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Es scheint mir, dass der Mensch gleichen Anstrengungen ausgesetzt ist und auf gleiche Weise reagiert, wo immer auf der Welt er Fremdling wird oder sich als Fremdling fühlt. Dieses geschieht unabhängig von Nationalität, Religion, gesellschaftlichem Stand, ob die fragliche Person hoch gebildet oder Analphabet ist, im diplomatischen Dienst, politischer Flüchtling oder sich illegal im Land aufhält. Der Grad der Frustration kann variieren, aber es scheint, als ob niemand der Eingewanderten davon frei bleibt.
Je länger ich im Ausland wohne, desto vorsichtiger werde ich damit, etwas als typisch schwedisch zu charakterisieren.
Kjell Albin Abrahamson25
ZERSCHLAGENE VORSTELLUNGEN
Während der Zeit des Aufwachsens werden wir von allen Seiten mit Lobesworten über unser eigenes Land gefüttert. In der Familie, in der Schule, von unserer ganzen Umgebung können wir hören, dass dieser oder jener Poet oder Komponist im Ausland hoch geschätzt wird, dass ein besonderes Ereignis in der Geschichte unseres Landes von weltbewegender Bedeutung gewesen ist, dass eine gewisse Stadt oder eines unserer architektonischen Werke für seine Schönheit auch außerhalb der Landesgrenzen gepriesen wird. Wenn wir in ein neues Land kommen, erkennen wir zu unserer Verwunderung, dass unser Land für unsere neuen Landsleute völlig unbekannt ist, dass sie es vielleicht noch nicht einmal auf der Landkarte finden, dass sie es verwechseln mit einem anderen Land und weder wissen, welche Sprache dort gesprochen wird, noch den Namen der Hauptstadt kennen. Außerdem bekommen wir schnell heraus, dass das, was in unserem Heimatland geschieht, oft nur von geringem Interesse für sie ist.
Olle Westberg berichtet:
Als ich schwedischer Generalkonsul in New York war, sagte ich immer, es war ein schlechter Tag, wenn Leute unser Büro angerufen hatten, die nach einem Visum für die Schweiz fragten oder noch schlimmer, wenn sie ein Visum für Swaziland haben wollten. […] So traf ich einen Akademiker, der vorsichtig fragte: „Schweden, ist das die Hauptstadt von Wien?“. […] Schweden ist vielleicht doch nicht so bekannt, wie wir glauben. 26
Manchmal entdecken wir, dass es das, von dem wir glaubten, es sei eine Besonderheit unseres Landes und unserer Kultur – etwa eine Speise oder ein Tanz – in dem neuen Land auch gibt. Vielleicht versuchen wir dann, die anderen davon zu überzeugen, dass dieses Phänomen eigentlich seinen Ursprung in unserem Land hat und eine Besonderheit unserer Kultur ist. Aber wir kämpfen einen hoffnungslosen Kampf. Wir verstehen nicht, dass nichts in der Welt wirklich einzigartig ist, dass alles mehr oder weniger entliehen, kopiert und zu „eigen“ umgewandelt wurde.
Obendrein wird uns klar, dass gewisse Vorteile in unserem Land für unsere Gastgeber nicht nur völlig unbekannt sind, sondern auch so wesensfremd, dass sie sich überhaupt nicht vorstellen können, sich diese anzueignen. Eine Tradition, die für uns wichtig ist, wird von der Bevölkerung des Gastlandes als merkwürdiges Schauspiel angesehen, unsere Musik kann in ihren Ohren unangenehm klingen und den Speisen, die wir mögen, begegnen sie mit Ekel.
Es kann sein, dass wir um eine Antwort verlegen sind, wenn ahnungslose oder vorurteilsvolle Fragen über unser Land an uns gestellt werden. Wir wundern uns über die Dummheit oder Unwissenheit, die wir antreffen und fühlen uns verletzt, weil wir denken, dass dies Dinge sind, über die alle Bescheid wissen müssten. Besonders, weil wir selbst so vielmehr über deren Land wissen. Wir kommen leicht zu der Schlussfolgerung, dass unsere neuen Landsleute Ahnungslose und Ignoranten sind. Nur vergessen wir hierbei leicht, wie wenig wir selbst wussten über das Land, das wir auswählten, um uns dort niederzulassen und dass wir es erst kennen lernten, nachdem wir eine Weile hier gewohnt haben. Aus dieser Perspektive gesehen ist es ungerecht, den Wissensmangel der Einheimischen zu verurteilen, weil sie unser Land vielleicht noch nicht einmal besucht haben. Wir sollten uns auch daran erinnern, dass der vorurteilsvollen, unkundigen und andeutungsvollen Fragen wenige sind und dass Situationen dieses Schlages nicht sehr oft entstehen. Deshalb ist es unrecht alle als etwas einfältig zu beurteilen.
Es ist besser, unsere Nerven zu schonen und es ruhig zu nehmen, wenn jemand fragt, ob Eisbären oder Löwen durch die Straßen in unseren Heimatländern spazieren. Vielleicht können wir stattdessen einen Globus hernehmen, ihn drehen, die Augen schließen und mit dem Finger irgendwo auf unsere Erdkugel tippen. Dann können wir ja mal alles erzählen, was wir über das Land wissen, auf das unser Finger gerade zeigt. Wir können das mehrfach wiederholen. Wenn wir vielleicht etwas über die ausgesuchten Länder wissen, sollten wir einmal überprüfen, wie viel davon wahr ist und wie viel auf Sagen und Vorurteilen beruht. Wenn wir unser Wissen an Fakten messen, hören wir vielleicht auf, andere zu verurteilen.
Selbsteinsicht macht das Leben immer leichter.
Es gibt keine Heimat, keine Identität, keine Kultur, keinen Wert, der für alle Menschen passt, aber alle teilen eine universelle Sehnsucht.
Stefan Jonsson27
ZWEI ANPASSUNGSSTRATEGIEN
Ich hatte nie wirklich vor, im Ausland zu bleiben und absolut nicht in Schweden. Wollte weit fort, dem blauen Horizont entgegen, hinaus auf die sieben Weltmeere. Alles war ein großes Abenteuer, von dem ich nach meiner Heimkehr erzählen würde.
Viele, die auswandern – und ich gehörte dazu – sahen ihren Auslandsaufenthalt als etwas Vorübergehendes an, begrenzt auf einige wenige Jahre, drei, fünf, sieben … Ich wollte nach Hause kommen mit Berichten über meine Abenteuer. Wieder andere wollten so viel Geld wie möglich erarbeiten, um sich ein Haus zu bauen oder sich selbstständig machen zu können. Uns allen gemeinsam war die Überzeugung, dass der Aufenthalt im Ausland vorübergehend sei und dass wir unsere wirkliche Zukunft in der Heimat hätten.
Es gab auch andere mit einer recht gegensätzlichen Einstellung – die schon von Anfang an fest entschlossen waren, nie zurückzukehren. Sie gingen schon von Beginn an zielbewusst daran, sich ein neues Leben im Ausland zu schaffen, sich die Sprache anzueignen und sich vor allem sozial und beruflich zu etablieren.
Ohne es zu erkennen, geschweige denn zu hinterfragen, ging ich meist mit Leuten um, die wie ich waren: Rastlos und wie darauf eingerichtet, irgendwann einmal nach Hause zurückzukehren. Wir sahen mit Misstrauen auf jene, die sich dafür entschieden, sich in dem Neuen zu verwurzeln, betrachteten sie als Verräter an unserem gemeinsamen Ursprung und fanden, dass sie das neue Land idealisierten, von welchem wir unsererseits meinten, es sei schlechter als jenes, welches wir hinter uns gelassen hatten. Gleichzeitig erkannten wir, dass sie ihrerseits uns geringschätzten. Sie vertraten die Ansicht, dass wir das Vergangene idealisierten, das sie selbst loswerden wollten. Schon in einem frühen Stadium gehen die beiden Gruppen in unterschiedliche Richtungen. Die Trennung ist spontan und steuert auf gegenseitige Abneigung hin.
Zum damaligen Zeitpunkt und auch lange später begriff ich dafür nicht die Ursache. Nun glaube ich zu verstehen, worum es sich dabei eigentlich handelte: Nämlich um den eigenen Beschluss, zurückzukehren oder zu bleiben. Das war es, was die Wahl unserer Anpassungsstrategie steuerte.
Auf dieser Basis möchte ich die Emigranten aufteilen in zwei Hauptgruppen, „die Anpasser“ und „die Nostalgiker“.
Die Anpasser
Die Anpasser haben schon von Anfang an für sich geklärt, dass sie ihr Land endgültig verlassen und sich eine dauerhafte Bleibe in dem neuen Land schaffen wollen.
Weil sie beschlossen haben, nie zurückzukehren, wollen sie mit der neuen Umgebung so schnell wie möglich verschmelzen. Deshalb sind sie stark motiviert, die neue Sprache zu erlernen. Sie lernen sie auch schnell und oftmals mit guter Aussprache. Ihre Einstellung gegenüber dem Neuen ist positiv, sie agieren in der Regel zielorientiert und werden mit den richtigen Voraussetzungen meist erfolgreich in ihren jeweiligen Berufen. Sie wohnen vorzugsweise in sozial „besserem“ Umfeld. Auch Einwanderer, die ihren Namen ändern, gehören meist zu dieser Gruppe.
Die sozialen Kontakte sind vielfältig und bestehen sowohl aus Repräsentanten der Landesbevölkerung als auch aus Landsleuten oder anderen Einwanderern. Manche gehen ausschließlich mit Leuten aus dem alten Land um, andere meiden diese ganz. Unabhängig davon, mit wem der Umgang gepflegt wird, es gilt als Regel Nummer eins, nie übertrieben sehnsuchtsvoll zum Geburtsland zurückzublicken.
Im Umgang mit den Einheimischen heben die Anpasser gerne die Dinge hervor, die sie als besonders positiv in dem neuen Land wahrnehmen und stellen diese dann in Kontrast zu Verhältnissen im Heimatland, wo sie das meiste als schlechter empfanden. Von der neuen Umgebung werden sie generell als gut integriert angesehen.
Die Nostalgiker
Die Nostalgiker sehen die Auswanderung als etwas Vorübergehendes – sie planen, einige Jahre von zu Hause weg zu sein, Geld zu verdienen, eventuell eine Ausbildung zu machen oder Abenteuer zu erleben. Sie sind gefühlsmäßig stark an ihr Heimatland gebunden. In dieser Gruppe kann man auf Leute treffen, die trotz eines langen Aufenthalts in dem neuen Land die neue Sprache nicht ordentlich gelernt haben. Es ist, als ob eine innere Stimme ihnen einflüstert: „Es ist nicht so wichtig, du bist ja nur vorübergehend hier, also, weshalb sich anstrengen“. Dennoch lernen manche in dieser Gruppe die neue Sprache gut zu beherrschen, aber die Aussprache ist für gewöhnlich schlechter als bei den Angepassten. Die Neugier und die positive Einstellung zu dem neuen Land erlöschen bei den Nostalgikern, sobald sie den ersten Rückschlag erlitten haben. Sie beginnen die Gesellschaft als gegnerisch zu betrachten und die Einheimischen als fremdartig. Sie unterstreichen gerne ihre nationale oder ethnische Eigenart. Sie sprechen untereinander ihre Muttersprachen, selbst wenn sie sich in Gesellschaft mit ihren neuen Landsleuten befinden z. B. auf einem Fest oder am Arbeitsplatz. Das kommt auch bei den Angepassten vor, aber in geringerem Umfang. Trotzdem können ambitionierte Nostalgiker in ihrem Beruf erfolgreich werden. Die Grundeinstellung zur Gesellschaft, zu der einheimischen Bevölkerung und deren Sitten ist jedoch immer von einer gewissen Abstandshaltung geprägt.
Die Verhältnisse im neuen Land werden häufig verglichen mit den alten und man kommt zu dem Ergebnis, dass dort alles viel besser war. Nach einer längeren Zeit kann selbst noch die negativste Erscheinung einen goldenen Schimmer bekommen. Zum Beispiel werden erlebte Armut oder politische Diktatur – häufig der direkte oder indirekte Beweggrund für die Auswanderung – so dargestellt, dass dies auch Gutes mit sich gebracht hätte. Die Gemeinschaft der Menschen wäre dadurch in ihrem ehemaligen Heimatland gestärkt, es wäre Ordnung in der Gesellschaft geschaffen worden und den Kindern Rechte und Pflichten gelehrt.
Ausbildung hilft
Es gibt die verbreitete Meinung, dass Menschen aus geografisch abgelegenen Ländern oder fremdartigen Kulturen es schwer haben, in die neue Gesellschaft integriert zu werden. Ich glaube nicht, dass das unbedingt stimmt. Es gibt unterschiedliche Beispiele dafür, dass Menschen aus fernen Kulturen sich gut zurechtfinden in ihrer neuen Umgebung.
Gewiss kann es für Menschen aus sehr konservativen, regional verwurzelten Milieus oder Menschen mit sehr geringer Ausbildung schwer sein, in dem neuen Land Fuß zu fassen. Aber das gilt genauso für Menschen aus Nachbarländern oder solche, die innerhalb ihres eigenen Landes umziehen.
Man muss jedoch konstatieren: Je höher die Ausbildung ist, die ein Einwanderer hat, desto leichter fällt ihm die Anpassung und umgekehrt wird er leichter von der Gesellschaft aufgenommen.
Die Zeiten ändern sich und wir mit ihnen
Das absolut Entscheidende für eine geglückte Integration ist nach meiner Auffassung die Einstellung des Einwanderers zu der Frage der Rückkehr. Ist man mit ganzem Herzen darauf eingerichtet, in der neuen Gesellschaft Wurzeln zu schlagen, so werden so viele Verbindungen wie möglich geknüpft. Und dabei ist der geografische oder kulturelle Abstand unwesentlich. Die allermeisten Auswanderer haben bereits bei der Abreise eine Vorstellung davon, ob sie beabsichtigen, irgendwann heimzukehren, oder nicht. Sofern es um Menschen geht, die von zu Hause fortgezwungen wurden aufgrund von Krieg oder Naturkatastrophen, ist die Situation indessen von Anfang an eine andere. Es ist nahezu unmöglich, die Zukunft zu planen, wenn die Gegenwart alle Aufmerksamkeit erfordert. Sie werden daher mit der Zukunftsplanung zögern, bis sie einen Überblick über ihre Situation haben.
Meine obige Beschreibung der beiden Strategien beinhaltet verständlicherweise Vereinfachungen. Es gibt große Unterschiede innerhalb der beiden Gruppen. Die Grenzen zwischen ihnen sind auch nicht immer so deutlich. Es kommt auch vor, dass ursprüngliche Nostalgiker zu Angepassten werden und umgekehrt. Für die meisten kommt irgendwann die Zeit, ihre Einstellungen zu überdenken. Nicht selten tragen diverse äußere Umstände dazu bei. Zum Beispiel, wenn Kinder, die im neuen Land geboren und aufgewachsen sind, sich nicht vorstellen können, in das Heimatland ihrer Eltern zu ziehen. Ein Umzug zurück kann auch eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation bedeuten. Man kann auch in dem neuen Land verwurzelt sein und seine Freunde nun hier haben, statt in der alten Heimat. Einige behalten ihre Einstellungen sowohl zum Heimatland als auch zu der neuen Gesellschaft ein Leben lang bei. Für die meisten, sowohl unter den Nostalgikern als auch unter den Angepassten, ändert sie sich jedoch mehr oder minder im Laufe der Zeit. Bei manchen tritt eine ambivalente Periode ein, in der derjenige zwischen Ablehnung und Idealisierung der unterschiedlichen Verhältnisse, mal im Heimatland, mal in dem neuen Land schwankt. All das ist ein langer Prozess, der nach und nach zu einem nuancierteren und realistischeren Bild über die Verhältnisse der beiden Länder führen kann. Dabei kann gefühlsmäßig und verstandesmäßig eine wirkliche Akzeptanz des erlebten Daseins entstehen. Eine differenziertere Sicht auf die Wirklichkeit bewirkt, dass Personen beider Gruppen sich einander annähern, trotz ihrer diametral entgegengesetzten Lebensstrategien. Wenn die Einstellungen neutraler und nachsichtiger werden, schließt sich der Kreis. Trotzdem verschmelzen die Gruppen kaum miteinander, da sie nach einer so langen Trennung in unterschiedlichen Kreisen Umgang pflegen.
Es gibt aber auch Auswanderer, die über die Anfänge nicht hinauskommen, da sie sich von Beginn an im Kreis drehen. Körperlich wandern sie zwar aus, aber die Seele verlässt das Heimatdorf niemals. So leben sie mit einer ewigen Sehnsucht nach dem, was sie verloren haben und einer ewigen Unzufriedenheit mit dem, was sie haben.
„Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen als im Gespräch in einem Jahr.“
Platon28
WEGE ZU EINEM NEUEN UMGANG
Ausgrenzung und Einsamkeit in dem neuen Land bewirken, dass Einwanderer Gemeinschaft suchen. Das größte Bedürfnis ist es, endlich die Einsamkeit loszuwerden. Dafür ist es möglich, nötigenfalls über unterschiedliche sprachliche, nationale, religiöse oder soziale Grenzen hinweg in Gemeinschaft zu leben. Erst im nächsten Schritt wird die Nähe zu solchen Menschen gesucht, mit denen mehr nationale oder sprachliche Gemeinsamkeiten bestehen. Als letzten Schritt versucht man dann, in eine sozial homogenere Gruppe zu kommen. Auf diesem verschlungenen Weg können Verbindungen oftmals zu Menschen oder Gruppen entstehen, die man nicht getroffen hätte, wenn man daheim in der Heimat geblieben wäre.
Die kosmopolitischen Gruppen
Als neu angekommener Auswanderer kannte ich keine anderen Polen und hatte Umgang mit einer Gruppe, die aus Ungarn und Jugoslawen, einem Deutschen und einem Dänen bestand. Als Geologe in Saudi-Arabien kam ich in eine gemischte internationale Gruppe, die aus Briten, Iren, Libanesen, Palästinensern, Amerikanern, Holländern und Italienern bestand. Viele Hilfsarbeiter oder Studenten, die im Ausland studieren, um nur zwei Kategorien zu nennen, machen ähnliche Erfahrungen.
In einem Buch über schwedische Jugendliche, die ins Ausland gezogen sind, sagt eine junge Frau:
Hier treffe ich Menschen unterschiedlichster Nationalitäten, mit denen ich so unglaublich viel gemeinsam habe. Ich finde es wirklich fantastisch, dass sie mir so ähnlich sind. 29
Die meisten, die den Vorteil hatten, in solch einem kosmopolitischen Milieu zu leben, haben angenehme Erinnerungen an diese Zeit. Das liegt vielleicht daran, dass diese Gruppen so viel offener sind, als die national homogenen, und vielleicht auch, weil sie ein Gefühl vermitteln, in der großen weiten Welt zu leben. Solche Gemeinschaften entstehen oft zu Beginn der Einwanderung, solange noch nicht genügend viele Landsleute für den gesellschaftlichen Umgang gefunden wurden. Es finden sich aber auch Menschen, die aus dem einen oder anderen Grund nicht in die bestehenden national homogenen Gruppen hineinpassen.
Gleich und Gleich gesellt sich gern
Diese vielkulturellen Gemeinschaften sind oft zerbrechlich und kurzlebig, weil tendenziell die Gruppe verlassen wird, sobald Menschen mit näherliegender Verbindung gefunden werden. Die nationalen, ethnischen, religiösen und vor allem sprachlichen Bande erweisen sich als die stärksten. Derartige Zusammenschlüsse sind oft auch stabiler als die multinationalen, auch wenn die Entwicklung diesbezüglich variieren kann. Wenn der Zugang an Landsleuten gering ist, ist die Toleranz groß und die Gruppe kann so Menschen mit verschiedenem sozialem, ethnischem oder religiösem Hintergrund umfassen. Wenn der Zugang größer wird, schichtet sich die Gruppe, erst sozial und ausbildungsmäßig, danach auch ethnisch oder religiös. Letzteres beruht auf dem Grad der Toleranz unter den Mitgliedern. Diese herauskristallisierten Gemeinschaften können dann mit marginalen Veränderungen über viele Jahre überleben.
Der Kreis schließt sich
Früher oder später wird ein Teil der Gruppenmitglieder außerhalb der Gruppe unter den Einheimischen Kontakt suchen. Die Umgangskreise, in die diese Personen dann hineinkommen, können außer Einheimischen auch Landsleute und andere Ausländer aufnehmen, denn die Auswahl basiert nunmehr auf gemeinsamen Werten und Interessen, nicht auf Sprache, Nationalität oder reinen Zufällen, wie in der kosmopolitischen Gruppe. Genau wie zu Beginn der Auswanderung befindet man sich in der Situation, dass die Gemeinschaft mit anderen Menschen selbst wichtiger ist, als deren Herkunft.
Aber nicht alle gehen den gleichen Weg
Der Weg gestaltet sich natürlich nicht für alle gleich. Gewisse Einwanderer werden von Beginn an aufgefangen von dem sozialen Netz, das bereits vom Heimatland aus etabliert wurde. Das gilt beispielsweise für politische Flüchtlinge oder Menschen, die aus der gleichen geografischen Region umgezogen sind. Wer aufgrund einer Heirat in das neue Land kommt, wird gewiss einen anderen Weg gehen. Andere wiederum, auch wenn es nach meiner Erfahrung nur ganz wenige sind, nehmen nie mit einem ihrer Landsleute oder mit anderen Einwanderern Kontakt auf. Die meisten von uns gehen – egal welchen – doch einen recht verschlungenen Weg hin zu dem neuen gesellschaftlichen Umgang.
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