Rechtliche Rahmenbedingungen für Geschäftstätigkeiten in den Vereinigten Arabischen Emiraten

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Eine bedeutende Rolle spielen Erdöl und Erdgas auch als Rohstoff für die verarbeitende Industrie Abu Dhabis. Die Kapazität der beiden Raffinerien des Emirats in Al Ruwais und Umm Al Nar soll als Grundlage für den Ausbau der petrochemischen Industrie erweitert werden. Als Hauptstadt der VAE vereint Abu Dhabi einen großen Teil der Verwaltungsfunktionen des Landes. Regierungsnahe Dienstleistungen finden sich deshalb eher im größten Emirat, unternehmensnahe Serviceunternehmen in höherer Zahl im benachbarten Dubai.
Aufgrund seiner demografischen und ökonomischen Stärke spielt Abu Dhabi die Rolle des Financiers innerhalb der Föderation. Dubai beteiligt sich so gut wie kaum an der Finanzierung bundesstaatlicher Aufgaben. Abu Dhabi sorgt dafür, dass in den kleineren Emiraten ein hoher Lebens- und Sicherheitsstandard besteht, den diese aus eigener Kraft nie erlangen könnten. Auf der anderen Seite stärken die kleineren Emirate auch das politische Gewicht von Abu Dhabi in der Föderation und fördern damit die Führungsposition Abu Dhabis. Unter wirtschaftlichen Aspekten sind diese Verhältnisse von großer Relevanz.
1.8.1 Investitionspläne und -vorhaben
Abu Dhabi hatte bis 2012 Investitionen im Gesamtumfang von US$ 170 Mrd. geplant. Auf der „Abu Dhabi Conference“ stellte der Vorsitzende der Wirtschafts- und Planungsbehörde des Teilstaates im November 2006 eine Vielzahl von Projekten vor. Bei seinen Diversifizierungsanstrengungen setzt das Emirat vor allem auf energie- und kapitalintensive Industriezweige. Aluminium, Stahl und Petrochemie stehen ebenso auf der Agenda wie die Erhöhung der Raffineriekapazitäten. Notwendige Infrastrukturinvestitionen, vor allem in die Stromerzeugung und -verteilung sowie die Wasseraufbereitung, aber auch in Hafenanlagen und Industriezonen, begleiten die Projekte. Sie werden zusammen mit umfangreichen Immobilienvorhaben die Baukonjunktur in Schwung halten.
Für den Luftverkehr wurde mit der Abu Dhabi Airports Company eine neue Entwicklungsgesellschaft gegründet. Sie vollendete, als wichtigstes Projekt bis 2013, die Erweiterung des größten Flughafens des Emirats. Der Abu Dhabi International Airport (ADIA) erhielt einen dritten Passagierterminal, der die Jahreskapazität von 15 auf 30 Mio. Fluggäste steigerte, und einen eigenen Luftfrachtbereich für die ortsansässige Fluglinie Etihad. Zwischen 2006 und 2011 ist die Anzahl der Passagiere mit einer jährlichen Wachstumsrate von 18,5 % gestiegen. Zusätzlich konnte der ADIA 2012 sechs weitere Fluggesellschaften für den Standort gewinnen, darunter RAK Airlines, Alitalia und Rotana Jet.
Im Rahmen der Masdar-Initiative wendet sich Abu Dhabi der Nutzung alternativer Energien zu. Im Zentrum der Aktivitäten stehen drei Vorhaben: Kohlendioxid soll – gefiltert von Kraftwerken, Industriebetrieben und Anlagen des Erdöl- und Erdgassektors – zur Wiedereinleitung in Förderquellen verwendet werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Trennung von Erdgas in Kohlendioxid einerseits und Wasserstoff andererseits. Dieser könnte dann zur Energieerzeugung genutzt werden. Ein drittes Feld ist der Bau von Solarkraftwerken.
Abu Dhabi will in der Tourismusförderung etwas andere Wege einschlagen als das Nachbar-Emirat Dubai. So sollen in den nächsten Jahren mehrere international renommierte Kunstmuseen ihre Pforten am Golf öffnen, wie beispielsweise der vom Stararchitekten Jean Nouvel entworfene Louvre Abu Dhabi. Das Museum ist Teil des Sadiyaat Cultural District und wird voraussichtlich im Dezember 2015 eröffnet.
1.8.2 Freizonen und Gewerbegebiete
Abu Dhabi verfügt nur über wenige Freihandelszonen, unter anderem die Abu Dhabi Airport Free Zone und Masdar City Free Zone and Science and Technology Park. Die Masdar City Free Zone bietet Unternehmen neben 100 % Eigentümerschaft auch die Befreiung von Steuerzahlungen auf Importe und Exporte sowie auch auf das Einkommen. Aufgrund einer breit angelegten Privatisierungspolitik im Bereich der Versorgungswirtschaft sind viele Kraftwerke, Meerwasserentsalzungsanlagen und die Abwasserklärung unter private Regie gefallen. Dies ist in Form von Betreibermodellen geschehen, bei denen eine substanzielle Beteiligung ausländischer Unternehmen ausdrücklich erwünscht war.
Während die Einrichtungen des Erdölsektors in fast allen Landesteilen zu finden sind, konzentriert Abu Dhabi seine Nicht-Öl-Industrie an wenigen Standorten. Etwa 350 Betriebe der unterschiedlichsten Zweige befinden sich in der Industrial City of Abu Dhabi (ICAD) in Mussafah, 30 km vom Stadtzentrum der Hauptstadt entfernt. Führende Branche ist mit 23 % der Betriebe die metallverarbeitende Industrie, gefolgt von Herstellern von Baumaterialien mit 21 %, Produkten aus Fiberglas mit 16 % und dem petrochemischen Sektor mit 10 %. Der Nahrungsmittelindustrie sind 8 % der Betriebe der ICAD zuzurechnen, 6,5 % der Computerbranche und 4 % dem Bereich Textilien und Bekleidung.
1.9 Sharjah
Sharjah, das drittgrößte Emirat, schließt sich nördlich an das Emirat Dubai an und steht etwas im Schatten des größeren Nachbarn. Das Siedlungsgebiet der beiden gleichnamigen Hauptorte geht gleitend ineinander über; die überaus hohe Verkehrsdichte auf den Verbindungsstraßen spiegelt die enge Verflechtung der beiden Teilstaaten wider. Sharjah ist aber nicht nur Wohnstadt für Dubai, sondern hat auch durchaus eine breite lokale Wirtschaftsbasis.
Das Emirat ist Schwerpunkt der Leichtindustrie der VAE – Lebensmittel, Textilien, Elektroteile usw. werden in den Gewerbezonen Sharjahs produziert. Hier entstand der erste, voll ausgerüstete Containerhafen der gesamten Region. Auch der Flughafen der Stadt weist zahlreiche internationale Verbindungen auf. Sharjah versucht sich wie Dubai auf der Landkarte der Reiseziele zu etablieren, kann aber aufgrund der geringeren Geldmittel nicht mit ebenso viel Aufmerksamkeit erregenden Attraktionen aufwarten wie das Nachbaremirat.
Innerhalb der VAE gilt Sharjah als kulturelles Zentrum, muss sich aber auch auf diesem Feld gegen die interne Konkurrenz wehren. Bisher findet hier die wichtigste Buchmesse der Golfregion statt, es gibt ein jährliches Kulturfestival und die einzige Kunsthochschule der Arabischen Halbinsel.
1.9.1 Investitionspläne und -vorhaben
Wie Dubai besitzt auch Sharjah nur geringe Erdölreserven. Schon ähnlich früh hat die politische Führung deshalb begonnen, den vorhandenen Hafen um moderne Anlagen zu erweitern, Investoren für Industriezonen anzuwerben und sich so als lokales Produktionszentrum zu etablieren. Schwerpunkte sind unter anderem das Textil- und das Nahrungsmittelgewerbe. Mittlerweile stellt Sharjah das industriell stärkste Emirat der VAE dar und konnte 2010 einen Zuwachs von 7,1 % an neuen und erneuerten Unternehmenslizenzen im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen. Auch in Sharjah ist die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte hoch. Zusammen mit den in dem Emirat wohnenden Berufspendlern nach Dubai ergibt sich so eine weit über die einheimische Bevölkerung hinausgehende Nachfrage.
Shopping Malls internationalen Zuschnitts ergänzen die Geschäfte der vielen Groß- und Einzelhändler. Mit günstigeren Angeboten für Strand- und Wüstenferien sowie neuen Hotels, Restaurants und Freizeitattraktionen versucht Sharjah, am Tourismusboom anderer Emirate zu partizipieren.
1.9.2 Freizonen und Gewerbegebiete
Sharjah verfügt über insgesamt 19 Industriegebiete. Dort sind überwiegend kleine und mittelständische Unternehmen vertreten. Ein Vorteil ist, dass die laufenden Kosten in dem kleinen Emirat deutlich geringer ausfallen als im benachbarten Dubai. Fast alle dieser Areale stehen Unternehmen aus verschiedenen Branchen offen. Das Modell der auf einzelne Branchen spezialisierten Freihandelszonen hat in Sharjah bislang wenig Nachahmung gefunden. Mit der Hamriyah Free Zone und der Sharjah Airport International Free Zone besitzt das Emirat zwei Freihandelszonen.
1.10 Ras Al Khaimah
Das nördlichste der sieben Emirate ist zusammen mit dem an der Ostküste gelegenen Fujairah das zugleich gebirgigste. Auf seinem Territorium liegt der mit 1.527 m höchste Berg der VAE, der Jabal Yibir. Die Kulisse des Hajar-Gebirges gibt der Landschaft Ras Al Khaimahs besonderen Reiz, der verstärkt Touristen anlocken soll. Die Wirtschaftszweige Landwirtschaft und Fischerei sind hier noch gut sichtbar und geben dem Emirat ein traditionelleres Gesicht.
Mit rund 100 Betrieben ist der kleine Teilstaat aber auch relativ stark industrialisiert. Etwa ein Drittel der Unternehmen produzieren auf Basis lokaler Rohstoffe Zement; die Branche beschäftigt zwei Drittel der Arbeitnehmer in der Industrie Ras Al Khaimahs. Zahlreiche Infrastrukturprojekte für die wachsende Bevölkerung steigern die Nachfrage nach Stahl- und Metallprodukten.
Ras Al Khaimah verfügt nur über geringe Vorkommen an Öl und Gas. Lediglich vier Prozent des BIP stammen aus diesem Sektor. Wichtiger für die Wirtschaft des Emirats sind andere Rohstoffe wie Kalkstein sowie Eisen-, Chrom- und Kupfererze als Basis einer einheimischen Grundstoffindustrie. Etwa 60 % der Wirtschaftsleistung wird von Dienstleistungen erbracht. Durch die Förderung des Gesundheits- und des Bildungssektors wird dieser Anteil in den nächsten Jahren voraussichtlich noch zunehmen. Ras Al Khaimah ist für seine weltweit größte Keramik-Produktionsstelle bekannt, doch auch der Glassektor profitiert stark von den lokal reichlich geförderten Rohstoffen. Als Schlüsselbranche hat Ras Al Khaimah ebenfalls den Fremdenverkehr entdeckt und plant analog zum Vorreiter Dubai mehrere Tourismuszentren, zum Teil auch auf künstlichen Inseln angelegt. Die Zahl der Hotelzimmer soll bis 2016 von knapp 3.000 auf 10.000 angehoben werden. In die Verbesserung der Infrastruktur wurde bislang ebenfalls viel investiert.
1.10.1 Investitionspläne und -vorhaben
Nach Einschätzung des Ras Al Khaimah Investment and Development Office werden in den kommenden Jahren etwa 60 % der das Emirat erreichenden Investitionen in Tourismus-, Freizeit- und Immobilienprojekte gehen. Immerhin 40 % bleiben demnach für die Entwicklung der Industrie übrig.
Ras Al Khaimah sieht im Tourismus einen wesentlichen Wachstumsfaktor. 2011 zog das Emirat ca. 835.000 Reisende im Jahr an, mit Aussicht auf einen Anstieg auf über eine Million Besucher in den nächsten Jahren. Für das Jahr 2013 hatte die Regierung ein Budget von US$ 500 Mio. für den Tourismussektor veranschlagt. Neben einer verbesserten Infrastruktur und neuen Hotels sollen auch Unterkünfte anderer Art errichtet werden.
1.10.2 Freizonen und Gewerbegebiete
In der Ras Al Khaimah Free Trade Zone haben sich seit ihrer Gründung im Jahr 2000 nach offiziellen Angaben 4.500 Unternehmen aus 106 unterschiedlichen Ländern niedergelassen. Die Verwaltung der Freihandelszonen hat auf die schwunghafte Nachfrage nach Gewerbeflächen mit dem Bau weiterer 400 Lager- und Fabrikhallen reagiert.
1.11 Fujairah
Fujairah nutzt seine Lage am Golf von Oman und seinen Anteil am Hajar-Gebirge auch für die Setzung wirtschaftlicher Schwerpunkte. Wie in Ras Al Khaimah bieten die Steinbrüche in den Bergen die Grundlage für die Baustoffindustrie. Rund um den bedeutenden Bunkerhafen entstehen Erdöl- und Erdgasaufbereitungsanlagen. Das östlichste Emirat beherbergt außerdem eine der größten Plastikfolienfabriken der VAE.
An den Hafen geknüpft sind verschiedenste maritime Dienstleistungen wie Schiffsausrüster, Schiffsreparaturwerkstätten, Ersatzteilhandel und Schiffsinspektionen. Der Flughafen soll bis 2025 eine Erweiterung mit einer neuen Lagerhalle sowie zwei neue Terminals für Passagiere und Fracht erhalten. Zusätzlich soll der Fokus auf die Lagerung und Instandhaltung von Flugzeugen gelegt werden. Dafür werden Parkmöglichkeiten für über 50 Flugzeuge sowie eine Wartungshalle für Boeing und Airbus-Flugzeuge geplant.
Touristisch bietet das Emirat ebenfalls einen lohnenden Standort. Die Fischerdörfer werden von Badebuchten mit Sandstränden gesäumt, die auch in Fujairah in Zukunft noch stärker touristisch genutzt werden sollen. Der Zugang zum offenen Ozean bietet Sportfischern und Surfern Möglichkeiten, die an der Golfküste begrenzt sind.
1.12 Ajman
Das flächenmäßig kleinste der sieben Emirate schließt sich unmittelbar nördlich an Sharjah-Stadt an und bildet somit einen Teil der Agglomeration Dubai. Zunehmend werden die beiden kleineren Emirate des Ballungsraums wegen der immer weiter steigenden Mieten in Dubai als alternative Wohnorte gewählt. Das Bevölkerungswachstum schafft daher, wie die bessere Verkehrsanbindung an die großen Zentren, auch neue Möglichkeiten für die lokale Entwicklung.
Das kleine Ajman profitiert vom Boom in den Nachbaremiraten. Auch hier gelang es, mit der Einrichtung einer Freihandelszone, Produktions- und Dienstleistungsbetriebe verschiedenster Branchen anzusiedeln. Die meisten Betriebe existieren in den Branchen Textilien und Bekleidung sowie Chemie; gemessen an den Umsätzen steht die metallverarbeitende Industrie an der Spitze vor den Herstellern chemischer Erzeugnisse und dem Nahrungsmittelgewerbe. Die größten Komponenten des Exports, welche 2011 einen Anstieg von 32 % verzeichnen konnten, sind Plastikprodukte und chemische Erzeugnisse. Die verarbeitende Industrie macht 37 % des BIP von Ajman aus, gefolgt vom Bausektor mit 15 %.
Entwicklungschancen sieht Ajman in der Besetzung von Nischen im Tourismus und in einzelnen Geschäftsfeldern. Diese Vorgehensweise erscheint realistisch, ist doch das Emirat von der Größe, Lage und Wirtschaftskraft her eher Ergänzung als Konkurrenz zu Dubai. Günstige Mieten und Lohnkosten kommen ihm dabei zupass.
1.12.1 Investitionspläne und -vorhaben
Ajman nutzt derzeit seine Lage am Nordrand Dubais für die eigene Entwicklung. Der Bau der Autobahn Emirates Road hat die Fahrzeit zwischen den beiden Emiraten deutlich verringert. Immobilienpreise liegen noch um rund ein Drittel unter dem Niveau Dubais. Zudem bietet Ajman nach Inkrafttreten eines neuen Eigentumsgesetzes auch für Ausländer die Möglichkeit des Grunderwerbs. Ein Überschwappen des Baubooms aus Dubai ist also durchaus erwünscht. Der Bau des 2008 angekündigten neuen Flughafens in der Manama Region steht noch aus. Das Projekt mit einem Volumen von US$ 3,3 Mrd. wird neben einer Freihandelszone sieben Bürogebäude beinhalten und seinen Fokus mit 65 % auf den Frachtsektor legen.
1.12.2 Freizonen und Gewerbegebiete
Als Alternative zu den besser bekannten Standorten Dubai oder auch Sharjah konnte die Ajman Free Zone in den letzten Jahren von einem Ansiedlungsboom profitieren. Seit 2004 hat sich die Zahl der in dem Gewerbegebiet ansässigen Firmen von 1.100 auf 2.000 fast verdoppelt. Eine offensivere Vermarktung hat sich damit ebenso ausgezahlt wie eine schrittweise Erweiterung der Anlagen. Derzeit ist eine Erweiterung um mehr als eine Million Quadratmeter in Planung. Sobald sie fertig gestellt ist, sollen etwa 1.500 weitere Firmen dort Platz finden.
Rund ein Drittel der in der Zone angesiedelten Unternehmen sind Industriebetriebe, 40 % Handelsfirmen, der Rest ist dem Dienstleistungssektor zuzuordnen. Nach Investoren vom indischen Subkontinent, Ostasien und Osteuropa sind in den letzten Jahren auch vermehrt Unternehmen aus Großbritannien und aus Deutschland gekommen. Die vor Ort vertretenen Produktionsbetriebe sind unter anderem Vertreter aus den Branchen Aluminiumprodukte, Papier und Pappe, Kunststoffe, Chemie, Tabak, Nahrungsmittel, Möbel und Elektroteile.
1.13 Umm Al Quwain
Umm Al Quwain, das Emirat mit der kleinsten Bevölkerungszahl von etwa 55.000, weist von den sieben Teilstaaten die traditionellste Wirtschaftsstruktur auf. Der gleichnamige Hauptort des Emirats ist auch heute noch als Zentrum der lokalen Fischerei zu erkennen. Eine meeresbiologische Forschungsanstalt unterstreicht die Bedeutung des Sektors für die kleine Ökonomie. Die landschaftlich attraktive Küste bietet gutes Potenzial für eine stärkere touristische Nutzung. Wenn entsprechende Projekte behutsam umgesetzt werden, besteht die Chance, sich als alternatives Ziel neben den südlichen Nachbarn Dubai und Sharjah zu etablieren. Die Landwirtschaft prägt die kleinen Siedlungen des Binnenlandes.
1.13.1 Investitionspläne und -vorhaben
Der im Februar 2007 vorgestellte Umm Al Quwain Development Plan eröffnete in dem kleinen Emirat die Aussicht auf einen Projektregen nach dem Vorbild Dubai. Am Nordrand der Agglomeration entstehen in Ajman und Umm Al Quwain neue Vorstädte, die aber nicht nur als Trabantenstädte für Dubai fungieren sollen. Ergänzende Vorhaben sind als Entwicklungspole für die Wirtschaft des Teilstaates gedacht. Mit dem Megaprojekt Al Salam City soll Raum für mehr als eine halbe Million Menschen entstehen. Das Projekt mit einem Volumen von US$ 8,16 Mrd. soll über 15 Jahre hinweg gebaut werden. Des Weiteren plant das Immobilienunternehmen Emaar das Umm al-Quwain Marina-Projekt, welches 8.000 Wohneinheiten, Designer-Hotels sowie mehrere Sport- und Einzelhandelszentren enthalten soll.
Im Bereich Infrastruktur plant Umm Al Quwain schließlich außer einer neuen Meerwasserentsalzungsanlage und einem Drainagenetz für die küstennahen Entwicklungsprojekte einen eigenen Flughafen. An der Wasserversorgung möchte das Emirat zukünftig auch den Privatsektor beteiligen.
1.13.2 Freizonen und Gewerbegebiete
Bisher bestand nur die Ahmed Bin Rashid Free Zone auf der Spitze der Halbinsel, auf der sich die Altstadt Umm Al Quwains befindet. Im Zuge der Siedlungsausdehnung an die wichtigen Verkehrsachsen im Binnenland entstehen landeinwärts weitere Industriegebiete.
2. Die Vereinigten Arabischen Emirate – Wachstumsmarkt mit regionaler Vorbildfunktion

2. Die Vereinigten Arabischen Emirate – Wachstumsmarkt mit regionaler Vorbildfunktion[2]
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind mit etwa 9,2 Mio. Einwohnern ein überschaubarer Markt. Gleichzeitig ist die Ökonomie des Wüstenstaats aufgrund ihres hohen Wachstums und ihrer Nachfragestruktur äußerst dynamisch. Darüber hinaus haben sich die Emirate zu einer Logistikdrehscheibe entwickelt, deren Einflussgebiet weit über die Region hinaus reicht. Und sie sind das viel bestaunte Vorbild anderer reicher Nachbarstaaten, die den Anschluss an die rasante Entwicklung suchen.
2.1 Ausblick
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der VAE wird 2013 und 2014 voraussichtlich real um jeweils mehr als 4 % und 3,9 % steigen – ein Wachstum, das, unter der Prämisse friedlicher Rahmenbedingungen, noch mehrere Jahre gehalten, wenn nicht noch gesteigert werden kann. Dabei verdanken die VAE – wie andere Golfstaaten auch – ihr Wachstum den reichlich fließenden Petro-Dollars und dem Zustrom an Arbeitsmigranten.
Die Öl-Einnahmen werden in großem Stil in energieintensive Petrochemie- und Metallprojekte investiert, welche in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die Produktionskapazitäten der Emirate deutlich erhöhen werden. Positive Rahmenbedingungen für weitere kräftige Industrieinvestitionen aus dem In- und Ausland sind gegeben.
Hinzu kommen massive Ausgaben für Immobilien- und Infrastrukturprojekte. Das hohe Bevölkerungswachstum, das vornehmlich auf das Konto von Arbeitsmigranten geht, und ein bislang rapider Anstieg der Tourismuszahlen führen zu einer hohen Nachfrage nach Konsumgütern, Dienstleistungen und Wohnraum. Ein negativer Begleiteffekt zeigte sich im Jahr 2008, in dem die Inflationsrate 20 % betrug. In den Jahren 2009 bis 2012 fiel die Inflationsrate auf 0,7 %, doch laut aktuellen Prognosen für 2014 wird sie sich auf 2,5 % erhöhen.
Der Bauboom erhielt mit der Finanzkrise im Jahr 2009 einen deutlichen Dämpfer, doch besonders seit der Verkündung, dass die Expo 2020 in Dubai stattfinden wird, ist die Stimmung deutlich optimistischer und es wird wieder fleißig in große Projekte investiert.
Nach den langfristigen Visionen der Herrscher von Dubai und Abu Dhabi sind die beiden Emirate zu unangefochtenen Wirtschaftszentren der arabischen Welt und zu der großen Transitscheibe zwischen Amerika und Europa auf der einen Seite sowie Asien und Afrika auf der anderen Seite geworden. Wirtschaftsschwerpunkte sind Handel, Luftverkehr, Tourismus sowie energieintensive Industrien. Langfristig soll dann das Heer der ungelernten Gastarbeiter durch qualifizierte Fachkräfte ersetzt werden. Bislang geht die Strategie auf: Die VAE sind nach Singapur und Hongkong einer der führenden Zwischenhandelsplätze. Abu Dhabi Airport kann stark steigende Passagierzahlen aufweisen, im April 2013 reisten 5,2 Mio. Menschen über den Flughafen, 14 % mehr als im selben Monat im vorherigen Jahr. Dubai International Airport ist mittlerweile mit 5 Mio. Menschen für zehn konsekutive Monate der Flughafen mit dem weltweit zweithöchsten Passagieraufkommen. Der Tourismus ist auf Erfolgskurs, obwohl Dubai mittlerweile mit die höchsten durchschnittlichen Zimmerpreise der Welt verlangt.
Wie kein anderes Land der Welt verbrauchen die VAE die Ressourcen dieses Planeten. Langsam scheint sich jedoch so etwas wie Umweltbewusstsein durchzusetzen. Neben dem Bau der Öko-Stadt Masdar-City, mit der Abu Dhabi neue Maßstäbe setzen will, wird immer mehr in erneuerbare Energien investiert. Dennoch bleibt das Land weit hinter anderen zurück, wenn es darum geht, seinen ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Auch in anderer Hinsicht besteht noch Nachholbedarf: Während Singapur begonnen hat, sich über steigende Meeresspiegel ernsthafte Sorgen zu machen, wird in Dubai auch noch das letzte seichte Gewässer mit flachen Sandinseln zugebaut. Zyniker sehen da allerdings keinen Grund zur Sorge: Die großen Entwicklungsgesellschaften sind vornehmlich an der schlüsselfertigen Übergabe interessiert, die folgenden Risiken und Unterhaltskosten interessieren dagegen kaum. Zudem betrug die durchschnittliche Lebenserwartung eines Gebäudes in den VAE in der Vergangenheit gerade einmal 25 Jahre. Selbst, wenn inzwischen besser gebaut wird, fragen sich Kritiker, ob die meisten Gebäude auf den künstlichen Palmeninseln in 40 oder 50 Jahren noch stehen werden und dann von einem steigenden Meeresspiegel betroffen sind.
2.2 Investitionen
Die VAE sind nach einer vierjährigen Talfahrt wieder Standort umfangreicher Projektinvestitionen. Ende Oktober 2013 betrug das Projektvolumen von geplanten und laufenden Projekten US$ 710 Mrd. Laut eines Berichts von dem Beratungsunternehmen EC Harris wollen die VAE bis 2030 US$ 329 Mrd. in Bauprojekte investieren.
Die VAE verfolgen eine Politik vorsichtiger wirtschaftlicher Reformen, eine Diversifikation der Wirtschaft und einer stärkeren Rolle des Privatsektors. Die Behörden arbeiten seit Mitte 2008 an einem neuen Investitions- und Gesellschaftsrecht, mit dem privatwirtschaftliche Investitionen in- und ausländischer Anleger gefördert werden sollen.
2.3 Außenhandel
Die Einfuhren der VAE sind, bewertet in US-Dollar, in den letzten Jahren angestiegen. Wurden 2010 für rund US$ 164,6 Mrd. Waren eingeführt, so waren es 2012 US$ 221,9 Mrd. Die bisherige Entwicklung geht vornehmlich auf das Konto einer stark gestiegenen Nachfrage an Konsumgütern sowie Inputs für die verschiedenen Infrastrukturprojekte des Landes. In den nächsten Jahren kommt der Bedarf einer Vielzahl neuer umfangreicher Bau- und Infrastrukturvorhaben hinzu. Für die gestiegenen Werte sind allerdings auch die teilweise hohen internationalen Rohstoffpreise und die Schwäche des US-Dollars verantwortlich, an den der Dirham gebunden ist. Dadurch haben sich vor allem Einfuhren aus der EU stark verteuert. In der Region bleiben die VAE in den nächsten beiden Jahren der größte Importeur von Waren.

