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Chihuahua sah den alten Mann nachdenklich an. „Sie könnten dem anderen Weg nach Süden folgen”, entgegnete er schließlich. „Er ist mit den Pferden leichter zu bewältigen als dieser.” Und nach einer Pause meinte er: „Sie werden die Truppen nicht aufteilen, um Naiche mit seinen Leute und uns zu jagen. Wenn sie weiterreiten, werden sie entweder hinter uns oder hinter den anderen her sein.”
Nana nickte und spielte mit einem Grashalm zwischen seinen Zähnen.
„Wir werden es heute Nacht oder morgen erfahren”, sagte Josanie. „Galeana ist dort hinten.” Er deutete mit seinem Kinn die Schlucht hinunter.
Galeana kam nach Einbruch der Dunkelheit angeritten, bevor der Mond über den östlichen Rand der Schlucht geklettert war. Ein Dutzend Feuer brannten. Schnell war er von Männern umringt. Sein Pferd, ein Rotbrauner, den sie einen Tag zuvor auf einer der Ranches südwestlich von Clifton erbeutet hatten, war scheu und noch nicht an Apachen und den aus einem einzelnen Lasso bestehenden Zaumzeug gewöhnt, der um seinen Unterkiefer gebunden war. Galeana hielt ihn fest, nachdem er abgestiegen war.
„Sie sind uns gefolgt”, sagte er. „Dieselbe Gruppe. Ihr Nachtlager ist an einer Quelle eine Strecke stromabwärts von der Stelle, wo wir letzte Nacht waren. Ich habe die Scouts gezählt. Zwölf, White Mountain Apachen. Der weiße Mann Gatewood ist bei ihnen. Sie lagern getrennt. Zwei Trupps aus dem Fort sind dort. Wir kennen den Offizier. Smith.”
Schweigen. Dann meinte Nana mit leisem Lachen: „Sie halten uns für gefährlicher als Geronimo und Naiche.”
„Gibt es eine Möglichkeit, ihre Pferde wegzutreiben?”, fragte Josanie.
„Nein. Sie lagern an einer schmalen Stelle, und sie haben Wachen aufgestellt. Ich kam nicht an ihnen vorbei. Ich habe es versucht. Ihre Pferde und Maultiere sind südlich des Camps.”
Die Männer standen schweigend da und dachten nach. Endlich sprach Nana: „Es gibt gute Plätze für einen Hinterhalt auf dem Blue. Einer befindet sich nur eine Meile unterhalb der Stelle, an der wir letzte Nacht unser Lager hatten.“
Einige Männer brummten zustimmend. „Ich kenne den Ort”, erwiderte Josanie, „Die Armeescouts nicht.”
„Ich möchte, dass du gehst”, sagte Chihuahua. „Halt sie auf. Treib sie zurück, wenn du kannst.”
„Hm, ja”, sagte Josanie. Und nach einer Pause: „Ich nehme sechs Männer. Mit ihm”, er wies mit dem Kinn auf Galeana, „und mit Zele, der noch dort unten ist, sind wir neun. Genug.” Er berührte den Arm seines Bruders.
Dann drehte er sich zu den Männern um und fragte: „Wer kommt mit mir?”
Einige nannten ihre Namen. „Es ist gut”, sagte Chihuahua. „Wir verlassen diesen Platz bei Tagesanbruch und ziehen zu jenem niedrigen Bergrücken auf der Ostseite. Wir überqueren ihn und warten dort auf euch. Wenn wir dort nicht bleiben können, gehen wir südlich der Bergbaustadt über den Fluss und folgen dem Whitewater Bach.”
So wurde es beschlossen. Josanie und sieben Männer ritten gegen Mitternacht unter einem glühenden Mond aus dem Lager. Sie legten die elf Meilen langsam zurück und ließen die Pferde den Weg selbst wählen. Sie hatten sich für den bevorstehenden Kampf entkleidet, jeder trug nur seine Mokassinstiefel und einen Lendenschurz aus Kaliko. Ihre Gesichter waren unterhalb der Augen mit einer weißen Linie bemalt. Die meisten hatten blaue Stirnbänder, aber drei von ihnen trugen über ihrem fließenden, schwarzen Haar lederne Kriegshauben. Diese Haube war mit Federn versehen und wurden unter dem Kinn zusammen gebunden. Manche Männer hatten zum Schutz Medizinschnüre diagonal über den Oberkörper gezogen. Sie enthielten godiyo, heilige Kraft. Jeder trug einen an seinem Patronengurt befestigten Medizinbeutel mit Hoddentin, geweihtem Pollen, und kleinen Medizinobjekten. Alle hatten Gewehre, die Hälfte davon waren Springfield Einschüsser Kaliber 45-70 Armeemuster, die anderen Henrys und Winchesters mit Hebelfunktion. Auf Josanies Oberschenkeln ruhte eine Sharps-Borchardt Kaliber 45-70. Nur Tsach trug zusätzlich einen Bogen und einen Köcher mit Pfeilen.
Als sie noch meilenweit entfernt waren, konnten sie bereits die Feuer des Soldatenbiwaks riechen. Galeana führte sie zu einer abgeschiedenen Stelle, wo Zeles Pferd hinter Felsblöcken verborgen war.
Sie stiegen ab und ließen ihre Tiere ohne Wächter zurück. Schweigend schritten sie stromabwärts, an drei alten Cottonwood-Bäumen vorbei und um eine Biegung herum. Dort erwartete sie Zele. Sie gingen weiter und nahmen ihre Positionen für den Hinterhalt ein. Das feindliche Camp befand sich hinter einer weiteren Biegung außer Sichtweite. Der Mond wanderte weiter, und die Nacht neigte sich dem Morgen entgegen.
Die Luft war kalt, aber die Männer beachteten es nicht. Josanie saß zwanzig Fuß über dem Talboden in einer Felsspalte. Unter ihm war die Schlucht ungefähr fünfzig Fuß breit und mit Kies, Sand und Geröll bedeckt, und ein seichter Bach schlängelte sich hindurch. Über einen Felsvorsprung hinweg konnte er in ein kleines ovales Tal jenseits der engen Windung des Canyons sehen. Unten im Tal erblickte er Tsach, Bish und Nitzin, und er wusste, dass die restlichen Männer am anderen Ufer des Bachs versteckt waren. Von dort würden sie jede Annäherung durch das Tal bemerken.
Ein Königsfischer ließ sich zehn Fuß entfernt flatternd auf einem Felsvorsprung nieder. Seine dunklen Perlenaugen blinzelten unter seiner schieferfarbenen Haube hervor. Er ließ seinen klagenden Ruf einmal erklingen und flog davon. Langsam wurde der Himmel golden, und die Strahlen der Sonne fielen auf den westlichen Rand der Schlucht.
Josanie presste sich an den Stein und spähte über den Sims dorthin, wo der Bach in einer Öffnung in der Felswand verschwand. Eine einsame, graue Zinne stand davor wie ein stiller Wachposten. Dahinter erschienen zwei Reiter, etwa einhundert Yards entfernt. Zwei weitere, dann drei und schließlich sechs. Sie kamen langsam heran, ihre Gewehre hatten sie griffbereit. Der achte Reiter war ein weißer Mann, die anderen waren Apachen. Zur Tarnung hatten sie ihre weiße Baumwollkleidung und die roten Stirnbänder mit Schmutz eingerieben. Sie ritten weiter. Die ersten beiden betrachteten die Spuren am Boden, die anderen suchten die Klippen und die herumliegenden Felsbrocken nach versteckten Gefahren ab.
Josanie hörte die Hufschläge, und als die ersten beiden Scouts die Lücke unter ihm erreichten, bemerkte er die Spitze einer Kavalleriekolonne am Taleingang: blaue Uniformen und gelbe Schals, die Männer in Zweierreihen, Abstand zu den Scouts haltend. Er blickte hinab und sah, dass Tsach seinen Bogen zur Hand genommen und einen Pfeil eingelegt hatte.
Wieder beobachtete Josanie die herannahende Kavallerie. Als er hinunterschaute, stellte er fest, dass die ersten beiden Reiter die Lücke passiert hatten. Tsach hob den Bogen und schoss, und Josanie sah den zweiten Reiter zusammensacken, als der Pfeil die Rippen unter seinem rechten Arm traf. Der Reiter an der Spitze richtete sich auf und drehte sich um, und Tsachs zweiter Pfeil bohrte sich seitlich in seinen Hals. Er rutschte schreiend aus dem Sattel und wurde von seinem in Panik geratenen Pferd weggeschleift.
Ohrenbetäubendes Gewehrfeuer explodierte auf dem schmalen Streifen entlang des Blauen Bachs. Josanie hörte Schreie, die dumpfen Einschläge von Kugeln, die auf Fleisch trafen, und das wilde Klappern der Hufe fliehender Pferde. Er sah vier oder fünf Scouts davongaloppieren und hob die Sharps-Borchardt, um auf die dichten Reihen der Kavallerie zu schießen. Er traf, und sie stoben auseinander, machten Kehrt und versuchten verzweifelt, die Sicherheit der Flussbiegung zu erreichen. Sein Gewehr mit großer Reichweite feuerte weiter, und jemand anderer schoss auf dieselben Ziele. Er sah, wie Pferde fielen und Männer bewegungslos liegen blieben oder davonkrochen.
Es war vorbei. Er kletterte von seinem Hochsitz herunter. Vier Armeescouts waren tot und zwei Verwundete wurden von seinen
Männern erledigt, als er sie erreichte. Die Männer waren wütend, denn die Apachenscouts hatten die Weißen zu den Lagern ihres eigenen Volkes geführt und es war bekannt, dass sie sich auch an den Gemetzeln beteiligt hatten, wenn sich die Möglichkeit ergab. Josanie und seine Männer nahmen die Gewehre der Scouts, von der Armee ausgegebene Springfields, sowie Munitionsschachteln, Gürtel und Sättel und fingen drei verängstigte, aber gesunde Pferde ein. Sie erschossen zwei verletzte Tiere und gingen davon.
Josanie blieb zurück und nahm etwas Tule-Pollen aus einem Beutel, der an einer Medizinschnur über seiner Brust befestigten war. Er hielt eine Prise in seiner rechten Hand und drehte sich leise betend nach Osten. Dann wandte er sich den anderen Himmelsrichtungen zu, und schließlich bot er den Blütenstaub den oberen und unteren Welten dar. Er bat die Geister der Gefallenen um Vergebung und malte mit dem Pollen eine schmale Linie zwischen den Lebenden und den Toten auf den Boden. Danach schloss er sich den anderen an, die von Weitem zugesehen hatten. Sie stiegen auf und ritten mit dem Wissen davon, dass sie für eine Weile nicht verfolgt werden würden. Im Moment fühlten sie sich gut, aber ihnen war klar, dass schwere Zeiten kommen würden.
Sie brauchten etwas mehr als eine Stunde, um den Platz ihres vorherigen Nachtlagers zu erreichen. Nachdem sie ihn passiert hatten, fanden sie zwei Meilen weiter die Stelle, wo die Spuren der Gruppe die Flutebene verließen und nach Osten zu dem niedrigen Bergrücken führten, der sich unterhalb der Alma Mesa erstreckte. Sie erklommen ihn und ließen die Pferde im Schritt durch Kiefernwälder und seichte Furchen gehen, die von den Wasserläufen gebildet wurden, welche die Mesa hinunterflossen. Als die Männer die östliche Flanke des Sattels herunterkamen, erreichten sie ihre Leute, die am Eingang des Keller Canyon warteten. Nach ihrer Ankunft hatten sie kalte Nahrung gegessen, es gab keine Feuer. Die Frauen, Kinder und Alten hielten sich unter den Cottonwoods auf, aber die Pferde und Packtiere waren zum sofortigen Aufbruch bereit. Einige Männer mit Gewehren standen Wache, die anderen waren jedoch nicht zu sehen. Sie erkundeten die Lage in Richtung des Flusses.
Als Josanies Trupp heranritt, standen alle auf und blickten ihm entgegen. Niemand fehlte. Sie sahen, dass alle zurückgekommen waren. Keiner war verwundet und angesichts der zusätzlichen Pferde, Gewehre und Sättel wussten sie, was passiert war.
Alle lächelten nur, es gab keine Willkommensgesänge – Lieder der Apachen, den Weißen so fremd – wie in alten Zeiten. Sie hätten von jemandem gehört werden können, der die Truppen der Weißen zu ihnen führen würde.
Die Krieger stiegen ab. Eifrig wurden die Zügel ihrer Pferde von Jungen genommen, die sich um die Tiere kümmerten. Josanies kleiner Sohn Nachi führte das Pferd seines Vaters stolz davon. Chihuahua und Nana waren die Ersten, die sie begrüßten.
„Ihr seid alle zurück”, sagte Chihuahua und ergriff den Arm seines älteren Bruders. Er blickte in dessen Gesicht: hohle Wangen und harte, müde Augen unter der mit den Schwanzfedern des goldenen Adlers gekrönten rohledernen Kriegshaube. „Wir sind dankbar, wir alle.” Er machte eine weite Geste mit der Hand. „Habt ihr sie aufgehalten?”
Josanie nickte. „Wir töteten sechs White-Mountain Scouts. Ein paar Soldaten, vielleicht zwei oder drei. Wir haben manche verwundet und einige ihrer Pferde angeschossen. Sie werden für eine Weile zurückbleiben, denke ich. Aber wahrscheinlich nicht lange.”
„Ja”, sagte Nana. „Sie werden tun, was ihre Offiziere sagen. Sie haben keine Frauen und Kinder zu beschützen. Sie werden uns folgen. Wir müssen einen sicheren Ort finden.” Nach einer Pause sprach er weiter: „Das hast du gut gemacht, Josanie.” Sanft berührte der alte Mann die Schulter des Kriegers.
„Wir ziehen besser weiter”, sagte Chihuahua. Aus dem gewundenen Canyon unter ihnen kamen zwei Männer geritten, die auf Erkundung gewesen waren.
„Es gibt zwei Ranches in dieser Schlucht”, sagte Kezinne, während er mit beiden Händen an seinem blauen Stirnband zupfte. „Die erste ist etwa zwei Meilen entfernt, die andere fünf Meilen, nicht weit weg vom Fluss. Es sind kleine Ranches. Ihre Pferde stehen in der Nähe. Dort sind auch Rinder.” Er zog sein Stirnband fest und schüttelte den Kopf. „Wir haben eine Ranch in einer Seitenschlucht südlich von hier gefunden.” Er wies in die Richtung. „Acht Pferde auf einer Koppel. Als wir das letzte Mal hier waren, gab es dort keine Ranch.”
Die Männer nickten ernst. Einige brummten zustimmend. Alle schwiegen. Schließlich meinte Chihuahua: „Es wäre gut, wenn wir fünfundzwanzig frische Pferde bekommen könnten. Lasst sie uns von jenen Ranches holen. Acht Männer sind genug. Der Alte Mann und ich”, er wies mit seinem Kinn auf Nana, „werden mit den Frauen und Kindern nach Süden gehen, dann über den Fluss und die Straße, und von dort in den Whitewater Canyon. Dort warten wir auf euch.” Und nach einer Pause: „Einverstanden?” Die Männer nickten.
Gemeinsam ritten sie zur ersten Ranch, wo ihre Krieger sechs Pferde nahmen und einen weißen Mann davongaloppieren sahen. Er würde Alarm schlagen. An der Mündung des Biber Canyon trennten sie sich. Die Gruppe ging unterhalb der Ausbuchtung der Sunflower Mesa nach Südwesten, sieben Männer ritten mit schussbereiten Gewehren voran. Josanie und seine Krieger folgten in schnellem Galopp weiter dem Verlauf des Keller Canyon. Sie hörten einige Schüsse hinter sich, aus der Richtung der Ranch am Biber Canyon, wohin Nana und Chihuahua gegangen waren, und dann nichts mehr. Sie wussten, dass ihre Familien den Ort des weißen Mannes passiert und getan hatten, was zu tun war.
Als sie etwa vierhundert Yards von der zweiten Ranch im Keller Canyon entfernt waren, wurden sie aus dem Wohnhaus von mindestens vier Gewehren beschossen. Sie hielten an. Zwischen ihnen und der Ranch waren zwölf vom Lärm aufgeschreckte, bockende Pferde. Josanie und Galeana ritten los, tief auf dem Rücken ihrer Tiere liegend, und trieben sie zusammen. Kugeln pfiffen vorbei und prallten an den Felsen ab, aber niemand wurde getroffen. Sie trieben die verängstigten Tiere zusammen und in Richtung des Biber Canyon davon.
FÜNF
Wir haben sorgfältige Erkundigungen zu den vorliegenden verschiedenen Klagen hinsichtlich der für die Indianer bestimmten Güter und der Verschiebungen in San Carlos und anderswo eingeholt und eine gewaltige Menge an Informationen erhalten, die unserer Meinung nach von Vorteil sein werden. Seit mehreren Jahren sind die Menschen dieses Territoriums allmählich zu dem Schluss gekommen, dass das Management der Indianerreservatio nen in Arizona ein Betrug an der Regierung ist und dass die wiederholten Ausbrüche der Indianer und die damit verbunden Verwüstungen durch die kriminelle Nachlässigkeit oder Apathie des Indianeragenten in San Carlos verursacht wurden. Aber erst seit die gegenwärtigen Untersuchungen der Grand Jury die infamen Betrügereien des Agenten Tiffany aufgedeckt haben, kann man sich überhaupt eine Vorstellung von den Betrügereien und Gemeinheiten machen, die ständig unter der offenen Verletzung der Gesetze und Missachtung öffentlichen Rechts praktiziert werden. Betrug, Spekulation, Konspiration, Diebstahl, Komplotte und Gegenkomplotte scheinen auf dieser Reservation die Regel zu sein. Als die Mitglieder der Grand Jury diese Untersuchung begannen, dachten sie nicht, dass sie eine Büchse der Pandora mit Gräueltaten öffnen würden, die in den Annalen des Verbrechens nur selten übertroffen wurden.
Mit der immensen Macht, die von dem Indianeragenten ausgeübt wird, ist fast jede Straftat möglich. Es scheint keine Überprüfung dieser Führung zu geben. In geheimer Absprache mit dem Bürovorsteher und dem Lagerverwalter können Rationen ad libitum ausgegeben werden, für welche die Regierung zahlen muss, während die Erlöse in die geräumigen Taschen des Agenten fließen. Indianer werden unter der Aufsicht weißer Männer zur Arbeit in den Kohlerevieren geschickt, alle Arbeiter und Aufseher werden häufig aus Agenturbeständen verpflegt und bezahlt, aber es gibt keinen Rücklauf. Regierungswerkzeuge und Wagons werden im Rahmen dieser engen Zusammenarbeit für den Gütertransport und die Arbeit in den Kohlebergwerken genutzt – mit demselben Ergebnis. Alle Überschusslieferungen werden im Interesse des Agenten verwendet, aber es wird kein Ertrag daraus erzielt. Auftragnehmer der Regierung erhalten in Absprache mit Agent Tiffany Quittungen für große Mengen an Versorgungsgütern, die nie geliefert wurden, der Profit wird einvernehmlich geteilt, und so wird eine allgemeine Ausbeutung der Finanzen der Vereinigten Staaten bewirkt. Während sechshundert Indianer mit Passierschein unterwegs sind, werden ihre Rationen einbehalten und dem aus Tiffany und seinen Kompagnons bestehenden gemeinsamen Hilfsverein zugeführt. Jedes in diesem Tal der Tränen geborene Indianerkind erhält vom ersten Moment an Rationen und trägt so seinen Teil zu Tiffanys Reichtum bei. Gleichzeitig werden die Indianer vernachlässigt, sind unzureichend ernährt, unzufrieden und unruhig, bis schließlich die Art, wie die Regierung, vertreten durch Agenten, ihre heiligen Pflichten erfüllt, von den wachsamen Augen der Indianer beobachtet wird.
Das war die gemeinsame, von weißen Zeugen bestätigte Aussage der Grand Jury, und die Verwüstungen und das Blutvergießen, das unsere Ebenen mit den Gräbern ermordeter Opfer gesprenkelt hat, können auf diesen und ähnliche Fälle zurückgeführt werden.
Aus dem Bericht der Grand Jury des Bundesstaates Arizona, veröffentlicht am 24. Oktober 1882 in der Zeitung Star in Tucson, Arizona. Infolge dieser Untersuchung wurde der Indianeragent J. C. Tiffany durch den Innenminister Carl Schurz seines Postens in San Carlos enthoben.

SECHS
Es war noch nicht ganz Vormittag, als Josanie und seine Männer die von Kezinne erwähnte Ranch passierten. Der Korral war leer, das Tor stand weit offen. Vor einer grob gezimmerten Blockhütte saß ein weißer Mann verwundet am Boden, und eine Frau in einem langen schwarzen Kleid kniete neben ihm. Als sie die Pferdeherde und die Apachen sah, stand sie auf und begann zu weinen. Aber die Männer schauten nur flüchtig hin und ritten weiter. Eine Meile weiter oben verengte sich der Canyon auf einer Strecke von ungefähr einhundert Yards zwischen hervorstehenden, gewölbten Felsen, bevor er wieder breiter wurde. Sie ritten durch die gewundene Spalte, und Josanie blickte zurück und hielt an. Er rief, und die anderen blieben ebenfalls stehen. Sein Pferd wendend, betrachtete er die Felsen rundum. Dann grinste er und machte eine ausladende Geste mit seiner linken Hand. „Seht euch diesen Ort an. Wir können hier warten und herausfinden, ob uns jemand folgt. Das ist der beste Platz für einen Hinterhalt, den ich je gesehen habe.” Und nach einer Pause sagte er: „Drei sollten mit den Pferden hier bleiben. Die anderen kommen mit mir.”
Nitzin, Nalgee, Galeana und Kezinne gingen mit Josanie in die Felsspalte und bezogen in der Nähe des Eingangs Stellung, wo sie ein freies Blickfeld auf den zerklüfteten Grund der Schlucht außerhalb hatten. Zwei Männer blieben auf dem Boden hinter Felsblöcken, während die anderen sich auf Simsen weiter oben Schusspositionen suchten.
Sie saßen da und lauschten geduldig. Nichts rührte sich, und eine Zeitlang waren keine anderen Geräusche zu hören als das Summen von Insekten und die Rufe von Vögeln. Hoch oben am blauen Himmel kreisten Bussarde. Dann bemerkten sie eine ferne Erschütterung, die stärker wurde und schließlich in ein vibrierendes Donnern überging, das von den Hufen vieler, schnell laufender Pferde verursacht wurde.
Die ersten Reiter kamen etwa vierhundert Yards entfernt in Sicht, wurden aber teilweise von Kieferngruppen und Ansammlungen von Felsen verdeckt. Dann kamen sie in den offenen Raum, etwa fünfzig Yards entfernt, und ritten so hart, wie es der Untergrund zuließ. Ein Schwall Männer tauchte auf, zwanzig, dreißig, dann mehr, immer mehr. Sie näherten sich schnell, Metall klirrte auf Metall, Steigbügel flatterten. Es war ein großes Aufgebot an Bergleuten und Rinderzüchtern, die kaum Kampferfahrung mit Apachen hatten, doch ihre große Zahl gab ihnen ein Gefühl der Sicherheit.
Die Krieger brauchten keinen Befehl. Sie erhoben sich aus ihren Verstecken, die Gewehre feuerten gleichzeitig, und die Spitze der Kolonne verschwand, als wäre sie gegen ein Stahlseil geprallt. Pferde fielen mit ihren Reitern, einige überschlugen sich und landeten mit dumpfen Geräuschen auf den Boden. Unfähig, die Kollision zu vermeiden, stürzten die folgenden Reiter kopfüber in das Gemenge vor ihnen. Die Krieger schickten einen Kugelhagel in das achtzig bis hundert Yards entfernte Gewirr aus Körpern. Sie standen frei, dem Feind zugewandt. Galeana, Kezinne und Nalgee trugen Repetiergewehre und sie schossen, so schnell sie die Hebel bedienen konnten. Als die Magazine leer waren, erhoben sie ihre Waffen und ließen den markerschütternden Kriegsschrei der Chokonen erschallen. Der Großteil der Schar galoppierte davon, doch zwischen den verendeten oder verletzten Pferden waren fünf Tote und einige Verwundete, die still dalagen oder versuchten wegzukriechen.
Josanie und die Männer sammelten die Waffen und Patronengurte ein: drei Revolver, Büchsen, Sättel. Als sie den Gewehrriemen eines Verletzten lösten, starb er mit einem Seufzen und wildem Blick. Vielleicht starb er aus Angst, weil er erwartete, gefoltert zu werden und nicht wusste, dass Apachenkrieger einen lebenden Feind nur selten oder wenn, nur aus besonderen Gründen verstümmelten und das Skalpieren verabscheuten, weil sie fürchteten, dass durch das Haar und die Haut des Toten eine Geisterkrankheit auf sie übergehen könne.
Niemand berührte die Toten und Verwundeten. Sie erschossen die verletzten Pferde, kümmerten sich aber nicht um eines, das allein und ruhig etwas entfernt stand. Josanie betete wieder mit Pollen und zog eine Linie zwischen sich und seinen Männern und den toten Weißen. Vielleicht konnten ja auch weiße Männer jene, durch deren Hand sie gefallen waren, mit Geisterkrankheit strafen.
Die Apachen schnürten Bündel mit den erbeuteten Waffen, Gurten und Sätteln und packten sie auf drei der Pferde, die sie von der zweiten Ranch geholt hatten. Am Stand der Sonne konnten sie erkennen, dass es fast Mittag war. Sie folgten dem Biber Bach weitere zwei Meilen stromaufwärts, dann wandten sie sich nach Süden und durchquerten ein hohes, zerklüftetes Gelände bis zum Fuß der Webster Mesa und zum Pine Canyon. Vorbei am Park Berg ging es weiter am Fuß der Mesa entlang bis zum San Francisco Fluss etwa vier Meilen südlich von Alma. Dort überquerten sie die weite, kiesbedeckte Ebene und den Fluss, dessen Wasser nicht höher als bis zum Bauch der Pferde reichte. Sie ritten unter riesigen Cottonwood Bäumen hindurch und überquerten eine gewundene Staubpiste oberhalb des Ostufers, die Silver City und Fort Bayard mit den Bergbaudistrikten von Cooney und Alma sowie der Rinderstadt Frisco und der Schafstadt Luna im Norden verband.
Auf der Straße verwischten sie ihre Spuren so gründlich wie möglich, doch sie wussten, dass sie die Apachenscouts der Armee trotzdem nicht würden täuschen können. Bald würde auf der Straße ein reger Militärverkehr herrschen. Sie ritten in das Tal des White-Flusses in den Mogollon Bergen, auf dem Weg, den die restliche Gruppe genommen hatte, und wandten sich an der Mündung des Little Whitewater Bachs nach Osten. Dort fanden sie das Camp in einem Hain von Espen und mächtigen Ahornen, umgeben von Ponderosa-Kiefern und Tannen. Zwei Männer aus Nanas Gruppe bewachten den Eingang.
Kezinne, der an der Spitze geritten war, zügelte sein Pferd und ließ Jungen aus dem Lager die gefangenen Tiere auf die Lichtung am Bach führen. Diese liefen nervös herum, einige mussten aus den Bäumen gescheucht werden. Sie wurden festgehalten und stromaufwärts gebracht, wo die Herde unter den Bäumen graste.
Die Leute hatten sich in zwei Reihen aufgestellt, und die Krieger ritten langsam und schweigend hindurch, berührt von ausgestreckten Armen. Am Rand des Lagers stiegen sie ab, und ihre Pferde wurden schnell weggeführt. Es gab keine Feuer. Neben den provisorischen Unterkünften, in der Nähe des massiven Stammes eines alten Ahornbaumes, befand sich eine unebene Grasfläche, die groß genug war, dass die Menschen beider Gruppen dort sitzen konnten.
Chihuahua umarmte seinen Bruder und deutete dorthin. Als sie sich mit Nana niederließen, bildeten die Krieger beider Gruppen einen Kreis um sie. Insgesamt waren sie zwanzig, einschließlich der Häuptlinge Nana und Chihuahua, aber ohne die beiden Wächter stromabwärts. Hinter den Kriegern formten die Frauen, Kinder und zwei alte Männer einen zweiten Kreis. Sie waren dreiundfünfzig. Nana wurde immer noch als Krieger gezählt, obwohl er schon achtzig Jahre alt war.




