Sky-Navy 05 - Das schweigende Schiff

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Sie zogen die Hinterleibsstacheln aus den Trichtern der Sitze, zogen die Schutzhüllen aus den Gürteltaschen der Anzüge und schoben sie auf die Stachelfutterale. Dann zogen sie die Kapuzen aus den Kragen hervor und drückten sie gegen die Halswülste. Als sich die Kontakte schlossen blähten sich die kugeligen Helme auf. Die interne Versorgung aktivierte sich ebenso automatisch, wie die eingebauten Kommunikatoren.
„Hier spricht das Hoch-Wort. Alle überlebenden Besatzungsmitglieder geben ihre Meldung!“ Erst herrschte Schweigen, dann sprachen gleich mehrere Norsun gleichzeitig, bis Buron lautstark anwies, die Meldung in der Rangfolge der Abteilungen abzugeben. Was er und die anderen zu hören bekamen, war erschreckend.
„Hier ist Maasla, niederer Kristallputzer der Hände der Maschine. Ich bin im Gang vor dem Maschinenraum. Das Tor ist geschlossen und ich sehe an seiner Anzeige, dass im Maschinenraum keine Atmosphäre vorhanden ist. Ich… Ich fürchte, dort lebt niemand mehr.“
„Rurod, ausführende Hand der Heilung. Ich bin wohlauf.“
„Hier ist die ausführende Hand der Bionik Kenra. Ich befinde mich im Hauptdepot der Bioniks, zusammen mit drei Wartungshänden. Einer von ihnen ist schwer verletzt und wir könnten Hilfe brauchen.“
Eine Reihe weiterer Meldungen liefen ein und ergaben ein sehr unerfreuliches Bild der Gesamtlage. Von 217 Norsun hatten nur 47 überlebt. Einige von ihnen waren in bedenklicher Lage, weil sie entweder verletzt waren oder von einer gefährlichen Situation bedroht wurden, denn bislang wurde keiner der Brände an Bord bekämpft.
„Bionikerin Kenra, kannst du einige der Bioniks aktivieren und für Rettungsarbeiten programmieren?“, fragte Buron hoffnungsvoll.
Trotz ihrer hohen Vermehrungsrate waren die Verluste der Norsun während ihrer Kriege so hoch, dass sie inzwischen künstliche Soldaten entwickelt hatten. Es waren biomechanische Konstruktionen, welche aus organischen und künstlichen Komponenten zusammengesetzt wurden. Die Norsun verstanden es organische Schaltungen zu züchten, die nicht nur ihrer Programmierung folgten, sondern auch lernfähig waren. Man nannte die künstlichen Helfer Bioniks und konnte sie nicht nur für den eigentlichen Kampf, sondern auch für Unterstützungsaufgaben einsetzen. Äußerlich unterschieden sie sich kaum von ihren Herren, allerdings fehlten deren Pheromonfühler.
Die Herndaskar verfügte über dreihundert dieser Einheiten, die desaktiviert in zwei Depots gelagert wurden.
Kenra war eines der wenigen Weibchen an Bord des Schiffes und für Wartung, Programmierung und den Einsatz der Bioniks zuständig. Der Umgang mit diesen Konstruktionen war diffizil, vor allem aufgrund der richtigen Einstellung der biologischen Schaltplatinen.
Der Stimme der Bionikerin war eine gewisse Verärgerung anzuhören. „Das könnte ich, Hoch-Wort, wenn mir genug Energie für die Programm- und Wartungseinheiten zur Verfügung stehen würde. Besorg mir Energie, Herr, und ich gebe dir die hilfreichen Hände meiner Bioniks.“
Buron´s Rüssel zog sich voller Frustration ein wenig zusammen. Es gefiel ihm nicht, dass Kenra eine tiefere Beziehung zu den Bioniks zu empfinden schien, als für die männlichen Angehörigen der Besatzung. Selbst ihn, das Hoch-Wort des Schiffes, hatte sie schon abgewiesen. „Ihr müsst im Wartungsbereich Kristallspeicher und Energielader für die Bioniks verfügbar haben. Sicher lässt sich etwas zusammenbauen, mit dem ihr die Programm- und Wartungseinheit versorgen könnt.“
„Wir werden unser Möglichstes tun, Herr“, versicherte Kenra.
Buron trat an die Konsole eines der einfachen Techniker. „Nun, Hand, wie sieht es aus?“
„Ich konnte meine Konsole neu starten und lasse die Systemanalyse laufen. Es steht nicht gut, Herr. Viele Routinen der Unterprogramme reagieren nicht. Mit Sicherheit können wir keines der wichtigen Schiffsysteme von hier aus starten. Nicht ohne Hauptenergie.“
Die ausführende Hand der Maschine nickte zu den Worten seines Untergebenen zustimmend mit den Fühlern. Der Norsun deutete zu den wenigen transparenten Scheiben, die sich am oberen Rand der Zentrale entlangzogen und den Ausblick in den Weltraum ermöglichten. „Herr, wir sind ohne Antrieb und ohne Fühler. Wenn uns ein weiteres Objekt bedroht, so können wir nicht reagieren und ausweichen.“
Buron stieß einen schnalzenden Laut aus. „Dann werden wir dafür sorgen, dass wir wieder Energie bekommen. Ausführende Hand des Schiffes und Hand der Seher, ihr bleibt hier. Hand der Maschine, du bleibt bei deiner Konsole. Sprecher und Stecher, ihr folgt mir. Wir gehen zum Maschinenraum und untersuchen dabei das Schiff auf das Ausmaß der Schäden. Da die Schwerkraft ausgefallen ist, gilt dies auch für die Lebenserhaltung. Unsere Anzüge können uns nur begrenzt versorgen. Wir müssen schnellsten eine Notversorgung sicherstellen.“
Die Verluste an Leben waren Buron weitestgehend bekannt. Als Norsun hatte er gelernt diese zu akzeptieren. Weit wichtiger war für ihn der Zustand des Schiffes, denn dieser entschied über die Zukunft der Überlebenden.
Buron und seine Begleiter benutzten den Nothebel, um das Tor der Zentrale zu öffnen. Die beiden Hälften der achteckigen Konstruktion begannen sich unten zu teilen und klappten dann, wie die Teile einer Schere, auseinander, bis sie in den Deckenhalterungen einrasteten.
Im dahinterliegenden Gang brannten nur wenige Notlichter. Sie schalteten die Kragenscheinwerfer ein und gingen in Richtung auf den Schacht, über den sie das mittlere Hauptdeck erreichen konnten. Dort führten zwei Gänge gradlinig in die Heckkugel mit den Maschinenräumen. Die gläsernen Gänge des mittleren Rumpfteils waren ein Teil dieser Wege. Innerhalb des Schachtes gab es keine Liftkabine, doch das war kein Problem. Die Konstruktion der Norsun besaß eine Art Teleskopstange mit angerauter Oberfläche. Dass man vom oberen Pol der Bugkugel bis hinunter zu ihrem unteren sehen konnte, störte keinen der Norsun, denn sie kannten keine Höhenangst.
Sie kletterten die Stange hinunter bis sie die Höhe des Hauptdecks erreichten und ignorierten dabei den zerschmetterten Leib eines Besatzungsmitglieds, den sie weit unter sich im schwachen Glimmen einer Notlampe erkannten. Sie schwangen sich aus der Schachtöffnung und sahen sich um.
Der Gang war ringförmig angelegt und führte um den Äquator der Bugkugel. An seinen Seiten befanden sich die Tore, die zu verschiedenen Räumen führten. Obwohl der Gang nahe der Außenhülle lag, gab es keine Korridore, die in das Zentrum der Kugel führten. Es war eine Eigenheit der Hantelschiffe, dass der Kernbereich nur durch Tore in den innen liegenden Räumen erreicht werden konnte.
In der Bugkugel befanden sich überwiegend die Aufenthaltsräume und Quartiere der Besatzung, Nahrungsmittellager und Wassertanks, die medizinische Abteilung, einige Labore und dergleichen. In zwei großen Depots wurden die bionischen Kunstwesen gelagert.
An der Verbindung zum Mittelteil gab es auf dem Hauptdeck zwei Zwischenschleusen, die den Zutritt in die beiden gläsernen Gänge ermöglichten, die an den Außenseiten des Mittelteils entlang zur Heckkugel führten. Die Trennschotts des äquatorialen Rundgangs waren geschlossen. Über dem einen glühte ein warnendes Licht, dass jenseits des Tores Druckabfall signalisierte.
„Wir sollten erst Rurod aus der Heilerabteilung befreien“, schlug Tisson vor. „Dann können wir jene Verletzten versorgen, die wir noch lebend vorfinden.“
„Solange wir keine Energie bekommen wäre das Zeitverschwendung“, lehnte Buron ab. „Das Schiff geht vor, denn ohne das Schiff versagen wir alle.“
Es gab keine Diskussion, denn die Entscheidung des Kommandanten stand fest. Sie wandten sich dem intakten Gang zu, der zum Heck führte.
In ihren Helmen waren zunehmend die Stimmen von Überlebenden zu hören. Einige hatten sich mit eigener Kraft aus den verschlossenen Räumen befreit und halfen nun den anderen.
„Kümmert euch um die Brände und Schäden“, befahl Buron ihnen über das Helmsprechgerät, „und redet nur, wenn es erforderlich ist. Euer Gezirpe hallt durch das ganze Schiff“, behauptete er, um seinen Unmut auszudrücken. „Vergeudet eure Kraft also nicht und konzentriert euch auf das, was getan werden muss.“
Abgesehen von Toren, über denen das Warnlicht auf fehlende Atmosphäre hinwies, bekamen sie keine Schäden zu Gesicht, als sie durch den intakten gläsernen Gang liefen. Als sie durch die lange Front der Panoramascheiben hinaus blickten, sahen sie nur wenige Sterne, dafür jedoch einen gewaltigen Gesteinsbrocken, der nur wenige hundert Meter neben dem Schiff trieb.
„Wir brauchen Energie“, sagte der Seher nervös. „Wir brauchen die Triebwerke.“
Der Sprecher zirpte amüsiert. „Das ist die Absicht des Hoch-Wortes.“
Sie erreichten den Äquatorgang der Heckkugel. Hier befanden sich die Lagerräume, Energiestationen und der große Maschinenraum im Zentrum, der sich über mehrere Decks erstreckte. Aufgrund der Nähe zur Energiequelle waren hier auch die Kälteschlafkammern installiert, zu denen eine kleine medizinische Abteilung gehörte.
Am anderen Ende des gläsernen Gangs trafen sie auf ein weiteres geschlossenes Sicherheitsschott. Das Licht zeigte dahinter Atmosphäre, also öffneten sie. Nur wenige Meter entfernt befand sich das ebenso geschlossene Gegenstück. Sein Licht blinkte warnend.
„Offensichtlich erreichen wir nun die Räume, in denen es keine Luft gibt“, stellte Buron fest. „Schließt das hintere Tor, damit die Luft aus der Schleuse abgelassen werden kann. Nun werden wir endlich sehen, was in der Heckkugel geschehen ist.“
Im Licht ihrer Scheinwerfer öffnete Tisson die Klappe, hinter der sich die Hebel und Ventile der Notsteuerung verbargen. Augenblicke später war die kleine Schleuse luftleer und sie konnten das Tor zum anderen Bereich des Äquatorgangs öffnen. Hier gab es keine Notlichter, doch das war auch nicht erforderlich. Wenige Meter vor ihnen klaffte ein unregelmäßiges Loch in der Wandung des Mittelteils. Das Metall war von der Gewalt des Durchschlags extrem erhitzt worden und die Ränder glühten unheilvoll. Auf der gegenüberliegenden Seite führte ein mehrere Meter durchmessender Tunnel mit sanfter Steigung durch die Heckkugel hindurch. Streben und Rumpfplatten waren geborsten, zerstörte Versorgungsleitungen und Kabelstränge ragten dazwischen hervor. Auch hier waren Glut und sprühende Funken zu sehen.
Buron erkannte mehrere große Blutflecken am Boden und am Rand des Tunnels. Sie waren das Einzige, was auf den Tod eines Besatzungsmitgliedes hinwies. Jenseits der Biegung des Gangs war unruhiger Lichtschein zu erkennen. Wenig später tauchten zwei Norsun in Raumanzügen auf.
„Maasla“, stellte sich der eine vor.
„Der niedere Kristallputzer“, erinnerte sich Buron. „Wie ich sehe hast du noch einen weiteren Putzer gefunden.“
„Ich bin eine Hand und kein Kristallputzer“, protestierte der andere. Der Standesdünkel des Maschinisten gegenüber einfachen Hilfskräften war nicht zu überhören. Im Volk der Norsun war es weit verbreitet und wurde unterstützt, denn es spornte zu besonderen Leistungen und Aufstieg im hierarchischen System an.
„Habt ihr einen freien Zugang zum Maschinenraum gefunden?“, fragte Buron.
„Viele Zugänge, Herr“, behauptete Maasla. Obwohl er unter einer Hand stand, schien er der Wortführer der beiden Überlebenden zu sein. „Was uns traf, das hat ein langes Loch durch unser Schiff gegraben. Eine Seite des Maschinenraums wurde derart aufgerissen, dass wir ihn dort mühelos betreten können.“
„Aber es ist gefährlich“, schränkte die Hand ein. „Scharfkantige Trümmer, zerfetzte Kabel, die noch unter Energie stehen…“
Buron hob die Hand und gebot Schweigen. „Sehen wir uns dort um.“
„Meine Hand folgt deinem Willen, Hoch-Wort“, versicherte der Maschinist zögernd.
Kristallputzer Maasla schien über mehr Mut zu verfügen als sein Begleiter, denn er wandte sich bereits um und führte die Gruppe den zu einem der Tore des Maschinenraums. Dieses war aus seiner Führung gedrückt worden und ragte in den Gang hinein, die umgebende Wand war verzogen und wies Spuren auf, als habe man sie von der anderen Seite mit enormen Schlägen bearbeitet.
Sie zwängten sich vorsichtig zwischen den Torhälften hindurch. Nach rechts erstreckte sich die schreckliche Wunde, die der Erzklumpen geschlagen hatte. Vor ihnen lag die Krümmung der Außenwand des Maschinenraums. Hier, in Höhe des Äquators, war sie aufgeschlitzt worden und man konnte zwischen den zerfetzten Metallrändern in den Maschinenraum hineinblicken. Die starken Lichtkegel der Scheinwerfer offenbarten, welcher Schaden dort entstanden war.
Der Maschinenraum wies die Grundform einer Kugel auf und erstreckte sich über zwölf Decks. Im Abstand von drei Decks gab es eine umlaufende Galerie. Kern der Anlage war der aufragende Zylinder des riesigen Reaktors. Sein pulsierendes Leuchten war erloschen, denn mit den auftretenden Kurzschlüssen in den Hauptleitungen war es zur Notabschaltung gekommen. Um den Reaktor bildeten zwei Reihen schlanker Kristallsäulen einen doppelten Ring. In ihnen wurde jene Energie zwischengespeichert, die vom Reaktor produziert, aber nicht unmittelbar abgerufen wurde. Diese Kristallsäulen speisten auch das Transit-Triebwerk des Schiffes. Zwei der Säulen erstrahlten in hellem Blau und zeigten die volle Ladung an, drei weitere glommen schwach, die übrig dreißig waren matt und enthielten keine Ladung.
Als sich die Katastrophe ereignete hatte keiner der Norsun im Maschinenraum seinen Anzug geschlossen. Alle dreiundfünfzig waren bei der explosiven Dekompression ums Leben gekommen. Der Luftsog hatte die meisten, ebenso wie fast alle losen Gegenstände, mit sich aus dem Schiff gerissen. Einige der Leichen waren zwischen Maschinenteilen verkeilt. Ihre aufgeplatzten Leiber wurden nur noch von den Anzügen zusammengehalten.
Buron gab seinen Gefährten einen Wink, schaltete seine Magnete ab und ließ sich langsam durch den Riss in den Maschinenraum treiben. Nun gewann er einen besseren Überblick und was er sah, bestätigte seine schlimmsten Befürchtungen. Ein Teil der Anlage war durch Kurzschlüsse zerstört worden. In einem Umfang, der eine Reparatur unmöglich machte.
„Hoch-Wort an alle Besatzungsmitglieder“, wandte sich Buron an die Überlebenden. „Das Bekämpfen der Kurzschlüsse hat oberste Priorität. Alle beschädigten Energieverbraucher sind von der Versorgung abzutrennen. Anschließend werden alle Hände die Schäden im Maschinenraum begutachten und beheben, soweit dies möglich ist. Lebenserhaltung und Schwerkraft haben Priorität. Ich erwarte in einem Kleinzyklus die Berichte der ausführenden Hände.“
Für die siebenundvierzig überlebenden Norsun begann eine extrem anstrengende Periode, in der sie alles versuchten, ihr Schiff zu retten. Inzwischen waren alle aus den Räumen befreit worden und die Verletzten wurden auf der Heilerstation versorgt. Wer keine zu schweren Wunden erlitten hatte wurde sofort an die Arbeit geschickt. Das Schiff ging vor, denn es war ihre einzige Hoffnung auf Rettung. Solange es Kurzschlüsse im Energiesystem gab konnte der Reaktor nicht neu aktiviert werden und sie waren bis dahin auf die gespeicherte Energie der Kristallsäulen angewiesen. Drei Kristallputzer wurden abgestellt, die Säulen fortwährend zu polieren, damit kein Quäntchen Energie durch Verunreinigungen der Oberflächen verloren ging. Der Versuch, die Schiffshülle wieder zu versiegeln, um die Herndaskar wieder vollständig mit Atmosphäre zu versorgen, war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Es gab nicht genug Ersatzmaterial, um es über die Durchschlagsöffnungen im Rumpf zu schweißen.
Nach Ablauf eines Kleinzyklus versammelte Buron die Überlebenden in der Zentrale des Schiffes. Inzwischen zeichnete sich ab, welche Möglichkeiten den Norsun verblieben. Es lag am Kommandanten, die entsprechenden Entscheidungen zu fällen und zu verkünden.
Buron musste sich dabei auf das Wort von Maasla verlassen. Obwohl er nur ein niederer Kristallputzer war und zwei Hände der Maschine überlebt hatten, zeigte Maasla den größten Sachverstand. Er hatte die Schäden im Schiff unermüdlich untersucht und es war ihm, mit der Unterstützung anderer, gelungen, mehrere kleine Wunder zu vollbringen. Die Lebenserhaltung und die künstliche Schwerkraft funktionierten wieder und in den wichtigen Räumen war die Hauptbeleuchtung eingeschaltet. Nun musste Maasla den Übrigen jedoch ein paar bittere Wahrheiten verkünden.
„Ich habe den Reaktor und die Speicherkristalle sorgfältig untersucht. Ebenso alle wichtigen Maschinen und die Antriebe.“ Der Kristallputzer sah die Blicke der anderen auf sich gerichtet und knickte bedauernd die Fühler nach vorne. „Die Schäden sind schwerer als zunächst gedacht. Wir können den Reaktor nicht reaktivieren, womit uns nur die Energie in den noch intakten Speichersäulen bleibt. Es ist zu wenig, um damit die Triebwerke zu starten. Die Herndaskar ist gestrandet und nicht mehr als ein Wrack.“
„Ich bezweifle sein Wort“, sagte Tisson prompt. „Was versteht ein niederer Kristallputzer schon von den Seelen der Maschinen?“
„Offensichtlich mehr als die Hände der Maschine“, wehrte Buron die Kritik ab. Er sah die überlebenden Techniker grimmig an. „Ich frage mich, welchen Nutzen sie für uns haben.“
„Die ausführende Hand der Maschine hat ihr Wissen stets vor uns verborgen“, behauptete einer der beiden. „Maasla war klug, da er der ausführenden Hand heimlich auf die Finger sah.“
Buron überlegte. Das konnte stimmen. In der Hierarchie der Norsun versuchten die meisten, ein Aufsteigen der niederen Ränge zu verhindern, damit diese ihnen die Position nicht streitig machen konnten. So war das Wissen des Einzelnen oft ausgesprochen spezialisiert.
„Dann müssen wir um Hilfe rufen“, meldete sich ein Norsun zu Wort. „Die Energie wird doch genügen bis uns die Schiffe des Volkes erreichen, nicht wahr?“
Buron sah den ausführenden Sprecher auffordernd an. Der deutete auf die Konsole des Funkgerätes. „Das Fernsprechgerät ist schwer beschädigt. Es ist mir gelungen es so weit zu reparieren, dass wir einen Notruf absetzen können. Allerdings nur einen sehr kurzen und nur einen einzigen. Die Bionik-Platinen werden der Belastung eines Spruchs nur kurz standhalten. Wird dieser nicht gehört, dann sind wir verloren.“
„Ich halte deine Wort für wahr, aber für unangemessen“, wandte Tisson ein. Die ausführende Hand der Stecher stand neben der nutzlosen Waffenkontrolle. „Auch wenn man unseren Notruf nicht empfangen würde, so ist es eine Tatsache, dass die Herndaskar als Prototyp ein sehr wertvolles Schiff für das Stammvolk ist. Wenn wir schweigen, so wird man sie nicht einfach verloren geben, sondern nach ihr suchen.“
„Ich halte dies für überlegt und angemessen“, stimmte Buron zu. „Man wird auf jeden Fall nach uns suchen und das Stammvolk kennt die Sektoren, in denen wir unsere Tests durchgeführt haben. Das Suchgebiet ist groß, aber früher oder später wird man uns finden und retten.“
Rurod, die einzige überlebende Hand der Heilung, zirpte zweifelnd. „Die Frage ist nur, Hoch-Wort, ob unsere Energie ausreichend ist, die Lebenserhaltungssysteme so lange am Laufen zu halten.“
„Maasla?“
Der gab das Äquivalent eines Seufzers von sich. „Zwei Mittelzyklen, dann versiegt die Energie.“
„Zwei Mittelzyklen?“ Diese Information erschreckte selbst Buron.
Kenra, die Bionikerin, brachte es auf den Punkt. „Dann sind wir tot, lange bevor Hilfe eintrifft.“
„Das halte ich für unüberlegt und unangemessen“, widersprach der Heiler. Rurod zog damit die Aufmerksamkeit auf sich. „Wir haben ausreichend Schlafkammern an Bord. Sie verbrauchen nur sehr wenig Energie und der Kälteschlaf hält uns über viele Langzyklen am Leben.“
„Wir sind nur noch Siebenundvierzig“, überlegte Kenra. „Ich halte die Worte von Rurod für angemessen. Da wir nur noch wenige Schlafkammern benötigen, würde die vorhandene Energie für ihren Betrieb sehr lange ausreichen.“
„Ich spreche das Wort.“ Buron hob die Hände. „Der Sprecher wird einen Notruf an das Stammvolk absetzen. Die anderen bereiten die Schlafkammern vor. Sobald der Notruf ausgestrahlt wird, begeben wir uns in den Kälteschlaf und warten auf unsere Rettung.“
Der Sprecher behielt recht. Er konnte kaum mehr als den Namen des Schiffes und einen Teil der Raumkoordinaten nennen, als die Bionik-Platinen seines Funkgerätes zerfielen.
Die Norsun machten sich daran, alle Geräte abzuschalten und Maasla und die beiden Hände der Maschine beaufsichtigte die Sorgfalt, mit der alle verbliebene Energie für die Schlafkammern bereitgestellt wurde. Der Heiler und die Bionikerin programmierten die Kammern mit aller Sorgfalt. Dann begaben sich die Überlebenden in den kalten Schlaf, während das Schiff in Dunkelheit und Schweigen versank.
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