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Die erste Rechtfertigungsmöglichkeit macht sich die überaus populäre Vorstellung zu eigen, das Verhältnis von Theorie und Realität dadurch bestimmen zu wollen, dass man nach der Realitätsnähe theoretischer Annahmen fragt, wobei von vornherein unterstellt ist, realitätsnahe Annahmen seien besser als realitätsferne Annahmen. Die zweite Rechtfertigungsmöglichkeit setzt grundlegend anders an. Sie erörtert den Realitätsbezug theoretischer Annahmen, indem sie zunächst – rein theorie-immanent – nach dem Problembezug theoretischer Annahmen fragt und sodann – mit Blick auf die Realität – die Folgefrage stellt, inwiefern die jeweilige Problemstellung Relevanz beanspruchen kann. Aus dieser differenzierten Perspektive sind die Schlüsse der ersten Rechtfertigungsmöglichkeit in aller Regel Kurzschlüsse, weil sie das zugrunde liegende Problem ausblenden und folglich jenen Maßstab vermissen lassen, ohne den methodologische Erörterungen notorisch unfruchtbar sind. Was heißt das nun konkret?
Das Rationalitätsprinzip, die Annahme nutzenmaximierenden Verhaltens, unterstellt den Individuen, dass sie ihre eigenen Ziele bestmöglich verfolgen wollen. Die Intentionalität individuellen Verhaltens wird hier übertrieben. Es gibt viele Problemstellungen, für die eine solche Annahme unzweckmäßig wäre: als Übertreibung in die falsche Richtung. Dem i.e.S. ökonomischen Ansatz liegt jedoch eine Problemstellung zugrunde, in bezug auf die das Rationalitätsprinzip eine Übertreibung in die richtige Richtung darstellt, denn hier geht es um die Erforschung der (aggregierten) nicht-intendierten Effekte intentionalen Handelns. Die methodologische Pointe des ökonomischen Ansatzes liegt gerade darin, dass das soziale Zusammenspiel gesellschaftlicher Akteure Ergebnisse zeitigt, die sich der Intentionalität der Akteure entziehen, und zwar insbesondere auch dann entziehen, wenn man diese Intentionalität übertreibt. Beispiel: Angebotsausdehnungen führen zu Preissenkungen, d.h. zu einem nicht-intendierten Ergebnis, das den Intentionen gewinnmaximierender Unternehmen zuwiderläuft. Im übrigen hat dies niemand klarer gesehen als Popper selbst, der ähnliche Beispiele anführt und explizit schreibt: „Die Hauptaufgabe der Sozialwissenschaften |129|besteht … in dem Versuch …, die unbeabsichtigten sozialen Rückwirkungen absichtlicher menschlicher Handlungen zu analysieren … Eine Handlung, die genau unseren Plänen gemäß verläuft, führt zu keinem Problem für die Sozialwissenschaften.“[193]
Die Pointe des ökonomischen Ansatzes liegt im Hiatus zwischen der Intentionalität individuellen Verhaltens und der Nicht-Intentionalität – schärfer noch: der Kontra-Intentionalität – sozialer Verhaltensergebnisse, wie sie für Dilemmastrukturen charakteristisch ist.[194] In bezug auf diese spezifische Problemstellung erweist sich das Rationalitätsprinzip als zweckmäßig, als Übertreibung in die richtige Richtung. Wie relevant ist nun diese Problemstellung? Der Rekurs auf soziale Dilemmata erlaubt es, die institutionelle Bedingtheit zivilisatorischer Fortschrittsleistungen herauszustellen, seit Adam Smith ein wichtiges Anliegen der Ökonomik: Der Wohl-Stand breiter Bevölkerungsschichten hängt nicht vom Wohl-Wollen der Unternehmer ab, sondern davon, dass diese – nicht zuletzt durch Wettbewerb – mit Anreizen versorgt werden, ihre Leistungen in den Dienst anderer Menschen zu stellen. Für ein solchermaßen institutionalisiertes Wohl-Verhalten aber ist Wohl-Wollen weder notwendig noch hinreichend. Der Rekurs auf soziale Dilemmata erlaubt es ferner, soziale Missstände auf institutionelle Fehlanreize zurückzuführen, angefangen von Aufrüstungswettläufen und Abwertungsspiralen über die Kostenexplosion im Gesundheitswesen, über Umweltverschmutzung und die Erosion von Standards bis hin zu Arbeitslosigkeit und Inflation. Ökonomische Erklärungen kommen ohne Schuldige aus. Dies beugt „Verschwörungstheorien“ vor, wie insbesondere Popper (1945, 1992b; S. 111ff.) betont hat. Zugleich wird die Perspektive auf den Modus gesellschaftlichen Lernens fokussiert. Institutionelle Reformen rücken in den Mittelpunkt der Betrachtung. Der Umsetzbarkeit solcher Reformen ist es außerordentlich förderlich, aufzeigen zu können, dass an den Missständen niemand ein unmittelbares Interesse hat, da sie sich als soziale Ergebnisse individueller Intentionalität entziehen; dass aber sehr wohl – mittelbar – ein gemeinsames Interesse besteht, die Missstände zu beseitigen, indem man mit Hilfe institutioneller Reformen die Anreize für Handlungen verändert, an denen die Akteure unmittelbar interessiert sind. Als These zusammengefasst: Der ökonomische Ansatz generiert politisch relevante Informationen für ein institutionell differenziertes Management sozialer Dilemmastrukturen. Dieses situationslogische Verfahren basiert auf der kategorialen Unterscheidung zwischen der Intentionalität individuellen Verhaltens und der Kontra-Intentionalität sozialer Ergebnisse in Dilemmastrukturen. In bezug auf die Problemstellung, die institutionelle Kanalisierung der nicht-intendierten Effekte intentionalen Verhaltens zu erforschen, erweist sich das Rationalitätsprinzip als zweckmäßig, als Übertreibung in die richtige Richtung.[195]
|130|8. Popper und die Philosophie: Methodologie als ‚constitutional science‘[196]?
(1) Zum dritten Anwendungsbeispiel: Karl Popper ist ein großer Bewunderer und zugleich ein vehementer Kritiker der Philosophie. Einerseits sieht er in der Philosophie den Versuch, den zivilisatorischen Übergang von der geschlossenen Gesellschaft zur offenen Gesellschaft zu reflektieren, d.h. einen i.w.S. politischen Problemdruck zu verarbeiten, mit der durchaus nicht-intendierten Konsequenz, dass gerade hierdurch die griechische Philosophie zur Wiege der Wissenschaften wird.[197] Andererseits spricht Popper bereits in seiner „Logik der Forschung“[198] von dem „traurigen Zustand, den man philosophische Diskussion nennt“ und den er mit seiner Wissenschaftstheorie „überwinden“ will. Und in seiner „Objektiven Erkenntnis“[199] erhebt er den Anspruch, „eine Diskussion wiederzubeleben, die drei Jahrhunderte lang in Vorverhandlungen steckengeblieben ist“. Hier finden sich scharfe Angriffe auf die von ihm so genannten „Fachphilosophen“, die er dafür verantwortlich macht, den realweltlichen Problembezug aus den Augen zu verlieren und die Philosophie zur bloßen Scholastik, zur Wortklauberei degenerieren zu lassen, „zum Argumentieren ohne ein ernsthaftes Problem“ und zum Argumentieren ohne „Maßstäbe“.[200]
|131|Poppers kritische Haltung gegenüber der Philosophie wird vielleicht am besten deutlich im ersten Teilband seiner „Vermutungen und Widerlegungen“[201], vor allem im Einleitungsaufsatz[202]. Hier bemüht er sich um eine konstruktive Kritik des Empirismus und Rationalismus, d.h. jener beiden konkurrierenden Denkschulen, die die Beobachtung bzw. den Intellekt als primäre Quelle menschlicher Erkenntnis auszeichnen. Er führt den Streit dieser Denkschulen auf eine verfehlte Fragestellung zurück. Beide fragen nach dem Ursprung des Wissens, nicht aber nach seiner Gültigkeit. Es ist eine Veränderung dieser Problemstellung, durch die Popper eine – im oben entwickelten Sinne – ‚orthogonale Positionierung‘ zu einem 300jährigen Philosophenstreit anstrebt. Poppers Versuch einer diskursiven Überbietung der beiden Gegenpositionen mündet schließlich in (s)eine „kritische Philosophie des Alltagsverstandes“[203]. Insofern verbindet sich mit seinem kritischem Rationalismus das Anliegen, die Philosophie durch eine Theorie objektiver Erkenntnis wieder auf Vordermann zu bringen: sie an den Stand der Probleme der modernen Wissenschaft heranzuführen und mit Maßstäben zu versorgen, diese Probleme rational diskutieren zu können. Die Stoßrichtung dieser Argumentation zielt also in die Philosophie hinein.[204]
Die Reformulierung des kritischen Rationalismus als eine Theorie argumentationsgestützten sozialen Lernens, das auf konstruktive Kritik angewiesenen ist, bietet hingegen die Möglichkeit, die argumentative Stoßrichtung gleichsam umzukehren, d.h. die Methodologie nicht in die Philosophie hineinzutragen, sondern sie von der Philosophie zu emanzipieren und als ‚constitutional science‘ einzelwissenschaftlich zu etablieren. Es geht um eine Entwicklung aus der Philosophie heraus, hinein in eine eigens spezialisierte Wissenschaftsdisziplin. Einige Überlegungen hierzu seien im folgenden zumindest angedeutet.
(2) Folgt man der hier vorgeschlagenen Reformulierung des kritischen Rationalismus, so sind der wissenschaftliche Diskurs und der politische Diskurs darin analog, dass sie auf soziales Lernen – genauer: auf ein argumentationsgestütztes soziales Lernen – angelegt sind. Argumentationsgestütztes soziales Lernen aber schreitet fort im Wege konstruktiver Kritik, durch die eine diskursive Überbietungsrationalität freigesetzt wird. Diese Überbietungsrationalität ist bereichsübergreifend am Werk. Je nach Rahmenbedingungen, äußert sich die methodische Anwendung des gesunden Menschenverstandes in eigens hochspezialisierten Kontexten als politische Rationalität oder – noch spezifischer – als wissenschaftliche Rationalität. Zwischen diesen Bereichen gibt es folglich kein Rationalitätsgefälle, sondern allenfalls ein Spezialisierungsgefälle. Entscheidend ist jedoch die diskursive Gemeinsamkeit der beiden Bereiche: Sowohl innerhalb der Wissenschaft als auch innerhalb der Politik hängen Fortschritte vom Verfahren konstruktiver Kritik ab. Die Methode der Wissenschaft ist nicht anders |132|als die Methode der Politik eine Methode des Lernens; mit Popper: eine Methode sozialen Lernens durch Kritik – über Popper hinaus: eine Methode argumentationsgestützten sozialen Lernens durch konstruktive Kritik. Dies zieht folgende Implikation nach sich: Wenn Lernfortschritte – bereichsübergreifend – durch die Methode konstruktiver Kritik zustande kommen, dann besteht die Aufgabe einer Methodologie darin, die diskursiven Bedingungen konstruktiver Kritik zu reflektieren und herstellen zu helfen.
Konkret geht es darum, Diskurse bereichsübergreifend darauf hin zu untersuchen, ob die ihnen zugrunde liegende Problemstellung mit den im Diskurs verfolgten Strategien zur Problembearbeitung kategorial abgestimmt ist, d.h. ob eine gemeinsame Argumentationsbasis vorliegt. Ohne die Möglichkeit konstruktiver Kritik sind diskursive Lernprozesse blockiert. Die Auflösung der damit einher gehenden Denk- und Handlungsblockaden erfordert kategoriale Umstellungen, die das scheinbar Inkommensurable kommensurabel machen. Erst sie ermöglichen es, sich zu einer unproduktiven, festgefahrenen Frontstellung orthogonal zu positionieren, d.h. den widerstreitenden Parteien ein Angebot zu machen, wie sich ihr Streit – nicht unbedingt auflösen, aber doch – produktiver gestalten ließe, und zwar produktiver aus ihrer jeweils eigenen Sicht.
In Anlehnung an – und in Abgrenzung zu – Poppers ‚Situationslogik‘, ließe sich die Methode einer solchen Methodologie treffend als ‚Argumentationslogik‘ bezeichnen. Metaphorisch ausgedrückt, geht es um die Verfassung für den Markt der Meinungen und um Verfassungsänderungen, die dem Meinungsaustausch förderlich sind, indem sie den Meinungswettbewerb forcieren. Es geht um die diskursiven Rahmenbedingungen für kompetitive Argumente. Eine auf die Methode konstruktiver Kritik reflektierende Methodologie, die bereichsübergreifend auf die diskursiven Rahmenbedingungen von Wissenschaft und Politik angewendet werden kann, ist im Kern eine konstitutionelle Theorie, eine Theorie der Verfassung, oder – paradox formuliert – als ‚constitutional science‘ eine Disziplin für Interdisziplinarität. Als These zusammengefasst: Wenn – bereichsübergreifend – die Methode konstruktiver Kritik wichtig ist für zivilisatorischen Fortschritt, wenn ferner die kategoriale Verfassung der diskursiven Argumentationsbasis entscheidend ist für die Möglichkeit konstruktiver Kritik, dann ist die Aufgabe einer allgemeinen Methodologie darin zu sehen, bereichsübergreifend das ‚Denken in Verfassungen‘[205] zu schulen.
|133|Eine solche ‚constitutional science‘ stellt sich als Methodologie das Problem, die Methode konstruktiver Kritik zu untersuchen, und sie bearbeitet dieses Problem, indem sie sich – über die üblichen Disziplingrenzen hinweg – auf die Suche nach orthogonalen Positionierungen spezialisiert: auf die Suche nach kategorialen Umstellungen, nach Perspektivwechseln, mit denen sich Denk- und Handlungsblockaden aufbrechen lassen.[206] Hierbei wird sie sich zunächst an den (modernen) Klassikern der Gesellschaftstheorie orientieren müssen, denn solange – aufgrund mangelnder Spezialisierung? – noch keine Seriositätsstandards diskursiver Methodologie allgemein anerkannt sind, kann eine Theorie über die kategoriale Verfassung argumentationsgestützter Lernprozesse ihre Maßstäbe nur gewinnen, indem sie sie in der Auseinandersetzung mit geeigneten Vorbildern erarbeitet. Zu solchen Vorbildern gehören eher gesellschaftsphilosophisch orientierte Autoren wie etwa John Rawls und James Buchanan, eher gesellschaftstheoretisch orientierte Autoren wie etwa Gary Becker und James Coleman, eher gesellschaftspolitisch orientierte Autoren wie etwa Friedrich August von Hayek oder Walter Eucken, aber auch all jene, die – insbesondere in den Sozialwissenschaften – grundlegende Perspektivwechsel eingefordert und herbeigeführt haben, also etwa Mancur Olson, Ronald Coase, Oliver Williamson und Douglass North oder Max Weber und Niklas Luhmann. Es versteht sich von selbst, dass Karl Popper in dieser zweifellos sehr unvollständigen Liste einen prominenten Platz einnimmt, denn sein Werk ist wie kaum ein zweites geeignet, das Forschungsprogramm einer allgemeinen, Wissenschaft und Politik umfassenden, Methodologie zu inspirieren.[207]
|134|9. Zusammenfassung
In diesem Aufsatz wurde versucht, Karl Popper als einen modernen Klassiker der Gesellschaftstheorie zu interpretieren. Einen Klassiker lesen – genauer: einen Autor als Klassiker lesen – heißt, eine Konzeption zu rekonstruieren, deren weitgehende Konsistenz durch die Person des Autors verbürgt wird, und darauf aufbauend eine Lesart zu entwickeln, die auf die Frage antwortet: Welche Problemstellung liegt seinem Werk zugrunde; wie hat er das Problem zu lösen versucht; wie hängen Problemstellung und Problembearbeitung zusammen; und wo liegt möglicherweise ein Problem dieses Zusammenhangs?
Poppers Konzeption wurde als kritischer Rationalismus rekonstruiert, als eine Theorie sozialen Lernens, eines Lernens, dessen Rationalität sich durch Kritik entfaltet. Das Problem dieser Konzeption liegt darin, dass Popper dem Aspekt konstruktiver Kritik zwar oft pragmatisch Rechnung trägt, ihm aber keinen systematischen Stellenwert einräumt. In genau diesem Punkt ist Poppers Werk aktualisierungswürdig und – das macht seine Größe aus – aktualisierungsfähig. Das Konzept des kritischen Rationalismus lässt sich reformulieren zu einer Theorie argumentationsgestützten sozialen Lernens. Dies hat weitreichende Konsequenzen im gesamten Anwendungsspektrum der Konzeption, das von der Wissenschaftstheorie über die Methodologie der Sozialwissenschaften bis hin zu politischen Stellungnahmen reicht. Für jede dieser drei Ebenen wurde ein Anwendungsbeispiel diskutiert. Um zu illustrieren, inwiefern ein reformulierter kritischer Rationalismus in der Lage ist, kategoriale Aufklärungsleistungen für die politischen Diskurse der demokratischen Öffentlichkeit zu erbringen, wurde an die Stelle von Poppers Begriff einer Abwahldemokratie der Begriff einer Konsensdemokratie gesetzt, mit dem sich eine verquere Frontstellung der Debatten über eine europäische Verfassung überwinden lässt. Poppers methodologische Rechtfertigung für die Verwendung des Rationalitätsprinzips in den Sozialwissenschaften wurde neu gefasst, und es wurde zumindest angedeutet, dass Methodologie nicht unbedingt in eine wissenschaftstheoretische Erkenntnisphilosophie münden muss, sondern dass man statt dessen auch über die einzelwissenschaftliche Institutionalisierung einer ‚constitutional science‘ nachdenken kann. Bei Popper selbst finden sich hierfür zahlreiche Ansatzpunkte. Diese machen sein Werk zu einem Vorbild für eine allgemeine Methodologie: für eine diskursive Argumentationsgrammatik, mit der sich ein breites Spektrum scheinbar disparater Themen aus einer einheitlichen Theorieperspektive systematisch bearbeiten lässt.
So gesehen, ist ein re-aktualisierter Popper noch lange nicht passé. Man kann auch heute noch viel von ihm lernen. Deshalb – und nur deshalb – sollte man die |135|Rezeption seines Werkes nicht unbedingt (allein) den ‚Fachphilosophen‘ überlassen. Was zu beweisen war.
10. Nachtrag 2016
Für die hier vertretene Lesart, dass – und wie – für Karl Popper Erkenntnistheorie und politische Philosophie eng zusammengehören, gibt es mittlerweile zusätzliches Belegmaterial.
Hinzuweisen ist insbesondere auf den von Jeremy Shearmur and Piers Norris Turner herausgegebenen Band mit zuvor unveröffentlichten Briefen, Reden und Aufsätzen von Karl Popper.[208] Abgedeckt wird der Zeitraum von 1940 bis 1994. Anhand des Materials lässt sich nicht nur nachvollziehen, wie Popper sich schon früh von einem Sozialisten zu einem Liberalen entwickelt hat, sondern auch, welche sozialtheoretischen, gesellschaftspolitischen und sogar moralphilosophischen Anschauungen sich mit diesem Perspektivwechsel verbinden.
Ebenfalls hinzuweisen ist auf die Herausgabe seiner gesammelten Schriften in deutscher Sprache[209] sowie auf einen 2016 erscheinenden Kommentarband[210], der der internationalen Popper-Forschung sicherlich neue Impulse geben wird.
Literatur
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