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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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ISBN (print): 978-3-95647-196-4
ISBN (epub): 978-3-95647-197-1
ISBN (pdf): 978-3-95647-198-8
ISBN (mobi): 978-3-95647-199-5
1. Auflage 2021 © Frankfurt School Verlag / efiport GmbH, Adickesallee 32-34, 60322 Frankfurt am Main
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Autor
Abkürzungsverzeichnis
1 Deutsches Internationales Privatrecht
1.1 Begriffsbestimmung
1.2 Relevante Rechtsquellen und ihre Rangfolge
1.2.1 Quellen
1.2.2 Rangfolge
1.3 Kollisionsnormen
1.3.1 Allgemein
1.3.2 Verschiedene Arten
1.3.3 Anknüpfungsgegenstand und Anknüpfungspunkt
1.3.4 Rück- und Weiterverweisung
1.4 Qualifikation
1.5 Vorfrage[39]
1.6 Ordre Public
1.7 Besonderer Teil des IPR
1.7.1 Personenrecht und Recht der Rechtsgeschäfte
1.7.2 Vertragliches Schuldrecht
1.7.2.1 Allgemein
1.7.2.2 Verbrauchervertragsrecht
1.7.3 Außervertragliches Schuldrecht
1.7.3.1 Allgemein
1.7.3.2 Deliktsrecht
1.7.3.3 Bereicherungsrecht
1.7.3.4 GoA und c.i.c.
1.7.3.5 Sonderregelungen
1.8 Sachenrecht
1.9 Gesellschaftsrecht
1.10 Familien- und Erbrecht
2 UN-Kaufrecht (CISG)
2.1 Überblick
2.2 Übersicht über das CISG
2.3 Anwendungsbereich und allgemeine Bestimmungen
2.4 Warenkauf
2.4.1 Allgemeine Bestimmungen (Art. 25 bis 29 CISG)
2.4.2 Pflichten des Verkäufers (Art. 30 bis 52 CISG)
2.4.3 Lieferung der Ware und Übergabe der Dokumente (Art. 31 bis 34 CISG)
2.4.4 Vertragsmäßigkeit der Ware sowie Rechte oder Ansprüche Dritter (Art. 35 bis 44 CISG)
2.4.5 Rechtsbehelfe des Käufers wegen Vertragsverletzung durch den Verkäufer (Art. 45 bis 52 CISG)
2.4.6 Pflichten des Käufers (Art. 53 bis 65 CISG)
2.4.7 Zahlung des Kaufpreises (Art. 54 bis 59 CISG)
2.4.8 Abnahme (Art. 60 CISG)
2.4.9 Abschnitt III – Rechtsbehelfe des Verkäufers wegen Vertragsverletzung durch den Käufer (Art. 61 bis 65 CISG)
2.4.10 Übergang der Gefahr (Art. 66 bis 70 CISG)
2.4.11 Gemeinsame Bestimmungen über die Pflichten des Verkäufers und des Käufers (Art. 71 bis 88 CISG)
2.4.11.1 Vorweggenommene Vertragsverletzung und Verträge über aufeinander folgende Leistungen (Art. 71 bis 73 CISG)
2.4.11.2 Schadenersatz (Art. 74 bis 77 CISG)
2.4.11.3 Zinsen (Art. 78 CISG)
2.4.11.4 Befreiungen (Art. 79 bis 80 CISG)
2.4.11.5 Wirkungen der Aufhebung (Art. 81 bis 84 CISG)
2.4.11.6 Erhaltung der Ware (Art. 85 bis 88 CISG)
2.5 Schlussbestimmungen
3 Factoring-Übereinkommen
3.1 Allgemeines
3.2 Anwendungsbereich des UNIDROIT-Übereinkommens
3.2.1 Sachlicher Anwendungsbereich
3.2.2 Räumlich-geographischer Anwendungsbereich
3.2.3 Zeitlicher Anwendungsbereich
3.2.4 Ausschluss der Geltung des Übereinkommens
3.3 Konkurrenzverhältnis
3.4 Geltung des Übereinkommens
3.5 Auslegung des Übereinkommens und Lückenfüllung
3.5.1 Generelle Auslegung
3.5.2 Schließung von Lücken
3.6 Schlussbemerkungen
3.7 UNCITRAL-Übereinkommen
4 Internationales Währungsrecht
4.1 Internationaler Währungsfond
4.1.1 Verankerte Ziele
4.1.2 Tätigkeitsbereiche
4.1.3 Finanzierungsmechanismen
4.1.4 Reguläre Fazilitäten
4.1.5 Konzessionäre Hilfe
4.1.6 Sonderfazilitäten
4.2 Europäischer Währungsfond
4.3 Europäische Wirtschafts- und Währungsunion
4.3.1 Geschichte
4.3.2 Ziele
4.3.3 Institutionen
4.3.3.1 Hauptziele
4.3.3.2 Ergebnisse Erste Stufe
4.3.3.3 Ergebnisse Zweite Stufe
4.3.3.4 Ergebnisse Dritte Stufe
4.3.4 Rolle des Europäischen Parlaments
4.3.4.1 Legislative Rolle
4.3.4.2 Kontrollaufgaben
4.3.5 Konvergenzkriterien
5 Internationaler Kapitalverkehr
5.1 Begriffsbestimmung
5.2 Rechtsrahmen
5.3 Überwachung und Durchsetzung
5.4 Internationale Beziehungen
5.5 Weltbank
5.6 Institutionen und deren Aufgaben
5.6.1 Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD)
5.6.2 Internationale Entwicklungsorganisation (IDA)
5.6.3 Internationale Finanz-Corporation (IFC)
5.6.4 Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur (MIGA)
5.6.5 Internationales Zentrum für die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (ICSID)
5.6.6 Arbeitsspektrum
5.7 Organisation
5.8 Deutsche Bundesbank
5.8.1 Aufgabenfelder
5.8.2 Organisation
5.9 Europäische Bankenaufsicht
5.9.1 Europäisches System der Finanzaufsicht (ESFS)
5.9.2 Mikro- und makroprudenzielle Aufsicht
5.9.3 Einheitlicher Bankenaufsichtsmechanismus (SSM)
5.10 Bankenaufsicht in Deutschland
5.10.1 Ziele
5.10.2 Aufgabenteilung
6 WTO-Handelssystem
6.1 Aufgaben
6.2 Mitglieder und institutionelle Ausgestaltung
6.3 Abkommen und Prinzipien
6.4 Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen (GATT)
6.4.1 Übersicht über das GATT
6.4.2 Prinzipien des GATT
6.4.3 Ausnahmen von den Prinzipien des GATT
6.5 Tarifäre Handelshemmnisse
6.6 Nicht-tarifäre Handelshemnisse
6.7 Allgemeine Ausnahmen vom gesamten Warenhandel
6.8 Handelspolitische Schutzmaßnahmen
6.9 Weitere Abkommen zum Warenhandel
6.10 Allgemeines Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen (GATS)
6.10.1 Übersicht über das GATS
6.10.2 Anwendungsbereich des GATS
6.10.3 Allgemeine Verpflichtungen
6.10.4 Spezifische Verpflichtungen
6.10.5 Allgemeine Ausnahmen vom GATS
6.11 Abkommen über den Schutz geistigen Eigentums (TRIPS)
6.11.1 Übersicht über das TRIPS
6.11.2 Allgemeine Bestimmungen und Grundprinzipien
6.11.3 Materielle Schutzrechte
6.11.4 Durchsetzung
6.12 Vereinbarung über Regeln und Verfahren zur Beilegung von Streitigkeiten
6.12.1 Übersicht über das DSU
6.12.2 Ablauf eines Verfahrens
6.12.3 Durchsetzung von Entscheidungen
6.12.4 Private als Parteien im Streitverfahren
7 Internationales Leasingübereinkommen von Ottawa (1988)
7.1 Allgemeines
7.2 Anwendungsbereich des Übereinkommens
7.2.1 Sachlicher Anwendungsbereich
7.2.2 Räumlicher Anwendungsbereich
7.3 Grundverständnis des Finanzierungsleasingvertrages nach dem Übereinkommen
7.3.1 Sui-generis-Charakter
7.3.2 Verbindung zwischen dem Liefervertrag und dem Leasinggeschäft
7.3.3 Rechte und Pflichten der Vertragsparteien
7.4 Ausschluss des Übereinkommens/Abdingbarkeit
7.5 Auslegung
7.6 Anwendung des UN-Kaufrechts
7.7 Anwendung von anderen internationalen Verträgen
7.8 Schlussbemerkungen
8 Internationales Zivilverfahrensrecht
8.1 Begriffsbestimmung
8.2 Relevante Rechtsquellen und ihre Rangfolge
8.2.1 Quellen
8.2.2 Anwendbarkeit der Brüssel-Ia-VO
8.3 Allgemeiner Gerichtsstand
8.4 Besondere Gerichtsstände
8.4.1 Vertragsrecht
8.4.2 Unerlaubte Handlungen
8.4.3 Gerichtsstand der Niederlassung
8.4.4 Gerichtsstand des Sachzusammenhangs/Konnexität
8.4.5 Verbrauchergerichtsstand
8.5 Ausschließliche Gerichtsstände
8.6 Gerichtsstandsvereinbarungen
8.7 Rügelose Einlassung
8.8 Familienrechtliche und erbrechtliche Streitigkeiten
8.9 Forum non conveniens – Versagung internationaler Zuständigkeit
9 Schiedsverfahrensrecht
9.1 Einführung
9.2 Abgrenzung des Schiedsverfahrens
9.2.1 Abgrenzung zum Adjucationsverfahren
9.2.2 Abgrenzung zur Mediation
9.2.3 Abgrenzung zum Schiedsgutachten
9.2.4 Abgrenzung zur Schlichtung
9.3 Arten von Schiedsgerichtsbarkeiten
9.4 Arten von Schiedsverfahren
9.4.1 Ad-hoc-Schiedsgerichte
9.4.2 Schiedsinstitutionen
9.5 Vorteile von Schiedsverfahren
9.6 Ablauf von Schiedsverfahren nach deutschem Recht
9.6.1 Schiedsvereinbarungen
9.6.2 Notwendiger Inhalt
9.6.3 Fakultativer Inhalt
9.6.4 Konkurrenzklauseln
9.6.5 Mängel und Unwirksamkeit
9.6.6 Reichweite der Schiedsvereinbarung
9.6.7 Wirkung der Schiedsvereinbarung
9.6.8 Entscheidung über die Zuständigkeit des Schiedsgerichts
9.6.9 Schiedsrichter
9.6.10 Anzahl der Schiedsrichter und Bestellungsverfahren
9.6.11 Auswahl der Schiedsrichter
9.6.12 Ablehnung der Schiedsrichter
9.6.13 Schiedsrichtervertrag
9.6.14 Ablauf des Verfahren
9.7 Rangfolge der schiedsverfahrensrechtlichen Rechtsquellen
9.8 Ablauf nationaler Schiedsverfahren
9.9 Schiedsspruch und dessen Wirkung
9.9.1 Entscheidung des Rechtsstreits
9.9.2 Inhalt und Form des Schiedsspruchs
9.9.3 Wirkungen des Schiedsspruchs
9.9.4 Berichtigung, Auslegung und Ergänzung des Schiedsspruchs
9.9.5 Aufhebung von Schiedssprüchen
9.10 Vollstreckbarerklärung inländischer Schiedssprüche
9.11 Anerkennung und Vollstreckbarerklärung ausländischer Schiedssprüche
9.12 Ablauf von Schiedsverfahren nach den ICC Rules
9.12.1 Einleitung des Schiedsverfahrens
9.12.2 Errichtung des Schiedsgerichts
9.12.3 Auswahl und Ernennung der Schiedsrichter
9.12.4 Sonderfälle und Eingreifen des Schiedsgerichtshofs
9.13 Durchführung des Schiedsverfahrens
9.13.1 Schiedsauftrag
9.13.2 Sachverhaltsfeststellung durch das Schiedsgericht
9.13.3 Mündliche Verhandlung und Beweisaufnahme
9.14 Erlass des Schiedsspruchs und Abschluss des Verfahrens
9.14.1 Erlass des Schiedsspruchs
9.14.2 Abschluss des Verfahrens
9.15 Verfahren nach dem Erlass des Schiedsspruchs
Literatur
Reihe „Wirtschaftsrecht kompakt“
Vorwort
Das Internationale Wirtschaftsrecht ist Ausdruck einer weltweit verzahnten Wirtschaft und versucht, für diese rechtliche Rahmenbedingungen herzustellen. Vielfach sind durch supranationale Übereinkünfte Grundlagen für eine gesetzliche Basis von internationalen Handelsbeziehungen geschaffen worden. Dennoch sind einige Bereiche nur fragmentarisch geregelt.
Im Folgenden werden verschiedene Bereiche des grenzüberschreitenden Wirtschaftsrechts in ihren Strukturen und Konzepten dargestellt.
Der Autor dankt für die Unterstützung und Mühen Frau Magdalena Anic, Frau Joelle Payer, Frau Laura Gerber, Frau Irmela Dölle, Frau Jael Karck und Herrn Lennart Weissmann.
Frankfurt am Main, im Februar 2021 Dr. Simon G. Grieser
Autor
Dr. Simon G. Grieser ist Rechtsanwalt und Partner im Frankfurter Büro der internationalen Kanzlei Reed Smith LLP. Er berät nationale und internationale Mandanten im Bereich des Bank- und Finanzrechts. Sein besonderer Fokus liegt auf Transaktionen mit notleidenden und nicht-notleidenden Kredit-Portfolien und Fragen des Bankaufsichtsrechts.
Dr. Simon G. Grieser ist Autor verschiedener Abhandlungen und Artikel zu Themen des Bank-, Kapitalmarkt- und Finanzrechts sowie Mitherausgeber der im Frankfurt School Verlag erscheinenden „Frankfurter Reihe zur Bankenaufsicht“.
1 Deutsches Internationales Privatrecht
1.1 Begriffsbestimmung
Das Internationale Privatrecht (IPR) ist Kollisionsrecht[1] (auch Verweisungsrecht oder Rechtsanwendungsrecht genannt). Es dient bei einem Sachverhalt mit Auslandsberührung der Bestimmung des anzuwendenden Sachrechts – also welche nationale Privatrechtsordnung zur Klärung der Rechtsfrage anzuwenden ist.[2] Es handelt sich um nationales Recht, welches von Amts wegen anzuwenden ist.[3]
1.2 Relevante Rechtsquellen und ihre Rangfolge
1.2.1 Quellen
Relevante Rechtsquellen des deutschen IPR sind die Regelungen der Art. 3 bis 46d EGBGB samt deutscher Spezialgesetze,[4] Gewohnheits- bzw. Richterrecht (Stellvertretung, Gesellschaften/juristische Personen), die europäischen ROM-Verordnungen – insbesondere ROM-I-VO (vertragliche Schuldverhältnisse) und ROM-II-VO (außervertragliche Schuldverhältnisse) – und unmittelbar anwendbare Staatsverträge (v.a. Haager Abkommen, UN-Übereinkommen und bilaterale Übereinkommen). Daneben können auch die ROM-III-VO (Ehescheidungen) und die EuErbVO von Bedeutung sein. Auch gibt es kollisionsrechtliche Staatsverträge der EU – geschlossen mit Drittstaaten oder internationalen Organisationen – mit der Qualität von sekundärem EU-Recht.[5] Sie sind in den Mitgliedstaaten unmittelbar anwendbar (Art. 216 Abs. 2 AEUV).[6]
1.2.2 Rangfolge
Das einst abschließend relevante EGBGB, samt deutscher Spezialgesetze, wurde aufgrund der Subsidiaritätsklausel in Art. 3 Nr. 1, Nr. 2 EGBGB weitestgehend von den europäischen ROM-Verordnungen und durch unmittelbar anwendbare Staatsverträge abgelöst.[7]
Es gilt folgende Rangfolge:
unmittelbar anwendbare ROM-Verordnungen der EU (Art. 3 Nr. 1 EGBGB);
innerstaatlich unmittelbar anwendbare völkerrechtliche Vereinbarungen (Art. 3 Nr. 2 EGBGB);
Kollisionsnormen nach Art. 3 bis 46d EGBGB und Gewohnheits- bzw. Richterrecht.
1.3 Kollisionsnormen
1.3.1 Allgemein
Kollisionsnormen sind grundsätzlich wie Sachnormen aufgebaut. Sie enthalten einen abstrakten Tatbestand sowie eine abstrakte – an den Tatbestand anknüpfende – Rechtsfolge. Anders als bei Sachnormen weisen die Tatbestände jedoch eine größere Abstraktionshöhe auf als nationale Sachnormen.[8] Auch beschränkt sich die Rechtsfolge der Kollisionsnormen auf den bloßen Verweis in eine bestimmte Rechtsordnung, nach deren Regelungen dann die finale Rechtsfolge zu finden ist.[9]
1.3.2 Verschiedene Arten
Kollisionsnormen werden in unterschiedliche Arten unterteilt.
So wird zum einen zwischen selbstständigen und unselbstständigen Kollisionsnormen unterschieden. Die selbstständigen Kollisionsnormen stellen aus sich heraus eine hinreichende Verweisung dar. Sie treffen eine Aussage über das auf einen bestimmten Anknüpfungsgegenstand anwendbare Recht, indem sie das dafür maßgebende Anknüpfungsmoment festlegen.[10] Allerdings erfahren sie durch weitere Normen[11] Korrekturen oder Ergänzungen. Diese weiteren Normen, welche eine selbstständige Kollisionsnorm modifizieren oder ergänzen, werden auch unselbstständige Kollisionsnormen genannt.[12]
Im Rahmen der Kollisionsnormen kann außerdem zwischen einseitigen, mehrseitigen, allseitigen und Exklusivnormen unterschieden werden. Allerdings findet sich im heutigen IPR kaum noch eine einseitige Kollisionsnorm; die Regel sind im EGBGB allseitige Kollisionsnormen.[13] Während einseitige Kollisionsnormen[14] nur eine (also die deutschen) Kollisionsnorm berufen, beziehen sich mehrseitige Kollisionsnormen auf mehrere Rechtsordnungen – also auf ausländisches und inländisches Recht – und allseitige Kollisionsnormen auf potenziell sämtliche Rechtsordnungen der Welt.[15] Einen Sonderfall einseitiger Kollisionsnormen stellen Exklusivnormen dar, welche für bestimmte Sachverhalte die Anwendbarkeit deutschen Rechts ausnahmsweise auch für den Fall regeln, dass eigentlich eine andere Anknüpfung gegeben ist.[16] Ein Beispiel hierfür ist Art. 17 EGBGB, wonach eine Scheidung eines Deutschen auch dann möglich ist, wenn dies nach dem eigentlich geltenden Ehewirkungsstatut nicht möglich wäre.
1.3.3 Anknüpfungsgegenstand und Anknüpfungspunkt
Von der zunächst zu klärenden Frage der Auslandsberührung – ob es sich also überhaupt um einen Sachverhalt handelt, welcher einer Bestimmung der maßgeblichen Rechtsordnung nach den Regelungen des IPR bedarf (Art. 3 a.E. EGBGB) – ist die nach dem Anknüpfungsgegenstand und Anknüpfungspunkt zu unterscheiden.
Der Anknüpfungsgegenstand beschäftigt sich mit der Frage der Regelungsmaterie, also der zu klärenden rechtlichen Frage (Tatbestand). Handelt es sich bspw. um Fragen im Rahmen eines vertraglichen Schuldverhältnisses, so sind die Regelungen der ROM-I-VO heranzuziehen, wohingegen für Fragen einer Ehescheidung die Regelungen der ROM-III-VO bzw. des Art. 17 EGBGB relevant sind.
Der Anknüpfungspunkt ist der Begriff in einer Kollisionsnorm, welcher zur anwendbaren Rechtsordnung führt (Rechtsfolge).[17] Dies sind insbesondere:
Staatsangehörigkeit;[18]
Wohnsitz bzw.[19] gewöhnlicher/einfacher Aufenthalt;[20]
Belegenheit von Sachen;[21]
Handlungsort;[22]
Parteiwille (subjektive Anknüpfung).[23]
Eine Kollisionsnorm kann auch mehrere Anknüpfungspunkte enthalten.[24]
1.3.4 Rück- und Weiterverweisung
Verweist das deutsche IPR auf ausländisches Recht, so sind drei „Reaktionen“ des ausländischen Rechts möglich: Das ausländische IPR kann (1) die Verweisung annehmen, sodass das jeweilige ausländische Sachrecht gilt, (2) auf das deutsche Recht zurückverweisen und (3) auf das Recht eines Drittstaates weiterverweisen (renvoi).
Die Regelungen des Art. 34 EuErbVO[25] und Art. 4 Abs. 1 S. 1 EGBGB[26] enthalten Gesamtnormverweisungen. In ihnen wird nicht nur auf das ausländische Sachrecht, sondern auch auf das jeweilige IPR verwiesen. Eine solche Gesamtverweisung findet sich in den ROM-Verordnungen jedoch nicht.
In den ROM-I- und -II-Verordnungen finden sich vielmehr Sachnormverweisungen. In Art. 3a Abs. 1 EGBGB wird die Sachnormverweisung wie folgt legal definiert: „Verweisungen auf Sachvorschriften beziehen sich auf die Rechtsnormen der maßgebenden Rechtsordnung unter Ausschluss derjenigen des Internationalen Privatrechts“. Nach den Regelungen der Art. 20 ROM-I-VO, Art. 24 ROM-II-VO und Art. 11 ROM-III-VO[27] ist eine Weiterverweisung ausgeschlossen. Sachnormverweisungen finden sich auch in Art. 9 S. 2, 10 Abs. 2 S. 1 Nr. 2, 13 Abs. 2 u. 3 S. 1, 16 Abs. 2, 17 Abs. 3 S. 2, 17a, 24 Abs. 1 S. 2 EGBGB.
Dass das deutsche Sachrecht bei einer Rückverweisung anzuwenden ist, regelt Art. 4 Abs. 1 S. 2 EGBGB.
1.4 Qualifikation
Die Qualifikation beschreibt die Zuordnung eines Lebenssachverhalts bzw. eines Rechtsinstituts zu den Anknüpfungsgegenständen des IPR.[28] Gemeint ist also der Subsumtionsvorgang nach Klärung der Frage, nach welchen Kriterien und aus Sicht welcher Rechtsordnung die dafür erforderlichen Anknüpfungsgegenstände zu entnehmen sind.[29]
Diese herrschende Definition der Qualifikation ist in Abgrenzungsfragen, welche die Auslegung der Kollisionsnorm selbst[30] und den Gegenstand der Qualifikation[31] betreffen, hoch umstritten. Allerdings haben diese – i.d.R. die Terminologie betreffenden – Streitigkeiten kaum praktische Auswirkung.[32] Subsumtionsprobleme können sich v.a. daraus ergeben, dass:
ausländische Rechtsinstitute dem deutschen Recht fremd sind;
Systemunterschiede herrschen – ausländische Rechtsordnungen also die systematische Grenzziehung zwischen einzelnen Rechtsgebieten anders vornehmen, als dies im deutschen Sachrecht erfolgt.
Von den dazu vertretenen Lösungen haben sich die Theorien des lex causae und lex fori herausgebildet. Die Theorie des lex causae nimmt eine strikte Orientierung an Rechtsbegriffen des anwendbaren Sachrechts – also z.B. des materiellen deutschen Rechts – vor.[33] Die strikte lex-fori-Theorie setzt die in inländischen Kollisionsnormen verwendeten Sammelbegriffe strikt mit den Systembegriffen des inländischen materiellen Rechts gleich.[34]
Die deutsche Rechtsprechung und insbesondere auch der BGH geht bei der Qualifikation allerdings seit jeher von der modernen lex-fori-Theorie aus. Zwar orientiert diese sich ebenfalls v.a. an der Systematik, allerdings wird dabei meist (auch) eine funktionale Betrachtung zugrunde gelegt.[35] So hat sich der BGH bspw. eingehend mit der Qualifikation der islamischen Morgengabe auseinandergesetzt und diese schließlich mit sorgfältiger Argumentation als allgemeine Ehewirkung nach Art. 14 EGBGB eingeordnet. Dabei hat der Senat einerseits die Funktion der Morgengabe im islamischen Recht beleuchtet. Andererseits ist er im Rahmen der Auslegung auf die Systematik des deutschen internationalen Eherechts und die für die Unwandelbarkeit des Ehegüterstatuts nach Art. 15 Abs. 1 EGBGB maßgeblichen Erwägungen eingegangen.[36] Dabei spricht der BGH von der „Qualifikation von Morgengabeversprechen“ oder auch der „Qualifikation der Morgengabe“, nicht aber von der Qualifikation einzelner iranischer Sachnormen.[37] Dadurch zeigt er, dass er der strikten lex-fori-Theorie, welche von den inländischen Kollisionsnormen verwendeten Sammelbegriffe strikt mit den Systembegriffen des inländischen materiellen Rechts gleichgesetzt[38], nicht folgt.




