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„Perdite ist tot,“ fiel Furia ihm ins Wort.
Hirlas konnte gerade noch einen Entsetzensschrei unterdrücken und tarnte sein Keuchen mit einem Husten. Mit dieser Wendung hätte er nie und nimmer gerechnet. Ihm war ganz schwindelig. Furia durfte nichts merken. Sicherheitshalber behielt er seinen Kopf unten.
„Was ist mit ihr geschehen? Ist sie im Kindbett gestorben?“
„Im Kindbett gestorben!? Was redest du da für Schwachsinn!?“
„Das ist kein Schwachsinn!“, fuhr Hirlas empört auf, besann sich aber sofort und senkte den Kopf noch tiefer.
Furia zog die Augenbrauen zusammen und schaute bedrohlich funkelnd auf ihn herab. Ihr fiel aber ein, dass Viviane noch nicht weit genug weg war und die war immerhin eine gute Freundin von Hirlas. Also senkte sie die Stimme zu einem, ihrer Meinung nach, angenehmen Tonfall.
„Rede und sage mir gefälligst, wie du auf derlei Gedanken kommst!“
Hirlas scharrte nervös mit den Zehen kleine Kieselsteine hin und her.
„Das ist so, hohe Herrin: Letztes Samhain war unser König Gort doch Gast bei deinem Vater, Naharrix, genau wie alle anderen Könige der Hermunduren. Und als er wieder zurückkam, hat er uns erzählt, Perdite hätte einen Krieger von Naharrix zum Mann erwählt.“
Furia schnaubte verächtlich.
„Wie kommt euer König darauf?“
„Nun, hohe Herrin, er hat sie gesehen … ich meine, König Gort hat Perdite und den Krieger gesehen, wie sie … äh … also … ich meine …“
Furia beendete das Gestammel mit einem herrischen Schlag durch die Luft.
„Ich weiß schon, was du damit sagen willst. Ja, Perdite hat sich mal wieder einen heißen Stein geholt, damit ihr Lager nicht abkühlt“, leierte Furia gelangweilt herunter. Verächtlich winkte sie ab, beugte sich ganz nah zu Hirlas und zischte: „Um es präzise zu sagen: Perdite dürfte jedes Lager eines Mannes, von den Thuringer Bergen bis Raino gewärmt haben. Dein älterer Bruder Naschu kann sicher ein Lied davon singen. Er würde in dem großen Chor gar nicht auffallen, denn mindestens …“ Furia schürzte die Lippen und sah sich in der Gegend um. „ … mindestens zehn Dutzend Männer müssten Klagelieder, vielleicht sogar Schmählieder auf Perdite singen, so ruchlos hat dieses Weibstück alle an der Nase herum geführt.“
Hirlas lief rot an vor Zorn, doch Furia seufzte übertrieben und beugte sich an sein Ohr, was ihm sofort das Blut zu den Füßen trieb.
„Und wenn mich nicht alles täuscht, hat sie auch genauso oft die Hilfe der Kräuterfrauen in Anspruch genommen, damit sie ohne Last von einen auf den anderen weiter hüpfen konnte, wie eine emsige Biene, die von Blume zu Blume schwirrt.“
Hirlas starrte sie ungläubig an, doch sie seufzte: „Armer Naschu! Ich hatte ihn vor ihr gewarnt, aber er wollte nicht auf mich hören! Tja, er war damals noch genauso grün hinter den Ohren wie du, Hirlas.“
Hirlas’ Fuß verharrte über einem Kiesel und kickte sein Blut wieder hochwärts. Sofort breitete sich eine sehr dunkle Zornesröte über sein Gesicht bis hin zu den Ohren. Fest ballte er seine Hände zu Fäusten und krampfte sie im schnellen Takt seines Herzens.
Furia betrachtete seine Reaktion auf ihre wohl überlegten Worte genau. Mit einem langen Stoßseufzer schob sie ihren Körper gegen seinen, wobei ihr Busen eingequetscht wurde, und legte ihm versöhnlich die Hand auf die Schulter.
„Zürne mir nicht, Hirlas“, schnurrte sie wie ein Kätzchen und krallte ihm ganz leicht ihre rot lackierten Fingernägel in die Oberarme. „Hmmm, deine Muskeln sind so fest, so männlich … Ich wollte dich mit meiner Rede garantiert nicht beleidigen, oh, nein! Ich meinte damit dein Alter, nicht deine stattliche Erscheinung, die dich schon mindestens zwei Jahre älter erscheinen lässt, vielleicht sogar drei. Sei also versichert, Hirlas …“ hauchte sie seinen Namen und ließ ihre Fingerspitzen seinen Hals empor gleiten. Ihr Mund wanderte hinterher. „Im Vergleich mit deinem Bruder, als er so alt war wie du … und sich mit Perdite einließ … bist du …“
Sie legte ihre Fingerspitzen unter sein Kinn, hob seinen Kopf an und ging im gleichen Augenblick etwas in die Knie. Ihre fest gewordenen Brustwarzen scheuerten bei dieser Bewegung über seinen Oberkörper. Hirlas fühlte es durch den Stoff ihres Kleides hindurch und er wusste, dass er sie in keinster Weise beleidigen durfte. Also lautete die Devise: Still halten und so tun, als merke er nichts. Leider war sein Penis in beiden Punkten anderer Meinung.
Furia lächelte wissend, rieb ihren Oberschenkel an der Wölbung seiner Hose und betrachtete diese nachdenklich mit halb gesenkten Lidern, während sie mit ihren roten Fingernägeln leicht über seinen Hals schabte.
„Nein, da ist keinen Vergleich möglich. Du bist viel reifer als Naschu damals war. Viel größer und viel … männlicher!“
Hirlas bekam ganz große Augen und starrte sie an. Furia leckte sich die Lippen und beobachtete seinen Brustkorb, der sich vorstreckte und seine Hände, die sie beinahe gepackt hätten. Er hatte sie zwar wieder zurückgezogen und versuchte, seine Atmung unter Kontrolle zu bringen, sein Mienenspiel verriet aber alles. Wie leicht es doch war, eine wütenden Mann zu besänftigen, zu schmeicheln, sich gefügig zu machen … Da hüstelte schon wieder jemand hinter ihr.
Diesmal selbst rot vor Zorn, drehte sie sich um und fauchte: Was willst du!“
Es war Susanne.
Schon wieder eine vom Hirschclan. Furia kniff die Augen zusammen und Susanne senkte schnell den Kopf. Hastig biss sie sich auf die Lippen, damit ihr kein unbedachtes Wort entschlüpfte.
„Hohe Herrin, ich suchte nach Hirlas. Wir waren am See verabredet. Und da ich gerade dorthin unterwegs war, dachte ich, wir könnten zusammen …“
„Ja, ja. Ich weiß. Die gemeine Jugend trifft sich am See.“
Furia legte Hirlas die Hand auf die Schulter und schubste ihn zu Susanne.
„Da! Nimm Hirlas ruhig mit. Wir haben lange genug geschwatzt. Ich hoffe …“ Damit wandte sie sich an Hirlas. „ … ich habe deine Frage hinreichend beantwortet, und ich hoffe für dich …“ Bei diesen Worten sah sie ihm bedeutsam in die Augen. „ … dass du in der Wahl deiner Gefährtin … wesentlich umsichtiger vorgehst.“
Hirlas sah Furia fest in die Augen und nickte.
„Das werde ich, hohe Herrin. Das werde ich.“
„Nun, dann ist ja alles gesagt. Ich wünsche euch gemeinen Leuten viel Vergnügen bei eurem … Gehabe.“
„Danke, hohe Herrin.“
Furia kniff ihre roten Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und knurrte Hirlas hinterher, der sich bei Susanne einhaken wollte. Diese warf ihm jedoch einen strafenden Blick zu und stampfte sogar mit dem Fuß auf, als ihr sein mittlerer Bereich ins Auge stach. Mit hängenden Kopf trottete Hirlas hinter ihr her und musste schließlich rennen, um mit ihr Schritt zu halten.
Furia leckte sich über die Lippen und ließ ihren Blick von Hirlas Rückenpartie bis zu seinen Unterschenkeln schweifen. Da spürte sie einen warmen Lufthauch an ihrem Ohr. Zwei Hände glitten über ihre Flanken bis zu den Oberschenkeln und etwas Hartes presste sich dagegen.
Furia zog scharf die Luft ein, fasste nach den Händen und führte sie zu ihren steifen Brustwarzen. Ein Biss in den Nacken und der feste Griff entlockten ihr ein wohliges Seufzen, denn nun wurde sie zu ihrem Vergnügen abgeholt. Oh, wie hatte sie es eilig.
Loranthus zog sich das Hemd über den Kopf. Viviane zerrte dagegen und rutschte es wieder zurecht.
„Du brauchst dich nicht ausziehen, Loranthus.“
„Aber wir wollen doch …“
„Das kannst du dir wirklich sparen. Kostet alles nur Zeit und ist vollkommen unnötig.“
„Ich will aber nackt!“
„Und ich will, dass du angezogen bleibst!“
Viviane schien die Diskussion eindeutig Spaß zu machen und je mehr sie schmunzelte, desto störrischer schüttelte Loranthus den Kopf.
„Aber du hast doch gesagt, wir wollen dort rüber auf die kleine Insel im See! Ich schwimm doch nicht mit Kleidern!“
„Wir müssen nicht schwimmen, Loranthus. Was meinst du, warum sich alle mit Bratwürsten eingedeckt haben. Siehst du jemanden essen?“
Loranthus sah sich um und starrte in mindestens fünf Dutzend Augenpaare, von deren Besitzern er etliche kannte und den Rest noch kennenlernen würde. Wie blamabel! Er hatte ganz vergessen, dass sie nicht alleine am Ufer des Sees standen, er mit heruntergelassenen Hosen, sie in sein Hemd verkrallt. Da bekamen die Hermunduren doch gleich den richtigen Eindruck von ihrem griechischen Gast. Und wie konnte es auch anders sein, alle jungen Leute schienen sich prächtig zu amüsieren, feixend schwenkten sie ihre Bratwürste. Als hätte er diese Gedankenstütze nötig.
„Nein.“
„Na also, keine Panik. Lauf uns einfach nach.“
Viviane stellte sich ans Wasser, alle reihten sich hinter ihr ein und Silvanus schob Loranthus kurzerhand zwischen Beth und Ria. Die beiden kicherten und kamen ihm gefährlich nahe.
„Was habt ihr denn vor? Ich geh da nicht so rein! Ich will mich ausziehen!“
Ria raffte von hinten sein Hemd zurecht und ruckelte am Gürtel, bis alle Falten da lagen, wo sie ihrer Meinung nach hingehörten.
„Hört, hört! Ausziehen will er sich! Früher warst du doch immer der Letzte, Loranthus?! Woher der Sinneswandel?“
Beth drehte sich um, grinste verschwörerisch und steckte ihm ein Stück Bratwurst in den offenen Mund.
„Wenn ich meine Wurst gegessen habe, helfe ich dir dabei, Loranthus. Aber jetzt hältst du dich besser an mir fest, damit du nicht daneben trittst. Der Weg hat einige Tücken, die kenne ich besser als du.“
Da Loranthus nicht reagierte, nahm sie seine Hände und zog sie um ihren Bauch.
„Noch fester!“, verlangte sie und zerrte weiter, bis seine Finger gegeneinander stießen. Da gurrte sie: „So ist es gut!“ und passte sich seufzend seinen Konturen an. „Wenn du willst, kannst du mir auch mein Kleid hochhalten. Bleibt es trocken, gebe ich dir noch was von meiner Wurst ab.“
Derart angespornt, raffte Loranthus so viel von ihrem Kleid, wie er in seinen Händen unterbringen konnte, doch Beth hatte sich mehr davon erhofft. Also drückte sie ordentlich Stoff zwischen seine wehrlosen Finger und noch ein Stück Bratwurst in seinen offenen Mund, der gerade protestieren wollte. Dann trällerte sie: „Es kann los gehen, Viviane!“ und schon ruckte der Tausendfüßler an.
Loranthus setzte einen Fuß vor den anderen und dachte an Kinderspiele zu Beltaine, nebenbei kaute er genüsslich. Bei jedem kleinsten Richtungswechsel lugte er nach unten und wunderte sich, dass er nicht einsank. Den ganzen Weg bis hinüber zur Insel wurden seine Füße nur bis zu den Knöcheln nass.
Am anderen Ufer angekommen, drehte sich Beth schelmisch grinsend zu ihm um und schnurrte: „Du kannst jetzt wieder loslassen, Loranthus. Und weil mein Kleid nicht nass geworden ist, bekommst du auch die versprochene Belohnung von mir. Hier deine Bratwurst. Jetzt habe ich noch eine übrig. Willst du die auch noch verdienen?“
Ria nahm Loranthus die Antwort ab.
„Nun lass ihn sich doch erst mal umsehen, Beth! So, wie er guckt, gibt es in seiner Heimat keine Inseln im Wasser.“
„Doch, die gibt es!“, beteuerte Loranthus mit dicken Hamsterbacken. „Aber keine kann man so betreten, wie ihr es hier macht! Das ist wirklich einzigartig!“
Viviane trat dazu.
„So einzigartig ist das gar nicht, Loranthus. Schon seit vielen Generationen kommen die jungen Leute zu Lugnasad hierher. Das hat Tradition. Mein Großvater Anu meinte, dass es früher vielleicht zwei Senken waren. Die große Flut aus der Zeit, als die Götter noch unter uns weilten, hat sie überschwemmt und miteinander verbunden. Der Weg ist ziemlich schmal und hat so seine Tücken, wie du vielleicht bemerkt hast. Großvater Anu hat ihn mir schon als Kind gezeigt, damit ich ihn mir einpräge. Wir sammeln immer weiße Kieselsteine, um ihn zu kennzeichnen. Sie leuchten sogar im Mondlicht.“
„Weißt du, Viviane, eure Götter haben hier ein Wunder vollbracht. Da habe ich gedacht, mich könne nichts mehr in diesem Land in Staunen versetzen, aber das hier glaubt mir zu Hause keiner.“
Viviane lachte und Beth zog Loranthus mit sich.
„Komm hinter die Hecke, Loranthus! Die anderen warten schon alle! Die glauben dir auch nicht, dass du so lange einer duftenden Bratwurst widerstehen kannst. Und wenn wir gegessen haben, wird getanzt!“
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