Solomon spricht über ein Leben in Verbundenheit

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Eric Pearl …, Eric Pearl …, Eric Pearl …, hier steht’s … Hmm, wir haben dir die Chance gegeben, eine Bewusstseinsveränderung einzuleiten, deren Auswirkungen auf ewig durch das Universum geschwungen wären … Und du hast es nicht getan … Weil du Angst hattest …
Das war eine Sache, mit der ich nicht leben konnte.
Das Licht kommt nicht von außen, sondern von innen …
Euer Leben sorgt für dieses Licht.
• Solomon •
Durch die Lehren Solomons – jener Wesenheit, die durch das physische Wesen Fred spricht – und durch meine eigene Weiterentwicklung habe ich das verstanden, was ich die Theorie der Einen Ursache nenne. Diese Theorie der Einen Ursache besagt, dass wir in demselben Maße von vollkommener Gesundheit entfernt sind, wie wir zeitweilig vergessen haben, dass wir das Licht sind. Wir brauchen nichts zu tun, als uns daran zu erinnern, dass wir dieses Licht sind, also uns so daran zu erinnern, dass wir in unseren natürlichen Zustand der Lichtschwingung zurückkehren. Wenn wir in unserem optimalen Lichtzustand schwingen, bleibt allem, was dichter ist als Licht, nichts, woran es sich festhalten könnte; und so fällt es von uns ab, wenn es zu jenem Zeitpunkt unseres Lebensweges angemessen ist, dass es das tut.
Ich habe das Heiler-Sein – das heißt, die Heilung anderer zu unterstützen – als eine ziemlich pure Erfahrung kennengelernt. Ich habe gelernt, einfach mit einem anderen Menschen und dem Universum zusammen in eine Gleichung einzutreten, alle Technik zu transzendieren und mir zu gestatten zu fühlen. Fühlen. Das heißt, zu lauschen … mit anderen Sinnen. Zu fühlen, zu beobachten, zu spielen, zu bemerken. Ohne Bewertung. Und das ist ein enormer Anteil dessen, worauf es ankommt. Ich lernte, wie wir mit dem Hinauswachsen über Techniken auch die Richtung, die zielgerichteten Ergebniserwartungen und Bewertungen transzendieren. Ich lernte, aus meiner Ergebnisorientierung aus- und in eine Prozessorientierung einzutreten. Und je mehr ich das zuließ, desto mehr wurde ich mir des Feldes und aller meiner Empfindungen bewusst. Unterschiedlicher Empfindungen wie heiß, kalt, nass, trocken, drückend, ziehend, sprudelnd, prickelnd.
Das Komische an alldem ist die Einfachheit, die dem zugrunde liegt. Denn als ich all diesen Empfindungen bis zu ihrer Essenz nachspürte, wurden sie letztlich zu einer: Freude, Glücksempfinden, … Seligkeit. Als ich diese Seligkeit empfand, begab ich mich in das Feld und wurde eins mit ihm. Und ich entdeckte, dass wir in diesem Feld nicht allein sind. Wir sind mit jedem in diesem Feld … und ganz besonders mit der Person, auf die unsere Aufmerksamkeit gerichtet ist, denn – seien wir mal ehrlich – wir sind da, wo unsere Aufmerksamkeit ist, wo unser Gewahrsein ist. Ob bewusst oder nicht, gibt es in dieser Interaktion in jener Person etwas wie eine kleine »Stimme«, die sagt: Hey, das erinnert mich an etwas. So bin ich, wenn ich gesund schwinge. So bin ich, wenn ich als Licht schwinge … Ich glaube, ich tue das mal wieder.
Ich habe beobachtet, wie Menschen in diesem Erinnern wieder anfingen, auf ihrem optimalen Lichtniveau zu schwingen, wieder gesund zu schwingen. Ich beobachtete, wie sich alles, was dichter ist als Licht, und dazu gehören die meisten gesundheitlichen Beschwerden, einfach auflöst, wenn es für die Person zu diesem Zeitpunkt in ihrem Leben angemessen ist. Es wurde sofort überdeutlich klar, dass Heilung genauso einfach ist. Und alles – alles – Kompliziertere will uns nur etwas verkaufen.
Wenn ich mir gestatte, einfach zu lauschen – nicht mehr zu machen, sondern zu werden, zum Beobachter und zum Beobachteten zu werden –, ist das der Zeitpunkt, zu dem das Universum oft sein wahres Wunder und seine wahre Schönheit offenbart. Das ist das Geschenk. Dann sehen wir Dinge, die neu sind, anders, wirklich. Sehr, sehr wirklich. Dann erfahren wir jede Sitzung als etwas Neues, als eine Entdeckung, denn mit jedem Menschen ist es etwas Neues.
Deine Aufgabe ist es, Türen zu öffnen.
Ihre Aufgabe ist, sich dafür zu entscheiden,
den Mut zu haben, hindurchzugehen.
• Solomon •
Ich mag das Wort Heilung nicht besonders. In seinem allgemeinen Verständnis ist es viel zu beschränkt. Heilung vermittelt, dass es da etwas gibt, was sich »bessern« sollte. Wie ich beobachtet habe, bedeutet Heilung sehr viel mehr, als aus einem Rollstuhl aufzustehen, wieder hören oder sprechen zu können, keine Krebsgeschwulst mehr zu haben oder nach einer Kinderlähmung wieder normal gehen und reden zu können. All diese Dinge sind natürlich absolut wundervoll, und es ist äußerst aufregend, sie zu erleben, wenn wir diese Arbeit machen, aber in ihrem wahrhaftigsten Sinne ist Heilung sehr viel mehr als das. Diese »Heilungen« sind Zeichen von etwas viel Größerem. Sie sind Zeichen unseres umfassenderen Zugangs zu und unserer Wechselwirkung mit dem Universum. Sie sind Zeichen unserer Evolution. Ein Human-Upgrade, wenn man so will.
In unserer Existenz geht es um unsere fortlaufende Evolution. Ich habe gelernt, dass es im Leben um unsere Fähigkeit zur Anpassung und zur Weiterentwicklung geht. Es ist ein kontinuierlicher Prozess.
Manchmal findet dieser Prozess so langsam statt, dass wir ihn nicht bemerken. Zu anderen Zeiten springt er uns unmittelbar an und ist alles andere als subtil …
Als ich mir gestattete, einfach zu beobachten und zu »sein«, beobachtete ich Heilungen einer ganz anderen Art als jener, die wir wahrzunehmen, zu verstehen, zu glauben und zu akzeptieren gelernt haben.
In diesen Heilungen geht es um einen evolutionären Prozess, der durch Ko-Kreation mit dem Universum auf der höchsten Schwingungs-Interaktion, durch höchste Schwingungs-Interaktion mit dem Feld erzeugt wird.
Wenn ein Mann jeden Abend eine halbe Stunde dem Selbstgespräch widmete, indem er sich vergegenwärtigt, was er im Verlauf des Tages getan hat, ob richtig oder falsch, so würde ihn das sowohl besser als auch weiser machen.
• Philip Dormer Stanhope,
4. Graf von Chesterfield (1694–1773) •
Mein Leben hat sich durch diese Arbeit verändert. Ich würde Ihnen gerne sagen können, wie genau es sich verändert hat, wie ich mich verändert habe – aber ich weiß nicht so recht, wie. Weil ich Tag um Tag mit »mir« lebe, bemerke ich mehr mein Streben danach, besser zu werden, als was ich schon erreicht habe. Ich sehe, wenn ich mit einer Situation gut umgehe, und fühle mich dann innerlich wohl. Ich sehe mich, wenn ich mit einer Situation nicht so gut umgehe, wie es mir möglich gewesen wäre, und fühle dann Schmerz und Enttäuschung. Und ich bleibe dran, fest entschlossen, es das nächste Mal besser zu machen.
Wirken die meisten der Botschafter – das heißt, der Vortragenden und Seminarleiter – auf mich, als lebten sie ihre Botschaft auch hinter der Bühne? Manche mehr, andere weniger. Das zeigt mir, dass ich menschlich bin, dass wir alle menschlich sind. Ich habe auf der Bühne und hinter der Bühne dieselbe Persönlichkeit, ich gebe mich so, wie ich bin: mit meinen guten, meinen schlechten und meinen hässlichen Seiten. Aber ich bin echt.
Bin ich so geduldig und verständnisvoll, wie ich gerne wäre? Nein. Bin ich geduldiger und verständnisvoller, als ich früher war? Unbedingt. Würde ich meine Botschaft gerne voll und ganz sein? Auf jeden Fall. Bin ich es? Ich bin auf dem Weg dorthin.
Wenn ich ganz zu meiner Botschaft geworden bin, gibt es vielleicht keinen Grund mehr für mich, »im Körper« zu sein. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg; ich habe also nicht vor, allzu bald aus diesem Leben zu scheiden! Ich glaube, meine größte Herausforderung besteht darin, bereit zu sein, mich selbst – mein Tun und Lassen, meine Erfolge, meine Schwächen – weniger wertend zu betrachten, weniger dringend das Bedürfnis zu haben, mich zu verbessern. Vielleicht liegt darin für mich die Rückverbindung zu der Wahrheit und Reinheit dessen, wer ich als Wesen, als Seele bin.
Wir treffen unsere Entscheidungen aus Angst oder aus Liebe. Zur Angst gehören auch Mangel, Beschränkung, die Illusion der Getrenntheit und der Dunkelheit …, und Liebe schließt auch Einheit, Fülle, Wohlstand, Einssein und Licht mit ein. Ich wähle es, meine Entscheidungen aus Liebe zu treffen. Das ist allerdings nicht immer so einfach, wie es klingt. Und manches Mal habe ich mich schon gefragt, ob ich das Richtige tue. Manchmal habe ich mich gefragt, ob ich in einem Traum lebe und gleich aufwache. Zu anderen Zeiten habe ich mich gefragt, ob ich dabei bin, den Verstand zu verlieren, oder ob ich ihn vielleicht bereits verloren habe. Ob ich vielleicht irgendwo in einem Krankenhausbett im Koma liege und all dies nur in meiner Imagination stattfindet.
Doch wenn ich zweifelte, habe ich mich daran erinnert, dass jene ursprünglichen sechs Sätze damals nicht von mir stammten. Und außer Fred hatte keiner von denen, die sie damals sprachen, je zuvor erlebt, dass eine Stimme durch ihn sprach. Ich wusste, die Antworten waren da. In diesen Sätzen. Sie wurden zu meinen Mantren, die mich durch Zeiten trugen, in denen ich an mir oder an der Situation zweifelte. Ich hängte sie gut sichtbar auf, damit ich, wenn die Zweifel aufstiegen, leicht den richtigen Satz finden konnte, der mir weiterhalf. Ich gebe sie hiermit an Sie weiter, damit Sie sie auch selbst verwenden können.
1 Wir sind hier, um dir zu sagen, dass du fortfahren sollstmit dem, was du tust.
2 Was du tust, ist, Licht und Informationen auf den Planeten zu bringen.
3 Was du tust, ist, Stränge wieder zu verbinden.
4 Was du tust, ist, Fäden wieder zu verbinden
5 Du sollst wissen, dass du ein Meister bist.
6 Wir sind aufgrund deines guten Rufes gekommen.
Ich habe diese Sätze wie Mantren verwendet. Sie haben für mich funktioniert. Und ich hoffe, sie funktionieren auch für Sie!
Aber bitte seien Sie sich bewusst, dass diese sechs Sätze zwar entscheidend sind, um diese Arbeit zu verstehen, dieses Buch jedoch von etwas anderem handelt. Über die sechs Sätze und ihre Bedeutung können Sie in meinem ersten Buch The Reconnection – Heilung durch Rückverbindung mehr erfahren. Im Zusammenhang mit diesem Prolog ist hier von Bedeutung, dass diese Stimmen, diese Sätze, dann aufhörten. Jedenfalls so ungefähr. In gewisser Weise. Doch die Information kam weiterhin durch Fred, nur auf eine viel umfassendere Art.
Ich ging regelmäßig zu Fred und bat ihn, mit der Stimme sprechen zu dürfen, die durch ihn sprach. Fred war es nicht immer angenehm, diese Stimme sprechen zu lassen, doch mit etwas Ermutigung willigte er manchmal ein. Und ich war weitsichtig genug, diese Sitzungen aufzunehmen.
Während der ersten beiden Sitzungen, zu denen auch der Abschnitt »Staune …« gehört, mit dem das Buch anfängt, verwendeten wir drei Kassettenrecorder …, und alle drei fielen immer wieder aus. Also investierte ich in ein hochwertiges Aufnahmegerät, um jedes Wort mitzukriegen. Dann ließ ich die Aufnahmen abtippen, damit ich sie lesen konnte. Ich verwahrte alle Aufnahmen ab 1994 an einem sicheren Ort, weil ich nicht sicher war, wie ich andere auf angemessene Weise an diesem Material teilhaben lassen könnte und ob ich das überhaupt tun sollte.
Im Laufe der Jahre und durch einige Umzüge verloren Fred und ich uns aus den Augen. Um das Jahr 2008 herum spürte ich ihn nach ausgiebiger Suche wieder auf. Ein paar Jahre später beschlossen wir, dieses Material gemeinsam zu veröffentlichen.
Im Verlauf dieses Buches werden Sie viele Sätze und Erkenntnisse finden, die Ihnen weiterhelfen können, nicht nur als Reconnection-Heiler, sondern auch als ein rückverbundener Mensch, denn in diesem Buch geht es darum, Ihr Leben rückzuverbinden. Es soll nicht nur jene transformieren, die Heiler werden wollen, echte Heiler … – es dient vielmehr der Transformation jedes Einzelnen von uns, der danach strebt, sich rückzuverbinden und in dieser Zeit zur Harmonie in der Welt beizutragen.
Prolog
Freds Geschichte
Anmerkung von Eric Pearl:
Mit mir, mit Reconnective Healing und The Reconnection sind Sie vielleicht schon vertraut, aber mein Koautor Frederick Ponzlov ist Ihnen vielleicht noch unbekannt. Er hat eine wichtige Rolle dabei gespielt, gewisse Informationen und Erkenntnisse in die Welt zu bringen, die uns als Heiler und als Menschen auf tiefere und umfassendere Ebenen bringen. Ich habe in meinem Prolog kurz darauf hingewiesen, doch es erschien mir angemessen, hier auch Fred mit seiner Geschichte zu Wort kommen zu lassen …
Ich erinnere mich nur selten an Anfänge. Aber irgendwann begann es …, im ländlichen Wisconsin auf einer Farm. In meiner deutlichsten Erinnerung war ich zehn Jahre alt und gerade am Einschlafen, oder ich dachte, ich würde schon schlafen, als ich hörte, wie die Tür meines Schrankes aufging. Ich setzte mich in meinem Bett auf und hörte plötzlich ein schwirrendes Geräusch, das immer lauter und schriller wurde, und als ich gerade dachte, es könne unmöglich noch lauter und schriller werden, spürte ich, wie sich etwas in meinen Körper hineinbewegte.
Ich erschrak furchtbar, aber ich konnte nicht schreien. Ich hatte keine Kontrolle über meine Sprechorgane. Die Gedanken rasten durch meinen Körper bis in die Hände und Füße, um irgendeine Körperempfindung zu finden, auf die ich noch Einfluss hatte. Doch nichts reagierte. Ich war buchstäblich gelähmt vor Angst. Mein Atem wurde flacher, und schon bald hechelte ich nur noch.
Dann fühlte es sich plötzlich so an, als ob mein Körper von einem langen, weißen, nassen Laken bedeckt wäre. Es begann, sich von den Füßen an langsam zu heben. Quälend langsam. Sobald meine Zehen frei waren, konnte ich sie spüren und wackelte mit ihnen wie verrückt. So gewann ich langsam meinen ganzen Körper zurück. Und als das Laken endlich meine Kehle freigab, fing ich an zu schreien.
Dies geschah 1962, und es gab keinerlei Bezugsrahmen für eine derartige Erfahrung. Doch ich erlebte sie so real wie den sprichwörtlichen Herzinfarkt.
Einige Wochen später erwachte ich an einem drückend heißen Augusttag, weil ich einen Mann schreien hörte. Es schien mir aus unserem Garten zu kommen, und während er weiterschrie, sprang ich aus dem Bett und rannte nach draußen. Das Schreien hörte nicht auf. Doch wie ich da in meiner Unterwäsche im Garten stand, konnte ich nicht erkennen, aus welcher Richtung das Schreien kam. Unsere nächsten Nachbarn wohnten eine halbe Meile entfernt. Ich dachte, es hätte vielleicht bei ihnen einen Unfall gegeben.
Und dann … nichts. Es hörte auf. Das Schreien. Und ich stand da, die Füße nass vom Morgentau, und wunderte mich.
Einige Tage später erfuhr ich, dass an jenem Morgen ein ehemaliger Landarbeiter unserer Farm den Traktor seines neuen Arbeitgebers gestartet hatte, ohne zu merken, dass noch der Gang eingelegt war. Der Traktor machte einen Satz vorwärts und wurde dann von einer Wand aufgehalten. Der Landarbeiter geriet unter das sich drehende Hinterrad. Sie erzählten, seine Schreie seien ohrenbetäubend gewesen. Das Rad mahlte sich durch seinen Körper. Die Reibung des Stahls auf dem Zementfußboden setzte dann den Schuppen in Brand, und er wurde an Ort und Stelle eingeäschert.
Das Merkwürdige daran war nur, dass all dies in 15 Meilen Entfernung geschehen war.
Als ich die Geschichte hörte, wurde mir klar, dass sich etwas verändert hatte – in mir. Aber es gab niemanden, dem ich mich hätte anvertrauen können. Ich hätte auch nicht gewusst, wie ich etwas vermitteln sollte, was ich selbst nicht verstand.
Ich verstehe es immer noch nicht.
Als ich 13 Jahre alt war, las oder hörte ich etwas über automatisches Schreiben. Ahnungslos, wie ich war, schloss ich die Augen, hielt einen Stift in der Hand und hoffte, irgendetwas würde durchkommen. Ich spürte, wie sich meine Hand über das Papier bewegte. Doch als ich die Augen öffnete, war es nur Gekritzel, in dem ich zum damaligen Zeitpunkt keine Worte erkennen konnte. Jahre später betrachtete ich noch einmal die erste Karte, die ich geschrieben hatte, und sah in der Mitte des Gekritzels deutlich das Wort Energie stehen.
Manchmal sieht man etwas erst, wenn es dran ist.
Ich ging zum College, auf die Universität von Wisconsin-Milwaukee, machte einen Abschluss in Theaterwissenschaften und erlebte mehrere sogenannte übersinnliche Phänomene, die ich alle als Zufall abhakte. Dann zog ich nach New York, um als Schauspieler Karriere zu machen. In einem Sommer bekam ich einen Job beim Colorado Shakespeare Festival in Boulder.
Dort angekommen, fand ich mich nicht nur auf dem Campus der Universität von Colorado wieder, sondern auch direkt neben dem Naropa Institute, eine vom Buddhismus inspirierte Universität, an der sowohl kontemplative Studiengänge als auch traditionelle westliche Disziplinen angeboten werden und wo in diesem Sommer Transzendentale Meditation (TM) stattfand. Eine gute Freundin aus New York nahm dort gerade an einem Sommerkurs teil und erzählte mir von TM. Ich wollte mich auch einschreiben, besaß als Schauspieler jedoch nicht das nötige Kleingeld, um mir ein Mantra zu kaufen. Also nahm ich »Om«, denn ich hatte gehört, das sei ein Mantra. Wie immer hatte ich keine Ahnung, was ich da tat, aber ich setzte mich jeden Morgen mit gekreuzten Beinen hin, »om«-te vor mich hin und wartete darauf, dass etwas geschah, dass sich mein Geist beruhigen würde oder was immer sonst passieren sollte.
Eines Morgens, als ich schon alle Hoffnung auf nennenswerte Ergebnisse aufgegeben hatte, geschah etwas. Meinen unruhigen Geist hatte gerade eine Frage bewegt, als eine Antwort kam. Allerdings …, es war nicht »meine« Antwort. Sie kam von etwas anderem. Jemand anderem. Jemandem, der auf eine völlig andere Art sprach als ich. Zögerlich antwortete ich der Stimme, und sie antwortete wieder. Dann noch eine Frage – und noch eine Antwort.
Ich hielt einen Moment inne und dachte: Na toll! Jetzt bist du schizophren geworden! Ich machte Colorado dafür verantwortlich, die Höhe, den Druck durch unsere Produktionen, vielleicht auch die ungewohnte Umgebung.
Und dann gab es in jener Vor-Computer-Zeit noch das Problem mit der Handschrift. Zuvor hatte ich nie damit Probleme gehabt, doch plötzlich fiel es mir schwer, die Buchstaben in meiner eigenen Schrift zu formen. Manchmal machten sie sich selbstständig und bildeten andere Worte. Es wurde allmählich lästig.
Ich überlebte Colorado und kehrte nach New York zurück. Kurz danach wurde ich in zwei Mordfälle verwickelt, bei denen ich beide Male kurz nach der Tat an den Tatort geriet. Da ich zu jener Zeit noch an energetische Unausweichlichkeiten glaubte, ging ich zu zwei voneinander unabhängigen Medien und fragte sie, was gerade los sei. Sie legten mir beide dringend nahe, New York zu verlassen – es sei zurzeit nicht die richtige Stadt für mich.
Ich hatte nie erwogen, nach Los Angeles zu ziehen, wie es meine frühere Mitbewohnerin gerade acht Monate zuvor getan hatte. Sie redete mir gut zu, doch auch dorthin zu kommen. Ich könne bei ihr wohnen und meiner Schauspielerei an der Westküste nachgehen.
Bis dahin gehörte ich zu den Ostküsten-Snobs, die niemals daran denken würden, in einem kulturell derart ungehobelten Staat zu leben. Doch nach den jüngsten Ereignissen hielt ich es für ratsam, dem Hinweis der Medien zu folgen und mich vom Acker zu machen. Also packte ich meinen Rambler, den ich gerade von meiner wundervollen Tante geerbt hatte, und schaffte es irgendwie bis zum Highway No. 10, dem ich bis zu seinem logischen Ende folgte.
In Los Angeles suchte ich mir sofort eine Bleibe. Ich hatte keine Ahnung von der Stadt und keine Ahnung, welche Stadtteile besser oder schlechter waren.
Eine Woche später zog ich in ein Apartment mit einem Klappbett ein, das nur einen Block von Grauman’s Chinese Theater lag. Mehr Hollywood war kaum möglich.
Ich hatte alle meine Umzugskartons gerade in eine Ecke gestellt und mich auf das Klappbett gesetzt, um sie auszupacken, als der Raum bebte und zitterte. Ich dachte, das käme von dem Reise- und Umzugsstress. Aber es war mein erstes Erdbeben. Es ging fast so schnell vorbei, wie es angefangen hatte.
Als ich mich wieder gefangen hatte, beschloss ich, eine Bücherkiste auszupacken. Das oberste Buch war Die Natur der persönlichen Realität von Jane Roberts. Ich hatte in New York angefangen, darin zu lesen, und ein Lesezeichen eingelegt, um weiterzulesen, wenn ich einigermaßen im Land der Träume angekommen war. Ich schlug das Buch auf der Seite mit dem Lesezeichen auf und begann zu lesen. In dem Kapitel ging es darum, warum Leute in Erdbebengebiete ziehen.
Nachdem ich eine Weile darüber nachgedacht und ein paar weitere Kartons ausgepackt hatte, beschloss ich, ein Nickerchen zu machen. Ich legte mich hin und fuhr eine Viertelstunde später plötzlich wieder hoch. Am Fußende meines Bettes saß eine alte Frau mit einem Schal über Kopf und Schultern. Meine erste Reaktion war: Wie ist diese Obdachlose trotz der verschlossenen Tür in mein Zimmer gekommen? In jenen Tagen gab es auf den Straßen Hollywoods viele Obdachlose. Doch sie wandte sich mir zu, lächelte mich an und löste sich dann auf. Verschwand, während ich sie ansah.
Willkommen in Hollywood.
Jane Roberts channelt in ihrem Buch ein Geistwesen namens Seth. Vieles daran erschien mir dubios – doch wie immer gab es hier und da kleine Erkenntnisse, die mir nützlich erschienen. Irgendwann meint Seth, wenn man eine Erinnerung an ein früheres Leben haben wolle, sollte man vor dem Einschlafen bewusst die Entscheidung treffen, von einem angenehmen früheren Leben zu träumen, an das man sich am Morgen erinnern würde.
Die ersten beiden Nächte passierte nichts. Dann, in der dritten Nacht, hatte ich diesen unglaublich lebhaften Traum, Ende der Zwanzigerjahre bei einer Party von Harold Lloyd zu sein. Dabei wusste ich kaum, wer Harold Lloyd war. Ich wusste nur, dass er jener Stummfilmstar war, der auf dem bekannten Bild an den Zeigern der Uhr hängt. Nicht viel mehr.
In jenem Traum bin ich jedoch in einem sehr großen Anwesen auf seiner Party. Ich betrachte Harold Lloyd, der nicht besonders glücklich zu sein scheint, und ich wende mich zu der Person, mit der ich gekommen bin, einer Fotografin, und frage: »Warum ist Harold Lloyd so unglücklich?«
Sie schaut mich an und sagt: »Er hat eine sehr dunkle Persönlichkeit.«
Dann bin ich aufgewacht.
Ich dachte: Wer um alles in der Welt träumt von Harold Lloyd und seiner dunklen Persönlichkeit? Ich erzählte ein paar Freunden davon, die das genauso amüsierte wie mich, und wir lachten gemeinsam darüber.
Einige Tage später machte ich mich früh am Morgen auf den Weg zu jenem Platz, wo ich den Rambler geparkt hatte, doch ich fand nur eine leere Stelle. Das Auto war weg. Ich erschrak und dachte sofort, jemand hätte ihn gestohlen, doch mein nächster Gedanke war: Wer würde schon einen Rambler stehlen?
Ich rief trotzdem bei der Polizei an, um diese traurige Begebenheit zu melden, und man teilte mir mit, er sei nicht gestohlen, sondern abgeschleppt worden, weil meine Zulassung aus Wisconsin abgelaufen war.
Ich war darüber nicht besonders glücklich und fuhr mit dem Fahrrad nach Beverly Hills, um die Strafe zu zahlen, die meinen Rambler aus den Klauen einer übereifrigen Polizeibehörde befreien würde. Ich war noch nie im Rathaus von Beverly Hills gewesen. Als ich den langen Flur entlangging, bemerkte ich rechts und links Bilder von den großen Anwesen, die dort in den Zwanzigerjahren überall zu finden waren. Als mein Blick auf eines dieser Bilder fiel, hielt ich abrupt inne.
Ich dachte: Ich kenne dieses Haus, ich weiß, dass ich dieses Haus kenne. Ich schaute unten am Rahmen des Bildes nach, um zu sehen, was es darstellte. Groß und deutlich war da zu lesen: DAS ANWESEN VON HAROLD LLOYD.
Ich schnappte ein wenig nach Luft, und dann noch mal und stärker, als ich auf das nächste Bild schaute. In einer sehr formellen Pose war darauf Harold Lloyd auf einer Party zu sehen, und jeden einzelnen der Gäste hatte ich in meinem Traum gesehen, in genau denselben Kleidern, an die ich mich erinnerte. Ich war völlig perplex.
Ich starrte das Bild lange an, bis ich mich schließlich daran erinnerte, warum ich in diesem Flur war, und weiterging. Mit einem Blick zurück auf das Bild fragte ich mich, ob der Rambler vielleicht nur abgeschleppt worden war, damit ich dieses Bild sehen würde. Natürlich mischte sich mein Verstand ein und meinte, ich hätte dieses Bild wahrscheinlich in irgendeinem Buch gesehen und mein Unterbewusstsein hätte es dann in den Traum eingebaut.



