Der einfache Satz

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Wir können wie in dem Beispiel aus der Mathematik oben Klammern verwenden, um die Lesarten zu unterscheiden, allerdings werden in der Sprachwissenschaft nicht runde Klammern benutzt, sondern eckige. Die eckigen Klammern zeigen an, ob Wörter zusammengehören und eine syntaktische Einheit bilden oder nicht. (# markiert die semantisch merkwürdige Lesart.)

Vergleichbare strukturelle Mehrdeutigkeiten treten auch in komplexen Wörtern auf. So hat das Kompositum Touristenblutwurst (eine ostdeutsche Wurstspezialität) neben der richtigen, beabsichtigten Lesart ‚Blutwurst für Touristen‘ auch eine komische, nichtbeabsichtigte Lesart, die man mit ‚Wurst aus Touristenblut‘ umschreiben kann. Auch diese beiden Lesarten kann man mit eckigen Klammern auseinanderhalten:

Es gilt somit nicht nur für komplexe Ausdrücke aus mehreren Wörtern, sondern auch für komplexe Wörter, dass für ihr Verständnis nicht nur die Bedeutung ihrer Bestandteile relevant ist, sondern auch die Art und Weise, wie die Bestandteile miteinander verbunden sind, das heißt ihr Aufbau oder ihre Struktur. Das zugrundeliegende Prinzip wird als Kompositionalitätsprinzip bezeichnet oder auch, nach dem Philosophen Gottlob Frege, als Frege-Prinzip.
Kompositionalitätsprinzip: Die Bedeutung eines komplexen Ausdrucks ergibt sich aus der Bedeutung seiner Bestandteile und der Art und Weise, wie die Bestandteile miteinander verbunden sind.
Wie wir Sätze verstehen, wird also mit durch die Struktur der Sätze festgelegt: „Darin besteht im Wesentlichen die Funktion der Grammatik: die Interpretation komplexer Ausdrücke zu steuern“ (Löbner 2002, 17).
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