Schöpferisches Schlesien von A bis Z

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1860 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle/Saale
1904 Ehrenmitglied der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur (1904) und anderer wissenschaftlicher Vereinigungen.

Gedenktafel in Breslau/Wrocław, ul. Sienkiewicza 23, in polnischer und englischer Sprache: Jan Dzierżoń, 1811-1906 Pfarrer, Bienenzüchter. In Breslau absolvierte er das Gymnasium und das Theologiestudium an der Breslauer Universität. Neben seinen Seelsorgepflichten beschäftigte er sich mit der Forschung des Bienenlebens, wodurch er weltbekannt und berühmt wurde.
(Foto und Übersetzung: Autorin, 2012)

Ersttagsbrief und Sonderbriefmarke zum 200. Geburtstag von Pfarrer Jan Dzierżon.
(priv. Autorin)
Die niederschlesische Stadt Reichenbach wurde1946 nach ihm benannt. Das Kompendium der Encyklopedia Wrocławia würdigt Johannes Dzierzon mit einem Eintrag.
Dzierzons Errungenschaften gehören zum Kulturgut beider Länder: Deutschland und Polen. Er selber sagte, „die Wissenschaft kennt keine Grenzen, sie ist ein gemeinsames Kulturgut".
Dzierzon war schon zu Lebzeiten weltberühmt und wurde mit dem Titel „Meister aller Meister" geehrt.
32 s. Lipp, Peter
33 Ein Oberschlesier, der berühmteste Bienenzüchter der Welt, in: Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt, Dezember 1967
Ehrlich, Paul

* 14. März 1854 in Strehlen/Strzelin
† 20. August 1915 in Bad Homburg
Arzt
Forscher und Chemiker Serologe und Immunologe
1908 Nobelpreis für Medizin zusammen mit Ilja Iljitsch Metschnikow34
Paul Ehrlich wurde als Sohn jüdischer Eltern geboren. Sein Vater war Likörfabrikant, königlicher Lotterieeinnehmer und Vorstand der jüdischen Gemeinde in Strehlen. Ehrlich besuchte die Elementarschule in Strehlen, danach das humanistische Gymnasium St. Maria Magdalena zu Breslau. Nach der Reifeprüfung studierte er Medizin an den Universitäten in Breslau, Straßburg, Freiburg im Breisgau und Leipzig.
1877 legte Ehrlich die ärztliche Staatsprüfung in Breslau ab. 1878 promovierte er mit der Dissertation „Beiträge zur Theorie und Praxis der histologischen Färbung" zum Doctor med. in Leipzig. Zunächst war Ehrlich Assistent und später Oberarzt an der ersten medizinischen Klinik der Charité in Berlin. Schon während seiner Studienzeit befasste er sich mit der Färbung mikroskopischer Gewebepräparate. Mit der Einfärbung von Blutkörperchen schaffte er die Forschungsgrundlagen der modernen Hämatologie (1878). 1882 gelang es ihm, den von Robert Koch35 entdeckten Tuberkel Bazillus spezifisch anzufärben.
1884 wurde Ehrlich der Titel eines Professors verliehen. 1887 wurde er Privatdozent für innere Medizin an der Berliner Universität. Im selben Jahr habilitierte er sich über das Thema „Das Sauerstoffbedürfnis des Organismus". 1888/89 verbrachte Ehrlich in Ägypten und anderen südlichen Ländern, um seine Tuberkuloseinfektion, die er sich während seiner Forschungsarbeiten zugezogen hatte, auszukurieren.
1890 wechselte Ehrlich an das Institut für Infektionskrankheiten in Berlin und wurde Assistent von Robert Koch. Hier entwickelte er mit Emil Behring36 die Grundlagen der Immunitätsforschung und übernahm die Kontrolle der Forschungsarbeiten am Diphtherieserum (1895).
1896 übernahm Ehrlich die Leitung des Staatlichen Instituts für Experimentelle Therapie in Berlin-Steglitz, das 1899 nach Frankfurt/Main verlegt wurde. Hier begann Ehrlich 1901 mit den Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Krebsforschung und der Chemotherapie von Infektionskrankheiten.
1909 entwickelte Ehrlich mit dem japanischen Bakteriobiologen Sahahiro Hata37 das erste wirkende Chemotherapeutikum Salvarsan zur Behandlung der Geschlechtskrankheit Syphilis.
Ehrlich gelangten große Erfolge auf dem Gebiet der Hämatologie, Serologie und Immunologie. Er wirkte auch bei der Entwicklung des Serums gegen Diphtherie mit.

Gedenktafel am Haus in Berlin-Steglitz, Bergstraße 96
(Foto: Autorin 2014)
Paul Ehrlichs Lebenswerk begleiten zahlreiche Ehrungen:
1897 Ernennung zum „Geheimen Medizinalrat"
1903 Auszeichnung mit der Großen Goldenen Medaille für Wissenschaft
1904 Ordentliche Honorarprofessur in Göttingen und Ehrendoktorwürde von Chicago
1907 Ernennung zum „Geheimen Obermedizinalrat" und Ehrendoktorwürde von Oxford
1908 Nobelpreis für Medizin
1911 Ernennung zum „Wirklichen Geheimen Rat" mit dem Prädikat Exzellenz, Ehrendoktorwürde der Universität Breslau, der Universität Frankfurt/Main und Ernennung zum Ordinarius
1912 Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Strehlen
Hauptwerke: „Das Sauerstoffbedürfnis im Organismus" (1885), „Farbenanalytische Beiträge zur Histologie und Klinik des Blutes" (1891) und „Abhandlungen über Salvarsan" (1911-1914).
Ehrlich, der sich seit der Jahrhundertwende auch mit Studien zu Krebserkrankungen befasst hatte, gilt bis heute als einer der bedeutendsten Mediziner und Arzneimittelforscher.
Nach Paul Ehrlich ist der Preis für Mediziner in Deutschland benannt. Das Kompendium der Encyklopedia Wrocławia würdigt Paul Ehrlich mit einem Eintrag.
34 Ilja Iljitsch Metschnikow, 1845-1916, russischer Zoologe, Anatom und Bakteriologe
35 Robert Koch, 1843 - 1910, deutscher Mediziner und Mikrobiologe, Begründer der Bakteriologie, Nobelpreis für Medizin und Physiologie
36 Emil Adolf von Behring, deutscher Bakteriologe und Serologe, 1901 Nobelpreis für Medizin und Physiologie
37 Hata Sahachiro, 1873 - 1938, japanischer Wissenschaftler und Bakteriologe
Die Heimat hat eine eigene Zauberei, die kein Dichter entbehren kann.
(Joseph von Eichendorff)
Eichendorff, Joseph Karl Benedikt Freiherr von

* 10. März 1788 Schloss Lubowitz/ Łubowice
† 26. November 1857 in Neisse/Nysa
Lyriker
Schriftsteller
Prosadichter
Eichendorff stammte aus einer alten schlesischen katholischen Adelsfamilie, deren Familiensitz Schloss Lubowitz war. Seinen ersten Unterricht erhielt Eichendorff von 1793 bis 1801 zu Hause.
1801 bis 1804 besuchte Eichendorff das katholische St. Matthias-Gymnasium zu Breslau. Von 1805 bis 1806 studierte er Jura und Geisteswissenschaften an der Universität in Halle/Saale und besuchte philologische Vorlesungen. Nach einer Harzreise ging Eichendorff nach Schloss Lubowitz zurück.
1807 setzte er sein Jurastudium in Heidelberg und danach in Wien fort. Gleichzeitig machte er eine Bildungsreise nach Straßburg und Paris. 1808 brach er das Studium ab und kehrte nach Lubowitz zurück, um seinem Vater bei der Verwaltung der Güter zu helfen.
Im November 1809 ging Eichendorff an die Friedrich-WilhelmsUniversität in Berlin, wechselte aber schon im Sommer 1810 an die Universität in Wien, wo er das Jurastudium fortsetzte und 1812 abschloss.
1813 bis 1816 nahm Eichendorff an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil.
1815 brachte Eichendorff seine erste große Dichtung, den Roman „Ahnung und Gegenwart" heraus. Der Roman enthält etwa 50 Gedichte, Lyrik und Prosa.
1816 trat Eichendorff in den preußischen Staatsdienst und wirkte fast dreißig Jahre als Regierungs-, Schul- und Geheimrat in Breslau, Danzig, Königsberg und Berlin.
1821 wurde er zum katholischen Kirchen- und Schulrat in Danzig und
1824 zum Oberpräsidialrat in Königsberg ernannt.
1831 zog Eichendorff mit der Familie nach Berlin und arbeitete in verschiedenen preußischen Ministerien. 1841 wurde er zum Geheimen Regierungsrat ernannt.
1844 trat Eichendorff in den Ruhestand. Danach lebte er mit seiner Frau bei seiner Tochter in Köthen – bis zu seinem Tod.
Er verfasste unzählige Gedichte. Seine Verse wurden von Mendelssohn und Schmumann vertont. Seit Goethe war Eichendorff der größte deutsche Liederdichter. Zu seinen bekanntesten und schönsten Volksliedern zählen: „Der frohe Wandersmann", „Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben" und „In einem kühlen Grunde".
Der frohe Wandersmann
Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld.
Die Trägen die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur von Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um Brot.
Die Bächlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,
Was soll ich nicht mit ihnen singen
Aus voller Kehl und frischer Brust?
Den lieben Gott laß ich nun walten,
Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd und Himmel will erhalten,
Hat auch mein Sach aufs best bestellt.
In einem kühlen Grunde
In einem kühlen Grunde,
da steht ein Mühlenrad,
mein Liebchen ist verschwunden,
das dort gewohnet hat,
mein Liebchen ist verschwunden,
das dort gewohnet hat.
Sie hat die Treu mir versprochen,
gab mir ein'n Ring dabei,
sie hat die Treu gebrochen,
das Ringlein sprang entzwei…
Ich möchte als Spielmann reisen
weit in die Welt hinaus,
und singen meine Weisen
und gehen von Haus zu Haus…
Hör ich das Mühlrad gehen,
ich weiß nicht, was ich will,
ich möchte am liebsten sterben,
dann wär's auf einmal still…
(Joseph von Eichendorff)
Eichendorff schrieb Romane und Erzählungen, Theaterstücke und Epen. Zu den bekanntesten Werken zählen, um nur einige zu nennen: „Aus dem Leben eines Taugenichts" (1826) und die dreibändige Ausgabe von „Des Knaben Wunderhorn"(1806/1808).
In seinem Sterbehaus in Neisse entstand 1934 das Deutsche EichendorffMuseum mit Unterstützung der Eicherndorff-Stiftung, die 1931 gegründet wurde. 1952 wurde die Deutsche Eichendorff-Stiftung e. V.38 neu gegründet und in Wangen i. Allgäu entstand eine neue Eichendorff-Gedenkstätte.

(Fotos: Autorin, 2014)
In Wrocław/Breslau wurde Eichendorff 2005 mit einer Gedenktafel in der polnischen und deutschen Sprache, Schmiedebrücke 35/ul. Kuźnicza 35 geehrt.
Das Jahr 2007 war zum Eichendorff-Jahr erklärt worden – am 26. November jährte sich der 150. Todestag des Dichters. Eichendorffs Grabstätte befindet sich auf dem Jerusalemer Friedhof in Neisse.


Sockel vom zerstörten Denkmal im Herbst 2012 im Park Szczytnicki/Scheitniger Park. (Fotos: Autorin, 2012)
Im Mai 2012 wurde im Breslauer Botanischen Garten/Wrocław, Ogród Botaniczny, eine Kopie des 1911 errichteten Denkmals von Joseph von Eichendorff enthüllt. Es stand im Scheitniger Park in Breslau und wurde 1945 zerstört.
Das neue Denkmal schuf der polnische Bildhauer Stanisław Wysocki38 aus Wrocław, es wurde von der Deutsch – Polnischen Gesellschaft der Universität Wrocław gestiftet.

In der Galerie „Große Breslauer" im Breslauer Rathaus steht eine Marmorbüste aus schlesischem Marmor zu seinen Ehren. Das Kompendium Encyklopedia Wrocławia widmet Joseph von Eichendorff einen würdigen Eintrag.
381969 wurde die Deutsche Eichendorff-Stiftung in Eichendorff-Gesellschaft umbenannt und löste sich 2010 auf.
39 Stanisław Wysocki ist Träger des Kulturpreises Schlesien 2011
Elsner, Joseph Anton Franz

Joseph Xaver Elsner/Józef Ksawery Elsner
* 1. Juni 1766 in Grottkau/Grodków
† 18. April 1854 in Elsnerowo bei Warschau
Komponist, Dirigent, Musikpädagoge
Lehrer Chopins und Wegbereiter der polnischen Musik
Elsner stammte aus einer schlesischen katholischen und musikalischen Familie. Sein Vater war Zimmermann, baute und reparierte Musikinstrumente und war ein leidenschafttlicher Amateur-Harfenspieler. Seine Mutter war die Tochter eines bekannten Violinenherstellers in Glatz/Kłodzko.
Elsner sollte Priester werden: Er besuchte die Klosterschule der Dominikaner, das katholische St. Matthias-Gymnasium und später das Jesuitenkolleg in Breslau. Er entschied sich jedoch für die Musik und nahm 1791 das Musikstudium in Wien auf. Danach war er als Geiger in Brünn/tsch. Brno und als Kapellmeister am deutschen Theater in Lemberg/Lviv, Ukraine, tätig. Hier gründete er eine deutsche Musikschule.
1799 ging er nach Warschau, wo er zunächst als Kapellmeister, dann als Direktor des deutschen Theaters und später des Polnischen Nationaltheaters wirkte. Elsner nahm die Opern von Weber und Mozart in sein Repertoire auf. Die Libretti verfasste er in der polnischen Sprache. Aufgrund von Beschwerden, er würde Deutsche bevorzugen, verließ er das Theater.
1821 gründete Elsner das Warschauer Konservatorium. Sein berühmtester Schüler war von 1823 bis 1829 Frédéric Chopin40. Er unterrichtete ihn in Musiktheorie und Komposition. Chopin widmete Elsner seine Sonate Nr. 1 in C-Dur, Op. 4 (1828). Elsner förderte viele polnische Komponisten.
Der polnische Komponist Stanisław Moniuszko41 schätzte Elsner sehr und bezeichnete ihn als „Begründer der nationalen Musik".
1832 bis 1837 komponierte Elsner 19 religiöse Lieder für den Breslauer Dom.
Elsner war einer der ersten Komponisten, der polnische Volksmusik und Themen aus Polens Geschichte in seine Werke einbaute. Er komponierte Messen, Polonaisen, Opern, Symphonien, Kantaten. Seine Werke wurden auf den europäischen Bühnen gefeiert.
Warschau war Elsners Wahlheimat, aber er selbst bezeichnete sich als Schlesier. Während seines langen Lebens in Warschau nahmen sein Name und Familienleben allmählich polnischen Charakter an. Er polonisierte sich.
Für die polnische Musikwissenschaft ist Elsner der Schöpfer, der Stammvater der polnischen Musik.
Eine Gedenktafel in polnischer und englischer Sprache am Dominikanerkloster in Breslau/Wrocław, plac Dominikański 2/4:

Joseph Elsner 1769 – 1854 Komponist, Pädagoge und Lehrer Fryderyk Chopins. Schüler der Klosterschule der Dominikaner, des St. Matthias-Gymnasiums und Jesuitenkollegs. Zwischen 1832-1837 komponierte er 19 religiöse Lieder für den Breslauer Dom.
(Foto und Über setzung: Autorin, 2012)
Elsner starb in Elsnerowo, einem Ort, der nach ihm benannt wurde und heute Stadtteil von Warschau ist. Viele polnische Schulen tragen seinen Namen.
Das Elsner-Museum in Grottkau existiert nicht mehr, seine Geburtsstraße trägt seinen Namen. Das Kompendium Encyklopedia Wrocławia würdigt Joseph Elsner mit einem Eintrag.
Joseph Xaver Elsner war deutscher und polnischer Komponist und zu seiner Zeit ein musikalisch-künstlerischer Brückenbauer zwischen Ost und West.
40 Frédéric Chopin, polnischer Pianist und Komponist, 1810-1849.
41 Stanisław Moniuszko, polnischer Komponist, Dirigent und Musikpädagoge, 1819-1872, Komponist der polnischen Nationaloper „Halka".
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