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Ohne Vorwarnung stieß der Zwerg einen Schrei aus und stürmte auf Xenio zu. Kurz bevor er auf den Kämpfer stieß, senkte er sein Haupt und rammte den harten Metallhelm in den Leib des Blonden.
Der Schmerz raste durch den Körper von Xenio und er krümmte sich unter diesen zusammen, wodurch Zwerginio einfach weiter auf ihn einschlug und trat, was den Kämpfer dazu veranlasst sich noch mehr zusammenzukauern und seinen Körper so gut es ging zu schützen. Doch die Attacken hörten nicht auf. Immer wieder gruben sich die schweren Stiefel seines Feindes in sein Fleisch und schickten neue Wellen des Schmerzes durch seinen Körper.
„Hör auf!“, durchbrach die Stimme von Cido den Kampf, wodurch Zwerginio kurz innehielt und auf den Jungen sah, der sich langsam erhob, bevor er den Zwerg dann mit seinen grünen Augen fixierte. Die Trauer und Einsamkeit waren daraus verschwunden. Man erkannte nur noch Hass, Zorn und pure Entschlossenheit diesen Kampf zu gewinnen.
Eine nicht greifbare Energie umspielte den Körper des Jungen und ließ seine Haare in einem unsichtbaren Wind tanzen. „Du wolltest mich! Also hol mich!“
„Was? Was ist mit dir passiert?“ Der Zwerg wirkte unsicher, wodurch das boshafte Lächeln zurück auf die Lippen von Cido kam. „Nichts von Bedeutung. Ich bin jetzt nur kampfbereit.“
Xenio konnte nicht glauben, was er spürte. Diese pure Kraft, die den Jungen umgab, war selbst für ihn nicht zu durchbrechen. Kein Feind wäre in der Lage Cido auch nur ein Haar zu krümmen, wenn dieser Schild aktiv war. Anscheinend war dieser doch nicht so wehrlos wie Xenio zu Anfang geglaubt hatte.
Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf seine Lippen. „Los, Cido! Mach ihn fertig!“ „Du sei still!“ Erneut trat der Zwerg nach ihm, doch dieses Mal ins Gesicht, wodurch Xenio seine Hände schützend über dieses hielt.
„Du sollst ihn in Ruhe lassen, habe ich gesagt. Ich bin dein Feind!“, begehrte der braunhaarige Junge auf, doch Zwerginio sah gar nicht ein auf diesen zu hören, wodurch er demonstrativ noch einmal zutrat. „Zwerginio entscheidet selbst, wen oder was er schlägt. Er lässt sich da nichts von anderen befehlen.“
Ein Knurren verließ die Lippen von Cido und der Zwerg trat noch einmal zu, wodurch sich der Körper des Jungen anspannte. „Lass ihn!“
„Genau, hör endlich auf mein Gesicht zu schlagen, sonst hab ich bei den Frauen gar keine Chance mehr“, begehrte nun auch Xenio auf, doch der Schwarze knurrte nur und trat erneut zu, wodurch bei Cido der Geduldsfaden riss und sich eine Energiewelle von seinem Körper löste, die den Zwerg von den Körper des Blonden fegte.
Xenio selbst spürte nur einen warmen Luftzug, was ihn ein wenig irritierte, doch er war froh, dass er nun endlich wieder in Sicherheit war, wodurch er sich ein wenig entspannte und in der nächsten Sekunde war Cido neben ihm. Er sah ihn besorgt an, doch deutete ihm auch, dass er liegen bleiben konnte. „Ruh dich aus. Diesen Kampf übernehme ich.“
Diese Worte taten der Seele von Xenio gut. Er spürte, wie eine gewaltige Last von seinen Schultern fiel, wodurch sich seine Muskeln endlich mal wieder entspannten und er einen erleichterten Luftstoß aus seinen Lungen entließ. Eine Freiheit breitete sich in seinen Herzen aus, wie er es schon lange nicht mehr kannte und es ihm sogar erlaubte, dass er seine Augen für einige Herzschläge schloss.
Cido selbst ging weiter auf den Zwerg zu. Dieser knurrte und rappelte sich gerade auf, bevor er den Jungen dunkel fixierte. „Niemand wirft Zwerginio einfach durch die Luft. Zwerge sind kein Luftgeschoss.“
Im nächsten Moment stürmte der Zwerg auf den Jungen zu, doch er kam nicht zu diesem durch, denn der Schild hielt und schleuderte den Angreifer wieder einen Meter von Cido weg, wodurch das Lächeln auf den Lippen des Braunhaarigen noch breiter wurde. „Du hast verloren, Zwerginio.“
Das Knurren des Zwergs wurde tiefer, als er sich erneut aufrappelte und den Jungen finster fixierte. Er konnte nicht angreifen solange diese starke Energie um den Körper des Jungen zirkulierte. Irgendwie musste er diesen Schild ausschalten. Ansonsten hatte er wirklich verloren.
Xenio war vollständig auf den Kampf fixiert, wobei er sich mittlerweile aufgesetzt hatte, um einen besseren Blick zu haben. Er hätte nie gedacht, dass solch eine Macht in dem Jungen schlummerte. Dieses Phänomen hatte er noch nie gesehen und es machte den Braunhaarigen mächtiger als ihn.
Ein eisiger Schauer lief ihm bei dem Gedanken über den Rücken, dass Cido vor kurzem eigentlich sogar noch sein Feind gewesen war und hätte dieser wirklich gewollt, dann hätte er den Kämpfer umbringen können. So viel stand fest.
„Hast du Angst?“, fragte der Braunhaarige herablassend. „Nein, aber ich suche nur den richtigen Platz um dich fertig zumachen“, antwortete der Zwerg unsicher. „Ach, wirklich? Warum bringen wir es nicht jetzt zu ende?!“, brüllte der Junge, als sich schon eine Welle aus purer Energie von seinem Körper löste und gegen Zwerginio schlug.
„Ich hasse es zu spielen. Also fangen wir gleich mit Ernst an“, fügte er wieder ein wenig leiser hinzu. Der Schwarze rappelte sich mühselig auf und hustete ein paar Mal. „Du mit deiner schwachen Energie kannst mich nie besiegen“, erwiderte der Zwerg mit fester Stimme. „Bist du dir da sicher?“, fragte Cido höhnisch. Zwerginio nickte ein wenig unsicher und viel zu heftig, um seine Angst zu verstecken. „Dann greif mich an wenn es wirklich so ist, wie du behauptest“, sprach der Braunhaarige weiter und blieb abwartend stehen.
„Wenn du meinst. Aber ich habe dich gewarnt“, sagte der Zwerg und ging in den Angriff über. Auf Cidos Gesicht legte sich ein fieses Lächeln und Zwerginio stockte kurz, bevor er weiter rannte. Doch auch dieses Mal scheiterte er an dem Schild und landete wieder unsanft auf Boden.
„Los zeig es ihm“, dachte sich Xenio, der den Kampf mit großem Interesse zusah, „du bist stärker als er!“ Cidos Schritte wurden sicherer und kraftvoller, während die des Zwerges nervöser und unsicherer wurden. Denn er wusste, dass er den Jungen nicht attackieren konnte und so dem Untergang geweiht war.
Sein Blick schweifte immer wieder voller Hoffnung suchend nach hinten zu beiden Seiten aber dann verschwand sie wieder. Ja, man konnte seine Verzweiflung schon richtig spüren. Schon fast greifen. Ein Lächeln schlich sich auf die Züge von Xenio. Er witterte den Sieg und war froh darüber, dass sie auch diese Gefahr gemeinsam gebannt hatten. Wenn sie zusammen arbeiteten dann würden sie alle Herrscher besiegen. Da war sich Xenio sicher.
Ein kurzes Rascheln erklang hinter ihm und bevor er sich umdrehen konnte, spürte er ein kaltes Metall an seinem Hals. „Hallo, Xenio. Beweg dich nicht, sonst könnte es sein, dass deine Existenz ein schnelles Ende findet. Und das wollen wir doch beide vermeiden, nicht wahr?“
Die Stimme war eisig und die Präsenz des anderen legte sich schwer auf die Seele des Kämpfers, der nur im Augenwinkel sah, dass eine Sense an seinem Hals lag. Wie töricht von ihnen zu glauben, dass der Zwerg wirklich alleine sein würde. Doch wer stand nun hinter ihm? Wenn er doch nur einen kurzen Blick auf seinen Gegner erhaschen könnte.
„Hey, Cido!“, rief die Stimme aus, wodurch der Braunhaarige sich zu ihnen wandte und sein Gesicht wurde von Entsetzten gestürmt, „ich glaube, dass du jetzt lieber ganz brav bist, sonst verliert dein Freund hier den Kopf.“
Xenio spürte die Unsicherheit in dem Geist des Jungen und er bemerkte auch, wie das Energiefeld um diesen herum langsam zusammenbrach. Anscheinend war er mit dieser Erkenntnis nicht alleine, denn im nächsten Moment ging Cido unter einem Schmerzenslaut in die Knie, denn Zwerginio hatte seinen Schädel in das Kreuz des Jungen geschlagen.
„Du bist schon töricht dein Leben für diesen jungen Kämpfer aufs Spiel zu setzen. Ist dir nicht klar, wen du da eigentlich verteidigst? Hast du denn nicht gesehen, wie er sein Schwert führt? Dieser Junge ist gerade einmal sechzehn Jahre alt, hat aber mehr Leben auf seinem Gewissen als irgendein anderer Mensch auf diesen Planeten. Mit acht Jahren hat er begonnen Tiere zu töten und später auch Menschen. Immer wieder nur um zu kämpfen. Willst du wirklich für diesen Menschen dein Leben riskieren?“, begann der Neuling Zweifel zu säen und Xenio wusste nicht, was er sagen sollte, „dank diesem Jungen war mir niemals langweilig. Ja, ich bin der Sensenmann Sensio und ich bin ihm dankbar, denn er hat für einen regen Seelenverkehr gesorgt. Denn dieser Junge ist geboren um zu töten.“
„Nein, das ist nicht wahr“, presste Cido hervor, wobei seine Augen auf Xenio gerichtet waren, der den Blick nicht standhielt, „sag mir, dass es nicht wahr ist. Dass er hier Lügen erzählt! Du bist nicht so! Nein, das bist du nicht wirklich. Bitte, sag es mir.“
Das Flehen in der Stimme des Jüngeren versetzte Xenio einen Stich ins Herz, doch er konnte nicht antworten. Nicht das, was der Junge unbedingt hören wollte. Denn es wäre nicht die Wahrheit.
„Nein, er hat Recht. Mit allem was er sagt, hat er Recht. Ich bin ein Mörder. Denn in jedem Lebensjahr habe ich mindestens fünf Leben gefordert. Ich liebe es mein Schwert zu schwingen. Liebe meinen Bogen zu spannen um dann etwas zu erlegen oder zu verletzten. Meine Lieblingsfarbe ist rot. Rot wie das Blut, das meine Hände bedeckt. Ja, ich bin ein Mörder. Ein Mörder, dem das Töten Spaß macht. Der es liebt die Verzweiflung in den Blicken seines Opfers zu sehen.“ Seine Stimme war leise und er spürte, wie etwas in dem Jungen starb und Xenio schämte sich das erste Mal in seinem Leben für seine Vergangenheit.
Cido wollte etwas sagen, doch da schlug der Zwerg erneut nach ihm, wobei dieser schadenfroh auflachte und der Junge begann sich auf dem Boden zusammen zu kauern, während er weiter versuchte diese Geschichte als Lüge abzustempeln: „Nein, das glaube ich dir nicht. Du hast nur getötet, weil du dich verteidigen musstest. Nicht weil es dir Spaß macht. Du bist kein Mörder. Das hat alles bestimmt seinen Grund.“
Tränen liefen über seine Wangen. Er konnte nicht glauben, dass er sich mit einem Mörder verbunden fühlte. Dass sein Leben immer und immer wieder in den Händen dieses skrupellosen Monsters lag. Warum hat er ihn nicht getötet? Es wäre doch so leicht gewesen.
„Oh wie rührend. Das hast du dem Jungen noch gar nicht erzählt? Wie dumm von mir das Ganze aus zu plappern. Böser Sensio, böser Sensio“, mischte sich der Sensenmann höhnisch ein, wodurch Xenio seinen Kopf wütend zu diesem wandte. Er begann dieses Knochengestell zu hassen. Mehr als er jemals etwas gehasst hat. Er verspottete ihn und versuchte sein Leben zu zerstören. Zwei Dinge, die Xenio niemals akzeptieren konnte, wodurch seine Hand im nächsten Moment nach dem Stiel der Sense griff und bevor Sensio reagieren konnte, riss Xenio die Waffe von seinem Hals weg, verpasste ihn einen Schlag gegen die Rippen und packte die Kutte des Sensenmannes, um diesen über sich hinweg zu schleudern.
Der Zwerg wollte gerade noch einmal nach Cido treten, doch als er bemerkte, wie sein Verbündeter auf den Boden aufprallte, stoppte er mitten in der Bewegung und sah den Kämpfer entsetzt an. Dieser erhob sich, zog sein Schwert und deutete damit auf den Sensenmann. „Du wartest schön brav.“
Dem Tod selbst würde er sich später vornehmen. Auch wenn er noch nicht wusste, wie er das Skelett besiegen sollte, wollte er es zumindest versuchen. Eine andere Möglichkeit gab es für ihn nicht, wodurch er sich wieder zu Cido und dem Zwerg umwandte.
Seine Schritte waren sicher und das Schwert lag ruhig in seiner Hand, während der Umhang sanft unter seinen Bewegungen tanzte. Das Weiß der Kleidung war gesprenkelt mit dem Blut seiner Opfer, doch Xenio war es egal.
Das Kettenhemd unter seinem Anzug raschelte leicht und durchbrach die Stille mit dem Geräusch der Schritte auf dem trockenen Boden, bevor er dann nur eine Armlänge vor Zwerginio stehen blieb. Der Zwerg trat noch einmal nach Cido, um Xenio zu provozieren, wodurch dieser seine Klinge vor das Gesicht des Kleineren hielt. „Ich bin dein Feind.“
„Zwerginio hat dich schon einmal besiegt. Er wird es auch ein zweites Mal schaffen.“ Der Zwerg grinste siegessicher, doch Xenios Lächeln wurde breiter. „Bist du dir da sicher? Ich weiß schließlich jetzt, wie du kämpfst. Aber du nicht, wie ich meine Waffen verwende.“
Kurz wurde der Zwerg unsicher, doch dann trat er von dem Jungen weg. „Okay, Zwerginio kämpft gegen dich. Aber ohne Schwert. Schwert ist unfair.“
„Ja, da könntest du direkt recht haben. Gut, ohne Schwert.“ Xenio steckte die Waffe zurück in die Scheide und ging ebenfalls ein paar Schritte von Cido weg, sodass er außer Gefahr war. Er konnte das siegessichere Grinsen des Zwerges erkennen, doch Xenio hatte noch den ein oder anderen Trumpf im Ärmel, mit dem Zwerginio nicht rechnen wird.
Er spürte den Dolch an seinem Knöchel, der ihm Sicherheit gab und in diesem Kampf würde er dank ihm gewinnen, wodurch die beiden Kontrahenten schon aufeinander zuliefen. Zwerginio versuchte erneut seinen Kopf in den Körper des anderen zu schlagen, doch Xenio wich elegant aus, hob seinen Fuß, zog den Dolch aus der Scheide und rammte die Klinge in die Wirbelsäule des Zwerges, wodurch dessen Beine einfach unter seinem Gewicht nachgaben und er unsanft auf dem Boden landete.
„Was? Das ist unfair! Du hast versprochen, dass du dein Schwert nicht gegen Zwerginio verwenden wirst“, begehrte der Schwarze sofort auf, wobei er Blut spuckte und zu röcheln begann. Xenio trat dagegen an ihn heran und grinste breit, bevor er ihm die blutverschmierte Dolchklinge vor die Nase hielt. „Das habe ich auch nicht. Aber von meinem Dolch war nie die Rede. Hätte ich das Schwert verwendet, dann wärst du jetzt ihn zwei Teile geschnitten. Ich halte mein Wort, doch du solltest vielleicht darauf achten, was du verlangst.“
Dann wischte er das Blut der Klinge an der Kleidung des Zwerges ab. „Hier, das gehört dir.“ Erst jetzt steckte er den Dolch zurück in seine Scheide, um sich dann zu erheben. Er ignorierte die größer werdende Blutlache unter dem Zwerg und dessen Todeskampf, während er zu Cido ging und sich zu dem Jungen kniete, bevor er ihm zärtlich eine Strähne aus dem schmerzverzerrten Gesicht strich. „Ruh dich aus. Ich werde uns beschützen.“
Er erhob sich und wandte sich zu Sensio um. Dieser saß immer noch wie erstarrt auf den Boden und sah seinen Partner an, der mittlerweile aufgehört hatte zu atmen, wodurch sein Blick auf den Kämpfer glitt. „Du?! Du hast ihn umgebracht! Eiskalt ermordet!“
„Ja, habe ich. Aber hast du nicht selbst gesagt, dass ich so ein Mörder bin. Warum überrascht es dich also?“ Xenio zog das Schwert heraus und ließ es kurz in seiner Hand kreise, bevor er dann einen Meter von Sensio stehen blieb. „Ich hoffe, dass ich dich nicht allzu lang warten ließ. Aber ich habe mich eh beeilt. Also, du und ich?“
Sensio knurrte nur dunkel, bevor er nach seiner Sense griff und sich aufrichtete. Auch Xenio ging in Angriffsstellung, doch der Sensenmann rührte sich nicht. Drei Herzschläge lang beobachtete der Kämpfer seinen Feind nur, bevor er dann den Schwertgriff fester umschloss und im nächsten Moment losstürmte.
Die Sense bewegte sich, um den Angriff abzuwehren, doch Xenio duckte sich unter ihr hindurch und vollzog eine Drehung bei der er sein Schwert durch die Wirbelsäule des Sensenmanns gleiten ließ. Sofort kippte der Oberkörper von seinem Platz und fiel mit der schweren Kutte in den Staub. Doch die Beine standen noch und im nächsten Moment traten sie nach dem Kämpfer, der von dieser Handlung überrascht wurde und schon den Boden unter den Füßen verlor.
Sein Schwert glitt ihm aus der Hand und rutschte von ihm weg, doch Xenio hatte keine Sekunde um sich darüber Gedanken zu machen, denn sofort waren die Beine bei ihm und begannen nach seinem Gesicht zu treten, doch der Kämpfer wich so gut es ging aus.
Stieß mit der flachen Hand nach der Hüfte und schaffte es so die Beine aus dem Gleichgewicht zu bringen, wodurch sie ebenfalls im Staub landeten.
Ein erleichterter Seufzer schlich sich über die Lippen des Blonden und er hoffte, dass dies nun das Ende war, doch die Beine zappelten weiter und begannen sich erneut in die Höhe zu stemmen, wodurch auch Xenio sich beeilte auf die Füße zu kommen. Es konnte doch nicht sein, dass sie nicht aufhörten sich zu bewegen. Sie hatten doch keinen Geist mehr, der sie befehligte.
Sofort eilte er zu den Gebeinen und trat erneut nach ihnen, sodass sie zurück auf den Boden fielen, bevor er dann mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, auf die Hüfte eintrat. Er brauchte drei Versuche, bei denen die Füße ebenfalls nach ihm traten, bevor sie dann splitternd nachgab. Doch die Beine hielten nicht still, konnten sich aber nicht mehr großartig bewegen, weil sie sich gegenseitig keinen Halt mehr gaben.
Erst jetzt erlaubte sich Xenio einmal auszuatmen, bevor er sich dann zu seinem Schwert wandte und es aufhob. Das wollte er zumindest, doch als er sich zu der Waffe bückte, wurde er plötzlich von der Seite angesprungen und erneut landete er auf dem staubigen Boden, wobei sich zwei knöchrige Hände um seinen Hals legten und zudrückten.
Er sah in die glutroten Augen von Sensio, der sich verzweifelt an den blonden Kämpfer klammerte und versuchte dessen Luftzufuhr zu blockieren. Das war doch nicht möglich! Wie konnte dieser Kerl immer noch leben? Xenio konnte es nicht glauben. Jedes normale Wesen wäre schon lange tot. Doch die Kraft in den Händen, die ihm das Atmen schwer machte, wurde nicht schwächer, wodurch Xenio nach dem Brustkorb griff und damit begann den Angreifer von sich zu drücken.
Er spürte wie seine Kraft schwand, weil er immer weniger Sauerstoff bekam, doch er fühlte auch, dass die Knochen immer mehr unter seinem Druck nachgaben, wodurch er noch einmal all seine Energiereserven mobilisierte, um ein letztes Mal zu drücken.
Unter einem grauenvollen Krachen brachen die Arme aus den Schultergelenken heraus und der Torso flog mit großem Schwung davon, wobei der Druck der Hände immer noch nicht nachließ.
Xenio rappelte sich erst einmal auf, bevor er die Hände dann einzeln von seinem Hals löste. Er warf sie so weit es ging weg, damit sie ja nicht mehr so schnell zurückkamen. Erst jetzt schritt er auf den Torso zu, wobei der Zorn in den roten Augen keine Spur geringer wurde.
„Du bist wirklich zäh“, meinte Xenio ruhig, „das muss der Tod wohl sein. Doch jetzt ist es Zeit, dass auch der Tod einmal stirbt.“
„Der Tod kann niemals sterben. Ich vielleicht. Aber ich werde dann in dir weiterleben. Du wirst noch viele Seelen fordern, Xenio Achmaras. Sehr viele Seelen.“ Sensio lachte auf und obwohl er verloren hatte, erkannte man Siegesfreude in seinen Augen. Xenio konnte den Zorn über diesen Glanz nicht bändigen und ohne sein Zutun trat er nach dem Kopf des Sensenmanns bis dieser krachend nachgab und die Bewegung in sämtlichen Knochen stoppte.
Cido hatte die Kämpfe mit Entsetzten verfolgt. Die Präzision mit der Xenio sie geführt und die Brutalität mit der er getötet hatte waren doch nicht normal. Der Blonde war ein Mörder. Ein skrupelloser Mörder und er war zu diesen zurückgekehrt. Sein Schicksal sollte mit diesem Menschen verbunden sein. Das konnte doch nicht wahr sein. Nein, das durfte einfach nicht wahr sein. Cido wollte es nicht glauben, doch er hatte den Beweis gerade selbst gesehen. Er war mit einem Mörder unterwegs. Einem Mörder, der in allem ein Opfer sah.
Es würde nur eine Frage der Zeit sein, wann Cidos Blut die Klinge benetzte. Ja, er war sich sicher. Er würde durch diesen Menschen sterben.
Irgendwann…
Xenio hatte endgültig gewonnen. Der Sensenmann war besiegt. Xenio war mächtiger als der Tod selbst. Er konnte es kaum glauben, wodurch er sich freudig zu Cido umwandte, doch was er dort sah, ließ sein Blut in den Adern gefrieren.
Die Angst und Panik waren in die Augen des Jungen zurückgekehrt und er sah wie der Körper des Jüngeren bebte. Nein, das durfte nicht passieren. Sofort eilte er auf ihn zu, doch der Schrei von Cido stoppte ihn: „Nein! Bleib weg!“
„Cido, bitte du musst mir zuhören“, flehte Xenio den Braunhaarigen an, doch das Zittern ließ nicht nach und in den grünen Wald trat Zorn, wodurch die Stimme des Jungen nur noch ein Zischen war: „Mörder!“
Dieses Wort schmerzte Xenio mehr, als es jede körperliche Verletzung je getan hatte. Doch was sollte er tun? Wenn er in das Gesicht des Jünglings sah, dann erkannte er, dass er einfach keine Chance hatte. Keine Chance auf ein Gehör oder gar die Möglichkeit verstanden zu werden.
„Du hast sie alle getötet“, begehrte Cido weiter, „ohne mit der Wimper zu zucken. Du hast keine Sekunde gezögert, bevor du dein Schwert in die Hand genommen hattest. Wie kannst du hier stehen und mir in die Augen sehen ohne dass du dich auch nur eine Sekunde lang für das schämst, was du bist?“
„Ich. Ich habe es doch nur getan, um uns zu beschützen. Sie wollten uns töten. Hätten wir sie nicht umgebracht, dann wären es jetzt unsere Körper, die hier in diesem Staub liegen. Wäre dir das lieber?“, begann sich Xenio dennoch zu verteidigen, obwohl er wusste, dass es eigentlich sinnlos war. Dieser Starrsinn, der ihm begegnete, war nicht zu brechen. Nicht mit der Vernunft von außen, sondern nur mit der eigenen Erkenntnis, die der Junge selbst bekommen musste. Er musste es eigens verstehen, was hier passierte und dass sie keine andere Wahl hatten, als gegen diese Herrscher der Dunkelheit, wie sie sich nannten, zu kämpfen und diese im Kampf zu besiegen.
Und nachdem diese nicht fähig waren aufzuhören, bevor der letzte Atemzug ihre Lungen verließ, hatte Xenio keine andere Wahl als ihnen ihr Leben zu rauben. So einfach war es. Dennoch wollte es Cido nicht verstehen.
„Ich will nichts mit einem Mörder zu tun haben“, begehrte Cido erneut auf, wodurch Xenio nur seufzte und enttäuscht den Kopf schüttelte, „und du bist ein Mörder. Ein erbärmlicher Mörder, der in jedem Wesen ein Opfer sieht. Wie lange wird es wohl dauern bis du mich töten wirst? Wann wird es mein Blut sein, dass deine Klinge benetzt und den Boden tränkt? Das ist alles doch nur eine Frage der Zeit, oder?“
Xenio fuhr ein Dolch ins Herz und ein schwerer Stein legte sich in seinen Magen. Denn alleine bei der Vorstellung, dass er diesen Jungen einmal verletzten könnte, wünschte er sich vorher lieber selbst zu sterben. Doch dies würde ihm Cido niemals glauben.
„Nein“, der Kämpfer wollte mehr sagen, doch der Jüngere schnaubte nur abfällig: „Du lügst! Jedes Wort, das deine Lippen verlässt, ist eine einzige Lüge.“
„Cido. Bitte hör mich an“, versuchte es Xenio erneut, doch Cido schnaubte nur: „Vergiss es. Ich verschwende meine Zeit nicht mit einem verlogenen Mörder. Meine Zeit ist mir zu kostbar dafür.“
Diese Worte schürten den Hass in Xenios Herzen, wodurch er selbst schnaubte und den Braunhaarigen zornig anfunkelte: „Bitte! Wenn es das ist, was du willst, dann werde ich gehen. Schließlich will ich nicht schuld daran sein, dass du deine ach so kostbare Zeit verschwendest. Aber wage es ja nicht zu mir zu kommen, wenn dich noch einmal ein Herrscher der Dunkelheit bedroht. Ich werde dir nicht noch einmal deinen Arsch retten.“
Damit wandte sich Xenio ab und schritt davon. Er ignorierte die Worte, die Cido ihm noch hinterher rief: „Ja, geh ruhig! Ich brauch dich nicht! Niemand braucht dich! Es wäre besser, wenn du tot wärst! Dann würde die Welt friedlicher werden!“
Ja, er wünschte sich, dass er dies nicht gehört hätte, doch er konnte seine Ohren nicht gänzlich verschließen und der Dolch in seinem Herzen drang tiefer ein, bevor er dann schmerzhaft umgedreht wurde. Wie konnte dieser Junge nur so grausam zu ihm sein? Er hatte ihm doch gar nichts getan. Im Gegenteil, so oft hatte er das Leben des Braunhaarigen gerettet und dennoch wurde er von diesem verachtet. Wieso? Womit hatte er sich diesen Hass eingehandelt? Xenio begriff es nicht. War es wirklich nur der Tod von Sebastian?
Sie wussten ja nicht einmal wie viele Gegner sie noch hatten. Wenn Cido erneut gegen einen antreten musste, würde der Junge sterben. Da war sich Xenio sicher. Der Jüngere war ein Nichts ohne ihn. Ja, er würde schon bald bereuen, dass er den Kämpfer weggeschickt hatte. Und dann würde er zurück gekrochen kommen oder sterben.
Xenio kam der Stadt immer näher, doch ein Geräusch ließ ihn stoppen, wodurch er sich langsam umdrehte und auf einen schwarzen Drachen blickte, der sich majestätisch über ihn aufbaute: „Hallo, Xenio. So trifft man sich also endlich einmal. Ich stelle mich nur kurz vor: Mein Name ist Drako. Ich bin der siebte der zwölf Herrscher der Dunkelheit. Und ich glaube, dass wir viel Spaß zusammen haben werden.“




