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„Na, mein Sohn, bist du schon weiter?“ Stöhnte der Dragon etwas abgehackt von der Last und nickte zu Alina, die weiter weg am Strand saß und zum Meer hinausschaute.
„Wie meinst du das?“ Stöhnte Raven nicht minder Angestrengt zurück.
„Na, du Dummkopf, ich mein die Wonnen,“ grinste der Alte schnaufend zurück, „euch kann man ja bald nicht mehr zusehen, tanzt wie zwei Halbwüchsige zur Mittsommer um einander herum, aber weiter geht ihr nicht.“ Der Stamm bewegte sich etwas unerwartet, und Raven kam ins Taumeln und setzte sich etwas unsanft auf seine Hosen.
„Gott, habt ihr auch noch etwas Anderes im Schädel?“ Schnauzte Raven, doch er musste auch lachen „nur der Flügel und das Gemächt beschäftigt mein Volk....... ich armer Mann, habt ihr es überhaupt verdient, gerettet zu werden?“ Jetzt war es auch am Dragon laut los zu Lachen, was eher einem brüllen glich.
„Na na, Jungvolk........ schau mich an, ich habe viele Kinder, etliche Enkel und unzählige Bastarde....... ich bin ein reicher und glücklicher Mann,“ der Alte lachte wieder laut los, „und was hast du dagegen? Also, wenn ich diese Blicke von ihr bekommen würde........ ehrlich, ich würde nicht mehr lange warten.“ Er half Raven auf und schlug ihm dabei so kraftvoll auf dessen Rücken, dass diesem erst mal die Luft wegblieb.
„Und wachsen wird sie auch nicht mehr, warum dann also noch weiter warten. Irgendwann kommt dann ein anderer des Weges. Warte nur lange genug und du bist sie los. Sie ist vom alten Volk, du wirst ihr also nichts antun können.“ Der Dragon sah ihn fröhlich an, auch ihm tat die Arbeit gut.
„So wie Karak meinst du?“ Raven sah den Alten ernst an.
„Verflucht,“ der Dragon wurde jetzt auch schlagartig ruhig und seine Fröhlichkeit war wie weggeblasen. Ernst musterte er Raven.
„Du weißt, dass dies etwas Anderes ist........ aber, da wir einmal dabei sind. Was hast du bezogen auf Karak beschlossen?“ Raven hatte sich jetzt wohl lange genug um eine Entscheidung gedrückt, lag es doch an ihm, wie weiterhin mit Karak, seinem einstigen Freund aus Kindertagen, verfahren werden sollte. Er hasste diese alten Bräuche, konnte dem Dragon dort aber auch nicht widersprechen. Er fühlte sich unwohl und blickte einmal kurz zu Alina, die immer noch am Strand saß, jetzt aber still zu ihnen blickte, als verstünde sie ihre Worte. Er schaute wieder den Dragon an.
„Also,“ meinte dieser nur ruhig, „Verbannung.“ Raven senkte den Blick, konnte aber nichts dazu sagen. Wie auch, fühlte er sich hier doch auch wie zwischen zwei Stühlen.
„Ich lasse meinen Erstgeborenen nicht gern zurück. Aber durch seinen Wahn hat er sich selbst entschieden und seine Zukunft mit seinem Volk verwirkt....... was bleibt, ist nur die Verbannung.“
Der Dragon wandte sich ab und ging jetzt langsam zum Schloss zurück.
Raven sah ihm nach und bedauerte diesen von Herzen, fühlte sich aber auch machtlos gegenüber der Liebe eines Vaters zu seinem Sohn. Er ging langsam zu Alina und setzte sich zu ihr. Sie schaute zu ihm auf, und er sah in ihre tiefen, blaugrünen Augen. Sie blickte ihn so an, wie damals im Winter, als er sie gefunden und in die Höhle gebracht hatte. Was für ein Leid war ihr bis jetzt wiederfahren, was musste sie bis jetzt schon alles durchmachen. Wie allein war sie doch trotz seiner Nähe. Still nahm er sich in den Arm.
„Kennst du die Rituale, mit denen sich bei meinem Volke ein Mann eine Frau nimmt?“ Fragte er sie ruhig.
„Nein, aber sage es mir,“ sagte sie und blickte ihm dabei ruhig ins Gesicht.
Und er begann langsam zu erzählen.
Alina lauschte still seinen Worten, stellte Fragen, wenn sie etwas nicht verstand, nickte, wenn ihr etwas klar war, unterbrach ihn sonst aber nicht weiter bei seinen Ausführungen. Hatte sie doch Angst, dass er, einmal unterbrochen, von seinem Vorhaben ablassen könnte. Doch bei alledem flatterte ihr Herz wie ein kleiner, ängstlicher Schmetterling, und sie fragte sich immer wieder, ob es jetzt soweit sein sollte. Er sagte ihr viele fremde Dinge, aber auch bekanntes wie die Liebe, tauchte in seinen Ausführungen auf. Bis auf den Vollzug der Bindung, das verstand sie nicht. Und als sie ihn leise danach fragte, geriet er schließlich doch ins Stocken.
„Hmmm, ich weiß nicht recht, wie ich dir das erklären soll, kleine Fee,“ er räusperte sich, „das ist etwas ganz Besonderes........ zwischen Mann und Frau....... hmmm, wie soll ich dir das bloß erklären........“
„Versuche es bitte, erklär es mir,“ sagte sie sanft und nahm sein Gesicht in beide Hände. Seine Augen blickten so traurig, so hilflos, dass es ihr das Herz zusammenzog.
„Ich kann es nicht,“ meinte er nur und schaute rasch zu Boden. Sie zog ihn an sich und küsste ihn zart auf seine Lippen.
„Dann werde ich zu Sonja gehen und sie danach fragen,“ sagte Alina sanft, erhob sich und ging zurück zum Schloss. Raven blieb verwirrt und aufgewühlt allein zurück.
Sie traf Sonja in der Schlossküche an und fragte diese frei heraus nach dem Vollzug einer Bindung. Die anderen Mädchen in der Küche begannen zu kichern, während die alten Frauen nur erröteten und verlegen zu Boden schauten. Alina blickte sich fragen um, verstand diese Reaktion nun gar nicht. Raven hatte Probleme ihr etwas Lustiges zu sagen? Sonja begann lauthals loszulachen, was Alina nur noch mehr verwirrte.
„Ja hat er dich denn endlich gefragt?“ Sonja lachte immer noch.
„Was gefragt?“ Alina verstand nun überhaupt nichts mehr.
„Ob du seine Gemahlin werden möchtest, du Dummchen,“ Sonja wischte sich die Tränen aus den Augen, „mal wieder eine Bindungsfeier........ ja, das würde uns allen viel Freude bereiten.“
„Ich verstehe das alles nicht,“ Alina wurde langsam traurig. Jeder schien hier etwas zu wissen, nur sie nicht.
„Komm mal mit, meine Kleine, ich muss noch etwas Fett aus dem Keller holen, und auf dem Weg werde ich mal versuchen, es dir zu erklären.“ Sonja ging aus der Küche und Alina folgte ihr, jetzt doch neugierig, was da kommen sollte. Unten im Keller angelangt zog Sonja ein Stück Kreide aus ihrer Kitteltasche.
„Tja, wie gut das ich immer alles dabeihabe,“ sagte sie lächelnd und zwinkerte Alina zu. Sie ging zu einer vom Fackelschein erhellten, recht glatten Wand.
„Gut, dann fange ich mal an,“ und schnell wie der Wind flog die Kreide über die Wand, bis Sonja die Gestalt einer nackten Frau gemalt hatte.
„Schau, eine Frau, von den Göttern gemacht,“ stolz hielt Sonja etwas inne und ließ Alina das Bild in ruhe betrachten. Dann sauste die Kreide wieder über die Wand und die Darstellung eines ebenfalls nackten Mannes gewann langsam an Gestalt.
„Und nun schau noch mal hin. Das ist ein Mann, wie die Götter auch ihn erschaffen haben.“
Alina besah sich diese Darstellung sehr genau und sie glich den Statuen in der alten Burg verblüffend.
„So ist Raven auch?“ Fragte sie vorsichtig und fixierte dabei einen Punkt der Darstellung ziemlich genau. Sonja sah den Blick und erinnerte sich an ihr erstes Mal, als sie den Dragon ohne Kleidung gesehen hatte. Wieder musste sie fröhlich lachen.
„Ja, sicher, mein Liebes, dein Raven ist genau so......... vielleicht noch etwas mehr Masse, hier und da, aber durchaus auch so gut gebaut. Nicht ohne Grund schaut sich jede Jungfrau so sehnsüchtig um, wenn er vorbeigeht.“ Alina staunte.
„So, und nun schau gut hin,“ Sonja begann eine neue Zeichnung zweier Menschen die sich eng umschlungen hielten, „schau, und dies nennen wir den Vollzug einer Bindung.“ Jetzt musste Alina laut auflachen. Darum wird ein solcher Wirbel gemacht? Sie hatte Raven schon oft genug umarmt, was war daran jetzt so ungewöhnlich, außer das diese Personen unbekleidet waren?
„Schau genau hin, Kleines, das ist mehr als nur eine Umarmung. Das ist ein verschmelzen zweier Personen in ihrem Mittelpunkt. So pflanzt einer der unsrigen ein neues Leben im Bauch seiner Gefährtin, und es bereitet den Beiden sehr viel vergnügen, das kannst du mir gerne glauben,“ bemerkte Sonja etwas versonnen. Alina schaute noch einmal genauer hin und bemerkte Dinge an der Zeichnung, die ihr vorher nicht aufgefallen waren. Stimmt, es sah aus, als stoße der Mann diesen kleinen Arm, der seinen Lenden entspringt, zwischen die Beine seiner Frau. Alina wusste um ihre Öffnung dort, hatte bis hier aber nur eine vage Vorstellung von deren Funktion gehabt. Sie dachte an Karak und ihr schauderte, denn jetzt dämmerte ihr da einiges. Auch wenn sie bei Raven auf dem Schoß saß, wurde dieser nach kurzer Zeit immer seltsam hart und unbequem. War dies dieser Arm, der dann irgendwie immer anschwoll und sie dann drückte?
Sie fragte Sonja danach, die daraufhin noch einmal schallend loslachte und sich lange Zeit nicht beruhigen konnte.
„Mein Herz.......“ Sonja bekam kaum Luft, „du bist so unschuldig, so süß....... mein Gott....... gut, ich versuche dir.......... die Männer mal zu erklären,“ sie japste immer noch nach Luft.
„Weißt du...... für die Männer, aber nicht nur für die, ist dieses,“ sie deutete auf die letzte Zeichnung, „sehr wichtig. Sie machen das zum einen sehr gern, zum anderen macht es uns Frauen die Kleinen, und diese wiederum machen die Männer sehr stolz und diese kümmern sich dann besonders gut um uns. Verstehst du das?“ Alina nickte.
„Weiterhin gibt uns, dass etwas Macht über sie, und das ist auch nicht zu verachten. Auch wenn der Dragon der Herr über Avalla ist, laut, herrschend und keinen Wiederspruch duldend, so ist er in meinen Armen doch ein kleines Kätzchen.“ Sonja grinste Alina breit an. „Das ist wiederum für mich von Vorteil.“ Alina verstand es jetzt, und erinnerte sich dabei auch an die Worte ihrer Mutter. Auch diese begriff sie jetzt besser.
„Gott, ich war so dumm. Wie kindisch ich war,“ Alina lachte jetzt, „danke Sonja, lieben dank, das du mir das alles gezeigt und erzählt hast,“ und sie umarmte Sonja jetzt herzlich, was diese genau so herzlich erwiderte. Sie redet danach noch etwas über dies und das, während die große Frau etwas Fett aus einem Zuber in eine Holzschale löffelte. Danach drückte sie Alina noch einen kleinen Beutel mit Kräutern in die Hand....... wenn sie noch keine Kleinen wolle, würde dieses Pulver ihr helfen, bemerkte Sonja wieder mit einem Augenzwinkern und beide begaben sich danach auf den Rückweg zur Küche.
Raven suchte Alina und erfuhr in der Küche, dass diese mit Sonja beisammen war.
Etwas verwundert über die roten Gesichter und das ganze gekichere hinter ihm, als er die Küche verließ, schritt er durch die große Halle zur Treppe, die ihn nach oben brachte. Er ging in ihr gemeinsames Gemach um auf seine kleine Fee zu warten. Dort entkleidete er sich und begann sich den Schmutz von der Arbeit ab zu waschen, als hinter ihm ganz leise die Tür einen Spalt breit geöffnet wurde. Alina sah Raven unbekleidet am Zuber stehen und sich reinigen. Sie betrachtete ihn eingehend, seine Gestalt, das Wasser, das langsam an ihm herunter perlte, seine dunkle, glatte Haut, die braunen Flügel, sein schwarzes, langes Haar. Sonjas Zeichnung hatte recht. Sie schloss danach aber ebenso leise wieder die Tür, ohne dass er sie bemerkte.
Die Zeit war noch nicht reif.
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