Nachricht aus dem Jenseits 2.0

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Zusammen gingen wir auf eine Esoterik-Messe und es war immer noch fremd für mich. Aber dort sah ich einen Mann, der sehr »normal« wirkte und mir vom englischen Spiritismus erzählte. Er hatte die Ausbildung in England am renommierten Arthur Findlay College gemacht. Dass ich nur kurze Zeit später auch meine Ausbildung dort beginne, hätte ich nie gedacht. Doch dieser Mann faszinierte mich, vor allem weil er so normal wirkte – Jeans, Turnschuhe und normaler Pullover. Zu Hause suchte ich mir Informationen heraus und schaute, wo und wie diese Schulung abläuft. Ich konnte sie mir jedoch nicht leisten und auch war es zu weit weg. So suchte ich weiter und fand in der Schweiz eine Schule, die genauso ausbildet. Alle Lehrer dort hatten über mehrere Jahre studiert. So kam ich zu meinem ersten Lehrer Andy Schwab. Er war normal, lustig und einfach ein Typ, der meistens mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Auch heute noch pflege ich einen guten Kontakt zu ihm, wir geben sogar einige intensive Wochen zusammen. Ich fühlte mich dort sehr wohl und die meisten Schüler wirkten normal. Meine Motivation war anfangs nicht, Medium zu werden, sondern meine Wahrnehmung auszuschalten, damit ich vollkommen normal wäre. Ich hatte mich gerade für die Schauspielschule angemeldet, weil ich mit 18 Jahren zu alt wurde, um weiter das Jugendmagazin bei Tele Basel zu moderieren.
Mein Hauptfokus lag dann auf der Schauspielschule, doch immer mal wieder, wenn es meine Zeit und das Geld zuließen, besuchte ich Seminare bei Andy oder bei anderen Lehrern. Während der Schauspielschule konnte ich bereits am Theater spielen und auch einige Filme und Werbung drehen. So verdiente ich mir immer wieder Geld, damit ich weitere Kurse besuchen konnte. Als die Schauspielschule dem Ende zuging, eröffnete ich nebenher einen Esoterikladen, damit ich ein zweites Standbein hatte. Mein Fokus verschob sich immer mehr auf die mediale Schule in der Schweiz.
So begann meine Ausbildung zum Medium. Im dritten Ausbildungsjahr starb dann mein Vater. Inzwischen war mein Esoterikladen eingegangen und ich verkaufte die Esoterikprodukte nur noch online. Nebenher arbeitete ich als Schauspieler oder oft in der Fabrik für Zügelunternehmen, um mich über Wasser zu halten und meine Ausbildung zu finanzieren. Zu der Zeit schrieb ich mein erstes Buch Leben in zwei Welten, das in der ursprünglichen Fassung ein Roman war und im Eigenverlag erschien. Doch das wird erst viel später wichtig.
Ein paar Wochen nachdem mein Vater starb, durfte ich einen Kontakt zu ihm bei einer intensiven Schulungswoche erleben. Diese Sitzung, die spontan im Unterricht stattfand, war für mich eine sehr tiefe heilende Erfahrung, sodass mir klar wurde: Ich möchte unbedingt Medium werden und den Menschen so helfen, wie mir dieser Jenseitskontakt geholfen hat! Nach der Woche kam ich heim, rief mein Schauspielmanagement an und teilte ihnen mit, dass ich nicht mehr als Schauspieler arbeiten werde. Meine Mutter und alle anderen waren geschockt, da ich ein paar Wochen vorher noch das Angebot bekam, bei GZSZ vorzusprechen. Aber für mich war in dem Moment klar, ich wollte kein Soap-Darsteller werden, ich wusste instinktiv, ich werde Medium. Ich investierte nun viel Zeit in meine Ausbildung, die ich mit Nebenjobs finanzierte. Nach einigen Jahren Ausbildung in der Schweiz begann ich, parallel in England am Arthur Findlay College zu studieren, damit schloss sich der Kreis und ich war dort, als mich die Medialität wirklich zu interessieren begann.
Damals war das Arthur Findlay College eine Eliteschule und man wurde zum Teil sehr streng unterrichtet, nicht zu vergleichen mit dem heutigen Unterricht. Es war oft lang, hart und auch der Umgang war nicht so liebevoll wie in der spirituellen Szene sonst. Aber für mich war es genau das Richtige. Ich begriff, wenn du ein Ziel hast, dann verfolge es hartnäckig und du wirst es weit bringen. Ich probierte, so oft wie möglich in England zu sein, und nebenher besuchte ich noch den Unterricht bei Andy in der Schweiz. Mein gesamtes Leben drehte sich nur ums Arbeiten und Weiterbilden. Nebenher betrieb ich noch meinen Onlineshop. Dort verkaufte ich auch mein Buch. Na ja, wirklich verkaufen konnte man es nicht nennen, ich bot es jedenfalls dort an.
Im Jahr 2006, ich war 26 Jahre alt, bestellte zufällig Sabine Giger mein Buch, sie ist die Verlegerin des Giger Verlags. Eigentlich war sie nur auf der Suche nach einem Onlineshop, der esoterische Bücher anbot. Das gab es damals kaum, im Gegensatz zu heute. Als die Bestellung hereinkam, freute ich mich, dass ein Verlag mein Buch bestellte. Später beim Abwasch mit meiner Mutter erzählte ich ihr: »Ein Verlag hat mein Buch gekauft, ich werde einer der bekanntesten Autoren im deutschsprachigen Raum! Mama, glaube mir, ich werde das bekannteste Medium!«
Meine Mutter schaute mich nur an und meinte: »Sohn, alles ist möglich, aber bevor es so weit ist, wasche weiter ab und erledige deine Arbeit.« Natürlich war es nur als Witz gedacht, aber heute, wenn ich zurückschaue, zwölf Jahre später, muss ich sagen, ich hatte wohl recht.
Zwei Tage später rief mich Frau Giger an und meinte: »Leben in zwei Welten ist zwar ein Roman, aber das ist doch deine Lebensgeschichte, oder?« Ich war erstaunt, dass sie das merkte, und meinte: »Zum Großteil ja, natürlich mit den Ausschmückungen eines Romans.«
»Warum bringst du das Buch nicht als Biografie heraus und erzählst allen deine wirkliche Geschichte? Ich würde es publizieren.« Ich war aufgeregt, überlegte nicht lange, schrieb das Buch um und sagte zu. Es kam im April 2007 auf den Markt – und wurde am Anfang ein Flop! Das weiß bis heute fast niemand. Keine Buchhandlung interessierte sich dafür und niemand wollte den Jungen sehen, der mit Toten in Kontakt treten kann.
Im September 2007 hatte der Giger Verlag eine Veranstaltung mit anderen Referenten und ich durfte die Pause füllen mit einem Zehn-Minuten-Beitrag über mein Buch. Später hat mir Sabine dann erklärt: »Ich dachte, es fällt dir schwer, in der Öffentlichkeit zu sprechen, weil du so unsicher wirkst und so jung. Deswegen haben wir dich einfach dazwischengeschoben.« Ich konnte sie verstehen, damals war ich im Leben wirklich sehr unsicher, auf der Bühne jedoch war ich schon immer eine Rampensau und das zeigte ich in den zehn Minuten. Ich erzählte auch nicht groß über mein Buch, sondern demonstrierte einer Frau im Publikum einen Jenseitskontakt zu ihrer verstorbenen Mutter. Die Leute waren begeistert, weil sie so etwas noch nie gesehen hatten. Ich signierte dort meine ersten Bücher. Aufgrund einer Weiterbildung in England musste ich am nächsten Tag zum Flughafen und stellte mein Handy aus.
Ein paar Wochen später, als ich mein Handy wieder einschaltete, sah ich mehrere Anrufversuche in Abwesenheit, auch einige vom Verlag. Ich entschloss mich, zurückzurufen: »Hey, ihr habt mich gesucht.«
»Wo bist du?«
»In England, in der Schule. Aber ich komme jetzt zurück, habe kein Geld mehr.«
»Darüber brauchst du dir keine Gedanken mehr zu machen, dein Buch wurde ein Bestseller. Mich rufen ständig Leute an und wollen dich für Privatsitzungen buchen und für Events, auch die Presse hat großes Interesse. Ich habe einfach mal gebucht für dich, hoffe, das ist okay?«
»Klar, absolut, ich bin morgen in der Schweiz, dann rufe ich dich an.« Wenn ich ehrlich bin, dachte ich damals: »Bitte keinen Stress wegen der vier bis sieben Leute, die eine Privatsitzung wollen.« Ich wusste nicht, dass mein Buch das erste wirkliche Esoterikbuch war, das es in die Bestsellerliste der Schweiz schaffte, und vor allem nicht, dass ich bis Ende 2008 ausgebucht war mit Einzelberatungen. Ich kam in die Schweiz zurück und war auf einmal ein gefragtes Medium. Ich konnte plötzlich Events geben, wurde eingeladen für Vorträge, Fernsehen, Radio und Zeitung und bald kannte mich in der Schweiz jeder in der spirituellen Szene.
Nebenher schrieb ich mein zweites Buch: Nachricht aus dem Jenseits, auch dieses Buch wurde ein Bestseller, obschon mir alle prophezeit hatten, ich würde nie wieder einen schreiben. Das wäre einfach nur Glück gewesen. Na ja, nach elf Jahren, elf Büchern und elf Bestsellern muss ich mir das wenigstens nicht mehr anhören. Doch damals glaubte es keiner. Eigentlich war es mir egal, ich wollte einfach jedem zeigen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, und von einem Tag auf den anderen hatte sich für mich alles geändert. Rückblickend darf ich die Zeit der Ausbildung und all der Arbeit an mir selbst nicht vergessen. Selbst in den ersten Jahren, schon als bekanntes Medium fuhr ich immer noch nach England und besuchte Weiterbildungen.
So viel als kurze Zusammenfassung, wie mein Anfang war, damit du mich besser verstehen kannst. In der Presse wurde es oft so hingestellt, als wäre ich über Nacht erfolgreich geworden. Das stimmt, aber all die Arbeit Jahre zuvor, all die Zweifel und die Zeit, die ich in mich und meine Ausbildung gesteckt habe, werden oft vergessen. Auch wenn ich heute mit 38 Jahren in der Szene meine Anerkennung gefunden habe, war es früher anders. Damals habe ich sehr oft an mir und meiner Wahrnehmung gezweifelt. Nur durch die intensive Zeit der Ausbildung wuchs das Vertrauen in mich und meine Wahrnehmung. Ich wünsche dir, mein lieber Leser, falls du Dinge wahrnimmst, die andere nicht wahrnehmen, und deshalb an dir zweifelst, höre auf damit, die geistige Welt ist real. Deine Wahrnehmung ist real, es lohnt sich, Zeit in deine Entwicklung zu stecken, damit du dich selbst findest und deinen Weg gehen kannst.
Spiritualität, Medialität und Sensitivität
Spiritualität
Medialität und Spiritualität sind zwei komplett verschiedene Dinge. Mir fällt auf, dass es oft nicht unterschieden wird. Ein Medium zu sein, muss nicht immer heißen, dass man spirituell ist. Aber leider glauben das viele, ja sogar selbst etliche Medien. Ob du aber dein mediales Talent für »Gutes« oder »Schlechtes« benutzt, ist immer von der Person mit dem Talent abhängig. Schon im Zweiten Weltkrieg haben Hellseher zum Beispiel Adolf Hitler im Krieg unterstützt. Da würde heute wohl keiner mehr behaupten, dass das eine von Liebe geprägte Aufgabe war. Was ich damit sagen möchte, ist, selbst wenn man noch so medial ist, heißt das noch lange nicht, dass man spirituell (beziehungsweise ein guter Mensch) ist, natürlich auch umgekehrt. Ich durfte viele spirituelle Menschen kennenlernen, die nicht medial veranlagt waren, und viele, die nicht einmal wussten, dass sie spirituell sehr weit fortgeschritten waren. Außerdem traf ich Menschen, die glaubten, sehr spirituell zu sein, und in Wirklichkeit nur dem spirituellen Hochmut verfallen waren. Ich glaube, ein wahrer spiritueller Mensch würde nie von sich behaupten, er sei spirituell.
Am Anfang meiner Ausbildung haben uns die Lehrer an der medialen Schule immer wieder gesagt, wie wichtig es sei, eine spirituelle Einstellung zu haben. Wie wichtig es sei, an seiner Persönlichkeit zu arbeiten. Ich habe das damals unterschätzt. Mir war wichtiger, meine medialen Fähigkeiten bis ins kleinste Detail zu entwickeln. Ein gutes Medium musste meiner Meinung nach vor allem präzise Informationen geben und viele Details und Fakten liefern können. Das ist auch heute noch meine Einstellung, aber ich habe inzwischen etwas viel Wichtigeres gelernt: Wenn ein Verstorbener durch mich spricht, dann ist es nicht nur wichtig, viele Fakten und Details aus seinem Leben an den Klienten weiterzugeben, sondern vor allem auch die Liebe und die Heilung, die er für seine Hinterbliebenen mitbringt.
Die Frage ist natürlich, was heißt »spirituell sein« überhaupt? Heute ist der Ausdruck »spirituell« sehr gebräuchlich und wird, meiner Meinung nach, auch missbraucht oder missverstanden. Früher nannten sich alle, die etwas auf sich hielten, Esoteriker. Irgendwann war das Wort nicht mehr aussagekräftig genug, es musste etwas Neues her und so kam das Wort »spirituell« auf. Ich glaube, dass man Spiritualität nicht mit dem Verstand verstehen kann, sondern nur mit dem Herzen, und bin der Überzeugung, dass man nicht auf einem spirituellen Weg sein kann. Spiritualität ist etwas Persönliches und kann nur von jedem selbst entdeckt werden.
Für mich ist Spiritualität in allem, was IST, Gott zu sehen oder zu erkennen. Spiritualität heißt, sich Gott oder der göttlichen Energie hinzugeben und seinen eigenen göttlichen Kern zu finden oder besser gesagt anzuerkennen. Darin sieht man schon, dass Spiritualität und Medialität – was vereinfacht heißt, mit der geistigen Welt zu kommunizieren – zwei völlig unterschiedliche Dinge sind. Dennoch ist Spiritualität kein Weg zu Gott, denn zu Gott führen keine Wege, Gott IST. Es führen nur unzählige Wege von Gott weg. Wenn man Gott in allem und auch in sich selbst das Göttliche erkennt, ebenso natürlich in jedem Menschen, dann ist man spirituell. Wer Gott erreichen möchte, muss still werden, still stehen, aufhören, irgendeinen Weg zu gehen, er muss einfach in sich ruhen. Da Gott überall ist, können wir ihm auch nur hier und jetzt begegnen. Einem spirituellen Menschen geht es nicht darum, spirituell zu sein, sondern bei Gott zu sein.
Meiner Meinung nach gibt es keinen richtigen Weg, der zu Gott führt. Es gibt auch keine spirituellen Praktiken, die Erfolg versprechen und dich Gott finden lassen. Alles und jeder Weg ist der richtige, wenn du dabei Gott erkennen kannst. Hör auf, Gott zu suchen, sondern gehe in dein Herz und begrüße ihn. Habe Mut, das zu sein, was du in Wirklichkeit bist. Höre auf, einen besonderen Lebenswandel zu verfolgen, spezielle Praktiken durchzuführen, lieb zu sein, nur um spirituell zu sein. Man kann echte Spiritualität nicht damit erkaufen. Gott lässt sich nicht finden oder durch vorgeschriebene Abläufe und Verhaltensweisen erkennen. Gott und Spiritualität kann man nicht mit dem Intellekt, dem Kopf verstehen, das bringt dich ihm nicht näher. Du kannst Gott nur erfahren. Hör auf, Spiritualität und Gott verstehen zu wollen, dabei verirrst du dich nur in intellektueller Selbstbefriedigung. Gott lässt sich nur in Liebe erfahren und bei allem, was dir begegnet.
Ich wünsche mir, dass für dich, mein lieber Leser, der Unterschied nach diesem Kapitel klar ist. Natürlich liegen Medialität und Spiritualität nahe beieinander, sie schließen sich nicht aus. Aber sie sind völlig unabhängig voneinander. Medialität gibt es auch ohne Spiritualität, ebenso umgekehrt.
Medialität versus Sensitivität
Wo ich gerade dabei bin, Begriffe zu erklären, möchte ich auch den Unterschied zwischen Medialität und Sensitivität darstellen. Im englischen Spiritismus wird klar zwischen beiden unterschieden. Hier in den deutschsprachigen Ländern Europas sind die Linien fließend, ich jedoch unterscheide auch zwischen beiden, meiner Meinung nach völlig verschiedenen Talenten:
–Medialität ist die Kommunikation oder die Fähigkeit, die geistige Welt oder Verstorbene wahrzunehmen. Ein Medium ist ein Vermittler zwischen geistiger Welt und Klienten.
–Sensitivität heißt, Informationen und Umstände von lebenden Personen oder Räumen/Orten zu empfangen und weiterzugeben. Das heißt, ein Sensitiver liest die Energie einer lebenden Person, eines Raumes oder Ortes. Er kann ohne Hilfsmittel arbeiten oder aber über die Aura, über Karten, Kristallkugeln, Bilder oder über einen Gegenstand des Klienten Bilder erhalten.
Ein Medium ist immer auch sensitiv, es muss die Energien eines Geistwesens und eines noch lebenden Menschen lesen können. Ein Sensitiver dagegen muss nicht zwingend talentiert sein, die geistige Welt wahrzunehmen. Es ist nur dieses kleine Detail, was diese beiden Talente unterscheidet, aber ein sehr wichtiges.
Ich arbeite als Medium und als Sensitiver (Aura-Reading), und für mich nutze ich dabei zwei völlig verschiedene Energien, die ich lese, um die Informationen zu erhalten. Die mediale Energie empfinde ich als eine sehr leichte und schnelle, während sich die sensitive viel schwerer und langsamer anfühlt. Ich sehe, wenn ich Medien oder sensitive Berater beobachte, ob sie medial oder sensitiv arbeiten. Man arbeitet dann mit einer anderen Energie und mit anderen Energiezentren (Chakren).
Das genauer zu erklären, würde jetzt zu weit führen und ist vielleicht für die meisten Leser nicht so interessant. Aber die Unterschiede zwischen Spiritualität, Medialität und Sensitivität sollte man unbedingt kennen. Wenn ich später über Spukgeschichten berichte, ist es wichtig, dass du den Unterschied verstanden hast.
Die Aufgabe eines Mediums
Noch einmal kurz zusammengefasst, was ist die Aufgabe eines Mediums? Im Grunde genommen leistet ein Medium (bei Jenseitskontakten) Trauerverarbeitung, es dient als Kanal zwischen Verstorbenem, Geistführer oder Engel. Sehr wichtig ist dabei, dass das Medium der Kanal zwischen dem Verstorbenen und dem Hinterbliebenen ist und so helfen kann, Dinge zu klären und Heilung in die Trauer fließen zu lassen, sodass der Hinterbliebene möglichst mit dem Verlust abschließen kann. Medien sind keine Lebensberater oder können in die Zukunft schauen. Ein Verstorbener ähnelt im Grunde noch sehr dem Bild, wie du ihn damals als Lebender kennengelernt hast. Das bedeutet, niemand würde wohl seine Oma fragen, ob man X oder Y heiraten soll, was man in seinem Beruf besser machen könnte etc. Natürlich kann man fragen, aber wenn die Oma keine Expertin auf dem Gebiet ist, dann würden die Antworten einfach die Meinung der Oma widerspiegeln.
Das darf man bei Jenseitskontakten nie vergessen. Der Verstorbene ist nicht plötzlich erleuchtet oder allwissend, nein, er hat immer noch ein ähnliches Bewusstsein wie als Lebender. Also wenn du berufliche Schwierigkeiten hast und der Verstorbene kein Experte in deinem Beruf war, ist er das auch jetzt nicht, und es ist nicht sinnvoll, deswegen zum Medium zu gehen. Beim Medium sind die Menschen richtig, die unter der Trauer leiden, die offene Fragen zwischen sich und dem Verstorbenen haben oder einfach wissen wollen, ob es dem Verstorbenen gut geht. Für Lebensprobleme wie Beruf, Partnerschaft oder Ähnliches wäre eine sensitive Beratung sinnvoller. Auch die Engel oder Geistführer können da nicht helfen, weil es ihnen eher um die persönliche spirituelle Entwicklung geht. Ihnen ist es relativ egal, was du arbeitest, solange du glücklich dabei bist und es sinnvoll für deine persönliche Entwicklung ist.
Ich hoffe, mir ist es gelungen, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen.
Existiert eine Hölle oder eine Zwischenwelt?
Nach über elf Jahren meiner Arbeit wird mir diese Frage immer noch gestellt. Gibt es eine Hölle, ist mein Kind dort oder ist es gefangen in der Zwischenwelt oder Astralebene?
Mich haben solche Fragen immer geschockt und ganz ehrlich, kurz und bündig, ich sah noch nie einen Verstorbenen, der in der Hölle ist, war oder geschweige denn in einer Zwischenwelt oder in irgendeiner Astralebene gefangen, oder was sich gewisse Kollegen noch so alles einfallen lassen. Aber genau weil ich immer offen sage, dass es das nicht gibt, bin ich bei gewissen Medien oder Spirituellen nicht gern gesehen. Natürlich bei all denen, die ihr Geld mit dieser Angst verdienen. Doch lass uns zuerst einmal betrachten, woher dieser Aberglaube kommt und ob vielleicht etwas Wahres daran ist?
Während der Ausbildung in England hat mich das niemand gefragt, jedenfalls niemand, der mit dem englischen Spiritismus aufgewachsen ist. Man darf den Spiritismus nicht mit der Spiritualität verwechseln. Der englische Spiritismus ist im Grunde eine Religion christlichen Ursprungs, nur besteht noch der Glaube an eine Reinkarnation und ein Leben nach dem Tod und ist nicht, wie bei unserem christlichen Glauben, herausgestrichen worden. Ursprünglich stand dieser Glaube nämlich auch in der Bibel und wurde gelehrt. Es gibt noch einige Stellen, die darauf hindeuten. So zum Beispiel als Jesus Johannes den Täufer fragt: »Bist du nicht Elias (Prophet Elias), der Wiedergekommene?« Warum fragt Jesus das Johannes, wenn es keine Wiedergeburt gibt? Ergibt wenig Sinn aus meiner Sicht.
Früher war die Ausbildung als Medium am Arthur Findlay College vor allem auch eine Priesterausbildung. Ein »Minister«, jemand, der die Ausbildung abgeschlossen hatte, durfte Gottesdienste, Beerdigungen, Taufen und Hochzeiten durchführen. Im Grunde sehr ähnlich, wie du es vielleicht aus deiner Kirche kennst.
Ich habe in England einige Beerdigungen miterlebt und auch bei ein paar mitgeholfen. Nie hatte jemand Angst, dass es dem Verstorbenen nicht gut geht oder dass er gar in der Hölle ist und ewige Qualen erdulden muss. Nur bei uns in der Schweiz, Österreich, Deutschland, Belgien, Polen, Luxemburg, Italien oder wo ich sonst noch hinreise, kommt diese Frage auf. Ebenso wie die nach der Zwischenwelt und ob man bestraft wird im Jenseits. Ich verstand diese Fragen nie, weil ich es anders wahrnahm, daher machte ich mich auf die Suche, woher dieser Irrglaube kommt und warum gewisse Kollegen so etwas behaupten. Dazu müssen wir einen Ausflug in die Bibel machen, um es genauer zu betrachten. Ich versuche mich kurz zu fassen, damit es möglichst nicht langweilig wird, weil ich weiß, dass für viele die Bibel ein rotes Tuch ist. Ich finde sie extrem spannend, mich interessieren vor allem die ursprünglichen Schriften, nicht das, was nachher alles zusammengeschrieben, gekürzt und angepasst wurde.
Wir müssen uns als Erstes bewusst machen, dass es die Hölle ursprünglich in der Bibel, so wie wir sie heute kennen, weder im Alten noch im Neuen Testament gab. Wenn du mir nicht glaubst, endlich hat sogar im März 2018 Papst Franziskus alle geschockt, als er verkündete, dass die Hölle nicht existiert und nur eine Metapher ist. Doch schauen wir auf die ganze Geschichte von Anfang an. Das Wort Hölle wurde erst im Mittelalter eingeführt, als man den Sündenablass beziehungsweise den »Ablass« eingeführt hat. Dazu benötigte es natürlich eine Hölle. Denn wer für seine Sünden nicht bezahlt hatte, konnte nicht ins Paradies gehen, sondern musste in die Hölle. Wer bezahlt hatte, hat sich im Grunde das Paradies gekauft. Natürlich gab es noch andere Methoden, um den Ablass der Sünden zu erhalten. So wurde jedem Kreuzritter, der in den Krieg zog gegen die Ungläubigen, das Paradies versprochen.
Na ja, lassen wir das, schauen wir uns die Bibel an. Im Alten Testament findet man ursprünglich das Wort »Scheol«, und das Wort »Hölle«, die deutsche Übersetzung von »Scheol«, kommt 31-mal vor. Scheol bezieht sich keinesfalls auf einen Ort eines ewig brennenden Feuers, sondern bezeichnet vielmehr den Ort oder Zustand der Toten. Dann wurde das Wort »Hades«, es kommt zehnmal in der Bibel vor, auch als Hölle übersetzt. Beide Wörter bedeuten jedoch eigentlich nicht das, was wir unter Hölle verstehen. Scheol und Hades sind die Ruhestätten der Toten, ein Ort der Zersetzung, der Zustand derjenigen, die gestorben oder vernichtet wurden. Es wurde nicht als ein Ort der Bestrafung verstanden, sondern vielmehr als die letzte Ruhestätte der gesamten Menschheit. Es gibt keine einzige Bibelstelle, in der sie für die Bestrafung nach der Auferstehung gebraucht wurden. Man hat diese Worte einfach in Hölle übersetzt und aus dem Ort, an dem die Toten ihre Ruhe finden, einen Ort der ewigen Qual gemacht. Dies alles nur, damit die Menschen gewillt waren, den Ablass oder anders für ihre Sünden zu bezahlen.
Das ist aus heutiger Sicht unverständlich. Heute würde jeder lachen, wenn der Priester für deine Sünden einen Ablass haben will. Kaum einer würde heute noch dafür bezahlen. Außer um Geld für die Kirche ging es damals auch darum, die Menschen durch die Angst vor der Verdammnis in der Hölle zu erziehen, nur Gutes zu tun und kein sündiges Leben zu führen. Die Grundidee war sicherlich nicht verkehrt, doch damit Geld abzupressen, ist immer fraglich. Vor allem finde ich es fraglich, wenn heute ein Medium einem Trauernden von der Hölle, Zwischenwelt oder Astralebene erzählt. Die gibt es ebenfalls nicht! Ein paar sehr »Geschäftstüchtige« haben sogar einfach das alte »Paradies-und Hölle-Prinzip« übernommen und sagen: »Leider ist die Seele noch nicht im Licht, aber für Betrag X räuchere ich »Oma« aus, öffne die Lichttore und rufe die Engel an, dann findet die Seele den Weg ins Licht.« Nichts anderes als moderner Sündenablass, wird da verkauft. Wer nicht für das Seelenwohl von Oma bezahlt beim Medium, ist schuld, wenn Oma in der Zwischenwelt leben muss und nicht ins Licht kann. Ganz ehrlich, das ist Schwachsinn! Es ist sogar ziemlich gemein, so mit Trauernden umzugehen. Einige glauben wahrscheinlich wirklich an das, was sie erzählen, weil sie es vielleicht so gelernt haben. Andere machen es sehr bewusst und spielen mit der Trauer der Hinterbliebenen.



