Mit intelligenten Kindern intelligent umgehen

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Übrigens: Der WISC stammt ursprünglich aus dem Amerikanischen, der AID wurde speziell für den deutschsprachigen Raum entwickelt. Beide Verfahren sind an über 2000 deutschsprachigen Kindern geeicht worden.
INTELLIGENZMESSUNG DURCH AID 3 BZW. WISC-V
Zwei der empfohlenen Testverfahren werden hier näher beschrieben. Eltern und Erziehern soll verdeutlicht werden, was genau ein Intelligenztest misst und welche Aussagen aufgrund der Ergebnisse möglich sind.
Pro: individuelles Gespräch mit Verhaltensbeobachtung
Beide Tests laufen als Gespräch (als „Frage- und Antwortspiel“, als „Quiz“) zwischen Kind und Psychologen ab und können nur als Einzeltest durchgeführt werden.
Ein Einzeltest, sprich: eine individuelle Diagnostik, ist einem Gruppentest immer vorzuziehen. Es ist belegt, dass bis zu 50 Prozent der Hochbegabten nicht erkannt werden, wenn ausschließlich Gruppentestverfahren zum Einsatz kommen.
Besonders mit jüngeren (Vorschul-)Kindern sollte immer ein Einzeltest durchgeführt werden.
Für die spätere Gesamtbetrachtung und Beratung der Eltern liefert auch das Verhalten des Kindes während der Testdurchführung wichtige Hinweise.
Zu beiden Testverfahren gibt es einen Beobachtungsbogen, in den der Testausführer seine Beobachtungen eintragen kann.
Beobachtungskriterien sind z.B.:
Wie schnell/wie zögerlich antwortet das Kind? Gibt das Kind für seine Antwort eine Begründung/eine Herleitung? Wie konzentriert/abgelenkt arbeitet das Kind mit? Flüchtigkeitsfehler? Ungenaues Zuhören? Wie reagiert das Kind bei Erfolg/Misserfolg?
Pro: wachsende Aufgabenschwierigkeit
Beide Testverfahren sind so genannte „Power Tests“, bei denen die Aufgabenschwierigkeit variiert wird. Durch sukzessive Erhöhung der Aufgabenschwierigkeit sind sie für die Diagnose Hochbegabung optimal.
Die Unterschiede zwischen hochbegabten und hoch intelligenten Kindern treten bei hoher Aufgabenschwierigkeit deutlicher hervor. Nur bei komplexen Fragen und Problemen erhält man komplexe Antworten.
Hochbegabte tendieren dazu, bei Unterforderung zu verweigern, zu leichte Testaufgaben sind für sie eine Art von Unterforderung. Hochbegabte Kinder steigern regelmäßig ihre Anstrengung mit steigender Schwierigkeit der Aufgaben. Für den Einsatz dieser beiden Tests zur Hochbegabtendiagnostik spricht, dass die Aufgaben weitgehend ohne Zeitlimit vorgegeben werden. Denn: Je höher der Geschwindigkeitsanteil, desto weniger ist ein Test für die Identifikation von intellektueller Hochbegabung geeignet.
„Speed Tests“ (Geschwindigkeitstests) dagegen, bei denen Aufgaben mit gleicher Schwierigkeitsstufe in einem vorgegebenen begrenzten Zeitintervall gelöst werden müssen, erfassen eher die Leistung, ermitteln also Hochleister.
Vorab wird dem Kind erklärt, dass es keinen Zeitdruck gibt und dass die Aufgaben immer schwerer werden, bis sie dann zu schwer und nicht mehr lösbar sind. Eine Formulierung wie „wenn du mit sieben Jahren dann die Aufgaben für Zehnjährige nicht mehr alle schaffst, das ist ja wohl in Ordnung“ nimmt Druck und Frustration aus der Testsituation. Schüchterne Kinder oder Kinder, die Angst haben etwas Falsches zu sagen, blockieren oder resignieren dann nicht.
Nur nebenbei: Eine Formulierung wie „wenn du nicht alles schaffst, ist das nicht schlimm“ ist ungünstig, denn das Wort „schlimm“ ist erst einmal gesagt.
Pro: IQ plus Profil
Neben dem Durchschnittswert (IQ) erhält man ein übersichtliches Profil über die stark, schwach oder normal entwickelten Fähigkeiten des Kindes. Denn zwei Kinder können sich bei gleichem IQ in ihrem Begabungsprofil erheblich voneinander unterscheiden.
Pro: Vergleich Lebensalter - Intelligenzalter
Beide Verfahren ermöglichen für die Faktoren, die die intellektuelle Befähigung ausmachen, einen sehr anschaulichen Vergleich. Sie setzen das Lebensalter in Bezug zu dem Befähigungsalter und stellen dar, welchem durchschnittlichen Alter die Befähigungen des Kindes zum Testzeitpunkt in etwa entsprechen.
DER AID 3-TEST
Der AID 3 misst 12+2 unterschiedliche Intelligenzbereiche. Die Untertests sind zum Teil sprachfrei, zum Teil setzen sie die Beherrschung der deutschen Sprache voraus.
Vergleich: IQ-Werte, T-Werte, Prozentränge
Im AID-Ergebnisbogen (s.u.) stehen am oberen und unteren Rand Zahlen von 19 bis 81. Das sind so genannten T-Werte. T-Werte sind eine andere Darstellungsform und lassen sich leicht in IQ-Werte übertragen.

Ein T-Wert von 50 – ebenso wie ein IQ-Wert von 100 oder ein Prozentrang von 50 – entspricht dem Durchschnitt der Altersgruppe des Kindes. Die jeweilige Altersgruppe deutschsprachiger Kinder stellt den Vergleichsmaßstab dar.
Der Prozentrang 10,9 sagt folgendes aus: 10,9 Prozent der gleichaltrigen Kinder erreichen niedrigere Werte, wogegen 89,1 Prozent in ihren Werten darüber liegen.
Ein IQ-Wert von 130 entspricht dem Prozentrang 97,7. Das heißt, dass nur 2,3 Prozent der gleichaltrigen Kinder höhere Werte haben. 97,7 Prozent der Kinder liegen mit ihrem Intelligenzquotienten darunter.
Untertests im AID 3
1. Alltagswissen
Hier werden Fragen zum Allgemeinwissen gestellt, beispielsweise „Wie viele Kilometer ist die Donau lang?“
→ Gibt an, über wie viel Allgemeinwissen das Kind bereits verfügt.
2. Realitätssicherheit
Dem Kind werden Abbildungen von Gegenständen gezeigt, bei denen jeweils etwas fehlt. Das Kind soll herausfinden, was fehlt.
→ Gibt an, inwieweit das Kind seine Umwelt korrekt wahrnimmt.
3. Angewandtes Rechnen
Dem Kind werden eingekleidete Rechenaufgaben, Textaufgaben, gegeben.
→ Gibt an, inwieweit das Kind seine rechnerischen Fertigkeiten auf konkrete Situationen übertragen und im Alltag anwenden kann. Dies ist ein wichtiger Untertest für die Differenzierung zwischen hoch intelligent und tatsächlicher Hochbegabung: Hochbegabte Kinder erzielen hier in der Regel sehr hohe Werte. Sie lösen Rechenaufgaben, die unbekannt sind und für die sie deshalb noch keine Lösungswege kennen können. Hier kommt ihre Fähigkeit zum Tragen, bei neuen Problemstellungen eigene Lösungsstrategien zu entwickeln.
4. Soziale und sachliche Folgerichtigkeit
Mehrere Bilder, die korrekt geordnet einen Handlungsablauf darstellen, werden dem Kind in einer falschen Reihenfolge vorgegeben. Das Kind soll die Bilder in die richtige Abfolge bringen.
→ Gibt an, inwieweit das Kind dazu in der Lage ist, einzelne Handlungen zu erkennen, richtig zu interpretieren und sie in einen Gesamtzusammenhang einzuordnen.
Dies ist ein wichtiger Untertest für die Differenzierung zwischen hoch intelligent und tatsächlicher Hochbegabung: Hochbegabte zeigen hier aufgrund ihrer hohen sozialen Sensibilität in der Regel höhere Werte. Auch unter qualitativen Gesichtspunkten ist das ein wichtiger Untertest: Nicht selten legen nämlich hochbegabte Kinder „falsche“ Reihenfolgen, falsch im Sinne der vorgegebenen Testlösung. Für die numerische Testauswertung muss also die Lösung als „falsch“ bewertet werden.
Manche Kinder haben auf Nachfrage allerdings eine ausgesprochen plausible Begründung für ihre eigene Reihenfolge. Für die Interpretation des Gesamtergebnisses ist das enorm wichtig: Es deutet darauf hin, dass dieses Kind soziale Handlungen anders als üblich interpretiert. Damit stößt es möglicherweise in seiner Umgebung auf viel Unverständnis.
5. Unmittelbares Reproduzieren
Das Kind muss Zahlenreihen nachsprechen, und zwar sowohl vorwärts als auch rückwärts.
→ Gibt an, inwieweit sich das Kind konzentrieren kann und wie hoch seine Merkfähigkeit im verbal-akustischen Bereich ist.
Dies ist ein wichtiger Untertest für die Differenzierung zwischen hoch intelligent und tatsächlicher Hochbegabung: Je höher der Gesamt-IQ, desto häufiger sind die Ergebnisse rückwärts besser als vorwärts. Hochbegabte Kinder sind im Rückwärts-Nachsprechen deutlich besser als im Vorwärts-Nachsprechen. Möglicherweise ist das schlichte Wiederholen von Zahlen so einfach, dass sich Hochbegabte gar nicht erst anstrengen; dagegen reizt sie die höhere Anforderung „rückwärts“, richtig aufzupassen. Mit wachsender Schwierigkeit werden Hochbegabte oftmals immer interessierter und strengen sich dann mehr an.
6. Synonyme finden
Das Kind soll zu vorgegebenen Wörtern andere Bezeichnungen finden, die dasselbe bedeuten.
→ Gibt an, wie groß der aktive Wortschatz des Kindes ist.
7. Kodieren und Assoziieren
Das Kind erhält einen Arbeitsbogen, auf dem verschiedene Gegenstände abgebildet sind. Eine Vorlage zeigt dem Kind, zu welchem Gegenstand welches Zeichen gehört. Das Kind soll die zugehörigen Zeichen so schnell wie möglich korrekt übertragen. Anschließend sollen die Zeichen frei erinnert werden.
→ Gibt Aufschluss über die Schnelligkeit der Informationsverarbeitung unter vorgegebener Zeit bei einfachen Aufgaben und überprüft die beiläufige Merkfähigkeit.
Dies ist ein wichtiger Untertest für die Differenzierung zwischen hoch intelligent und tatsächlicher Hochbegabung: Bei dieser anspruchslosen Aufgabe, die noch dazu als einzige unter Zeitbegrenzung durchgeführt wird, bringen Hochbegabte regelmäßig nur durchschnittliche Ergebnisse. Gleichförmige, sich wiederholende Aufgaben sind nichts für hochbegabte Kinder.
8. Antizipieren und Kombinieren
Das Kind soll einfarbige Puzzleteile zu einem Gegenstand/einer Figur zusammensetzen. Den Kindern ist nicht bekannt, was das Puzzle darstellen soll (zum Beispiel eine Giraffe).
→ Gibt an, inwieweit das Kind fähig ist, aus Einzelteilen das Ganze zu erkennen und herzustellen.
9. Funktionen abstrahieren
Dem Kind werden zwei Wörter vorgegeben (zum Beispiel Flugzeug und Schiff) und es soll die wesentliche Gemeinsamkeit erkennen (beides sind Fortbewegungsmittel).
→ Gibt an, inwieweit das Kind in der Lage ist, zwei unterschiedliche Dinge in Bezug auf ihre Funktionen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
10. Analysieren und Synthetisieren
Das Kind soll vorgegebene Muster mit Würfeln nachbauen.
→ Gibt an, inwieweit das Kind dazu in der Lage ist, ein System zu analysieren und praktisch anzuwenden.
11. Soziales Erfassen und sachliches Reflektieren
Das Kind hat Fragen zu sozialen Regeln und Gewohnheiten in unserer Gesellschaft zu beantworten, zum Beispiel „Warum liegen Fleisch und Wurst im Supermarkt in einer Kühltruhe? Warum haben Wohnungs- oder Haustüren andere Schlösser als Zimmertüren?“
→ Gibt an, inwieweit das Kind die Hintergründe alltäglicher Begebenheiten und gesellschaftlicher Regeln versteht.
12. Formale Folgerichtigkeit
Das Kind muss mit Plättchen unterschiedlicher Größe, Form und Farbe logische Reihen fortsetzen.
→ Gibt an, inwieweit das Kind in der Lage ist, logische Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und weiter zu führen. Der Untertest misst formal-logisches Denken.
Im rechts abgebildeten AID-Ergebnisbogen sind die Testergebnisse von zwei Kindern eingetragen. Die roten Kreuze gehören zu Kim, die schwarzen zu Joshua. Beide Kinder sind sechs Jahre alt. Beide Kinder haben den gleichen IQ von 127 und sind doch völlig unterschiedlich.
Das Profil ist wichtiger als der IQ-Wert
Joshua zeigt in den kritischen Untertests die typischen Ergebnisse von Hochbegabten. So kann er Zahlenreihen rückwärts besser wiedergeben als vorwärts.
Seine Denkstruktur ist nach unseren hiesigen Maßstäben als ungewöhnlich zu bezeichnen. Seine soziale Intelligenz liegt im Bereich einer Teilhochbegabung. Dies lässt erhebliche Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen erwarten.
Diese Schlussfolgerung wird untermauert durch die Verhaltensbeobachtungen während der eineinhalbstündigen Testdurchführung und durch die Schilderungen der Eltern.
Kim ist ein hoch intelligentes Sonnenscheinchen, bei dem kaum Probleme und sicher sehr gute Schulleistungen zu erwarten sind.
Kurzzusammenfassung:
Joshua ist hochbegabt; Kim ist weit überdurchschnittlich intelligent.

Ergebnisbogen aus dem AID 3-Test (mit freundlicher Genehmigung des Beltz-Verlages)

Ergebnisbogen aus dem AID 3-Test für Tristan Y
Das Testprofil vom sechsjährigen Tristan ist „zackig“, es zeigt extreme Stärken und extreme Schwächen. Das spiegelt sich im IQ jedoch nicht wider. Der IQ, als Durchschnittswert aus allen Untertests, liegt mit 106 im unauffälligen Normalbereich. Dieser IQ-Wert ist zwar das gebräuchlichste Testergebnis, aber oft nur wenig aussagefähig. Die vorhandenen Extreme werden nicht abgebildet.
In dem Testprofil-Ergebnisbogen von Tristan Y. sind weitere Kennwerte angegeben. Der „maximale T-Wert“ (81) gibt den höchsten Messwert an, den Tristan in einem der Untertests erreicht hat. Der „minimale T-Wert“ (20) gibt den niedrigsten Messwert an, den das Kind erreicht hat. Dieser Minimalwert stellt die untere Grenze der Intelligenzquantität da, sozusagen die kognitive Mindestfähigkeit. Die „Range der Intelligenz“ mit 61, also die Differenz zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Messwert, hat bei Tristan einen Prozentrang (PR) von 100. Das heißt, dass nahezu alle vergleichbaren Kinder weniger extreme Werte haben, dass es sich um ein äußerst seltenes Testergebnis handelt.
Der sogenannte „Primär-IQ“ ist der nach der Bedeutung der einzelnen Untertests gewichtete Wert. Der Primärfaktor setzt sich aus den fünf Untertests 1, 3, 6, 9 und 11 zusammen; diese Untertests sind für die Bestimmung der kognitiven Begabung besonders wichtig. Dieser Primär-IQ liegt mit 132 im Bereich der Hochbegabung.
Vergleich Testalter – Befähigungsalter
Eine weitere Darstellungsweise der Testergebnisse ist der Vergleich zwischen Lebensalter und Intelligenzalter. Tristan Y. ist 6 Jahre, 3 Monate alt, das Intelligenzalter in den AID 3-Untertests schwankt zwischen 4 Jahren und 13 Jahren.
Ungefähres Intelligenzalter in Jahren:

DER WISC-V-TEST
Seit September 2007 gibt es den HAWIK IV, der 2011 in WISC-IV umbenannt und neu normiert wurde. 2017 ist der WISC-V mit erweiterten diagnostischen Möglichkeiten erschienen.
Diagnostische Möglichkeiten
• Es gibt sieben Untertests, die standardmäßig zur Ermittlung des IQ ausreichen.
• Es gibt drei weitere Untertests, die für die komplette Ermittlung der fünf Indices benötigt werden. Die sogenannten Indices sind die Hauptfaktoren, aus denen sich die in diesem Test gemessene kognitive Befähigung zusammensetzt: das Sprachverständnis, die visuell-räumliche Verarbeitung, das fluide Schlussfolgern, das Arbeitsgedächtnis und die Verarbeitungsgeschwindigkeit.
• Für tiefergehende Analysen stehen weitere fünf Untertests zur Verfügung. Sie können eingesetzt werden, wenn bestimmte Vermutungen vorhanden sind oder Verhaltensauffälligkeiten vorliegen.
• Es gibt Erweiterungen bewährter Untertests (z.B. beim Zahlen nachsprechen), die bei der Diagnose hilfreich sind.
• Über die in der Übersicht aufgeführten Testergebnisse hinaus können weitere diagnostische Kennwerte ermittelt werden (z.B. die Honorierung von Teilleistungen im Mosaiktest).
Untertests und Indices des WISC-V
MT: Mosaik-Test
Es müssen quadratische Muster mit zweifarbigen Würfeln nachgebaut werden.
→ Erkennen von systematischen Strukturen im anschaulichen Bereich. Anschaulich-analytisches Denken und räumliches Vorstellungsvermögen.
GF: Gemeinsamkeiten finden
Dem Kind wird ein Wortpaar vorgegeben. Es muss die wesentlichen Gemeinsamkeiten finden. „Was ist bei beiden das Gleiche und was unterscheidet die Beiden von allem Anderen?“ Zum Beispiel: Dreirad und Motorrad = beides Transportmittel, Fahrzeuge, Fortbewegungsmittel.
→ Dieser Untertest misst das sprachliche Abstraktionsvermögen, die Genauigkeit im verbalen Denken, die Fähigkeit, zwischen wichtigen und unwichtigen Aspekten zu unterscheiden.
MZ: Matrizen-Test
Mehrere Bilder, die Symbole darstellen, haben eine logische Abfolge. Ein fehlendes Bild ist aus einer Auswahl passend einzufügen.
→ Analytisches und schlussfolgerndes Denken im visuellen Bereich. Formal-logisches Analysieren und Schlussfolgern. Erkennen von logischen Strukturen.
ZN: Zahlen nachsprechen
Ziffernfolgen werden vorgesagt und sollen in gleicher Reihenfolge, in umgekehrter Reihenfolge sowie in aufsteigender Reihenfolge wiederholt werden.
→ Aufmerksamkeit, Kurzzeitgedächtnis, Informationen neuordnen, akustische Merkfähigkeit.
ZST: Zahlen-Symbol-Test
Nach einem vorgegebenen Code müssen Symbole unter eine zufällige Ziffernfolge eingetragen werden. In der jüngeren Arbeitsgruppe müssen Zeichen den Symbolen zugeordnet werden.
→ Visumotorische Koordination, Konzentration und Arbeitstempo, visuelles Kurzzeitgedächtnis bei sinnfreien Arbeiten.
WT: Wortschatz-Test
Das Kind soll den Sinn eines Wortes erklären. Zum Beispiel: „Was ist das Wesentliche an einem Staubsauger?“
→ Hier wird der aktive Wortschatz erfasst, die Sprachflüssigkeit, die Sprachgewandtheit.
FW: Formenwaage (neu)
Abgebildet sind Balkenwaagen, deren Waagschalen mit unterschiedlichen symbolischen Formen im Gleichgewicht gehalten werden. Bei einer Balkenwaage ist eine Waagschale frei. Es soll aus mehreren Antwortmöglichkeiten die Formkombination ausgesucht werden, die diese Waage im Gleichgewicht hält.
→ Logisches und abstraktes Denken, Probleme lösen, fluides Schlussfolgern, addieren und subtrahieren.
VP: Visuelle Puzzles (neu)
Das Kind sieht eine Figur und darunter sechs Puzzleteile. Das Kind muss drei auswählen, mit denen die Figur korrekt zusammengesetzt werden kann.
→ Visuelles Schlussfolgern, abstraktes Analysieren und Zusammensetzen.
BF: Bilderfolgen (neu)
Bilder, meist einfache Gegenstände wie ein Fußball, werden gezeigt. Anschließend sollen sie aus einer größeren Bilderanzahl in der korrekten Reihenfolge erkannt und angegeben werden.
→ Visuelles Arbeitsgedächtnis, visuelles Kurzzeitgedächtnis.
SYS: Symbol-Suche
Vorgegeben Zeichen müssen in einer Reihe ähnlicher Zeichen wiedergefunden werden.
→ Visuelle Wahrnehmungsgeschwindigkeit bei Entscheidungsprozessen, Beobachtungsfähigkeit, Entscheidungsgenauigkeit.
AW: Allgemeines Wissen
Allgemeine Wissensfragen sind zu beantworten. „Wie weit ist die Entfernung zwischen Paris und Kairo?“
→ Erworbenes Wissen/Erfahrungen, Faktenwissen, Langzeitgedächtnis, verbaler Ausdruck.
BZF: Buchstaben-Zahlen-Folgen
Buchstaben und Ziffern werden vorgelesen. Zuerst sind die Ziffern in aufsteigender Reihenfolge und dann die Buchstaben in alphabetischer Reihenfolge zu wiederholen.
→ Kurzzeitige Aufmerksamkeit, akustische Merkfähigkeit mit Umstrukturierungen nach einem anderen logischen System.
DT: Durchstreich-Test
In einem Arbeitsblatt müssen bestimmte Bilder gefunden und markiert werden.
→ Visuelles Verarbeitungstempo, Wiedererkennen.
AV: Allgemeines Verständnis
Fragen zu allgemeinen Regeln oder Prinzipien in sozialen Situationen sind zu beantworten.
→ Dieser Untertest erfasst soziales Bewusstsein. Wie weit werden die Hintergründe von sozialen Spielregeln erfasst, verarbeitet und sinnvoll angewandt?
RD: Rechnerisches Denken
Rechnerische Textaufgaben sind zu lösen.
→ Rechenfähigkeit, Konzentration, Gedächtnis, numerisches Schlussfolgern.
Der Faktor Sprachverständnis (SV) besteht aus Gemeinsamkeiten finden (GF), Wortschatztest (WT), Allgemeines Wissen (AW) und Allgemeines Verständnis (AV).
Der Faktor Visuell-räumliche Verarbeitung (VRV) besteht aus dem Mosaik-Test (MT) und den Visuellen Puzzles (VP).
Der Faktor fluides Schlussfolgern (FS) besteht aus Matrizen-Test (MZ), Formenwaage (FW) und Rechnerisches Denken (RD).
Der Faktor Arbeitsgedächtnis (AGD) besteht aus Zahlen nachsprechen (ZN), Bilderfolgen (BF) und Buchstaben-Zahlen-Folgen (BZF).
Der Faktor Verarbeitungsgeschwindigkeit (VG) besteht aus Zahlen-Symbol-Test (ZST), Symbol-Suche (SYS) und Durchstreichtest (DT).
Auswertung des WISC
Einige Anmerkungen zur Auswertung:
In Tabelle B des Ergebnisbogens (s. Abbildung auf der folgenden Seite) werden für jeden Untertest (die Namen der Untertests stehen in Spalte 1) die Original-Rohwerte eingetragen (2. Spalte), also das Ergebnis, das das Kind erreicht hat. In den nächsten fünf Spalten unter der Überschrift „Wertpunkte“ werden die in Wertpunkte umgewandelten Rohwerte eingetragen und den fünf Faktoren Sprachverständnis (SV), Visuell-räumliche Verarbeitung (VRV), fluides Schlussfolgern (FS), Arbeitsgedächtnis (AGD) und Verarbeitungsgeschwindigkeit (VG) zugeordnet.
In Tabelle C werden die fünf Faktoren und der Gesamt-IQ in ihrem Ergebnis beschrieben. Die in der zweiten Spalte eingetragene Wertpunktsumme wird in IQ-Werte (als „Index-Werte“ in der 3. Spalte bezeichnet) und Prozentränge (4. Spalte) umgerechnet. Das Konfidenzsintervall (letzte Spalte) bedeutet folgendes: Die Intelligenz-Messwerte unterliegen wie alle Messwerte Schwankungen vielfältiger Art. Hier wird angegeben, mit wie viel Prozent Sicherheit (90 Prozent) der tatsächliche IQ-Wert innerhalb welcher Spannbreite liegt. Ein ermittelter IQ-Wert von 139 (1. Zeile) liegt also mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit in dem Bereich 129 bis 142. Das ist eine bedeutsame Hilfe, um den ermittelten IQ-Wert nicht exakter zu interpretieren als er in Wirklichkeit ist. Genauigkeit und Exaktheit, die durch Zahlen suggeriert werden, müssen relativiert werden.

Gesamtauswertung WISC-V-Test eines 12 Jahre und 3 Monate alten Jungen
Urheberrechte bzgl. des Werks „Wechsler Intelligence Scale for Children“, Fifth Edition (WISC-V) © 2014 NCS Pearson, Inc. Urheberrechte für die deutsche Fassung © 2017 NCS Pearson, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Adaptiert und reproduziert durch die Pearson Deutschland GmbH, unter Lizenz durch die NCS Pearson, Inc. „Pearson“, „Wechsler“, „Wechsler Intelligence Scale for Children“ und „WISC” sind geschützte Marken in den Vereinigten Staaten von Amerika und/oder anderen Ländern der Pearson Education, Inc. oder mit ihr verbundenen Unternehmen.
Block D und E sind die graphische Darstellung der zahlenmäßigen Ergebnisse von B und C.
Auf Seite 53 ist der WISC-V-Ergebnisbogen von Paul X abgebildet, der 12 Jahre und 3 Monate alt ist. Zu den Ergebnissen dieses Kindes: Bei einem Gesamt-IQ von 127 gilt Paul nicht als hochbegabt, denn ein IQ von 130 gilt rein zahlenmäßig als Grenze zur Hochbegabung. Auffällig ist der mit 139 hohe Wert im Bereich Sprachverständnis. Hier ist eine sprachliche Hochbegabung zahlenmäßig nachgewiesen. Die Verhaltensbeobachtung untermauert das Fazit, dass Paul hochbegabt ist.



