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Lilly An Parker und Jennifer Schreiner
Ein Escort zu Weihnachten
Eine Office Escort-Novelle

www.Elysion-Books.com
Lilly An Parker
ist das Pseudonym einer deutschen Autorin, die sich bisher hauptsächlich im Liebesromanbereich einen (anderen) Namen gemacht hat. Neben Wollmäusen und Staubratten züchtet sie seltene Pflanzen wie die Wollustlilie oder die Aphrodisiaka.
2010 »Heiß«
2011 »Office Escort – Das Sekretärinnenspiel«
2014 »Merry XXX-Mas – Der Weihnachtsdeal« (»Office Escort«-Reihe) und »Office Escort – Schlagzart« (im Buch »Lila – der letzte Versuch«).
2016 sind die Office-Escort-Novellen »Schlagfertig« (im Buch mit »Singapore Nights«) und »Ein Escort zu Weihnachten« erschienen.
Jennifer Schreiner
gründete Elysion-Books 2010 und betreut dort zurzeit 40 Autoren, 85 fertiggestellte Projekte und die Planung für die kommenden drei Jahre.
Die Romane »Zwillingsblut« und »Honigblut« sind in überarbeiteter Auflage dort erschienen, ebenso der Abschluss der Vampirtrilogie »Venusblut«.
Weiter sind von ihr die erhältlich: »Satanskuss« (Erotic Fantasy) und »ErosÄrger« (Urban Fantasy). Sie schreibt an den Serien »Office Escort« und »Catch and Kiss« mit.
2016 ist im Pro-Talk-Verlag ihr erster Chick-lit erschienen: »Ich bin dann mal ganz anders«
Für 2017 ist ein erotischer Roman »Fick mich – wenn du kannst« bei Elysion-Books geplant.
Beide Autorinnen gestalten neben der Office-Escort-Reihe auch die »Catch & Kiss«-Serie mit, an der verschiedene Autor/innen schreiben und die die unterschiedliche Varianten von »der Widerspenstigen Zähmung« aufwerfen. Diese Zähmungen variieren von hart zu zart und sind nur bedingt politisch und moralisch korrekt

Lilly An Parker und Jennifer Schreiner
eine Office-Escort Novelle

www.Elysion-Books.com
Lilly An Parker und Jennifer Schreiner
Ein Escort zu Weihnachten
(Eine Office Escort – Novelle)
ELYSION-BOOKS
1. Auflage: September 2016
VOLLSTÄNDIGE AUSGABE
ORIGINALAUSGABE
© 2016 BY ELYSION BOOKS GMBH, LEIPZIG
ALL RIGHTS RESERVED
UMSCHLAGGESTALTUNG: Ulrike Kleinert
www.dreamaddiction.de FOTO: © Bigstockphoto/SeanPavonePhoto © Bigstockphoto/luckybusiness LAYOUT &WERKSATZ: Hanspeter Ludwig www.imaginary-world.de
ISBN 978-3-945163-71-9
www.Elysion-Books.com


Vorwort von Lilly An Parker
Ich muss mich bei Elysion-Books bedanken, dass mein Escort- Service in diesem tollen Verlag ein Zuhause bekommen hat.
Als ich anfing, eine SM-Begleitagentur zu entwerfen, die sich auf Business-Service spezialisiert hat, war der Office-Escort ein Novum. Nicht nur auf dem deutschsprachigen Markt, sondern auch weltweit. Generell als Begleitagentur, aber erst recht als eine Agentur für dominante Damen, die sich Männern widmet, die alles haben und mit Geld kaufen können.
Der Slogan war so einfach wie simpel: Grenzenlose Erregung, unvorstellbare Gier, sich immer weiter steigerndes Verlangen. Es ist ein Spiel um Dominanz, Lust und Leidenschaft für diejenigen, die ansonsten alles haben oder haben können: unmoralisch, sexy, der ultimative Kick. Aber wie lange will Mann widerstehen?
Inzwischen schreiben meine beiden »Buddys« Katinka Uhlenbrock und Jennifer Schreiner (The publisher herself) an der Serie mit (Danke auch Euch beiden dafür!) und wir haben einen guten Weg gefunden, unsere Arbeit zu optimieren.
Und auch die Agentur ist ein wenig flexibler geworden, die Escorts bedient auch Frauen und die Angestellten sind in allen Spielarten des BDSM bewandert, so dass für wirklich jeden Geschmack etwas dabei ist:
Ich wünsche Euch viel Spaß mit diesem Buch und auch den anderen Texten aus meinem Escort-Service,
Eure Lilly An
Buch
»Office-Escort: Das Sekretärinnenspiel«, 2011
Novelle
»Office-Escort Novelle: Merry X-Mas«, 2014
»Office-Escort Novelle: SchlagZart«, 2015
»Office-Escort Novelle: SchlagFertig – Ein Rockstar zum Küssen«, 2016
»Office-Escort Novelle: Ein Escort zu Weihnachten«, 2016
geplant:
»Office-Escort: (K)ein Rockstar zum Küssen, Novelle 2017
Office-Escort: (K)ein Anwalt zum Küssen, Novelle 2017
»Office-Escort: (K)ein Filmstar zum Küssen, 2 Novellen 2017
(Buch: »Strictly Business«)
»Office-Escort: (K)ein Geschäftsmann zum Küssen, 3 Novellen 2017
(Buch: Business as usual)
»Office-Escort: n.n.« im Match-Books-Verlag, 2018
»Office-Escort: Die Chefsache«, 2018

Weihnachtsfalle
Ich knallte die Ordner auf den Tisch und drehte mich um, um meinen Geschäftspartner böse anzublicken.
»Du hast was?«, fauchte ich ungläubig. Und dass Tom nicht einmal jetzt den Anstand hatte einsichtig oder gar ein wenig beschämt zu wirken, fachte meine Wut noch weiter an.
»Ich bin durchaus in der Lage, mir selbst jemanden als Begleitung zu suchen!«, maulte ich deswegen. Leider wuchs sein Grinsen durch meinen Protest nur noch in die Breite.
»Ehrlich!«, fügte ich hinzu und war gegen meinen Willen derjenige, der ein wenig beschämt klang. »Ich bin nur noch nicht dazu gekommen.«
»Genau«, stimmte mir Tom mitleidig zu, »du hattest ja auch nur ein ganzes Jahr lang Zeit.«
Ich brummte etwas Böses, von seiner Selbstgefälligkeit genervt, und setzte mich auf die Couch in meinem Büro. Dass er im Grunde Recht hatte, war mir eigentlich egal – uneigenlicht leider nicht – und als lese mein Freund meine Gedanken, zählte er eine Reihe meiner Exfreundinnen oder Kurzaufrisse auf, die mich teilweise allein durch ihre Anwesenheit beinahe in den Wahnsinn getrieben hätten. Unter anderem auch auf fast jeder Silvesterfeier, die Tom und ich in den letzten … uppsss … zehn Jahren veranstaltet hatten.
»Elf«, korrigierte mein Kon-genialer Geschäftspartner und schüttete sich einen Whiskey ein. »Mit Brigitte hast du es geschafft, dir ganze zwei Jahreseinstiege zu versauen.«
Ich schlug mir mit der flachen Hand an die Stirn und gab mich geschlagen.
»Aber muss es gleich ein Escortmädel sein?«, brummte ich immer noch leicht verstimmt und nahm das gefüllte Glas entgegen, was er mir reichte »Ich habe es doch nun wahrlich nicht nötig, Geld dafür zu bezahlen, dass mich eine Frau datet.«
Ein Fakt, denn ich war einsfünfundachzig groß, trainiert, sah gut aus und spätestens wenn man mein Outfit und mein Auto mit einbezog – beides zeugte von einem nicht uninteressanten Bankkonto – waren es die Frauen, die mich ansprachen.
»Und da liegt der erste Fehler«, argumentierte Tom.
»Hör auf, meine Gedanken zu lesen!«, befahl ich.
»Dann sprich doch nicht alles laut aus, was in deinem Kopf vor sich geht«, lachte der. »Außerdem sind die meisten Frauen, die dich ansprechen, hinter deinem Geld her.«
»Na, schönen Dank auch«, gab ich bissig zurück. So langsam überlegte ich, ob ich eingeschnappt sein sollte.
»Der andere Teil will nur Sex, weil du gut aussiehst«, neckte Tom weiter.
»Okay, jetzt überlege ich ernsthaft, ob ich ernsthaft eingeschnappt sein soll«, drohte ich, was Tom erst Recht zum Lachen brachte.
»Bei Escort-Mädchen weißt du wenigstens, was sie wollen und was du bekommst.«
»Bei meinem Glück nicht!« Ich seufzte und versuchte, die Liste meiner bisherigen Begleiterinnen zu verdrängen, die Tom eben aufgelistet hatte. Es ging nicht. Jedes einzelne horrorartige Silvester, jede nervenaufreibende Weihnachtsfeier mit ihnen hatte sich unausweichlich in mein Gehirn gebrannt. Normalerweise hielt ich diese Erinnerungen streng unter Verschluss und mit mindestens drei Ketten gesichert, aber Tom hatte einen Dietrich und einen Bunsenbrenner mitgebracht und meine Mechanismen nachhaltig zerstört.
»Deswegen habe ich dir ja auch entsprechende Dame ausgesucht!«, erklärte Tom, als habe er Murphys Law durchaus mit einkalkuliert.
»Wieso bin ich nicht überrascht?«, meinte ich resigniert.
»Hast du wenigstens darauf geachtet, dass sie meinem Typ Frau entspricht?
»Du hast einen bestimmten Typ, auf den du abfährst?« Tom klang überrascht und schien nun geistig ebenfalls die Liste meiner Ex-Freundinnen abzugehen.
»Habe ich schon mal erwähnt, dass ich dich nicht leiden kann?«, fragte ich meinen besten Freund.
»Also soweit ich deinen Typ Frau kenne, ist er oberflächlich, sexgeil und geldgierig – ansonsten hast du keine Präferenzen …vielleicht noch dunkelblond …« Tom prostete mir zu und nahm einen Schluck von der bernsteinfarbenen Flüssigkeit. »Also nein. Ich habe eine Frau gewählt, die nicht deinem Typ entspricht.«
Ich knurrte. »Hättest du nicht wenigstens auf sexgeil achten können?«
»Du kennst die Regeln vom Office Escort?«
»Jaja…«, meinte ich, nur noch ein klitzekleines bisschen genervt. Schließlich buchten wir häufig Damen von dieser Escort-Firma. Hauptsächlich, weil sie gut aussahen und extrem zuverlässig waren. Mal abgesehen von sexy und Kundenorientiert. Etwas, was wir auf unseren Betriebsfeiern nutzten und natürlich hatte ich die Regeln verinnerlicht.
»Wenn du eine Prostituierte willst …«, begann Tom.
»… dann buche ich eine«, ergänzte ich gehorsam.
»Oder du gehst in einen Club und lässt dich aufreißen – kostet dich dann ungefähr genauso viel«, schlug Tom hilfsbereit vor.
Spielerisch schlug ich nach meinem Geschäftspartner, aber er war schneller und wich meinem Boxschlag aus.
»Wie heißt sie denn?«, erkundigte ich mich. Vielleicht kannte ich sie ja sogar und konnte mich auf das Wiedersehen freuen?
»Sie ist neu«, erklärte Tom. »Sie arbeitet noch keine vier Monate in diesem Land für den Escort Service.«
»Das habe ich doch gar nicht gefragt«, protestierte ich, ergänzte aber in meiner Liste, dass sie anscheinend vorher schon für den Escort-Service gearbeitet und entsprechende Erfahrungen hat.
»Ich bin Gedankenleser!«, behauptete mein Gegenüber.
»Und wie sieht sie aus?«, erkundigte ich mich.
»Gut.«
»Gr…«
»Nix grrr…«, meinte Tom lachend und korrigierte: »… gut. Mit g.u.t. Da kommt kein »r« drin vor.«
»Wie ist ihre Haarfarbe, ihre Größe, die Optik, ihr Bildungsstand etc.?«, versuchte ich an mehr Informationen zu gelangen, doch Tom verdrehte nur die Augen, bevor er meinte: »Hat sie, gibt es, schnuckelig, ausgebildet und intelligent.«
»Sind wir zwei echt befreundet?«, hakte ich nach, weil mir so langsam Zweifel an Toms Absichten kamen.
»Du liebst mich!«, behauptete Tom selbstsicher. Aber der war ja auch nicht ohne sein Wissen von mir verkuppelt worden.
»Nach Silvester immer noch?«, fragte ich misstrauisch.
Tom hielt meinem Blick nicht stand und sah zur Seite, bevor er ein »Äh… ja?!« von sich gab.
»Wo kommt das »Äh« her?« Jede Faser in mir wollte meinen besten Freund schütteln und ein Bild von der Mieze verlangen – und nur die Tatsache, dass Tom noch nie – NIE – etwas getan hatte, was mir hätte schaden können, verhinderte, dass ich ihn anbrüllte.
»Ihr seht euch eher«, gab er kleinlaut zu und füllte sein Glas abermals.
»Eher?« Ich stampfte mit dem Fuß auf und selbst in meinen Ohren klang meine Frage böse.
»Jaaa…«, druckste Tom, trommelte mit den Fingern auf dem Wagen mit den Gläsern und der Karaffe herum und schüttete schließlich auch mir ein zweites Glas ein, um es mir zu reichen.
»Ja?« Ich blieb skeptisch und fragte konkreter: »Wie viel eher?«
»Sie liebt Weihnachten.«
Sie liebt Weihnachten?«, wiederholte ich entsetzt. Dann atmete ich tief durch, erinnerte mich an die letzten elf Weihnachtsfeiern und meinte schließlich: »Okay, damit kann ich einen Tag lang leben.«
»Äh…«, machte Tom. Dieses Mal relativ leise.
»Da war noch ein zweites Äh?!«, meinte ich. Zu wütend, um wirklich verärgert zu klingen.
»Ein Wochenende?«, meinte mein Geschäftspartner vorsichtig.
»Ein Wochenende?«
»Das war der Preis«, gab Tom zu.
»Der Preis?«, wiederholte ich. Wann genau war ich denn zum Echo geworden? Dann begriff ich und brüllte ihn an: »Bist du irre? Du hast doch wohl nicht eingewilligt?«
Der Jurist vor mir sah zu Boden und wurde nun immerhin rot. Nur weil er seine Traumfrau bei dem Begleitservice gefunden hatte, musste er doch nicht mein Leben verpfänden!
»Deine Idee – dein Preis!«, wetterte ich.
»Elle würde mir die Lunge rausreißen«, lachte Tom, schüttelte sich dann aber bei dem Gedanken, alle Weihnachtsfeiertage mit einem Office-Escort als Sidekick zu verbringen.
Zu Recht!, dachte ich böse.
»Aber du hattest so viele blöde Weihnachten, direkt vor dem blöden Silvester …«, begann Tom kleinlaut.
»… da haste dir gedacht, ich will alles Gute nachholen?«, fragte ich und fiel unbewusst ins Ruhrpottdeutsch zurück. Dabei setzte ich mein Glas so heftig ab, dass der Inhalt überschwappte und sich eine bernsteinfarbene Pfütze auf dem Tisch ausbreitete.
»Alles Gute?« Dieses Mal war es an Tom, Echo zu spielen. »Dann freu dich doch!«
»Hallo? Erde an Tom? Ich hasse Weihnachten!« Ich stand auf, um einen Lappen für den Tisch zu holen.
»Aber doch nur, weil die letzten so schrecklich waren.«
Während ich die Pfütze entfernte, dachte ich über die Aussage nach und nickte schließlich. Wahrscheinlich hatte Tom Recht. Ein schönes Weihnachten wäre wirklich mal eine nette Abwechslung!
Gerade als ich mich mit dem Gedanken abgefunden hatte, Weihnachten nicht zu arbeiten und mich auch nicht vor meiner Familie verstecken zu müssen, weil ich als Single viel zu viel ungewollte Aufmerksamkeit und gut gemeinte Ratschläge bekam, versetzte mir Tom mit seiner Aussage den Todesstoß. »Der Flug ist auch schon gebucht.«
Flug?« Ich erstarrte, als habe er einen Wasser eiskalten Wassers über mich geschüttet und dann die Temperatur noch weiter heruntergedreht. Wenn ich nicht nach Deutschland zu meiner Familie fliegen würde – wohin dann?
»Hatte ich das noch gar nicht erwähnt? Das Weihnachtswochenende trifft sie sich mit ihrer Familie in Island.«
Ohne zu zögern warf ich den nassen Lappen nach Tom und mein Geschäftspartner floh lachend aus meinem Büro. Trotzdem verspürte ich eine grimmige Befriedigung, bei dem Gedanken an sein für Sekunden überraschtes Gesicht.
Erst nachdem ich meinen Tisch trockengerieben hatte, fiel mir ein, dass noch ganz viele Fragen offen geblieben waren. Also eigentlich alle.
Die Liste reichte vom Aufenthaltsort bis zur Dauer meines Zwangsurlaubs bis hin zu: Wann würde ich die Dame treffen.
Ich öffnete meine Bürotür, die Tom hinter sich zugeknallt hatte, starrte in das leere Großraumbüro, dann auf die Uhr. Erst danach rief ich nach Tom und wartete ungeduldig.
Sekunden später stand ich in seinem Büro. Es war ebenfalls leer – bis auf einen Zettel mit einem lachenden Gesicht.
Ich knurrte und griff nach meinem Handy. Natürlich hatte er es ausgeschaltet! Das würde ein laaanges Wochenende werden!
Dann fiel mir ein, dass Tom bis Weihnachten Urlaub hatte und mein Fluch hallte durch die ganze, verdammte, leere Etage.

Ein Albino-Engel
Missmutig stieg ich aus dem Flugzeug und meine Laune sank noch weiter – vermutlich um sich der Temperatur anzupassen.
Tom hatte sich tatsächlich nicht mehr blicken lassen, der fiese Drecksack! Und selbst die Tickets waren per Post gekommen – zusammen mit den restlichen Infos.
In einem Anfall ungewohnter, privater Weisheit hatte mein Kompagnon alle Spuren beseitigt, die Informationen zu dem Escortservice aufwiesen. Und sein guter Freund Ruben, dem der »Office Escort« gehörte, leugnete, etwas mit der Sache zu tun zu haben. Leider war Ruben nicht nur unser Klient, sondern ich mochte ihn – sofern man das nach telefonischen Kontakten beurteilen konnte – auch gut leiden, weswegen ich ihn nicht des Schwindelns bezichtigte. Aber durch sein beharrliches Leugnen und Toms Abtauchen konnte ich mich nicht aus der Verabredung stehlen. Nur zu gerne wäre ich nicht geflogen und auch das Aufreißen einer hübschen Silvesterbegleitung fand ich plötzlich extrem reizvoll.
Selbst auf dem Flug waren mir Frauen untergekommen, die ich jederzeit hätte haben können. Sogar eine Verheiratete und eine Verlobte mit zwei Kids. Ich seufzte und sah mich um.
Der Flughafen war genauso, wie es sich gehörte: Voller Boutiquen, die kein Mensch brauchte und zwei Fast Food … nennen wir sie mal »Restaurants«, in denen ich nur essen würde, wenn mir durch eine Zombie-Epidemie keine andere Wahl mehr bliebe.
Immerhin war es schön, die Ankommenden und ihre erwartungsvollen Abholer zu beobachten: die Freude und das Strahlen, das man mit keinem Geld der Welt kaufen konnte.
Auf mich wartete auch jemand: Eine unscheinbare, moppelige Frau mit einem überdimensionalen Schild auf dem mein Name stand: Jan Souso.
Immerhin hatte die Frau ein hübsches Gesicht und freundliche Augen, die mich fast vergessen ließen, dass ihre Nase so rot war, wie ihre Jacke. Wie sie es trotz dieser Farbe schaffte, beinahe mit dem Hintergrund zu verschmelzen, war mir ein Rätsel.
War das die Dame, für deren Begleitung ich immens viel Geld – und genauso kostbare Freizeit – opferte? Oder die Schwester, die eine Wette verloren hatte? Vielleicht aber auch nur ein Abholservice?
Innerlich strich ich all diese Fragen wieder, da ich keine von ihnen stellen würde. Falls meine Abholerin diejenige welche war, wäre sie beleidigt – keine Frau hörte gerne, dass sie nicht schön war.
Glück hatte ich trotzdem, denn sie beantwortete die Frage von sich aus.
»Hei, Sie sind mein Weihnachtsdate?«, erkundigte sie sich in einem schrecklichen Dialekt und lächelte mich an, als ich zögerte.
Ich nickte beklommen, weil ich widersinnigerweise enttäuscht war. Ich hatte nichts erwartet und mit nichts gerechnet … und leider hatte ich genau das bekommen!
Meine innere Stimme würgte ob der Lüge. Mit einem Model hatte ich gerechnet, einer heißen Begleiterin, nach der sich alle anderen Männer die Finger lecken würden. Charmant und witzig und sexy. Stattdessen stand ich vor einem Albino- Landei, das dieser seltsamen Kämpferin aus »Game of Thrones« Konkurrenz machen konnte. Naja, der Hälfte von ihr, denn sie war eher ein Albino-Zwerg, denn eine große Kriegerin.
»Mia«, stellte sie sich vor und schien nichts von meinen Gedanken und meinen Ressentiments mitbekommen zu haben. Dann drückte sie meine Hand, wie es sicher auch oben genanntes Mannweib getan hätte.
Das muss ein Irrtum sein, dachte ich und klammerte mich an meinem Koffer fest.
»Für dich habe ich auch eine Perücke mit«, erklärte sie wieder mit diesem schrecklichen Dialekt. Wenn ich den die ganzen Feiertage lang würde hören müssen, bestand eine gute Chance für einen Amoklauf meinerseits. Trotzdem war es etwas anderes, was mir gerade massiv aufstieß.
»Perücke?«, wiederholte ich irritiert.
»Tom hat die Infos wirklich nicht weitergegeben?« Sie musterte mich, als sei alles meine Schuld. Dann huschte ein Lächeln über ihr Gesicht und sie meinte – ganz ohne Dialekt: »Dein Freund kann dich nicht leiden, oder?«
»Den Verdacht habe ich auch!«, gab ich angesäuert zurück. Schön, dass jeder auf meine Kosten Spaß hatte. Seltsamerweise hatte ich nämlich das Gefühl, ich würde das schlimmste Weihnachtsfest aller Zeiten erleben.
»Fiona ist dieses Jahr mit dem Motto des Weihnachtsfotos dran … meine Schwester … und das Ergebnis ist … ach, du wirst schon sehen«, erklärte Mia ein wenig abgehackt und viel zu hastig, als dass ihre Fröhlichkeit echt rüberkam.
Statt weiter zu erklären, steuerte sie mich auf ein Auto zu, das eindeutig schon bessere Tage gesehen hatte: einen schlammigen Jeep bei dem man nicht wusste, wo der Rost aufhörte und der Dreck anfing.
»Leider hat es bisher noch nicht für weiße Weihnachten gereicht. Schnee ist aber für morgen angesagt«, small-talkte meine Weihnachtsfee und hielt mir die Beifahrertür auf, um sie direkt hinter mir zu schließen. Sehr galant – aber vielleicht hatte sie auch einfach nur Angst, ich könnte fliehen.
Nicht ganz so sanft erging es meinem Koffer, den sie in bester Albino-Mannweib-Tradition auf den Rücksitz beförderte und zu meiner Überraschung anschnallte.
Erst dann stieg sie ein und reichte mir die Tüte, die auf dem Fahrersitz gestanden hatte.
»Ich muss mich für Tom entschuldigen.« Mia schüttelte den Kopf, als könne sie gar nicht fassen, dass mir ein Freund so etwas antat. »Er hätte dich wirklich vorwarnen sollen.«
»Vorwarnen?«, hakte ich nach. Würde es etwa noch schlimmer werden?
»Jep!«, bestätigte Mia vermutlich meine Frage und nicht meinen Gedanken. Trotzdem wagte ich einen Blick in die Tüte, holte eine Perücke raus und beäugte sie ungläubig. Da Mia nichts sagte, wühlte ich mich weiter und fischte rote Hörner hervor.
»Warte, bis du meinen Heiligenschein siehst«, murmelte Mia und wirkte, als müsse sie jeden Moment loslachen. Immerhin war ihr schrecklicher Dialekt verschwunden.
»Heiligenschein?«, echote ich ungläubig und vergaß den Dialekt. Sollten Engel nicht … ich weiß nicht … schön sein?
Meine Fahrerin sah mich mit gerunzelter Stirn an und ich überlegte, ob ich den Gedanken laut ausgesprochen hatte. Hatte ich wohl nicht, denn meine seltsame Weihnachtsbegleitung meinte: »Das Motto ist: Weihnachten out of hell.«
Sie lachte leise: »Und nur weil die Kids dabei sind, konnten wir Fi davon überzeugen, Blut und Zombies wegzulassen.«
Wider Erwarten musste ich bei dem Gedanken an blutige Weihnachten ebenfalls lachen. Zum einen, weil es mich daran erinnerte, wovor Tom mich eigentlich hatte retten wollen und zum anderen weil ich plötzlich die Hoffnung hatte, dass zurzeit nichts an Mia echt war. Weder der Dialekt, noch die Haare, noch das Albinohafte.
»Was bist du?«, erkundigte ich mich deswegen halbwegs mutig.
Meine Begleiterin nutzte den Umstand, dass wir an einer Ampel standen und zog eine ihrer weißen Haarsträhnen nach vorne und beäugte sie skeptisch. »Geist der Weihnachten? Albino-Engel?«, riet sie und verzog ihre Lippen zu einem schlecht geschminkten Grinsen. »So sicher bin ich mir auch nicht und ich habe mich nicht getraut zu fragen.«
»Hattest du Angst vor der Antwort?«
»Genau das!«, bestätigte sie.
»Will ich wissen, was ich darstellen soll?«




