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Gleichzeitig sinkt die Glaubwürdigkeit der Politik. Den Regierenden wird immer weniger zugetraut, etwas gegen die vergrößerten gesellschaftlichen Spannungen und Spaltungen unternehmen zu können. Die Arbeitslosigkeit ist immer noch sehr hoch, die soziale Spaltung wächst, und für das Flüchtlingsproblem gibt es auch nach jahrelanger Krise keine wirkliche Lösung. Daher sehen sich viele Bürger nach Alternativen um. Das führt sogar dazu, dass bisher unumstrittene Positionen langsam verblassen, auch der allerorts beschworene Anti-Faschismus.
Auch die rasanten Veränderungen der Weltpolitik überfordern viele Menschen. Früher gab es einen West- und einen Ostblock. Der Bevölkerung war klar, die Türken leben generell in ärmeren Verhältnissen, darum kommen sie zu uns als Gastarbeiter. Die Gründe für diese Zuwanderung waren deutlich. In unserer heutigen global vernetzten Welt ist aber die Verunsicherung groß, etwa was die aktuelle Syrien-Krise betrifft: Welche Rolle spielt Russland? Welche Rolle spielt der amerikanische Imperialismus? Welche Rolle spielen arabische Gruppierungen? Wer sind diese Menschen, die zu uns nach Österreich kommen? Sind das leidende Opfer oder bösartige Terroristen? Eines verstehen die Leute aber schon: Offensichtlich gibt es keine Ordnungsmacht, die diese Probleme lösen und dafür sorgen kann, dass Syrer und Iraker nicht mehr in Massen nach Europa strömen.
Wir sind in Europa natürlich nicht die Einzigen, für die die Welt kompliziert geworden ist. Ich habe einen pakistanischen Freund, der teilweise in Wien lebt. Seine Schwester ist Universitätsdozentin in Lahore. Sie beschäftigt sich dort mit Feminismus. Ihr wurde nahegelegt, entweder ihr Thema zu ändern oder die Universität zu verlassen. Das brachte uns auf die generellen Verhältnisse in Pakistan. »Welche der beiden islamischen Glaubensrichtungen hat momentan das Sagen in Pakistan? Sunniten oder Schiiten?«, wollte ich wissen. »In letzter Zeit geben die Wahabiten den Ton an.« Das Leben wird in allen Ecken der Welt komplexer. Das Gefühl, dass es niemanden gibt, der die großen internationalen Probleme in den Griff bekommt, verstärkt die Ohnmacht der Bürger. Die Amerikaner versuchten in den letzten Jahrzehnten wiederholt, Weltpolizei zu spielen, nur richteten sie leider oft damit mehr Schaden an, als sie halfen. Ich erinnere mich daran, dass George Bush meinte, die amerikanischen Soldaten müssen im Irak eingreifen und die Demokratie herbeiführen. Das war lachhaft und zeugte von einem Intelligenzdefizit.
Die Welt wird physisch enger. Früher wäre die Syrien-Krise weit weg, heute kommt sie in Form von tausenden Flüchtlingen direkt zu uns. Es ist nicht absehbar, dass das in nächster Zeit aufhören wird.
Im Gegenteil, allein durch die Klimaerwärmung wird die Zahl afrikanischer Flüchtlinge weiter steigen. Die Menschen dort verlieren ihre Lebensgrundlage und ziehen in Richtung Norden oder Süden. In Südafrika gibt es immer wieder Gewalttaten gegen Nigerianer und andere Einwanderer. Im Libanon leben zwei Millionen Flüchtlinge, mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Das registrieren wir in Europa kaum, wir diskutieren über eine Obergrenze von einigen Tausend Flüchtlingen.
Wir können es uns nicht mehr leisten, so zu tun, als würde das ganze Chaos uns nichts angehen. Die überforderten Bürger der westlichen Welt wünschen sich einen Zaun oder eine Mauer, um nur ja die Probleme draußen zu halten: Das Kind, das nicht entdeckt werden will, schließt die Augen. Das ist die Grundeinstellung: Ich will gar nichts hören oder sehen, dann geht es mich nichts an. Das ist eine Illusion.
Es geht uns sehr wohl an, was am anderen Ende der Welt passiert. Wenn die Arbeitsbedingungen in einem asiatischen Land so schlecht sind, dass Arbeitskräfte für einen Euro am Tag arbeiten müssen, betrifft uns das direkt. Denn gerade als schlecht ausgebildeter Arbeiter konkurriert man heute nicht mehr bloß mit den anderen inländischen Arbeitskräften, man steht in direkter Konkurrenz zum Arbeiter in Indonesien. Wenn es sich für eine Firma rechnet, ihre Produktion nach Asien zu verlegen, ist der Arbeitsplatz in Österreich Geschichte. Selbst gut ausgebildete Leute betrifft das: Chinesische und japanische Fachkräfte konkurrieren mit gut ausgebildeten Europäern um die gleichen Jobs. Wir können uns nicht abschotten. Dazu kommt, dass die Erdbevölkerung heute so schnell wächst wie noch nie. Früher wuchs sie jährlich im Promillebereich, heute pro Sekunde um 2,5 Personen. Heute sind wir bei 7,47 Milliarden Menschen, 2050 werden es 9,6 Milliarden sein.
Dazu kommt: Die Medienberichte aus den Krisenzentren der Welt sind auch von Interessierten schwer zu überprüfen. Nach Europa kommen derzeit viele Menschen aus Syrien, dem Irak, aus Afghanistan, früher aus Tschetschenien, demnächst wohl verstärkt aus Afrika. Die Schlepper sind eine eigene Wirtschaftsbranche geworden. Viele Menschen, mich eingeschlossen, verstehen nicht, warum man sie nicht wirksamer bekämpfen kann.
Drei Widersprüche in diesem Zusammenhang: Human betriebene Flüchtlingszentren außerhalb Europas würden viel helfen, ebenso wirtschaftliche Investitionen. Besonders wichtig dafür wäre Libyen – aber das ist ein Land, das durch seine Instabilität für eine solche Zusammenarbeit derzeit ungeeignet erscheint. Vermutlich noch länger, trotz aller französischer Vermittlungsversuche.
Oder: NGOS wie »Ärzte ohne Grenzen« werden von vielen Menschen bewundert, sie wollen Flüchtlingen mit viel privatem Einsatz und Risiko helfen. Aber Kritiker werfen ihnen vor, sie würden eigentlich den Schleppern in die Hände arbeiten.
Oder: Wir wollen Kriegsflüchtlingen, die vor Bomben, Islamisten und Giftgas-Angriffen fliehen und ihr Heimatland verlassen müssen, helfen. Aber daneben gibt es auch Wirtschaftsflüchtlinge. Man muss ihre Motive natürlich respektieren – aber auch die Bedenken vieler Europäer, für so viele Zuwanderer nicht genügend Platz zu haben, nicht nur im örtlichen, sondern auch im kulturellen Sinn.
Verwirrend auch die direkten Kriegsmeldungen. Donald Trump ordert als Reaktion auf einen Giftgas-Angriff einen Luftschlag in Syrien an. Kritiker wiederum meinen, er verfolge in dieser Region ganz andere Ziele, jedenfalls auch Waffenverkäufe in großem Stil nach Saudi-Arabien. Dem dortigen feudalistischen Wahhabiten-Regime verspricht er Unterstützung gegen das neue »Reich des Bösen«, den Iran, obwohl dort gerade in einer vergleichsweise demokratischen Wahl ein relativ gemäßigter Präsident gekürt worden ist.
Russland wiederum unterstützt den syrischen Machthaber Assad, möchte aber keine direkte Konfrontation mit den USA. Europa will wie die USA Assad gestürzt sehen, obwohl die Europäer lange Zeit mit ihm ähnlich kooperiert haben wie mit jenen Diktatoren, die im Zuge des Arabischen Frühlings gestürzt wurden. Bekanntlich folgten dann meist nicht Demokratien, sondern chaotische Zustände mit starken islamistischen Kräften.
Ähnlich wie gegen Gaddafi oder zuvor gegen Saddam Hussein unterstützen einzelne europäische Staaten und die USA die Rebellen in Syrien und tragen damit erst recht zum Chaos bei. Dort gibt es neben dem nun zurückgedrängten Islamistischen Staat und den Truppen Assads bis zu zwanzig verschiedene Gruppierungen, von denen etliche untereinander heftig zerstritten sind, weil – nicht nur in dieser Region – ein heftiger innerislamischer Religionskrieg zwischen Sunniten und Schiiten tobt. Er ist von den fatalen Konsequenzen her höchstens noch vergleichbar mit dem innerchristlichen Zwist nach der Reformation, der unter anderem zum Dreißigjährigen Krieg führte.
Wer bitte soll da noch den Überblick bewahren? Die Welt ist eben viel komplizierter als früher. Es gibt mehrere politische, wirtschaftliche und militärische Machtzentren neben den früheren zwei. Die USA sind vielleicht militärisch noch die einzige Supermacht der Welt, wirtschaftlich sind ihnen in Asien und Europa längst ebenbürtige Konkurrenten entstanden. Und Russland sehnt sich unter Putin merkbar nach früherem Einfluss. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten internationaler Organisationen wie der UNO oder auch der EU begrenzt. Der Politik insgesamt stehen weniger Instrumente zur Verfügung, während die Lösung der Probleme immer komplizierter wird, speziell auf internationaler Ebene.
Dabei sind die Erwartungshaltungen vieler Menschen die gleichen geblieben. Wenn sich Lösungen gar nicht finden lassen, zu lange brauchen oder zu kompliziert sind, dann denken sie: Dann machen wir es eben selber. Das kann zu krassen Formen von Respektlosigkeit führen gegen alles, das anders ist. Und zu einem Nationalismus, der stets die Gefahr von unversöhnlichen Zwistigkeiten und Kriegen in sich birgt und gerade auf unserem Kontinent zu zwei großen Weltkriegen geführt hat.
ÜBERFORDERUNG IN DER DIGITALISIERTEN WELT
Nicht nur Krisen, Konflikte oder Kriege beunruhigen, verwirren und können damit auch ein respektvolles Miteinander stören, auch die abrupten Veränderungen im privaten, alltäglichen Bereich tun das, obwohl sie auch viele Erleichterungen und Chancen bieten. Beispielsweise die Digitalisierung. Wir alle benutzen gerne unsere Mobiltelefone, denn sie machen unser Leben einfacher. Gleichzeitig sind damit aber auch Überwachungsmöglichkeiten verbunden, die viele Menschen ebenso verunsichern wie die Neuartigkeit anderer digitaler Entwicklungen.
Schon ein einfacher Bankbesuch kann eine komplizierte Angelegenheit sein. Man muss sich die lange IBAN und die BIC-Nummer merken, und für jedes neue Gerät, das erfunden wird, gleich einen PIN-Code. Viele Menschen kommen mit den Neuerungen nicht mit oder wollen gar nicht mitkommen. Besonders Menschen über 60, die nicht beruflich dazu gezwungen sind, einigermaßen mit der digitalen Revolution schrittzuhalten, bleiben auf der Strecke.
Dazu verändert sich auch die Sprache. Bei größeren Firmen reden Führungspersonen in einer Sprache, gegen die im Vergleich sogar die Sprache der Politiker noch nahe an den Menschen ist. Viele technische Neuerungen werden bereits in einer Fachsprache geschildert, die viele ratlos zurücklässt.
Ich war selbst einmal bei einem Interview über wirtschaftliche Themen, bei dem ich nach einigen Minuten fragen musste: »Hören Sie, können Sie mir das bitte in zwei Sätzen ausdeutschen, was Sie mir da in Ihrem Fachchinesisch erzählt haben?« Vielen Experten fällt es oft gar nicht auf, dass sie sich gegenüber den meisten anderen Menschen gar nicht mehr verständlich artikulieren können.
Für viele Menschen ist die Zeit, in der sie einen Fernseher kaufen, anschließen und in Betrieb nehmen konnten wegen der technischen Herausforderungen, die ein neues Gerät an sie stellt, längst vorbei. Unlängst wurde dann auch noch das analoge Fernsehen abgeschafft, jeder bekam eine Digital-Box, und jetzt stellt der Kabelbetreiber UPC sein Programm neuerlich um, und wer das volle Programm empfangen will, braucht eine dritte Box. Die muss man wieder richtig einstellen. Selbst einige McDonald’s-Filialen haben schon das Bestellen bei Menschen abgeschafft. Früher ging man zu einer Kassa, sagte, was man wollte, bezahlte, und währenddessen kam das Gewünschte. In einigen Filialen geht es mit Bestellvorgängen an einem Automaten inzwischen schon zu wie beim Einchecken am Flughafen.
Dabei ist es bei uns noch besser als anderswo auf der Welt. In den USA sind diese Probleme noch größer. Als ich das letzte Mal dort war, wollte ich mit der Eisenbahn von New York nach Washington fahren. Das war der reinste Spießrutenlauf. Ich hatte dabei nie mit Menschen zu tun. Bei einem Automaten bekam ich nach Bezahlung einen Schein, natürlich nur mit Kreditkartenzahlung, Bargeld wurde nicht genommen. Mit diesem Schein musste ich zu einem anderen Automaten, um dort die Einstiegskarte zu erhalten. Mit der Einstiegskarte musste ich dann noch durch zwei elektronisch gesteuerte Schranken, bevor ich den Zug überhaupt sah. Ich war ein wenig verloren. Meine Englischkenntnisse sind wirklich nicht schlecht, aber die Hinweise auf diesen Automaten konnten alles bedeuten. Zum Glück stand zufällig ein uniformierter Angestellter in der Halle, der mir schließlich half.
Diese scheinbare Unterordnung unter Maschinen verstärkt das Gefühl vieler Menschen, in einer chaotischen, unübersichtlichen Welt zu leben. Das verunsichernde Gefühl der Überforderung kann sie aggressiv machen, respektlos und feindselig gegenüber allem Neuen und allen Anderen. Tenor vieler Beschwerden: »Jeden Tag müssen wir etwas Neues lernen, und trotzdem übernehmen scheinbar die Maschinen allmählich die Macht.« Überall an den modernen gesellschaftlichen Schnittstellen, in den Banken, auf den Flughäfen, ersetzt die Interaktion mit Maschinen die zwischen Menschen. Und Wissenschaftler arbeiten schon längst an der Entwicklung der »künstlichen Intelligenz«: Maschinen sollen eigenständig selbst Maschinen entwickeln. Noch ist es nicht gelungen, menschliche Verstandesleistungen als Ganzes mit Maschinen nachzuvollziehen, die Forschung konzentriert sich auf Teilbereiche, auch um weitere Arbeitserleichterungen für die Menschen zu schaffen. Aber auch positive Aspekte – Roboter übernehmen in Japan sogar Hilfsdienste in Krankenhäusern – überwinden nicht die Skepsis von überforderten, weil zu wenig informierten Menschen.
Nun ist es weder die Aufgabe der Banken noch der Flughäfen, weder der Finanzwelt noch der Industrie, ein Orientierungssystem für diese neue Welt zu schaffen. Das ist vielmehr Aufgabe der Politik. Kommt sie dieser Aufgabe nicht nach, verschuldet sie politische Instabilität und verstärkt zudem die Kluft zwischen den Generationen. Die Jüngeren haben nämlich viel mehr Möglichkeiten, mit der neuen Sprache und den neuen Verhaltensmustern mitzukommen. Währenddessen geraten viele Ältere an die Grenze zum digitalen Analphabetismus. Ein Problem, das ernster ist, als viele denken: Hier geht es um einen zentralen Zusammenhalt der Gesellschaft.
Man müsste sich im Detail ansehen, wo welche Menschen in dieser Entwicklungsphase stehen und sie mit unterstützenden Erklärungen abholen. Im Fall der Banken zum Beispiel würde das eine engere Zusammenarbeit zwischen ihnen und der Politik bedingen. Andernfalls werden die Überforderten früher oder später Aggressionen entwickeln und sie auf die Politik projizieren. Zu Recht, denn wer sich mit einer Bank, einem Amt oder einem Flughafen nicht mehr auskennt, verliert das Gefühl von Geborgenheit in seiner eigenen Heimat.
Zur Verunsicherung trägt neben der digitalen Revolution auch das Verschwinden gemeinschaftlicher Institutionen bei. Am Land zum Beispiel werden nicht nur Schulen und Kindergärten geschlossen, auch Postämter, Trafiken, kleine Geschäfte, ehemals Kumulations- und Kommunikationspunkte des öffentlichen Lebens, lösen sich auf. Es gibt in dieser Hinsicht immer weniger Orte, an denen sich die Menschen geborgen fühlen können, immer weniger soziale Netze und Treffpunkte.
Vor 50 Jahren gab es im und am Lande den Schuster, den Kaufmann, die eine Partei und die andere Partei. Heute fühlen sich die meisten Menschen mit den viel komplizierteren Zusammenhängen schlicht überfordert. Die Kapitalisierung und das als notwendig erachtete Profitdenken bringen unglaubliche Wandlungen mit sich.
Überall in Österreich werden Bank- und Postfilialen zugesperrt, die Infrastruktur leidet. Als Helmut Mödlhammer von der Leitung des Gemeindebundes zurücktrat, nannte er diesen ländlichen Mangel an Infrastruktur das größte Problem vieler Gemeinden. Der Bankomat in einem kleinen Ort rentiert sich für eine Bank nicht, es wird zu wenig Geld abgehoben, also wird er abgezogen. Die Bank spart Geld, aber die Bewohner haben auf einmal keine einfache Möglichkeit mehr, an Bargeld zu gelangen. Dann vertröstet man diese Menschen, sie sollen doch einfach Telebanking verwenden. Im Prinzip richtig, aber für viele, die gar keinen Computer haben oder das Handy nicht entsprechend bedienen können, keine wirkliche Lösung. Es gibt ländliche Gegenden, in denen man eine halbe Stunde mit dem Auto fahren muss, um zu einem Bankomaten zu kommen.
Was zur nächsten Furcht beiträgt: die Abschaffung des Bargeldes an sich. Oder zur gänzlichen Abschaffung der Bankfilialen. Vor Kurzem haben wir einen Brief von der Wäscherei erhalten, in der unsere Vorhänge gereinigt werden: Künftig würden keine Zahlscheine mehr verschickt, man müsse per Online-Banking bezahlen. Am nächsten Tag kam ein Brief unserer Hausbank: Beim Gebrauch der Bankomat- und Kreditkarten wird wieder irgendeine Änderung durchgeführt. Der Brief beinhaltet ein ganzes Feuerwerk an technischen Ausdrücken ohne wirkliche Erklärung. Wer damit beruflich nichts zu tun hat, hat es schwer.
Die treibende Kraft hinter solchen Rationalisierungen ist der Wunsch, Kosten einzusparen, vornehmlich beim Personal. Konzerne, die wirtschaftlich agieren, werden immer so vorgehen. Das wird die Politik nicht aufhalten können. Es geht aber darum, die Begleiterscheinungen besser zu gestalten und zu erklären. Es wird bald so weit kommen, dass jeder Mensch verpflichtet ist, einen Computer daheim zu haben. Es gibt aber genügend Menschen, die keine Internetanschlüsse haben und auch gar keine wollen. Die Politik muss sicherstellen, dass auch für sie gesorgt ist. Sonst lässt sie den Menschen nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie passen sich den immer kürzer werdenden Innovationsfristen an, oder sie gehen unter.
Denn in der heutigen globalisierten Welt geht es immer schneller, rasanter, fordernder zu. Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Kommunikation haben für alle Menschen eine ungeheuer rasante Entwicklung genommen. Die technologischen Errungenschaften in den Bereichen Kommunikation und Transport haben die Welt und die Weltwirtschaft zum globalen Dorf vernetzt. Diese Umbrüche bringen Chancen für sozialen, demokratischen, ökologischen und wirtschaftlichen Fortschritt zum Wohl aller mit sich. Die Öffnung von Grenzen und Märkten, die Digitalisierung mit ihren gigantischen Möglichkeiten, die Roboterisierung der Arbeitsprozesse, die Zeit und Raum übergreifende Kommunikation – das alles kann dazu beitragen, Hunger, Armut und Krankheit weltweit zu bekämpfen und Wohlstand zu mehren. Dieser Wandel wird die Art und Weise, wie wir arbeiten, wie wir wohnen, wie wir uns bewegen, wie wir insgesamt leben revolutionär verändern. Und diese Veränderungen werden nur eine Richtung kennen, die der Beschleunigung. Unser Verständnis muss es sein, positiv an diese Chancen heranzugehen. Die Zeit zurückzudrehen, die Uhren der Geschichte aufzuhalten, das wird nicht funktionieren.
Diese Umbrüche bringen eben auch Risiken mit sich: wachsende Ungleichheit nicht nur zwischen im materiellen Sinn Reicheren und Ärmeren, sondern auch zwischen Modernisierungsgewinnern und -verlierern, zwischen Wissenden und Wenigerwissenden, zwischen jenen, die sich den Folgen von Globalisierung und Digitalisierung stellen können und jenen, die das nicht tun (können).
Für viele Menschen stellt die global vernetzte Gesellschaft, in der wir heute leben, deswegen keine Chance, sondern eine Bedrohung dar. Es wäre verantwortungslos, sie darin zu bestärken, es geht aber sehr wohl darum, diese Ängste zu respektieren. Nur dann kann es gelingen, sie Zug um Zug aufzuweichen.
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