Die Braut von Louisiana (Gesamtausgabe)

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»So? Liegt denn die Verwaltung des ganzen Hauswesens auf den Schultern eines einzigen Domestiken?«
»Domestiken«, rief der Mulatte in komischer Entrüstung, und die Augen rollten im Kopf wie ein Paar Räder, »Domestiken – ich bin Verwalter und oberster Sklavenaufseher, Sir Jackson!«
Das Gesicht des Pflanzers verzog sich zu einem melancholischen Lächeln; ruhig legte er die gekreuzten Hände wieder auf die Mündung seines Gewehrs und fragte weiter:
»Oberster Sklavenaufseher! Wer sollte mir das gesagt haben?«
»Das ist eine sonderbare Frage! Sehen Sie mich an und Sie müssen wissen, dass ich kein Domestik bin!«
»Und woran soll ich das sehen?«
»Sir Jackson«, antwortete Kato und seine Entrüstung stieg mit jedem Wort, das er sprach, »wenn es Ihnen mein ausgewählter fashionabler Anzug nicht sagt, so müssen es Ihnen meine Miene und meine Manieren sagen, denn es sind die eines gebildeten, anständigen Mannes und keines Domestiken. Spricht ein Domestik wie ich? Nein! – Trägt ein Domestik die Kleider nach dem neuesten Londoner Schnitt? Nein! – Weiß ein Domestik die Geheimnisse seiner Herrin? Nein! Weiß ein Domestik sich überhaupt mit der Eleganz zu bewegen wie ich? Sir Jackson, wenn Sie nur ein wenig Menschenkenntnis besäßen, zum Beispiel nur den zehnten Teil der meinen, so müssten Sie sich alle diese Fragen selbst beantworten können.«
»Du bist ein vortrefflicher Mensch, Freund Kato, und ich bekenne, dass du mein Lehrer sein könntest«, entgegnete der Pflanzer mit Ironie, indem er dem Mulatten seine rechte Hand reichte.
Katos Furcht war völlig verschwunden; er glaubte ein moralisches Übergewicht über den Pflanzer erlangt zu haben, das ihn nicht nur vor den Ausbrüchen seiner Grobheit schützte, sondern auch ein gewisses Ansehen verschaffte, mithilfe dessen er sein Lieblingsthema verhandeln und ausbeuten konnte.
»Ihr Lehrer, sagen Sie?«, begann der Mulatte mit großer Genugtuung. »Ich glaube es wohl, denn die Kenntnisse, die ich besitze, habe ich mir in London erworben, in der Stadt der Eleganz und feinen Sitten. Ihnen, Sir Jackson, fehlt nichts weiter als ein dreijähriger Aufenthalt in dieser Weltstadt, und Sie wären der liebenswürdigste Pflanzer in ganz Louisiana – auf Ehre, das Zeugnis würde ich Ihnen geben.«
Jackson schien an der Unterhaltung Gefallen zu finden; lächelnd legte er die Hand ans Kinn und fragte:
»Nun, was missfällt dir denn in diesem Augenblick an mir?«
»O Himmel«, rief Kato, »wenn ich das alles aufzählen wollte, würde Miss Jenny noch lange auf mich warten müssen!«
Der Pflanzer betrachtete sich von den Zehen bis zur Brust herauf, so weit es das Auge erlaubte, und fragte dann in einem Ton, der keinen entscheidenden Aufschluss gab, ob er des Scherzes wegen die Unterhaltung fortsetzen wollte oder aus einem andern Grund:
»Antworte, Kato, was missfällt dir?«
Der Mulatte warf sich in die Brust, steckte die rechte Hand in die rote Schärpe und setzte die breiten Füße in die dritte Tanzposition. Sein Gesicht nahm einen höchst einfältigen Ausdruck an und seine dünne, schnarrende Stimme wurde etwas stärker und feierlich.
»Sir Jackson«, sagte der braune Mann, »Sie sind der reichste und mächtigste Pflanzer im ganzen Distrikt von New Orleans, und nun betrachten Sie sich einmal, wie Sie aussehen! Fangen wir bei den Füßen an: Ihre Stiefel sind aus rohem Leder, schlecht gemacht und jedes Glanzes unfähig. – Ihre Hosen sind so schlecht gemacht und aus so erbärmlichem Stoff, dass ich sie sofort konfiszieren und verbrennen würde, wenn einer meiner Domestiken es wagte, damit in den Zimmern meiner Herrin zu erscheinen. – Ihr grauer Rock, Sir Jackson, ist nun völlig unter aller Kritik, denn der kurze Kragen, der wie das Schirmdach eines Höckerweibes über die Schultern fällt, deutet an, dass er dem vorigen Jahrhundert angehört, dass ihn vielleicht schon Ihr Großvater getragen hat. – Ihr Hut … nun, den will ich gelten lassen, denn er ist comfortable und schützt vor den Sonnenstrahlen, die mich diesen Sommer schon so zugerichtet haben, dass ich aussehe wie ein Mulatte – o diese Sonnenstrahlen, ich wollte, es wäre ewige Nacht! Und nun bedenken Sie einmal Ihr Betragen! Man fürchtet sich jedes Mal, wenn Sie den Mund öffnen, so hart und barsch kommen die Worte unter Ihrem wilden Bart hervor. Lassen Sie sich raten, Sir Jackson: Werden Sie fashionable, das heißt, kleiden Sie sich sorgfältiger und etwas mehr nach der Mode, dann erhält Ihre Person mehr Interesse, Sie sind überall wohlgelitten und werden vorzüglich Glück machen bei den Damen, deren wir sehr schöne in dieser Gegend besitzen. Mit einem Wort, Sie müssen ein Salonmann werden, müssen nicht mehr wie ein Wolf in den finsteren Wäldern umherschleichen, und sich eines guten Tons, das heißt angenehmer Manieren und Sitten, befleißigen. Denken Sie denn, mein bester Sir Jackson, dass Sie so, wie Sie da vor mir stehen und wie ich Sie schon seit einem Jahr fast täglich erblicke, je eine Frau finden werden? O nein, die Frauen lieben nur dann das Starke und Kräftige, wenn es sich mit dem Zarten und Milden paart; sie lieben nur dann die Gerüche des Waldes, wenn sie sich mit dem Duft lieblicher Pomaden mischen. Sehen Sie, Sir Jackson – und Sie können es mir auf Ehre glauben –, seit ich mich der süß duftenden Pomaden und Wasser bediene, habe ich enorme Fortschritte in der Gunst der reizenden Eva gemacht. Noch vor wenigen Wochen, ehe ich mich dieser Mittel bediente, um meine Person in einen liebenswürdigen Geruch zu bringen, wollte die süße Eva nichts von mir wissen; sobald sie mich nur erblickte, rümpfte sie ihre himmlische Nase, und sooft ich in ihre Nähe kam, hielt sie sich ihr weißes Schnupftuch vor den Mund – und bedenken Sie, ich trug damals schon diese eleganten Kleider, die ich aus London mitgebracht habe, ich hatte schon damals das feine Benehmen eines echt-englischen Dandys; aber alles brachte nicht die Wirkung hervor, die ich mit dem Duft der Pomaden und Wasser erzielte. Eva, die himmlische Eva reicht mir die Hand, wenn ich mich ihr nähere, rümpft nicht mehr die Nase, wenn ich ihr zärtlich in das himmelblaue Auge blicke, und erlaubt mir sogar, dass ich ihr die wunderniedliche Hand küssen darf. Und nun Miss Jenny, meine schöne Herrin – bei allen Gelegenheiten zieht sie mich zurate, sogar bei ihren Herzensangelegenheiten …!«
»Genug, Kato«, sagte der Pflanzer ernst, »ich werde deinen Rat befolgen.«
»Daran werden Sie wohl tun, und ich möchte wetten, dass Ihnen Miss Jenny den Zutritt in ihre Zimmer nicht mehr verweigert. Mir tat es immer leid, wenn ich Sie an der Tür abweisen musste – aber meine Ehre setze ich zum Pfand ein, dass sich Ihnen die Türen von selbst öffnen, wenn Sie in einem eleganten Frack, modernen Hosen und glänzenden Stiefeln mit klirrenden Sporen erscheinen – aber vergessen Sie die Pomaden und Parfüme nicht, denn sie machen den Mann in unserm Klima eigentlich fashionable. Sir Jackson, wenn ein Mann ein seidenes Tuch aus der Tasche zieht, das lieblich duftet, so hat er bei jeder Dame gewonnenes Spiel. Der Dandy muss mit allen Sinnen zu vernehmen sein, vorzüglich aber mit dem Geruch, denn die Riechorgane sind bei den Damen am empfindsamsten, das weiß ich, auf Ehre, ich weiß es ganz genau!«
Mit den letzten Worten zog Kato aus der Seitentasche seines Rockes ein seidenes Tuch hervor, das einen starken, wohlriechenden Duft verbreitete.
»Ist das alles, was ich zu befolgen habe?«, fragte der Pflanzer lächelnd.
»Ja«, antwortete Kato, indem er sich mit dem duftenden Tuch frische Luft zufächelte.
»Gut, so beantworte mir meine Fragen. Sagtest du nicht, Miss Jenny habe dich zum Vertrauten ihrer Herzensangelegenheiten gemacht?«
»Allerdings!«
»Hat sie dir untersagt, darüber zu reden?«
»Nein, warum sollte sie auch?«, gab Kato unbefangen zur Antwort. »Morgen oder übermorgen werden sie doch bekannt. Miss Jenny wird sich verheiraten.«
Der Pflanzer drückte sein Gewehr mit beiden Händen zusammen, als ob sie ein Krampf durchzuckte, und seine großen Augen stierten den Mulatten an, als ob sie ihn durchbohren wollten. Sein männliches, braunes Gesicht aber behielt denselben Ausdruck, es blieb ruhig wie zuvor; selbst die Worte verrieten keine innere Aufregung.
»Wen wird sie heiraten?«, fragte er ernst und langsam.
»Sollten Sie es nicht ahnen, Sir Jackson?«
»Nein! Deine junge Gebieterin ist so liebenswürdig«, fügte er bedeutsam hinzu, »dass ich in der Tat keinen Mann in unserm Distrikt wüsste, der ihrer Hand würdig wäre.«
»Sie haben recht, Sir Jackson, Ihr Urteil freut mich. O dass ich Ihnen meine Lehren früher hätte mitteilen können, vielleicht wäre es Ihnen gelungen …«
»Still, Kato, Miss Jenny hasst mich, ich weiß es. Wen wird sie heiraten?«
»Sir Arthur Makensie, den einzigen Sohn Jakob Makensies, des Bruders ihres verstorbenen Vaters.«
»Kato«, rief der Pflanzer mit glühenden Augen, »kannst du diese Nachricht verbürgen?«
»Gewiss, mein bester Sir Jackson, denn eben die Vorbereitungen zu dieser Heirat sind es ja, die mich zur Eile antrieben. Heute kehrt Sir Arthur aus New Orleans zurück, wo er sich seit einigen Tagen aufhält, um seine Papiere in Ordnung zu bringen, morgen ist die Verlobung und übermorgen wird der Kontrakt unterzeichnet und Hochzeit gemacht. Wenn ich unter diesen Umständen die Nachricht nicht verbürgen kann, dann möchte ich wissen, was sonst eine verbürgte Nachricht sein soll!«
»Nein, das ist nicht möglich«, rief der Pflanzer.
»Es ist möglich und gewiss, wie ich Ihnen sage.«
»Miss Jenny begeht einen übereilten Schritt, der sie unglücklich machen wird!«
»Beruhigen Sie sich, Sir Jackson, Miss Jennys Vater hat diesen Schritt reiflich überlegt, denn es war sein letzter Wille, dass Sir Arthur seine Cousine heiraten soll, und Miss Jenny ist eine zu gehorsame Tochter, als dass sie diesen Willen unerfüllt ließe, selbst wenn sie den ihr bestimmten Bräutigam weniger liebte!«
»O mein Gott«, rief Jackson voll Schmerz und Zorn, »also so weit erstreckt sich der Leichtsinn des alten Makensie, dass er selbst die Tochter nach seinem Tod noch vergeudet! O wenn er noch lebte, ich würde ihn so schonungslos behandeln wie den schlechtesten meiner Sklaven auf der Pflanzung!«
»Sir Jackson«, sagte der Mulatte scheu zurückweichend, »Sie schmälen einen Toten – das ist nicht fashionable – mir scheint, meine Lehren …«
»Einen Toten«, brauste der aufgebrachte Pflanzer auf, »einen Toten? Dieser Mister Makensie wird ewig fortleben in seinen leichtsinnigen Streichen, denn ihre Folgen sind nicht mit ihm ins Grab gegangen, sie äußern ihre trübselige Wirkung noch jetzt und später an den Überlebenden!«
»Sir Jackson«, entgegnete Kato mit Vorwurf, »das ist kein guter Ton, bedenken Sie!«
»Aber ein richtiger Ton, und den will man nirgends hören. Hätte der verstorbene Makensie seine Tochter geliebt, so würde er besser für sie gesorgt haben!«
»Nun, hat er nicht für sie gesorgt? Hat er ihr nicht eine herrliche Pflanzung und jenes reizende Gut hinterlassen, das dort so anmutig durch die Wipfel der Bäume schimmert? Über dreihundert Sklaven von allen Farben gehören zu dieser Besitzung, und mich selbst, der ich es ihm noch im Grabe Dank weiß …«
»Über dreihundert Sklaven gehören zu dieser Besitzung, o ja – weißt du auch, du einfältiger Mulatte, wie viel Schulden dazu gehören?«
Als ob ein Blitz den ganzen Körper Katos durchzuckte, wich er drei Schritte zurück und stammelte mit hoch erhobenem Kopf:
»Mulatte … ich, ein Mulatte? Sir Jackson, ich bin ein Weißer, der drei Jahre in London gewesen ist und seine Erziehung genossen hat – dass die Sonne meine Haut so braun gefärbt hat …«
»Dein Herr hat Schulden, so viel Schulden hinterlassen, dass auch nicht ein Zuckerrohr oder eine einzige Tabakpflanze auf die arme Jenny übergegangen wäre, wenn die Gläubiger ihr Geld eingetrieben hätten. Aber wie lange wird es noch dauern, bis das geschehen wird? Und nun will er das arme Mädchen noch völlig ruinieren, indem er sie durch seinen letzten Willen an einen ebenso leichtsinnigen jungen Menschen fesselt, wie er selbst gewesen ist? Nein, das geht zu weit, das muss jeden ehrlichen Menschen empören, der diese Verhältnisse kennt.«
»Bester Sir Jackson, erlauben Sie mir wohl eine Frage?«
»So rede!«
»Kennen Sie Sir Arthur, den bestimmten Bräutigam meiner liebenswürdigen Miss?«
»Nein, ich habe ihn nie gesehen, ich kenne ihn nur nach dem, was das Gerücht von ihm erzählt.«
»So hat das Gerücht gelogen«, sagte Kato mit großer Bestimmtheit; »Sir Arthur ist mein Zögling, besitzt elegante Manieren und den besten Ton und Geschmack von der Welt. Sir Arthur ist in jeder Beziehung der liebenswürdigen Jenny wert, und ich behaupte, dass es kein schöneres Paar in unserm gesegneten Louisiana gibt als diese beiden jungen Leute. Hätte das Testament des Vaters ihren Vermählungstag nicht festgestellt, sie würden sich sicher schon geheiratet haben.«
»Und welchen Tag bestimmt das Testament?«, fragte der Pflanzer rasch.
»Den fünften Juni, und heute haben wir den dritten.«
»Den fünften Juni!«, wiederholte Jackson mit dumpfer Stimme. »O dass er heiter und Glück bringend über den Bäumen emporstiege, die dort so freundlich die roten Dächer beschatten!«
Kato sah erstaunt den grauen Pflanzer an, der, in ein trübes Nachsinnen versunken, starr auf den Lauf seines Gewehres blickte; er schien über einen Plan nachzudenken. Dem Mulatten wurde unheimlich zumute; langsam steckte er sein duftendes Tuch in die Tasche und trat einige Schritte zurück.
»Sir Jackson«, sagte er schüchtern nach einer Pause, »jetzt muss ich fort – leben Sie wohl!«
»Halt«, rief dieser mit befehlender Stimme, »ich bedarf deiner!«
»Wie, Herr, Sie bedürfen meiner?«
»Ich begleite dich!«
»Wohin?«
»Zu der Besitzung Miss Jennys! Dort wirst du mich melden bei deiner jungen Gebieterin.«
»Aber, Herr, gerade heute, wo sie ihren Bräutigam erwartet, wollen Sie …«
»Sage deiner Gebieterin, dass ich in ihrem Interesse über einen sehr wichtigen Gegenstand mit ihr reden müsste, und heute, in dieser Stunde noch. Würde sie mir wiederum den Zutritt verweigern, wie sie es bis jetzt stets getan hat, so möge sie sich nicht wundern, wenn sie etwas träfe, was sie nicht für möglich gehalten hätte. Los jetzt«, befahl Jackson, indem er sein Gewehr über die Schulter warf, »die Sonne brennt nicht mehr durch die Lichtung, Mittag ist vorüber!«
Kato wagte kein Wort der Einrede mehr; mit einem tiefen Seufzer setzte er sich in Bewegung und schlug den Weg zu den Häusern ein. Jackson folgte schweigend, er hatte selbst die erloschene Pfeife nicht wieder angezündet, sondern sie ruhig in die tiefe Seitentasche seines grauen Rockes gesteckt.
Der Weg wurde mit jedem Schritt, den die beiden Männer zurücklegten, breiter und luftiger, das heckenartige Dickicht zu beiden Seiten wurde stets lichter, bis endlich die Baumstämme so weit voneinander entfernt standen, dass das niedrige Gestrüpp und die Ranken nur noch selten einen Stützpunkt fanden; sie wanden sich auf dem trockenen Boden fort.
Nach einer Viertelstunde lief der Weg auf einen großen Rasenplatz aus, auf dem vereinzelte, aber regelmäßig angelegte Gruppen von Palmen und Zedern standen, deren Zweige und Stämme dergestalt von Reben und großblättrigem Jasmin umwunden waren, dass sie ziemlich große Räume völlig vor den Sonnenstrahlen schützten. Diese schattigen Plätze wurden von künstlich angelegten und sorgfältig gepflegten lebendigen Hecken eingezäunt, in denen sich zierliche, weiß angestrichene Holzgitter befanden, die die Türen bildeten. Unter den dicken, kräftigen Stämmen selbst, die einen regelmäßigen Kreis bildeten, standen elegante Holzbänke, Stühle und Tische, von denen einige mit farbigen Decken überhangen waren. Die Räume, die zwischen diesen einzelnen Baumgruppen lagen, waren hin und wieder mit Bosketts geschmückt, aus deren dunklem Grün prachtvolle Blumenkelche in üppigen Farben emporragten und die Luft, trotz der drückenden Hitze, mit einem würzigen Duft erfüllten. Breite Schlangenwege, nach englischem Geschmack gestaltet, durchzogen diesen duftigen Park, in dessen Mitte sich die Gruppe freundlicher Häuser erhob, die der Pflanzer auf dem Kreuzweg zum Gegenstand seiner Betrachtungen erkoren hatte.
Kato kannte diese Wege genau. Als ob ihn der Faden der Ariadne leitete, schritt er keuchend durch die verschiedenen, von ihm gewählten Schlangenwindungen, bis er endlich auf einen freien, mit feinem Kies bestreuten Platz gelangte, der auf einer Seite von der Fassade eines eleganten, zweistöckigen Hauses und auf den übrigen Seiten von dichtem Gebüsch begrenzt wurde, durch dessen dunkles Laub die weißen Mauern und glänzenden Fenster der Wirtschaftsgebäude schimmerten.
In der Mitte dieses Platzes rauschte eine Fontäne einen starken Wasserstrahl empor, der, nachdem er die Pflanzen in seiner Nähe mit einem leichten Sprühregen betaut hatte, in ein großes Marmorbecken zurückfiel, um einen klaren Teich für lustige Fischlein zu bilden.
Von dem Becken bis zu der hohen Mitteltür des Hauses zog sich eine Allee dicht belaubter Bäume, aus deren Zweigen der hundertstimmige Gesang munterer Vögel erklang, die sich gern in der Nähe des kühlenden Wassers aufhielten.
Durch diese Allee ging Kato, nachdem er neben dem Wasserbecken einen Augenblick stillgestanden und einige Züge kühler Luft genossen hatte. Jackson, der ihm stets auf den Fersen war, folgte ernst und schweigend.
Als die beiden Männer die breiten Steinstufen der Freitreppe vor dem Haus erreicht hatten, wandte sich der Mulatte zu seinem Begleiter.
»Sir Jackson«, sagte er, »was soll ich meiner Gebieterin melden?«
»Narr«, antwortete der Pflanzer finster, indem er den Kolben seines Gewehrs auf die Steinplatte setzte, »ich habe es dir schon gesagt: Melde, dass ich in einer dringenden Geschäftsangelegenheit eine Unterredung mit ihr verlange. Weigert sie sich, mich zu empfangen, so bedeute ihr, dass es in ihrem Interesse ist.«
»Ich fürchte«, sagte Kato seufzend, »dass dieses Bedeuten Ihnen kein Gehör verschaffen wird, wenn Miss Jenny nicht geneigt ist, Sie vorzulassen. Hätten Sie nur einen eleganten Frack an, moderne Hosen und blanke Stiefeln, dann würde ich nicht alle Hoffnung aufgeben – so aber zweifele ich.«
»Tue, was ich gesagt habe«, befahl Jackson ungeduldig, indem er heftig mit dem Gewehr auf den Stein stieß, dass es laut dröhnte.
Trotz seiner Ermüdung sprang Kato mit einem Satz zwei Stufen hinauf.
»Gut«, sagte er erschrocken, »so treten Sie in den Saal, ich werde Sie melden!«
Der Mulatte öffnete eine Glastür, die zu einem kleinen Vorgemach ohne Möbel führte. Dann zog er an einer Glocke.
Kaum eine Minute verstrich und eine andere Tür wurde von innen geöffnet. Eine junge Negerin in weißer bengalischer Kleidung erschien auf der Schwelle. Als sie den Mulatten mit seinem grauen Begleiter erblickte, trat sie zurück und ließ die beiden Männer eintreten. Dann schloss sie die Tür wieder.
»Katty«, flüsterte der Mulatte zu der Negerin, »führe mich zu Miss Jenny, ich habe mit ihr zu reden. Sir Jackson«, wandte er sich zu dem Pflanzer, »nehmen Sie Platz, ich kehre in zwei Minuten zurück.«
Jackson war allein. Ruhig, die Hand auf sein Gewehr gestützt, blieb er in der Mitte des eleganten Saales stehen und begann, sich mit dessen Betrachtung zu unterhalten. Die Seite, die der Tür gegenüberlag, durch die er eingetreten war, bestand fast nur aus einem einzigen großen Fenster, hinter dem sich ein duftender Garten darbot. Zwei große Glasflügel in dieser Fensterwand waren geöffnet – statt ihrer füllten leichte Holzrahmen, mit dünnem, weißem Gaze bespannt, die entstandene Öffnung aus, sodass die duftgeschwängerte Luft des Gartens freien Einzug hatte und das Eindringen der Insekten und Moskitos verhindert wurde. Ein zierlicher Kronleuchter aus Kristall hing an einer starken, roten Schnur von dem schön bemalten Plafond herab und die reichen Tapeten an den Wänden zeigten Ansichten alt-römischer Städte, Plätze und Gebäude. An jeder Seite, wo sich keine Tür befand, standen niedrige Ottomanen mit schwellenden Polstern, vor denen sich kostbare rote und blaue Fußteppiche ausbreiteten. Mit einem Wort, der Saal war einfach, aber bequem und reizend ausgestattet.
Schmerzlich ruhten die Blicke des Pflanzers auf allen diesen Gegenständen, und wer den Mann in seiner grauen, fast ärmlichen Kleidung so gesehen hätte, würde unwillkürlich auf die Vermutung gekommen sein, er betrauere seine Armut und beneide die Besitzerin um ihren Reichtum.
Jackson brauchte nicht lange zu warten, denn kaum waren fünf Minuten vergangen, als Kato wieder erschien.
»Sir Jackson«, sagte er mit trübseligen Mienen, »Miss Jenny Makensie bedauert, Sie nicht empfangen zu können …«
»Warum?«, fragte der graue Pflanzer heftig und barsch.
»Sie ist mit Eva, ihrem Kammermädchen, beschäftigt, den Brautstaat zu prüfen, der vor einer Stunde aus New Orleans angekommen ist.
»Ein wichtiger Grund!«, murmelte Jackson.
»Hast du ihr auch alles gesagt, was ich dir aufgetragen habe?«
»Alles, Herr, nicht eine Silbe habe ich verschwiegen. Wie es scheint, hegt Miss Jenny eine besondere Abneigung gegen Sie, und ich glaube den Grund dafür zu kennen.«
»So nenne ihn mir!«
»Blicken Sie dort in jenen Spiegel und Sie wissen ihn.«
Unwillkürlich richteten sich die Blicke des Pflanzers auf den hohen Spiegel. Das fein geschliffene Glas gab seine Gestalt und die des aufgeputzten Mulatten zurück, der sich selbstgefällig und mit den schmutzig gelben Händen sein weißes Hemd ordnend darin betrachtete.
»Du hast recht, Kato«, sagte der Pflanzer schmerzlich lächelnd, »ich passe nicht in dieses Haus. Doch sage deiner Gebieterin«, fügte er mit dumpfer Stimme hinzu, »dass ich mich dennoch zur Hochzeit einfinden werde, ohne festliche Kleidung anzulegen. Bis dahin lebe wohl!«
Mit den letzten Worten warf er seine Büchse über die Schulter, öffnete die Tür und verließ, dem Anschein nach ruhig, den Saal.
Kopfschüttelnd schloss der Mulatte die Tür wieder.
»Ich kann nicht begreifen«, murmelte er lächelnd vor sich hin, »wie der große Pflanzer sich noch wundert, dass ihn Miss Jenny, die zarteste und eleganteste Dame, die ich kenne, nicht empfangen will! Nun, ich hoffe, der Spiegel wird ihm das, was ich ihm schon oft gesagt habe, bestätigt haben, denn er machte ein gar jämmerliches Gesicht, als er mich neben sich erblickte – ja, fashionable sein ist auch eine Kunst, zu der nicht etwa Geld und Gut gehört, um sie auszuüben, sondern Talent, Geschmack und Genie! Und dass ich dieses alles besitze, hat mir Eva, die sonst nicht leicht zufriedenzustellen ist, zugestehen müssen. O du reizende Eva, deine Worte haben mir mein Ziel gesteckt: Ich will der fashionabelste aller Männer werden, die je ein weibliches Wesen geliebt haben. Übermorgen, wenn meine Gebieterin sich verlobt, erscheine ich zum ersten Mal in einem grünen Frack mit goldenen Knöpfen – gerade, wie ihn Sir Arthur trägt. In diesem Frack trete ich vor Eva hin und werbe um ihre Hand, und bei Gott, es müsste nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn sie mir einen Korb erteilte. Was der Anzug noch zu wünschen übrig lässt, ersetzen meine Worte, meine Manieren. – Eva, du wirst in Fesseln geschlagen, selbst wenn du dich mit der Büchse des Pflanzers bewaffnest, der wie ein Bandit die Waldungen durchstreift!«
Eine Glocke unterbrach das Selbstgespräch des Mulatten. Sie musste ihm gelten, denn ohne die Absicht, vor den Spiegel zu treten, auszuführen, ging er schnell auf die Tür zu, durch die er zuvor verschwunden war, um den Pflanzer zu melden, und verließ den Saal.
Jackson hatte die Besitzung Miss Jennys verlassen und wieder denselben Weg eingeschlagen, auf dem wir ihn begleitet haben.
Als er an der Stelle ankam, wo die beiden Wege sich kreuzen, fand er einen Neger mit einem gesattelten Pferd vor. Ohne mit dem Sklaven ein Wort zu wechseln, schwang er sich in den Sattel, gab dem kräftigen Tier die Sporen und entschwand nach kurzer Zeit den Blicken des langsam folgenden Negers.
3.
Es wurde Abend. Die glühenden Sonnenstrahlen hatten sich hinter den Wald zurückgezogen, dessen höchste Wipfel wie von einem Feuermeer umfangen schienen. Alle Türen und Fenster von Jennys Wohnung waren geöffnet, um dem kühlen Hauch der Nacht den Eintritt in die schwülen Räume zu gestatten. Im Westen glühte der Horizont im dunklen Purpur der scheidenden Sonne und im Osten tauchte ein Stern nach dem andern auf, stärker und immer stärker blitzend, je nachdem die Abendröte sich verminderte.



