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Mein großer Blumen-, Gemüse- und Kräutergarten mit einheimischen und fremdländischen klimakompatiblen Pflanzen ist meine große Freude. Zu seinen häufigsten Besuchern zählen Nackt- und Weinbergschnecken, die sich ungeladen an den Delikatessen weiden. Sie leben schon seit unvordenkbaren Zeiten und sind für das ökologische Gleichgewicht zweifellos wichtig. Es stört mich daher nicht, wenn sie einen kleinen Teil meines Junggemüses fressen. Doch vermehren sie sich (für mein Empfinden) manchmal allzu sehr, wenn eine feuchte Witterung ihre Fortpflanzung begünstigt. Dann sammle ich sie in einen Eimer und schütte sie in einiger Entfernung im Wald aus mit der Bitte, nicht zurückzukommen.
Einmal im Sommer schaffte ich wieder wöchentlich Hunderte von Schnecken fort. Ich vertiefte ich mich ausgiebig in sie und stellte fest, dass es sanfte, sehr empfindsame Wesen mit scharfem Wahrnehmungsvermögen sind. Während ich mich in sie hineinversetzte, nahm ich eine Welt pulsierender Energiewellen wahr. Ihr Gesichtssinn unterscheidet sich offenbar stark von unserem. Sie erfassen Energiewellen und Auren. In ihrem Bewusstsein „bilden“ sich die Körper anderer Geschöpfe mit den von ihnen ausgehenden Energien „ab“. In der Wahrnehmung der Schnecken sind unsere Körper eher amorph als fest. Wir erscheinen ihnen als farbige Fließmuster mit Energiestrahlen, die je nach den Intentionen unserer Bewegungen einen stechenden oder sanften Charakter haben.
Schnecken „hören“ oder spüren Schallschwingungen mit ihrem ganzen Körper. Jede Pore ihrer biegsamen Gestalt gibt ein erspürtes Bild der Welt wieder. Aufgrund ihrer äußerst sinnlichen Natur verkörpern sie beispielhaft Nahrungsaufnahme und sexuelle Aktivität. Sie sind die „Gourmants in der Tierwelt“, nehmen vollständige Verbindung mit ihrer Nahrung auf, sei es nun junges Grün oder Hundekot.
Ich stieß einmal beim Umgraben in meinem Garten auf ein vereintes Schneckenpaar. Schnecken sind Zwitter, deshalb finden sie leicht einen Partner! Ganz im Gegensatz zur vorherrschenden Auffassung, dass Tiere Sexualität rein mechanisch erleben, war das, was ich wahrnahm, eine ekstatische Gemeinschaft. Respektvoll bedeckte ich das Paar wieder mit Laub. Ein paar Tage später schaute ich unter dem Mulch noch einmal nach ihnen. Sie paarten sich immer noch - eine offensichtlich sehr pässliche Sache, die keine Hast vertrug. Wieder spürte ich ihre Intimität, ihre Freude an der Vereinigung, ihr orgasmisches Einssein.
Vielen Menschen fällt es sichtlich schwer, Schnecken und anderen Lebewesen, die sich körperlich und mental stark von uns unterscheiden, Intelligenz und Bewusstsein zuzugestehen. Hier sind Klischees und Vorurteile zu überwinden, ist Kommunikationsbereitschaft aufzubringen, um die Schönheit ihrer Daseinsform zu erkennen. Wir lernen viel dazu, wenn wir uns in die Wahrnehmungs- und Bewusstseinssphären anderer Geschöpfe versetzen.
Bestimmte Tierarten, die von den Menschen als reine Plage empfunden werden, haben es trotz aller Ausrottungsversuche geschafft, in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft weiter zu gedeihen. Ihr Überleben lässt darauf schließen, dass sie die Gedanken und Absichten der Menschen durchschauen. Beispiele sind Ratten, Waschbären, Kojoten und Kakerlaken. Als Allesfresser können sie sogar vom Müll der Menschen leben. Diese Überlebenskünstler sind erstaunlich intelligent, schnell und auffassungsfähig und genießen oft ihre Nähe zum Menschen. Leider gelingt es jedoch wildlebenden Tieren oft nicht, das Vordringen der Menschen in ihr Territorium zu überleben.
Oft wird beim Menschen etwas als rational und bewusst eingestuft, was beim Tier für eine Instinkthandlung gehalten wird. Rüden heben das Bein, urinieren und bellen, um ihr Revier abzugrenzen und andern Hunden ihre Präsenz anzuzeigen. Das wird gewöhnlich als ein Reiz-Reaktions-Mechanismus abgetan, über den die Hunde keine Kontrolle hätten. Doch wenn Menschen Grenzen markieren, Gebiete einzäunen oder um Territorialansprüche kämpfen, hält man das für löblich oder zumindest akzeptabel, da man sich ein Recht auf persönliches Eigentum zugesteht, beziehungsweise ein Recht auf den Ausdruck seiner sozialen oder individuellen Identität. Nach Ansicht vieler Menschen sind sich Hunde und andere Tiere in keinster Weise ihres Verhaltens bewusst. Nur Menschen hält man für fähig, sich über ihr eigenes Verhalten im Klaren zu sein.
Wir begrenzen die Kommunikation mit Tieren nur allzu gern auf unsere Verstandesebene. Die Tiere müssen lernen, sich auf einer uns geläufigen Ebene mitzuteilen, meist durch Körpersprache - wie Bellen, Stupsen, Kratzen, Zerren etc. - oder durch emotionale Botschaften. Ein geistiger Austausch ist selten. In Tierbüchern werden meist nicht alle Kommunikationsebenen der Tiere beschrieben, sondern nur ihre Fähigkeiten im Rahmen einer den Menschen gewohnten Kommunikation. Wenn sich Hunde zum Beispiel nicht mehr anders mitzuteilen wissen, als aufs Sofa zu pinkeln oder ständig zu bellen, wurden sie wahrscheinlich ignoriert, als sie ihre Bedürfnisse auf subtileren emotionalen oder geistigen Ebenen mitteilten. Tiere bedienen sich dann meist notgedrungen der Kommunikationsform, die wir verstehen wollen.
In unserer Kultur herrscht die Ansicht vor, dass Tiere aufgrund ihres mangelnden Bewusstseins kaum Entscheidungen treffen können. Man ist weit entfernt davon zu glauben, dass Tiere ein Bewusstsein von den tiefsten Wahrheiten und Urgesetzen unseres Universums besitzen. Doch Menschen, die sich ohne Worte oder andere kulturell festgelegte Zeichen als Zwischenträger auf andere Spezies einlassen, erfahren Tiere auf einer Ebene jenseits ihres Überlebenstriebs. Sobald wir mit Tieren aufrichtig und offen umgehen, eröffnet sich ein fruchtbares Feld des voneinander Lernens.
Die Sprachbarriere
Die verbale Kommunikation ist etwas Wunderbares, wenn es um die Betrachtung und Regelung komplizierter Sachverhalte geht. Andererseits ermöglicht sie auch Missverständnisse, die die direkte Kommunikation behindern können. Weil solche Missverständnisse auch sprachlich abgerufen und interpretiert werden können, lassen sie sich verkomplizieren und vielschichtig ausbauen. Wir verwickeln uns dann in alte Formulierungen, und denken, das sei die momentane Wirklichkeit oder das, was die anderen über uns und unsere Handlungen gerade denken. Worte können dazu verleiten, andere nicht aus direkter Erfahrung zu beurteilen, sondern sie aus der Interpretation des von ihnen Gesagten zu rekonstruieren.
Sprache kann also bei Therapien und Beratungen zum Hindernis werden. Bei Tieren geschieht die Beratung unmittelbar, können Fragen und Vorstellungen rasch auf telepathischem Weg ausgetauscht werden. Normalerweise werden bei der Klärung von Problemen direkt die betreffenden Gefühle oder der Sachverhalt erfasst. Tiere verschleiern ihre Erfahrungen und Erinnerungen nicht mit abstrakten Bedenken über deren mögliche Bedeutung für sich selbst und andere. Zwar kommen auch bei ihnen Missverständnisse vor, aber sie neigen anders als die Menschen gewöhnlich nicht dazu, immer wieder über eine Erfahrung und deren Bedeutung nachzugrübeln.
Tiefsitzende emotionale Schwierigkeiten oder auch neue schlechte Erfahrungen und Traumen lassen sich bei Tieren meistens leichter und schneller bereinigen als bei Menschen. Binnen Minuten kommt es zu deutlichen und langfristigen Änderungen der Stimmung und des Verhaltens - wofür bei Menschen oft stundenlange Therapiegespräche nötig sind. Tiere erfassen meist schnell die Ursache des Problems und können ihre sich negativ auswirkenden Verhaltensweisen schlagartig aufgeben.
Menschen brauchen dazu erfahrungsgemäß länger. Es kann viele Stunden oder auch Jahre der Therapie oder anderer Selbstfindungspraxis erfordern, bis sie wieder zur Quelle ihrer einfachen unmittelbaren Wahrnehmungen und damit zur Erkenntnis grundlegender Wahrheiten gelangen. Tiere verlieren ihren direkten Draht zum Leben sehr selten. Sie verstehen das Leben auch so, ohne dicke Bücher über seine Wahrheiten wälzen zu müssen. Deshalb können sie uns so vieles lehren.
Unsere verstandesmäßigen Verstrickungen können uns handlungsunfähig machen, Lebensfreude rauben und viel Leid verursachen. Andererseits haben Verstandesleistungen uns auch in den Genuss großer Errungenschaften gebracht. Sprache in ihrer Vollendung sollte Gedanken immer in einer Weise ausdrücken, die uns auf die Fülle des Lebens jenseits aller Worte hinweist.
Tiere können unsere Sprache verstehen, weil sie das beim Sprechen jeweils tatsächlich Gemeinte erfassen. Ihre normale Kommunikationsform ist das direkte Übertragen und Erfassen von Intentionen und Gefühlen. Sie machen sich das Leben nicht so schwer, wie viele Menschen mit ihren Verklausulierungen und sprachlichen Irrwegen. Allerdings können sie durch einen engen Kontakt mit Menschen von deren indirekteren Kommunikationsweisen beeinflusst werden. Sie können sogar Neurosen und Verhaltensstörungen entwickeln, wenn ihre Anlagen und Bedürfnisse vom Menschen ständig boykottiert und pervertiert werden.
Oft heißt es, ein unbefangen und intuitiv geführtes Leben wäre naiv und langweilig. Das direkte Miteinander erscheint vielen zu einfach und beschränkt. Sie lieben ernste Gedankengänge, die zweifellos zum Menschsein dazu gehören. Doch wer sich allzu ausschließlich komplizierten Gedankenspielen ergibt, kann einmal plötzlich den Faden verlieren und in der Selbstentfremdung landen. Dann steht die Suche in Therapiegesprächen, in der Meditation, im Gebet oder auf anderen spirituellen Wegen an, um von Gedankenmustern loszukommen, die an der Erfahrung reiner Lebensfreude hindern.
Statt im Umgang mit Tieren an vorgefertigten Meinungen festzuhalten, sollten wir versuchen, uns ganz in sie hineinzuversetzen. Sobald wir nicht nur innerhalb unserer sprachlichen Grenzen auf sie zugehen, erkennen wir die Tiere in ihrer Schönheit, Einzigartigkeit und Intelligenz. Plötzlich sind sie wunderbarerweise nichts völlig anderes mehr, sondern Wesensgeschwister voller Begeisterung, Humor und Weisheit. Sooft wir uns in andere Wesen hineinversetzen, vertiefen wir unsere Seinserfahrung. Unser Bewusstsein erweitert sich. Und mit wachsender geistiger Reife kommen wir der wahren göttlichen Natur, die in jedem von uns wohnt, immer näher.
Folgendes Selbstgespräch stammt von 1992:
Vom Denken allein wird man nicht weise, Aber durch Achtsamkeit Umfassende Weisheit der Natur In Felsen, Bienen, Elefanten Denken kann Spaß machen Erkenntnisse herbeiführen Verwirrung stiften Galaktischer Reigen Um sich selbst.
Achtsamkeit, Tiefe Aufrichtigkeit Bringt Wahrheit ans Licht Wissen ist Bewusstsein Es entspringt keinem Rationalismus Keinem folgerichtigen Gedanken Obwohl vom Denken zum Wissen gesprungen werden kann Doch dieser Sprung gelingt nur durch Sein Durch reines Selbstsein Der ewigen Geistnatur.
Denken ist nicht das Ein und Alles des Bewusstseins Es bedarf vieler Transformationen Um reine Schönheit Weisheit Wahrheit zu finden.
Denken trifft man in vielen Spezies an Halte es nicht für den Schlusspunkt Oder für etwas, das dich Über alles erhaben macht Das meinen nur die modernen Menschen Die am Wesentlichen vorbeigehen Dass nämlich im Geist Gleichmut und Frieden zu finden sind Nicht in Schlussfolgerungen Oder logischen Argumenten Der schöpferische Geist Ist die Geistnatur in allen Dingen.
Wir finden zu höchstem Wissen Zu unserem Ursprung Wenn wir durch Achtsamkeit Zu uns finden Zu unserem Selbst, das Schlicht in unserem Herzen wohnt.
Wer unter den Spezies hat das größte Bewusstsein? Etwa die Gedankenverlorenen? Nein, es sind diejenigen, die achtsam sind Die fühlen, die sehen Deren Wesen über die Grenzen Von Haut, Gehirn und Form hinausreicht.
Ich bin Wissenden in jeder Gestalt begegnet Von Bäumen über Schmetterlingen zu Menschen Von ihnen können wir lernen, Uns am Instrument unseres Verstandes zu erfreuen Und Ideen zu entfalten.
Das ist unser angeborenes Recht Aber wir dürfen uns nicht von ihm Beherrschen lassen, Wir dürfen uns nicht dadurch Von den anderen Lebewesen isolieren Dass wir sie für niedriger halten.
Mögest du durch Anerkennung der Wissenden Zu dir selbst finden.
Die Bewertung anderer Spezies
Was uns nicht alles voneinander trennt! Rasse, Geschlecht, Körpergröße, Glaubenssysteme, Spezies ... die Liste analytischer Unterscheidungen und Trennungen ist lang. Mit ihrem Missbrauch lässt sich Zwietracht säen. Wenn man, statt die Gemeinsamkeiten der inneren Geistnatur zu betonen, sich zu sehr auf die Unterschiede versteift, nehmen Unterdrückung, Ausgrenzung, Härte und auch Grausamkeit gegen die anderen zu.
Sicherlich kennt jeder von uns die Thesen, nach denen üblicherweise zwischen Mensch und Tier unterschieden wird, und viele haben diese isolierte Wertschätzung menschlichen Lebens übernommen. Bis vor kurzem war die Minderwertigkeit anderer Spezies auch wissenschaftlich verbürgt. Heute allerdings erkennen viele Wissenschaftler die Hinderlichkeit dieser Annahmen, und kommen durch ihre unbefangene Beobachtung zu völlig neuen Ergebnissen.
Sehr gängig ist das Vorurteil, dass Tiere keine intelligenten Wesen seien, denn dazu sei die Leistungsfähigkeit ihres Gehirns einfach zu begrenzt. Ihren Gehirnen mangle es einfach an Masse und Komplexität, als dass sie denken und individuelle Entscheidungen treffen könnten. Mittlerweile belegen Studien, dass viele Spezies - und darunter auch solche mit relativ kleinen Gehirnen - durchaus in der Lage sind, Probleme zu lösen und Entschlüsse zu fassen.
Ein weiteres Kriterium war „der Gebrauch von Werkzeug“: Nur die Menschen hätten jene evolutionäre Stufe erreicht, die sie zum Überleben Werkzeuge erfinden und gebrauchen lässt. Nun ist diese Fähigkeit aber auch bei anderen, sehr unterschiedlichen Spezies entdeckt worden - wie bei Schimpansen, Vögeln und Ameisen. Eine andere These besagte, dass nur Menschen zum Altruismus fähig seien, also nur sie sich selbstlos für andere einsetzen könnten. Doch sind unzählige Vorfälle und Begebenheiten bekannt, bei denen Tiere ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten, um Artgenossen und auch Menschen rettend zu Hilfe zu kommen. Auch dieses Kriterium ist also überholt.
Jahrhunderte lang war unbestritten, dass nur Menschen sich durch Sprachen und Symbole untereinander verständigen. In jüngster Zeit haben Forscher jedoch zu ihrem großen Erstaunen bei vielen Spezies den Gebrauch komplizierter Laut- und Zeichensprachen entdeckt, sei es unter Elefanten, Vögeln oder Bienen. Der vorherrschende Glaube, dass Tiere kein eigentliches Bewusstsein von ihrer Umgebung haben, so wie wir Menschen, und sich auch nicht sprachlich verständigen können, ist rückläufig. Es beginnen deutlich mehr Menschen sich auf eine respektvollere Weise mit Tieren zu befassen.
Noch glauben viele Menschen, Tiere hätten kein Selbstbewusstsein und kein Rechts- und Unrechtsempfinden. Ihnen widersprechen die Verhaltensforscher, die sehr wohl bei Tieren Selbstbewusstsein und ethische Vorstellungen entdecken. Zudem hat die direkte telepathische Kommunikation immer wieder gezeigt, dass Tiere sich und ihren Lebenszweck kennen. Sie haben eigene Vorstellungen von Recht und Unrecht und sorgen entsprechend ihrer Art für Gerechtigkeit. Ihre Bräuche mögen sich von den unsrigen unterscheiden. Aber wir sollten bedenken, dass es selbst schon unter uns Menschen Unterschiede im Brauchtum gibt.
Tiere zweifeln ihr Bewusstsein natürlich nicht in dem Ausmaß an wie der moderne Mensch. Trotzdem sind sich die Wesen aller Spezies ihrer Lebendigkeit bewusst, mag dieses Bewusstsein auch noch so unterschiedlich ausgeprägt sein.
Ich habe gelesen, Menschen würden sich von den Tieren auch darin unterscheiden, dass nur sie sich über die Gegenwart hinaus an andere Orte und in andere Zeiten versetzen und die Dinge von einer höheren Warte aus betrachten können. Ich habe da ganz andere Erfahrungen mit Tieren gemacht. Ich durfte erfahren, dass sie sich sehr wohl in Situationen versetzen und Erinnerungen und Zukunftsvorstellungen haben können. Sie haben mir Bewusstseinsmomente vergangener Leben auf der Erde und in anderen Dimensionen mitgeteilt sowie außerkörperliche Erfahrungen. Ich gewann durch sie nicht weniger tiefe Erkenntnisse als in der Begegnung mit Menschen. Tiere vermitteln solche Bewusstseinsmomente normalerweise auf einfachere Weise als verstandesbetonte Menschen, doch ist ihr Wissen deswegen nicht weniger tief.
Ich ziehe es vor, die Unterschiede der Spezies als einen das Leben bereichernden Ausdruck des Universums zu begreifen, anstatt sie als Trennungsmerkmale zu benutzen. Je direkter Sie kommunizieren und je achtsamer Sie ihr Verhältnis zu Vertretern anderer Arten gestalten, desto offenbarer wird Ihnen die Weisheit aller Lebensformen und die Einheit allen Lebens. Und dieses weise Miteinander lässt jeden über die eigenen Grenzen hinauswachsen. Unsere nichtmenschlichen Freunde können uns lehren, das Hier und Jetzt unseres Daseins zu akzeptieren und die schöpferische Einheit zu spüren - die Göttlichkeit, an der wir alle teilhaben.
Wie intelligent Tiere sind und ihren direkten Draht zu allem Leben haben erfuhr ich einmal in einer wunderbaren Begegnung mit einem Laubfrosch. Wir kamen gerade von einem naturkundlichen Diavortrag aus dem Gemeindezentrum zurück. Es war eine kalte Februarnacht und die Ausführungen gingen mir noch immer durch den Kopf. Der Referent hatte sich gefragt, ob die Dürre in unserer Gegend nicht deshalb so rapide zunähme, weil wir den Donnervogel nicht mehr um Regen bitten, wie dies die Eingeborenen immer getan hätten. Und dass wir wieder mehr auf das hören müssten, was uns die Tiere zu sagen haben. Ich fühlte mich zutiefst verstanden, denn auch ich bin dagegen, dass die Menschen die natürlichen Lebensbedingungen so vieler Geschöpfe zerstören.
Der Laubfrosch saß auf der Türschwelle, als warte er darauf eingelassen zu werden. Vorsichtig nahm ich den leuchtendgrünen Kerl auf die Hand, um ihn im Garten abzusetzen. Aber er schien etwas anderes vorzuhaben. Statt davon zu hüpfen, blieb er still sitzen, und kehrte mehrmals um, als ich ihn herunter zu schubsen versuchte. Also hob ich meine Hand hoch, um ihn mir genau anzusehen und herauszufinden, warum er bleiben wollte. Still vermittelte er mir seine Wertschätzung, was in mir das Gefühl einer Urverwandtschaft weckte. „Sag den Menschen, dass wir sauberes Wasser und saubere Luft brauchen“, gab er mir zu verstehen. Ich merkte, dass er auch für die vielen anderen Amphibien sprach - Frösche, Salamander, Molche -, deren Zahl weltweit in so beängstigendem Maße zurückgeht. Er nutzte unsere kurze Begegnung, um mir diesen Auftrag ans Herz zu legen.
Dann drehte er sich auch schon um, und ich senkte die Hand und ließ ihn davon hüpfen. Später hörte ich ihn zusammen mit seinen Freunden quaken. Sie baten um den so heiß ersehnten Regen.
Die evolutive Beziehung zwischen den Arten
In unserer Kultur wird den Menschen eingeschärft, dass der Homo sapiens eine Sonderstellung im Reich der Lebewesen einnimmt. Obwohl der Mensch, was die Komplexität des Gehirns und den Werkzeuggebrauch betrifft, die meisten anderen Spezies übertrifft, ist er nichts ganz anderes. Wir haben, so wie die anderen Wesen auch, unseren Platz im lebendigen Ganzen.
Auch die Vorstellung einer doppelbödigen Evolution des Geistes, dass sich aufgrund des unterschiedlichen Körperbaus eine ganz andere Art von Geist entfaltet, schafft eine unüberbrückbare Kluft zwischen Menschen und Tieren. Ich habe erkannt, dass wir alle dieselbe Geistnatur haben und dass es uns freisteht, in jeder Form individuelle Gestalt anzunehmen.
Die Unterschiede im Körperbau der Arten spiegeln deren unterschiedliche Lebensbedingungen und Fähigkeiten des Überlebens wider. Als geistigen Wesen stehen uns viele Möglichkeiten offen, uns kreativ auf Erden auszuleben. Wir verkörpern uns entsprechend unserer Absichten in verschiedenen Spezies und bringen uns innerhalb der jeweiligen biologischen Grenzen zum Ausdruck. Spezies, Unterarten und Individuen haben ihren evolutiven Zweck im physikalischen Universum und die geistigen Wesen durchwandern in wechselnder Gestalt die Dimensionen. Alles hängt zusammen.
Das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren beschäftigt mich schon seit langem. Wie kein anderes Lebewesen haben wir die Macht, unsere Umwelt zu gestalten oder zu zerstören. Keine andere Spezies außer dem Menschen sortiert andere Spielarten des Lebens derart aus, trennt und bewertet so kategorisch. Doch wir laufen Gefahr, uns dabei zu verlieren in einer immer oberflächlicheren Zerstreuung, statt vollkommen zu verstehen und zu wissen. Auch nichtmenschliche Lebewesen können abstrahieren, aber sie bleiben sich ihres gegenwärtigen Lebenssinnes bewusst und rechtfertigen ihren Platz im Universum und ihren Lebenszweck nicht nach Belieben.
Wir gehen kreativ mit Sprache um, wir forschen, schreiben und zeichnen Geschichten über uns und die Welt auf. Andere Lebewesen vermitteln ihre Erinnerungen und Beobachtungen intuitiv aus dem Zellgedächtnis und durch gruppentypische Eigenarten. Ich habe oft den Eindruck, dass Menschen Schüler des Lebens sind. Unsere Aufgabe ist, uns mit anderen über das Lernen im Leben auszutauschen. Menschen sind Lebenskünstler, die mit Hilfe ihrer Phantasie zu Sinngebern werden können. Wir bereichern einander, wenn wir uns durch Musik, Tanz, Dichtung und auf anderen musischen Gebieten offenbaren.
Eine amerikanische Anthropologin, die das Leben der australischen Ureinwohner erforschte, stellte einer Aborigine einmal die Frage, wodurch sich Menschen von Tieren unterschieden. Die Frau war über diese große Wissenslücke sehr erstaunt und erklärte: wir sind diejenigen, die allen anderen Geschichten erzählen können.
Geist und Form
Als ich vor einem Vierteljahrhundert in Edinburgh in Schottland lebte, hatte ich einen Kater namens Ipsis. Ipsis hatte seinen Namen, der aus dem Lateinischen hergeleitet soviel wie „er selbst“ bedeutet, selber gewählt. Er war eine Wucht von einem schwarzen Kater, der, wenn er Leuten tief in die Augen schaute, diese zu Bemerkungen hinreißen konnte, wie: „Das ist mehr als ein normaler Kater!“
Ipsis war mein spezieller Freund, da er mir bei meinen Beratungen beistand. Kam ein Kunde, trat er zur Begrüßung in Erscheinung und machte es sich dann irgendwo im Hintergrund bequem. Wenn wir dann der Lösung eines Problems nahe waren und sich beim Kunden durch freiwerdende Emotionen gerade eine Einsicht ankündigte, kam es oft vor, dass Ispsis plötzlich auf den Tisch sprang, den Kunden ermunternd anschaute, so als wartete er auf dessen Aha-Effekt. Meistens lachten dann die Kunden und meinten, der Erfolg der Sitzung sei ja jetzt so gut wie sicher, da ihnen Ipsis auf die Sprünge helfe.
Vor allem erinnere ich mich noch an eine Eigenart, durch die mir Ispis sehr beistand. Wir lebten in einer zugigen Dachwohnung, wo uns als einzige Wärmequelle ein kleiner Elektroofen zur Verfügung stand, der noch dazu im Münzbetrieb funktionierte. Das Aufstehen im Morgengrauen fiel mir oft schwer. Aber Ipsis machte es mir ein wenig leichter. Meistens schlief er zu meinen Füßen auf meinem Bett. Kurz bevor der Wecker klingelte, war er schon am Kopfkissen und weckte mich ganz zart mit seiner Tatze. Das brachte mich zum Lächeln, ich streichelte ihn und manchmal schlief ich dabei wieder ein. Wenn dann der Wecker schellte und ich immer noch nicht aufstand, wurde Ipsis hartnäckiger, leckte mit seiner rauen Zunge an meiner Wange oder biss mich leicht ins Kinn, so, als wolle er mir sagen: „Du musst jetzt aufstehen und an die Arbeit. Sie ist sehr wichtig.“ Er half mir, der Kälte des Zimmers zu trotzen, und gemeinsam gingen wir dann zur Arbeit ins Beratungszentrum.
Meinem Freund schilderte ich immer wieder meine wunderbaren Erlebnisse mit Ipsis, was ihm - obwohl er Ipsis auch sehr mochte - manchmal ganz schön auf die Nerven ging. „Das ist doch nur ein Kater, mehr nicht“, meinte er dann, und ich erwiderte: „Und wenn ich dich so ansehe, wie du Ipsis, bist du nur eine menschliche Gestalt, mehr nicht.“
Wir sehen nicht mehr, als wir wahrhaben wollen, und verstehen es meisterhaft, uns auf Normen der Wahrnehmung festzulegen. Wir gehen von der Sinnlichkeit unserer äußeren Hülle aus und von den Veränderungen innerhalb dieser Grenzen. Ohne das Bewusstsein der unendlichen allgegenwärtigen Geistnatur hätte für mich das Leben keinen Sinn. Ich würde den Gefühls- und Gedankenreichtum vermissen, der sich mir durch die Weisheit anderer Wesen offenbart.




