Schöpferisches Schlesien von A bis Z

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Am 5. April 1943 wurde Dietrich Bonhoeffer von der Gestapo verhaftet, in das Militärgefängnis Berlin-Tegel gebracht und später im Berliner GestapoGefängnis interniert.
In der Gefangenschaft schrieb Bonhoeffer sein bekanntestes Buch „Widerstand und Ergebung". Nachdem das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 gescheitert war, konnte die Gestapo Bonhoeffers Beteiligung am Widerstand in der militärischen Abwehr nachweisen.
Im Februar 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer in das KZ Buchenwald gebracht, im April in das KZ Flossenbürg und dort sofort hingerichtet.
Dietrich Bonhoeffer war aktiver Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus

An Dietrich Bonhoeffers Geburtshaus in Breslau, Am Birkenwäldchen 7/Wrocław, ul. Bartla 7 ist eine zweisprachige Gedenktafel angebracht (Fotos: Jerzy Hawryszków, 2014)

Bonhoeffer-Denkmal vor der St. Elisabeth-Kirche in Breslau/ Kościół Garnizonowy pw. św. Elżbiety, Wrocław
(Fotos: Autorin, 2012)
Die Inschriften auf den Gedenktafeln:
Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren, evangelischer Pastor und Theologe, Mitglied des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus, Vorkämpfer der Ökumene und Märtyrer für den christlichen Glauben. Ermordet im Konzentrationslager Flossenbürg am 9. April 1945.
Organisationskomitee „Für Dietrich Bonhoeffer"
„Für Dietrich Bonhoeffer" 1988 (1997) 1999
Zweitfassung der Gedenkskulptur von Karl Biedermann. Das Original (1988) befindet sich im Besitz des Bezirkes Mitte von Berlin und steht an einer der Wirkungsstätten Dietrich Bonhoeffers, der Zionskirche Berlin-Mitte.
15 Die Bekennende Kirche (BK) war eine Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen Versuche der Gleichschaltung von Lehre und Organisation der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) in der Zeit des Nationalsozialismus. http://de.wikipedia.org/wiki/Bekennende_Kirche.
16 s. Moltke, Helmuth James
Born, Max

* 11. Dezember 1882 in Breslau
† 5. Januar 1970 in Göttingen
Mathematiker und Physiker
1954 Nobelpreisträger für Physik
Max Born stammte aus einer deutsch-jüdischen Familie. Sein Vater war Professor für Anatomie und Embryologie an der Breslauer Universität. Seine Mutter stammte aus einer schlesischen Industriellenfamilie.
Born besuchte das König-Wilhelms-Gymnasium in Breslau, studierte Rechtswissenschaften und Moralphilosophie, später Mathematik, Physik und Astronomie an den Universitäten in Breslau, Heidelberg, Zürich, Cambridge und schließlich in Göttingen, wo er 1906 promovierte und 1909 in Atomphysik habilitierte.
Er beschäftigte sich unter anderem mit den Folgen der Relativitätstheorie seines Physiker-Kollegen Albert Einstein17 für die Physik fester Körper und mit der Theorie atomarer Kristallgitter. Darüber veröffentlichte er 1915 das Buch „Dynamik der Kristallgitter". Mit einem Kollegen entwickelte er die Quantentheorie der spezifischen Wärme.
Born war zunächst Privatdozent in Göttingen, danach außerordentlicher Professor für theoretische Physik an der Universität Berlin, wo er mit Max Planck18, Albert Einstein und Walter Nernst19 zusammenarbeitete. 1919 erhielt er seinen ersten Lehrstuhl an der Universität in Frankfurt/Main.
1933 nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Max Born wegen seiner jüdischen Vorfahren zwangsbeurlaubt. Er wanderte im selben Jahr nach England aus.
1934 erhielt er eine Professur in Cambridge.
1936 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Im selben Jahr wechselte er an den Lehrstuhl für theoretische Physik an der Universität in Edinburgh, wo er als Dozent tätig war.
1953, nach seiner Emeritierung, kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in Bad Pyrmont nieder. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Göttinger Stadtfriedhof.
Mit Albert Einstein war Born lebenslang eng befreundet. Aus Borns Göttinger Schule kamen berühmte Physiker wie Maria Goeppert-Mayer20, Victor Weisskopf21 und Robert Oppenheimer22.
Born engagierte sich gegen das globale Wettrüsten und war 1957 Mitverfasser des Appells der Physiker gegen Missbrauch der Kernphysik für Rüstungszwecke.

(Fotos: Antoni Stryjewski, 2012)
2002 wurde an Borns Geburtshaus eine Gedenktafel in polnischer, deutscher und englischer Sprache angebracht. Das Geburtshaus selbst ist unbewohnt und wartet auf Sanierung.
Im August 2014 war auch die Gedenktafel entfernt, es blieben nur Spuren zurück. Unweit des Mineralogischen Museums in Breslau ist ein Platz nach Max Born benannt.
In der Galerie „Große Breslauer" im Breslauer Rathaus ist eine Büste von Max Born aus schlesischem Marmor aufgestellt. Das Kompendium der Encyklopedia Wrocławia würdigt Max Born mit einem Eintrag.
Ehrungen und Anerkennungen:
1948 Max-Planck-Medaille, 1950 die Hughes-Medaille
1953 Ehrenbürger der Stadt Göttingen, auch eine Straße ist nach ihm benannt
1954 Nobelpreis für Physik
1959 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband
Ehrenmitgliedschaft von Akademien in Moskau, Washington und Ehrendoktor in Bristol, Bordeaux, Oxford, Freiburg im Breisgau, Edinburgh, Oslo, Brüssel, an der Humboldt- Universität Berlin und der Universität Stuttgart
Max Born gehört zu den größten Physikern des 20. Jahrhunderts.
17 Albert Einstein, 1879 - 1955, deutscher Physiker, Begründer der speziellen Relativitätstheorie, 1922 Nobelpreis für Physik
18 Max Planck, 1858 - 1947, deutscher Physiker, Begründer der Quantenphysik, 1918 Nobelpreis für Physik
19 Walter Nernst, 1864 - 1941, deutscher Physiker und Chemiker, 1920 Nobelpreis für Chemie
20 s. Goeppert-Mayer, Maria
21 Victor Frederick Weisskopf, 1908 - 2002, österreichisch-US-amerikanischer Physiker
22Julius Robert Oppenheimer, 1904 - 1967, US-amerikanischer Physiker
Borsig, Johann Friedrich August

* 23. Juni 1804 in Breslau
† 6. Juli 1854 in Berlin
Maschinen- und Lokomotivenbauer
Industriepionier – Erbauer der ersten
Lokomotivfabrik in Berlin
Gründer der Borsigwerke in Oberschlesien
Borsig war Sohn einer schlesischen Bauern- und Handwerkerfamilie.
Er lernte zunächst Zimmermann. Zur weiteren Ausbildung ging er an die Kunst-, Bau- und Handwerkerschule in Breslau, danach an das Gewerbeinstitut in Berlin. Diese Ausbildung brach er ab und machte im September 1825 eine Ausbildung in Maschinenbau bei der Berliner Eisengießerei.
Mit seinem ersten Auftrag, der Montage einer Dampfmaschine in Waldenburg/Wałbrzych, bekam er die erste feste Anstellung.

Nachbau der Beuth von 1912, Deutsches Technikmuseum Berlin
1836 erwarb Borsig ein Grundstück und gründete eine eigene Eisengießerei und Maschinenfabrik in Berlin. 1841 brach die Ära der Dampflokomotive an und Borsig erlangte bald den Ruf eines Lokomotivbauers.
1844 stellte Borsig auf der Berliner Industrieausstellung seine 24. Dampflokomotive, die Beuth, aus. Es war die erste in Deutschland entwickelte Lokomotive.
Borsigs Unternehmen entwickelte sich schnell zu einem Lokomotivunternehmen. Von 1845 bis 1847 baute das Unternehmen insgesamt 170 Lokomotiven.
Außer Dampflokomotiven baute das Unternehmen auch Kunst- und Baugussteile.
Borsig arbeitete an der Fontänenanlage im Park Sanssouci in Potsdam, an der Kuppel der Potsdamer Nicolai-Kirche und an der Kuppel des Königlichen Schlosses in Berlin, für die er 1851 den Titel eines Kommerzienrates erhielt.
1847 errichtete Borsig ein Eisenhüttenwalzwerk und erwarb 1850 die Eisengießerei und Maschinenfabrk in Berlin-Moabit. Im selben Jahr reiste Borsig nach Oberschlesien, um dort die geplante Errichtung eines Hüttenwerkes und geeignete Kohlenlagerstätten zur Herstellung der seiner Dampfmaschinen zu prüfen.
1853 baute Borsig die Lokomotive für die Warschau-Wien-Eisenbahn.
1854 schloss Borsig mit Ballestrem23 einen Pachtvertrag über die Kohlengruben in Hindenburg-Biskupitz/Zabrze-Biskupice für 25 Jahre ab und erwarb ein Baugelände für ein Hüttenwerk. So wurde der Borsig-Besitz in Oberschlesien geboren. Im selben Jahr wurde die 500. Dampflokomotive in seinem Unternehmen gebaut.
August Borsig ist in die deutsche Industrie und Sozialgeschichte als „das größte und erfolgreichste Unternehmergenie, das Deutschland je hervorgebracht hat" eingegangen.
Er wurde mit dem Roten Adlerorden und dem Titel Geheimer Kommerzienrat geehrt und starb 1854 auf dem Höhepunkt seiner Karriere im Alter von 50 Jahren.

Die 1842 von August Borsig hergestellte Dampfmaschine kann noch heute in der Moschee, dem Dampfmaschinenhaus von Sanssouci (Potsdam), besichtigt werden.
23 Die Grafen von Ballestrem waren Großgrundbesitzer und Industrielle und sind fest mit Oberschlesien verwurzelt. Sie trugen über Generationen maßgeblich zur Entwicklung der Bergbau- und Hüttenindustrie bei, insbesondere der Zinkhüttenindustrie in Oberschlesien und der Entwicklung Oberschlesiens zum deutschen Bergbau- und Industriezentrum.
Borsig, Albert August Julius
* 7. März 1829 in Berlin,
† 10. April 1878 in Berlin
Einziger Sohn von August Borsig
Albert Borsig erwarb vom Grafen von Ballestrem weitere Ländereien um Hindenburg-Biskupitz/Zabrze-Biskupice, errichtete 1863 die Hütten- und Eisenwerke Borsigwerk und baute die oberschlesischen Werke weiter aus. Vom Stammwerk in Berlin-Moabit siedelte er erfahrene Hüttenarbeiter mit ihren Familien nach Oberschlesien um und baute für seine Arbeiter und Beamten eine neue Siedlung mit einer für diese Zeit beispielhaften Infraktruktur, darunter Kirche, Kindergarten, Badeanstalt, Turnhalle, Krankenhaus, Unfalleinrichtung, Restaurant. Er richtete eine Betriebskranken- und Invalidenkasse und eine Pensionskasse für die Beamten ein, was für die damalige Zeit ein Novum war.
Albert Borsig wurde, wie sein Vater, zum Geheimen Kommerzienrat ernannt.
Borsig, Arnold August Paul
* 28. Juni 1867 in Berlin,
† 1. April 1897 tödlich verunglückt
August Borsig war sein Großvater.
Er studierte an der Bergakademie in Freiberg/Sachsen und wurde im „Borsigwerk" ansässig, kümmerte sich um die Modernisierung und den Ausbau der Grubenanlagen, die Erweiterung des Unternehmens und die Grubenerträge. Bei Rettungsarbeiten während eines Brandes auf der Grube „Hedwigswunsch" in Hindenburg/Kopalnia Jadwiga24 in Zabrze ist er mit 30 Jahren tödlich verunglückt.
24von 1945 – 1948 Kopalnia Jadwiga und von 1948 Kopalnia Węgla Kamiennego Pstrowski
Chrzaszcz, Johannes

* 27. April 1857 in Deutsch-Müllmen/Mionów
† 26. Februar 1928 in Peiskretscham/Pyskowice
Priester
Nestor der oberschlesischen Geschichtsschreibung
Chrzaszcz besuchte die Elementarschule in Deutsch-Müllmen und Gymnasien in Leobschütz/Głubczyce, Breslau und Oppeln/Opole. Danach absolvierte er ein dreijähriges Studium der Theologie an der Breslauer Hochschule. Nach deren Schließung infolge des Kulturkampfes setzte er sein Theologiestudium am Priesterseminar in Prag fort. In Prag im St. VeitsDom empfing Chrzaszcz 1881 die Priesterweihe. Danach wirkte er als Schlosskaplan in Chrosczinna bei Oppeln/Chróścina bei Opole und Gymnasial- und Religionslehrer in Gleiwitz/Gliwice (1883).
1888 promovierte Chrzaszcz zum Doktor der Theologie zum Thema „De evangelio secundum Hebraeos" an der Universität Breslau. Danach übernahm er die Pfarrgemeinde in Peiskretscham/Pyskowice, wo er als Geistlicher Rat und Erzpriester verstarb.
Dr. Johannes P. Chrzaszcz war 37 Jahre lang Pfarrer in Peiskretscham.
Er verfasste zahlreiche theologische Schriften, Aufsätze und Heimatbücher. Bis 1920 war er Herausgeber der Zeitschrift „Oberschlesische Heimat" des oberschlesischen Geschichtsvereins in Oppeln. Er beherrschte die polnische und tschechische Sprache.
Neben zahlreichen Aufsätzen und Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften gab er u. a. folgende Schriften heraus:
1890 Maria von Lourdes: Geschichte des Gnadenortes Lourdes
1897 Drei schlesische Landesheilige. Der St. Hyacinth, der selige Ceslaus, die selige Bronisława
1897 Der heilige Adalbert, Bischof und Märtyrer
1900 Geschichte der Städte Peiskretscham und Tost sowie des Toster Kreises
1902 Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum der Gemeinde St. Barbara in Königshütte
1908 Kirchengeschichte Schlesiens (für Schule und Haus)
1912 Geschichte der Stadt Neustadt OS
1914 Geschichte des Klosters Pilchowitz
1926 Geschichte der Stadt Zülz
1927 Das schwarze Buch von Gleiwitz
Dehmelt, Hans Georg
* 9. September 1922 in Görlitz/Zgorzelec
deutsch-US-amerikanischer Physiker,
1989 Nobelpreis für Physik
Dehmelt wuchs in Berlin auf, wo er das Gymnasium „Zum Grauen Kloster" besuchte und 1940 das Abitur ablegte.
Zu Beginn des II. Weltkrieges meldete er sich freiwillig zur Flugzeugabwehr, begann jedoch schon 1943 das Studium der Physik an der FriedrichWilhelms-Universität zu Breslau.
1944 wurde er wieder Soldat und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung 1946 nahm er sein Physikstudium in Göttingen auf, wo auch Max Planck25 unterrichtete.
1948 schrieb Dehmelt seine Diplomarbeit über den „Thomson-MassenSpektrographen" und promovierte 1949 zum Thema „Kernquadrupolfrequenzen in kristallinen Jodverbindungen". Die Dissertation ebnete Dehmelt den Weg an die Duke University in Durham, North Carolina, an der er zwei Jahre tätig war.
1952 wechselte Dehmelt an die University of Washington in Seattle, wo er 1955 Assistenzprofessor, 1958 außerordentlicher und 1961 ordentlicher Professor wurde. Die wichtigsten Forschungsarbeiten führte Dehmelt an der University of Washington durch.
1956 beschrieb Dehmelt die Nützlichkeit der Ionen-Falle für die hochauflösende Spektroskopie.
1959 untersuchte er die Drehungsaustausche zwischen Elektron und Zielatom. Im selben Jahr baute er die erste Hochvakuum-Magnetron-Falle und konnte Elektronen für zehn Sekunden „auffangen".
1961 nahm Dehmelt die amerikanische Staatsangehörigkeit an.
1966 schlug Dehmelt vor, einen Infrarot-Laser zu entwickeln.
1973 gelang ihm die Isolierung eines einzelnen Elektrons.
1989 erhielt Dehmelt gemeinsam mit seinem ehemaligen Lehrer Wolfgang Paul26 die Hälfte des Nobelpreises für Physik „für die Entwicklung der Ionen-Falle". Die andere Hälfte ging an Norman Foster Ramsey27.
Ehrungen und Anerkennungen für seine Verdienste:
1970 Davisson-Germer Preis der American Physical Society
1978 Mitglied der National Academy of Sciences
1985 Rumford-Preis (Amerikanische Akademie für Wissenschaft und Kultur)
1989 Nobelpreis für Physik
1995 National Medal of Science (National Science Foundation)
25 Max Planck (1858 – 1947), deutscher Physiker, Begründer der Quantenphysik, 1919 Nobelpreis für Physik
26 Wolfgang Paul, 1913 – 1993, Physiker
27 Norman Foster Ramsey 1915 – 2011, US-amerikanischer Physiker, 1989 Nobelpreis für Physik
Dolezich, Norbert Ernst

* 16. Februar 1906 in Bielschowitz/Bielszowice
† 4. Dezember 1996 in Recklinghausen Maler
Schriftsteller
Dolezich wuchs in Orzegow/ Orzegów28 auf.
Er besuchte das Realgymnasium in Beuthen OS/Bytom und legte 1929 das Abitur ab. Anschließend studierte er Kunstgeschichte, Kunstpädagogik und Philosophie an der Kunstakademie in Königsberg/Kaliningrad und an der Staatlichen Kunstschule in Berlin.
1933 legte Dolezich das Staatsexamen für das künstlerische Lehramt ab und trat in den höheren Schuldienst in Ostpreußen ein. Er lehrte als Kunsterzieher in Allenstein/Olsztyn, Insterburg/ Tschernjachowsk und in Königsberg an den „Staatlichen Meisterateliers für bildende Kunst".
Wegen einer Krankheit wurde Dolezich zur Wehrmacht nicht eingezogen.
1941 bis 1945 war er Dozent für Grafik an der Königsberger Kunstakademie und lehrte an mehreren ostpreußischen Gymnasien. Seine künstlerische und kunstpädagogische Entwicklung liegt in Ostpreußen, weit weg von seiner oberschlesischen Heimat.

Nach seiner Flucht aus Königsberg kam Dolezich nach Recklinghausen. Hier wirkte er am Gymnasium Petrinum zunächst als Kunsterzieher, dann als Studiendirektor und Fachleiter am Staatlichen Studienseminar und betätigte sich künstlerisch und schriftstellerisch.
Seine Werke aus der Königsberger Zeit sind verlorengegangen.
Nach dem Krieg schuf Dolezich Aquarelle und Radierungen, in denen er Motive aus Ostpreußen und Oberschlesien schildert, wie die Schrotholzkirche im Stadtpark Beuthen OS (1950).
Seine bekanntesten Werke sind die Erinnerungen an seine Zeit in Oberschlesien, die Autobiographie „Ich kam aus Orzegów" (1975) und „Johannes Standorfer. Ein Künstlerleben" (1986).

„Das Rad" (1982)
Ehrungen für sein künstlerisches und schriftstellerisches Schaffen:
1940 Kunstpreis des Kunstvereins Königsberg
1944 Kunstpreis der Provinz Oberschlesien
1977 Eichendorff-Literaturpreis
1979 Bundesverdienstkreuz
1985 Lovis-Corinth-Preis29 der Künstlergilde Esslingen
1996 pro-arte Medaille „für seine besonderen Verdienste um die Weiterentwicklung der Bildenden Kunst und Literatur aus den historischen deutschen Kulturlandschaften des europäischen Ostens"30
An meinen Freund hb 31
Keiner weiß den Ort,
wo du im Morgenlicht
begraben liegst.
Regen tränkt Schollen
und Weiten der Ebene.
Längst wär' ich dort,
wüßt' ich den Weg.
Mein Suchen und Sinnen,
was aber brächte es
im weltfremden Land?
Das, was millionenmal gilt:
Unter dem Staub und Schädelrest
und rostig zerfallenes,
tödlich gelenktes Metall.
Das große Geschenk,
unverdient mir gewährt:
dich auf geradem Weg
durch Not und Trug zu begleiten.
Der Lumpensammler flötet,
und vor dem Wagen gehen
echolos Bitten und Fragen
die leeren Mauern hinauf.
So zieht durch die jahre
Mein Gedenken, begnadeter Freund,
dir in das niemals
Erreichbare nach.
28 heute Stadtteil von Ruda/Ruda Śląska
29 Der Lovis-Corinth-Preis ist ein deutscher Kunstpreis für Bildende Kunst, der von der Künstlergilde Esslingen seit 1974 vergeben wird.
30 entnommen aus: Esslinger Woche vom 3. April 1996, mit freundlicher Genehmigung, Künstlergilde Esslingen e. V./Presse- und Persönlichkeitenarchiv
31Abdruck des Gedichtes entnommen aus: „Im Strom, Aus Tag- und Nachtbüchern" mit freundlicher Genehmigung, Künstlergilde Esslingen e. V.
Dzierzon, Dr. Johannes / Jan Dzierżoń

* 16. Januar 1811 in Lowkowitz/Łowkowice
† 26. Oktober 1906 in Lowkowitz
Priester
Schlesischer Bienenvater
Entdecker der Grundlagen für rationelle Bienenzucht berühmtester
Bienenzüchter der Welt
Seine Eltern waren Bauern. Nach dem Besuch des katholischen St. MatthiasGymnasiums in Breslau studierte er Mathematik an der Friedrich-WilhelmsUniversität zu Breslau, wechselte aber zur katholischen Theologie. 1834 wurde er zum Priester geweiht.
Nach dem Theologiestudium war Dzierzon 1834 Kaplan in Schalkowitz/Siołkowice und wurde 1835 als Pfarrer nach Karlsmarkt bei Brieg/Karłowice bei Brzeg berufen. Hier war er Pfarrer, Landwirt und Bienenzüchter. Er studierte Bienenvölker und stellte die berühmte Theorie von der „Parthenogenesis" (Jungfrauengeburt) auf. Mit bloßem Auge gelang ihm die Entdeckung der Parthenogenesis bei den Bienen, indem er die Samenbehälter befruchteter und unbefruchteter Königinnen gegen das Licht hielt und Aussehen und Inhalt miteinander verglich. Dzierzon erfand auch den Bienenstock mit beweglichen Waben. Man nannte ihn schnell „Schlesischer Bienenvater".
1853 führte Dzierzon die italienische Biene nach Deutschland ein. 1854 war er Gründer und Herausgeber der Zeitschrift „Der Bienenfreund aus Schlesien", die 1856 eingestellt wurde.
In Karlsmarkt lebte Dzierzon 49 Jahre. Als ihm Vernachlässigung seiner priesterlichen Pflichten – wegen seiner Vorliebe für die Bienen – vorgeworfen wurde, trat Dzierzon aus der katholischen Kirche aus, verzichtete 1869 auf das Amt des Pfarrers und trat 1873 zum Altkatholizismus über. 1884 kehrte Dzierzon nach Lowkowitz zurück. Kurz vor seinem Tode versöhnte er sich mit der katholischen Kirche (1905).
Welcher Nation gehörte Dzierzon an? Folgendes sagte Dzierzon selbst:
„Meine Nationalität betreffend bin ich allerdings, was mein Name andeutet, ein Pole von Geburt, da in Oberschlesien polnisch gesprochen wird. Da ich aber mit 10 Jahren nach Breslau kam, und dort meine Studien durchmachte, so bin ich von Erziehung ein Deutscher. Doch die Wissenschaft kennt keine Grenzen, keine Nationalität.- Katowice 29/9 1872.- Joh. Dzierzon Dr."
Dzierzons wichtigste Veröffentlichungen: „Theorie und Praxis" (1848), „Rationelle Bienenzucht" (1861), „Rationelle Bienenzucht und Theorie und Praxis des schlesischen Bienenfreundes" (1878).
Am Dzierzons Wohnhaus wurde 1931 eine Gedenktafel von Peter Lipp32 angebracht mit der Inschrift:
Wahrheit, Wahrheit über alles in der Welt.
Pfarrer Dr. Johannes Dzierzon, der größte Bienenzüchter
und Bienenforscher
aller Zeiten und Völker, starb in diesem Hause am 26. Oktober 1906.
Er wurde am 16. Januar 1811 in Lowkowitz, Kr. Kreuzburg geboren.
Der oberschlesische Imkerbund
Der deutsche Imkerbund33 1966 wurde am Grab von Johannes Dzierzon eine Grabplatte mit polnischer Inschrift hinzugefügt.
Seine hervorragenden Verdienste um die Bienenkunde begleiteten zahlreiche Anerkennungen und Ehrungen, darunter:
1872 Ehrendoktorwürde, Dr. phil. h.c der Münchener Universität
Ludwigsorden (Hessen), Franz-Josefs-Orden (Österreich)
Kronenorden 4. Klasse (Preußen), St. Annen-Orden (Russland)
Bayerischer Verdienstorden vom Hl. Michael (München), Wasaorden (Schweden)



