Der Weg des Psychonauten – Band 2

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Joan Halifax und Stanislav Grof bei der Feier ihrer Wikingerhochzeit in Bifrost, Island, im Jahr 1972.
Das zentrale archetypische Symbol für dieses Hochzeitsritual war der Regenbogen, den die Wikinger als die Vereinigung von Vater Himmel und Mutter Erde ansahen. Es war im Juni jenseits des Polarkreises, in der Zeit der sagenhaften Weißen Nächte. Während des Dinner-Banketts, das dem Hochzeitsritual vorausging, erschien und verschwand dreimal ein prächtiger Doppel-Regenbogen. Und zudem fanden wir heraus, dass Bifrost, der Name des Ortes, an dem die Hochzeit stattfand, »Regenbogenbrücke der Götter« bedeutete. Zu unserer Enttäuschung kam die glorreiche Ehe, die dieser »Meteorschauer der Synchronizitäten« (um den Ausdruck von Arthur Koestler zu verwenden) vorherzusagen schien, nicht zustande. Nach drei schwierigen und herausfordernden Ehejahren kamen wir zu dem Schluss, dass wir zu verschieden waren, und beschlossen, unsere Verbindung aufzulösen.
Auf der anderen Seite des Spektrums gab es eine bemerkenswerte Synchronizität, die sehr positive Ergebnisse hervorbrachte und ebenfalls mit einer Internationalen Transpersonalen Konferenz verbunden war. Ich gründete die International Transpersonal Association (ITA) als eine Vereinigung, welche die Kluft zwischen der modernen Wissenschaft und den spirituellen Traditionen der Welt und zwischen dem westlichen Pragmatismus und der alten Weisheit überbrücken sollte. Da das oberste Ziel der ITA darin bestand, ein globales Netzwerk des gegenseitigen Verständnisses und der Zusammenarbeit zu schaffen, vermissten wir während unserer internationalen Konferenzen besonders die Teilnehmer aus den Ländern jenseits des Eisernen Vorhangs, die damals nicht ins Ausland reisen durften und nicht über die finanziellen Mittel verfügten, sich uns anzuschließen.
Als sich die Situation in der Sowjetunion änderte und Michail Gorbatschow das Zeitalter von Glasnost und Perestroika verkündete, schien es plötzlich denkbar, dass das nächste ITA-Treffen in Russland stattfinden könnte. Als Christina und ich als offizielle Gäste des sowjetischen Gesundheitsministeriums nach Moskau eingeladen wurden, um Workshops zum Holotropen Atmen durchzuführen, nutzten wir unseren Aufenthalt, um die Möglichkeit zu prüfen, eine solche Konferenz in Russland abzuhalten. Wir bemühten uns wirklich sehr, aber ohne Erfolg; die Situation war offenbar noch zu instabil und unberechenbar, um das Risiko einzugehen. Die Bemühungen, unsere Konferenz nach Russland zu bringen, fühlten sich an, als ob wir durch zähflüssige Melasse waten würden.
Im November 1989 war ich auf Reisen, als Christina mich anrief und fragte, ob ich wüsste, was in meinem Heimatland gerade geschah. Unsere Ausbildung war sehr intensiv und umfasste drei Sitzungen pro Tag. Wir waren ganz in den Prozess vertieft, und keiner von uns hatte die Zeit oder das Interesse, fernzusehen oder die Nachrichten zu verfolgen. Christina teilte mir mit, dass in Prag die Samtene Revolution im Gange sei und dass das tschechoslowakische kommunistische Regime sehr wahrscheinlich zusammenbrechen würde. Das bedeutete, dass wir möglicherweise in der Lage sein würden, die nächste ITA-Konferenz in Prag abzuhalten, meiner Geburtsstadt.
Wenige Wochen später war die Tschechoslowakei ein freies Land, und der ITA-Rat beschloss, seine nächste Tagung in der Tschechoslowakei abzuhalten. Da ich in Prag geboren bin, schien es nur logisch, mich als diplomatischen Vertreter in die Tschechoslowakei zu entsenden, um einen Tagungsort zu finden und den Weg für diese Konferenz zu ebnen. Die Jahre, die ich in meinem Heimatland verbracht hatte, erwiesen sich jedoch als weitaus weniger vorteilhaft, als der Rat erwartet hatte. Ich hatte die Tschechoslowakei in der Zeit einer großen Liberalisierungsbewegung verlassen, die einen »Sozialismus mit menschlichem Antlitz« zum Ziel hatte.
Als der Prager Frühling 1968 durch die Invasion der Tschechoslowakei durch sowjetische Panzer brutal niedergeschlagen worden war, befand ich mich mit einem Stipendium an der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland, in den Vereinigten Staaten. Nach der Invasion befahlen mir die tschechischen Behörden, sofort zurückzukehren, aber ich beschloss, mich dem Befehl zu widersetzen und in den Vereinigten Staaten zu bleiben. Aus diesem Grund war es mir mehr als zwanzig Jahre lang nicht möglich, mein Heimatland zu besuchen. Während dieser Zeit konnte ich mit meinen Freunden und Kollegen in der Tschechoslowakei keinen offenen Kontakt pflegen. Es wäre für sie politisch gefährlich gewesen, mit einem illegalen Emigranten Briefwechsel oder Telefongespräche zu führen.
Aufgrund meiner langen Abwesenheit hatte ich alle meine persönlichen Kontakte mit Ausnahme meiner nahen Verwandten verloren, war mit der neuen Situation nicht vertraut und wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Meine Mutter holte mich am Prager Flughafen ab, und wir nahmen ein Taxi zu ihrer Wohnung. Nachdem wir etwas Zeit miteinander verbracht hatten, verließ sie die Wohnung, um eine Nachbarin zu besuchen und ein paar Besorgungen zu machen. Allein in der Wohnung setzte ich mich in einen Sessel, trank eine Tasse Tee und dachte über meine Mission nach. Ich überlegte etwa zehn Minuten lang, kam aber nicht sehr weit.
Plötzlich unterbrach ein lautes Klingeln an der Tür meine Gedanken. Ich öffnete die Tür und erkannte Tomáš Dostál, einen jüngeren Psychiaterkollegen und früheren engen Freund von mir. Vor meiner Abreise in die Vereinigten Staaten hatten wir gemeinsam holotrope Bewusstseinszustände erforscht und uns in unseren LSD-Sitzungen gegenseitig unterstützt. Tomáš hatte von einem Bekannten von meinem Besuch in Prag gehört und war hier, um mich willkommen zu heißen.
Zu meinem Erstaunen erfuhr ich, dass bei Tomáš im selben Moment, als er seine Wohnung verlassen wollte, das Telefon geklingelt hatte. Es war Ivan M. Havel, ein prominenter Forscher auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz und der Bruder des damaligen tschechischen Präsidenten Václav Havel. Er war außerdem der Leiter einer Gruppe progressiver Wissenschaftler, die während der kommunistischen Ära geheime Untergrundtreffen abgehalten hatten, um verschiedene neue Wege in der westlichen Wissenschaft zu erkunden. Ihr besonderes Interesse galt dem neuen Paradigmendenken, der Bewusstseinsforschung und der transpersonalen Psychologie. Ivan Havel und Tomáš waren Klassenkameraden im Gymnasium gewesen und seither enge Freunde geblieben.
Tomáš war ein häufiger Gast im Haushalt der Havels und kannte auch Ivans Bruder Václav. Die Gruppe von Ivan Havel hatte durch den Vortrag von Vasily V. Nalimov, den sie als Gastdozent nach Prag eingeladen hatte, von meiner Arbeit erfahren. Vasily war ein brillanter russischer Wissenschaftler, Mathematiker und Philosoph; als ehemaliger sowjetischer Regimekritiker hatte er achtzehn Jahre in einem sibirischen Arbeitslager verbracht. Durch einen merkwürdigen Zufall lautete der Titel seines berühmtesten Buches Realms of the Unconscious (NALIMOV 1982), was dem Titel meines ersten Buches Realms of the Human Unconscious (GROF 1975; dt. Topographie des Unbewussten) sehr nahekommt.
Vasily hatte einen ausführlichen Bericht über meine psychedelischen Forschungen in sein Buch aufgenommen und meine Arbeit in seinem Vortrag für die Prager Gruppe ausführlich besprochen. Nach Vasilys Vortrag wuchs das Interesse der Prager Gruppe, mich als Gastredner einzuladen. Ivan Havel wusste, dass Tomáš und ich alte Freunde waren, und rief ihn an, um sich zu erkundigen, ob er meine Adresse oder Telefonnummer hätte und den Kontakt zwischen der Prager Gruppe und mir vermitteln könnte. Er war verblüfft, als Tomáš ihm sagte, dass ich zufällig gerade in Prag sei und er gerade aus seiner Wohnung gehen wollte, um mich zu besuchen.
Diese höchst unwahrscheinliche Verkettung von gleichzeitigen Ereignissen gab uns das Gefühl, »auf einer mächtigen Welle zu surfen«, anstatt »gegen die Stromschnellen zu paddeln«, so wie es sich in Moskau angefühlt hatte. Diese spektakuläre Reihe von Zufällen vereinfachte meine Rolle als Gesandter für die ITA-Konferenz enorm. Unter ungewohnten Umständen benötigte ich nur zehn Minuten, um den idealen Kontakt und die ideale Unterstützung für unser bevorstehendes Treffen zu finden: eine Gruppe hochkompetenter, mit dem Universitätssystem verbundener Akademiker, die ein lebhaftes Interesse daran hatten, eine hochkarätige Besetzung ausländischer Wissenschaftler, die sie seit Jahren bewunderten, nach Prag zu bringen. Umgekehrt hatte ich auch Zugang zum Präsidenten des Landes gefunden, der zufällig ein erleuchteter und zutiefst spirituell orientierter Mensch war, offen für die transpersonale Perspektive. Angesichts dieser Umstände hatten wir das Gefühl, dass wir eher zur Durchführung der Konferenz berufen wurden, als uns um ihre Organisation bemühen zu müssen.
Die Konferenz fand 1993 im Prager Smetana-Konzertsaal und im Stadthaus unter der Schirmherrschaft von Präsident Václav Havel statt. Präsident Havel war ein idealer Ehrengast für eine ITA-Konferenz. Er war kein gewöhnlicher Politiker, sondern jemand, den man viel passender als »Staatsmann« bezeichnen könnte, ein Staatsoberhaupt mit einer breiten, spirituell geprägten, globalen Vision. Er war ein bekannter Dramatiker, aber er wurde nicht als Ergebnis eines jahrelangen Kampfes um politische Macht zum Präsidenten gewählt. Er nahm die Wahl nur sehr widerstrebend an und reagierte damit auf den dringenden Ruf des tschechischen Volkes, das ihn als mutigen Regimekritiker im kommunistischen Regime verehrte, der viele Jahre in kommunistischer Gefangenschaft verbracht hatte. Als eine seiner ersten Amtshandlungen nach seiner Wahl erkannte er den Dalai Lama als Oberhaupt Tibets an und lud ihn zu einem dreitägigen Staatsbesuch ein. Wo auch immer er hinkam, beeindruckte er seine Zuhörer mit seinem eloquenten Appell für eine spirituell geprägte Demokratie und für globale Solidarität.

Václav Havel (1936–2011), Schriftsteller, Dramatiker, Gegner des kommunistischen Regimes und tschechoslowakischer Präsident.
Die Prager ITA-Konferenz, auf der sich zum ersten Mal östliche und westliche Vertreter der transpersonalen Bewegung treffen und Informationen austauschen konnten, war ein großer Erfolg. Der Höhepunkt des Programms war der Auftritt des Yorùbá-Sängers Babatunde Olatunji mit zehn Trommlern und Tänzern aus Afrika. Nachdem sie für ihre umwerfende Darbietung begeisterte stehende Ovationen erhalten hatten, beschlossen die Künstler, sich nicht hinter den Vorhang zurückzuziehen, sondern weiter durch die Mitte des Saals und durch den vorderen Eingang des Gebäudes hinaus in die Straßen Prags zu tanzen. Gefolgt von einem Großteil des Publikums sangen, trommelten und tanzten sie über die Celetná ulice, eine kleine Straße im historischen Teil von Prag, bis zum Altstädter Ring. Unterwegs schlossen sich ihnen zahlreiche Prager Bürger aus den Nachbarhäusern an, die von dem bacchantischen Spektakel angelockt wurden. Die jubelnde Menge füllte den Platz und tanzte zu den Klängen afrikanischer Trommeln und Lieder bis in die frühen Morgenstunden. Nach vierzig Jahren kommunistischer Unterdrückung, in denen selbst der Twist als inakzeptabler Luxus gegolten hatte, war dieses Fest ein treffendes Symbol für die gerade erst wiedergewonnene Freiheit.
Die Häufigkeit von Synchronizitäten scheint im Umfeld von Ereignissen, die mit transpersonaler Psychologie zu tun haben, zuzunehmen; sie treten bei den Teilnehmern unserer Workshops und Ausbildungen äußerst häufig auf. Die bemerkenswerteste Synchronizität, die ich je erlebt habe, ereignete sich bei meinem ersten Besuch in China. Zu unserer kleinen Gruppe gehörten mehrere Facilitatoren des Holotropen Atmens, mein Bruder Paul mit seiner Partnerin Mary, die Kamerafrau Sally Li, ich selbst sowie Bill Melton und Mei Xu, die die Expedition inspirierten und unterstützten. Der Zweck dieser Reise war es, transpersonale Psychologie und Holotropes Atmen in China bekannt zu machen.
Bevor ich diese Geschichte erzähle, muss ich etwas Wichtiges erwähnen. 1978 gründeten meine Frau x und ich die ITA. Wir verbrachten einige Zeit damit, das beste Logo für diese Organisation auszuwählen, und entschieden uns schließlich für eine stilisierte Darstellung des Gemeinen Perlbootes (Nautilus pompilius), eines perfekten Beispiels für die heilige Geometrie. Wir verwendeten dieses Logo über Jahrzehnte hinweg auf den Broschüren aller unserer Konferenzen (bis heute waren es zwanzig), in den Werbematerialien und auf unserem Briefpapier.

Das Perlboot-Logo der International Transpersonal Association.
Unser erster holotroper Atemworkshop fand in Jinan statt, der Geburtsstätte des chinesischen spirituellen Lehrers und Philosophen Konfuzius. Während der Dinnerpause kam eine der Teilnehmerinnen, Frau Meng (was »Traum« bedeutet), mit einer kleinen schönen blauen Samttasche in der Hand zu mir. Sie erzählte mir, dass ihr ihre Urgroßmutter im Traum erschienen sei und ihr gesagt habe, dass sie seit mehreren Generationen einen ganz besonderen Stein in ihrer Familie aufbewahrt hätten und dass sie ihn zu »Dr. Grof« bringen solle. Dann übergab sie mir den Gegenstand. Es handelte sich um ein Fossil eines Perlbootes, einer Meeresweichtierart; aber sie war auf dem Gipfel des Mount Everest gefunden und gesammelt worden. Ich hatte noch nie davon gehört, dass auf dem Gipfel des Mount Everest fossile marine Lebensformen gefunden wurden. Ich beschloss, die geologische Geschichte des Himalayas zu studieren, und fand heraus, dass man das Alter dieser berühmten Gebirgskette auf etwa fünfzig Millionen Jahre schätzte, als die großen tektonischen Platten kollidierten, eine Reihe von Vulkanexplosionen auslösten und den Meeresboden anhoben. Der Gipfel des Mount Everest enthält daher Schichten von unterschiedlicher Herkunft, darunter auch solche, die vom Meeresboden stammen. Das versteinerte Perlboot musste also vor der Entstehung des Himalajas auf dem Meeresboden gelegen haben und war daher mindestens fünfzig Millionen Jahre alt.

Ein versteinertes Perlboot (Ammonit), das auf dem Gipfel des Mount Everest gefunden wurde.
Das Ziel unserer Expedition war es, die transpersonale Psychologie nach China zu bringen. Dass Frau Mengs Urgroßmutter ihr im Traum erschien und sie bat, mir das Symbol der ITA zu bringen, ein Perlboot, das versteinert und vor zig Millionen Jahren vom Grund des Ozeans auf den höchsten Berg der Welt gehoben worden war, war wirklich eine wundersame Synchronizität. Ich erwähnte sie kurz in meinem Vortrag an der Universität Peking, und in der chinesischen Presse fand sie mehr Beachtung als alles andere in meinem Vortrag. Dies war jedoch nicht die einzige bemerkenswerte Synchronizität, die uns auf dieser Reise begegnete; es schien, als wären wir in eine magische Welt eingetreten, in der es keine lineare Kausalität mehr gab.

Jack Kornfield (*1945), Lehrer des Vipassana-Buddhismus, transpersonaler Psychologe und Gründer des Spirit Rock Insight Meditation Center in Woodacre, Kalifornien, mit Stanislav Grof in der Verbotenen Stadt in Peking, China.
Ich möchte nur noch zwei dieser denkwürdigen Zufälle erwähnen. Wir fanden heraus, dass die Organisatoren der China-Reise einen Auftritt an der Peking-Universität für meinen engen und lieben Freund Jack Kornfield, einen Vipassana-Buddhismus-Lehrer, für denselben Abend vorgesehen hatten, an dem auch die Organisatoren unserer Reise ganz unabhängig davon versucht hatten, mich einzuplanen. Als dies entdeckt wurde, beschlossen die Organisatoren, einen gemeinsamen Abend mit dem Titel »Grof im Gespräch mit Kornfield« für uns zu veranstalten. Jack und ich hatten in den letzten vierzig Jahren gemeinsam viele Veranstaltungen geleitet, aber wir hatten uns noch nie irgendwo getroffen, es sei denn, wir hatten es gemeinsam geplant. Die zweite dieser Synchronizitäten betraf eine unserer Übersetzerinnen und einen Atempädagogen, die uns im Zug von Jinan nach Peking begleiten sollten. Obwohl sie ihre Fahrkarten unabhängig voneinander kauften, eine in Nordchina und die andere im Süden, saßen sie am Ende nicht nur im gleichen Waggon und Abteil wie unsere Gruppe, sondern sogar auf benachbarten Sitzplätzen.
Als ich miterlebte, wie diese Serie von Synchronizitäten ein magisches Element in unsere Gruppe brachte, musste ich an die Worte des tschechisch-französischen Schriftstellers Milan Kundera denken, des Verfassers von Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins: »Es ist falsch, den Roman dafür zu tadeln, dass er von mysteriösen Zufällen fasziniert ist … Aber es ist richtig, den Menschen dafür zu tadeln, dass er für solche Zufälle in seinem täglichen Leben blind ist. Denn dadurch beraubt er sein Leben einer Dimension der Schönheit«.
Die Kenntnis des Synchronizitäts-Phänomens ist nicht nur für Psychonauten und archetypische Astrologen von grundlegender Bedeutung, sondern auch für Wissenschaftler, die noch immer dem materialistischen Weltbild anhängen. Es ist eine der offensichtlichsten und schwierigsten Herausforderungen für die monistisch-materialistische Philosophie. Eine Bemerkung, die Jung 1955 in einem Brief an Richard F. C. Hull machte, zeigt, dass er sich dieser Tatsache sehr wohl bewusst war: »Die neueste Äußerung zur ‚Synchronizität‘ ist die, dass sie nicht akzeptiert werden kann, weil sie die Sicherheit unserer wissenschaftlichen Grundlagen erschüttert, als ob dies nicht genau das Ziel wäre, das ich anstrebe.« Am selben Tag schrieb er an Michael Fordham über »die Auswirkungen der Synchronizität auf die fanatische Einseitigkeit der wissenschaftlichen Philosophie«.
Marie-Louise von Franz, die sich des paradigmendurchbrechenden Potenzials der Synchronizität bewusst war, sagte in einem Interview gegen Ende ihres Lebens: »Die Arbeit, die jetzt getan werden muss, besteht darin, das Konzept der Synchronizität auszuarbeiten. Ich kenne die Leute nicht, die diese Arbeit fortführen werden. Es muss sie geben, aber ich weiß nicht, wo sie sind.« Glücklicherweise ist die Literatur über Synchronizität und ihre zentrale Bedeutung für eine Reihe von Disziplinen seither exponentiell gewachsen, und dieses Konzept ist zu einem integralen Bestandteil des entstehenden neuen Paradigmas in der Wissenschaft geworden.
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Miller, A. 2009. Deciphering the Cosmic Number: The Strange Friendship of Wolfgang Pauli and Carl Jung. New York: W. W. Norton & Co.
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