- -
- 100%
- +
Im Sommer 1942 wurde in Brugg eine Blauring-Sektion gegründet. Anfang der 1930er-Jahre schweizweit als Unterorganisation der Marianischen Kongregation für jüngere Mädchen entstanden, erlebte der Blauring wie andere Jugendorganisationen in dieser Zeit rasch einen beträchtlichen Aufschwung. Sein Zweck war die «Erziehung der Mädchen zu bewusstem katholischen Leben (Christusfrömmigkeit) nach dem Grundsatz: Durch Maria zu Jesus. [Die Blauring-Gruppen] sollen ihre Mitglieder anleiten zu lebendiger Frömmigkeit, selbständigem Denken und froher Hilfsbereitschaft (Pietas, Studium, Actio).» Margrit übernahm eine von zwei Gruppen des Brugger «Blaurings», die Gruppe Agnes, benannt nach der heiligen Agnes, einer mythischen Märtyrerin des vierten Jahrhunderts, Schutzpatronin junger Mädchen. Der Gruppe Agnes gehörte etwa ein Dutzend Mädchen aus Brugg und Windisch an.

Margrit als Kleinkind, vor 1920.

Margrit (vordere Reihe, l.) am Brugger Rutenzug, Ende der 1920-Jahre.

Margrit (r.) bei der Erstkommunion, 1920er-Jahre.

Margrit (1. Bank, r.) in der Bezirksschule, Anfang der 1930er-Jahre.

Ida Fuchs-Hinden, undatiert.

Ida an ihrem 80. Geburtstag mit Margrit, 1960.

Ida mit Margrit, Anna, Josef, Ida, Elisabeth (v. l. n. r.), Mitte der 1930er-Jahre.

Margrits Halbschwester Anna Fuchs, undatiert.

Margrits Bruder Josef Fuchs, undatiert.

Margrits Schwester Ida Fuchs, vermutlich 1950er-Jahre.

Margrits Schwester Elisabeth Fuchs, vermutlich 1990er-Jahre.

Maria Theresia Scherer (1825–1888), Gründerin der Ingenbohler Schwesterngemeinschaft, undatiert.

Das Ursulinenpensionat in Vilvoorde, Belgien, undatiert.

Margrit (2. Reihe, 4. v. r.) an einer Klassenzusammenkunft, 1950er-Jahre.

Margrit bei der Arbeit beim SPV, 1950er-Jahre.

Margrit mit ihrem Chef Albin Schwaller, 1950er-Jahre.

Margrit und Vikar Adolf Studer (sitzend) im Jungwachtlager auf der Galmihornhütte, 1951/52.

Bergmesse im Jungwachtlager auf der Galmihornhütte, 1951/52.
Mit grosser Sorgfalt bereitete sich Margrit auf die neue Aufgabe vor. In ihrem Nachlass findet sich eine ausführliche Aufstellung der Argumente für und wider eine Blauring-Gruppe. Unter «Dafür» stehen folgende Punkte: «Bedürfnisse der weiblichen Jugend nach Organisation, Hilfe für die Familie, Verständnislosigkeit der Eltern für viele Fragen (der Kinder), […] Führerinnenschulung in sich wertvoll.» Sie fragte eine Cousine in Basel, die eine Blauring-Gruppe mit 15-jährigen Mädchen betreute, um Rat. Diese beglückwünschte sie zu dieser Aufgabe, warnte sie aber auch vor frustrierenden Momenten. Doch im Grossen und Ganzen gelte: «[…] das Frohe und Schöne übersteigt alles und man nimmt gerne ein Opfer auf sich.» Die Cousine hatte eine Reihe von praktischen Anregungen; so solle sie die religiöse Instruktion nicht überbetonen und diese mit Spiel und Spass auflockern. Dabei verwies sie auf mehrere nützliche Schriften und anerbot sich, diese zu beschaffen. Als Margrit allerdings anfragte, ob sie einmal die Gruppe in Basel zu Anschauungszwecken besuchen dürfe, winkte die Cousine ab. «[…] ich [mache] momentan mit der Gruppe eine Krise durch […], es ist haarig.» Margrit besuchte daraufhin einen Schulungskurs in Ingenbohl, um sich auf ihre Aufgabe vorzubereiten.
Die meist zweistündigen Blauring-Gruppenstunden fanden üblicherweise an einem Samstagnachmittag statt, ausnahmeweise auch an einem Sonntag oder einem anderen Tag. Eröffnet wurden die Sitzungen mit einem Ave-Maria oder einem frommen Lied, danach wurden die zwölf Gebote des Blaurings durchgenommen, in jeder Sitzung in der Regel ein Gebot. Daneben gab es weitere religiöse Instruktion, etwa die Dekoration eines Gabentischs, vor allem aber auch praktische Dinge wie Wundverbände, Haushaltstipps und Kochrezepte. Und dazu regelmässig Spiel und Gesang, gelegentlich Ausflüge. Im Sommer 1943 unternahm die Gruppe eine Wanderung aufs Schloss Wildegg, wo die Mädchen die Vögel im Gehege sowie die Schlossräume bewunderten. Vor Weihnachten bastelte man gemeinsam Geschenke.
Formell aufgenommen waren die Mädchen erst, nachdem sie ein Examen bestanden hatten. Dieses umfasste Blauring-spezifische Punkte, allgemeine religiöse Fragen, Heimatkundliches zu Brugg und Umgebung, aber auch Praktisches wie Erste Hilfe. Der Fragenkatalog war umfangreich und durchaus anspruchsvoll – allein die religiösen Fragen umfassten 87 Punkte. Die Ausbildung war am damaligen Frauenideal der katholischen Kirche orientiert: die Frau als Magd (d. h. Verantwortung für andere und selbstlose Hilfsbereitschaft als Hausfrau), Jungfrau (Bewahrung der eigenen Keuschheit und Beachtung von Sittlichkeit und Bescheidenheit) und Mutter (Lebensspenderin). Margrit war offenbar bestrebt, diese Worte nicht einfach schematisch weiterzugeben, sondern notierte sich gewissenhaft, wie die einzelnen Ideale mit den Mädchen besprochen werden sollten. Sie sollten ihre eigene Meinung und Ansicht dazu äussern können. Und im eigens geführten Büchlein der Gruppe Agnes finden sich denn auch zahlreiche Hinweise, man habe diese oder jene Fragen diskutiert.
Gegründet in den Kriegsjahren, spielten die Kriegsereignisse anfänglich stark in das Gruppenleben hinein. Im Jahresprogramm 1944 figurierte prominent das Motto: «I stoh zur Heimat». Dazu notierte sich Margrit in den Vorbereitungsunterlagen: «Wir dürfen und wollen uns freuen, dass wir noch freie Schweizer sein können. Jedoch nicht in Übermut ausartenlassen und gar denken, dass wir Schweizer durch unsere Verdienste […] bisher vom Krieg verschont geblieben sind. Die erwiesenen Wohltaten gegenüber Internierten, Flüchtlingen etc. waren schliesslich selbstverständliche Christenpflicht. Sie brachten uns aber auch viel Segen. Nennt einige Vorteile die wir noch geniessen dürfen, während andere schon während 5 Jahren grosse Not leiden. Fürbitte des sel. Bruder Klaus.» Das Flüchtlingsthema kommt immer wieder vor. Die Mädchen schlugen etwa vor, man könne eine gute Tat vollbringen, indem man für die Flüchtlinge etwas stricke.
Margrit war bei den Mädchen beliebt. Sie galt als fröhliche Führerin, und dass bei ihr viel gesungen wurde, gefiel den meisten. Auch sei sie nicht so ernst gewesen wie andere Blauring-Führerinnen. Im Gegenteil: Manchmal sei es bei ihr fast ein bisschen zu gewagt zu- und hergegangen, erinnern sich ehemalige Blauringlerinnen. Erst 1953, im Alter von 36 Jahren, gab Margrit ihre Tätigkeit als Scharführerin auf.
Ab und zu engagierte sich Margrit auch beim männlichen Pendant des Blaurings, der Jungwacht. 1951 und 1952 ging sie als Köchin in die jeweils einwöchigen Jungwachtlager auf der Galmihornhütte im Wallis. Im ersten Jahr nahmen etwa 35, im Jahr darauf mehr als 40 Buben und Jugendliche teil. Beide Jahre standen sie unter der Leitung des Vikars Adolf Studer. Alleine bewältigte Margrit die Verpflegung der von der Bergluft und den Lageraktivitäten hungrigen Jugendlichen. Mehr als 2000 Meter über dem Meer gelegen, war die Einrichtung der Hütte nach heutigen Vorstellungen primitiv. Die Verpflegung musste hinaufgebracht werden; jeden Tag begab sich eine Gruppe von Buben unter der Leitung eines «Führers» ins Tal, füllte die leeren Rucksäcke und kletterte wieder nach oben. Hin- und Rückweg nahmen vier Stunden in Anspruch. Entsprechend einfach war das Essen: Das Frühstück bestand aus Brot, Butter, Konfitüre und ohne Milch zubereiteten Kakao. Doch es mundete, und die Buben nannten Margrit – was damals durchaus liebevoll gemeint war – «Hausmütterchen».
Daneben war Margrit auf verschiedenste Weise in der Pfarrei tätig und so eine «tragende Säule des Gemeindelebens», wie es der spätere Windischer Pfarrer Eugen Vogel ausdrückte, der sie Anfang der 1960er-Jahre als Vikar in Brugg kennenlernte. Während Jahren schmückte sie, zusammen mit anderen Frauen, die Kirche für die Sonntagsmesse. Sie war im Kirchenchor Cäcilia aktiv, der zumindest zeitweise unter einem anspruchsvollen und fähigen Dirigenten ein beachtliches Niveau erreichte. Margrits Liebe zur Sakralmusik drückte sich auch in einer grossen Sammlung von Grammofonplatten mit Chor- und Orchesterwerken aus – ein Luxus, den sich die sonst sparsame Margrit leistete. Zu den verschiedenen Pfarrern und Vikaren, die die Pfarrgemeinde St. Nikolaus von den 1940er- bis in die 1960er-Jahre sah, fand sie in der Regel einen guten Draht, so unterschiedlich diese Geistlichen von ihrem jeweiligen Naturell und Temperament her waren. Die Jugendarbeit unterstand den Vikaren, sodass sie als Blauring-Leiterin zu ihnen schon von der Funktion her einen regen Kontakt pflegte. Unter Pfarrer Fischer war sie dann auch als Katechetin tätig und unterrichtete junge Erwachsene, was ein besonderer Vertrauensbeweis war, blieb die Katechese doch normalerweise den Vikaren vorbehalten.
Margrit war rastlos unterwegs in Pfarreiangelegenheiten. Das Pfarrhaus war ihr zweites Zuhause. So half sie bei der Organisation von Anlässen, sprang bei Notfällen ein, besorgte allerlei Nützliches und machte Pfarreiangehörigen kleine Geschenke. Und ihre Freundlichkeit und Einsatzbereitschaft wurden mit Sympathie und Zuneigung erwidert. Als sie sich im Winter 1954 in Unterägeri zur Genesung aufhielt, schrieb ihr der Präsident des Kirchenchors in einem launigen Brief, er höre jeden Tag den Lawinenbericht, um zu wissen, ob sie in Sicherheit sei. Wäre Unterägeri von Schneemassen verschüttet worden, hätte er sofort alle Männer des Kirchenchors aufgeboten, «damit wir ja unsere Margrit noch lebend erwischt hätten».
Erfüllung im Beruf
Im Jahr 1900 siedelte das Schweizerische Bauernsekretariat von Bern nach Brugg über. Dies aus einem simplen Grund: Die aus Brugg stammende Frau des Sekretariatsleiters und ETH-Professors Ernst Laur wollte nicht wegziehen, und Laur selbst besass in Effingen ein schönes Landgut. Brugg wurde damit zur Schweizer «Bauernhauptstadt». Laur war eine charismatische Persönlichkeit, die den Schweizerischen Bauernverband in vier Jahrzehnten zu einer schlagkräftigen wirtschaftspolitischen Organisation formte. Obwohl er nie ein parlamentarisches Mandat bekleidete, galt er als «achter» Bundesrat. So weitete er die Tätigkeit des Bauernsekretariats laufend aus und gründete neue Unterabteilungen und Fachstellen, um die vielfältigen Bedürfnisse von Bauern und Behörden zu bedienen. Bereits in den 1920er-Jahren beschäftigte der Bauernverband mit seinen Zweigstellen 60 Personen. Die verschiedenen Abteilungen waren in immer mehr Liegenschaften zwischen Eisi und Freudenstein untergebracht, was Reibungsverluste mit sich brachte. Deshalb wurde an der heutigen Laurstrasse 10 in Brugg das stattliche Verwaltungsgebäude «Haus des Schweizerbauern» gebaut, das 1947 eingeweiht und bezogen werden konnte.
In einer dieser Zweigstellen, dem Landwirtschaftlichen Bauamt, begann Margrit am 1. September 1937 als kaufmännische Angestellte. Sie arbeitete sehr gerne dort und sollte dem Bauernverband und angegliederten Organisationen 26 Jahren treu bleiben. Das Bauamt, in der alten Post am Eisi-Platz eingemietet, beschäftigte sich mit Architekturarbeiten für landwirtschaftliche Ökonomiegebäude, Käsereien, Mostereien und Lagerhäuser. Margrit blieb acht Jahre im Bauamt und wechselte danach als Bürogehilfin zur Kasse des Bauernverbands, wo sie indes nur sehr kurz verweilte. Per 9. März 1947 trat sie in den Schweizerischen Schlachtviehproduzentenverband (SPV) ein, wo sie bis 1958 blieb.
Als kaufmännische Angestellte war Margrit beim SPV für das Abrechnungswesen zuständig. Das war nicht immer einfach, gab es doch unter den Bauern zahlreiche säumige Zahler. Ein Schwerpunkt des SPV in den 1950er-Jahren war die Ausmerzung der Rindertuberkulose: Anfällige Tiere wurden systematisch aufgekauft und insbesondere an italienische Salamifabriken, aber auch an die italienische Kriegsmarine verkauft – was heute wohl undenkbar wäre. Margrit galt als zuverlässige, verschwiegene «Schafferin». Ihre Tätigkeit in der Buchhaltung brachte es mit sich, dass sie regelmässig an den Viehauktionen in der ehemaligen Markthalle hinter dem Brugger Bahnhof teilnahm. 1956 wurde sie zur Sekretärin des SPV-Geschäftsführers Albin Schwaller befördert. Margrit hatte ein gutes und vertrautes Verhältnis zu ihrem neuen Chef, der sie wegen ihrer Tüchtigkeit schätzte. Margrits Nähe zur Kirche half ihr bei der Organisation des jährlichen Mittagessens mit den Spitzen des SPV und den von der Kirche eingesetzten «Bauernseelsorgern».
Tüchtig und zielstrebig, zeigte Margrit im Geschäft auch ihre soziale und mütterliche Seite. «Sie schaute zu den Leuten», drückte es ein ehemaliger Vorgesetzter aus. Ihm hatte sie jeden Morgen einen Blumenstrauss auf den Tisch gestellt. Die Belegschaft des SPV war klein und übersichtlich – während der elfjährigen Tätigkeit Margrits wuchs sie von acht auf etwas mehr als ein Dutzend. Unter den Angestellten befand sich seit 1948 auch der Lehrling Walter Tanner. Der 17-Jährige war eben aus dem Kanton Bern zugezogen und hatte noch kaum sozialen Anschluss. Als guter Fussballer fand er zwar beim FC Brugg Unterschlupf, doch seine seit Langem verwitwete Mutter hatte kurz vorher nochmals geheiratet; mit dem Stiefvater hatte er seine Mühe, auch wenn er sich mit ihm arrangierte. Margrit nahm den jungen Mann unter ihre Fittiche. Sie wurde für meinen Vater zu einer wichtigen Bezugsperson. In den WK schickte sie ihm «Fresspäckli». Als 1952 eine Cécile Schneider aus Würenlingen beim SPV als Stenotypistin begann und sich zwischen ihr und Walter Tanner eine zarte Romanze entwickelte, beobachtete Margrit die werdende Liaison anfänglich mit Argusaugen – sie wollte offenbar sicherstellen, dass ihr Schützling nicht an «die Falsche» geriet. Als sie aber den Ernst der Sache und die gegenseitige Aufrichtigkeit erkannte, gab sie der Verbindung ihren Segen – und wurde zu einer guten Freundin des Paares. In der Freizeit unternahmen sie zu dritt Ausflüge, so etwa ins Engadin. Als Walter und Cécile 1960 heirateten, erhielt Margrit die Zusicherung, sie werde Taufpatin des erstgeborenen Kindes sein. Im Gegenzug versprach sie, sie werde ihm – sollte es ein Bub sein – die ersten Fussballschuhe kaufen. Ein Versprechen, das sie nie einlösen musste, da sich mein Talent als Fussballer in Grenzen hielt.
1958 trat SPV-Geschäftsführer Albin Schwaller zurück, nachdem finanzielle Ungereimtheiten zu Meinungsverschiedenheiten mit dem Verbandsvorstand unter dem Luzerner Ständerat Christian Clavadetscher geführt hatten. Schwallers erzwungener Rücktritt traf Margrit hart. Für seinen Nachfolger konnte oder wollte sie nicht arbeiten. Sie wechselte deshalb zur ebenfalls in Brugg ansässigen Aargauischen Genossenschaft für Schlacht- und Nutzviehvermittlung (AGS). Dort blieb sie knapp fünf Jahre.
Grosser Bekanntenkreis
Mit dem Auszug von Margrits Geschwistern Josef, Ida und Elisabeth reduzierte sich die Hausgemeinschaft am Windischer Kapellenweg auf vier. Im Februar 1942 starb Anna, im Januar 1947 schliesslich 80-jährig der inzwischen in Muri zur Pflege untergebrachte Vater Josef Fuchs. Im Juni 1948 verkaufte die Mutter das Haus an die inzwischen 31-jährige Margrit, die die Liegenschaft bis zu ihrem Tod behielt. Margrit hatte ein gutes Gehalt, lebte sparsam und konnte sich eine solche Investition leisten. Mutter und Tochter bildeten fortan die Hausgemeinschaft. Die Mutter wusch und kochte für die Tochter, die über Mittag jeweils nach Hause kam. Sie hielt der Tochter so den Rücken frei für deren grosses kirchliches Engagement.
Für zwei Personen war das Haus am Kapellenweg aber zu geräumig. Margrit vermietete deshalb die Parterrewohnung, was ihr Einkommen aufbesserte. 1954 zog eine ältere Frau, die in Vevey als Weissnäherin gearbeitet hatte, zusammen mit ihrer Nichte ein. Die Familie stammte aus Gansingen im Fricktal. Vier Jahre später kam Martha Hollinger, die Schwester der Nichte, als dritte Partei dazu. Man hielt gute Nachbarschaft, so gut, dass Martha Hollinger, zusammen mit ihrer anderen Schwester Marie – ihre andere Schwester starb bereits 1960 –, bis heute dort wohnhaft geblieben ist, über Margrits Tod hinaus.
Auch wenn alle ausser Margrit ausgeflogen waren, hatten die Geschwister Fuchs regelmässig Kontakt. Josef hatte inzwischen drei Kinder. Jedes zweites Wochenende besuchte er mit seiner Familie die Grossmutter und «Tante Gritli». Von Wettingen nach Windisch nahmen sie das Velo, ein paarmal gingen sie sogar zu Fuss. Angekommen, wurden die Kinder mit Limonade aus dem Keller versorgt. In Erinnerung sind auch die Tee crème, die es als Begrüssungsgetränk gab. Bei den Kindern galt «Tante Gritli» als «lieb, aber streng». Man mochte sie, weil sie – im Gegensatz zu anderen Verwandten- nicht so «tantenhaft» war, man mit ihr lachen konnte und weil sie auf die Kinder individuell einging. Auch mit der weiteren Verwandtschaft, vor allem auf der Hinden-Seite, pflegte Margrit den Kontakt. Das Verhältnis zu ihren Geschwistern war gut, vor allem zu Elisabeth, die ihr wohl am nächsten stand.
Margrit baute sich mit der Zeit einen immer grösseren Bekanntenkreis auf. In Windisch, wo sie aufgewachsen war und weiterhin wohnte, kannte sie viele Leute, an ihrem Arbeitsort Brugg hatte sie bereits die Schule absolviert und war in der Pfarrei aktiv. Seit den 1950er-Jahren fanden Jahrgängertreffen der Bezirksschule statt, an denen sie oft teilnahm. Margrit war das, was man heute eine begnadete Netzwerkerin nennen würde. Zu einer treuen Freundin wurde Josy Furter, geborene Wietlisbach, die ihre Schwestern Ida und Elisabeth in der Marianischen Kongregation kennengelernt hatten. Josy, wie Margrit mit Jahrgang 1917, war in den 1930er-Jahren bei der Brugger Apothekerfamilie Tschupp im Haushalt tätig und liess sich nach ihrer Heirat 1941 wieder in ihrem Heimatdorf Dottikon nieder.
Eine spezielle Beziehung hatte Margrit zu Bertha Knecht, der Grossmutter ihrer Firmpatentochter Ruth Knecht Hohl. Die beiden Frauen verband vieles. Bertha Knecht hatte in zweiter Ehe den verwitweten Johann Knecht geheiratet, der zwei kleine Kinder aus einer ersten Verbindung hatte – also eine ähnliche Konstellation wie im Hause Fuchs. Ihr Mann betrieb die Fuhrhalterei anfänglich als Gelegenheitsjob. Bertha Knecht hatte im Ausland eine Ausbildung genossen und brachte einen Sinn fürs Geschäftliche mit. Sie galt als die eigentliche treibende Kraft hinter dem Aufbau des Transportunternehmens Knecht. Daneben war sie sehr religiös. Margrit und Bertha Knecht kamen sich mit der Zeit näher und tauschten sich regelmässig aus; es entstand ein enges Verhältnis, und Margrit hatte wohl eine gewisse Bewunderung für Bertha Knecht. Diese wiederum pflegte zu sagen, es sei kein richtiger Sonntag, wenn Margrit nicht zu Besuch komme und sie nicht mit ihr reden könne. Das enge Verhältnis zwischen den beiden Frauen die Bande zur Familie Knecht. Als Bertha Knecht 1963 starb, traf dies Margrit sehr.
Angesichts des grossen Bekanntenkreises, aber auch ihres Rufs, eine grosszügige und freigiebige Person zu sein, erstaunt es nicht, dass Margrit immer wieder als Tauf- oder Firmpatin angefragt wurde. Taufpatin war sie ihrer erstgeborenen Nichte, Josefs Tochter Marianne, und mir. Sie wurde auch als Taufpatin für Daniel Gloor angefragt, den Sohn von Otto und Trudi Gloor, Verwandten mütterlicherseits aus Burgdorf. Tragischerweise verstarb der Junge noch im Kindsbett. Firmpatin war sie ihrer jüngsten Nichte Margrit, Ruth Knecht Hohl, Lucie Brogli, der Tochter eines Bekannten aus dem Kirchenchor, Alice Furter, der jüngeren Tochter der Josy Furter, und Regula Gloor, der Tochter von Otto und Trudi Gloor.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.




