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Dieser Brief, der bis zum 18. 6. geht, endet natürlich nicht ohne die üblichen Grüße an meinen Hannes und die Worte:
„Ich liebe Dich ganz doll!“, so wie jeder unserer Briefe in den verschiedensten Varianten.
I
n meinem Brief vom 20. 6. morgens,
„Da sie nichts von NVA in den Verträgen gefunden haben und Frank ja nicht gekündigt hat, kann sie drin bleiben. Das wäre ne Wucht. Nun macht Konni auch keine Schichten! Ich kann das noch gar nicht glauben!“, berichtete ich Hannes.
A
uch der nächste Brief enthält noch mal eine
„Ich habe nun beschlossen, dass ich am 12. 7. umziehe. Bis dahin werden sie den Schlüssel ja wohl rausrücken. Becker hat mir erzählt, die Aufgänge sind fertig aber es fehlen die Herde. Wenn der Schlüssel nächste Woche kommt, tapeziere ich am 29.6.. Dann komme ich am 28. zu Dir. Da nehme ich dann meinen Haushaltstag für Juni. Ich hoffe, dass Du damit einverstanden bist. Ich schreibe Dir das noch genauer. Sei bitte nicht böse, dass ich Dich auf später vertrösten muss. Ich liebe Dich heiß und innig! Das kannst Du mir glauben!“
Am nächsten Morgen, es war der 21. 6., noch schnell ein paar Grüße an Hannes vor der Arbeit. Und ich erinnere ihn noch, dass ja sein Jahrhundertsommer nun beginne.
Was mich wundert jetzt beim Lesen meiner Briefe, dass ich nicht nach Post von Hannes fragte. Hatte er mich am 16. 6. vorgewarnt? Ich hoffe, dass mir die nächsten Briefe Aufklärung darauf geben.
D
ann schreibe ich am 22. 6. morgens wieder.
Abends dann wieder mehr über den Tag und natürlich wieder über das Thema „Konstanze und ihr Zimmer“.
Offensichtlich war das immer noch nicht zu ihren Gunsten abgeschlossen. Der Chef der Unterkunftsverwaltung, wollte der Bezirksleitung nicht nachgeben und hatte Konni für Montag zu sich bestellt. Ich plante an dem Tag, mit ihr mitzugehen.
Aber dann auch wieder Vorschläge für das Treffen mit Hannes in Rostock:
„Am Freitag nehme ich auf alle Fälle meinen Haushaltstag. Ich muss ihn ja im Juni schon nehmen. Vielleicht bekommst Du ja Ausgang. Schreibe mir bitte ab wann das dann ist. Ich habe ja jetzt den Postkastenschlüssel für Manuelas Bude. Wenn Du Ausgang bekommst, brauche ich ja erst Samstag früh zurück fahren und wir könnten bis 23:00 – 23:30 Uhr zusammen sein.“
Das wünschte ich mir so sehr. Seit Hannes bei der Armee war, also seit fast 8 Wochen konnten wir keine Zweisamkeit genießen. Dann erzählte ich, dass alle Freundinnen entweder nach hause gefahren sind, arbeiteten oder Besuch von ihren Freunden hatten:
„Ich werde heute also wieder einen einsamen Fernsehabend verbringen. Da gewöhne ich mich langsam an das Alleinsein im Ostseeviertel. Fratz, ich liebe Dich ganz doll und ich habe solche Sehnsucht nach Dir!“
Am Sonntag, den 23. 6. geht der Brief natürlich morgens weiter.
Ich hatte es mir angewöhnt, dass ich morgens noch mal schrieb, bevor ich die Briefe an Hannes zum Briefkasten brachte. Am Wochenende sind die Briefe dementsprechend länger, da sie erst Montag weggingen. Irgendwie schlau, finde ich heute. Und so beginnt auch dieser Sonntagmorgen mit Zeilen an meinen Hannes.
Von der Arbeit aus konnte ich an den Wochenenden wohl auch mal telefonieren:
„Vielleicht kann ich heute mal Mutti anrufen.“, schrieb ich und dann auch gleich wieder:
„Ich denke gerade, wenn ich Dich besuchen komme, sind schon fast zwei Monate rum. Schon? Mir kommt es wie eine Ewigkeit vor. Ich freue mich jetzt schon auf Deinen Urlaub. Hoffentlich habe ich Montag von Dir mal wieder Post! Zur Zeit geht’s auch wieder mit der Arbeit im ,Struck´. Also, es ist auszuhalten.“
Die gleichen Fragen nach Post noch mal am Montagmorgen. Dann der Hinweis, dass ich meine Mutter doch nicht anrufen konnte, aber plane, sie in meinem Frei zu besuchen. Dann eine Anmerkung auf die Wäsche, die Hannes mir mitgegeben hatte:
„Was war das eigentlich für Unterwäsche? Ich habe sie nicht sauber bekommen, trotz Einweichen, Vorwaschen, Kochen und Waschen. Entfärber gibt es ja nicht zu kaufen.“
Na ja, das war wohl Wäsche, die Hannes beim Militärsport anhatte. Ich habe da gerade so Bilder im Kopf, wenn Soldaten durch den Schlamm robben müssen. Ich bin mir aber sicher, dass ich das auch ohne Entfärbermittel hin bekommen habe.
S
elbstverständlich beginne ich den nächsten Brief am
Nach Feierabend hatte ich mal wieder genäht. Ich wollte wohl unbedingt vor dem Einzug alles für das Wohnzimmerfenster fertig haben. Außerdem war ich so beschäftigt und dachte nicht dauernd sehnsüchtig an meinen Hannes. Das heißt, ich stellte mir schon vor, wie er sich freuen würde, wenn wenigsten ein Zimmer in der neuen Wohnung fertig wäre. Dann wieder ein Bericht über meine Freundin Konstanze:
„Konni und ich waren heute bei dem Chef der Wohnunterkünfte. Mich hat er gleich rausgeschmissen. Aber ich habe ihn im Vorzimmer gehört. Er hat Ihr ein ,Angebot` gemacht, sie solle in das Barackendorf ,Leuna II´ in Lubmin ziehen. Jetzt ist sie soweit, dass sie einen Aufhebungsvertrag machen will, vorher aber noch mal mit der Bezirksleitung telefonieren. Und Du hast damals gesagt, ich bräuchte nicht aus der Unterkunft raus. Wäre jetzt die Wohnung nicht so schnell gekommen, hätte ich jetzt das gleiche Theater wie Konni, Zwangsräumung! Entschuldige bitte, dass ich so viel von ihr schreibe. Aber das beschäftigt mich doch sehr. Dabei vergesse ich uns aber nicht. Ich habe schon an Manuela geschrieben, dass wir Freitagabend kommen.“
Auch dieser Brief geht am Folgemorgen weiter:
„Dein Jahrhundertsommer regnet sich so richtig ein. Mal aufpassen, ob es am Siebenschläfer auch regnet. Hoffentlich regnet es nicht, wenn ich umziehe oder mit Marianne den Kleinkram rüber fahre. Heute werde ich noch mal bei der AWG anrufen, langsam muss doch da mal was kommen. Mir wird das Warten langsam lang.“
Dann kamen wieder detaillierte Beschreibungen, was ich wie machen wollte. So z.B., wo mein Schwager Olaf, die Löcher auf dem Balkon für die Wäscheleine bohren sollte u.v.m. Aber auch ein aktueller Bericht über die Wohnunterkunft:
„Seit gestern Abend ist hier das warme Wasser weg. Das kann uns im Riemserweg nicht passieren. An das Einteilen der 80 Liter im Boiler gewöhnen wir uns bestimmt. Oder was sagst Du dazu? So mein Fratz. Das war es für heute früh. Hoffentlich habe ich heute Post von Dir! Aber wenn nicht, liebe ich Dich trotzdem! Dein Fratz Helena.“
11. Kapitel
U
nd ich hatte Post! Endlich!
„Mein lieber Fratz! Ich muss mal die Gelegenheit nutzen und versuchen, etwas zu schreiben. Heute ist schon Freitag und ich habe noch nichts von mir hören lassen. Du kannst mir glauben, ich hatte wirklich keine Zeit. Seit gestern 17:00Uhr stehe ich hier schon Wache hier draußen im Wald. Noch 7 Stunden, dann ist für heute Schluss. Vom Samstag zu Sonntag stehen wir schon wieder. Ja ,ja es ist hart, aber da müssen wir durch.“
Ich erinnere mich, dass Hannes davon erzählt hat. Es gab da wohl ein Waffendepot mitten im Wald, das zu den Kasernen in Rostock gehörte.
„Ich habe Deine liebe Post erhalten und mich darüber gefreut, auch wenn wieder einige Hiobsbotschaften darin waren. Willst Du wirklich in einer Boulettenbude anfangen? Da zieht es ja an allen Ecken und Kanten. Warum fängst Du nicht in der Kaufhalle ,Ostseeviertel´ an, die soll doch jetzt auf sein. Nun denkst Du bestimmt, der kann auch bloß noch meckern. Aber ich will doch bloß, dass Du nichts überstürzt.“
Also hatte mein Hannes den Brief von mir noch nicht, in dem ich ihm schrieb, dass das nichts wird. Aber er hat nach der Wache noch ein paar Zeilen geschrieben:
„So nun bin ich wieder von der Wache zurück. Wir werden gegen 19:30 Uhr im Objekt sein, total verdreckt, mit Stoppelkinn und fix und fertig. Nachher noch ca. eine Stunde Ausrüstung und danach noch Stube und Revier reinigen. Um 22:00 Uhr falle ich dann tot ins Bett und das Selbe morgen noch mal, dann bin ich durch. Sei bitte also nicht böse, wenn ich so wenig schreibe. Das Wichtigste ist, ich liebe Dich.“
Ja, das war das Wichtigste! Trotzdem vermisste ich eine Antwort auf die Frage, ob wir uns am Freitag treffen können. Aber es war ja erst Dienstag. So hoffte ich natürlich, dass ich bis Donnerstag noch Post aus Rostock bekommen werde. So schrieb ich weiter an Hannes, wie inzwischen gewohnt am Abend des 25. 6.:
„

Guten Abend mein lieber Hannes!
Ich habe mich heute sehr gefreut, dass ich endlich Post von Dir hatte! Schade, dass Du so wenig Zeit hattest. Aber dann gewöhne ich mich schon mal an die Feldlagerzeit.
Konni hat heute die Bezirksleitung angerufen. Sie muss kein Zimmer nehmen in ,Leuna II´, wenn ihr das nicht zusagt.“
Am Mittwochmorgen stellte ich fest:
„Ich glaube, ich habe immer die gleichen Themen für Dich. Meine Liebe zu dir, die Wohnung und Konni. Hoffentlich wird Dir das nicht langweilig.“
Und dann berichtete ich doch wieder zum Thema Wohnung. Ich hatte keine passenden Möbel für das Wohnzimmer gefunden. Ich erinnere mich, dass ich damals tatsächlich den An- und Verkauf für Möbel regelmäßig besucht habe. An den Kauf der Sofagarnitur kann ich mich sogar erinnern, weiß aber nicht mehr wann das war. Erinnern kann ich mich daran auch nur, weil ich Probesitzen gemacht hatte. Das war Ella, die dabei war, peinlich. Außerdem hatte ich auch noch ausprobiert, wie man das Sofa zum Schlafen umbaut. Sicherlich habe ich ja Hannes davon berichtet und werde diesen Sofa-Kauf in einem der Briefe noch finden. Zum Thema Möbel schrieb ich dann noch:
„Es wird schon irgendwie gehen, wir müssen Geduld haben. Ich hoffe ja, dass wir schon im Riemserweg wohnen, wenn Du auf Sonderurlaub kommst. Leider wirst Du Ella und Olaf nicht sehen, da sie ab dem 15. 7. in Leipzig sind und dort Urlaub machen. Wenn Du im August auf Urlaub kommst, ist Olaf wohl zur Reserve. Er muss nun doch hin, obwohl der Chef vom NEG gesagt hat, er wäre unabkömmlich. Es ist schon wieder Zeit zum Losgehen, mein Fratz. Ich verabschiede mich bis Freitag!“
Dann müssen sich die Ereignisse überschlagen haben. Meinem nächsten Brief entnehme ich, dass ich doch am Donnerstag schon zu Hannes gefahren bin, weil Freitag die Schlüsselübergabe war. Aber auch Hannes schrieb in seinem 14. Brief, den ich wahrscheinlich erst nach dem Wochenende erhalten habe, noch von unserem Treffen am Freitag, den 28. 6.1985. Auf dem Umschlag kann ich den Poststempel vom 27. 6. erkennen.
„

Ich werde also wieder versuchen, einen Brief zu schreiben.
Heute und morgen (Dienstag) haben wir Politunterricht. Von Mittwoch zu Donnerstag stehen wir wieder Wache. Für Freitag habe ich mich erstmal ins Ausgangsbuch eingetragen. Ich hoffe für uns beide, dass es klappt. Ich liebe Dich doch ganz doll! Ich habe jetzt von Dir 30 Briefe bekommen, eine ganz stattliche Anzahl. Ich schätze Du hast von mir höchstens 15, oder?
Komme gerade vom Mittag. Es gab Erbseneintopf. Den gibt es hier glaube ich zweimal in der Woche. Na, ja, der Hunger treibt´s rein. Von Dir war gar keine Post da. Hast Du etwa Schlüsselübergabe? So nun ist auch der zweite Politiktag vorbei.
Ins Feldlager geht es in der Nacht von Sonntag zu Montag. Am 21.7. sollen wir dann wieder zurück sein. Post bekommen wir dann zweimal in der Woche, die wird aus Rostock nach geschickt. Ich freue mich schon auf Freitag, auch wenn ich keinen Ausgang bekomme. Aber in einem Monat bin ich bestimmt zu hause.“
Da Hannes es seit zwei Wochen nicht mehr in den MHO geschafft hatte, kam noch eine Bestellung für Nahrungsmittel dazu. Er beendete den Brief mit diesen Worten:
„Ich habe wieder mal die Schnauze voll. Gleich ist Abendbrot, um 19:30 Uhr ,Aktuelle Kamera´ gucken. Dann habe ich eine Stunde Zeit, 3 Paar Schuhe zu putzen, die Sachen in Ordnung zu bringen usw. Dann ab 21:15 Uhr Stuben- und Revierdurchgang und so läuft das jeden Tag hier. Ich höre lieber auf, heute reicht es mir wieder. Sei ganz lieb gegrüßt von Deinem Hannes. P.S. bis Freitag 17:00 Uhr.“
Ja mein Hannes war definitiv kein Fan der NVA und schon gar nicht als Soldat in dieser.
12. Kapitel
I
ch kann es nicht mehr sagen, wie wir es hinbekommen
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Meine Vermutung, dass wir uns Donnerstag getroffen haben, entnehme ich den Zeilen in meinem 30. Brief vom 28. 6.:
„Der Zug hatte wieder eine halbe Stunde Verspätung. Aber es waren Taxen da, so dass ich schon um 1:45 Uhr in der Unterkunft war. Es ist jetzt 18:00 Uhr und der Tag ist endlich gelaufen, d.h. ich habe alles erledigt, was ich heute machen musste, obwohl mein Fahrrad heute Morgen kaputt war. Aber erstmal zur Schlüsselübergabe. Die begann eine halbe Stunde später. Dann kam der Chef vom AWG-Stützpunkt und hat geredet. Danach mussten wir einzeln in die Küche. Ich war als erste dran. Es kam heraus, dass wir für die Renovierung der Wohnung 150 AWG-Stunden gutgeschrieben bekommen haben. Dann wären es nur noch 60, die Du nach der Armeezeit leisten müsstest. Aber die kann ich auch bezahlen. Das ist doch toll, oder? Die 180,00 Mark bekomme ich auch noch zusammen. Unsere zukünftigen Nachbarn haben rumgemosert, weil sie erst als 10. dran kamen. Sie waren mit einem Möbelwagen aus Jarmen vorgefahren. Aber sie mussten warten. Ach übrigens, an dem Schlafzimmerfenster ist ein Fahnenhalter angebracht. Darüber freust Du Dich doch besonders, oder?
Dann war ich noch einkaufen. Alles was wir ab morgen zum Renovieren brauchen und ein Fresskorb für die Helfer.“
Dann berichtete ich noch genau, wer uns was für die Wohnung geschenkt hat. Zum Schluss:
„Das Wichtigste habe ich Dir nun geschrieben. Ach ja, für unsere Wohnungstür haben wir 5 Schlüssel bekommen. Du kannst also 3 verlieren. Ich liebe Dich mein Fratz Hannes. Lass es Dir im Feldlager nicht so schwer werden. Ich freue mich schon auf den 24. o. 25. o. 26. Juli“
Das mit den Schlüsseln war eine kleine Anspielung. Mein Hannes verlor öfter mal was, besonders irgendwelche Schlüssel, von der Arbeit oder der Wohnunterkunft. Später waren es auch gerne mal Tankdeckel von Leihwagen, bis er mal einen bezahlen musste.
Am morgen des 29. 6. meldete ich mich wie üblich wieder:
„Guten Morgen mein Fratz! Heute geht es los. Ich warte jetzt auf Olaf.“
Ja jetzt ging das Renovieren los. Detailliert schilderte ich meinem Soldaten im Feldlager, wer was machen wird. Wichtig war mir das alles an diesem Wochenende fertig tapeziert ist. Ich dachte, dass ich das Streichen der Wände notfalls alleine schaffe.
„Ich liebe Dich Fratz. Hoffentlich bist Du mit unserer Arbeit zufrieden. Ich bin ganz aufgeregt! Hoffentlich stelle ich mich nicht zu dämlich an. Ich habe zwar schon mal mit Mutti tapeziert und gemalert, aber das ist ewig her. Dein Werkzeug habe ich auch gleich mit in die Wohnung genommen. Hoffentlich musst Du nicht so lange auf diesen Brief warten. Wenn Du ihn liest, sind wir mit tapezieren und streichen fertig. Da er ziemlich lang ist, musst Du ihn wohl in Etappen lesen.“
Natürlich habe ich mich am Abend wieder gemeldet und einen Bericht über die geschaffte Arbeit geschrieben:
„Guten Abend mein Fratz Hannes! Es ist jetzt 23:15 Uhr. Aber bekomme keinen Schreck, ich war schon um 21:00 Uhr bei Konni und hab mit ihr ferngesehen. Aber Gerald und Olaf haben wie ein altes eingespieltes Team zusammen gearbeitet. Um 10:00 Uhr hat Olaf die erste Bahn geklebt, um 19:30 Uhr die letzte. Sie haben beide Zimmer geschafft. Becker braucht morgen nur noch den Flur tapezieren! Ella und ich haben alle Fenster geputzt und gewischt. Morgen kann ich dann schon streichen. Die Farbe ist schon angerührt. Wenn Becker auch so fix ist, kann er mittags nach hause.“
Dann erzählte ich noch, dass unser Namensschild weg war. Keine Ahnung, wer das gebrauchen konnte. Aber ich hatte schnell ein neues gemacht. Am nächsten Morgen ging es schon ab 7:00 Uhr für mich weiter. Ich wollte noch Marianne treffen, wegen der Fahrten mit dem Kleinzeug und um 9:00 Uhr Becker abholen. Auch dass Olaf Montag die Lampen, die meisten hatten wir geschenkt bekommen, in der Wohnung anbringen wird u.v.m., was mit der Organisation der Renovierung zu tun hatte. Heute würde man sagen, es lief. Und ich brachte immer wieder meine Hoffnung an, dass alles meinem Fratz gefallen wird:
„Ich freue mich schon auf Deine Augen, wenn Du nach Hause kommst in den Riemserweg 9 und das alles siehst! Du musst vom Bahnhof aus die H-Linie nehmen, nicht dass Du aus Versehen die G-Linie nimmst!“
Die fuhr damals in das Stadtviertel, in der unsere Wohnunterkunft war.
„So nun muss ich aber los. Lass Dir die Zeit bis zum Urlaub nicht lang werden. Aber dafür sorgen ja schon Andere. Ich küsse Dich ganz doll und lange! Dein Fratz Helena.“
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m 30. 6. abends beginnt mein Brief nach der
„Heute war vielleicht ein Tag. Mariannes Auto muss morgen in die Werkstatt, ist aber noch fahrtüchtig. Deshalb haben wir heute schon alles in die Wohnung gefahren. Ich sitze hier nur noch mit einer Tasse einmal Besteck und Teller, ein paar Sachen und den Möbeln. Becker hat den Flur tapeziert. Ella und Olaf haben noch die Lampe und Bücher von Mutti vorbei gebracht. Als alle weg waren, 18:00 Uhr, habe ich noch das Wohnzimmer vorgestrichen. Und dann das erste Mal in unserer Wohnung geduscht! Herrlich, kann ich Dir sagen. Ein eigenes Bad!“
Ich berichtete von meinen Plänen für die nächsten Tage. Wann Olaf die Lampen und die Gardinenstangen anbringen wird. Es lief tatsächlich alles nach Plan. Und es war hilfreich, dass ich durch meine 10/4-Schichten, jetzt am Stück 4 Tage frei hatte.
Dann erzählte ich, dass in der Unterkunft Zoff unter den Mitbewohnern ist, die es kaum abwarten konnten, dass ich auszog, dass mich das aber nicht mehr interessierte. Abends war ich ja eh groggy, wenn ich von der Wohnung kam und wenn ich mal fernsehen wollte, ging ich zu Konstanze.
Der 1. Juli beginnt natürlich wieder mit einen Gruß und ein paar Zeilen für Hannes und was mir noch so einfiel, woran ich am Vortag nicht mehr gedacht hatte.
„Karl und Becker wollen den Umzug alleine machen. Sie meinen, dass sie das zu zweit schaffen. Ich freue mich schon so auf Deinen Sonderurlaub und wie Du alles findest, was wir gemacht haben! In Deinem ersten Urlaub kommst Du gleich in unser Zuhause!“
Wenn ich das heute alles so lese, denke ich schon, dass ich seit Hannes bei der Armee war, permanent unter „Strom“ stand und mich im Wechselbad der Gefühle befand.
A
us dem 15. Brief von Hannes
„Ich möchte Dir heute noch mal unter halbwegs normalen Bedingungen schreiben. Mein Bus fuhr um 22:55 Uhr. Ich war um 23:15 Uhr im Objekt. Weißt Du, wer im Bus saß? Unsere Vermieterin Manuela oder wie sie heißt. Habe sie natürlich über die Lage der Dinge aufgeklärt.“
Hannes und Namen, das passte nie zusammen! Dann berichtete er vom Armeealltag:
„Habe vorhin meine erste Feldtasche gepackt. Die zweite nehme ich mir morgen vor. Wir hätten auch gleich unseren ganzen Schrank mitnehmen können, der ist jetzt schon fast leer. Für die drei Wochen habe ich nur noch zwei Mal Unterwäsche, drei Paar Socken und acht Kragenbinden. Du kannst Dir also vorstellen, wie das dann aussieht. Wegen dem Sonderurlaub habe ich noch mal gefragt. Ich habe dem Spieß gesagt, dass ich dann das erste Wochenende fahren würde. Wie viel Tage ich bekomme, hängt von seiner Laune ab, sagte er mir.“
Ich glaube mit „ihm“ meinte Hannes den Feldwebel, genannt Spieß. Das klingt schon gewaltig nach Willkür, wenn man das heute liest.
„Die 6 Reservisten, die bei uns sind, haben an einem Tag 11 Flaschen Klaren leer gemacht, Waren total besoffen. Na ja, wenn man nur noch 30 Tage hat, geht das schon mal.
Sind wir nun stolze Wohnungsbesitzer? Du hast bestimmt viel geackert und hast hoffentlich, wie geplant Hilfe? Ich mach mir halt auch so meine Gedanken. Heute Abend werde ich wohl den Belmondo-Film gucken um abzuschalten.
Ich liebe Dich ganz, ganz, ganz doll!
P.S. Ab wann soll ich denn an die neue Adresse schreiben?
Heute sind es noch 485 Tage!“
Hannes meinte natürlich, die Tage, die er noch bei der Armee verbringen darf.
Während dessen gingen meine Tage wie im Flug vorbei. Und so begann ich erst am 2.7. wieder, einen Brief an meinen tapferen Soldaten zu schreiben. Aber ich hatte wohl ein schlechtes Gewissen, obwohl mir klar war, dass Hannes meine Post ohnehin nur zweimal in der Woche während des Zeltlagers bekam, wie er ja berichtet hatte.
13. Kapitel
„

Mein lieber Fratz!
Ich komme heute (2.7.)erst wieder zum Schreiben. Gestern war ich total groggy, war erst um 0:30 Uhr in der Unterkunft. Ich habe bis um 23:45 Uhr gemalert. Jetzt brauche ich nur den Flur das zweite Mal streichen. Habe fast alles selbst gemacht, eine Wand im Schlafzimmer hat Ella gestrichen. Aber mit der einen Wand im Wohnzimmer habe ich Mist gemacht. Ich wollte sie grün tönen. Das wurde aber quitte-grün. Nun musste ich die Wand noch zweimal weiß streichen,
Ich frage mich jetzt, warum wollte ich die Wand unbedingt grün tönen? Hatte ich die grüne Couchgarnitur, die ich in Ella´s Beisein getestet hatte doch schon? Die war nämlich in sich grün gemustert.
„Olaf hat gestern die Lampen angebracht und die Löcher für die Haken auf dem Balkon gebohrt. Dann hat er den Spiegelschrank im Bad anbringen wollen. Dabei ist er mit dem Bohrer in der Küche angekommen. Ich konnte nur noch lachen und habe gesagt:, Von der anderen Seite kann ich ja einen Topflappen anhängen!´. Es ist nämlich gleich neben dem Herd. Donnerstag macht Olaf dann die Gardinenstangen ran. Ich freue mich so auf Dich und darüber, dass Du im Urlaub nicht mehr in die Wohnunterkunft kommen musst!
Heute hatte ich Post von Deinen Eltern. Deine Mutter hat sich erbarmt und am 30.6. sich für meine Zeilen bedankt. Hat sie auch an Dich geschrieben? Sie haben mir auch nicht zum Geburtstag gratuliert.“
Hier muss ich doch mal erwähnen, meine Schwiegereltern waren vom Anfang unserer Ehe bis zum Ende sehr speziell.
„Ich bin ganz schön k.o., das Streichen mit der Rolle geht ganz schön in die Arme. Aber nun ist es ja bald geschafft und Konni hilft mir beim Saubermachen. Apropos: Konni: Ihre Aussprache war ja heute. Alle waren da, nur der Obermacker von der Unterkunftsverwaltung nicht. Er wollte wohl seine Niederlage nicht öffentlich hinnehmen. Jedenfalls bleibt sie nun erstmal in ihrem Zimmer.“



