Samos Reiseführer Michael Müller Verlag

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Psilí Ámmos (West): Der westliche der beiden Sandstrände dieses Namens erstreckt sich in der weiten Bucht von Marathókampos noch hinter Votsalákia. So hübsch diese lange, flach abfallende Sandbucht ist, hat sie durchaus Konkurrenten in ihrer Umgebung: der wenig besuchte, schöne Kiesstrand von Ballós am anderen Buchtende, die nahen Strände von Votsalákia und Limniónas, ein Stück weiter die versteckte Válsamo-Bucht ...
Tsamadoú: Der herrlich gelegene Paradestrand von Kokkári an der Nordküste, etwa 2 km außerhalb des Städtchens, ziert fast jeden Reiseprospekt. In der Nähe finden sich mit Lemonákia und Tsábou weitere schöne Strände, die ebenfalls aus hellen kleinen Kieseln geformt sind.
Potámi: Zwei Kilometer südwestlich des Hafenviertels von Karlóvassi trifft man auf diesen Strand, der seinen Namen (Potami = Fluss) einem hier mündenden Bach verdankt. Etwa einen Kilometer lang und schön geschwungen, zählt er zu den beliebtesten Stränden der Nordküste. Vom Strand aus sieht man die futuristische Kapelle Ágios Nikoláos. Wer dem Flusstal folgt, erreicht irgendwann die berühmten Potámi-Wasserfälle.
Míkro Seitáni & Megálo Seítani: Inmitten herrlicher Natur, im fast unzugänglichen, durch keine Straße erschlossenen Nordwesten, verstecken sich zwischen dem Potámi-Strand und dem Bergdorf Drakéi die Strände des „Kleinen Teufels“ und des „Großen Teufels“. Da nur zu Fuß (→ Wanderung 10) oder per Boot zu erreichen, bieten sie auch im Hochsommer viel Platz.
Unterwegs auf Sámos
Der Osten um Sámos-Stadt
Für Freunde des griechischen Alltags wohl die Urlaubsadresse auf Sámos schlechthin. Hier, in der 8000-Einwohner-Hauptstadt, konzentrieren sich die Pensionen und Restaurants, die Hotels und Geschäfte, hier ist der Inselalltag am besten spürbar. Auch wenn die Umgebung landschaftlich nicht so spektakulär ist wie der Inselwesten, so lockt sie mit Ausflugszielen vom Kloster bis zum Badestrand - oder mit einer schönen Wanderung rund um Sámos-Stadt.

1855 wurde Sámos-Stadt zur Hauptstadt der Insel ernannt. Das Archäologische Museum im Zentrum gehört zu den bedeutendsten Sammlungen der Ägäischen Inseln.
Am „Schwanz des Delphins“ bestimmt die modern wirkende Inselhauptstadt, von der Bevölkerung nach ihrem alten Namen Vathí genannt, das Geschehen. Hier findet sich die touristische Infrastruktur vom Souvenirladen bis zum Luxushotel und nicht zuletzt ein hervorragend bestücktes Archäologisches Museum. Im Gegensatz zu manch anderer Siedlung ist „Vathí“ trotz Touristen ein Ort geblieben, in dem das griechische Leben noch zu spüren ist. An guten Bademöglichkeiten mangelt es zwar, doch da kann die Umgebung aushelfen.
Jenseits der Stadtgrenze beginnt eine andere Welt, hier trifft man nur mehr auf winzige Siedlungen. Hohe Berge wie die Massive weiter westlich gibt es nicht, stattdessen dehnt sich ein Hügelland aus, das in den unteren Lagen mit Zypressen und Ölbäumen, in den höheren mit kargem Buschland bewachsen ist und ein hübsches Wanderrevier abgibt. Auch zu Ausflügen per Fahrrad, Scooter oder Mietauto lädt die überschaubare, aber vielfältige Region ein.
Zu den Hauptzielen zählen die Klöster Agía Zóni und Zoodóchos Pigí sowie die Strandbuchten von Kérveli und Posidónio, wo sich Tavernen und einige wenige Unterkünfte finden. Geradezu ein Wallfahrtsort für Sonnenanbeter ist südlich der Hauptstadt und mit tollem Blick auf die Türkei der Psilí-Ámmos-Strand, der in der Sommersaison per Bus und rund ums Jahr auch auf unserer Wanderung 3 zu erreichen ist. Seltener aufgesucht wird das Gebiet um den Weiler Agía Paraskeví nördlich der Stadt, obwohl sich auch hier immer wieder reizvolle Panoramen öffnen.
Was anschauen?
Àno Vathí: Der alte Stadtteil oberhalb des Stadtzentrums mit Gebäuden aus dem 18. Jahrhundert lädt zum Bummel ein: durch enge Gassen, vorbei an Kafenía und Bars.
Archäologisches Museum: Die beeindruckende Sammlung von archäologischen Funden der Insel ist in zwei Gebäuden untergebracht. Der fünf Meter hohe Kouros von Sámos, ein kolossales Statuenfragment, für das der Boden extra abgesenkt werden musste, ist einzigartig.
Mitrópolis: Die Kathedrale der Stadt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ist architektonisch zwar nicht so spannend, doch strahlt sie eine Atmosphäre aus, die zum ehrfürchtigen Innehalten anregt.
Was unternehmen?
Sofoúli/Platía Pythágoras: An der Uferpromenade vom Hafen bis zur Platía reihen sich die Terrassencafés und Restaurants, die Meile zum abendlichen Flanieren. Parallel dazu verläuft die quirlige Fußgängerzone.
Moní Agía Zóni: Das Kloster aus dem Jahr 1695 liegt östlich von Sámos-Stadt. Die Kirche schmücken kostbare Fresken und eine geschnitzte Ikonostase vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Der Klosterbesuch lässt sich verbinden mit einem Ausflug zur nahen Posidonio-Bucht, von der sich der Blick auf die nahe türkische Küste mit den Mykale-Bergen öffnet.
Moní Zoodóchos Pigi: Wie eine Festung thront das Kloster in 300 Metern Höhe über dem Meer. In der 1756 geweihten Kirche beeindrucken die vergoldete Ikonostase und vier antike Säulen, auf denen die Kuppel ruht. Die beiden Klöster Agía Zóni und Zoodóchos Pigi kann man auch im Rahmen der Wanderung 2 besuchen.
Museum of Sámos Wines: Etwa 2,5 Kilometer südlich des Stadtzentrums findet sich das kleine Weinmuseum, das den Besuch schon wegen der Verkostung lohnt.
Wo baden?
Psilí Ámmos: Der feinsandige, flache Strand, an dem es auch Schattenplätze gibt, zählt zu den schönsten Stränden auf Sámos. Der Blick auf die nahe Türkei, die guten Restaurants, die meist eine Terrasse zum Meer haben, und die Cafés, in denen es sich gut relaxen lässt, das ist Erholung pur. Wer nicht nur entspannen will, kann den Strandaufenthalt auch mit Wanderung 3 rund um Sámos-Stadt verbinden.
Mykáli-Strand: Ganz anders als Psilí Ámmos, aber nicht minder schön ist der kilometerlange Mykáli-Beach weiter westlich. Wer Einsamkeit und Ruhe sucht, ist hier richtig. Aber auch die Tavernen am Strand sind einen Besuch wert.
Sámos-Stadt (Vathí)
Von ihrer schönsten Seite zeigt sich die Inselhauptstadt bei der Ankunft mit der Fähre: Am Ende des tief eingeschnittenen Golfs von Vathí staffeln sich die Häuser wie ein Amphitheater, überragt von steilen Hügeln, auf deren Gipfeln der blanke Fels das dichte Grün durchbricht.
Aus der Nähe betrachtet, erweist sich zumindest das Zentrum von Sámos-Stadt als nicht mehr gar so malerisch, sondern als eher neuzeitlich, quirlig und alltagsorientiert. Tourismus findet durchaus kräftig statt; am Angebot an Hotels, Restaurants, Bars und Souvenirständen gibt es nichts zu mäkeln. Im Vergleich zu Pythagório und Kokkári, den beiden anderen Städtchen des Inselostens, stellt Sámos gleichzeitig jedoch geradezu eine Heimstatt griechischen Alltags dar. Immerhin etwa 8000 Einwohner leben in der größten Siedlung der Insel, durchaus genug, um die Uferpromenade auch außerhalb der Saison nicht völlig verwaisen zu lassen.

Auf den ersten Blick erstaunen mag die große Zahl der Besucher, die sich für ein paar Tage oder gar Wochen in der Hauptstadt einquartieren, gibt es hier doch praktisch keine brauchbaren Strände, vom winzigen Strand von Gángou einmal abgesehen. Mit Badefreuden kann Sámos-Stadt deshalb kaum dienen, zumal die Wasserqualität der Bucht insgesamt nicht die beste ist.
Als Ausgangspunkt für Inselentdeckungen bleibt das Städtchen trotz dieses Mankos aber erste Wahl: Trotz seiner geographischen Randlage bildet Sámos-Stadt das Zentrum nicht nur des Fähr-, sondern auch des Busverkehrs, eignet sich deshalb gerade auch als Standort für Wanderer. Im Ort finden sich die besten Einkaufsmöglichkeiten der Insel, außerdem das schönste und am besten bestückte Museum von Sámos. Und in der Umgebung kommen dann auch Strandliebhaber auf ihre Kosten ...

Weit geschwungen: die Hafenbucht der Hauptstadt
Zur Benennung: Eigentlich heißt die Hauptstadt seit geraumer Zeit offiziell ja Sámos, doch ist im Alltagsgebrauch der alte Name Vathí vorherrschend geblieben. Auf Bus- und Fährplänen wird mal der eine, mal der andere Name benutzt, wobei die offizielle Bezeichnung sicher die besseren Zukunftsperspektiven hat. Das kann schon mal zu Verwirrungen führen, zumal statt Vathí auch der Ausdruck Káto Vathí („Unter-Vathí“) Verwendung findet. Er dient zur Unterscheidung von Áno Vathí („Ober-Vathí“), der auf einem Hügel im Süden gelegenen Oberstadt, die bis heute den Charakter einer eigenständigen Siedlung trägt.
Orientierung: Sámos-Stadt schmiegt sich halbrund in den Scheitelpunkt des 5 km langen und bis zu eineinhalb Kilometer breiten Golfs Kolpos Vathéos. Mittelpunkt des Geschehens ist die Uferstraße Themistoklí Sofoúli, meist schlicht Sofoúli (oder Paralía) genannt, die sich rund um das Ende des Golfs erstreckt.
Die Uferstraße fungiert als Promenade und erste Adresse für Fähragenturen, Hotels und Terrassencafés vor allem bis zur Höhe des palmenbestandenen Hauptplatzes Platía Pythágoras, den man leicht an seiner großen Löwenstatue erkennt. Parallel zur Sofoúli verläuft die Fußgänger- und Einkaufszone Likoúrgou Logothéti, die ganz überwiegend vom Tourismus geprägt wird. In ihrer Verlängerung jenseits der Platía Pythágoras trifft sie als Kapetán Stamátis, nunmehr mit Geschäften versehen, die vorwiegend den einheimischen Bedürfnissen dienen, auf das zweite Zentrum von Sámos-Stadt: den Bereich um den Stadtpark, in dem auch das Rathaus und das Archäologische Museum liegen. Noch weiter südlich entstand eine Verlängerung der Uferstraße in Richtung Kokkári; das immer noch recht öde Gebiet lädt jedoch zum kaum zum Bummeln ein.
Eher als Kuriosum erwähnenswert ist die große Umgehungsstraße, die vom Gebiet bei Tris Ekklisiés (an der Straße Richtung Pythagório) in weitem Bogen oberhalb von Kalámi bis weit hinter das Hospital verläuft; die schnellere Zufahrt zum Krankenhaus war auch das offizielle Argument für diese sehr „großzügig“ geplante Umgehung.
Das alte Áno Vathí besetzt die Hänge im Süden des Städtchens. Hier oben lässt sich zwischen den alten, in traditioneller Bauweise errichteten Häusern noch jene Idylle finden, die man unten im betriebsamen Hauptort vielleicht manchmal vermisst. Zumindest einen Spaziergang durch die steil ansteigenden Gassen des ruhigen Ortsteils sollte man in jedem Fall einplanen. Leider entvölkert sich Áno Vathí fast zusehends - noch vor zwanzig Jahren lag die Einwohnerzahl hier um fast ein Viertel höher als heute.

Am Rand des Geschehens: der kleine Fischerhafen von Sámos-Stadt
Ortsgeschichte
Die Vergangenheit der Siedlung ist vergleichsweise kurz, reicht sicher nicht über die Wiederbesiedelung der Insel im 16. Jh. zurück. Die ersten Häuser entstanden damals im Gebiet von Áno Vathí, das sich in seiner Hanglage vor schnellen Piratenüberfällen einigermaßen sicher fühlen durfte. Erst zu Ende des 17. Jh. wagten sich einige Kaufleute hinunter an die Küste; vorerst nur, um dort einzelne Warenlager zu errichten. Der teilautonome Status, den die Insel ab 1832 erhielt, und der damit verbundene kräftige Wirtschaftsaufschwung verhalfen der kleinen Küstensiedlung zu einem rasanten Boom. Vom Hafen Káto Vathí wurden die Güter des Hinterlandes verschifft, gingen Wein, Leder, Seife und der einstmals berühmte Tabak von Sámos in alle Welt. Damals und in den folgenden Jahrzehnten entstanden auch die neoklassizistischen, heute teilweise verfallenden, immer häufiger aber aufwändig renovierten Villen, die dem Ortsbild einen eigenen Reiz verleihen. Angesichts des wirtschaftlichen Erfolges war es nur folgerichtig, dass die aufstrebende Siedlung, mittlerweile die größte der Insel, 1855 zur Hauptstadt ernannt wurde.
Einen Stadtplan, dem auch die Lage der einzelnen Hotels und Restaurants zu entnehmen ist, finden Sie in der hinteren Umschlagklappe.

Bewacht vom „Löwen der Freiheit“: die Platía Pythágoras
Sehenswertes
An Sehenswürdigkeiten bietet Sámos-Stadt mehr Klasse als Masse. Altehrwürdige Bauten wird man in der vergleichsweise jungen Siedlung natürlich vergebens suchen. Höhepunkte eines Stadtbummels sind das hervorragend bestückte Archäologische Museum und der romantische Ortsteil Áno Vathí.
Sofoúli/Platía Pythágoras: Die von Hotelbauten, neoklassizistischen Häusern und einer katholischen Kirche gesäumte Uferpromenade zwischen Hafen und Platía ist der Lebensnerv der Stadt. Am Abend ab etwa zwanzig Uhr füllen sich die Terrassencafés mit Einheimischen und Touristen. Alle Stühle sind so postiert, dass jeder den Boulevard im Blick behalten kann: Hier nämlich spielt sich die allabendliche Vólta ab, der fast rituelle Spaziergang. Auf und ab flanieren die herausgeputzten Pärchen, Teenagergruppen und Familien, die Wendepunkte bilden der Hafen und die Platía Pythágoras. Auch die Cafés des Hauptplatzes sind am Abend dicht belagert. Über die Platía wacht der 1930 aufgestellte Marmorlöwe, der an den griechischen Freiheitskampf erinnert.
Byzantinisches Museum: Früher im Bischofspalast untergebracht, dann ins Gebiet hinter der Einkaufsstraße Logothéti umgezogen, präsentiert das Byzantinische Museum praktisch ausschließlich kirchliche Kunst des 15.-19. Jahrhunderts, darunter kostbare Ikonen und Messgewänder, üppig versilberte Kruzifixe und Gefäße, reich mit Gold und Silber verzierte Bücher etc. Lange geschlossen, hat das Museum seit einigen Jahren zumindest offiziell wieder geöffnet (Mo-Fr 10-14 Uhr; Eintritt 1,50 €); falls man dennoch vor verschlossenen Türen steht, lohnt sich eventuell eine Anfrage bei der Kirchenverwaltung um die Ecke.
Mitrópolis: Die große Kathedrale der Stadt, dem Heiligen Nikolaus geweiht, erhebt sich an der Platía Agiou Nikoláou, nur einen Katzensprung vom geschäftigen Treiben der Einkaufszone entfernt. Sie entstand zwar erst Mitte des 19. Jh. und birgt auch keine herausragenden Kunstschätze, ist aber innen recht üppig ausgestattet und sehr farbenprächtig mit byzantinisch inspirierten Fresken bemalt.
Stadtpark: Entstanden ist der kleine, aber sehr vielfältig mit Büschen und hohen Bäumen begrünte Park im 19. Jh. als Palastgarten des von den Türken eingesetzten, jedoch griechisch-orthodoxen Hegemonen. Der zugehörige Palast hat die Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs leider nicht überstanden. Der Park ist schon länger geschlossen. Wann die geplante Neugestaltung stattfindet und der Park wiedereröffnet wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Frische Produkte der Insel: Markt bei der Spyrídon-Kirche
Ágios Spyrídon: Schräg gegenüber dem Park steht die in üppigem Marmor gehaltene Kirche des Hl. Spyrídon, Stiftung des reichen Tabakhändlers Paschális aus dem Jahr 1909. Auch die Innenausstattung wurde überwiegend aus Spenden dieser Zeit bestritten; einige Ikonen sind allerdings älteren Datums. Stolz sind die Einwohner auf die geschichtliche Bedeutung der Kirche: 1912 wurde hier offiziell der Anschluss der Insel an Griechenland gefordert.
Rathaus: Nordöstlich der Kirche und direkt hinter dem Stadtpark gelegen, bildete das alte Rathaus zur Zeit der Autonomie den Tagungsort der Nationalversammlung. Ein Blick in das zu den Bürozeiten zugängliche Gebäude lohnt sich.
Archäologisches Museum
Die beste archäologische Sammlung von Sámos, gleichzeitig eine der schönsten Sammlungen dieser Art, die man auf griechischen Inseln überhaupt bewundern kann, verteilt sich auf zwei Gebäude im Umfeld des Rathauses.
♦ Tägl. außer Dienstag 8.30-16 Uhr. Eintritt 4 €, ermäßigt 2 €.
Neubau: Er wurde aus Mitteln der Volkswagenstiftung errichtet; bei der Einweihung war denn auch der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker persönlich zugegen. Ausgestellt sind hier Skulpturen aus dem Gebiet des bedeutenden, nahe Pythagório gelegenen Heiligtums Heraíon. Ein Plan dokumentiert die Ausgrabungsstätte, Erklärungen gibt es auch in deutscher Sprache. Zu den berühmtesten Exponaten zählt die (kopflose) Figurengruppe des Geneleos, entstanden um 560/540 v. Chr. und benannt nach dem Bildhauer, der sie schuf. Frontal stehen die verbliebenen Mitglieder der sicher wohlhabenden Familie zum Betrachter. Ursprünglich waren es, den Aussparungen im Sockel nach zu schließen, sechs Personen; ganz rechts außen und im Gegensatz zu den anderen liegend dargestellt, befand sich wohl der Vater, der auch der Auftraggeber gewesen sein dürfte. Den Höhepunkt der im Heraíon gemachten Funde bildet jedoch eine riesige Jünglingsstatue aus archaischer Zeit, ein Kouros. Wie alle Jünglingsfiguren (Kouroi) jener Epoche ist sie nackt, im Gegensatz zu den Mädchenfiguren (Koren), die immer bekleidet dargestellt waren. Eines aber hatten beide Geschlechter gemeinsam: Alle erhalten gebliebenen Köpfe tragen den Ausdruck eines feinen Lächelns.
Der kolossale Kouros von Sámos
Den linken Oberschenkel und den Arm einer offenbar riesigen Jünglingsstatue aus archaischer Zeit besaß das Museum schon lange. 1973 fand man auch den rechten Oberschenkel. Und 1980 bekamen die drei einsamen Körperteile aus dem 6. Jahrhundert vor Christus ein weiteres Mal Gesellschaft: Im Heraion stießen deutsche Archäologen auf den massiven Körper aus Marmor. Dem Aufstellen des Kouros stand jetzt eigentlich nichts im Wege; nur ein für diese Maße und Gewichte geeigneter Raum fehlte. Nachdem man den Boden um zwei Meter abgesenkt hatte, fand sich im Neubau des Museums ein Plätzchen. Allerdings musste dafür eine Mauer eingerissen werden, um den mächtigen Leib überhaupt ins Gebäude bringen zu können. 1984 folgte die nächste Sensation, als Grabungen auch den Kopf des Kolosses zutageförderten. Um ihn richtig zu platzieren, wurde diesmal die Decke des Raums angehoben ...
So steht er nun fast vollständig, der größte seiner Art auf der Welt, gute vier Tonnen schwer, fast fünf Meter hoch - und lächelt.

Altbau: Wie die Kirche des Hl. Spyrídon vom Tabakhändler Paschális gestiftetet und deshalb auch Paschálion genannt, birgt der Altbau des Museums eine Vielzahl kleinerer, dabei dennoch sehr bedeutender Stücke.
Im Erdgeschoss werden im Nordraum prähistorische, geometrische und archaische Funde ausgestellt; im Südraum stammen sie vor allem aus dem Heraíon des 6. Jh. v. Chr., als Sámos seine Blütezeit erlebte. Zu sehen sind außerdem kunstvoll gestaltete Gegenstände aus ägyptischen, persischen und orientalischen Werkstätten, die die vielfältigen Handelsbeziehungen der Insel verdeutlichen. Bereits ab dem 7. Jh. v. Chr. beeinflusste dieser rege Austausch die samische Kunst.
Importierte Kunstobjekte sind zusätzlich im Obergeschoss ausgestellt, darunter zahlreiche sehr schöne Stücke aus Zypern und aus Ägypten: Skarabäen, Katzen, Ibisse, Horusfalken und der füllige Fruchtbarkeitsgott Bes. Der Schwerpunkt im Obergeschoss liegt jedoch auf zwei besonders ungewöhnlichen und bemerkenswerten Sammlungen: Die eine umfasst sehr seltene Votivgaben aus Holz und Elfenbein, die sich im immerfeuchten, luftundurchlässigen Boden des Heraíon gut erhalten haben und durch ein spezielles Präparationsverfahren nach ihrer Entdeckung geschützt werden konnten. Die andere Sammlung zeigt zahlreiche Greifenköpfe, die an Weihkesseln und Haustüren des 8-6. Jh. v. Chr. angebracht waren und zur Abwehr von Bösem dienen sollten.

Felsinseln im Meer: Ausblick vom Kirchlein Profitis Ilías
Áno Vathí
Südlich oberhalb der Hauptstadt, an einem Hang zwischen zwei Hügelkuppen gelegen, war Áno Vathí ab dem Ende des 17. Jh. Ausgangspunkt der Küstenbesiedelung. Auch heute noch erinnert hier vieles an alte Zeiten, zeigt sich die Atmosphäre entspannt und fast dörflich. Ein Bummel durch das romantische Ensemble aus traditionellen Häusern, bunten Blumenkanistern, sehenswerten Kirchen und hübsch gepflasterten Treppengassen lohnt sich trotz des anstrengenden Aufstiegs, der vom Zentrum aus eine gute Viertelstunde in Anspruch nimmt. Einen Hauptplatz gibt es in Áno Vathí nicht, stattdessen vereinzelte, oft hübsch weinüberrankte Kafenía und Bars. In den engen, steilen Gassen kann man sich leicht einmal verlaufen, doch gehört dies zu einem Ausflug hierher fast dazu. Auffällig ist die Bauweise der Häuser, deren oberes Stockwerk, von Holzbalken gestützt, balkonartig den Grundriss überragt - so schuf man Wohnraum und ließ gleichzeitig Platz in den Gassen. Obwohl das ganze Gebiet unter Denkmalschutz steht, verfällt leider ein Teil der oft noch bis ins 18. Jh. zurückgehenden Bauten, doch werden auch wieder einige der alten Häuser restauriert.
Wanderung 1: Zur Aussichtskapelle des Propheten Elias
Kurze Tour zum „Warmlaufen“ mit herrlichem Ausblick über die Hauptstadt
Richtung Kokkári
Museum of Sámos Wines: Auf dem Gelände der Winzergenossenschaft E.O.S.S., in Ufernähe ganz im Süden der Bucht und ca. 2,5 km vom Zentrum entfernt gelegen, wurde 2005 ein Weinmuseum eröffnet. Die Menge der Exponate ist überschaubar. Beeindruckend sind das alte Gebäude und die riesigen Fässer jedoch allemal. Abgerundet wird der Besuch durch eine Verkostung diverser Sorten von Sámos-Wein.
♦ Lage und Öffnungszeiten: Von der Uferstraße kommend dem Supermarkt-Schild auf das Gelände folgen, dann gleich rechts. Mai-Okt. Di-Fr 10.30-17, Sa 10-17 Uhr. Eintritt 2 €.
Baden
Wie erwähnt, sind die Möglichkeiten um den Stadtbereich leider sehr bescheiden. Das Wasser im Golf von Vathí steht zudem nicht gerade im Ruf besonderer Sauberkeit. Viele Einwohner und Besucher fahren deshalb zum Baden lieber nach Psilí Ámmos (→ „Umgebung“) oder auch an die Strände von Kokkári.
Gángou-Strand: Noch im nördlichen Stadtbereich, ca. 1,5 km vom Hafen. Kleine Bucht mit grobem Kies (Badeschuhe!), Sonnenschirmen und Taverne, von den Gästen der umliegenden Hotels dicht belagert.
Basis-Infos
Information GNTO-Tourist-Office, Odós Themistoklí Sofoúli 107, an der Uferstraße unweit vom Busbahnhof. Geöffnet ist ganzjährig, die Öffnungszeiten (zuletzt Mo-Fr 8-15 Uhr) wechseln jedoch gelegentlich. Tel. 22730 28582.
Nützliche Adressen Deutsches Honorarkonsulat, Themistokli-Sofouli & Grammou-Str. 2; Tel. 22730 23657, mobil Tel. 699 7709 302, samos@hk-diplo.de. Tägl. 10.30-12.30 Uhr.
Krankenhaus: Hospital Sámos, Synt. Kefapolou 17, im Bereich nördlich des Hafens, Tel. 22730 83100.
Post: An der Uferstraße Sofoúli, noch stadtauswärts der Infostelle. Mo-Fr 7.30-14.30 Uhr.
Verbindungen
Flug Zum Flugverkehr von/nach Sámos siehe im entsprechenden Einleitungskapitel. Reiseagenturen finden sich in breiter Auswahl entlang der Uferstraße Sofoúli.
Öffentliche Busverbindung zum Flughafen ab der Bushaltestelle Mo-Fr tägl. 9-mal, Sa 7-mal, So 3-mal. Das Taxi kostet ca. 25 €.
Schiff Sámos-Stadt ist der Hauptfährhafen der Insel. Der Fähranleger (2012 verlegt) befindet sich auf der dem Ortskern gegenüberliegenden Südseite des Golfs und mithin weit entfernt vom Zentrum; ein Taxi dorthin kostet ca. 5 €. Diesen sog. „Malagári-Port“ nutzt die große Mehrzahl der Fähren mit Ausnahme der Türkeiverbindungen, die auf das Zollgebäude am alten Fährhafen im Zentrumsbereich angewiesen sind. Leider kann man sich auf diese Einteilung jedoch nicht völlig verlassen (z. B. bei schlechtem Wetter), erkundigen Sie sich deshalb vorher genau, wo Ihre Fähre ablegt.






