Kartoffelschaukochen, illegale Kämpferinnen und Krieg

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Albert Reitter, Präsident der Stiftung Mozarteum (sitzend ganz rechts), und Reichsminister Bernhard Rust (sitzend links) lauschen der Sängerin Rosl Schwaiger und der Studentin Ilse Wiedmann auf der Blockflöte.
Die Struktur der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerks wurde der Einteilung der Partei entsprechend in Gau-, Kreis- Block-, Zellen- und Ortsgruppenleiterinnen vorgenommen. Anfänglich hatten die NSF-Führerinnen noch eine sehr schwache Stellung und keine eigenen Befehlsrechte. Disziplinär waren sie ihren männlichen Vorgesetzten unterstellt. Nach massiven Protesten stärkte Reichsorganisationsleiter Gregor Strasser dann aber doch ihre Kompetenzen. Die Gaufrauenschaftsleiterinnen waren nunmehr Mitglieder der Gauleitung und gehörten – zuerst im Rang von Gaufachberaterinnen, dann als Hauptabteilungsleiterinnen – dem Stab des Gauleiters an. Dadurch kam ihnen auch das Recht zu, den ihnen unterstellten NSF-Frauen Anordnungen zu erteilen und in Absprache mit dem Kreisleiter über die Ein- oder Absetzung von Kreisfrauenschaftsleiterinnen zu bestimmen. Die Bedeutungszunahme zeigte sich auch äußerlich. So erhielten alle Frauenschaftsleiterinnen im August 1934, da sie „sinngemäß die Tätigkeit eines Politischen Leiters“ ausübten, einen „allgemeinen Politischen-Leiter-Ausweis – eine Tatsache, die sie nach 1945 vehement abstritten“.34 Sie verfügten spätestens ab 1937 über ein Rangabzeichen und Dienstkostüme. Die Gaufrauenschaftsleiterinnen bezogen ein Gehalt, das je nach Dienstzugehörigkeit zwischen 500 und 745 Reichsmark betrug; dazu kamen Aufwandsentschädigungen von rund 150 bis 200 RM. Damit waren sie hohen Ministerialbeamten oder Landräten finanziell gleichgestellt. Unterhalb der Kreisebene arbeiteten ungefähr 90 Prozent der Frauen aber ehrenamtlich.

Offizielle Abzeichen der NS-Frauenschaft aus dem Organisationsbuch der NSDAP.
Gertrud Scholtz-Klink35 Die Reichsfrauenführerin
Gertrud Treusch36 wurde am 9. Februar 1902 in Adelsheim (im Norden Baden-Württembergs) in eine evangelisch-kleinbürgerliche Familie geboren. Nachdem ihr Vater 1910 verstorben war, zog die Mutter mit ihrer Tochter und ihren beiden Söhnen in das benachbarte Moosbach, wo Gertrud Treusch das Gymnasium bis zur mittleren Reife besuchte. Im Alter von 19 Jahren heiratete sie den Lehrer Eugen Klink, mit dem sie insgesamt fünf Kinder – zwei Töchter und drei Söhne – haben sollte.37 Eugen Klink engagierte sich bereits vor der Machtergreifung für die nationalsozialistische Bewegung, war Mitglied der SA, Kreisredner der NSDAP und kommissarischer NSDAP-Leiter für den Kreis Offenburg. Ab 1930 waren beide Parteimitglieder, im selben Jahr im März starb Eugen Klink auf einer Parteiveranstaltung an einem Herzinfarkt. Der Tod ihres Mannes war ein entscheidender Wendepunkt im Leben von Getrud Klink.

Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink (2.v.r.) bei einem Besuch in Salzburg 1939.
Ab sofort widmete sie sich ganz ihrer Karriere in der NSDAP und wurde im Oktober 1930 Gauleiterin des Deutschen Frauenordens in Baden.38 Als es ein Jahr später zur Schaffung der NS-Frauenschaft kam, konnte sie ihre Stellung halten und wurde Gaufrauenschaftsleiterin für Baden und Hessen. Fortan baute sie ihre Tätigkeiten für die NS-Frauenarbeit kontinuierlich aus. Im August 1932 heiratete sie den Landarzt Günther Scholtz – ebenfalls aktives Mitglied der NSDAP. Er unterstützte zwar die Karriere seiner Frau, als sie aber nach Berlin versetzt wurde, ließ sich das Ehepaar 1937 scheiden. Gertrud Scholtz-Klink heiratete 1940 schließlich ein drittes Mal, und zwar den SS-Obergruppenführer August Heißmeyer, der selbst sechs Kinder in die Ehe mitbrachte und mit dem sie 1944 noch einen Sohn bekam.39 Im Jahr 1944 bestand die Patchwork-Familie Scholtz-Klink-Heißmeyer damit aus Gertrud, August und ihren elf Kindern. Gertrud Scholtz-Klink behielt aber ihren Nachnamen, mit dem sie nun bereits als Reichsfrauenführerin bekannt war.
Die blond-bezopfte, „deutsch“ aussehende Gertrud Scholtz-Klink zeichnete sich nach Ansicht ihrer männlichen Parteigenossen durch einige vorteilhafte Züge wie Anpassungsfähigkeit und Konfliktvermeidung aus – darüber hinaus konnte sie sich der Unterstützung ihrer „Vorzeigefamilie“ sicher sein, die ihr einen Aufstieg in der Frauenschaft ermöglichte. Ihr Ruf einer umgänglichen Frau ohne politischen Ehrgeiz war ein wichtiges Kriterium dafür, dass sie sich als NSF-Leiterin durchsetzen konnte.40 Mit ihrer Ernennung zur Reichsfrauenführerin durch Adolf Hitler im November 1934 war sie die ranghöchste Frau im „Dritten Reich“ und hatte die formelle Stellung eines Reichsleiters inne. Die Reichsleiter wurden von Hitler persönlich ernannt und waren ihm direkt unterstellt – es handelte sich um eine kleine, auserwählte Gruppe. In der Praxis fungierte Gertrud Scholtz-Klink aber mehr als Aushängeschild und blieb Hitler, Reichsminister Rudolf Heß, DAF-Leiter Robert Ley und NSV-Leiter Erich Hilgenfeldt untergeordnet. Sie war der Partei als Propagandafigur dienlich, machte aber keinen politischen Einfluss geltend. Damit entsprach sie ganz jenem nationalsozialistisch propagierten Frauenbild, in dem die Frau die Vorherrschaft des Mannes nicht anzweifelte und ihm Führung in politischen Belangen überließ. Dass dieses Urteil nicht der Komplexität einer ganzen Lebensgeschichte gerecht werden kann, zeigt sich bereits an einer politischen Auseinandersetzung im Jahr 1937: Während Scholtz-Klink die Führerinnen in den Zellen und Blocks als „Leiterinnen“ bezeichnen wollte, sprach ihnen Ley nur ein „Walterinnen“ zu, um die Autorität der männlichen Leiter nicht zu untergraben. Als schließlich Heß die Umbenennung in „Leiterinnen“ vornahm, ohne dies mit Ley abzusprechen, beschwerte dieser sich bei Hitler und warf Scholtz-Klink „gefährliche Emanzipationsbestrebungen“41 vor. Die Reichsfrauenführerin verteidigte sich erfolgreich mit einer achtseitigen Replik. Doch vor allem mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und den wachsenden Anforderungen an die Frauen und die Frauenschaft verlor die Reichsfrauenführerin an Macht und Einfluss. Nichtsdestotrotz blieb sie für viele weiterhin eine schillernde Figur und Vorzeigefrau, die sich bei zahlreichen Veranstaltungen und offiziellen Empfängen in Szene setzte.

Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink bei ihrer Ankunft am 11. Mai 1939 in Salzburg. Begleitet wird sie von der Salzburger Gaufrauenschaftsleiterin Maria Vogl (hinter Scholtz-Klink) und von Martha Warnecke, Hauptabteilungsleiterin in der Reichsfrauenführung.
Am 11. Mai 1939 stattete Gertrud Scholtz-Klink auch der Gauhauptstadt Salzburg einen offiziellen Besuch ab. Nach ihrer Ankunft im Österreichischen Hof (heute Hotel Sacher) besuchte sie die Burg Hohenwerfen und wandte sich, ebenso wie Gauleiter Friedrich Rainer, mit einer Eröffnungsrede an die Salzburger Frauen und die Frauenschaftsleiterinnen. Am Nachmittag unternahm sie eine Fahrt ins Salzkammergut, wo sie in Begleitung des Gauleiters, der Gaufrauenschaftsleiterin Maria Vogl [Biografie S. 94] und anderen Salzburger Führungspersonen in St. Gilgen am Wolfgangsee von den ortsansässigen „Pimpfen“ der Hitlerjugend mit Fanfarengrüßen in Empfang genommen wurde. Abschließend weilte Scholtz-Klink im Weißen Rössl. Ein solch hoher Besuch wurde natürlich medienwirksam inszeniert.
Obwohl Gertrud Scholtz-Klink aufgrund von Krankheiten und Fehlgeburten immer seltener ihren Aufgaben nachgehen konnte und immer mehr ins Abseits gedrängt wurde, hielt sie eisern an ihrer Stellung fest. Ihr Einfluss war aber merklich geschwunden: Führende Männer der Partei wie Ley und Goebbels lehnten sie mit der Zeit zunehmend ab. Von Hitler wurde sie zwar geschätzt, aber nicht mehr direkt zu Frauenbelangen befragt. Ihr Versuch, die NSF und das DFW vollständig zu vereinigen, wurde vereitelt.
Nach dem Ende des Krieges wurde Scholtz-Klink zunächst für tot erklärt, sie hielt sich jedoch bei der befreundeten Prinzessin Pauline zu Wied, Tochter des württembergischen Königs Wilhelm II., auf. Im Februar 1948 wurde sie entdeckt, verhaftet und nach mehreren Verfahren 1950 schließlich zu 30 Monaten Zwangsarbeitslager verurteilt und mit partiellem Berufsverbot belegt. Gertrud Scholtz-Klink hielt an ihren Überzeugungen fest und verteidigte offen die nationalsozialistische (Frauen-)Politik, so auch in ihrem 1978 im rechtsextremen Grabert Verlag veröffentlichten Buch Die Frau im Dritten Reich. Eine Dokumentation.
Die Organisation der NS-Frauenschaft
Im Laufe der Jahre formierten sich in der NSF/DFW elf Hauptabteilungen (und eine eigene Rechtsabteilung, die aber nicht mitbeziffert wurde) mit zahlreichen Unterabteilungen bzw. Sachgebieten.42 Drei Verwaltungsabteilungen – Finanzverwaltung, Geschäftsleitung und Organisation/Personal – waren außerdem für das Funktionieren des Verwaltungsapparates zuständig.
Die Hauptabteilung Presse – Propaganda hatte die Aufgabe, die Arbeit der NSF und des DFW zu bewerben, Mitglieder anzuwerben sowie die wirtschaftlichen, kulturellen und ideologischen Vorstellungen des Nationalsozialismus zu verbreiten und Aufklärungs- und Schulungsmaterial bereitzustellen.
Ein wesentlicher Auftrag der Abteilung Kultur – Erziehung – Schulung umfasste die Indoktrination aller Mitglieder. Sie wurde in zehn Unterbereiche gegliedert, dazu zählte etwa die weltanschauliche und rassenpolitische „Erziehung“, die Leibeserziehung, Musik- und Feiergestaltung, die Pflege von Volkstum/Brauchtum sowie die Mädchen- und Frauenbildung.
In den Jugendgruppen der Frauenschaft und des DFW wurden die 18- beziehungsweise 21- bis 30-jährigen jungen Frauen zusammengefasst, die direkt aus dem BDM kamen und für die Führungspositionen in der NSF prädestiniert waren. Bis 1941 blieb ungeklärt, ob unverheiratete Mädchen im Alter zwischen 18 und 21 beim BDM verbleiben oder bereits ab dem 18. Lebensjahr in die Frauenschaft überstellt werden sollten. Der Salzburger Gauleiter Friedrich Rainer erließ deshalb im August 1941 für Salzburg eine vorläufige Regelung, nach der unverheiratete Frauen zwischen 18 und 21 im BDM-Werk Glaube und Schönheit blieben und erst mit 21 Jahren in die NSF überwiesen wurden.43 Jene, die vor ihrem 21. Lebensjahr heirateten, wurden mit der Hochzeit automatisch Mitglied der Frauenschaft. Die Jugendgruppen engagierten sich etwa in den Mütterschulungskursen, beim Roten Kreuz, beim Luftschutz, bei weiteren Hilfsdiensten sowie beim sogenannten Osteinsatz. Dafür wurden Mitglieder der NSF-Jugendgruppen für einige Wochen oder Monate in Gebiete Polens geschickt, um bei den „volksdeutschen“ Bauernfamilien oder „Ansiedlern“ sowie in Schulen und Kindergärten Hilfe zu leisten.44 Bei den Gemeinschaftsnachmittagen oder -abenden in den Ortsgruppen der Frauenschaft in der Stadt und im Land Salzburg berichteten die jungen Frauen von ihren Erfahrungen und Erlebnissen im „Einsatz“ – zum Beispiel im sogenannten (polnischen) Warthegau, in den viele Salzburgerinnen geschickt wurden. Ob sie in dieser Atmosphäre tatsächlich frei über ihre Eindrücke berichten konnten, lässt sich rückblickend nicht mehr beantworten.

Organisationsplan der Reichsfrauenführung.
In den Kindergruppen der Frauenschaft wurden Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren erfasst, um sie zum ersten Mal in ihrem Leben in eine nationalsozialistische Gemeinschaft einzugliedern und sie dementsprechend zu erziehen.
Im Mütterdienst sollten, soweit wie möglich, alle „deutschen“ Frauen, die entweder bereits Mutter waren oder werden wollten (beziehungsweise konnten und durften), erfasst werden. Mütterschulungskurse dienten dazu, Frauen jeden Alters fachlich zu schulen und auf ihre Hausfrauen- und Mutterpflichten vorzubereiten. In Zusammenarbeit mit dem Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront (DAF) wurden Betriebsmütterschulen eingerichtet, und auch mit der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) arbeitete man zusammen. Durch die Mütterschulungskurse wollte man vor allem auch Gegnerinnen des Nationalsozialismus für sich gewinnen. In den sogenannten schwarzen und roten beziehungsweise christlich-konservativen und sozialdemokratischen oder sozialistischen Gebieten wurden verstärkt Mütterschulungskurse angeboten. Trotz der steigenden Mitgliederzahlen in der Frauenschaft und im Frauenwerk war vor allem die Hebung des zuweilen noch geringen Interesses seitens Bäuerinnen und Arbeiterfrauen ein Anliegen – spätestens im Umfeld der Mobilisierung für den weiblichen „Kriegsdienst“.
In der Hauptabteilung Volkswirtschaft – Hauswirtschaft sollten alle deutschen Hausfrauen zu „angemessenem“ volkswirtschaftlichem Denken und Handeln erzogen werden – zum Beispiel durch Beratungen zum Einkauf, zur Ernährung, zur Essenszubereitung und -aufbewahrung. Die Frauen mussten lernen, „die Forderungen der Volkswirtschaft in Einklang zu bringen mit den Lebensbedürfnissen der deutschen Familie.“45 Dabei arbeitete man auch mit verschiedenen Einrichtungen wie dem Reichsnährstand und dem Reichswirtschaftsministerium zusammen. Besonders bei Nahrungsmittelengpässen standen die NSF-Mitglieder allen Frauen mit Rat und Tat zur Seite. Unter der Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink wurde diese Abteilung neben dem Mütterdienst zum wichtigsten Bereich ausgebaut und die Hauswirtschaftslehre als Berufsausbildung anerkannt.

Die Gattin des japanischen Generalkonsuls Akira Jamaji wird beim Besuch der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Südostdeutschland im April 1940 in Salzburg begrüßt. Dabei betont man die Gemeinsamkeiten des japanischen und deutschen Volkes.
Zur Auslandsarbeit der Hauptabteilung Grenzland – Ausland zählte die Informierung des Auslandes über die Stellung der Frau im Deutschen Reich sowie, umgekehrt, die Aufklärung der deutschen Frauen über die Frauen anderer Länder und „Völker“. In diesem Sinne wurden auch führende Frauen aus dem Ausland eingeladen. Der zweite wichtige Bereich war die Grenzlandarbeit. Diese umfasste die aktive Betreuung deutscher Frauen, die in Grenzgebieten wohnten, sowie die Unterstützung der „volksdeutschen Umsiedler“. Die sogenannten Ansiedlerbetreuerinnen wurden damit beauftragt, den „Volksdeutschen“ die deutschen Sitten, die Sprache und die nationalsozialistische Ideologie näher zu bringen.
Die letzte Hauptabteilung mit der Bezeichnung Hilfsdienst gewann vor allem mit Kriegsbeginn an Bedeutung. Im Mittelpunkt standen die Erziehung und Motivation der Frauen zur aktiven Hilfe am „deutschen Volke“. Unterstützt wurden vor allem kinderreiche Familien, erwerbstätige Frauen mit Kindern und Bäuerinnen. Dies geschah im Rahmen der sogenannten Nachbarschaftshilfe, zu der auch Hilfsarbeiten wie das Nähen in den Nähstuben oder die Einrichtung und Betreuung von Kinderstuben sowie die Wehrmachtsbetreuung, Kranken- und Wohlfahrtspflege zählten.
Bei dieser genauen Abgrenzung handelt es sich natürlich um ein theoretisches Konzept. In der Praxis gingen die Aufgabenbereiche oft ineinander über und NSF/DFW-Mitarbeiterinnen übernahmen mehrere Sachgebiete gleichzeitig. Die Größe des jeweiligen Mitarbeiterinnenstabes war auch den örtlichen Verhältnissen angepasst. Vor allem auf Ortsgruppenebene waren keineswegs immer alle Abteilungen mit eigenen Referentinnen besetzt. Die Aufgabenverteilung unterhalb der „Führerinnen“-Ebene war auch in Salzburg vielerorts nicht streng reglementiert. Zahlreiche Mitglieder der Frauenschaft hatten offiziell mehrere Aufgabenbereiche inne. Hauptsache war, dass die Arbeit erledigt wurde.

Nähkurs der NS-Frauenschaft um 1939.
Die NS-Frauenschaft in Österreich
Nach der Gründung der NSF im Jahr 1931 kam es auch in Österreich zur Errichtung von NS-Frauenschaften. Die Umsetzung hing stark vom Engagement einzelner Frauen ab, woraus sich große lokale und regionale Unterschiede ergaben. In Salzburg rekrutierte etwa die Gaufrauenschaftsleiterin Hanna Riedl [Biografie S. 74] emsig in Stadt und Land Anhängerinnen für die NS-Frauenschaft.
Die Frauen der NSF begannen meist mit Spendensammlungen für notleidende Parteigenoss*innen und mit der Einrichtung von SAKüchen und Nähstuben. Im Falle Wiens ist bekannt, dass Fragebögen verteilt wurden. Die Frauen wurden dahingehend befragt, ob sie Fähigkeiten mitbrachten, um in den SA-Küchen Kochdienste zu leisten oder in den Nähstuben Kleidungsstücke auszubessern und anzufertigen. Zwar hatten die Entwicklungen in Deutschland die Aktivitäten in Österreich nach sich gezogen, doch waren die österreichischen Nationalsozialist*innen um Eigenständigkeit bemüht und wollten sich nichts von (reichs)deutscher Seite vorschreiben lassen.46
Wenngleich die männlichen Parteigenossen mitunter die karitativen Tätigkeiten der Frauen abwerteten, so war ihnen etwa die Bedeutung der von den Frauen gesammelten Spenden durchaus bewusst. Allerdings kam es auch immer wieder zu Konflikten darüber, wer die Mittel verteilen durfte und wofür sie verwendet werden sollten. Zwischen den einzelnen Parteiformationen herrschte ein Kampf um die begrenzte Anzahl an Einnahmequellen. Wichtige Spender*innen ließen sich besonders im „völkischen“ Milieu ausfindig machen. Für die Frauen, die Spenden einsammelten, fertigte man schließlich Ausweise an, um sie zu legitimieren – diese wurden allerdings nur nach restriktiven Kriterien ausgegeben. Jede Sammlung musste vom Bezirksgruppenleiter genehmigt werden und die Frauen mussten genau festlegen, wo genau und für welchen Zweck gesammelt werden sollte. Zu Verwirrungen führte immer wieder die Problematik, dass die Frauenschaften nicht die einzigen waren, die sich im Wohltätigkeitsbereich aktiv zeigten.
Neben dieser parteigebundenen Wohltätigkeit hatten die Frauen offiziell auch Aufklärungs- und Erziehungsarbeit zu leisten. Unter dem Begriff der „Aufklärung“ über hauswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Fragen verstand man vor allem die Propaganda gegen jüdische Geschäftsleute. Im Zuge des sogenannten Rabattsystems wurden Parteimitglieder – vor allem Frauen – dazu aufgerufen, bei bestimmten „arischen“ Kaufleuten einzukaufen. Bereits 1935 erschien ein „Deutsch-Arisches Adressbuch“, sodass kein Irrtum darüber bestehen konnte, in welchen Geschäften man einkaufen sollte. Auch bei antisemitischen Aktionen wie Boykotten von Geschäften sowie bei gewalttätigen Ausschreitungen (z.B. von SA-„Schlägertrupps“) gegen die jüdische Bevölkerung beteiligten sich Frauenschaftsleiterinnen aktiv.

Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte im Stadtzentrum von Hallein, Unterer Markt, 1938.
In Österreich wurde die NSDAP am 19. Juni 1933 verboten und die Zeit danach als „Verbotszeit“ bezeichnet, in der allerdings auch die Frauenschaften durchgehend im Untergrund aktiv blieben. Während dieser „illegalen Zeit“ wurde den nationalsozialistisch gesinnten Frauen in Österreich vor allem seitens des „völkischen“ und deutschnationalen Frauenvereinsmilieus eine breite Kooperationsbereitschaft zuteil. Das Netz der deutschnationalen Frauenbewegung konnte dadurch 1938 problemlos in die nationalsozialistischen Organisationsstrukturen überführt werden. An der Spitze standen auch in der „Ostmark“ die Gau- und Kreisfrauenschaftsleiterinnen. Zu ihren wesentlichen Aufgaben zählten repräsentative Tätigkeiten wie die Organisation von Großveranstaltungen, Ausstellungen, Empfängen sowie organisatorische Angelegenheiten wie die Einrichtung von Mütterschulen oder Dienstbesprechungen, Sprechstunden für die „Volksgenossinnen“, Gaufrauenschaftstreffen oder Zusammenkünfte mit Parteifunktionären. Sie mussten außerdem Berichte an die Reichsfrauenführung oder auch an den Gauleiter übermitteln. Die Aufgaben der Zellenleiterinnen und Blockleiterinnen lagen vor allem darin, Beiträge zu kassieren, Propagandamaterial zu verteilen und eine Verbindung zwischen den einzelnen Mitgliedern und den Frauenschaftsleiterinnen herzustellen. Die Ortsfrauenschaftsleiterinnen waren hingegen „verantwortlich für den kameradschaftlichen Zusammenhalt der [ihnen] anvertrauten Mitglieder“, sie überwachten die Arbeit der einzelnen Abteilungen und hatten „für eine gute Betreuung der einzelnen Mitglieder durch die Block- und Zellenfrauenschaftsleiterinnen zu sorgen.“47 Um diese „Betreuung“ zu gewährleisten, berief jede Ortsfrauenschaftsleiterin mindestens einmal im Monat ihre Mitarbeiterinnen zu einer Arbeitsbesprechung ein und stellte sich im Rahmen von Sprechstunden zur Verfügung. Da sie allen Mitgliedern des NSF/ DFW jederzeit mit Rat und Tat beistehen sollte, erhielt sie den Beinamen „Mutter der Ortsgruppe“.
Die einzelnen Frauenschaften der jeweiligen Gaue im Deutschen Reich verfassten für die Reichsfrauenführung Entstehungsgeschichten und Tätigkeitsberichte. So fertigte etwa die Gaufrauenschaftsleitung Wien eine Gesamtdarstellung der Arbeit der Frauenschaften in der „Ostmark“ an. Zu den anderen österreichischen Gauen wie etwa dem Reichsgau Salzburg liegen keine eigenen Berichte mehr vor; eine allgemeine Gültigkeit der Informationen kann allerdings auch für diese angenommen werden. So wird etwa beschrieben, dass Nationalsozialistinnen in der illegalen Zeit Treffen organisierten, die sie als Mütterschulkurse tarnten.48 Die Frauen konnten im Rahmen vermeintlicher Hausfrauen- und Mütternachmittage Kontakte pflegen und Schulungen durchführen. Diese Möglichkeit zur aktiven Betätigung war vor allem durch das Desinteresse der Regierung an den Aktivitäten der Frauen möglich. Sogar die österreichische nationalsozialistische Frauenzeitschrift Die deutsche Frau konnte während der Verbotszeit weitergeführt werden. Als 1933 jegliche NS-Betätigung untersagt wurde, stellten auch die meisten Zeitschriften der Partei den Betrieb ein, doch Die deutsche Frau erschien Mitte Juli nach wie vor, obwohl darin wenige Wochen zuvor die Bücherverbrennung beworben worden war. Den Untertitel änderte man einfach von Monatszeitschrift der NS-Frauenschaft Österreich in Österreichische Monatsschrift für Frauenfragen. Das Thema „Rasse“ verschwand nach einem Verlagswechsel für eine Weile aus der Zeitschrift und mit betont katholischen und „österreichisch“ anmutenden Themen schützte man sich vor dem Verbot. Doch schon im August 1934, nach fast einem Jahr Pause, fühlte man sich so sicher, dass ein Artikel über „Rassenhygiene“ abgedruckt wurde. Unter dem Vorwand, die Situation von Frauen in verschiedenen Staaten darzulegen, druckte man im März 1934 eine Rede von Goebbels im vollen Wortlaut ab und im November 1935 wurde eine ausführliche Darstellung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ veröffentlicht und ein ähnliches Gesetz für Österreich gefordert. Noch im selben Jahr wurde die Zeitschrift kurzzeitig eingestellt, doch ab 1936 erschien das Nachfolgeorgan Frau und Welt. Der Untertitel Österreichische Illustrierte Monatsschrift wurde beibehalten. Nach und nach wagte man auch in dieser Zeitschrift, wenngleich vorsichtig, die Verbreitung nationalsozialistischer Inhalte. Die Anhängerinnen des Nationalsozialismus konnten also während der gesamten Zeit der Illegalität ein Publikationsorgan in Österreich aufrechterhalten.49 Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung in Österreich konnte die Die deutsche Frau. Die Zeitschrift der nationalsozialistischen Frauen Österreichs auch wieder offen publizieren. Nach dem „Anschluss“ wurde sie aufgelöst und als Beilage Die Ostmark in die NS-Frauenwarte überstellt.50



