50 Dinge, die ein Oberösterreicher getan haben muss

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Einst wurde das Salz, das „weiße Gold“, auf der Traun verschifft, die dazu vom Hallstättersee aus geflutet wurde. Über Jahrhunderte war der zwölf Meter hohe Traunfall ein knochenbrecherisches Hindernis, das ab dem 16. Jahrhundert von den Flößern und Schiffsleuten über verwegene Holzkonstruktionen umschifft wurde. Diese stammten vom Wasserbauingenieur Thomas Seeauer aus Bad Goisern und galten damals als größte Ingenieurleistung Europas auf diesem Gebiet. Davor lud man um und überwand das kritische Stück auf dem Landweg.
1922 wurde das Kraftwerk Siebenbrunn errichtet, weshalb alte Wehranlagen und Brunnenhäuser im ansteigenden Wasser des Staubereichs verschwanden. Der alte Traunfall unterhalb davon ist noch heute von der Brücke aus erkennbar. In mehreren Wasserfällen donnerte die Traun parallel zum Ufer zwölf Meter in die Tiefe. Wo heute im klaren Quellwasser getaucht wird, kochte das Wasser in den Wasserfällen. Es fällt kaum mehr Traunwasser in den Fall, sondern fließt über einen Kanal einige hundert Meter flussabwärts zum Traunfallkraftwerk von 1902. Dies ist in etwa der Weg, den wagemutige Flößer auf ihrer Schussfahrt einst nahmen. Jetzt schlängeln sich Taucher und Schnorchler durch das rauschende, glucksende und tosende Naturparadies, das sich seit dem Bau einer Kläranlage Ende der 1980er Jahre wieder glasklar präsentiert.

Die fantastische Unterwasserwelt der Traun
Oberhalb und unterhalb der Traunfälle wird auch geschnorchelt. So eine Tour erfordert durchaus ein wenig Mut, oft schon der Einstieg ins kristallklare Nass im „unteren Traunfall“, der über einen Sprung von einem Felsen erfolgt. Zum Teil gleitet man durch das Wasser, dann beginnt mit Stromschnellen eine wilde Fahrt, bei der schäumendes Wasser, Wirbel und Strudel das Adrenalin in die Höhe schnellen lassen. Kilometerlang kann man den Fluss und die Auenlandschaft rechts und links genießen. Von den Tauchlehrern wird man an den Einstiegspunkt gefahren und am Ausstieg wieder abgeholt. Die Guides kennen die Traun perfekt und wissen, wie man Engstellen und Stromschnellen gefahrlos meistert. Taucherbrille, Schnorchel, Flossen und ein Neoprenanzug gehören zur Ausrüstung – Letzterer sorgt dafür, dass man nicht auskühlt, Stöße auf der Reise durch das Wasser abgefedert werden und man sich wunderbar schwerelos fühlt. Schnorcheln im Fluss eignet sich auch schon für Kinder (ab acht). Die Traun ist nicht besonders kalt, in den Sommermonaten hat der Fluss 20 °C. Und weil selbst im Winter sehr gute Sichtverhältnisse herrschen, wird auch in der kalten Jahreszeit von und mit Profis getaucht.
Der Süden Oberösterreichs, vom Salzkammergut bis zur Enns, zählt zu den Geheimtipps in Sachen Fluss- und Bachtauchen. Auch Ager, Mondseeache, Weißenbachtal, Steyr und Enns sind Fließgewässer, die Taucher in ihren Bann ziehen.
INFO: Atlantis Qualidive, Franz und Ursula Pramendorfer
Tauchbasis: Viecht am Traunfall 10a, 4693 Desselbrunn

www.flusstauchen.at
Forellenzirkus in St. Ägidi
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Akrobatik im Mühlbach

In St. Ägidi springen Forellen durch einen Reifen
Alaba springt durch einen Reifen, Müller nimmt Anlauf und köpfelt den Ball ins Tor. Nein, die Rede ist nicht von Artisten oder Fußballern, sondern von Forellen. Seit 1947 betreibt die Familie Luger in St. Ägidi ihren österreichweit einzigartigen „Forellenzirkus“.
In St. Ägidi bei Engelhartszell im Sauwald fließt der Mühlbach an der alten Erledt-Mühle vorbei, die übrigens auch ein Museum über die Müllerei beherbergt. „Meine Mutter hat neben dem Bach immer ihre Wäsche aufgehängt und die Forellen gefüttert: Da sind sie dann bei ihr stehen geblieben“, erinnert sich Bernadette Sageder-Luger. Den Buben hätte die Mutter verboten, die zahmen Fische aus dem Bach zu holen. Die ersten Bande mit den sonst so scheuen Wassertieren waren geknüpft. Als in den 1950er Jahren das Kraftwerk Jochenstein gebaut wurde, kamen immer wieder Ingenieure vorbei, die dort im Einsatz waren. Sie entdeckten die zahmen Tiere, legten ihnen kleine Bälle auf eine Leiter über dem Wasser, von wo sie die Fische herunter schubsten. So kam die Idee auf, mehr daraus zu machen. Karl und Otto Luger – Vater und Onkel von Bernadette – begannen, die Forellen zu dressieren und schon bald war der „Forellenzirkus“ zur Attraktion geworden.
Heute sind es Bach- und Regenbogenforellen sowie Saiblinge, die den „Dompteuren“ gehorchen, insgesamt etwa zehn Tiere, die Fußball spielen oder durch Reifen springen. „Mein Mann Markus sagt immer, das sei unsere technische Abteilung“, meint Sageder lachend, „unsere sportlichen Angestellten.“ Eigentlich sind sie wohl noch ein bisschen mehr: Da treffen Tierliebe und die Freude daran, sich mit Tieren zu beschäftigen, auf fruchtbaren Boden: Die ganze Familie – federführend „Zirkusdirektor“ Markus Sageder und dessen Vater – ist leidenschaftlich dabei, erkennt jedes einzelne Tier an der Zeichnung und gibt den Fischen Namen zum Beispiel von Fußballern. Gehalten werden sie in einem abgegrenzten Bereich des Baches, Holzlatten sollen sie vor Raubvögeln schützen. Angelockt werden die Fische, die bis zu zehn Jahre alt werden können, mit Futter, nach und nach lernen sie ihre kleinen Kunststücke. Aber nicht jede Forelle und jeder Saibling ist geeignet. „Manche sind einfach zu scheu dafür“, weiß Luger. Begonnen wird mit dem Abrichten, wenn die Tiere etwa drei Jahre alt sind. Auch andere Wasserbewohner werden den Besuchern nahe gebracht: „Wir zeigen heimische Bach- und Steinkrebse“, erklärt Luger, leider seien die Tiere durch das Einsetzen von amerikanischen Flusskrebsen in heimische Gewässer in ihrem Bestand mehr und mehr dezimiert worden.
Nicht nur Fische haben bei den Lugers besondere Talente, auch Hähne neigen zur Akrobatik: „Meine Mutter beschäftigt sich mit ihnen und bringt sie mit viel Geduld so weit, dass sie sich auf den Kopf eines Menschen setzen und von dort aus in aller Ruhe die Umgebung betrachten“, erzählt Luger.
Die alte Mühle, die erstmals 1348 urkundlich erwähnt wurde und sich seit 1905 im Besitz der Familie Luger befindet, ist heute noch zu besichtigen, Wohnräume der einstigen Müllersfamilie zeigen viel vom Leben von einst. „Wir verfügen über eine Getreide- und eine Sägemühle mit venezianischem Sägegatter, eine Technik, die aus Venedig stammt und für die Herstellung von Schiffsbrettern verwendet wurde.“
Übrigens: Wenn Sie sich selbst in der Dressur von Hähnen versuchen möchten: In St. Ägidi sind die Artisten Sulmtaler- und Cochin-Hähne.
INFO: Forellenzirkus und Mühlenmuseum
Familie Sageder-Luger
Mühlbach 3, 4725 St. Ägidi

Öffnungszeiten:
April – Oktober (Di und So 10 – 12 und 14 – 17 Uhr und nach Voranmeldung)
Freistadt und sein Bier
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Bierbrauer für einen Tag

Braumeister Johannes Leitner (rechts)
Im Jahr 1770 taten sich die Freistädter Bürger zusammen, um außerhalb der Stadtmauern eine Brauerei zu bauen. Heute gibt es viele Freistädter Bier-Fans von Jung bis Alt, die nicht mehr auf den hopfig-anderen Gerstensaft aus Freistadt verzichten möchten. In der im Mai 2014 neu errichteten Seminarbrauerei im Braukeller kann sich jeder seinen ganz individuellen Gerstensaft zusammenbrauen.
Die Gruppe – maximal zehn Personen – trifft um neun Uhr zusammen und kürt zuerst einen Braumeister für einen Tag aus ihrer Mitte, denn einer muss ja schließlich das Kommando übernehmen. Noch wichtiger ist aber die Entscheidung, die dann folgt: Welches Bier wollen wir brauen? Soll es ein Weizenbock sein, ein Rauchbier, ein belgisches Fruchtbier oder doch lieber ein Imperial Stout? Elf verschiedene Bierstile – ein Querschnitt der gesamten Bierlandschaft – werden in Freistadt beim Selberbrauen angeboten: „Wir brauen dann aber kein Leichtbier, sondern eines, das Charakter hat und einen Tick stärker daherkommt“, sagt der echte Freistädter Braumeister Johannes Leitner.

Das Brauhaus in Freistadt
Beim Bierbrauen muss alles seine Richtigkeit haben. Das dokumentiert ein Schreiber aus der Gruppe, der Protokoll führt. Im Hintergrund überwacht ein erfahrener Brauer die Tätigkeiten, bei denen alles von Hand gemacht wird – so wie es eben früher beim Bierbrauen üblich war. Zunächst wird nach Rezeptur das Malz abgewogen und händisch in der Schrotmühle geschrotet. Dabei wechseln sich die Teilnehmer ab, denn das Kurbeln erweist sich als ganz schön schweißtreibend. „Das Bierbrauen soll ein Erlebnis sein, bei dem jeder Schritt von den Brauern selbst getan wird“, erklärt Leitner.
Auf das Schroten folgt das Maischen im Sudkessel. Hochwertiges Mühlviertler Urgesteinswasser wird mit dem Malzschrot vermischt und das Ganze mit einem riesigen Kochlöffel in Bewegung gehalten: „Rechtsdrehend, damit es eine gute Energie hat“, erklärt der Braumeister. Dabei durchläuft die Maische verschiedene Temperaturstufen: von 50 über 64 bis 78 Grad. Die Bierbrauer müssen genau und vor allem sauber arbeiten; die richtige Kochtemperatur muss immer wieder kontrolliert werden. Mit dem Schöpfer wird die Maische in den Läuterbottich geschöpft, wo mittels eines Siebbodens die flüssigen und festen Bestandteile getrennt werden. Flüssiges fängt die Sudpfanne auf. Die Flüssigkeit, auch Würze genannt, wird anschließend auf Kochtemperatur gebracht, dann ist sie bereit für den Hopfen, den die Freistädter von 36 Mühlviertler Hopfenbauern beziehen. „Das ist unser Gewürz“, sagt Leitner. „Jenes, mit dem wir uns von anderen Bieren abheben.“ Je nachdem, welches Bier gebraut wird, erfolgen zwei bis drei Hopfengaben. Nach dem Kochen muss wieder kurz gerührt werden, damit sich der Heißtrub am Boden absetzt. Zwischendurch holt ein „Lehrling“ aus der Gruppe ein kühles, frisches Bier.
Im Anschluss wird die Würze auf einem Kühlschiff auf zehn bis 20 °C heruntergekühlt. Mit der Zugabe der Hefe, dem sogenannten Anstellen, wird im Gärbottich die alkoholische Gärung eingeleitet. Damit ist die Arbeit der Bierbrauer für einen Tag vollendet. Nach einer Woche wird das Bier „geschlaucht“, also ins Fass abgefüllt. Danach beginnen die Nachgärung, Lagerung und Reifephase. Sechs Wochen später ist es so weit: 40 Liter Bier warten darauf, von den „Brauern“ abgeholt und endlich auch verkostet zu werden.
Als im 13. Jahrhundert nach einem geeigneten Ort zum Pferdewechseln gesucht wurde, wählte man den Platz, an dem sich jetzt Freistadt befindet: Um 1220 wurde die Stadt eine Tagesreise von Linz entfernt gegründet. 1363 wurde den Bürgern das Recht verliehen, Bier im eigenen Haus zu brauen und es dort auszuschenken. 1770 begann man, außerhalb der Stadtmauern ein Brauhaus zu bauen. Die brauberechtigten Bürger schlossen sich zur Braucommune zusammen. Die Einlagen bestanden aus Eimern (Eimer altes Biermaß, ca. 56 Liter), wobei das Gesamtvermögen von 6.390 Eimern auf 149 Brauinteressenten verteilt wurde. So sind auf jedem dieser Häuser mindestens 15 Eimer grundbücherlich sichergestellt, maximal darf man 140 Eimer besitzen. Die „Commune“ als Rechtsform einer Firma ist als solche im Firmenbuch eingetragen und gilt mittlerweile als letzte ihrer Art in ganz Europa.
Braumeister Leitner ist seit seiner Lehrzeit zum Brauer und Mälzer im Betrieb und ist bis heute überzeugt: „Ich habe den schönsten Beruf.“ Bei aller modernen Technik ist es dem Braumeister wichtig, „mit Herzblut, Hirn und Gefühl“ zu brauen. Beim Selberbrauen kann man ein paar Stunden in seine Welt eintauchen. Bierpausen zwischendurch, Mittagessen, Informatives über die verschiedenen Biere und Bierstile sowie eine Führung durch die Brauerei machen den Brautag zu einem runden Erlebnis.
Die Freistädter Brauerei hat ein fixes Sortiment mit Klassikern wie dem Ratsherren-Premium, zudem gibt es immer wieder Neues: etwa auch ein Jahrgangsbier. Fazit: Bier hat viele Facetten.
INFO: Braucommune
Brauhausstraße 2, 4240 Freistadt

Öffnungszeiten:
Einmal im Monat wird in Freistadt Bierbrauen angeboten. Man kann sich in der Bierakademie der Brauerei auch zum Biersommelier ausbilden lassen. Der Brauerei ist ein Gasthaus, das Brauhaus angeschlossen.
www.freistaedter-bier.at
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