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5.2 Regeln oder Prinzipien?
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer regelbasierten und einer prinzipienorientierten Unternehmenskultur? Die BaFin stellt im Konsultationsentwurf zur MaRisk-Novelle fest, dass die MaRisk prinzipienorientiert aufgebaut sind. Was ist aber der Unterschied bzw. Vorteil gegenüber „rein“ regelbasierten Anforderungen? Im rechtswissenschaftlichen Zusammenhang – und der ist für die MaRisk und die Risiko-Kultur entscheidend – sind Prinzipien Grundsätze oder Leitlinien, die möglichst umfassend realisiert werden sollen (englisch: principles, guidelines). Prinzipien sind verbindliche Empfehlungen, deren Umsetzung und Erfüllung in der Praxis oft nur graduell gelingt.17 Verbindlich ist aber, dass man sich nachweislich bemüht, dem Prinzip so gut zu entsprechen, wie es situationsbedingt möglich ist. Sprachlich sind Prinzipien an Formulierungen wie: „Empfehlenswert ist es …“ oder „Bemühen Sie sich …“, „Streben Sie danach, dass …“ usf. erkennbar. Regeln hingegen sind Vorschriften und Normen, die eingehalten werden müssen (englisch: rules and regulations). Die Erfüllung der Regel kennt nur ein Ja oder Nein. Denken Sie beispielsweise an Verkehrsregeln oder an die Abseitsregel des Fußballspiels oder die Regeln einer Poker-Partie. Regeln haben keinen „Empfehlungscharakter“. Hier heißt es typischerweise: „Du musst …“, „Du darfst nicht …“, „Verboten ist es …“. Man erfüllt sie – und tut das Richtige, oder man erfüllt sie nicht – und verhält sich falsch. So wird verständlicher, warum die Anforderungen an die angemessene Risiko-Kultur als Prinzipien und nicht als strikte Regeln formuliert wurden. Normen würden nicht den Spielraum ermöglichen, der nötig ist, damit die inneren Einstellungen und Haltungen kultiviert werden können. Kulturentwicklung kann nicht einfach „verordnet“ und bloß „reguliert“ werden. Kultur muss wachsen können.
5.3 Die Schachmetapher
Der Unterschied zwischen Prinzip und Regel lässt auch anschaulich anhand des Schachspielens erklären. Die Spielregeln des Schachs bestimmen beispielsweise die konkreten Zugvorschriften der Figuren. Andere Regeln betreffen Details wie die Schwarz-Weiß-Struktur der 8 × 8 Felder des Spielfeldes, die Eröffnungsregel „Weiß beginnt“ oder – im weiteren Sinne – den Ablauf eines Schachturniers. Doch wie kann ich in einer konkreten Spielsituation den besseren Zug für mich herausfinden? Die Schachregeln legen zwar eindeutig alle Zugmöglichkeiten fest, liefern aber keinen weiteren Hinweis darauf, wie ich spielen soll. Dann ist die entscheidende Frage: Welcher ist der bessere Zug? Dass ich meinen Turm nicht diagonal ziehen darf, ist weniger relevant als die Frage, ob der Turm überhaupt zum Einsatz kommen soll und gegebenenfalls wie. Spielstrategien sind prinzipienbasiert. Ein Grundprinzip könnte lauten: Tausche keine Figur höherer Wertigkeit – beispielsweise die strategisch wichtige Dame – gegen eine Figur geringerer Wertigkeit – etwa gegen einen Bauern. Doch es ist nicht sinnvoll, dieses Prinzip in jeder Situation sozusagen vollautomatisch anzuwenden. Ein Damenopfer könnte notwendig sein, um im nächsten Zug das Schachmatt zu verhindern. Man spricht von einem „Qualitätsopfer“, wenn durch einen Tausch die strategische Stellung vorteilhafter wird. Manche Strategien spiegeln die Erfahrungen von häufig gespielten Partien wider – beispielsweise die bewährten Zugabfolgen der sogenannten „Eröffnungen“.
„Spielprinzipien“ sind also situationsabhängig zu interpretieren. Schachspieler lernen Partien auswendig und üben mit ihrem Trainer oder Computer. Durch eine komplexe Mischung aus kombinatorischem Vorausdenken, Spielerfahrung und Intuition wird es möglich, eine Stellung zu analysieren, um so schließlich (hoffentlich) den besseren Zug herausfinden zu können. Das Schachspiel hat nur wenige Regeln – und doch gleicht eine Partie kaum jemals exakt der anderen. Computer schlagen zwar inzwischen die weltbesten Spieler, aber die Frage, ob es eine optimale Gewinnstrategie gibt, ist in der Theorie noch unbeantwortet.18 Das ist ein interessantes Phänomen: Auch aus wenigen einfachen Regeln kann eine sehr komplexe Wirklichkeit entstehen.
Wie aber finden wir uns in einer vielfältigen Wirklichkeit zurecht – wie orientieren wir uns in ihr? Und wie das Schachspielen ist die prinzipienbasierte Risiko-Kultur in der Praxis mehr als eine bloße automatische Anwendung von Regeln. Gesetzliche Vorgaben und Normen spannen einen weiten Raum von unternehmerischen Handlungsmöglichkeiten auf. So wird es möglich, im ersten Schritt richtige von falschen Möglichkeiten unterscheiden zu können. So darf ich meine Figur ziehen – und so nicht! Für die weiteren Schritte aber geben Prinzipien und Erfahrungen Orientierungshilfen. Denn im Sinne der RisikoKultur angemessen zu handeln und zu entscheiden ist nicht ein vollautomatischer Vollzug von Vorschriften, sondern die Kunst und Fertigkeit, die Prinzipien situationsbedingt interpretieren und ihnen möglichst umfassend entsprechen zu können. Der bessere Schachspieler kennt nicht die Regeln besser, sondern hat bessere Ideen für seine Spielzüge. Und diese Ideen verbessern sich durch Übung und reflektierte Spielerfahrung.
Wie sich Angestellte und Führungskräfte einer Bank persönlich entscheidungsfit machen können, wird ausführlich in den Kapiteln 3 und 4 erklärt. Denn schließlich wollen die MitarbeiterInnen nicht nur nichts Unrechtes oder Falsches tun, sondern wie beim Schachspielen unter den (vielen) guten Handlungsmöglichkeiten die bessere herausfinden. Eine nachhaltige Entwicklung der Unternehmenskultur wird aber nur gelingen, wenn sich wirklich alle Mitarbeiter dafür engagieren und die Geschäftsleitung nicht nur klare Vorgaben macht, sondern sich auch selbst deutlich wahrnehmbar um eine Risiko-Kultur bemüht, die von Verantwortung, Vertrauen, Integrität und Transparenz geprägt ist. Ein Spiel soll Freude bereiten. Wer spielt schon Schach, wenn es ihm keinen Spaß macht? Und auch die Entwicklung der Unternehmenskultur sollte nicht nur als unumgängliche Erfüllung von aufsichtsrechtlichen Anforderungen gesehen werden. Freude an den gemeinsamen Herausforderungen und an der Möglichkeit der Mitgestaltung sollte auch dabei sein.
5.4 Gibt es ethische Autopiloten?
Lassen Sie uns einen kritischen Blick auf einen „Gegenentwurf“ zum diskursiven Ethik-Ansatz werfen, bevor dieser detaillierter beschrieben wird. Dieser Gegenentwurf ist eine idealisierte Pflichtethik, eine ideale normative Ethik. Es ist ein ethisches System, das ethische Situationen durch die Anwendung von Grundprinzipien immer entscheiden kann und keine Ausnahmen duldet. Ein solches ethisches System verpflichtet, die als richtig erkannte Handlung umzusetzen, es fragt nicht zusätzlich noch einmal nach den möglichen Konsequenzen der Anwendung der Prinzipien.
Es ist ein Gedankenexperiment: Könnte es einen solchen „ethischen Autopiloten“ tatsächlich geben? Ein auf ethischen Pflichtregeln beruhendes deontologisches System (deon, griechisch = Pflicht, Erforderliches) ist jedoch stets mit drei grundsätzlichen Schwierigkeiten konfrontiert, denen sowohl theoretisch als auch praktisch nur schwer beizukommen ist. Es sind die drei unangenehmen Fragen nach (1.) der Widerspruchsfreiheit der verwendeten ethischen Begriffe sowie (2.) der Konsistenz und (3.) der Vollständigkeit des ethischen Systems. Erstens könnte ein ethischer Begriff oder ein ethisches Prinzip schon in sich selbst widersprüchlich sein.19 Ist beispielsweise der Begriff des „unbeabsichtigten Kollateralschadens“ im Rahmen des Prinzips der Doppelwirkung20 wirklich gänzlich ohne ethischen Widerspruch in sich? Ist beispielsweise der Tod unschuldiger Zivilisten – das wäre der unbeabsichtigte „Kollateralschaden“ – im Rahmen von Angriffen mit Drohnen auf (mit hoher Wahrscheinlichkeit positiv identifizierte) terroristische Ziele ethisch bedenkenlos? Kann man die Anwendung des Prinzips der Doppelwirkung ethisch rechtfertigen, wenn es schließlich sogar mehr tote Zivilisten als Terroristen gibt? (Kann man überhaupt mit Zahlen argumentieren, wenn es um Menschenleben geht?) Maschinen errechnen Wahrscheinlichkeiten, doch Menschen haben die Letztverantwortung für den Angriff. Berichte über an solchen Angriffen beteiligte Soldaten legen nahe, dass zumindest einige von ihnen mit dieser Verantwortung (nachträglich) nur sehr schwer umgehen können. Ihr Gewissen macht ihnen zu schaffen. Diese Gewissensbisse sind ein ernstzunehmender Hinweis auf ein ethisches Dilemma. Zugegeben: Wenn das „Prinzip der Doppelwirkung“ von unbeabsichtigtem Schaden spricht, ist damit ein weder beabsichtigter noch vorhersehbarer Schaden gemeint. Die Praxis sieht freilich anders aus: Mit der Möglichkeit des zivilen Kollateralschadens wird bei den Drohnenangriffen durchaus gerechnet, denn die Spionagesatelliten identifizieren ihre potentiellen militärischen Ziele eben meist nur mit einer Wahrscheinlichkeit, die kleiner als 100% ist. Bereits das sprichwörtliche „das Mittel heiligt den Zweck“ ist ein fraglicher Grundsatz. Widerspricht das Mittel dem eigentlichen Zweck, wird schließlich die gesamte Handlung doch nichts dauerhaft Gutes hervorbringen können. Wenn ich Einkommenssteuer hinterziehe und mit diesem Geld eine Stiftung gründe – wird die Steuerfahndung dann ein Auge zudrücken? Auch Prinzipien wie „die Mehrheit entscheidet“ oder „die Bedürfnisse vieler haben Vorrang vor den Bedürfnissen weniger“ können durchaus kritisch hinterfragt werden. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass auch Mehrheiten mehrheitlich irrten (aktuelles Beispiel: Brexit). Und der Vorrang der Bedürfnisse von vielen ist durchaus fraglich, wenn es um Entscheidungen über Leben oder Tod geht. Kurz: Beim Aufstellen eines ethischen Systems ist sorgfältig zu bedenken, inwiefern nicht schon das einzelne Prinzip in sich widersprüchlich ist bzw. wo die Grenzen seiner sinnvollen ethischen Anwendung verlaufen. Viel Gespür und Erfahrung ist also bei der Erarbeitung und beim Diskurs ethischer Prinzipien notwendig, denn auch ethische Prinzipien können falsche Sätze sein!
Zweitens muss mit der Möglichkeit der Inkonsistenz eines ethischen Systems gerechnet werden: Die ethischen Prinzipien könnten untereinander widersprüchlich sein. Ein ethischer Satz könnte einem anderen widersprechen. Und dieser Widerspruch könnte nur sehr schwer auszumachen sein. Konsistenz a priori gibt es leider nicht: Wie aber kann der Nachweis gelingen, dass die ethischen Prinzipien eines komplexen Systems – z. B. eines Ethik-Kodex – konsistent sind? Bei alltagstauglichen ethischen Kodizes wird ein formaler Nachweis wohl nur schwer gelingen. Daher sollte man in der Praxis die Möglichkeit des Auftretens von Widersprüchen nicht von vorneherein ausschließen. Gerade verwickelt erscheinende Entscheidungssituationen könnten ein konkreter Hinweis auf eine mögliche Inkonsistenz der Grundprinzipien sein. Diese systemtheoretischen Überlegungen gehen zunächst auch von der Idealsituation eines Systems aus. Die Wirklichkeit sieht freilich ganz anders aus. Ein international tätiges Unternehmen ist mit vielen verschiedenen lokalen Ethik- und Compliance-Anforderungen konfrontiert. Ethik-Verständnis ist auch immer kulturell mitgeprägt: Wie sollen die Mitarbeiter eines Unternehmens mit dieser Vielfalt umgehen? Wie sollen die Prinzipien im Einzelfall angewandt werden? Die vielen Vorschriften können aufgrund der Komplexität der Rechts- und Wirtschaftsstrukturen durchaus auch widersprüchlich sein.21 Wie könnte ein „ethischer Autopilot“ solche widersprüchlichen Umstände jemals bewältigen und entscheidungsfähig sein?
Drittens muss mit der möglichen Unvollständigkeit des ethischen Systems gerechnet werden: Nicht jede Situation kann dann mithilfe der Grundprinzipien entschieden werden. Wenn das System unvollständig ist, kann die Frage „Darf ich jetzt so handeln oder nicht?“ also nicht immer beantwortet werden. Die mögliche Unvollständigkeit ist in der Praxis sehr unangenehm. Wie kann ich ein unlösbares, ethisch außer-kontextuelles Problem („outside context problem“ = O. C. P.) von einem prinzipiell lösbaren, aber leider sehr komplexen Problem unterscheiden? Nehmen wir beispielsweise Immanuel Kants berühmten Satz, „dass die Lüge gegen einen Mörder, der uns fragte, ob unser von ihm verfolgter Freund sich nicht in unser Haus geflüchtet, ein Verbrechen sein würde“22. Ich würde also ein Verbrechen begehen, wenn ich einen Mörder anlügen würde, um meinen Freund vor ihm zu schützen? Ist dies „bloß“ eine komplexe ethische Situation oder tatsächlich ein unlösbares O. C. P., weil Kants absolutes Wahrheitsprinzip diese fragliche Situation nicht mehr ethisch sinnvoll erfassen kann? Oder ist der Kant’sche Wahrheitsanspruch (= Verbot der Notlüge in allen Situationen) bereits in sich widersprüchlich? Meine eigene Auffassung ist, dass Kant auch im Falle dieses extremen Beispiels, welches das Gewissen im Ernstfall zweifellos extrem belasten würde, keine Ausnahme zulassen konnte, weil er keine überzeugenden Kriterien fand, um eine Ausnahme zu rechtfertigen. Und eine Ausnahme ohne Begründung hätte das ganze System zum Einsturz gebracht. Kant wollte den Vorwurf der Willkür unter allen Umständen vermeiden.
Wie auch immer: Ein deontologisches System kann den drei Fragen nach der inneren Widersprüchlichkeit der Prinzipien sowie der System-Konsistenz und System-Vollständigkeit nicht ausweichen. Die Detailüberlegungen des Gedankenexperiments zeigen: Es gibt keine praxistauglichen „ethischen Autopiloten“, die mit der ganzen Vielfalt an komplexen und mitunter auch widersprüchlichen ökonomischen Fragestellungen umgehen könnten. Eine ausschließlich auf Regelvollzug basierende ethische Praxis ist für die komplexen Entscheidungs-Anforderungen eines Unternehmens nicht flexibel und weitreichend genug.
5.5 Vorteile einer diskursiven Ethik
Mögliches Ethik-Verständnis spiegelt sich in einem breiten Spektrum an philosophischen Konzepten praktischen Handelns. Wie wir gesehen haben, lassen sich unternehmerische Entscheidungsprozesse nicht gut mit ethischen Autopiloten steuern. Ein diskursiver Ethik-Ansatz hingegen sollte ManagerInnen dabei helfen, freier und souveräner bessere Entscheidungen treffen zu können. Eine dialogfähige Unternehmensethik schränkt Handlungsmöglichkeiten nicht nur ein, sondern zeigt neue Perspektiven auf, die auch ökonomisch sinnvoll und angemessen sind. Dann wird sich ein Unternehmen umso engagierter und nachhaltiger für die Realisierung seiner Grundwerte einsetzen.23 So wird eine unternehmerische Ethik-Kultur und Risiko-Kultur möglich, bei der das Ökonomische dem Ethischen nicht im Wege steht und umgekehrt. Denn keinesfalls soll die Ethik unter die Voraussetzung wirtschaftlicher Nützlichkeit geraten. Dann wäre die Ethik-Kultur nur ein äußerliches Etikett, wie das auf eine Zitrone nachträglich aufgeklebte „Bio-Zertifikat“.
Welche anderen wesentlichen Vorteile hat der ethische Diskursansatz? Im Rahmen eines offenen Dialogprozesses können ethische Prinzipien vorurteilsfrei(er) diskutiert und vernünftig begründet werden. Widersprüchliche Prinzipien oder fragwürdige Werte können so besser aussortiert werden. Auch die „ethische Reichweite“ der Grundsätze oder die Behandlung von Sonderfällen oder Widersprüchen können vorab diskutiert werden. Da falsche Grundsätze auch sehr gefährlich und destruktiv sein können, bevor sie von der Wirklichkeit eingeholt werden, ist es sinnvoll, zu versuchen, sie im Voraus zu erkennen und abzulehnen. Falsche Begriffe, falsche Sätze und falsche Ideen können auf dem freien Marktplatz – Areopag24 und Speakers Corner25 – des vernünftigen und demokratischen Diskurses erörtert und entlarvt werden. Daher können die ethischen Grundprinzipien und Regeln manchmal auch selbst zur Disposition stehen. Diskursethische Prozesse müssen die Möglichkeit vorsehen, auch ihre eigenen Grundannahmen kritisch hinterfragen zu können. Kein Prinzip darf absolut gesetzt sein. Gegebenenfalls müssen Regeln modifiziert oder durch passendere ersetzt werden. Ein gutes Beispiel sind medizinethische Prinzipien, die vom gentechnischen Fortschritt immer wieder „überholt“ werden. Mit der Schachmetapher gesprochen: Wir müss(t)en erlauben, die Schachregeln zu ändern, um in der Partie weiterzukommen. Das ist beim traditionellen Schachspiel aber leider nicht möglich. Die Vorteile einer solchen Möglichkeit sind aber offensichtlich.
Eine diskursfähige Ethik-Praxis kann auch Widersprüche und (zunächst) unlösbar erscheinende Situationen „diskutieren“ und durcharbeiten. Auch erhebt der diskursive Ethik-Ansatz nicht den Anspruch auf Vollständigkeit: Gerade unvorhergesehene und verwickelte Situationen fordern zu neuer und kreativer Lösungsfindung per Dialog heraus. Bessere Lösungen ergeben sich demnach nicht alleine aus den Grundprinzipien, sondern aus der gemeinsamen Erörterung und einem Entscheidungsfindungsprozess, der offen bleibt für Entwicklungen, die über die ursprünglichen Prinzipien hinausgehen. Nicht immer sind die Lösungen eindeutig oder klar, manchmal wird es notwendig sein, „etwas zu wagen“ und Neuland zu betreten. Daher sollten Unternehmer erst gar nicht versuchen, eine Meta-Ethik zu konstruieren („one shoe doesn’t fit all“). Unternehmerische EthikPraxis besteht im individuellen und gemeinsamen Durcharbeiten der unterschiedlichen ethischen Situationen. Wichtig ist, dass diese Lösungen innerhalb eines offenen Dialogprozesses gefunden werden. So wird einem ethischen Subjektivismus und der Dominanz von Vorurteilen vorgebeugt. Gemeinsam können dann auch Lösungen für „Ausnahmesituationen“ oder Widersprüche gefunden werden, die ein rein deontologischer Ansatz nicht mehr findet oder zulässt. Die Vorteile einer diskursiven Ethik sind also durchaus vielversprechend.
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