Die bayerische Elsässerin

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Inhaltsverzeichnis
Prolog
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
21. Kapitel
22. Kapitel
23. Kapitel
Vollständige e-Book Ausgabe 2020
© 2020 by WOLFSTEIN VERLAG
in der Spielberg Verlag GmbH, Neumarkt
© 2010 by Societäts Verlag, Frankfurt a. M.
Korrektorat: Kati Auerswald
Umschlaggestaltung: Ria Raven, www.riaraven.de
Umschlagbild: Mandy Godbehear
Umschlagillustrationen: © shutterstock
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(e-Book) ISBN: 978-3-95452-109-8
www.spielberg-verlag.de

Volkmar Steininger geboren 1970 im niederbayerischen Triftern, ist gelernter Redakteur für Funk und Fernsehen. Seit nunmehr 20 Jahren ist er unter anderem als Autor für die Sendung »Verstehen Sie Spaß?« und als Produzent für verschiedene Fernsehanstalten tätig. 2014 wurde Volkmar Steininger in den Senat der Wirtschaft berufen und ist jetzt Senator der Wirtschaft a.D…
Prolog
Der Erste Weltkrieg war vorbei.
Deutschland hatte Elsass-Lothringen in der Erfüllung des Versailler Vertrages wieder an Frankreich abgetreten. 1922 waren gemeinnützige Siedlergenossenschaften gegründet worden, um den Strom an vertriebenen Elsass-Lothringern aufzufangen. Wer Glück hatte, kam bei Bekannten oder Verwandten unter.
So erging es auch der 18-jährigen Monique, deren Eltern vor kurzem verstorben waren. 1923 kam sie auf einem Einödhof, dem Mayerhof, in der Nähe von Viechtach im Bayerischen Wald unter. Bei ihrem Onkel und ihrer Tante sollte ein neues Leben für sie beginnen.
1. Kapitel
Morgendämmerung! Ein trüber, verregneter Spätsommertag begann. Es schüttete wie aus Kübeln.
Ein Rehbock, aufgescheucht durch das heftige Regengeprassel, huschte in den ihm Schutz bietenden Wald. Und weg war er – nicht mehr gesehen.
Auf dem Mayerhof sah es ähnlich aus. Immer stärker regnete es aus dem dunklen, stark bewölkten Himmel herab, und zusätzlich setzte ein Wind ein, der über den Hofinnenraum fegte. Fast wurde der bunt gefiederte italienische Hahn von seinem Haufen geweht, er krähte und stemmte sich in seiner Hahnespracht den Böen entgegen und gab dabei eine aberwitzige Figur ab in seinem Stolz. Allzu viele Stürme dieser Art hatte er wohl noch nicht zu sehen bekommen. Er war ja auch noch gar jung, der Kleine, der betröpfelt, aber stolz die Stellung hielt.
Alt und grau dagegen erschien die Holzfassade der Stallung – wie lange mochte sie wohl noch halten? Das Holz war über Jahre der Witterung ausgesetzt gewesen und immer wieder nur mit dünnen und dicken Nägeln notdürftig repariert und fixiert worden, hineingetrieben in die Bretter, die den Stall grob aufrecht halten sollten, einzig dem Zwecke dienend: Hauptsache irgendwie zusammenhalten. Dieses Lüftchen würde sie schon noch schaffen, damit das laute Innenleben den vertrauten Schutz erfuhr. Die Kühe dankten es ihr mit lautem Muhen.
Die Stalltür wurde aufgeschubst, und das Erste, was im Hof zu sehen war, waren zwei schwere, alte, blecherne Milchkannen, die von zwei zarten Mädchenhänden getragen wurden. Mit einem gezielten Fußtritt gelang es dem Persönchen, die Tür hinter sich zu schließen. Dem Persönchen fiel es schwer, die Milchkannen zu tragen, und es stöhnte deswegen ein bisschen. Ihr Gesicht war kaum zu sehen, denn ihr geblümtes Kopftuch, das ihr Schutz vor dem widrigen Wetter bot, verhüllte sie geschickt. Und die verschmutzte Arbeitsschürze machte die junge Frau auch nicht gerade ansehnlicher.
Sie musste wirklich viel Kraft aufwenden, damit die Kannen sie nicht nach unten zu Boden drückten. Aber das schaffte sie. Nachdem sie ein paar Meter weitergegangen war, wuchtete sie die beiden Milchkannen in einen kleinen hölzernen Leiterwagen. Das Persönchen nahm nun die lange Lenkstange des Wagens, der quietschte, als würde er sie begrüßen, doch es war nur der Rost an den Achsen, und sie begann ihn zu ziehen. Der Regen hatte nachgelassen, doch der Himmel war immer noch wolkenverhangen. Ein sumpfartiges „Pflapf“ bei jedem Schritt und das Quietschen des halbeingerosteten Leiterwagens waren zu hören, als Monique, denn um sie handelte es sich, mit ihren zwei schweren, ledernen braunen Stiefeln – wohl drei Nummern zu groß für ihre Füße – tapfer durch den Matsch des aufgeweichten Feldwegs stapfte. Ihre zarten Hände hielten fest die kreuzförmige Lenkstange des Leiterwagens umklammert.
An der Kreuzung mit einem breiteren Feldweg blieb Monique stehen. Sie atmete tief durch, um zu verschnaufen. Endlich kam die Sonne hervor. Nur vereinzelt fielen noch Regentropfen zu Boden.
Das elsässische Mädchen blickte gen Himmel und genoss die unerwartet einsetzenden Strahlen der Sonne. In ihrem Gesicht schienen sich die wenigen Sonnenstrahlen förmlich zu bündeln und zu reflektieren, als sie das Kopftuch lockerte und es abnahm. Etwas verträumt öffnete sie ihren Haarzopf, und ihr langes dunkles Haar wellte sich herab. Sie warf es rasch nach hinten. Ein trotz der Schürze wunderschönes Mädchen – eigentlich schon eine Frau mit ihren achtzehn Lenzen – kam zum Vorschein.
Plötzlich war aus dem Hintergrund Pferdegetrappel zu hören, übertönt noch vom Klappern des Pferdegeschirrs. Eine Kutsche kam in Sicht und näherte sich rasch. Als das Gefährt Monique erreicht hatte, sprach der Kutscher sie an. Es war der Milchfahrer von Viechtach und Umgebung.
„Ho!“, befehligte er Richtung Pferd, welches aufs Wort gehorchend anhielt. Es war ein schwerer robuster Kaltblüter, der vor einen Pferdefuhrwagen gespannt war. Auf dem Wagen standen mehrere Milchkannen, und auf dem Kutschbock saß der Milchfahrer, in grauem Mantel, den Kragen hochgeschlagen, und mit einem alten zerknautschten Hut auf dem Kopf.
„Und, sind wir wieder recht fleißig, Monique?“, sprach er das Mädchen an. „Hast heute schlechtes Wetter mitgebracht!“
Monique schmunzelte, wollte sich ihr Lächeln aber nicht anmerken lassen. Der Kutscher stieg ab, lächelte Monique an und holte die Milchkannen vom Leiterwagen. Dann stieg er mit den Kannen den Kutschbock hoch und füllte die erste in eine leere von ihm um.
Monique beobachtete den Milchfahrer dabei. Auf die Frage von ihm, ob sie denn wieder mal alle Kannen hatte allein schleppen müssen, antwortete sie schlicht mit einer Gegenfrage: „Nimmst du mich mit nach Viechtach?“
Der Milchfahrer nickte und füllte die zweite Milchkanne um. Dann zeigte er auf den Leiterwagen und war gerade im Begriff, etwas zu sagen, als ihn Monique doch etwas frech und ziemlich selbstbewusst unterbrach: „Der wird schon nicht von selbst davonrollen.“ Also reichte er die beiden leeren Kannen zu Monique hinunter, die sie fröhlich und schwungvoll in den Leiterwagen stellte. Der Milchfahrer lud sie zudem ein mitzukommen mit den Worten: „Na, dann rauf mit dir!“
Er reichte ihr die Hand und half ihr, nach vorne auf den Pferdefuhrwagen zu steigen. Monique saß nun neben ihm, wohin würde denn die Reise gehen? Sie würde es schon wissen.
Er nahm die Zügel fest in die Hände, und mit einem lauten „Hü“ von ihm ging es los. Er versetzte das Pferd in den Trab. Es hatte zu regnen aufgehört, und Moniques Haar flatterte im Wind. Der Milchfahrer lächelte gelegentlich zu ihr hinüber. Doch Monique hatte nur Augen für die Umgebung, denn gerade fuhren sie an der Teufelsmauer vorbei, der größten Erhebung des Großen Pfahls in Viechtach. Das einzigartige Naturdenkmal des Bayerischen Waldes, das vor 275 Millionen Jahren entstanden war, ragte majestätisch vor ihren Augen empor. Wie eine uneinnehmbare Festung stand es da, aus milchigweißem, teils auch hellgrauem Quarzgestein. Monique riss ihre Augen weit auf, war sichtlich bewegt und zugleich mächtig beeindruckt von diesem erdgeschichtlichen Wahrzeichen.
Der Milchfahrer lächelte und beobachtete Monique.
„Wunderschön, nicht wahr? Wenn ich zwanzig Jahre jünger wäre…“
Monique wandte sich ihm zu und schaute ihn nun doch etwas neugierig aufgrund dessen Bemerkung an.
„Was wäre dann?“
Der Milchfahrer schluchzte ein wenig: „Ach… schönes Elsässermädel…“ Etwas verlegen blickte er zu ihr hinüber: „So ein fesches Mädel wie du, obendrein fleißig, anständig…“
Monique schien jedoch unbeeindruckt von seinen Ausführungen über ihre Person zu sein; was sie faszinierte, war vielmehr die Einzigartigkeit dieser Gegend, der kleine spontane Ausflug, und deswegen entgegnete sie ihm: „Ja, dann wärst du zwanzig Jahre jünger. Schade.“
Der Milchfahrer war erstaunt und fragte nach, warum das schade wäre.
„Ja, dann würden wir uns ja nicht kennen und wir wären uns nie begegnet, weil ich noch gar nicht auf der Welt wäre“, meinte sie.
Jetzt musste er lachen und schüttelte den Kopf: „Ja, da hast du recht!“
Und er befahl dem Pferd zu halten und wandte sich wiederum Monique zu, in der Hoffnung, diesmal mehr Beachtung zu finden: „Du, ich war schon mal in deiner Heimat! Hab ich dir schon davon erzählt?“
Worte, die Moniques Aufmerksamkeit erregen konnten. Mit großen Augen sah sie ihn nun an und fragte nach: „Etwa in Colmar? Meinem Heimatort. Dem Kleinvenedig…?“
Ausgerechnet jetzt fielt ihm der Name der Stadt nicht ein, in der er gewesen war, obwohl er ihm auf der Zunge zu liegen schien. Sie stocherte nach: „Mühlhausen, Thann, Rappoltsweiler?“
Hierauf der Milchfahrer: „Ist egal. Auf jeden Fall wunderschön war’s bei euch! Romantische Burgen und Schlösser, und ein exzellenter Wein!“
So gelang es ihm, Moniques Gesicht zum Strahlen zu bringen, und sie lächelte in der Erinnerung an ihre Heimat.
„Wir haben hier aber auch Burgen wie die Kollnburg oder Neunussburg, die musst du mal besuchen!“, schwärmte er ihr vor.
Monique nickte – doch ihr Blick verdüsterte sich und wurde melancholisch, als der Kutscher unbedacht nachlegte: „Freundliche Leute, die Elsässer. Das war noch vor dem Krieg, als ihr noch deutsch wart und nicht französisch.“
Monique hielt kurz inne, berührt, bewegt, etwas in ihr begann zu brodeln, tief aus ihr herauszubrechen – und es brach auch aus ihr heraus, und das ziemlich laut: „Für euch sind wir Franzosen und für die Franzosen sind wir Deutsche!“
Auf dem Mayerhof brach derweilen aufgrund von Moniques Verschwinden sichtlich Unruhe aus. Begleitet vom lauten Muhen der Kühe, riss die Bäuerin höchstpersönlich – sie war um die fünfzig Jahre alt, trug abgenutzte Arbeitskleidung und ähnlich wie Monique ein Kopftuch, allerdings in Grau – hektisch die Stalltür weit auf und schrie laut hinein: „Monika! Monika! Ja wo ist sie denn wieder!“
Keine Antwort. Die Bäuerin schüttelte angefressen und sichtlich angewidert über ihre Nichte den Kopf. Wütend wie ein Orkan knallte sie die Stalltür laut hinter sich zu: als hätte Monika, wie sie sie immer nannte – entweder weil sie nicht anders konnte oder weil sie einfach nicht mochte –, eine fürchterliche Freveltat begangen.
Der Stundenzeiger an der Uhr des Kirchturms der Stadtkirche in Viechtach, den man auch den Dom des Bayerischen Waldes nannte, zeigte bereits auf die Zehn. Glockenschlag! Monique schlenderte durch die Straßen. Die Sonne linste nun aus den Wolken hervor. Monique verharrte an einer Stelle, von wo aus sie ihre neugierigen Blicke in die Ausstellungsfenster eines Kleiderladens werfen konnte, in welchem vorwiegend Dirndlkleider und Trachten geführt wurden.
Schon war sie drin, im Laden verschwunden.
Schöne Stoffe, ja ganze Stoffballen lagerten in den dunkelbraunen Regalen. Monique ließ ihre Blicke über die Regalreihen schweifen. Fein säuberlich waren hier die aufgerollten Stoffballen in den unterschiedlichsten Farben aufgereiht. Am Ladentisch, der die gleiche dunkle Holzfarbe wie all die Regale hatte – dunkel, rustikal, beständig eben –, stand eine Frau, wohl Besitzerin und Verkäuferin zugleich.
Monique, sehr beeindruckt von all der Pracht, starrte die Besitzerin mit weit aufgerissenen Augen sprachlos an. Eine alte Frau, die wie eine morsche, knorrige Linde wirkte, kam ihr aus den Tiefen des Geschäftes entgegen, starrte sie misstrauisch an, öffnete die Tür und verließ den Laden mit den Worten: „Lasst sie nur schön alle zu uns rein!“
„Wiederschauen, Frau Eder!“, wurde sie von der Besitzerin des Ladens freundlich verabschiedet.
Die bayerische Elsässerin ging auf den Ladentisch zu, wo sich die Verkäuferin auch ihrer annehmen sollte.
„Grüß Gott!“ Ein Gruß, den sie schon in Perfektion beherrschte, wie so manches andere.
Als die Besitzerin höflich ihren Gruß erwiderte, schoss Monique auch schon los, als wäre sie schon immer Kundin hier gewesen: „Was habt ihr an neuen Stoffen reinbekommen?“
„Wofür soll es denn sein?“
„Na, für ein Dirndl“, antwortete die junge Frau etwas ungeduldig.
„Warten Sie mal!“
Die Verkäuferin drehte ihrer möglichen Neukundin den Rücken zu und schaute bei den Holzregalen nach. Monique zog kurz die Augenbrauen hoch und atmete einmal kräftig tief durch. Mit einem gekonnten Handgriff holte die Verkäuferin sogleich einen rosafarbenen, feinen Stoffballen heraus. Sie drehte sich wieder Monique zu und hielt ihr den Stoffballen zum Begutachten vor die Nase.
„Schauen’s her! Das gibt ein schönes Dirndl!“
Die Besitzerin breitete den Stoff nun auf den Ladentisch aus. Monique ihrerseits fasste ihn mit prüfendem Blick an. Ihre zarten Hände streichelten den sanften Stoff.
„ Na ja… Hm…“, überlegte sie.
Die Verkäuferin reagierte sofort und legte ihr noch ein paar Stoffe vor. Doch Monique zauderte.
Dann fiel ihr Blick plötzlich auf einen grünen Stoff im Holzregal direkt vor ihrer Nase. Sie musste einfach auf ihn deuten: „Und der?“
Die Verkäuferin drehte sich wieder um und griff nach dem gewünschten Ballen: „Der hier?“
Monique, wieder etwas ungeduldig: „Genau der!“
Die Verkäuferin zog den Ballen heraus und legte ihn neben die anderen auf den Ladentisch. Monique fasste diesen Ballen ebenfalls an, um ihn an der Haut zu spüren.
Die Verkäuferin sah sich bestätigt von der Erstklassigkeit ihrer Ware: „Sehen Sie, erste Ware!“
Da fragte sie etwas zaghaft, wie viel der Stoff denn koste, und es kam die Antwort, die sie erwartet hatte: dass er nicht billig sei.
Jetzt nutzte sie, schlau wie sie war, aber noch die Gelegenheit und strich mit ihrer Hand noch einmal kennerhaft über den Stoff, um anschließend die anspruchvolle Kundin zu mimen: „Ach, ich muss es mir noch überlegen. Ich schau’ nächste Woche wieder vorbei und geb’ Ihnen dann Bescheid.“
„Kann aber sein, dass er nächste Woche bereits weg ist“, wollte die Ladenbesitzerin noch sagen, doch die bayerische Elsässerin verließ bereits schnellen Schrittes das Geschäft: „Ja, macht nichts! Wiedersehn!“
Kaum hatte Monique die Ladentür hinter sich geschlossen, musste sie stehen bleiben. Denn eine ihr bekannte junge Frau türmte sich frontal vor ihr auf. Monique war perplex, denn es handelte sich um eine gleichaltrige Freundin aus ihrer Heimat namens Petra. Sie trug bereits ein schönes Dirndlkleid und schrie ihr gleich schrill ins Ohr: „Monique?“
Diese, doch sehr überrascht: „Ja, Petra! Grüß dich!“
„Wie geht’s dir denn, Monique?“
Monique zögerte kurz: „Gut, ja, gut. Wie kommst denn du hierher?“
Und schon plapperte Petra drauflos: „Ja, wo die Liebe hinfällt. Durch meinen Verlobten, der ist Beamter. Ja, ja, Glück muss man haben! Es gibt immer viel zu tun und vor allem viel Arbeit. Stimmt’s? Ja, bei mir ist es das Gleiche. Lange haben wir uns nicht mehr gesehen. Ich glaube seit der Beerdigung deines Vaters. Stimmt’s?“
Bei diesen unbedachten Worten legte sich sichtlich Betroffenheit auf Moniques Herz, und ein leises „Ja“ und ein noch leiseres „Petra“ waren die Folge.
Als Petra endlich ihren Fauxpas bemerkte, wechselte sie rasch das Thema mit der nächsten piekenden Frage: „Gehst du eigentlich auch heut’ aufs Schützenfest?“
Monique antwortete kleinlaut: „War ich noch nicht… ich meine… ich weiß es noch nicht…“
Petra aufgewühlt: „Warum weißt du das nicht? Du musst hin! Wird dir sicher gefallen!“
Die Bäuerin steckte noch in ihrer Arbeitskleidung und hatte soeben den borstigen Besen gegen den grünen Kachelofen geworfen. Verärgert krempelte sie die Ärmel hoch. Ihr Blick fiel auf die Bauernstube. Der Holzboden war neu, eine schöne alte Holzdecke, Holzvertäfelung an den Wänden und ein Kruzifix, das sich von der Eckbankecke etwas fürsorglich anmutend ins Zimmer neigte.
Albert, der Knecht, kam herein. Er hatte die Türklinke noch in seiner Hand und wusste gar nicht, wie ihm geschah, da fuhr ihn die Bäuerin schon an: wo Monique denn wieder nur bleibe, ob er sie gesehen habe, denn sie würde sie nirgends finden können. Die Arme in die Hüften gestützt, legte sie los mit einem Temperamentsausbruch, der seinesgleichen suchte.
Ein sehr kleinlauter und leiser Knecht stand ihr gegenüber: „Ja, ich hab’ sie gesehen“, sagte Albert, „wie sie mit dem Milchfahrer mitgefahren ist…“
„Aha, ins Dorf runter also. Lässt einfach die Arbeit liegen, der französische Schlampen! Ich wenn das machen würde… Weit würden wir da kommen!“
Wutentbrannt ging sie auf den Kachelofen zu und griff sich den Besen.
„Um den ganzen Hof würden wir da kommen! Und im Dreck müssten wir ersticken! Komm, Albert, schau, wo sie sich rumtreibt! Geh! Und hol sie!“, befahl sie ihm in herrischem Tonfall.
„Zu Fuß? Der Bauer hat aber gesagt, ich muss noch…“
Doch die Bäuerin ließ ihn nicht ausreden: „Du gehst jetzt und holst sie! Nimm’s Fahrrad!“
Der Knecht nickte mit dem Kopf und schloss schnell die Tür hinter sich, während die Herrin des Hofes nun begann, ein Selbstgespräch zu führen, während sie die Asche vor dem Kachelofen zusammenfegte, dass es nur so staubte: „Das ist nun der Dank dafür, dass wir sie nach dem Tod ihrer Eltern bei uns aufgenommen haben! Wo wäre sie denn jetzt?“
Nachdenklich lehnte sie den Besen wieder an den Kachelofen.
Die Hühner im Hof flatterten davon, als sie das laut klappernde Rad, auf dem Albert saß, hörten. So schnell er konnte, sauste er an ihnen vorbei. Doch dann zwang ihn sogleich ein unüberwindliches Hindernis zur Vollbremsung, denn vor ihm tauchte Hilde, die Magd des Hofes, auf.
Das ganze Rad quietschte laut, nur Hilde nicht, sie blieb stehen und starrte Albert an. Die Intelligenz sah ihr nicht aus den Augen. Sie musste diese wohl anderswo im Körper gut versteckt haben. Dieser schien dafür genügend Platz in ihrer Oberweite zu bieten.
Albert schrie sie an, denn sie blieb vor ihm stehen und versperrte ihm den Weg – und dafür war nun wirklich keine Zeit: „Ja, schau gefälligst, wo du hinläufst!“
Sie hingegen verteidigte sich damit, warum er auch so schnell fahren müsse. Und neugierig fragte sie ihn auch, wohin er denn müsse.
Albert hatte nun wirklich keine Geduld, auch noch näher auf Hildes Fragen einzugehen, sodass er nur kurz antwortete: „Immer ich! Ich bin doch immer der Dumme!“ Und dann fügte er noch leise hinzu:



