Rechtliche Rahmenbedingungen für Geschäftstätigkeiten in den Vereinigten Arabischen Emiraten

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Nachfolgend werden einige wichtige Aspekte herausgegriffen, die die speziellen Entwicklungen und Herausforderungen an die Vereinten Arabischen Emirate beschreiben, um dann anschließend die Besonderheiten der einzelnen Emirate aufzuzeigen.
1.2 Wirtschaftliche Entwicklung
Enorme Umwälzungen haben seit Beginn der Erdölförderung in den 1960er Jahren die Wirtschaftsstruktur der VAE verändert. Basierte die emiratische Wirtschaft davor zumeist traditionell auf Fischerei und Perlenhandel sowie dem Karawanenhandeln, durchliefen die Emirate – basierend auf den Öleinnahmen – einen fundamentalen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel, wurden zu einem der wichtigsten Wirtschaftsstandorte der Welt und gelten als attraktiver Arbeits- und Geschäftsmarkt für ausländische Arbeitskräfte und Investoren.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erreichte 2012 nominal US$ 383,8 Mrd. Unter Beachtung der Volkszählungsergebnisse aus demselben Jahr beträgt das BIP pro Kopf damit US$ 44.889. Nach Einschätzung der Zentralbank lag die Zahl der Einwohner der VAE 2006 bei rund 4,9 Mio., wobei sie sich 2012 auf 9,2 Mio. belief. Damit stieg die Bevölkerung innerhalb von nur sechs Jahren mit 87,8 % rasant an. Im Vergleich dazu waren es 1950 nur 0,1 Mio.
Die VAE, die über die viertgrößten Rohölreserven der Welt verfügen, zählen im internationalen Vergleich zu den interessantesten und attraktivsten Investitionsstandorten. Zu den grundlegenden Tatsachen zählt, dass der föderativ organisierte Staat seinen sieben Emiraten bei der Gestaltung ihrer jeweiligen Wirtschaften große Spielräume gestattet. Dabei achten die Emirate jedoch darauf, dass ein gewisser Grundkonsens in den Bereichen Wirtschafts- und Investitionsrecht beibehalten wird.
Alle Emirate und ihre dortigen Regenten-Häuser verfolgen seit ihrer Unabhängigkeit 1971 ökonomisch ehrgeizige Entwicklungsziele. Mit der vorhandenen kleinen lokalen Bevölkerung ließ sich dies nicht bewerkstelligen. Daher wurden die Tore für den Zuzug ausländischer Arbeitskräfte und Geschäftsleute sehr weit geöffnet. Dies führte zu der weltweit einmaligen Situation, dass sich die nationale, lokale Bevölkerung gegenüber den zugewanderten Ausländern in einer Minderheitsposition befindet. Offizielle Daten darüber sind nicht verfügbar. Man spricht jedoch allgemein von einem Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung von rund 85 %. In Dubai liegt dieser Anteil bei etwa 90 %.
Der Industriesektor erbrachte 2012 geschätzte 60,5 % der Wirtschaftsleistung der VAE, wobei Erdöl und Erdgas den größten Anteil ausmachten. Auch der Dienstleistungssektor hat sich mit 38,8 % des BIP mittlerweile zu einer wesentlichen Säule der emiratischen Wirtschaft entwickelt.
Das Krisenjahr 2009 ging einher mit fallenden Ölpreisen und führte zu einem 20-prozentigen Rückgang der Exporte. Nach dem Krisenjahr 2009 erholte sich die Wirtschaft wieder, sodass die Wachstumsrate im Jahr 2012 4,4 % betrug, was auch der Prognose von 2014 entspricht.
Die Wirtschaft der VAE bleibt in erheblichem Umfang abhängig von Einnahmen aus der Erdöl- und Erdgas-Produktion. Abu Dhabi ist mit weitem Abstand zu allen anderen Emiraten der größte Öl- und Gasproduzent. Bei der Erwirtschaftung des BIP der VAE ist Abu Dhabi das wichtigste Emirat, gefolgt von Dubai an zweiter Stelle. Die kleineren Emirate spielen jeweils nur eine untergeordnete Rolle.
Wie in den anderen Staaten des Golfkooperationsrates (Gulf Cooperation Council, GCC: VAE, Bahrain, Saudi-Arabien, Kuwait, Oman und Katar) spielt auch in den VAE der öffentliche Sektor eine bedeutende Rolle in der Wirtschaft. Die Erdölbranche, die Großindustrie, wichtige Infrastruktur- und Verkehrseinrichtungen sowie mehrere Projektentwicklungsgesellschaften befinden sich in staatlicher Hand beziehungsweise unter Kontrolle der Regenten-Häuser der einzelnen Emirate. Alle Emirate fördern die industrielle Entwicklung. Sie sehen darin die effizienteste Möglichkeit, ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten zu diversifizieren. Erst mit großem Abstand dazu erfolgt der Aufbau touristischer Strukturen. Die Ausnahme bildet dabei Dubai, wo sich rund 90 % aller touristischen Entwicklungsaktivitäten der VAE konzentrieren. Im letzten Jahrzehnt haben sich die VAE als einer der unternehmerfreundlichsten Standorte in der Region etabliert und liegen, im Index of Economic Freedom 2013 der Heritage Foundation, auf Platz 28 und damit nur einen Platz hinter Katar. Eingestuft auf Rang 12, rangiert Bahrain im Vergleich dazu auf einem hervorragenden Platz, wenngleich die politischen Konflikte das Investitionsklima in Bahrain getrübt haben dürften. Die weiteren Staaten des GCC rangieren auf Platz 45 (Oman), Platz 66 (Kuwait) und Platz 82 (Saudi-Arabien), Deutschland liegt auf Platz 19. Im Doing Business Report von 2014 der Weltbank erreichen die VAE einen respektablen 23. Rang und haben sich im Vergleich zum letztjährigen Bericht um drei Plätze verbessert. In der Kategorie „Steuerbefreiung“ liegen sie gar im Gesamtranking auf Platz 1.
1.3 Wirtschaftswachstum
Das Land investiert hauptsächlich in die Etablierung einer optimalen verkehrs- und versorgungstechnischen Infrastruktur, bei welcher der Bau von Straßen, See- und Flughäfen, Kraftwerken und Meerwasserentsalzungsanlagen im Vordergrund steht.
Ein weiteres staatliches Investitionsinteresse richtet sich auf den Aufbau diversifizierter Wirtschaftsstrukturen, bei denen v.a. das Emirat Dubai weltweit sichtbare Erfolge aufweisen kann. Aufgrund einer anhaltend sinkenden Erdölproduktion sah sich Dubai seit Anfang der 1990er Jahre veranlasst, gegenüber dem In- und Ausland eine expansive und angebotsorientierte Investitionspolitik einzuleiten. Dies geschah in den 1980er Jahren mit dem Bau des Hafens bei Jebel Ali und der sich daran anschließenden Freihandelszone mit dem gleichen Namen.
Ein sich bis 2009 auf Rekordkurs befindliches Wirtschaftswachstum deutete auf eine zunehmende Entkoppelung der Volkswirtschaften der VAE und des Golfs von den „entwickelten“, aber rezessionsgefährdeten Märkten der USA und Europas. Doch die Volkswirtschaften am Golf hatten zunehmend mit der sich beschleunigenden Preissteigerung zu kämpfen. Nach 9 % im Jahr 2006 belief sich die Inflation 2007 und 2008 auf 10-14 %. Preistreiber waren einerseits Mieten, Baumaterialien, Nahrungsmittel sowie Löhne (vor allem für qualifiziertes Personal), also alle in einer Hochkonjunktur knappen Produktionsfaktoren. Nach dem Krisenjahr im Jahr 2009 gelang es den VAE sich von der hohen Inflation zu erholen. 2012 betrug sie laut Schätzungen 0,7 % und im Jahr 2013 1,5 %.
Die Wirtschafts- und Finanzkrise – zusammen mit dem Platzen der Immobilienblase im Jahr 2009 – traf die VAE unvorbereitet. Insbesondere Dubai stand kurz vor der Pleite. Doch die wieder steigenden Ölpreise sowie gewaltige Investitionen in Infrastruktur, Industrie und Tourismus, ein positives Konsumklima sowie zuletzt geringer eingestufte geopolitische Risiken halfen den VAE aus der Rezession.
1.4 Wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland
Geprägt sind die Beziehungen zwischen Deutschland und den VAE durch eine strategische Partnerschaft, die noch unter der Regierung des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (1998-2005) geschlossen wurde. Beide Länder streben auf vielen Gebieten – Politik, Gesundheit, Bildung – eine enge Kooperation an. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten die gegenseitigen Besuche hochrangiger Politiker. Für Deutschland sind die VAE mit Abstand der wichtigste Handelspartner in der arabischen Welt. Die Handelsbeziehungen sind durch die Exporte geprägt, doch seit Jahrzehnten durch ein extremes Ungleichgewicht gekennzeichnet: Deutschland bezieht kein Rohöl aus den VAE, so dass die Lieferungen der VAE nach Deutschland insgesamt gering ausfallen. Sie bestehen aus einigen industriellen Halbwaren, wie z.B. Aluminium oder Aluminiumlegierungen und textilen Enderzeugnissen, die aus nationalen Produktionen stammen. Der überwiegende Teil setzt sich aber aus reexportierten Produkten verschiedenster Art zusammen.
Im Jahr 2011 exportierten die VAE Waren im Wert von rund 1,03 Mrd. Euro nach Deutschland. Im Jahre 2012 sank dieser Wert – auch in Folge des „Arabischen Frühlings“ – auf rund 778,2 Mio. Euro. Die deutschen Exporte in die VAE erreichten 2012 rund 9,8 Mrd. Euro, wobei sie im Jahr 2002 noch bei lediglich etwa 3,07 Mrd. Euro lagen und sich innerhalb eines Jahrzehnts somit mehr als verdreifachten. Der Schwerpunkt der deutschen Lieferungen liegt deutlich im Bereich der Investitionsgüter, wobei elektrotechnische Ausstattungen, Maschinen, Pkws, Nutzfahrzeuge, Kfz-Teile und vollständige Fabrikationsanlagen eine herausragende Rolle spielen. Eine Folge des schwachen Dollars und damit auch schwachen Dirhams jedoch zeigte sich in dem 2007 rückläufigen Exportwachstum. Doch dies scheint sich soweit wieder erholt zu haben: im Jahr 2012 wurde ein 30-prozentiges Wachstum im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet.
1.5 Marktentwicklung
Das Land ist dabei, einen eigenständigen Industriesektor, eine Tourismus- und auch eine Nahrungsmittelwirtschaft aufzubauen, da sich die VAE in Zukunft von ausländischen Importen und Produkten unabhängiger aufstellen wollen. Derzeit wird ein Großteil der Waren eingeführt, die inländische Produktion kann die steigenden Ansprüche der Bevölkerung nur geringfügig erfüllen.
Insbesondere für Baumaterialien, Baumaschinen, elektrotechnische Einrichtungen und Nutzfahrzeuge bieten sich daher weiterhin enorme Absatzmöglichkeiten. Gleiches gilt für die Innenausstattungen von Hotels mit Küchen, Aufzügen, anderen Transporteinrichtungen und verschiedenen Heimtextilien.
In der metallverarbeitenden Industrie, der Textilindustrie, der Chemieindustrie und der holzverarbeitenden Industrie sehen die Verhältnisse nicht viel anders aus. Auch Ersatzteile und Wartungseinrichtungen müssen importiert werden. Zumeist kommen auch die Teile für Kraftwerke und Meerwasserentsalzungsanlagen aus dem Ausland.
Aber nicht nur für Industrie- oder Konsumgüter sind die Marktpotenziale in den VAE enorm, sondern auch für Dienstleistungen verschiedenster Art. Überall ist ein hoher Beratungs- und Planungsbedarf gefragt. Ausländische Planungsunternehmen entwerfen ganze Stadtteile, Wasserverteilungssysteme, Kraftwerksanlagen usw. und Versorgungsbetriebe können nur mit einem guten ausländischen Management zufriedenstellend funktionieren, da dieses nicht aus der relativ kleinen, lokalen Bevölkerungsbasis rekrutiert werden kann. Daher versuchen die VAE, die Position lokaler Firmen zu stärken und sie mehr an einheimischen Projekten zu beteiligen.
Ingenieur- und Architektendienste sind notwendig zur Errichtung gewerblicher Gebäude, von anspruchsvollen Villen und Freizeitanlagen. Benötigt werden Designer, Fachärzte, Anwälte, Wirtschaftsprüfer, Labordienste für verschiedene medizinische und technische Zwecke, Finanzberater und tausende unterschiedliche Dienstleister im Tourismusgewerbe. Sie alle tragen indirekt dazu bei, dass auch die Nachfrage nach Gütern steigt.
1.6 Politisches System
In den VAE wird der Hohe Rat, dessen Mitglieder die Regenten der einzelnen Emirate sind, vom Regenten von Abu Dhabi geführt. Der Hohe Rat hat die höchste Autorität im Staat und ernennt den Premierminister, welcher traditionell der Regent von Dubai ist. Die Emirate können eigene Gesetze verabschieden, sofern diese nicht gegen bestehende Bundesgesetze verstoßen. Die Sharia (das islamische Recht), die kein in sich geschlossenes Rechtssystem ist, sondern sich im Wesentlichen auf historisch überlieferte Rechtsquellen (d.h. auf den Koran und die Sunna, die Überlieferungen des Propheten Muhammad) stützt, wird grundsätzlich nur noch in Familien- und Erbrechtsangelegenheiten angewandt. Auf allen anderen Rechtsgebieten gelten nahezu ausnahmslos Bundes- oder Emiratsgesetze. Deren Wurzeln sind auf das ägyptische Recht zurückzuführen, welches seinerseits auf dem französischen Recht beruht.
Die Auswirkungen bundesstaatlicher Regelungen sind in den VAE nicht besonders spürbar. Es fehlt die Macht zur Durchsetzung. Jedes Emirat und damit auch die jeweiligen Regenten-Familien verfügen über ein großes Maß an Autonomie. Jedes Emirat hat seinen eigenen öffentlichen Dienst. In Abu Dhabi und Dubai bestehen große Behörden für Wirtschaft und öffentliche Arbeiten. Abu Dhabi verfügt sogar über einen nationalen Konsultativrat, der sich aus den Chefs der verschiedenen Behörden zusammensetzt. So ist jedes Emirat voll verantwortlich für die Bereiche Zivilluftfahrt, Rohöl/Naturgas, innere Sicherheit, Finanzen, Investitionen und Wirtschaftspolitik.
Der Ausbruch des „Arabischen Frühlings“ im Dezember 2010 und die anschließenden politischen Umstürze in Tunesien, Ägypten und Libyen sowie der andauernde Bürgerkrieg in Syrien haben auch die Regenten der VAE für politische Unzufriedenheit sensibilisiert. Zwar ist es bislang nicht zu großflächigen Protesten oder Demonstrationen gekommen und auch die Regenten-Häuser der verschiedenen Emirate kooperieren weitgehend konfliktfrei miteinander, doch insbesondere die Proteste in Bahrain haben den Regenten der VAE vor Augen geführt, dass sie die politischen und wirtschaftlichen Forderungen und die gestiegenen Ansprüche ihrer Bevölkerung auch zukünftig erfüllen müssen, um ihre eigene Machtlegitimation zu konsolidieren. Bislang muss sich die politische Elite nur einer marginalen und zersplitterten Opposition stellen, die allerdings durch die Strahlkraft des „Arabischen Frühlings“ ihre politischen Forderungen nach mehr Liberalisierung und politischer Freiheit mutiger formulierte, doch ohne dabei nachhaltige Erfolge zu erringen. Die Emire sind weiterhin beliebt und gelten teilweise als Vorbilder für die gebürtigen Emiratis in Fragen der Mode oder des Lifestyles. Im Vergleich zu den anderen Golfstaaten zeigen sich die VAE daher sehr stabil, wenngleich die wirtschaftlichen Disparitäten zwischen den wohlhabenderen Emiraten wie Dubai und Abu Dhabi zu den anderen Emiraten zukünftig klug austariert werden müssen, um Unzufriedenheit zu vermeiden. Weiterhin hat sich das ölreiche Abu Dhabi als starke Führungskraft innerhalb der Föderation behauptet, da Dubai nach der Finanzkrise, die nur mit massiver Unterstützung Abu Dhabis überwunden werden konnte, an politischem Einfluss eingebüßt hat. Aufgrund des massiven Modernisierungskurses des letzten Jahrzehnts, die zunehmend als Kommerzialisierung und Verwestlichung wahrgenommen wird, hat jedoch eine intensive Debatte um Überfremdung und Bewahrung der eigenen Kultur und Tradition innerhalb der emiratischen Bevölkerung begonnen, der die Regenten mit einer verstärkten Konzentration auf Kultur- und Identitätspolitik begegnen.
Weiterhin zeigt sich, wie pragmatisch die VAE mit außenpolitischen Fragen umgehen: Obwohl Saudi-Arabien, das größte und politisch einflussreichste Land des GCC, traditionell eine gegen den Iran gerichtete Hegemonialpolitik verfolgt und auch die anderen arabischen Golfstaaten unter Druck setzt diesen Kurs zu unterstützen, unterhalten die VAE pragmatische Wirtschaftsbeziehungen zu Iran und betrachten auch die vorsichtigen Annäherungen zwischen den USA und der Administration im Iran um den neu gewählten Präsidenten Hassan Rohani mit vorsichtigem Wohlwollen. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Potenz ist es den VAE so möglich, sich in ihrer Außenpolitik, die vor allem an wirtschaftspolitischen Interessen ausgerichtet wird, vom saudischen Einfluss zu emanzipieren, wenngleich das Königreich – aufgrund seiner Größe und einer Bevölkerung von 28 Mio. Einwohnern bzw. seiner Reputation als Führungskraft des sunnitischen Islams und „Hüter der beiden Heiligen Stätten“ Mekka und Medina – ein wichtiger Partner der VAE bleiben wird.
1.7 Dubai
Das zweitgrößte der sieben Emirate hat sich seit den 1970er Jahren zum wirtschaftlichen Schrittmacher der ganzen Golfregion entwickelt. Mit nur geringen Reserven an Erdöl ausgestattet, begann Dubai schon früh mit der Diversifizierung seiner Wirtschaft. Im Mittelpunkt standen dabei zunächst Handel, Logistik und damit verbundene Dienstleistungen, womit Dubai an seine Tradition als Hafenstadt und regionaler Umschlagplatz anknüpfte – nun aber ganz andere Dimensionen vor Augen hatte.
Zusammen mit gut ausgebauten Straßen, Kraftwerken und Meerwasserentsalzungsanlagen schufen die internationalen Verkehrsknoten die Voraussetzungen für die Anlage von Gewerbegebieten, Bürozentren und Tourismuseinrichtungen. Steuerfreiheit und der Status der Freihandelszone, den die meisten Industriegebiete besitzen, trugen ein Übriges dazu bei, Investoren in die arabische Wüste zu locken. Der internationale Erfolg dieser Investitionspolitik war und ist enorm. Dubai gilt heute neben Singapur und Hongkong als eine der wichtigsten und modernsten Handelsdrehscheiben der Welt. Aus deutscher Sicht gehört Dubai außerdem mit zu den wichtigsten Messestandorten. 2013 wurden alleine über 22 Messen ins Auslandsmesseprogramm aufgenommen und werden dementsprechend unterstützt.
Trotz immer wieder aufkommender Zweifel gelang es Dubai, sich als regionale Handelsdrehscheibe, als Logistikzentrum, Reiseziel, Finanzplatz und Firmensitz zu etablieren. In den Freihandelszonen erhalten nun Handelsniederlassungen und Industriebetriebe, spezialisierte Dienstleister wie Softwareentwickler oder Einrichtungen des Gesundheitssektors sowie Medienunternehmen und Kulturschaffende in immer größerem Ausmaß geförderte Ansiedlungsmöglichkeiten. Mittlerweile wird das Modell von fast allen Nachbarstaaten mehr oder weniger kopiert, leidet aber auch etwas am eigenen Erfolg. Die Verkehrsinfrastruktur steht am Rande des Kollapses, stetig steigende Immobilienpreise haben in den Jahren vor 2009 die Inflation in die Höhe schnellen lassen. Dubai versuchte durch verschiedene Bauprojekte wieder Herr der Lage zu werden. So wurde beispielsweise ein Metronetz für straßenunabhängige Verbindungen geplant und befindet sich teilweise noch im Bau.
Um den Immobilienmarkt zu entspannen, wurden zigtausend neue Wohneinheiten gebaut, was jedoch unter anderem zur Entstehung einer Immoblilienblase führte, die 2009 mit voller Wucht platzte und Dubai in eine ernsthafte Krise stürzte. Drei Jahre dauerte die Krise an, doch inzwischen befindet sich das Emirat wieder auf dem Weg der Besserung. Insbesondere mit der in Dubai stattfindenden Expo 2020 rechnet sich das Emirat einen hohen Wachstumsaufschwung aus.
Dubai nimmt in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht innerhalb der Föderation den zweiten Platz nach Abu Dhabi ein. Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Dubai weit entfernt von allen anderen Emiraten eine dynamische Wirtschaftsentwicklung mit hohem internationalem Profil aufweist. Dubai mit seiner boomenden Tourismusindustrie, seinem Handelssektor, seiner sich erholenden Immobilienwirtschaft, seinem Medien- und Telekommunikationssektor sowie seiner prosperierenden Verarbeitungsindustrie stellt jeden anderen Wirtschaftsstandort im Mittleren Osten in den Schatten.
1.7.1 Investitionspläne und -vorhaben
Im Mittelpunkt des 2007 vorgelegten Dubai Strategic Plan 2015 stehen Bereiche, in denen Dubai Wettbewerbsvorteile für sich sieht: Tourismus, Handel, Transport und Logistik, Bauwirtschaft und Finanzdienstleistungen. Als wichtige Vorleistungen für die Verwirklichung der Ziele stellt der Plan den umfangreichen Ausbau der Infrastruktur sowie die höhere Partizipation der einheimischen Bürger des Emirats in den Vordergrund. Ebenso sah er ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 11,2 % jährlich vor, welches vor 2009 durchaus möglich erschien. Die darauf folgende Finanzkrise machte diese Zielsetzung jedoch nicht mehr realistisch. Dennoch ist Dubai auf einem guten Weg, viele seiner gesetzten Ziele – besonders im Bereich der Infrastruktur – zu realisieren. In den letzten Jahren wurden viele verschiedene Bauprojekte zur Verbesserung der Infrastruktur und Immobilienlage geplant und durchgeführt. Mit dem Abschluss von Umschuldungsverhandlungen über rund US$ 25 Mrd. hat das Emirat eine wichtige Voraussetzung zur vorläufigen Entspannung in seiner Schuldenkrise und für die Rückkehr ausländischer Investoren geschaffen.
Als Gastgeber der Expo 2020 sehen die Prognosen für die nächsten Jahre deutlich besser aus als dies in den letzten Jahren der Fall war. Die Veranstaltung wird auch frischen Wind in die Investitionspläne des Emirats bringen, besonders für den Tourismus- und Bausektor. Es wird mit positiven Auswirkungen von rund US$ 23 Mrd. auf die Wirtschaft des Emirats gerechnet. Für die Dauer der Expo 2020, d.h. über einen Zeitraum von sechs Monaten, werden 25 Mio. Besucher erwartet, 70 % davon aus dem Ausland. Die Veranstaltung soll dazu führen, dass bis 2020 81.000 neue Hotelzimmer und zwischen 2013 und 2021 277.000 neue Arbeitsstellen entstehen werden. Scheich Mohammed Bin Rashid Al Maktoum bezeichnete den strategischen Plan bei seiner Vorstellung als Kompass, der insbesondere den Privatsektor dazu anregen soll, an entsprechenden Programmen teilzunehmen.
1.7.2 Idee der Freihandelszonen / Freizonen und Gewerbegebiete
Freihandelszonen in Dubai entstanden auch aufgrund der Tatsache, dass über eine Reform der rückständigen nationalen Wirtschaftsgesetzgebung keine Einigung erzielt werden konnte. Charakteristisch für alle Freizonen ist, dass dort überwiegend Handelsunternehmen und weniger Industriebetriebe angesiedelt sind. In den Freizonen dominieren ausländische Unternehmen als Investoren. Sie bieten die Möglichkeit, die zum Teil restriktiven Auflagen in den Emiraten selbst zu umgehen. Aus Sicht der VAE, insbesondere Dubais, stellen die Freizonen eine wesentliche Stütze der Diversifizierung der Wirtschaft dar.
In der Regel werden Büro- und Betriebsgebäude schlüsselfertig zur Verfügung gestellt und es existiert ein breites Angebot an Serviceleistungen. In den Freizonen ist, im Gegensatz zum übrigen Staatsgebiet, keine Mehrheitsbeteiligung eines einheimischen Partners notwendig. Ein Importzoll fällt nicht an. Günstige Gebühren für Energie und Wasser und moderne Kommunikationseinrichtungen halten den Zeit- und Kostenaufwand gering.
Wirtschaftliche Aktivitäten außerhalb der Sondergebiete sind, mit Ausnahme von reinen Begleittätigkeiten, für die dort ansässigen Unternehmen genehmigungspflichtig. Auf dem Territorium der VAE gelten auch für sie die dortigen Bestimmungen, etwa des Handelsvertreterrechtes und des Gesellschaftsgesetzes sowie die Regelungen für Import und Export. Außerdem ist für jede Geschäftstätigkeit ein nationaler Sponsor notwendig, der am Umsatz oder Gewinn beteiligt werden will.
1.8 Abu Dhabi
Das Emirat Abu Dhabi ist mit weitem Abstand der größte der sieben Teilstaaten der Föderation. Es nimmt etwa 87 % der Fläche des Gesamtstaates ein und ist einer der weltweit wichtigsten Erdölproduzenten. Die Einnahmen aus der Förderung von Kohlenwasserstoffen in Abu Dhabi sind auch die wirtschaftliche Grundlage für die Entwicklung der kleineren Gliedstaaten, die über Zuweisungen aus dem Bundesetat mitprofitieren. Etwa ein Drittel der Bevölkerung der VAE lebt in Abu Dhabi.
Abu Dhabi verfügt mit mehr als 90 Mrd. Barrel über rund 8 % der weltweiten Erdölreserven und fördert täglich im Durchschnitt 2,5 Mio. Fass (3 % der Weltproduktion). Über ein Versiegen dieser Einnahmequelle braucht sich das Emirat also zunächst keine Sorgen zu machen. Dennoch legt der Abu Dhabi Economic Vision 2030 Plan besonderen Fokus auf die Diversifizierung der ökonomischen Basis. Der Anteil des Nicht-Öl-Sektors soll in den nächsten Jahren ansteigen und 2020 56 % erreichen. Insbesondere die Industrie soll gestärkt werden. Tourismus, Handel und Logistik sieht die Regierung aber ebenso als wichtige Zukunftsbereiche an. Damit entwickelt sich eine zunehmende Rivalität unter den einzelnen Emiraten der VAE, speziell zwischen Abu Dhabi und Dubai.



