Millionen für Mitarbeiterschulung
Ein gemeinsames Weltbild und Wertesystem zu haben sei ganz wichtig für eine Firma. Dazu diene eine interne Schulung, die alle Mitarbeiter in seinem Unternehmen genössen. Alle 18 Monate besuchten seine zigtausenden Angestellten ein Lager. Klar koste dies einen zweistelligen Millionenbetrag, aber das Payback sei gewaltig. Die Leute, die einen solchen Campus führten, seien selbst entsprechender Nationalität, beispielsweise Chinesen oder Japaner, damit man explizit auf die verschiedenen kulturellen Situationen eingehen könne. Die Leiter würden eng untereinander zusammenarbeiten. Jeder Mitarbeiter sollte in den Firmenrahmen und die Kultur hineinpassen, und wer ganz anders ticke, sollte gehen.
«Sauladen»
Beziehungen innerhalb des Unternehmens seien sehr wichtig. Natürlich käme es auch ein bisschen auf die Grösse der Gesellschaft an. Er habe eine Firma in den USA besucht, deren Hauptaktionär er sei; ein wahrer «Sauladen» sei das gewesen. Er habe direkt gesagt, dass in seinem Betrieb diese Leute «geschasst» worden wären. Seine direkte Art werde von den einen geschätzt, von anderen nicht so sehr.
Montagearbeit – neue Tendenz
Regelmässig esse er in der Firmenkantine. Ihm sei diese Kontaktpflege wichtiger als anderen Verwaltungsratskollegen. Er sei auch regelmässig auf Baustellen anzutreffen. In einem Audit-Komitee sehe man nur Zahlen, er möchte aber wissen, was in einem Industrieunternehmen hinter den Fragen der Technical Compliance und einem Audit Report stecke und wie dieser zu interpretieren sei. Wesentlich sei ihm, ob das Produkt sicher sei und was die Firma dafür tue. Deshalb habe er zwei Tage einem Monteur bei seiner Arbeit zugeschaut und auch aktiv geholfen. Er glaube, das sei die neue Tendenz, wie man die Arbeit und die Verantwortung in einem Verwaltungsrat angehen sollte. Er stelle fest, dass vor allem bei den jüngeren Verwaltungsratsmitgliedern ein Bedürfnis bestehe, zu erfahren, was im Betrieb passiere. Das sei aber in einem Industrieunternehmen einfacher als in einer Bank.
Preisvergaben – Extrameile
Sein Verwaltungsrat würde firmenintern verschiedene Preise ausschreiben, die immer mit einer Teamarbeit verbunden seien. So binde man die Angestellten zusammen, und es sei eine Form der Anerkennung und Wertschätzung für sie. Das Aufsichtsgremium sei in den ganzen Prozess involviert, sitze in der Jury und verteile auch die Preise. Die Preisvergabe trage sehr viel zur Firmenzufriedenheit bei und auch dazu, dass die Mitarbeiter gerne einmal eine Extrameile für das Unternehmen laufen. Nebenbei bemerkt sei, dass an Umfragen zur Personalzufriedenheit sich 93 Prozent der Angestellten beteiligten und 88 Prozent davon stolz seien, für diese Firma zu arbeiten. Aber die Extrameile müsse vom Verwaltungsrat und der Konzernleitung vorgelebt werden, sonst funktioniere es nicht. Dies würde man leider in vielen Verwaltungsräten nicht kapieren.
Fussballspiel
Selbstverständlich gehe er in der Firmenkantine essen, auch spiele er Fussball mit den Mitarbeitern. Meist komme er zu Fuss oder mit dem Velo in den Betrieb. Das seien kleine Sachen, die den Angestellten Eindruck machten.
Lachen
Als Verwaltungsratspräsident gehe er immer an Personalanlässe, weil er die Atmosphäre spüren möchte. Dort, in Diskussionen und daraus, ob es Fragen gebe oder nicht, ob die Leute lachten, zusammen sprächen, ob die Direktion in einer Ecke und das Personal in einer anderen sitze, nehme er die Beziehung zwischen der Direktion und dem Personal wahr. Es liege ihm viel daran, all dies mitzuerleben, denn sonst sei man völlig isoliert.
Ein Witz
Es gebe Generalversammlungen, die seien wie eine Landsgemeinde und nur die Hauptaktionäre seien anwesend, besonders bei Familienunternehmen. Aber wenn man an eine Generalversammlung eines Grosskonzerns gehe, wo vielleicht gerade mal fünf Prozent der Stimmen im Raum seien und die anderen elektronisch abgestimmt hätten, dann werde die Generalversammlung zu einem Witz, weil man die Resultate schon zuvor kenne. Dann könne man im Raum nichts mehr bewegen. Er sei überzeugt, dass die Generalversammlungen langsam verschwinden würden; eine Alternative sei aber leider noch nicht gefunden. Das Zählen der Stimmen der Kleinaktionäre sei heutzutage absurd. Aber trotzdem sollte man deren Voten ernst nehmen, weil gerade diese Stimmen eine wichtige politische Aussage seien.
Herumschwirren
Ein Verwaltungsrat sollte sich vom Tagesgeschäft abheben. Er empfinde es als heikel, wenn der sich in der Firma zeige. Schlussendlich habe er eine Aufsichtsfunktion wahrzunehmen. Als Verwaltungsratspräsident würde er es nicht zulassen, dass einzelne Mitglieder in der Firma herumschwirrten und dort ihre Gedanken, Überzeugungen und Strategien preisgeben; das habe er schon erlebt, und es sei gefährlich. Dabei würden die Verwaltungsräte vom lokalen Management absorbiert und mit allerlei Wünschen bombardiert, die sie nachher ins Gremium einbrächten. Es gehe nicht an, dass man hinten herum mit dem Management Sachen bespreche. Selbstverständlich hätten alle Verwaltungsratsmitglieder Anspruch auf sämtliche Informationen zum Unternehmen, aber nicht als Einzelmaske. Das müsse kontrolliert und mit Disziplin erfolgen, aber nicht, weil man etwas verheimlichen wolle. Es gehe vielmehr um die Glaubwürdigkeit des Verwaltungsrates als gesamtes Team.
Kein Interesse
An einer Beziehungspflege des Verwaltungsrates zu den Mitarbeitern hätten die Angestellten kein Interesse. Er sei davon überzeugt, dass die Angestellten ganz einfach am Ende des Monats ihren Lohn beziehen wollten und damit zufrieden seien. Die Mitarbeiter interessiere ihre nächste Umgebung im Betrieb, vielleicht noch eine Stufe höher, aber der CEO sei schon weit, weit weg, auch der interessiere sie nicht – und schon gar nicht der Verwaltungsrat.
Glaswände – Portier – Putzdienst
Die Nähe und Erreichbarkeit sei für die Mitarbeiter wichtig. Er sitze in einem Büro mit Glaswänden, wie alle Mitarbeiter im Gebäude. Vorbei seien in ihrer Firma die sterilen Gänge und geschlossenen Türen, wo man keinen Menschen sehe. Auch er teile das Büro mit jemandem. Wichtig sei, dass man diese offene Kultur von oben vorlebe. Ein Unternehmen werde an der Atmosphäre und am Zusammenspiel der Teams gemessen, das seien wesentliche Kleinigkeiten. Auch sei es wichtig, dass man den Mitarbeitern in Abständen immer wieder die Strategie erkläre, was mit einem Workshop verbunden sein könne. Dort werde konkret gefragt, was der einzelne Mitarbeiter zum Betrieb beitrage, weil er doch immer auch ein Teil der Strategie sei. Das gehe soweit, dass auch der Putzdienst und der Portier wissen müssten, was sie zur Strategie beitragen können.
3.Beziehungen des Verwaltungsrates zum Human Resource Management
Frage: Was für Beziehungen pflegt der Verwaltungsrat zum Human Resource Management (HR)?
Jedes Unternehmen kann nur existieren, wenn sich Menschen zusammenfinden, sich für eine gemeinsame Sache engagieren und dafür auch entlöhnt werden. Ohne Angestellte kein Betrieb! Die Mitarbeiter stellen demzufolge das grösste Kapital dar und leisten den wesentlichsten Beitrag zum Erfolg ihres Unternehmens. Das HR ist dafür zuständig, dass die Planung, die Steuerung und die Kontrolle dieses Vermögenswertes funktioniert. Weil diese Aufgabe meines Erachtens in jedem Unternehmen von zentraler Bedeutung ist, habe ich meine Gesprächspartner gefragt, was für eine Beziehung der Verwaltungsrat zum HR pflegt und wie das HR in ihrem Gremium vertreten ist.
Eine direkte, institutionalisierte Beziehung zum HR konnte ich in den Gesprächen nicht feststellen. In gewissen Firmen wird der Verwaltungsrat nicht einmal informiert, wenn der HR-Chef kündigt. Und gleichzeitig, überspitzt gesagt, sind die Zeiten, zu denen ein Personalverantwortlicher mit dem Singlehrer verglichen wurde, definitiv vorbei. Deshalb, so nehme ich an, betonen alle Verwaltungsräte, wie bedeutend die Mitarbeiter seien – das Wichtigste im Betrieb. Und trotzdem sind bis heute fast keine direkten HR-Vertreter im Verwaltungsrat sichtbar.
Eine Firma hatte früher einen HR-Vertreter zwar nicht im Verwaltungsrat, aber in der Konzernleitung; Personalfragen wurden immer an ihn delegiert. Man kam dann jedoch zum Schluss, dass die ganze Konzernleitung einschliesslich des Verwaltungsrates für das Personal verantwortlich sei und diese Aufgabe nicht von oben nach unten delegiert werden könne.
Es gibt natürlich immer wieder Verwaltungsräte, die einen HR-Background haben. Jeder in einem Verwaltungsrat – gerade weil die meisten von ihnen operative Erfahrung mitbringen – ist sich bewusst, dass man eine noch so schlaue Unternehmensstrategie haben kann, diese ohne die Mitarbeiter aber nicht funktioniert.
Der HR-Bereich wird in vielen Fällen von Frauen geführt. Sie sitzen dort an Schlüsselpositionen und erreichen dadurch oft die Spitze. Es darf aber nicht sein, dass das HR als ein geschützter Arbeitsbereich für Frauen dargestellt wird. Es kann sein, dass er eher zu den Frauen passt, weil sie dort ihre Stärken ausleben können; sie eignen sich ganz natürlich oftmals besser dafür. Das ist auch gut so, sofern eine solche Karriere von den Frauen bewusst gesucht wird. Überhaupt sollte meines Erachtens heutzutage jede HR-Abteilung gemeinsam von einer Frau und einem Mann geführt werden, damit eine weibliche und eine männliche Perspektive vertreten sind. Zudem sollten bei Anstellungsgesprächen ab einer bestimmten Hierarchiestufe unbedingt beide Geschlechter anwesend sein; schon deshalb, weil man zu zweit über einen Bewerber mehr in Erfahrung bringt. Das würde einen breiteren und offeneren Auswahlprozess ermöglichen, und die Chance, dass die richtige Person angestellt wird, würde rasant steigen.
Gewisse Firmen sind wegen falscher Personalentscheidungen dazu übergegangen, zu einem Schnuppertag einzuladen. Das gibt einen ersten Eindruck, wie Aufgaben gelöst werden und ob eine Interaktion mit dem Team besteht.
Eine ähnliche Methode der Personalrekrutierung unter Hochschulabsolventen ist in den USA schon lange die Regel. Die Studenten werden in ihren letzten grossen Semesterferien vor dem Abschluss als sogenannte «Interns», Praktikanten, angestellt. Wenn die gegenseitige Zusammenarbeit erfolgreich funktioniert, wird den Studenten meist eine fixe Anstellung gleich nach der Vollendung ihres Studiums angeboten.
Zurück zu den Beziehungen des Verwaltungsrates zum HR. Das HR rapportiert in der Regel direkt an den CEO. Es gibt Verwaltungsräte, die ein spezielles Komitee für Personalfragen haben und an deren Sitzungen der HR-Verantwortliche auch teilnimmt. Dann gibt es Verwaltungsräte, bei denen der HR-Chef zwar an den Sitzungen des gesamten Verwaltungsrates eingeladen ist, aber nur als Gast und wenn es diesbezügliche Diskussionen gibt wie beispielsweise die Diversität auf verschiedenen Stufen, die Entwicklung der Frauenquote vor allem in den höheren Chargen, Quervergleiche am Arbeitsmarkt, das Image des Arbeitgebers oder Bedürfnisse für die Zukunft. Das HR ist ein Teil der Unternehmensstrategie und wichtig ist, dass die wesentlichen Themen adressiert und behandelt werden. Dafür sind die verschiedenen Komitees im Verwaltungsrat und am Ende natürlich der Gesamtverwaltungsrat zuständig.
In jedem Verwaltungsrat gibt es Leute, die HR-sensibler sind als andere. Es gibt aber auch solche, die rein auf Finanzen und Technik ausgerichtet sind; es bringt nichts, sie zu HR-Angelegenheiten nach ihrer Meinung zu fragen.
Verwaltungsrätinnen äusserten sich dazu wie folgt:
Direkte Verbindung
Es sei ganz wichtig, dass man anfange, HR-Leute in den Verwaltungsrat zu wählen. Zumindest sollte es eine direkte Verbindung zwischen ihm und dem HR geben. Relevanz – Verbesserungspotential
Viele Verwaltungsräte bezögen das HR nicht besonders ein und fänden es nicht relevant. Hier gebe es einiges an Verbesserungspotential. Sie habe oft erlebt, dass ein Verwaltungsrat für die Nachfolgeplanung nicht viel gemacht habe, was sich natürlich früher oder später räche. Allerdings müsse man auch aufpassen, dass die Nachfolgeplanung nicht zu einem bürokratischen Albtraum werde. Nachfolgeplanung
Die wichtigste Ansprechperson für den Verwaltungsratspräsidenten und den CEO sei der HR-Verantwortliche. Eine der undelegierbaren Aufgaben des Gesamtverwaltungsrates sei die personelle Entwicklung des Topmanagements. Es dürfe nicht sein, dass eine personenbezogene Auslegeordnung nur in einem Kompensationskomitee gemacht werde; darüber müsse der ganze Verwaltungsrat informiert sein. Auch die Nachfolgeplanung müsse der Verwaltungsrat an die Hand nehmen. Runder Tisch
Sie treffe sich regelmässig mit dem HR-Verantwortlichen, einem Mann, zum Gespräch, weil er sich für Frauen und Diversität engagiere. Sie wolle konkret wissen, was er mache, beispielsweise was die Bedingungen für Frauen seien, wenn sie Mutter würden, und was die Firma dann anbiete. Als Folge davon würde sie einen runden Tisch mit Frauen organisieren, die im Unternehmen in Führungspositionen seien, um dieses Thema weiter zu diskutieren. Führungsproblem
Bei ihnen gebe es keine spezielle Beziehung zum HR, denn wenn es um personelle Schwierigkeiten gehe, sei es nicht nur ein HR-, sondern eigentlich ein Führungsproblem. Deshalb sei es wichtiger, in einem Verwaltungsrat ein Mitglied mit Führungserfahrung zu haben als eines mit einem HR-Hintergrund. Radar – ein Viertel für Mitarbeiterthemen
Die Themen Mitarbeiter, Mitarbeiterentwicklung, Talententwicklung und Nachfolgeplanung sollten jährlich auf den Radar des Verwaltungsrates kommen, sonst würde man etwas falsch machen. Drei Viertel der Zeit beschäftige sich der Verwaltungsrat mit Investmententscheidungen, ob man eine Firma kaufe oder nicht, eine abstosse oder nicht, wo man investiere. Das sei natürlich wichtig, aber auch sehr männlich geprägt. Nur ein Viertel der Beschäftigung bleibe noch für Mitarbeiterthemen und ein bisschen Markenpflege. Sie würde gerne dem Thema Mitarbeiter ein höheres Gewicht geben; aus ihrer Optik komme dieses zu kurz, vor allem, weil es Firmen gebe, die keine andere Resource haben als den Menschen. Man delegiere dieses Thema zu oft an den operativen Bereich. Affinität zu Frauenthemen
Wenn es um eine Neubesetzung in der Geschäftsleitung gehe, werde sie laufend vom HR beigezogen; das interessiere sie eben sehr. Auch der CEO rufe sie an, weil er wisse, dass sie zu Frauenthemen eine besondere Affinität habe. Sie mahne immer wieder, ob man genügend divers sei im Unternehmen, das heisse für sie speziell, ob es genügend weibliche Mitarbeiter habe. Immer wieder würden Frauen sie fragen, ob sie ihnen Zugang zu einer Anstellung in der Firma geben könnte. Schon deshalb habe sie ständigen Kontakt zum HR. Verwaltungsräte äusserten sich dazu wie folgt:
Vergütungsausschuss
Als Präsident des Vergütungsausschusses habe man automatisch mehr Kontakt zum HR. Es gebe Extrasitzungen, Vorbereitungen für die Entlöhnung des Topmanagements, schon deshalb habe man eine engere Beziehung zum HR. Einzelne Verwaltungsratsmitglieder hätten auch einen HR-Hintergrund; man suche aber nicht gezielt danach. Unternehmenskultur – Nachfolgeplanung
Es komme ein bisschen darauf an, was die Bedeutung des HR in einem Unternehmen sei, das sei sehr unterschiedlich und hänge auch von der Unternehmenskultur ab. Er sei in einem Verwaltungsrat, wo der Unternehmenserfolg eindeutig in der Unternehmenskultur liege, was heisse, die Mitarbeiter wachsen zu lassen, sie zu unterstützen und ihnen ein persönliches Umfeld zu geben. Auch dürften Fehler gemacht werden, nicht zuletzt um daraus etwas zu lernen. All das gehöre zu einer guten Unternehmenskultur. Im Verwaltungsrat seien drei ehemalige Mitarbeiter der Firma, die mit dieser Kultur aufgewachsen seien. Diese Leute seien sehr sensibel, was HR-Fragen anbelange und stehen dem Unternehmen natürlicherweise näher als externe Verwaltungsräte. Grundsätzlich würde er aber schon sagen, dass die Beziehung zum HR via CEO eine Aufgabe des Verwaltungsratspräsidenten als oberster Personalentwickler sei. Eine der grössten Aufgabe sei die Nachfolgeplanung der Konzernleitungsmitglieder. Gefühl für Leute – Tellerrand
Das HR sei eine Stabsfunktion. Im Verwaltungsrat hätten meist drei Mitglieder eine langjährige grosse Führungserfahrung und tausende Leute geführt. Das sei, was man brauche: nicht primär HR-Kompetenz, sondern einfach das Gefühl für Leute. Eine Frau sei bei ihm Chefin des HR und auch in der Konzernleitung. Sie sei an der Hälfte der Verwaltungsratssitzungen dabei. Insofern sei das HR schon im Verwaltungsrat vertreten und könne Anliegen vorbringen. Zu den HR-Leuten habe er eine eigene Meinung: unter 100 von ihnen gebe es aus seiner Sicht etwa fünf, die man gebrauchen könne. Vielleicht seien Leute im HR tätig, die von ihrem Fach zwar eine Ahnung hätten, aber nicht über den Tellerrand hinausschauen könnten. Rein administrative Aufgabe
Sie hätten keinen HR-Manager im Verwaltungsrat und auch niemanden, der sich des HRs speziell annehmen würde, obwohl sie eine grosse Firma seien. Das HR sei bei ihnen eine rein administrative Aufgabe. Bestimmte Traktanden
Spitzenpositionen für die Geschäftsleitung würden immer klar vom Verwaltungsrat bestimmt. Die HR-Verantwortlichen würden zu bestimmten Traktanden eingeladen. Es sei keine Person im Verwaltungsrat speziell für den HR-Bereich zuständig.
4.Beziehungen des Verwaltungsrates zur Öffentlichkeit
Frage: Was für Beziehungen pflegt der Verwaltungsrat zur Öffentlichkeit?
Lassen Sie mich kurz ausholen. Ich bin der Auffassung, dass der Öffentlichkeit vermehrt erklärt werden sollte, wie die Wirtschaft und ein Finanzsystem funktionieren. Sachverhalte in der Wirtschaft, Erfolge, Misserfolge, Prognosen, Ereignisse, Ergebnisse, Entscheidungsgrundlagen, sollten so kommuniziert werden, dass die Menschen sie verstehen, sich eine Meinung bilden und besonders bei Abstimmungen qualifizierte Entscheidungen treffen können. Ein langfristiges Ziel sollte sein, aufklärend Einfluss zu nehmen, wie eine zum Nutzen von uns allen nachhaltige Wirtschaft funktioniert. Dazu braucht es Wirtschaftsvertreter, dazu zähle ich sämtliche Verwaltungsratsmitglieder, die in der Bevölkerung als glaubwürdig, vertrauensvoll und authentisch wahrgenommen werden und persönlich hin stehen, eine Meinung äussern und auch gewillt sind, aktiv den Kontakt zur Gesellschaft zu suchen. Es braucht Personen, ja Persönlichkeiten! Das wäre eine Idealvorstellung der Wirtschaft in ihrer Beziehung zur Bevölkerung.
Leider ist dies im Alltag nicht die Realität und führt mehr und mehr zu Spannungen in der Öffentlichkeit. Ein Beispiel dafür sind die ewigen Diskussionen um die Managerlöhne. Es ist einfach nicht nachvollziehbar, wie sich vereinzelte Manager Saläre in zweistelliger Millionenhöhe auszahlen können, während ihr Unternehmen fast keinen Gewinn macht und der Aktienkurs laufend am Sinken ist. Ich weiss, dass es nur wenige Firmen betrifft, wo die Manager so funktionieren. Aber die Aussenwirkung solcher Handlungen und Entscheidungen ist enorm und vergiftet die Stimmung landauf landab. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil sämtliche Manager medial pauschalisiert und unter den Generalverdacht gestellt werden, ungerechtfertigt hohe Boni und Abfindungen zu kassieren. Ich lese wenig in den Medien, dass es sich dabei fast immer um Einzelfälle handelt und der Leser doch lieber die Ausnahmen nicht verallgemeinern sollte. Also, bitte nicht alle Manager in denselben Topf!
Dieser «bitte-nicht-verallgemeinern»-Kommentar findet fast ausschliesslich medial Anwendung, wenn es sich um Religionen, Migranten, Länder, geschlechtliche Stereotypen handelt, aber nicht, wenn es sich um gierige Einzelfälle in der Wirtschaft handelt. Da wird in den Medien darauf losgeschrieben und Neid gefüttert. Mit der Folge, dass einerseits wirtschafts- und standortfeindliche Vorlagen verlangt werden und andererseits der Staat ins Wirtschaftsleben durch das Erlassen neuer Gesetze eingreift. Das schadet der Wirtschaft. Die Unternehmen werden mit ständig neuen bürokratischen Aufgaben belastet. Die Kosten dafür würden sie lieber für neue Investitionen oder Lohnerhöhungen der Angestellten ausgeben.
Schade, dass die grosse Mehrheit der Unternehmen, welche Grossartiges leisten, vor allem die vielen KMUs in der Schweiz, Opfer derjenigen wird, die durch Gier und Verantwortungslosigkeit der Gesellschaft Schaden zufügen. Der Graben zwischen dem wirtschaftlichen Establishment und der Bevölkerung ist grösser geworden, und viele meiner Gesprächspartner sehen das auch so. Allerdings kann ich denen einen leisen Vorwurf nicht ersparen: Wo sind ihre Stimmen, die sich klar und deutlich distanzieren von wirtschaftlicher Gier? Und wo sind ihre Stimmen, die auf Distanz gehen, wenn die Verantwortung der Führungsriege im Notfall auf die untergebenen Mitarbeiter abgeschoben wird? Ein unaufhaltsamer Steilpass für alle Neider! Nicht zu vergessen, dass Neid eine beispielhaft schlechte Emotion ist. Sie weckt ganz allgemein Unmut, Angst und ein Unterlegenheitsgefühl in der Bevölkerung. In der Schweiz gibt es eine ganze Menge von mutigen, anständigen und verantwortungsvollen Wirtschaftsführern. Wehrt Euch für Eure Kaste und die Wirtschaft!