsicht in diesem Stück und ihr Reichthum konnte sie zu Donats Gattinn machen. Sie ist weder schön noch gut, und haßt jedes weibliche Geschöpf, welches die Eigenschaften hat, welche ihr fehlen. Auch mich haßt sie und ich bin genöthigt ihr zu schmeicheln, um, da ich von dem, welcher mich schützen sollte, meinem unglücklichen Gemahl, getrennt leben muß, nicht ganz elend zu seyn.
Ihr sollt einst meine ganze Geschichte wissen, jetzt nur die Wiederholung meiner Warnung. Scheints doch, als ob selbst unsichtbare Mächte euch warnen wollten! Was war jenes seltsame Schrecken, das uns in voriger Nacht, da Imaginens Gegenwart mir die Zunge band, euch das zu entdecken, was ihr jetzo erfahrt, was war es, das uns so plötzlich auseinander scheuchte? Wars ein Gesicht, das wir sahen? ein Schall, den wir hörten? streifte die kalte Hand des Todes über unsern Nacken? – Voll Entsetzen sprangen wir alle auf, und sahen uns mit bleichen Gesichtern und der Frage an: Was war das? Selbst die halb entschlummerte Imagina bebte aus ihrer Betäubung empor, und zog mich mit kalter zitternder Rechte aus eurer Wohnung: O gewiß war dieses die Mahnung eures Schutzgeistes, der das vollenden wollte, was mich Imaginens Gegenwart zu thun hinderte. – Wenn ich der ganzen geheimnisvollen Eignung nicht noch eine andere Deutung geben soll. – Ich weiß nicht warum mich seit jenem Augenblicke des Schreckens, da ich euch zuletzt sah, der Gedanke an meinen Vater so fürchterlich verfolgt. Ich hoffe, es ist ihm kein Unglück begegnet, er ist ja in den Händen seines Sohns? Donat ist nicht Unmensch genug, die ersten Rechte der Natur zu verletzen!
O guter, guter Vater! seit ich Noria Venosta sahe, wallt mein Herz auch gegen dich von kindlichen Gesinnungen! Wie verächtlich, wie verabscheuenswürdig schilderte man mir diejenige, um derenwillen meine Mutter verstossen ward, und wie fand ich sie! Nöthigte ihr einnehmender Anblick nicht selbst meinem wilden Bruder Ehrerbietung ab? – O gewiß! man hat mich in Ansehung Graf Walters auf ähnliche Art getäuscht, ich werde noch das Glück geniessen, mich in die Arme eines guten Vaters zu werfen!
Noch einmal, theure Noria, Vorsicht für euch und Elisabeth, und für mich, schleunige Nachricht, wie es auf dem Schlosse stehet, wenn ihr dem Unglück dahin gebracht zu werden nicht entgehen könnet, und Gelegenheit findet mir bey diesem treuen Boten zu antworten. – Von mir nur so viel: Man ahndete meinen Entschluß euch zu warnen. Imagina ward in jener Nacht, da man muthmaßte, ich habe mich in dieser Absicht zu euch geschlichen, ausgesandt meiner zu hüten. Unter dem Vorwand von Krankheit mußte ich diesen Morgen bey eurem Zuge nach meines Vaters Schlosse zurückbleiben, um eure Rettung unmöglich zu machen. Ich werde nach Basel zu der Aebtißinn des Marienklosters, meiner heimlichen Freundinn gebracht, woher ihr mehr von mir hören sollt, denn ich hoffe durch meinen Boten euer ganzes Schicksal zu erfahren, damit ich versuchen kann, etwas zu eurer Rettung zu unternehmen.
Adelheit von der Wart.
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Noria an die Aebtißinn zu Basel.
Ihr fordert Erklärungen von mir, welche meinem Herzen schwer werden. Ich habe die ganze Geschichte meines unglückvollen Lebens zum Besten meiner Enkelinnen verfaßt, und ihr sollt sie einst lesen, wenn ihr eure Schwester unsere Domina besucht. Vor der Hand nur so viel. Nach jenem Augenblicke, da uns eine verborgene Hand, die Warnerinn vor künftigen Unglück schreckte, da wir alle etwas sahen, etwas fühlten, etwas vernahmen, ohne noch bis jetzt beschreiben oder begreifen zu können, was es war, nach jenem unglücksvollen Augenblick, da ich meinen Schutzgeist, eure und meine Adelheit von mir eilen sah, und in ihrer Entfernung den Tod, ich weiß selbst nicht warum, ahndete, fingen sich neue, von mir geprüften Unglückskennerinn noch nicht gekannte Leiden an. Jahre sind seit dem vergangen, wie soll ich alles erzählen!
Wir brachen am Morgen nach dem Schlosse auf, und Adelheit blieb, wie man sagte, krank zurück. Von der Burg kam uns die Post von dem Tode meines unglücklichen Gemahls entgegen. Wiherus, den wir zu seiner Hut zurückgelassen hatte, mochte seiner zu saumselig gehütet, oder sein elendes Leben verwahrloßt, oder (welches mir schier unglaublich dünkt, ungeachtet seine Feinde davon flüstern), selbst Hand angelegt haben ein unnützes Geschöpf von der Erde zu vertilgen. Dieses war das Wort, mit welchem sich der Freche erkühnte, Graf Donaten die Post von dem unglücklichen Ende seines Vaters zu bringen, und ich hatte die Genugthuung, zu sehen, daß der nunmehrige Graf von Vatz ihm auf die Art lohnte, wie er es verdiente.
Obgleich, in meiner langen, ach langen unterirdischen Gefangenschaft, die ich noch am Abend meines Einzugs auf dem Schlosse, das eigentlich mir gehörte, antreten mußte, mir meine Wärter, welche nach und nach mild und gesprächig wurden, oft sagten, der Abt von Churwalde sey wieder völlig mit Graf Donaten ausgesöhnt, und nehme fleißig Antheil an den schwelgerischen Festen, davon ich das Toben oft in meiner Tiefe vernahm.
Ich war nicht ganz verlassen, mein Schutzengel, meine hülfreiche Adelheit, wußte jeden kleinen Umstand zu meinem Besten zu nützen. Am ersten Abend unserer Bekanntschaft, ach das einige, einige mal, da ich die Theure sahe, die mir nachher nie wieder erschien! gab es zufällig die Rede, daß Kaiser Rudolfs Töchter meine Jugendfreundinnen gewesen waren, und die sinnreiche Freundschaft baute auf diesen Umstand meine Rettung. Adelheid wußte durch ihren Boten mein Schicksal, und sie war nicht sobald aus dem Kloster in die große Welt zurückgekehrt, als sie alles anwandte, mich meinem Kerkermeister, dem grausamen Donat, mit harter Hand zu entreissen.
Sie, die fast in einem Augenblicke die festeste Freundschaft für die arme Noria gefaßt hatte, sie, die bey ihren wenigen Kräften so viel für mich that, konnte freylich nicht anders denken, als daß sechs mächtige Fürstinnen gleich thätig seyn würden, eine alte Jugendgespielinn dem Elend zu entreißen. Leider irrte sie: Kaiser Rudolfs Töchter waren die Gemahlinnen großer Fürsten geworden, und dachten nicht mehr an diejenige, welche sie ehemals als ihres gleichen behandelten, und tausendmal schwuren, nie zu vergessen. Nur eine von ihnen, Agnes, die Herzogin von Sachsen, ließ sich durch Adelheits unabläßiges Bitten erweichen, und drang mit ihrer Macht beym Kaiser zu meiner Erlösung durch.
Ich ward dem Grafen von Vatz und Sargans, dem unrechtmäßigen Besitzer meiner Güter entrissen, aber ich mußte mir meine Befreyung durch feyerliche Entsagung aller meiner Rechte erkaufen. Gern that ich dieses; ich kannte seit Jahren kein anderes Gut als die Freyheit, und da ich nun frey war, keinen Wunsch, als Ruhe in einem Kloster. Elisabeth von Rappersweil hatte während der ersten Zeit meines Gefängnisses ein noch traurigeres Schicksal gehabt, als ich in meinem Kerker erfuhr, und ich verweise euch hierinn auf ihre von mir selbst verfaßte Geschichte. Die rhätischen Frauen wußten von jeher die Feder wohl zu führen, und liessen in dieser edeln Kunst manchen der gelehrtesten Mönche zurück. – Beklagenswürdige Elisabeth! was fühlt man, wenn man dich so in deinem eigenen rührenden Ton von deinen Leiden und Versuchungen, welche einem schwachen Fräulein fast zu mächtig waren, reden hört!
Der verliebte Donat ließ keine Kunst der Verführung unversucht, die Edle von der Bahn der Tugend und Treue abzulenken, und Imagina bot ihm dazu treulich die Hand. Es ist erschrecklich, daß ein Weib ihrem Gatten selbst Bahn auf dem Wege der Ausschweifungen machen, selbst Hand anlegen sollte, das Heiligthum der Unschuld in einem weiblichen Herzen zu zerstören, auch glaube ich, daß es, seit die Welt steht, nur eine Imagina gab, die solcher Unthat fähig war.
Grausamkeit und Gewalt folgten den schmeichelnden Kunstgriffen der Verführung, und Ludwig von Homburg fand, als er nach einigen Monaten, die er in Ungewißheit wegen des Schicksals seiner Braut zugebracht hatte, nach der Donatsburg kam, seine Erwählte zu retten, sie in einem unterirdischen Kerker, der dem Meinigen fast gleich gewesen seyn soll. Ich hörte das Geräusch ihrer Rettung, und hoffte auf die Meinige, aber – ich hoffte vergebens. – Mein schwaches Geschrey ward nicht gehört, man vermuthete hier keine Gefangene. Man hatte meine junge Freundinn und ihren Verlobten von meinem Tode zu überführen43 gewußt; sie weinten unnütze Thränen auf mein Grab, das man ihnen betrügerisch zeigte, indessen ich lebendig in einer Todenhöle schmachtete, und nach der vereitelten Hoffnung auf Erlösung in die tiefste Verzweiflung hinab sank, bis mich Zeit und Glaube an Gott wieder empor huben.
Die ganze Folge von Elisabeths Entführung für mich bestand in engerer Einkerkerung. Diese rasche That des Grafen von Homburg hatte nur in Donats Abwesenheit glücken können, und dieser verließ nunmehr sein Schloß wenig, um nicht ähnliche Unfälle erfahren zu müssen. Man sagt, die Wohnungen der Verworfenen glühen mit doppeltem Feuer, wenn der Fürst der Hölle von seinen Wanderungen in dieselben zurückkehrt, so auch auf der Donatsburg; jedes Geschöpf athmete schwerer, wenn er zugegen war; wie mußten sich nicht die Quaalen einer armen Gefangenen zu solchen Zeiten vermehren!
Doch ward ihm seine Hand gehalten, mich nicht zu tödten; weil ich gerettet werden sollte. Meine Erlösung erschien so, wie ich vorhin erwähnt hatte, und Donat ließ sich herab, mich selbst aus meinem Kerker zu führen, mich vor den Abgesandten des Kaysers und der Herzoginn von Sachsen hoch zu ehren und Mutter zu nennen. Der Elende! Wie hätte dieser heilige Name und die Zeichen seiner Tyrannei die ich an mir trug, gegen einander vor unpartheiischen Zeugen abstechen, welche Strafen hätten sie ihm bereiten müssen! aber die Männer, denen ich ausgeliefert wurde, begnügten sich, mir meine Freiheit verschafft zu haben, dies war das einzige, was ihre Instruction wörtlich enthielt. Die Entsagung aller meiner Rechte war wohl nicht die Absicht meiner Retter gewesen, aber ich war bereit zu derselben, war zu schwach das, was mir zukam, gegen einen mächtigen Tyrannen zu behaupten. Auch waren die, welche für mich hätten handeln können, Hedwig von Rappersweil und Elisabeth von Homburg, fern, und mit meinem Schicksal unbekannt.
Ich eilte unter dem Schutze der kayserlichen Abgeschickten, denen zu trauen ich so wenig Ursach hatte, an den Ort der Sicherheit, den ich mir gewählt hatte, aber ich ließ in Donats Schlosse etwas zurück, wobey ich gern noch länger verweilt, oder noch lieber, es mit mir genommen hätte. Der Graf von Vatz, welcher sich Gewalt anthat, mir binnen den Tagen, in welchen ich Kräfte zu meiner Abreise sammeln mußte, alle Ehre zu erzeigen, stellte mir seine Töchter, oder meine Enkelinnen, wie er sie zu nennen beliebte, vor. Himmlische liebenswürdige Geschöpfe, in den ersten Jahren der lächelnden Unschuld, zur Zeit meiner Einkerkerung geboren. Imagina war bey der Geburt dieser Zwillingsschwestern gestorben, und der Verlust ihrer unwürdigen Mutter würde Gewinn für sie gewesen seyn, wenn ihnen der Himmel nicht einen Vater gelassen hätte, bey welchem sie frühzeitig an Leib und Seele verwahrlost werden mußten. O Ursula! o Kunigunde! Wie lieb wurdet ihr mir in den kurzen Tagen unserer Bekanntschaft! Ihr hingt euch an meinen Arm bey meiner Abreise und weintet mir nach! O hättet ihr das Herz sehen können, das sich so ungern von euch trennte! Ich sah Graf Donaten mit wehmüthigem Blick an, und wagte eine kühne Bitte, aber seine Stirn umwölkte sich, und er fragte mit spottendem Ton, ob ich seiner Redlichkeit nicht ohne Geisseln trauen wollte?
Gott lob, ich habe hinfort nichts mit seiner Redlichkeit oder Unredlichkeit zu thun gehabt, die Mauern dieses guten Klosters und die Macht der Aebtißinn von Zürich schützen mich! Auch hat es mir hier nicht an überraschenden Freuden gefehlt. Die jüngste von Kayser Rudolfs Töchtern, die stille fromme Euphemia, sie, die wegen ihres weisen Ernsts von ihren muntern Schwestern, und von der feurigen Noria in jenen Zeiten muthwilliger Jugend immer verlacht, und niemals in unsern Zirkel gezogen wurde, empfing mich mit offenen Armen an dem Orte meiner Sicherheit, und bot mir eine Freundschaft, an, die ich jetzt erst zu schätzen wußte, da Unglück und Jahre mich weise gemacht hatten.
Von ihrer Schwester, der Herzoginn von Sachsen, hatte sie mein Schicksal erfahren, und war aus ihrem Kloster zu Tull, wo sie das Leben einer Heiligen lebte, herübergekommen, meine Ankunft zu erwarten, und mich persönlich wegen des ausgestandenen Elends zu trösten. Ach ihre Anwesenheit war vielleicht das wirksamste Mittel meiner Rettung gewesen! Noria wär vielleicht tod und verloren geblieben, wenn die Augen dieser huldreichen Prinzeßinn nicht in der Nähe gewacht hätten.
Gott! was habe ich ihr nicht alles zu danken! den Umgang meiner Hedwig und meiner Elisabeth, welche über mich als eine Wiedererstandene jauchzen; eure Bekanntschaft und euren Briefwechsel, heilige Frau, und ach, die Hoffnung, einst meine Retterinn, Adelheit, wieder zu umarmen. Bis dieser glückliche Augenblick erscheint, ehrwürdige Mutter, werde ich nicht aufhören, euch um genauere Nachricht von den Schicksalen dieser unvergleichlichen Freundinn zu bitten. Sie müssen sonderbar und traurig seyn, und ein Kloster ist recht der Ort, durch solche Geschichten die Empfindungen frommen Mitgefühls und stiller anbetender Bewunderung göttlicher Führungen zu nähren.
Noria Venosta.
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