- -
- 100%
- +
Unsere Politiker und Ökonomen gehen davon aus, dass Wachstum wiederkommt, egal was wächst. Sie haben nicht verstanden, dass wir schon längst unwirtschaftliches Wachstum haben, das seine eigenen Voraussetzungen verzehrt.
Es geht jetzt um die Wiedereroberung unseres Selbst als mündige Bürger, es geht um das Erwachen aus dem kindischen Traum von einer globalen Konsumkultur, der permanenten Unreife, Unzufriedenheit und Unverantwortlichkeit.
Die alten Israeliten hatten das Wort hochma für die Wissenschaft des Herzens, für die Fähigkeit zu fühlen und zu handeln, als ob die Zukunft von jedem von uns abhängen würde. Im alten Athen wurde der politisch engagierte Bürger ein „Polites“ genannt. Wer nicht am öffentlich-politischen Leben teilnahm, wurde als ein „Idiotes“ bezeichnet.
Ohne uns kollektiv politisch zu engagieren, ob lokal, regional, national oder international, wird es nicht gehen.
Wie schnell unsere Zivilisation zusammenbrechen kann, zeigte sich in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina, als die abgeworfenen Trinkwasservorräte von kräftigen Männern ausgetrunken wurden, während Kinder, Frauen und alte Menschen leer ausgingen.
Unsere Kinder erwarten, dass wir jetzt aktiv werden. Eine Journalistin bei der konservativen Londoner Sunday Times schrieb, als der neue UN-Klimabericht erschien, habe kein Erwachsener sie darauf angesprochen, wohl aber ihr 9-jähriger Sohn.
Die Grundfrage ist heute nicht, wie viel Menschlichkeit, wie viel Umwelt und Kultur wir uns ökonomisch leisten können, sondern welches ökonomische System wir uns menschlich, ökologisch und kulturell leisten können. Die Wachstumsraten, auf denen unser derzeitiger Lebensstandard beruht, sind auf einem enormen Schuldenberg gebaut, der zu Lasten unserer Umwelt und zukünftiger Generationen geht. Wir haben seit Jahrzehnten viel mehr Forderungen gegenüber zukünftigem Wohlstand aufgebaut, als wir tatsächlich Wohlstand geschaffen haben. Hier wird es auch bei uns einen großen Schuldenschnitt geben müssen.
Finanz-Experten schätzen, dass 80 % der Werte von Investment-Fonds auf der Erwartung zukünftiger Kapitalflüsse basiert. Eine Klimakatastrophe wird diese Werte schnell vernichten.
Was können wir tun? Einige Anregungen:
1.Glauben Sie nicht, dass Sie die Welt nicht verändern können: Die Welt verändert sich täglich und Sie wissen nur noch nicht, welche Rolle Sie dabei spielen können. Informieren Sie sich daher über Lösungen, z. B. auf den Webseiten vom World Future Council und Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis). Setzen Sie sich privat und öffentlich für ihre Umsetzung und Verbreitung ein, z. B. für eine Vertretung der Rechte zukünftiger Generationen auf allen Ebenen, und dafür, dass Schüler, Studenten und besonders Absolventen von Business-Schulen, Ökonomen und Kandidaten für politische Ämter „eco-literacy“, d. h. eine ökologische Bildung vorweisen müssen.
2.Lernen Sie, wie Geld geschaffen wird: Im Mittelalter wurden Machtdiskussionen mit der Kirche nur auf Latein geführt. Heute müssen wir Finanz-Latein lernen, denn in einer Welt, die von Geld regiert wird, machen wir uns machtlos, wenn wir auf diesem Gebiet nicht mitreden können.
3.Wagen Sie auch Konflikte: Jesus hat mit den Geldwechslern im Tempel bekanntlich nicht verhandelt, er hat sie hinausgeworfen.
4.Lassen Sie sich nicht abschrecken, wenn Sie die neuen Medien nicht beherrschen: Ich hielt in Berlin eine Rede vor Jugendlichen aus 36 Ländern und bekam anschließend ein sehr positives Echo. Eine ältere Teilnehmerin sagte daraufhin erstaunt: „Aber Sie waren doch der Einzige, der kein PowerPoint benutzt hat!“
5.Bereiten Sie sich auf die bevorstehende moralische Weltrevolution vor, vergleichbar mit der Abschaffung der Sklaverei, auf der unsere damalige Wirtschaft basierte. Die kommende nachhaltige Weltordnung wird sehr vielfältig sein, denn es gibt keine Grenzen menschlichen Lernens, wie der Club of Rome schon vor 40 Jahren schrieb.
Vor noch gar nicht langer Zeit musste man in Deutschland Leben riskieren, um Krieg und Barbarei zu überwinden und die Zukunft seiner Kinder zu sichern. Heute werden uns keine solchen Opfer abverlangt! Die Risiken für unsere gemeinsame Zukunft sind jetzt anderer Art. Aber sie verlangen ein Umdenken, neue Bündnisse und Partnerschaften. Der World Future Council ist ein solches Bündnis von Vertretern der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, der Politik, der Wissenschaften und der Kunst.
•Die drohenden unumkehrbaren „tipping-points“, die jetzt alle unsere Errungenschaften und Pläne gefährden, verlangen engagiertes Handeln, wenn wir nicht wollen, dass unsere Kinder und Enkel uns als egoistische Verbrecher bzw. Ignoranten sehen werden, die die Risiken nicht begriffen hatten. Denn geschmolzene Gletscher kann man nicht mehr reparieren und für Trinkwasser gibt es keinen Ersatz.
•Die Ewiggestrigen, die ihre Privilegien auch auf Kosten unserer Kinder bewahren wollen, haben mit ihren Spenden u. a. dafür gesorgt, dass im mächtigen US-Senat jetzt der Umwelt-Ausschuss einen Vorsitzenden hat, der Klimawissenschaftler mit Bibelzitaten zu widerlegen versucht, und einen Senats-Präsidenten, dessen Motto „Gewehre, Freiheit und Kohle“ ist – in dieser Reihenfolge!
•Unsere Kinder vertrauen darauf, dass wir jetzt ernst machen. Unser Handeln wird zeigen, ob wir dieses Vertrauen verdienen oder verraten werden, wie in Ruanda vor 20 Jahren, wo auf dem Gedenkstein für einen ermordeten 10-Jährigen, der Arzt werden wollte, seine letzten herzzerreißenden Worte stehen: „Die UNO wird kommen und uns retten!“


10. World Future Forum 2017 in Bregenz: weltweit führende Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur erarbeiten Lösungsstrategien für die Probleme unserer Zeit.
Die Zukunft gestalten
Wir stehen zurzeit vor noch nie dagewesenen Herausforderungen. Das Ende unseres bewohnbaren Planeten ist möglich, wenn nicht umgesteuert wird. Das würde allen nachfolgenden Generationen die Lebensgrundlage rauben.
Diese apokalyptische Realität wird weitgehend geleugnet. Es ist aber eine Tatsache, dass für den Temperaturanstieg, der das Schmelzen der Permafrostböden und die Freisetzung von Methan-Hydrat in den Meeren bewirkt die gegenwärtige Politik verantwortlich ist. Das droht, unsere Erde unbewohnbar zu machen, wie Forschungsergebnisse belegen, die auch z. B. vom British Government Met Office (dem Meteorologie-Institut der britischen Regierung) bei der Klimakonferenz in Paris präsentiert wurden.
Unser Wohlstand, unsere Sicherheit, Kultur und Identität würde aber schon lange vorher in sich zusammenfallen.
Ein Europa, das unfähig ist, mit ein paar Millionen Kriegsflüchtlingen fertigzuwerden, wird unter der Masse von zehn oder vielleicht Hunderten von Millionen Klimaflüchtlingen schnell zusammenbrechen.
Paul Krugman, Kolumnist der New York Times, beschrieb kürzlich in seiner Kolumne das Schreckensszenario des Klimawandels und fragte dann, was denn nun wirklich in diesem Jahr der US-Wahl auf dem Spiel stünde? „Nun, unter anderem das Schicksal unseres Planeten.“
Eine Studie der US-Akademie der Wissenschaften kam im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass die Forderung, Wirtschaftswachstum und CO2-Anstieg vom Ressourcen-Verbrauch zu entkoppeln, auf falschen Berechnungen beruhten, weil das Rohmaterial zur Herstellung von Produkten zu gering veranschlagt worden sei (The Guardian, 25.11.2015).
Warum wurde nicht längst ein Not-Bündnis gebildet, die alles Menschenmögliche tut, um den Kurs zu ändern und, wo noch möglich, rückgängig zu machen?
Warum gibt es noch keinen Gesamtüberblick über die Risiken und Gefahren, warum wurde noch keine gemeinsame Strategie erarbeitet? Das sind Fragen, die ich oft – vor allem von jungen Leuten – höre. Für sie stellt die Arbeit des Weltzukunftsrates und die Arbeit der seit 1980 zahlreichen Preisträger des Right Livelihood Award, des Alternativen Nobelpreises, einen Funken Hoffnung dar.
Inzwischen ist der Weltzukunftsrat weit bekannter als noch vor ein paar Jahren. Seine Mitglieder vermitteln ein vorbildliches und ganzheitliches Engagement und verfügen über außerordentliche Überzeugungskraft. Sie haben das Gespür für die Themen der Zukunft wie beispielsweise das Eintreten für die Rechte zukünftiger Generationen, für Konzepte zum Übergang zu 100 %-erneuerbare Energien oder auch unorthodoxe Vorschläge zur Geldschöpfung. Diese Vorschläge werden weltweit in vielen Foren diskutiert. Autoren, Wissenschaftler oder UN-Organisationen beziehen sich auf unsere Arbeit.
In den Stellungnahmen zur Eröffnung des neuen Büros des Weltzukunftsrats in China war klar zu erkennen, dass die chinesi-schen Behörden die Klimabedrohung sehr ernst nehmen und sowohl nach Lösungen suchen als auch nach Partnern. Auch hier wird offenbar deutlich gesehen, was die Ursachen dafür sind, dass die Himalaja Gletscher und Tibets Permafrost zu schmelzen beginnen.
Auch die Kohle-Lobby ist sich inzwischen der Lage bewusst und sieht die Zeichen an der Wand: Man wird uns hassen und verteufeln, so wie früher die Sklavenhändler, sagte der Generalsekretär des Verbandes der Europäischen Kohle-Industrie (Financial Times, 16.12.2015). Und die Tagesschau vom 5. Juli 2016 berichtete von zehntausend Todesfällen aufgrund von Kohlekraft und stützte sich auf die Auswertung von 257 der insgesamt 280 europäischen Kohlekraftwerke. Demnach belaufen sich die durch sie verursachten Gesundheitskosten jährlich auf bis zu 63,3 Milliarden Euro.
Leider gilt das nicht für die USA: Donald Trump behauptet zum Beispiel, dass der Klimawandel eine „chinesische Erfindung“ sei. Das Wall Street Journal (3.8.2015) befürchtet: „Wenn es stimmt, dass der Klimawandel von Menschen verursacht wurde, kann ein solch riesiges Problem nur von der Regierung gelöst werden. Für die Linke wäre das ein Himmelsgeschenk, um im großen Stil staatliche Kontrollen über die Wirtschaft und das Leben der Bürger einzuführen.“
Solche Verschwörungstheorien werden von einer machtvollen und gierigen Elite verbreitet, damit sie ihre Privilegien in einer zunehmend ungleichen Welt nicht verlieren.
Die Geschichte der vergangenen 40 Jahre zeigt, dass der oft umstrittene Bericht (des Club of Rome) über die Grenzen des Wachstums sehr prophetisch war, selbst für die USA: „Das durchschnittliche Haushaltseinkommen 2014 in den USA betrug 50.000 Dollar. Hätten wir das Produktivitäts-Wachstum der Zeit vor 1970 beibehalten, läge das Einkommen bei 97.300 Dollar“ (Financial Times, 20.2.2016).
Das ist wohl auch einer der Gründe, warum in den USA in den Vorwahlkämpfen 2016 viele junge Wähler für einen Sozialisten stimmten, als ob sie sich vom Sozialismus mehr versprächen als vom Kapitalismus. Aber hier handelt es sich eher um ein Aufbegehren gegen eine unsichere Zukunft, gegen die Brüche in den letzten Jahrzehnten, gegen die anonymisierende Globalisierung und dagegen, dass sich die Jugendlichen den amerikanischen Traum ihrer Eltern nicht mehr leisten können.
Viele glauben auch nicht, dass neue Technologien ihre Pro-bleme lösen werden, was, um das Weltzukunftsrat-Mitglied Prof. Rolf Kreibich zu zitieren, ein gutes Zeichen ist, denn: „Es gibt keinen einzigen Hinweis auf nachhaltige Entwicklung in der gesamten Big Data- und Smart Data-Diskussion.“ In Japan würden die Menschen anfangen, den neuen Technologien zu misstrauen, da diese über die Realität hinwegtäuschten und nicht als sinnstiftend empfunden würden. Die neue Satori-Generation will weniger Konsum und sucht nach „Erleuchtung“(Baku Eye, Mai 2014). Der Demokratie und den demokratischen Institutionen vertrauen sie und ihre Gleichaltrigen in Europa und den USA immer weniger (World Values Survey, 2015).
Das ist das Ergebnis einer Politik, die auf der Grundlage von Kosten-Nutzen-Analysen, die ihr Ökonomen vorschreiben, ihre Entscheidungen trifft. Denn deren Modelle sind ideologisch und dienen den Interessen der Privilegierten, die sich um die Bedürfnisse zukünftiger Generationen nicht scheren. Mit ihrem Tunnelblick übersehen sie, dass unsere Wirtschaft von funktionierenden Ökosystemen abhängt. Wenn das Ökosystem zusammenbricht, wird nicht nur das gegenwärtige Bruttosozialprodukt zunichtegemacht, sondern auch das natürliche Kapital.
So berechnet das allgemein benutzte DICE-Modell (Dynamic Integrated Climate-Economy), dass selbst ein katastrophaler Temperaturanstieg von 4 °Celsius das Bruttosozialprodukt nur um 4 %, und ein Temperaturanstieg um 6 °Celsius dieses um weniger als 10 % reduzieren würde, trotz der Vorhersage, dass dann große Teile des Planeten unbewohnbar wären. Bei solchen Modellen, könnte weltweit das Bruttosozialprodukt immer noch wachsen, selbst wenn Afrika schon unbewohnbar ist.
Kein religiöses Dogma ist so mächtig und gefährlich wie die Dogmen der Ökonomen, die glauben, wir würden selbst auf einem brennenden Planeten immer noch reicher werden.
Dieser gefährliche Unsinn herrscht immer noch in vielen Köpfen, und auch die SDG-Nachhaltigkeitsstrategie der UNO leidet daran.
„Angesichts des heutigen Verhältnisses von Wachstum des Bruttosozialprodukts und dem Einkommenswachstum der ärmsten Länder wird es 207 Jahre dauern, um mit dieser Strategie die Armut zu eliminieren, und um das zu erreichen, werden wir die Weltwirtschaft um das 175-fache ihrer gegenwärtigen Größe anwachsen lassen müssen“ (Seeds of Change, Vol.32, Nr. 1, Jan.-April 2016, S. 15). Was offensichtlich unmöglich ist. Das Nachhaltigkeitsziel 17.1 fordert eine weitere Handels-Liberalisierung und mehr Macht für die Welthandelsorganisation – obwohl aufgrund der Umweltbedrohungen das Gegenteil erforderlich wäre, d. h. Import-Abgaben, um Umwelt-Dumping zu verhindern.
Wie ist es zu erklären, dass wir schon so lange einer Ideologie folgen, die unser Überleben bedroht?
Die US-amerikanische Heritage Foundation, ein einflussreiches konservatives Forschungsinstitut, das im Jahre 1980 anlässlich der Wahl Ronald Reagans als Denkfabrik großen Einfluss hatte und immer noch die US-Politik maßgeblich beeinflusst, hat damals unter anderem für alle Ministerien Politikempfehlungen formuliert. Sie wurden in einem 1000-Seiten-Buch veröffentlicht, mit dem Titel: „Mandat für Führung: Politik-Management in einer konservativen Regierung“. Diese Empfehlungen waren u. a. Privatisierung, Deregulierung, der Abbau von Sozialleistungen, sowie militärische Präventivschläge. Viele der empfohlenen Maßnahmen wurden umgesetzt, auch weil keine Alternativen präsentiert wurden. Um Margaret Thatcher zu zitieren: „Wirtschaft ist die Methode: das Ziel ist die Veränderung der Seele“ (Sunday Times, 1.5.1981).
Heute erkennt selbst das Business-Magazin Forbes an, dass der Kapitalismus es nicht geschafft habe, das Wohlergehen der Menschen im großen Maßstab zu verbessern (9.2.2016). Das Bewusstsein ist also geweckt worden, und nun ist es an uns, eine Methode zu finden, die Zerstörung des Planeten zu beenden. Auch wenn wir nicht über Mittel wie die Heritage Foundation verfügen, so haben wir viele Verbündete.
Da es um den Notfall Erde geht, muss alles, was wir bisher unternommen haben, neu überdacht werden; nicht, weil es falsch ist, sondern weil es nicht mehr ausreicht.
Auf einer unlängst abgehaltenen Konferenz wurde die Gewerkschaftsführerin Sharan Burrow gefragt, warum sie über den Klimawandel spreche und nicht über Jobs. „Weil es auf einem toten Planeten keine Jobs gibt“, antwortete sie. Eine öko-industrielle Umgestaltung würde natürlich Millionen neuer Jobs generieren; aber sie hat die Hierarchie der Risiken und Gefahren verstanden.
Die Herausforderung ist immens, aber nicht neu. Es gibt keine Sache von größerer Schwierigkeit, Gefahr und von zweifelhafterem Erfolg, als die Vorreiterrolle zu übernehmen bei der Einführung einer neuen Ordnung. „Denn alle die, welche sich in der alten Ordnung wohl befanden, sind der neuen feindlich; und diese hat nur laue Verteidiger bei denen, die dabei zu gewinnen hoffen.“ – ein Zitat aus Macchiavellis Schrift Der Fürst, die 1532 erschien.
Aber wir haben viele Verbündete:
•unser lebendiger Planet, wenn wir die Richtung ändern solange er noch reagieren und sich erholen kann
•die Jugend der Welt, die erkennt, dass die Versprechen der gegenwärtigen Ordnung für ihre Zukunft hohl sind und nach einer glaubwürdigen Alternative sucht
•die Schutzlosen dieser Welt, die gemerkt haben, dass diese Ordnung bodenlos ist
•unsere Vorfahren, die uns vertrauen, dafür zu sorgen, dass ihr Leben und ihre Errungenschaften nicht umsonst waren
•und alle zukünftigen Generationen, denn von uns hängt es ab, ob und wie sie leben werden
Der Global Policy Action Plan (GPACT) des Weltzukunftsrats ist unser Handbuch für verantwortliche Politik. Er beschreibt die wichtigsten Reformen für Menschen und den Planeten, die heute durch die Folgen der Empfehlungen der Heritage Foundation bedroht sind. GPACT will den sog. Konsens von Washington durch einen neuen ersetzen, der – nach dem Gründungsort des WFC – vielleicht als Hamburger Konsens in die Geschichte eingehen wird.
Der Global Policy Action Plan GPACT
Wir machen die besten und effektivsten Gesetze und Regelungen aus aller Welt bekannt, passen sie an und verbreiten sie. Die von uns identifizierten ‚besten politischen Lösungen‘ erleichtern die Umsetzung wegweisender politischer Reformen und unterstützen so die Einhaltung internationaler Verpflichtungen im Rahmen der globalen Nachhaltigkeitsziele. In der Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern unterstützen wir Innovationen, die Fortschritt, einen gesunden Planeten, Frieden und Sicherheit fördern.
Wir müssen die Machtkämpfe, Bürokratie, Enge und Eifersucht überwinden, die unter Nichtregierungsorganisationen und ihren Unterstützern so häufig anzutreffen sind, und neue Allianzen schmieden.
Der Weltzukunftsrat hat gezeigt, dass er die Fähigkeit hat, neue Koalitionen zu formen; nicht, weil wir mehr wissen oder besser sind, sondern weil wir auf dem aufbauen, worauf sich die internationale Gemeinschaft bereits geeinigt, es aber bislang noch nicht umgesetzt hat. Wir helfen, Lücken zu schließen:
•zwischen miteinander verbundenen Problemen, die von Aktivisten und Geldgebern nicht in einem Zusammenhang gesehen, sondern nur einzeln behandelt werden;
•zwischen akademischer Politikforschung und der Unterstützung, die politische Entscheidungsträger benötigen;
•zwischen den Rechten, auf die man sich geeinigt hat, etwa in der UN-Charta für die Natur und ihrer gesetzlichen Umsetzung.
Wie die Verteidiger von Privilegien wissen (und was wir oft vergessen), steckt der Teufel im politischen Detail.
In der Geschäftswelt und im zivilen Leben wird häufig auf freiwillige Selbstregulierung gesetzt. Laut einer ersten Bestandsaufnahme, die kürzlich veröffentlicht wurde, erweist sich diese Priorität als falsch, sie zeigt, dass 82 % der untersuchten freiwilligen Vorhaben scheiterten.
So gab es weit schlechtere Resultate als ein Gesetz hätte erreichen können. Eine Gebühr auf Plastiktüten in Wales verringerte über Nacht den Gebrauch um 80 %, während eine freiwillige Maßnahme in England in sieben Jahren nur einen Rückgang um 6 % erreichte (The Guardian, 4.11.2015).
Natürlich sind Gesetze nicht überall einfach einzuführen und win-win-Szenarien für alle oft ein Mythos. Die Climate Legacy Initiative kommt zu dem Schluss, dass die Besteuerung, die für einen adäquaten Rückgang der Nachfrage bei umweltschädlichen Produkten erforderlich ist, zu „signifikanten gesellschaftlichen Problemen“ führen könnte. Politiker fürchten, dass ihre Wähler rebellieren; aber müssen begreifen, dass eine rebellierende Natur eine weitaus gravierendere Angelegenheit sein wird.
Die vielgepriesene Ökonomin Dambisa Moyo beklagt eine „weltweite Erosion an Produktivität“, die sie nicht verstehen könne und als „höchst merkwürdig“ bezeichnet. Hat man aber die Bedürfnisse der Menschen und des Planeten im Blick und zudem die wachsende Zahl der Arbeitslosen weltweit, dann hat diese „Merkwürdigkeit“ eindeutig ihre Ursachen, nämlich in den perversen Dogmen, die von Moyo und ihren Kollegen angebetet werden.
Immer wieder wird behauptet, dass die nötigsten Reformen zu teuer seien, was im Klartext heißt, dass wir es uns nicht leisten könnten, auf der Erde zu leben. Aber eine Gesellschaft, die über die nötigen natürlichen und menschlichen Ressourcen verfügt, kann notwendige Reformen immer auch finanzieren.
Zunächst brauchen wir jedoch eine reale „Buchhaltung“. Dass weltweit potentielle erneuerbare Energien ungenutzt bleiben, vergeudet jährlich Billionen von Dollar. Während jedes geschlossene Bergwerk als Verschwendung von Industriekapital beklagt wird, wird die unendlich viel größere Zerstörung von natürlichem Kapital – verursacht durch die nicht maximal genutzten erneuerbaren Energien – ignoriert. Der Weltzukunftsrat hat diesen Verlust zum ersten Mal errechnet. Er beträgt über 3 Billionen Dollar jährlich.1
Um das Finanzsystem zu retten, wurde die Schöpfung (das „Drucken“) von neuem Geld durch die Zentralbanken sehr schnell akzeptiert. Doch den dringend nötigen Übergang zu nachhaltigen und erneuerbaren Energien auf die gleiche Weise zu finanzieren, ist ein politisches Tabu.
Der Weltzukunftsrat hat aber aufgezeigt, wie die Produktion neuer Güter und Dienstleistungen (ohne Inflation) finanziert werden kann: 100 % erneuerbare Energie, Nachrüstung von Gebäuden, nachhaltige Transportsysteme etc. Im Süden würden damit Millionen neuer Jobs geschaffen, was wiederum den Druck vermindern würde, um des reinen Überlebenswillen nach Europa auszuwandern.
Unsere gemeinsame Zukunft benötigt einen schlüssigen Plan für schrittweise Politikreformen, und der GPACT des Weltzukunftsrates ist der erste Versuch dieser Art. Er ist keine übliche Wunschliste, sondern ein Handbuch vorrangiger Politikmaßnahmen, die, wo immer möglich, auf schon existierenden nationalen und regionalen Gesetzen, aufbauen.
Der Globale Aktionsplan GPACT fasst die minimal benötigten Reformen zusammen und benennt die Meilensteine für eine nachhaltige Zukunft:
1. Umwelterziehung
Das beste Gesetz dafür haben wir in Maryland, USA, ausgemacht und sind dabei, es in Europa zu verbreiten.
Dazu haben wir die besten Programme für Umweltbildung in Business Schools und für Wirtschafts-Studenten identifiziert (vgl. futurepolicy.org).
2. Impulse für die Demokratie
Ein isländisches Gesetz stellt sicher, dass mit Geldspenden keine Wahlen beeinflusst werden können.
3. Anwendung alternativer Fortschritts-Indikatoren
Wieder einmal hat ein kleines Land die Führung übernommen: Bhutan, wo die Regierung das Wohlbefinden der Bevölkerung zum Handlungsmaßstab nimmt.
Das EU BRAINPOOL Projekt, an dem der Weltzukunftsrat teilnimmt, zeigt die Herausforderungen solcher Reformen. Auch eine Reform der Bilanzierungsstandards ist dringlich.
4. Sicherstellung der politischen Repräsentation der Bedürfnisse zukünftiger Generationen
Der WFC hatte eine Schlüsselrolle bei der Schaffung des exemplarischen Waliser Gesetzes inklusive der Schaffung eines „Kommissars für nachhaltige Zukunft“, das u. a. auf den Erfahrungen des ungarischen parlamentarischen Ombudsmannes für zukünftige Generationen, des WFC-Mitglieds Sándor Fülöp, beruht.
5. Bestrafung von Verbrechen gegen zukünftige Generationen




