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Von Frau zu Frau wird das Leben seit Anbeginn der Zeit weitergegeben. Das gilt im Großen wie im Kleinen: Niemand wäre hier, wenn er nicht von einer Frau geboren worden wäre. Wir alle entstammen dem weiblichen Schoß und haben zehn Monate im Inneren, als Teil des weiblichen Körpers verbracht. Wenn auch die Geschichte der Frau mit viel Leid verbunden war und teilweise noch immer ist, so geht es in diesem Buch zu keinem Zeitpunkt darum, Schuldige zu suchen oder anzuklagen, sondern um das genaue Gegenteil: hinzuschauen, um den Schmerz, der noch in so vielen Frauen wie Männern begraben ist und ihre Seelen auffrisst, in Mitgefühl statt Mitleid zu wandeln und ziehen zu lassen. Zu erwachen aus dem kollektiven Albtraum und vereint wahrhaft lebendig das Leben zu feiern.
Die Menschheitsgeschichte kann als Geschichte der Frauen erzählt werden. Sie ist eine Geschichte der weiblichen Kraft.
Eine Rückblende mit heilsamer Absicht zielt nicht auf eine vollständige oder lückenlose Aufarbeitung der Vergangenheit, sondern darauf, alte Verwicklungen zu lösen und im Herzen für die Liebe frei zu werden. Ich möchte das verhedderte Knäuel an Irrungen und Wirrungen im persönlichen wie im übergeordneten Rahmen aufwickeln, denn alles hängt mit allem zusammen. Alle Stränge sind letztlich ein Faden, der von Anfang bis Ende in die Ewigkeit und zurück führt. Aus dieser Position und Perspektive kann sich die Geschichte der Menschheit vor unserem inneren Auge neu entwickeln. Wir können wieder klar sehen und das Wesentliche verstehen. Nur mit einer klaren Ausrichtung und indem wir uns an den Ursprung zurückbegeben, an den uns die weibliche Kraft führt, lassen sich die Wolken und Schleier vertreiben. Für freie Frauen und selbstbewusste Männer ist die Zeit zu Beginn des 21. Jahrhunderts reif, beherzt und furchtlos, neugierig und vertrauensvoll hinter den Vorhang zu blicken.
Sich der weiblichen Kraft zuzuwenden, heißt, am Weltbild zu rütteln.
Das Rütteln am Weltbild macht vielen Menschen Angst. Manche wehren sich mit allen Mitteln der Ablehnung dagegen. Doch wir schauen hier und heute hin. Und was wir aktuell beobachten können, ist ein Leben, das kopfsteht. Die lebensverachtenden Praktiken der sogenannten zivilisierten Welt demaskieren sich als eine direkte Folge der menschlichen Entwurzelung und des gottgleichen Heraustretens aus der natürlichen Ordnung. Betroffen sind wir auch als einzelne Individuen, etwa durch die steigende Orientierungslosigkeit im Leben oder durch unsere Unsicherheit im Umgang mit Fragen zu den Geschlechterverhältnissen und zur Religion in der Welt sowie unsere Unfähigkeit, bedingungslos zu lieben. Das ist kein individuelles Versagen, also kein Platz für Schuldgefühle, sondern eine kollektive Verwicklung, die sich über die Jahrtausende verselbstständigt hat, bis wir uns in uns selbst verrannt und verloren haben. Wenn wir achtsam mit uns sind, können wir den Schmerz darüber und die mehrfachen Verdrehungen im Fühlen, Denken und Handeln innerlich sogar spüren.
Lehrmeister für bedingungslose Liebe auf der Welt sind die Kinder. Sie lieben ihre Eltern auch trotz Verletzungen. Aus diesem Grund segnete Jesus Christus die Kinder und sagte über sie: »Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.« (Mk 10,14) Doch statt ihnen für ihr Sosein dankbar zu sein und uns mit ihnen in Liebe und Vertrauen zu üben, erziehen und verbiegen wir sie, damit sie in unser Weltbild passen. So vergeben wir eine Chance für inneres Wachstum und beschweren dadurch die nächste Generation. In immer mehr Menschen keimt die Sehnsucht nach einer lebenswerteren Welt, in der jeder nach seiner Fasson glücklich und zufrieden werden kann. Viele suchen im Außen, doch der Kern liegt in unserem Inneren. Ein Schlüssel dorthin ist der Zugang über die eigene Weiblichkeit beziehungsweise Männlichkeit. Diese Qualitäten des Lebens positiv zu leben, ist die Basis für einen heilsamen Wandel.
Das Leben ist heilig, da es in seinem Ursprung nach lebensbejahend und nicht zerstörerisch ist. Wäre es auf Zerstörung angelegt, würde es sich selbst zuwiderhandeln, sich kannibalisieren statt mehren. Das Leben ist immer für, nie gegen sich. Was sich ändert, ist seine Gestalt, nicht sein Gehalt.
Das Rad der Transformation
Das Buch soll ein Beitrag sein, die eigene Unmündigkeit hinter sich zu lassen, sich zu verorten und Verantwortung zu übernehmen. Die Zeiten der kultivierten Opferrolle, in denen wir die Schuld auf andere, auf die Natur, auf die Umstände, auf die Zwänge geschoben haben, sind vorbei. Alles hat eine Ursache in unserem Verhalten, diese gilt es anzuerkennen und die Störfelder um uns wieder zu Kraftfeldern des Lebens zu wandeln. Noch hetzen die meisten im selbst gebauten Irrgarten menschlicher Verstrickungen hin und her; reden sich schwindelig an der Komplexität des Lebens oder berauschen sich – etwa in Talkshows vor Millionenpublikum – an sich selbst. Die moderne Welt reibt uns auf durch die gleichzeitige Über- und Unterforderung: Einerseits überfordern wir uns, weil wir falsche Erwartungen an uns selbst sowie das Leben haben und die Selbstoptimierungsfalle befeuern. Andererseits unterfordern wir uns permanent, was das Aufspüren von Sinnzusammenhängen sowie das Erkennen und Ausprobieren der Möglichkeit, Schöpfer/in des eigenen Lebens zu werden, angeht. So vergeuden wir Zeit und Energie und versäumen im Labyrinth des Lebens, den Geheimnissen nachzugehen.
Haben wir etwa schon kapituliert und aufgegeben, das Leben im Kern zu erfahren? Dabei ist das Wesentliche stets einfach: Im Ursprung gibt es nur ein klares Ja zum Leben. Diese Klarheit ist heilsam. Ein Problem zu lösen heißt, seine Ursache kennen. Das Wort deutet es schon an: Es geht dabei um nichts weniger als um die Beschäftigung mit dem Urgrund, also der männlichen und weiblichen Kräfte in der Welt, aus deren Verschmelzung neues Leben entsteht. Es ist dies keine abstrakte Überlegung, sondern eine Reise zum Mittelpunkt der Welt, die den Mensch in seiner Gesamtheit fordert, die unser Verständnis von Frau und Mann ins Wanken bringt.
Das macht uns Menschen – Frauen wie Männern – Angst. Doch da müssen wir hindurch, wenn wir dem Zusammenleben eine neue Ausrichtung und der Menschheit eine Zukunft geben wollen. Herrscht an diesem Punkt Klarheit, gehen wir jetzt direkt zur Sache, in medias res, und öffnen der weiblichen Kraft das Feld.

Wunder der Schöpfung
Am Anbeginn allen Seins
gebar die Ewige Mutter
den Himmel und all die Sterne.
In ihrem heiligen fruchtbaren Schoß
wuchs auch die Erde.
Möge die Große Mutter,
die die Schöpfung tanzt,
die uns mit ihrer heiligen Liebe umarmt,
die unser Leben
mit ihrer heiligen Wahrheit entzündet,
uns segnen
und mit ihrer heilenden Kraft
in die Welt senden,
um diese mit ihrer Gerechtigkeit zu füllen.
Weibliche Kraft als universelle Schöpfungskraft
In medias res heißt, sich in die Mitte der Dinge zu begeben, worin wir die Quelle des Lebens, den Ursprung allen Seins, finden. Von diesem Kraftpol geht alle Bewegung aus; hier verströmt alle Energie in einem ewigen Ausatmen. Der Pol selbst bleibt dabei in Ruhe. Symbolisch wird dieser göttliche Ruhepol seit Urzeiten als Kreis mit Nabe im Mittelpunkt dargestellt. Dieses Symbol als Abbild des Göttlichen ist vielen Menschen geläufig. Doch wer erinnert sich heute noch daran, dass dieser Mittelpunkt, das Zentrum allen Seins weiblich ist?

Im Kreis ist der Mittelpunkt strukturgebend. Er steht für das Göttliche und Urweibliche.
Der vergessene Mittelpunkt des Lebens – die Zahl 13
Wer der weiblichen Kraft auf die Spur kommen möchte, befasse sich mit dem Kreis. Der Kreis ist im weiblichen Lebenskontext ein wesentliches Element der egalitären Ordnung und Verbindung untereinander. Im Kreis ist jeder gleich gut zu sehen und gleich weit vom strukturgebenden Mittelpunkt – der Quelle – entfernt. Der Kreis ist das matriarchale Gegenstück zur Hierarchie männlicher Ordnungssysteme der Über- und Unterordnung. Der Kreis wird nicht von oben, sondern vom Mittelpunkt bestimmt und gehalten. Die Beschäftigung mit dem Mittelpunkt des Kreises führt zu grundlegenden Antworten auf der Suche nach den Geheimnissen des Lebens.
Der Mittelpunkt des Kreises ist das Zentrum urweiblicher Kraft.
Der Kreismittelpunkt lässt sich durch die Zahl 13 ausdrücken. Die Zahl 13 stand daher einst im Zentrum aller Erkenntnis. Heute führt sie ein Schattendasein und macht unübersehbar, dass wir den Mittelpunkt und damit den Ursprung des Lebens vergessen haben. Wie konnte es dazu kommen? Als Unglückszahl wurde sie verunglimpft und es wurde, wie es scheint, mit Nachdruck an ihrem Rufmord gearbeitet. Wie sonst ist es zu erklären, dass in unserer rationalen Welt noch heute in manchen Flugzeugen die 13. Reihe fehlt oder der 13. Stock einfach nicht gezählt wird?
Genauso funktioniert Verdrängung; dies ist auch typisch dafür, dass eine unbestimmte Angst zurückbleibt. Die Zahl 13 wurde als Hexenzahl verunglimpft, und im Mittelalter bestand Lebensgefahr für alle, die sich der alten Bräuche und Zusammenhänge noch erinnerten. Um die positive Beschäftigung mit dem Geheimnis um die Zahl 13 zu verhindern, wurde ein Kult der Angst um diese Zahl gelegt. Ängste zu beschwören ist ein wirksames Mittel der Manipulation, um zu verhindern, dass sich jemals jemand wieder mit dem Verdrängten auseinandersetzt. Angst und Aberglaube betreffend die Zahl 13 befallen auch heute noch viele Menschen, auffällig häufig jene, die sich ansonsten jeder Esoterik oder Spiritualität verweigern. Offensichtlich wurde gründlich gearbeitet, um den Ursprung vergessen zu machen.
Die Spirale ist die treibende Kraft im Universum. Sie zu erinnern heißt, den Zwang zur Geradlinigkeit zugunsten der Lebendigkeit abzulösen.
Motor der Transformation
Gemäß altem mystischen Wissen, etwa aus der Kabbala, ist die Zahl 13 alles andere als eine Unglückszahl, sie ist eine ganz besondere Kraftzahl: Sie öffnet das Tor zum Himmel. Symbolisiert die Zahl 12 als starke Strukturzahl den Kreis, so wird ihre bindende Kraft von der Zahl 13, dem Kreismittelpunkt, aufgelöst. Nicht um Chaos zu erzeugen, sondern um neue Ebenen zu erschließen. Sie ist die Zahl der Transformation. Dank der 13 müssen wir nicht immer nur im Kreis laufen, sondern können Er-Lösung finden.
Als Erlöser verkörpert Jesus Christus die Zahl 13, da diese wiederum für Erlösung steht, weil sie den Kreis auflöst. Er ist die personifizierte Liebe, die ihm aus dem göttlichen Ursprung zufließt und die es ihm erlaubt, die Schuld hinwegzunehmen. Denn im Ursprung gibt es nichts als allumfassende Liebe, davon ist er beseelt. Es gibt Indizien, dass Jesus seine Weisheiten aus einer Geheimlehre der Priesterinnen seiner Zeit gewonnen hat. Christus bedeutet der Gesalbte – seine Salbung erfolgte durch Frauen. In ihm schloss sich der Kreis jedenfalls nicht, weil er die geltenden Dogmen seiner Zeit unhinterfragt beibehielt; vielmehr war es seine Öffnung für die uralten Lebensweisheiten, mit der er den Menschen auf eine höhere Ebene des Bewusstseins verhalf.

Jesus verkörpert die universelle Liebe und war eins mit der weiblichen Kraft.
Das Christusbewusstsein steht in engem Zusammenhang zur Zahl 13. Eins mit der göttlichen Quelle verkörpert Christus die größtmögliche Transformation in Liebe, die die Grenzen von Leben und Tod überwindet und zusammenführt. Die Kraft der Zahl 13 ist die in Raum und Zeit aufgelöste Kreisbewegung, die Dynamik einer Spirale. Die Spirale wiederum ist die Dynamik des Lebens und des Universums schlechthin. Transformation, Wandel, stetige Veränderung, das sind wesentliche Charakteristika des Lebens, die durch die Zahl 13 zum Ausdruck kommen. Wie das Weibliche steht sie für den ewigen Kreislauf des Lebens.
Integrationspunkt
Die Zahl 13 finden wir auf der Erde und auch im Universum wieder – etwa in den Mondzyklen. In manchen Jahren gibt es 13 Vollmonde. 13 Tage braucht der Mond, um zum Neumond und wieder zum Vollmond zu werden, ebenso wie der Fruchtbarkeitszyklus des weiblichen Körpers für die Heranreifung und den Abtransport einer nicht befruchteten Eizelle 13 Tage benötigt. Wird die Eizelle im Eileiter befruchtet, dann wandert sie in die Gebärmutter, um sich dort zu beheimaten. Und auch hier treffen wir wieder auf die Zahl 13! Exakt 13 Tage nach der Befruchtung der Eizelle bildet sich die Nabelschnur zwischen Embryo und Mutter, als Zeichen der Verbindung und der Ankunft neuen Lebens in der Materie. Nach der Verankerung durch die Nabelschnur im Blutkreislauf der Mutter dauert es nochmals 20-mal 13 Tage, bis das Kind bereit ist, das Licht der Welt zu erblicken. Die Zahl 13 steht also für das organische menschliche Leben; sie trägt das Geheimnis des Lebens in sich.
Transformation, Wandel, zyklischer Fluss, das sind wesentliche Charakteristika des Lebens. Diese sind ihrem Wesen nach urweiblich und kristallisieren sich in der Zahl 13.
Die Zahl 13 ist also auf das Engste mit den Vorgängen im weiblichen Körper verbunden. Sie ist die Zahl des Zyklischen und damit des Weiblichen. Es wundert daher nicht, dass sie auch einen unübersehbaren Bezug zum Planeten Venus hat, wie der Naturwissenschaftler, Mathematiker und Autor Mag. Werner Johannes Neuner (*1962) in seinem Modell des Venuscodes etwa in seinem Buch Die Matrix – Der Schlüssel zum Ersten Bewusstsein ausführt. Die Venus ist der Nachbarstern der Erde. Im Laufe von acht Jahren umrundet sie 13-mal die Sonne – dabei zeichnet sie die Form eines Pentagramms. Dieser Fünfstern ist nach acht Erdenjahren und 13 Venusjahren einmal vollständig gezeichnet. Das ist bemerkenswert, denn dies sind genau die Zahlen, die nebeneinander in der Fibonacci-Folge liegen. Dieser berühmte mathematische Code ist die Basis des Goldenen Schnitts, also jener Proportionen, in deren Verhältnis sich alles Leben auf der Erde in der Materie ausbildet. Das Pentagramm der Venus gilt damit als Schutzsymbol der Erde und allen Lebens auf unserem Planeten.
Die Venus als Planet kann von der Erde aus in dreifacher Form gesehen werden: als Morgenstern, als Abendstern und für einige Wochen gar nicht. Sie ist aber auch der Name einer Göttin, die im Bewusstsein der Menschen bis heute für die Liebe steht und bisweilen als Lustobjekt herabgewürdigt wurde. In dieser Doppelfunktion zwischen Planet und göttlicher Kraft liegt der Grund verborgen, warum wir all diese zauberhaften Details über die Strukturen des Lebens nicht mehr wissen. Die Quelle des Lebens war von unserem Bewusstsein abgeschnitten.

Die Doppelhelix der DNA trägt die Informationen des Lebens. Ihre Berührungspunkte in einem Tunnelexperiment ausgeleuchtet, werfen ein Pentagramm.
Der weibliche Urgrund als Quelle des Lebens
Aus den bisherigen Ausführungen erschließt sich bereits, was die Quelle des Lebens ist: Es ist der weibliche Urgrund, aus dem heraus sich alles Leben entwickelt hat. Ohne Vorwissen und spirituelle Suche erschließt sich dies allein durch eine logische Kette. Wenn jedes Lebewesen von einer Mutter geboren wurde, so geht die Reihe zurück von Mutter zu Tochter, Mutter zu Tochter, Mutter zu Tochter – immer gleich, immer anders – bis zum Ursprung des Lebens.
Die Urmutter ist die ewige Mutter allen Seins – von ihr geht alles aus und zu ihr geht alles zurück. Dazu gehört auch die Tatsache, dass alle Menschen in der embryonalen Reifungsphase der ersten sieben Wochen weiblich sind. Das Weibliche ist sozusagen das Ursprungsgeschlecht. Erst danach entscheidet ein Hormonmix im Körper der Mutter, ob sich aus dem weiblichen Urgeschlecht ein weibliches oder männliches Kind weiterentwickelt. Ihrem Ursprung nach sind also alle Menschen weiblich, wie auch die universelle Schöpfungsenergie weiblich ist. Weiblichkeit ist die Grundausrichtung des Lebens.

Im Ursprung ist das Leben weiblich: Hier entspringt Leben immer wieder neu.
Auch heute noch existieren Lebewesen, die sich rein weiblich vermehren. Das legt die Vermutung nahe, dass das Männliche am Beginn der Zeit nicht zwingend vorhanden war; ohne das Weibliche gäbe es jedenfalls kein Leben.
Die Parthenogenese (altgriechisch nαpøevoyéveαiç parthenogenesis, von nαpøśvoç parthenos »Jungfrau« und yéveαiç genesis »Geburt«, »Entstehung«), auch Jungfernzeugung oder Jungferngeburt genannt, ist eine Form der eingeschlechtlichen Fortpflanzung. Dabei entstehen die Nachkommen aus unbefruchteten Eizellen. Das Phänomen ist zum ersten Mal von dem Schweizer Biologen und Philosophen der Aufklärung Charles Bonnet (1720– 1793) beschrieben worden.
Manche Pflanzen und weibliche Tiere wie beispielsweise Blattläuse und Wasserflöhe, aber auch manche Fischund Eidechsenarten, Schnecken sowie vier Schlangenarten können sich eingeschlechtlich fortpflanzen, das heißt ohne von einem männlichen Artgenossen befruchtet zu werden: Durch bestimmte Hormone wird der unbefruchteten Eizelle eine Befruchtungssituation »vorgespielt«, worauf diese sich zu teilen beginnt und zu einem Organismus heranreift. Der Parthenogenese kann entweder eine Meiose mit Eizellenbildung vorausgehen oder sie kann direkt über diploide Keimbahnzellen ablaufen. Bei letzterer findet keine Rekombination statt und die entstandenen Nachkommen sind Klone ihrer Mutter.
Die Welt ist lebensfeindlich geworden in dem Maße, wie das Weibliche als Urgrund allen Seins vergessen wurde.
Der weibliche Körper
Mit der Ehrfurcht und dem Respekt vor dem Wunder des Lebens hat all dies nichts zu tun. Unser Tun lässt die Ehrfurcht und den Respekt vor dem Wunder des Lebens vermissen, weil wir den Ursprung vermissen und den Zugang dorthin verloren haben. Wer ihn finden will, muss innehalten. Er verkörpert das Mysterium des Lebens und ist heilig – oder in den Worten der evangelischen Pastorin Hanna Strack (*1936), wie sie es im Interview beim Online-Kongress Sex, Spirit & Birth im Februar 2016 öffentlich gesagt hat: »Der weibliche Körper ist symbolwürdig für das Göttliche.« Zum Geheimnis des Weiblichen gehört es, dass in seinem Körper neues Leben wächst. Das Wunder aus sich heraus verstehen kann letztlich nur die Frau. Sie verkörperte einst das geheime Wissen und war daher nicht auf Aufzeichnungen oder Schriftstücke angewiesen. Ihre innerweltlichen Erfahrungen drückte sie in schöpferischer Kreativität aus, beispielsweise in universellen Symbolen oder tanzenden Geschichten, wie dies etwa auf Hawaii noch heute anzuschauen ist.
Der Mann war auf Beobachtung, Ableitung, Einweihung in das mystische Weltverständnis angewiesen. Vielleicht gründet hier die Tendenz der Männer, alles aufspalten, aufschneiden, zerlegen zu müssen, um des Geheimnisses Herr zu werden. Aus einer Einbildung des Mangels heraus ist der weibliche Körper ein Symbol der eigenen Unzulänglichkeit für Männer geworden. Damit einher geht eine Abwertung des weiblichen Körpers mit fatalen Folgen. Eine Abwertung des Lebens an sich als selbstverstärkender Effekt trat ein. Zeugung und Geburt sind dabei die zwei Seiten weiblicher Körperlichkeit. Werden diese Pole als Zugänge zur unmittelbaren Lebenserfahrung verbaut, kann sich Leben nur noch in seiner Umkehrung entwickeln. Denn das einst Heilige, das auf Lust und Freude, Austausch, Verbindung und Verschmelzung aus- gerichtete Dasein wird unterbunden. Das Erleben erstarrt, muss moralisch und systemerhaltend vorinterpretiert werden. Veränderung ist dann nur noch gewaltsam möglich und verstellt das Leben als Zyklus heilsamer Wandlungsprozesse. Unter diesen Vorgaben kann Leben nur unter Schmerzen geboren werden und verstrickt sich folglich im Leid. Verhindert wird so ein freudvoller Start ins Leben wie auch das Leben als inspirierende, ekstatische, spirituelle Erfahrung, welche sich aus sich selbst heraus entfaltet. Durch die Unterbindung der weiblichen Sexualität ist der Fluss der Liebe zum Leben unterbrochen, eine Anbindung an die göttliche Erfahrung nur noch durch die Verneinung des Lebens möglich. Dieser Irrweg drängt sich unübersehbar durch die Selbstmordattentäter in unser Bewusstsein, die danach trachten, in lebensverachtender Weise dem Göttlichen näherzukommen.

Mit der Verhüllung des weiblichen Körpers legten sich auch Schleier über die Erkenntnis der Welt.
Die Abwertung des weiblichen Körpers war der Beginn der Abwertung des Lebens an sich.
Die Urmutter als Quelle allen Seins
Der weibliche Körper und Sexualität waren und sind heilig, da sie neues Leben hervorbringen. Die Gebärmutter einer Frau wird zum Universum für das sich entwickelnde Leben in ihrem Bauch. Was liegt näher, als anzunehmen, dass auch das ganze Universum einst aus der Gebärmutter des Lebens geboren wurde? So wundert es nicht, dass Gebärmutter auf Lateinisch Matrix bedeutet, also die Grundstruktur des Lebens vorgibt. In der Matrix des Lebens kann sowohl ein Junge als auch ein Mädchen heranreifen. Der weibliche Körper toleriert also nicht nur das Männliche, sondern integriert es in den eigenen Körper. Die Vorstellung, eine Frau sei während der Schwangerschaft eine Göttin, ist so gesehen mehr als ein schönes Bild. Sie steht in direkter Nachfolge der Urmutter allen Seins, die sowohl männliches wie weibliches Leben hervorbringen kann. Die Urmutter, auch Große Mutter oder Große Göttin genannt, hat viele Namen und wird seit Urzeiten auf allen Kontinenten verehrt. Sie ist reine göttliche Essenz und allumfassende Liebe, die nährende Mutterliebe. Die ewige Mutter offenbart sich in den Gesichtern der Erde, zeigt ihre Kraft und Schönheit allerorten. Sie durchdringt die Materie und belebt die Welt. Die universelle Schöpfungskraft ist die weibliche Kraft, die alles Leben hervorbringt. Am Anfang wie am Ende ist die ewige Mutter allen Seins, die Urmutter, das Alpha und Omega des Lebens. Archäologische Funde von weiblichen Figuren aus der Steinzeit bezeugen, dass das Urweibliche, das in sich den Kreislauf von Leben und Tod, Entstehen, Werden und Vergehen vereint, seit mehr als 30 000 Jahren als die Leben spendende und erhaltende Kraft im Universum betrachtet wird. Jede Lebensform stammt von ihr ab.

Die sogenannten Venusfiguren werden überall auf der Welt gefunden. Sie sind Zeichen der Präsenz des Urweiblichen in einer prähistorischen Epoche.
Die Rückführung allen Lebens auf eine Urmutter wird auch in China, einer der ältesten noch existierenden Zivilisationen der Menschheit, so gesehen. Im chinesischen Weisheitsbuch Daodejing, das um 600 v. Chr. verfasst wurde, heißt es: »Die Welt hat einen Anfang, das ist die Mutter der Welt.« Dementsprechend war zu dieser Zeit das weibliche Prinzip Yin dem männlichen Prinzip Yang vorgelagert. Es liegt nahe, dass der Daoismus – in dem die Harmonie mit der Natur und die Verbundenheit und tiefe Wertschätzung mit allen Wesen als höchste Qualitäten gewertet werden – aus der Verehrung und Weisheit der Großen Göttin, die im Chinesischen Nu Wa heißt, abgeleitet ist. In einer zeitgemäßen Version des Tao Te King aus dem Jahr 2003 heißt es in Vers 6: »Das Tao bezeichnet man als die Große Mutter. Leer, doch unerschöpflich, bringt es unzählige Welten hervor. Es ist immer in dir da.«
Die Vermutung liegt nahe, dass das bekannte Yin-Yang-Symbol einst den schwarzen Punkt im weißen Kreis darstellte und erst im Laufe des Patriarchats die Spaltung erfahren hat, uns seiner Wahrhaftigkeit beraubt und die Harmonie zwischen männlich-weiblich als gleiche Kräfte nur vorgaukelt. Männlich und weiblich sind gleichwertige Kräfte, im Sinne gleichgültiger Kräfte, durch deren Zusammenspiel sich Leben vollzieht. Und doch ist die Kraft des Weiblichen vorgeordnet nicht im Sinne der Rangfolge, sondern als Grundlage allen Seins. Das Weibliche ist die treibende Kraft oder der Boden, auf dem sich Leben entwickeln kann.




