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Sicher werden wir noch viele solcher Stunden erleben, an denen uns das Grausen kommt, wenn wir an die lange Zeit der Trennung denken. Und wir können nur hoffen, dass Frieden bleibt. Verzeih mir, ich will keine trübe Stimmung aufkommen lassen.
Ich selbst traue mich nicht, solche Gedanken zu Ende zu denken.
Aber nun zu etwas Erfreulicherem. Ich habe heute die Bilder geholt. Da waren ja noch welche von Wernigerode bei. Die von Zinnowitz sind alle geworden. Oma und Hans haben uns eine Glückwunschkarte zur Wohnung geschickt und mein Papa auch.
Ella hat noch keine Raufasertapete bekommen. Heute kam keine Ware, weil Pfingsten war. Jetzt in meinem Frei mache ich das mit der Küche klar. Mein Gehalt habe ich diesen Monat noch nicht angerührt und Ehekredit haben wir noch 2270,00 Mark. Ich gebe es nicht mit vollen Händen aus und rechne nur noch. Aber das bequatschen wir alles am Sonntag. Schick mir bitte ein Telegramm, wenn Du keinen Ausgang bekommst, dann brauche ich nicht zu Manuela fahren und den Schlüssel für die Bude holen.
In drei Tagen mache ich mich auf den Weg zu Dir. Was sagst Du dazu? Und wenn Du diesen Brief bekommst, ist es sicherlich schon morgen! Hoffentlich bekommst Du Ausgang!“
8. Kapitel
Am 31. 5., meinem 25.Geburtstag, morgens schrieb ich noch ein paar Zeilen, obwohl

„Guten Morgen mein lieber Fratz! Ich habe mich gestern Abend sehr über Deine Geburtstagskarte gefreut! Habe gar nicht damit gerechnet!
Jetzt ist es halb sechs und ich bin schon ne Weile wach und aufgestanden, obwohl ich schlecht geschlafen habe. Wir haben gestern noch das Zimmer umgeräumt. Da sich doch einige Leute zur Feier heute Abend angemeldet haben. Um 22:00 Uhr kam dann der kleine Michel zu mir und wollte bei mir schlafen. Oh man, der macht sich ganz schön dick.“
An diesen Geburtstag habe ich leider keine Erinnerung mehr. Wahrscheinlich hatte ich nur die Gedanken an meinen Besuch bei Hannes im Kopf. „Sonntag besuche ich meinen Fratz, was bedeutet da schon eine Geburtstagsfeier!“

Nachdem ich zwei Tage, am 6. 6. keinen und am 7. 6. nur einen kleinen Brief geschrieben habe, tat ich das am 8. 6., es war ein Samstag wieder ausführlich.
Dieser Brief beginnt wieder früh morgens vor der Arbeit (5:30 Uhr) und endet am folgenden Montagmorgen, damit ich ihn noch in den Briefkasten werfen konnte.
Natürlich beginnt dieser Brief mit:
„Mein lieber Fratz, Hannes! Erst einmal meinen herzlichen Glückwunsch zum 1. Hochzeitstag!“
Unseren 1. Hochzeitstag mussten wir nun jeder für sich alleine verbringen. Und so hatte ich auch gleich wieder Fragen an meinen Ehemann:
„Was ist mit Deinem Ausgang am Sonntag? Vielleicht kann jemand mit Dir die Wache tauschen, wenn Du eingeteilt bist. Schade, dass diese Woche keine Post von Dir gekommen ist! Was musstet Ihr denn wieder machen, abends? Aber das ist wohl überall bei der Armee so. Konni hat diese Woche auch keine Post von ihrem Frank.
Noch eine Woche , Fratz! Dann komme ich wieder zu Dir!
Ella hat immer noch keine Raufasertapete bekommen. Wenn ich nun doch andere kaufen muss, ist es ja nicht so schlimm. Die Decken sind ja weiß.
Ich war gestern wieder gucken, es sieht so aus, dass die Wohnung rechtzeitig fertig wird. Ach so: Den BMK-LKW bekomme ich nun doch nicht. So ein Mist, was? Na ich werde sehen, dass ich mit Marianne den Kleinkram rüber fahre. Die Möbel dann mit Deinen Kollegen und ihrem Multi-Car.“
Sonntagabend berichte ich, dass Konstanze vorsichtshalber ihre Anbauwand verkauft hat. Auch dass jetzt der Eingang unseres Hauses gestrichen ist und es nicht mehr lange bis zur Schlüsselübergabe dauern kann. Dann die Frage:
„Hoffentlich habe ich bald Post von Dir, sonst werde ich hier wahnsinnig! Warum hast Du denn nicht geschrieben? Ich liebe Dich doch so! Wenn ich Dienstag keine Post von Dir habe, werde ich sauer! Fratz, Fratz! Schreibe mir bloß bald! Ich muss doch auch wissen, ob Du Ausgang bekommst, auch wegen der Bude.“
Aber dann habe ich schon wieder Ideen, hier für die Einweihungsfeier der Wohnung:
„Die Einweihungsfeier für unsere Wohnung starten wir am besten, wenn Du da bist. Damit werden auch die Anderen, die helfen, einverstanden sein. Dann habe ich auch sicherlich schon die Möbel für das Wohnzimmer. So richtig kann ich mir das immer noch nicht vorstellen, dass ich in knapp einem Monat in unserer eigenen Wohnung sein werde. Fratz, schreibe mir bitte! Wenn Du diesen Brief liest, sind es nur noch vier oder fünf Tage bis ich zu Dir komme!“
Am Montagmorgen auch noch ein paar Zeilen, wie es Sonntag auf Arbeit war, dass ich Kartoffelsalat mit Paprika gemacht habe und dann die Worte:
„Heute sind es nur noch sechs Tage! Hoffentlich vergehen die so schnell, wie die Tage der letzten Woche. Fratz, ich liebe Dich ganz doll und freue mich schon so auf Sonntag! Du auch?“
Dann endlich kam Post von Hannes, sogar wieder zweimal. Auch er hatte, zu meiner Freude, an unseren Hochzeitstag gedacht:

Herzlichen Glückwunsch
zu unserem Hochzeitstag wünscht Dir ganz lieb Dein Hannes. Auf noch viele gemeinsame und glückliche Jahre mit Dir. Ich liebe Dich ganz, ganz, ganz, ganz, ganz, ganz doll!“,
stand zu meiner Freude quer geschrieben auf einer Briefkarte. Auf deren Rückseite dann kurz:
„Mein lieber Fratz! Ich habe Deine beiden Briefe natürlich erhalten. Muss Dir leider sagen, dass ich gar keine Zeit habe. Seit Montag ist hier Ballett, weil die ganze Woche Kontrolloffiziere von der Division hier sind. Ich liebe Dich ganz doll, aber ich muss aufhören, Stuben- und Revierreinigen ist gleich dran. Ich schreibe noch ausführlicher.“, und das tat er dann auch in seinem 10. Brief, den ich ja auch am 10. 6. erhalten habe.
D
ieser begann, wie immer mit:
„Meine lieber Fratz! Ich möchte nun endlich mal in Ruhe schreiben. Es ist morgens 3:30 Uhr und ich sitze hier mutterseelenallein auf dem Flur. Ja, ich habe Dienst, muss GUVD stehen und das am 1. Hochzeitstag. Fratz, sei mir nicht böse, dass ich noch nicht weiter geschrieben habe, aber ich hatte wirklich nicht viel Zeit diese Woche. Es war wieder verstärkter Stress. Der Tag ging von 6:00 bis 22:00 Uhr. Ich liebe Dich ganz doll. Wenn dieser Brief ankommt, sind es wohl bloß noch 5 oder 6 Tage bis zu unserem Treffen. Ja, Fratz, ich bin froh, dass ich `eine selbstständige, resolute Frau` habe. Sonst hätte ich Dich ja wohl nicht geheiratet. Dann bist Du ja sehr spät nach Hause gekommen, als Du das letzte Mal hier warst. Das tut mir leid, aber was will man machen. Ich bin gut ins Objekt gekommen, aber mein Bus fuhr auch erst um 23:00 Uhr. Ehe ich geschlafen habe, war es auch 23:45 Uhr. Aber es war ja doch noch ganz schön gewesen, trotz des Zwischenfalls mit dem Uffz. Dass die Wohnung Dir gefällt, freut mich aber auch. Ich bin jetzt auch schon immer ganz gespannt, wie sie aussehen wird. Mach Dich nicht selbst verrückt, wegen dem Umzug. Es wird schon alles klappen. Du wirst das Kind schon schaukeln, Ich habe vollstes Vertrauen in Dich. Ich werde wahrscheinlich Sylvester fahren (in VKU), das wäre dann vom 30. 12. nach Dienst bis zum 4. 1. zum Dienst früh 6:00. Wenn ich richtigen Urlaub habe, ist auch Dein Großfrei drin. Ich habe mal geguckt wegen dem 7. Oktober. Da dieser ein Montag ist, wäre es sehr günstig, wenn ich dann meinen ersten VKU bekommen würde. Dann wäre ich vom 4. 7. nach Dienst bis 9. 7. zum Dienst zu hause und Du hast auch gerade frei. Wenn das klappen würde, das wäre eine Wucht. Ja das sind die kleinen Träume hier. Der Zwischenfall mit Yvonne ist natürlich nicht gerade sehr schön, aber was soll´s. Lass es ruhen, wie es ist. So Fratz, nun ist es 4:30 Uhr. Ab 5:00 Uhr gibt es genug zu tun für mich. Sei ganz lieb gegrüßt von Deinem Hannes. Ich liebe Dich, wie verrückt!“
Es zeigte sich also, dass meine Idee, Hannes meinen Kalender zu schicken, genau richtig war. Ich freute mich natürlich auch, dass er den Brief dieser Yvonne nicht wichtig und ernst genommen hat. Dem entsprechend klang mein nächster (19.) Brief vom 10.6. als Antwort auf seine Briefe vom 8. und 9.6.:

Mein lieber Fratz Hannes!
Ich habe mich sehr über Deine beiden Briefe gefreut! Endlich Post von Dir! Musst Du die ganze Nacht auf dem Flur hocken? Wann schläfst Du denn dann? Kannst Du dabei wenigstens Radio hören?
Weißt Du nun schon, ob Du am Wochenende Wache hast?
Ja, wir lassen den Brief von Yvonne ruhen.
Heute bin ich mit dem Zug nach Hause gefahren. Es hat bei uns gewittert mit Hagel. Es wird wohl doch nicht der Jahrhundertsommer. Aber das kann uns ja nicht ärgern, dann musst Du nicht so sehr schwitzen. Morgen wollen Konstanze und ich nach der Arbeit gleich zum WKK fahren. Ich will fragen, wie das läuft mit dem Tag des Umzuges und Konni hat immer noch Ärger, wegen der Unterkunft. Sie will auch noch mal an den Major von Franks Einheit schreiben. Vom ZK hat sie die Antwort bekommen, ihr Fall werde bearbeitet. Ich halte mein Angebot aufrecht, dass sie zu mir kommen kann, wenn Du nicht da bist, aber offiziell in die Massenunterkunft zieht.
Heute habe ich wegen Sonntag an Manuela geschrieben. Hoffentlich klappt alles! Ich liebe Dich doch so!
Ach so: Könntest Du bitte auf Deine Brief das Datum vorne schreiben. Manchmal kommen die ja zu zweit hier an und ich weiß dann nicht, welchen soll ich zuerst lesen. Gute Nacht und ein dickes Küsschen von Deinem Fratz Helena.“
Am nächsten Morgen war ich schon um 4:00 Uhr wach, weil jemand vergessen hatte, sein Radio auszumachen und in Frei gefahren ist.
„Danach gab´s irre Träume. Hundekalt ist es auch. Den Träumen nach stehe ich freiwillig auf. Der Kälte nach möchte ich lieber im Bett bleiben. Mein Fratz, weißt Du schon, ob Du Wache hast am 16. 6.? Hoffentlich nicht! Ich liebe Dich ganz doll! Und heute ist erst Dienstag!“
9. Kapitel
A
uch Hannes hat am Pfingstsonntag noch mal geschrieben.
„Ich möchte wieder mal was von mir hören lassen, wenn es Dir recht ist.“
Und wie recht es mir war!
„Es ist Sonntag, 18:30 Uhr und ich habe gerade Fußball-Panorama gesehen. Eine feine Sache in Farbe, bloß blöd, dass man auf einem Hocker sitzen muss und das im Flur. Morgen geht der Stress wieder los, eine neue Woche fängt an. Ich sehe unser Wochenende in Gefahr kommen. Wir müssen wahrscheinlich Wache stehen, aber ich werde mich noch genau erkundigen. In genau 2 Monaten bin ich bei Dir im Urlaub. Im Radio läuft gerade ,Ìch sterbe nicht noch mal´. Du weißt doch was ich meine. Wir müssen unbedingt tanzen gehen, ich freue mich schon riesig darauf. Wie war Dein Wochenenddienst, so wie immer? Deine Schwiegereltern haben sich bestimmt auch noch nicht gemeldet, oder? Was ist eigentlich mit Konni geworden? Hast Du schon neue Termine für die Wohnung? Was macht das Transportproblem? Ich wollte, ich wäre doch lieber bei allem dabei. Aber es ist nun mal nicht zu ändern. Übrigens, Post bekommen wir im Feldlager, die wird wohl von hier nachgeschickt. Aber ich werde nicht schreiben können. Dann bist Du also mindestens 3 Wochen ohne Post. Das waren aber auch zwei schlechte Nachrichten heute.“
J
a, das waren schlechte Nachrichten.
„Hoffentlich müsst Ihr keine Wache stehen!“
Ich wünschte es mir so sehr.
Den Liedtext, den Hannes erwähnte, fand ich nicht passend und fragte:
„Hast Du Angst, es selbst mal singen zu müssen?“, und weiter:
„Natürlich gehen wir tanzen, wenn Du auf Urlaub kommst. Am besten ins ,Boddenhus´, da haben wir es dann nicht so weit nach hause. Von meinem Wochenenddienst habe ich Dir ja schon geschrieben.“
Dann berichte ich von Zoff in der Wohnunterkunft, wegen der Küchen- und Badreinigung, dass mich das aber nicht mehr gestört hat, da meine Tage dort ja eh gezählt waren. Dann fiel mir ein:
„Wieso bist Du erst in zwei Monaten auf Urlaub. Du bekommst doch Deinen Sonderurlaub noch.
Termine für die Wohnung habe ich noch nicht. Aber man sagte mir heute, das kann ganz plötzlich kommen.“
Ja und dann ausführlich zu Konnis Situation:
„Um Konnis Sache steht es ganz schlecht! Sie hat heute einen Anruf von der SED-Kreisleitung bekommen und ist heute Nachmittag gleich hingefahren. Die Genossin dort hat ihr gesagt, in der Massenunterkunft sei das doch gar nicht so schlecht. Sie habe auch mal in einem Studentenwohnheim gewohnt. Nun hat sich Konni doch über den Schwarzwohner in ihrer Wohnung beschwert. Aber die Objektleitung kümmert sich nicht mehr um so was, das müsse der Betrieb regeln. Na und wie der das regelt, kannst Du Dir ja vorstellen. Sie hat zum Schluss nur gesagt: Ich muss raus und die Schwarzwohner können drin bleiben! Die Genossin meinte dann noch, wenn Frank auf Urlaub kommt, können die anderen aus dem Zimmer ja so lange ausziehen! Bietet ihr also an, dass er sich dann dort schwarz aufhält. Du kannst mir glauben, sie hat die Nase voll! Ich verstehe auch nicht, warum sie Konni nicht ein kleines Zimmer geben. Da braucht der Betrieb auch nur ein Bett bezahlen. Na jedenfalls will die Genossin am 2. Juli eine Aussprache veranstalten, mit Konstanze, unserem Chef und einen Kollegen von der Kaderabteilung. Am Montag wollen wir mal zur BGL fahren, mal sehen, was die dazu sagen. Du siehst wie beschissen man dran sein kann, wenn der Mann zur Armee muss. Aber Konstanze kann sich meiner Unterstützung sicher sein. Schon alleine, weil ich immer daran denke, dass es mir hätte genauso gehen können.
So, Fratz, ich hoffe, ich habe Deine Neugier für heute gestillt. Ich liebe Dich ganz doll und bin ewig Deine Dich liebende Helena. Gute Nacht.“
Gleich am nächsten Morgen wieder Zeilen an Hannes. Diesmal über einen guten Traum:
„Heute Nacht haben wir unsere Wohnung bekommen. Ich habe das eine Zimmer gleich eingerichtet, aber leider keine Tapeten gefunden.“
Daran sehe ich heute wieder, wie sehr mich das Ganze auch in meinen Träumen beschäftigt hat. Auch bei meiner Mutter gab es Veränderungen.
„Meine Mutter habe ich gestern angerufen, sie lässt schön grüßen. Gestern war sie beim Arzt. Jetzt ist klar, sie wird nicht mehr beim DFD arbeiten. Dieses Jahr wird sie das wohl überhaupt nicht mehr. Sie ist noch krank geschrieben und dann geht sie noch zur Kur. Haben Deine Eltern Dir denn schon mal geschrieben? Ich möchte wissen, was in denen vorgeht! Vielleicht sind sie böse weil ICH ihnen das mit der Wohnung geschrieben habe. Na wer weiß!“
Was damals mit meiner Mutter in Wolgast war, wurde mir erst später wirklich klar.
Auf Anraten der DFD-Bezirksvorsitzenden ist sie von ihrer Wahlfunktion als
DFD-Kreisvorsitzende zurück getreten und zog 1986 auch nach Greifswald in das Haus, in dem in der Zwischenzeit auch die Familie meiner Schwester lebte.
Hannes Eltern waren ja, wie erwähnt, speziell. Aber ich kann es bis heute nicht verstehen, dass nicht mal seine Mutter sich gemeldet hat. Immerhin war er ihr einziges Kind!
A
m Abend des 12. 6. berichtete ich
„Heute ist die Bestätigung gekommen, dass die AWG Deine Anteilsstunden stundet. Zwei Jahre nach Beendigung des Wehrdienstes musst Du sie dann bringen.“
So hatte ich wenigstens gute Nachrichten für meinen Hannes.
Dann wieder Gedanken zum bevorstehenden Umzug:
„Hoffentlich hält Marianne Wort! Dann könnten wir schon Fernseher, Tonband und den anderen Kleinkram rüber bringen. Wenn sie ein paar Mal fährt, bezahle ich ihr auch das Spritgeld. Ich werde sie mal morgen anrufen. Heute hat Dein Kollege Heinz gefragt, ob Du beim Umzug dabei bist. Ich habe gesagt, dass Du zu der Zeit im Feldlager bist, aber dass wir feten werden, wenn Du da bist. Er hat geantwortet, Du würdest also kommen, wenn alles fertig ist, aber das man das nicht ändern könne.“
Dann verabschiedete ich mich mit den Worten:
„So mein Fratz, ich werde jetzt noch ein wenig lesen und versuchen zeitig zu schlafen.
Ich wünsche Dir eine Gute Nacht! Ich liebe Dich, Hannes!“
Auch den Morgen des 13. 6. beginne ich mit ein paar Zeilen an meinen Soldaten:
„Heute habe ich meinen vorletzten Arbeitstag! Noch drei Tage, das heißt am 3. komme ich ja schon zu Dir. Hoffentlich geht alles klar und Du hast keine Wache! Ich freue mich auf unser Wiedersehen und bin jetzt schon wieder ganz aufgeregt. Ich liebe Dich eben und da kannst Du nichts gegen machen!“
D
och dann wurde klar, dass die Befürchtungen,
„Ich muss Dir heute ganz wichtige Dinge mitteilen. Vom Samstag 17:00 Uhr bis Sonntag 17:00 Uhr stehe ich Wache. Ich werde aber trotzdem Ausgang beantragen. Bis 18:00 Uhr könnte ich es schaffen raus zu kommen. Dann können wir ja noch lostoben. Wenn nicht, tut es mir leid. Unser anderes Wochenende (30.6.) ist wahrscheinlich auch futsch, wir fahren nämlich am 30. 6. bereits los ins Feldlager.
Du müsstest Dich also schon mal auf den Samstag (29. 6.) einrichten. Für den Umzug brauchst Du mir gar nichts schicken. Das geht alles so seinen Gang (angeblich). Ich habe schon angesprochen, dass ich das erste Wochenende nach dem Feldlager fahren würde (27./28. 7.). Na ja Fratz, wir werden sehen, wie es wird. Sonntag können wir dann alles besprechen, ob in der Kaserne oder draußen, wird sich zeigen. Den Umständen entsprechend geht es mir einigermaßen gut. Ein paar blaue Flecken und etwas erkältet, aber was soll´s. Das Wichtigste ist eben, dass wir uns lieben, oder? Ich liebe Dich, glaube ich, von Tag zu Tag mehr? Ich kann es gar nicht erwarten bist Du kommst. So, nun bin ich vom Mittag zurück und habe Deinen Brief, den ich sehnsüchtig erwartet habe, erhalten. Ab 17:00 Uhr stehe ich wieder Dienst (GUvD). Da werde ich in der Nacht, bestimmt Zeit haben zu schreiben.“
Oh je, was für schlechte Nachrichten! Was mich natürlich nicht von einem Antwortbrief am 13. 6. abgehalten hat. Und ich konnte mich ja schon auf weitere Post freuen, da Hannes es ja geschrieben hatte, dass er sicherlich in der Nacht noch Zeit dafür hätte. Aber wenn ich jetzt die Briefe durchsehe, erkenne ich, dass er erst am Freitag nach unserem Treffen wieder geschrieben hat. Obwohl er da wieder das Datum vergessen hatte, kann ich erkennen, dass es der 21. 6. gewesen ist und mich der Brief wohl am 22. erreicht hat.
Bis dahin habe ich aber noch fleißig geschrieben. Doch nun erst mal zu meinem
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2. Brief vom 13. 6.
„Mein lieber Hannes! Ich habe mich heute sehr darüber gefreut, dass ich Post von Dir hatte. Einiges, was Du schreiben musstest, war natürlich weniger erfreulich. Fratz, dann sehen wir uns Sonntag ja noch später! Und wie ist das dann mit dem 29. 6.? Da fahren die Züge nur im großen Abstand. Na ja, dann muss ich eben mal eine Busfahrt ertragen. Warum hast Du hinter dem Satz: `Ich liebe Dich glaube ich von Tag zu Tag mehr` ein Fragezeichen gemacht? Weißt Du es nicht genau? Wenn Du beim GUvD noch mal geschrieben hast, bekomme ich ja morgen noch mal Post. Das wäre ja herrlich. Dann kannst Du ruhig immer GUvD sein, damit ich alle Tage Post von Dir bekomme!“
Dem war ja leider nicht so, aber das wusste ich noch nicht, als ich diesen Brief schrieb und so berichtete ich weiter:
„Um Konni sieht es ganz böse aus! Ein Glück, dass ich den Ärger nicht habe, aber ich kann mitfühlen! Sie soll bis Dienstag aus dem Zimmer sein, sonst wird sie zwangsgeräumt. Ja Du hast richtig gelesen: zwangsgeräumt. Das hat man gestern für sie bestellt. Die Typen sollten alle mal zur Reserve. Da hat sie so auf das ZK gehofft. Das sind doch unsere obersten Volksvertreter, oder? Mich regt diese Sache sehr auf.“
Dann verabschiede ich mich freudig bis Sonntag von meinem Hannes.
Leider kam kein Brief mehr von meinem Schatz, aber ich glaube am Samstag kam ein Telegramm, dass Hannes keinen Ausgang bekommt. Ich weiß es tatsächlich nicht mehr, habe aber zwischen den Briefen zwei Telegramme gefunden mit dem Bescheid. Leider sind diese ohne Datum. Unvorstellbar heute! Aber auch Hannes hatte in dem kurzen Text kein Datum angegeben. Aber wenn ich die Telegramme bekommen habe, wusste ich ja worum es geht. Mein Brief nach unserem Treffen, bestätigt meine Vermutung. Ich habe ihn in der Kaserne besucht, nicht ohne Hannes die von ihm gebrauchten Sachen zu bringen und seine Wäsche mit zu nehmen.
10. Kapitel
A
ber erst mal schilderte ich Hannes
„Guten Morgen mein lieber Hannes! Du siehst, ich bin zu hause. Die Fahrt verlief einigermaßen, d.h. die Züge fuhren leidlich pünktlich.“
Dann berichte ich von besoffenen Typen und einer Fastschlägerei unter Matrosen. Auch dass ich vom Greifswalder Bahnhof mit einem Schwarztaxi nach hause gefahren bin und es nicht bezahlen musste, weil es ein Kollege von mir war, der sich ertappt gefühlt hatte. Aber um 12:00 Uhr habe ich schon wieder an Hannes geschrieben. Ich wollte noch vieles erledigen an diesem Tag und so nahm ich diesen Brief gleich mit und begann um 21:30 Uhr den nächsten.
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ch sah wohl eine Gelegenheit,
„Dann war ich mit Ella zusammen eine Wohnzimmerlampe kaufen. Die sieht wirklich gut aus und war für die heutigen Verhältnisse billig (256,50 Mark). Es war auch die letzte, sie mussten mir das Muster verkaufen. Ich hoffe, Du bist zufrieden mit mir. Und mache Dir wegen der Arbeit keine Gedanken, es gibt ja nur zwei Möglichkeiten. Aber ich halte es im ,Struck´ kaum noch aus. Das kannst Du mir glauben. Der Brief von Manuela ist heute gekommen. Den Briefkastenschlüssel habe ich jetzt. Da brauche ich jetzt nicht mehr in Rostock hin- und her fahren. Den Budenschlüssel können wir nun immer aus dem Briefkasten holen, wenn ich Dich besuche. Alles in Allem sieht das doch gut aus, mein Fratz.“
Wenn ich das jetzt lese, bin ich doch recht positiv verwundert, was ich alles organisiert habe in den paar Wochen, seit Hannes bei der Armee war. Und mit Hilfe meiner Schwester, konnte ich auch die Küche bezahlen. Das berichtete ich dann auch freudig am Abend des 18. 6.:
„So mein Fratz, ich bin zurück. Bei der AWG haben wir jetzt keine Schulden mehr. Habe heute alles bezahlt, auch die restlichen Stunden. Die habe ich heute auch gleich angerufen. Der Termin verschiebt sich wohl. Da kann es sein, dass Umzugstermin = Tapeziertermin wird. Dann kann ich aber nicht am 29. kommen. Wenn ich das genau weiß, versuche ich in der Woche irgendwie zu kommen, vlt. am Mittwoch, den 26.6.. Dann nehme ich nämlich meine Umzugstage am 26. und 27. Das mit der anderen Arbeit geht auch nicht. Sie dürfen niemand von Lubmin ,wegnehmen´. Es wäre auch märchenhaft gewesen, hätte alles wie geplant, geklappt. Raufasertapete haben wir auch nicht bekommen. Ella kauft heute ganz billige (3,75/ 10 Meter). Die kleben wir dann verkehrt rum an und streichen sie weiß an. Das reicht auch erst einmal. Schöner können wir es ja machen, wenn Du von der Armee zurück bist.“




