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St Bartholomew-the-Great
Im weiteren Verlauf der Straße erreichen wir, von schönem Grün umgeben, das Charterhouse, ein ehemaliges Kartäuserkloster aus dem 14. Jahrhundert. Unter Henry VIII wurde es 1537, wie alle Klöster des Landes, aufgelöst und die Mönche brutal hingerichtet. Nach 1545 wurde es zu einem Herrenhaus mit Innenhof umgebaut, bis es 1611 der Geschäftsmann Thomas Sutton erwarb. Er stiftete kurz vor seinem Tod Geld für eine Kapelle, ein Altersheim für Soldaten und eine Jungenschule. Die während des Zweiten Weltkrieges stark zerstörten Gebäudeteile wurden in den 1950er-Jahren restauriert. Dabei wurde das Grab von Walter de Manny entdeckt, dem ursprünglichen Klostergründer. Die Jungenschule ist bereits 1872 umgezogen, das Altersheim gibt es noch. Seit 2017 kann man das Museum und die Kapelle von Charterhouse besichtigen.
Parallel zum Charterhouse Square verläuft die schmale Gasse Cloth Fair. Die Straße gehörte bis 1910 zum Gebiet des ehemaligen Priorats St Bartholomew und unterlag deren Regeln, wozu eine abendliche Schließung gehörte. Hier steht an Nr. 41 ein Kaufmannshaus aus dem frühen 17. Jahrhundert. Es ist eines der wenigen erhaltenen Gebäude, die den Großen Brand von 1666 überlebt haben. Neben Nr. 44 führt die Gasse zu Haus Nr. 43 mit einer blauen Plakette für seinen ehemaligen Bewohner John Betjeman. Der Dichter und Publizist setzte sich für die Erhaltung vieler Denkmäler des 19. Jahrhunderts ein, zum Beipiel für den Bahnhof St Pancras.
Gegenüber steht die mit schwarz-weißem Stein auffällig gestaltete Kirche St Bartholomew-the-Great, die im 12. Jahrhundert als Augustiner Priorat entstand. Sie ist das Überbleibsel der ehemaligen Klosteranlage samt Krankenhaus, die auf Rahere, einem Höfling von König Henry I, zurückgeht. Er gründete und widmete beides dem Heiligen Bartholomäus aus Dankbarkeit für seine plötzliche Genesung nach einer schweren Erkrankung während seiner Pilgerreise in Rom. Das Kirchenschiff und viele Gebäudeteile wurden während der Reformation zerstört, Chor und Querhäuser, größtenteils aus der normannischen Zeit, blieben jedoch erhalten. Die heutige Pfarrkirche wird gerne als Drehort für Filme genutzt, zum Beispiel für „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“. Am Straßenrund West Smithfield liegt linker Hand das mit Fachwerk gestaltete Torhaus, das zum Eingang der Kirche führt.

Mit Fachwerk gestaltetes Torhaus
Das St Barts Hospital als Teil des ehemaligen Klosters überstand die wechselvollen Zeiten und ist heute das älteste Krankenhaus London.
An der Wand zum Hospital entdecken wir eine Gedenktafel für protestantische Märtyrer, die im 16. Jahrhundert unter Königin Mary auf den Scheiterhaufen kamen sowie das Denkmal für den schottischen Freiheitskämpfer William Wallace, der hier hingerichtet wurde. Kurz danach erreichen wir den Eingang zu St Bartholomew-the-Less, eine ehemalige Pfarrkirche, heute eine Kapelle auf dem Krankenhausgelände.

Auffällig: die schottische Fahne für William Wallace
Wenn wir der Straße weiter folgen, gelangen wir zur Haberdashers‘ Hall. Haberdashery heißt übersetzt Kurzwaren. Die Haberdashers‘ Company, eine der zwölf ältesten Zünfte (Livery Companies) der City of London, kümmerte sich seit 1448 um die Regulierung des Seiden- und Samthandels, verlor jedoch mit der industriellen Revolution diese Aufgabe. Heute betätigt sie sich als Wohltätigkeitsinstitution und unterstützt Schulen. Brände und Krieg zerstörten die Vorgängerbauten der bestehenden Haberdashers‘ Hall, die aus dem Jahr 2002 stammt.
INFO
Lage: direkt nördlich der City of London
Anfahrt: U-Bahn nach Barbican (Circle, Metropolitan, Hammersmith & City Line)
Sehenswertes:
Charterhouse: Museum, Kapelle und Shop, Dienstag bis Sonntag 11 bis 17:20 Uhr, Eintritt frei; Charterhouse Square, thecharterhouse.org
St Bartholomew-the-Great: Montag bis Freitag Mitte Februar bis Ende Okt 8:30 bis 17 Uhr, November bis Mitte Februar bis 16 Uhr, Samstag 10:30 bis 16 Uhr, Sonntag 8:30 bis 10 Uhr, Eintritt £ 5; greatstbarts.com
St Bartholomew-the-Less: täglich 8 bis 22 Uhr; greatstbarts.com/about/st-barts-the-less
Haberdashers‘ Hall: haberdashers.co.uk
Essen & Trinken:
St John‘s: Montag bis Samstag 12 bis 15, 18 bis 23 Uhr, Sonntag 12:30 bis 16 Uhr; 26 Street John Street, stjohnrestaurant.com
8. CLERKENWELL: SPUREN VIELFÄLTIGER VERGANGENHEIT
Direkt nördlich der historischen City of London erstreckt sich das ehemalige Einwanderer- und Arbeiterviertel Clerkenwell. Seine Mischung aus bewegter Geschichte und der Verwandlung zu einem lebendigen Viertel mit guter Gastronomie machen Lust auf einen Erkundungsspaziergang.
Wir beginnen in der St John’s Lane, deren Häuser noch von der ehemaligen Nutzung zeugen. Während der industriellen Revolution wurde das Viertel unter anderem von Brauereien, Druckereien und Uhrmachern beherrscht. Heute finden sich hier schicke Architektur- und Designbüros.

St Johns Gate
Bald erreichen wir in nördlicher Richtung das markante St Johns Gate. Es war der südliche Eingang und ist der einzige erhaltene Teil der Priorei des Johanniterordens, der 1140 gegründet wurde. Das Torhaus (von 1504) wurde früher als Kaffeehaus und Pub genutzt und beherbergt nun das kleine St Johns Museum. Es präsentiert die Geschichte der Johanniter seit dem Mittelalter. Seit nahezu 1000 Jahren sorgt der internationale Orden als Wohltätigkeitsorganisation weltweit für humanitäre Hilfe. Das Ordenssymbol, ein weißes achtspitziges Kreuz auf schwarzem Grund, trugen schon die Ritter im Krankenhaus von Jerusalem.
Hinter dem Tor queren wir die Clerkenwell Road und erreichen die Priory Church of St John (rechts) mit den Resten des Klosters und der Krypta aus dem 12. Jahrhundert. Beides kann im Rahmen einer Museumsführung besichtigt werden. Im Frühling und Sommer blühen im Klostergarten medizinisch nutzbare Pflanzen wie Kamille, Pfefferminz, Lavendel und Rosen.

Mittagspause am Clerkenwell Green
Nach der schmalen Jerusalem Passage liegt linker Hand Clerkenwell Green, angelegt wie ein typischer Dorfplatz. Hier im Herzen von Clerkenwell siedelten im späten 17. Jahrhundert Hugenotten, aus Frankreich vertriebene Protestanten, an. Das Viertel prosperierte zu einem wohlhabenden Wohnort. Später entwickelte es sich zu einer überbevölkerten Arbeitergegend mit viel Industrie. Die erste Arbeiter-Mai-Demonstration der Welt ging 1890 von hier los, Radikale und Anarchisten aus Italien und Russland fanden Unterschlupf. So auch Lenin, der seit 1900 im Exil lebte und seine russische Revolutionszeitung „Iskra“ betreute. Sein kleines Arbeitszimmer können wir in der Marx Memorial Library besichtigen. In der nahen The Crown Tavern soll er sich mit Stalin getroffen haben.
Ein kurzer Abstecher in westlicher Richtung und rechts in die Farringdon Lane zeigt uns im Haus Well Court, woher das Viertel seinen Namen hat. Durch die Scheibe sehen wir den Schacht der „clerks well“ (clerk = Schreiber; well = Quelle). Bereits im 12. Jahrhundert wurde die Quelle vom nahen Nonnenkloster St Mary genutzt, jedoch erst 1924 wiederentdeckt.

Dominant ragt der Turm der St James's Church in den Himmel
Zurück am Clerkenwell Green wird die Kirche St James sichtbar. Sie entstand um 1780 an der Stelle des früheren Frauenklosters St Mary, das wie alle Klöster zur Zeit von Henry VIII um 1539 enteignet und zerstört wurde.
Im weiteren Verlauf des Clerkenwell Close kommen wir zu einer Reihe sozialer Wohnungsbauten des „Peabody Trust“; gegründet 1862 von George Peabody, einem amerikanischen Banker und Selfmademan, der nach London übersiedelt hatte, fördert der Trust bis heute Wohnungen für die Arbeiterklasse in London.

Sozialer Wohnungsbau: Peabody Trust

Gut für ein Pint, der Pub The Bowler
Über eine Treppe gelangen wir zur Bowling Green Lane, vorbei am Pub The Bowler und über Catherine Griffiths Court zur Pine Street; kurz danach treffen wir auf den Exmouth Market. Hier hat sich eine bunte Szene etabliert, eine Mischung alteingesessener Läden mit Küchenutensilien, Zeitungen, Alkohol sowie hippen Szenecafés und edlen Restaurants. Mittags können wir uns mit einem leckeren Essen von einem der Streetfood-Stände bedienen und im nahen Spa Fields Park entspannt essen.

Beliebte Szene am Exmouth Market
INFO
Lage: 1 Kilometer nördlich der City of London
Anfahrt: Barbican oder Farringdon (Hammersmith & City, Circle oder Metropolitan Line); Abreise: verschiedene Buslinien ab Rosebury Avenue oder Farringdon Road
Weg: Start: St John's Lane, Ende: Exmouth Market; Länge: ca. 2 Kilometer, Dauer: 1 Stunde
Sehenswertes:
Museum of the Order of St John: Montag bis Samstag 10 bis 17 Uhr (ganzjährig), Sonntag 10 bis 17 Uhr nur Juli bis Oktober, Eintritt frei, Führung in der Priory Church of St John Dienstag, Freitag, Samstag 11 und 14:30 Uhr, im Sommer auch Sonntag 14 Uhr, Eintritt £ 5, Spende erwünscht; museumstjohn.org.uk
Marx Memorial Library: Besichtigung per Führung Dienstag und Donnerstag 11 Uhr; 37a Clerkenwell Green, marx-memorial-library.org
Essen & Trinken:
Exmouth Market: exmouth.london
Moro: marokkanische Küche; 34-36 Exmouth Market, moro.co.uk
9. KING’S CROSS: MEHR ALS HARRY POTTER
Dass der Zauberlehrling Harry Potter vom Gleis 9¾ am King’s Cross Bahnhof ins magische Internat nach Hogwarts abreiste, gehört fast zum Allgemeinwissen. Die Gegend um den altehrwürdigen Bahnhof wurde jedoch in den letzten Jahren komplett umgestaltet. Das ehemals vom Güterbahnhof beanspruchte Areal ist eine geschäftige und kulturelle Meile geworden.
Direkt hinter dem Bahnhof, wo der begrünte und mit einem plätschernden Wasserlauf angelegte King’s Boulevard beginnt, liegt das German Gymnasium. Der zweifarbige Backsteinbau, heute ein Café-Restaurant, war früher die erste deutsche Gymnastikschule in London. Um 1861 erbaut, wurden hier die ersten olympischen Indoorspiele 1866 ausgetragen.

Google – London Headquarters
Der Weg entlang des Wasserlaufs führt vorbei am britischen Hauptquartier von Google, weiteren Restaurants und Geschäften bevor der Goods Way quert und der Regent’s Canal erreicht ist. Die Stufen zum Kanal hin locken an warmen Tagen für eine Pause und sind ein beliebter Ort, um sich mit Freunden zu treffen, zum Quatschen, Essen oder für das Open-Air-Kino.

Blick über den Kanal hinweg auf den Granary Square
Der Platz jenseits des Kanals ist der Granary Square. Das Backsteingebäude wurde im 19. Jahrhundert als Kornspeicher für die Londoner Bäcker genutzt, denn hier wurde Getreide aus Nordengland umgeschlagen. Heute ist es das Central Saint Martins College of Art and Design, in dem unter anderem Mode-Designer wie Alexander McQueen ihren Abschluss machten. Das Wasserspiel aus 1000 Bodendüsen und einem wechselndem Lichtspiel auf dem Platz davor lockt nicht nur Kinder an.
Neben dem College zeigt das House of Illustration aktuelle Grafikausstellungen. Hungrige Studenten, Touristen & Co. können sich an einigen Wochentagen in der Mittagszeit mit Streetfood verpflegen. Am Wochenende tischt der Canopy Market frisches Fleisch, Fisch, Gemüse und vieles mehr auf.
An den Granary Square grenzt Coal Drops Yard. In die ehemaligen Kohlebunker, Zeitzeugen industrieller Vergangenheit, sind exklusive Design- und Bekleidungsgeschäfte, Restaurants und Bars eingezogen. Über allem schwingt sich eine elegante zweiflügelige Dachkonstruktion des Designers Thomas Heatherwick, der auch für die Gestaltung der neuen Doppeldeckerbusse verantwortlich zeichnet.

Elegante Dachkonstruktion am Coal Drops Yard
Die im Hintergrund sichtbaren runden Stahlgerüste sind Gestelle von Gasbehältern. Sie wurden im Jahr 2000 ihrer ehemaligen Nutzung enthoben, restauriert, neu aufgestellt und sind inzwischen zu luxuriösen Wohnungen und zur kleinen Grünfläche Gasholder Park umgebaut.
Bei einem kurzen Abstecher in westlicher Richtung auf dem Goods Way und rechts in die Camley Street zeigt sich eine kleine Naturoase am Kanal: der Camley Street Natural Park. In dem Feuchtgebiet, das 1984 aus einem ehemaligen Kohlelager entstand, kann man kleine Wassertiere, Schmetterlinge und viele Pflanzen beobachten.
Entlang des Regent’s Kanal in östlicher Richtung zum York Way ist eine kleine Grünfläche angelegt. Unterhalb ankern bunte Kanalboote, darunter auch der schwimmende Buchladen „Word on the Water“. Am York Way liegt das Kulturzentrum King’s Place. Hier ist nicht nur die Heimat der Zeitungsredaktion von „The Guardian“, sondern im Haus finden Konferenzen, Konzerte und Ausstellungen statt.
Am Kanalbecken hinter dem Gebäudekomplex liegt das London Canal Museum (siehe Tipp 35, Seite 184).

Schwimmende Buchhandlung auf dem Regent's Canal
INFO
Lage: nördlicher Rand der Stadtmitte
Anfahrt: U-Bahn nach King’s Cross (Northern, Piccadilly, Central, Metropolitan oder Victoria Line)
Sehenswertes:
Camley Street Natural Park: im Winter Montag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr, im Sommer bis 17 Uhr; 12 Camley Street, wildlondon.org.uk/reserves/camley-street-natural-park
King’s Place: 90 York Way,kingsplace.co.uk
Essen & Trinken:
Restaurants und Streetfood am Granary Square, Coal Drops Yard und an der Stable Street, kingscross.co.uk/eating-and-drinking
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