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„Jo, das hier ist Ugonna Okorie aus Nigeria. Er ist seit einem Jahr im Nachwuchsleistungszentrum der 05er. Bei dem Auswärtsspiel in München war er im Kader der Profis. Hast du das zufällig mitbekommen? Meine Quelle sagt, du warst nicht vor Ort.“
Seine Quelle, so, so. Jo schnaubt und blättert in ihrem Kalender. Aber Finn hat Recht, sie hatte an dem Wochenende keinen Dienst, weil sie Nonnas 75. Geburtstag nachgefeiert haben. Der war am 11. September. Sie erinnert sich jetzt aber an die Partie und auch an Ugonna. Der spielt nämlich eigentlich seit Sommer für die U19, weil aber Danny Latza kurzfristig mit einer Verletzung aus dem Abschlusstraining ausgefallen war, hatte Sandro Schwarz Okorie als Back-up für diese Partie in den Kader der Profis beordert. Und weil Pablo de Blasis gegen die Bayern richtig untergegangen ist, hatte Schwarz den jungen Spieler tatsächlich noch vor der Halbzeit eingewechselt. Jo stutzt. Das ist jetzt einen Monat her. Wohin ist der Junge seither verschwunden? Sie kann sich nicht erinnern, nochmal etwas von ihm gelesen zu haben. Der Verein hatte Interviewanfragen mit dem üblichen Hinweis auf den Schutz des jungen Spielers abgelehnt – aber beim Training ist er ihr auch nicht mehr untergekommen. Ob er einfach zur U19 zurückgekehrt ist? Möglich wäre es. Sie verflucht sich selbst dafür, dass sie es nicht schafft, regelmäßiger zu verfolgen, was in den Nachwuchsteams gerade läuft. Das muss sie unbedingt ändern.
„Er steckt in riesigen Schwierigkeiten. Bitte triff dich mit uns, Jo, bitte. Wir brauchen deine Hilfe. Mir fällt sonst niemand ein. Bitte.“ Jo schüttelt unwillig den Kopf. Wer außer überdrehten Autoren für schlechte Drehbücher benutzt bitte die Formulierung, dass jemand in Schwierigkeiten steckt? Zugegeben, Finns Hartnäckigkeit weckt ihre journalistische Neugierde. Aber sie hat absolut keinen Bock, sich mit dem Typen zu treffen. Nicht nach dem, was Jonas passiert ist, als der ihm helfen wollte. Warum kapiert Finn das bloß nicht? „Zu viele Kopfbälle“, murmelt sie und kichert über ihren eigenen doofen Witz. „Klischees? Kann ich.“
„Mit wem redest du denn, Mama?“
„Mit mir selbst.“
„Worüber?“
„Darüber, dass ich jetzt gleich mit dem besten Kind der Welt eine leckere Pizza verspeisen und es dann ins Bett schmeißen werde, damit ich noch ein bisschen in Ruhe arbeiten kann.“
Sie setzt zu seiner Verfolgung an und Luca rennt quietschend in die Küche.
Nach dem Essen ist ihr Sohn so müde, dass er nicht protestiert, als sie ihm sagt, die Gutenachtgeschichte muss heute ausfallen, weil es schon so spät ist. Jo stopft die Decke um ihn herum fest, so wie Luca das gerne mag, dann küsst sie ihn auf die Stirn.
„Schlaf gut, mein Großer.“
„Du nachher auch, Mama.“
„Und träum was Schönes.“
„Von Pesto.“
„Pesto? Sag bloß, du bist nicht satt geworden?“
Luca grinst. „Doch. Aber Pesto heißt unsere neue Katze.“
„Haha. Nein. Auf gar keinen Fall.“
„Ach Mama. Das hast du neulich auch gesagt, als ich eine zweite Katze wollte. Und guck, was da draus geworden ist.“
Jo beißt ihrem Sohn leicht in die Wange. „Kleiner Mistkäfer.“
Er grinst unter müden Lidern. „Gute Nacht, Mama.“
„Gute Nacht, Cookie.“
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