- -
- 100%
- +
1 Sicherstellung des größten Anteils der Produktion europäischer Länder für Deutschland;
2 Erweiterung der Produktion europäischer Länder mit dem Ziel, den Großteil der Lieferungen im Europaraum für Deutschland sicherzustellen und den gesamten Kontinent in den Vierjahresplan einzugliedern;
3 Einrichtung eines neuen gesamteuropäischen Zahlungsverkehrssystems mit zentralem Clearing auf der Basis der RM, das einen Zuwachs an Lieferungen für Deutschland und einen inländischen europäischen Warenwechsel mittels Devisen und Gold sicherstellt;
4 Kontrolle des europäischen zwischenstaatlichen Warenwechsels wie auch des Wechsels von Deutschland mit der Außenwelt auf der Grundlage neuer Machtmittel, Methoden, Vertretungsorganisationen, Körperschaften, Beauftragter und Berater;
5 Verbindung der nationalen Wirtschaft europäischer Staaten mit der deutschen Großwirtschaft unter deutscher Leitung.34
Im Sinne des Kontinentalplans bildete sich in der darauffolgenden Zeit die institutionelle Basis für die wirtschaftliche Kontrolle und Ausbeutung der südosteuropäischen Staaten sowie anderer durch Deutschland militärisch angeschlossene oder wirtschaftspolitisch kontrollierte Regionen des europäischen Kontinents. Als Mittel für die wirtschaftliche Expansion dienten dabei bereits seit Ende der 1930er Jahre Regierungsämter und zentrale Institutionen Deutschlands. Von besonderer Bedeutung für die wirtschaftliche Kontrolle waren deutsche Vertretungen und Körperschaften, die in den jeweiligen Ländern eingerichtet wurden, und die in die jeweiligen Länder entsandten Kommissionen, Missionen, Regierungsausschüsse, Beauftragten und Berater. Es ist dabei hervorzuheben, dass in diesem Bereich, wie auch in den meisten anderen Punkten, die Ausführung des Kontinentalplans in der Slowakei schneller verlief als in den anderen südeuropäischen Ländern. In Bezug darauf verdient die Einführung des zentralen gesamteuropäischen Clearings besondere Aufmerksamkeit. Ähnlich wie mit der Slowakei pflegte Deutschland seine Handelsbeziehungen und betrieb den Zahlungsverkehr auch mit anderen europäischen Ländern, einschließlich der neutralen Länder, während sich auf der deutschen Seite eine unbezahlte Clearingspitze bildete. Diese musste durch den Wirtschaftspartner finanziert werden. Es handelte sich um eine flächendeckende Ausbeutung der europäischen Wirtschaft. Laut mehrerer Historiker legte Deutschland eine Art gesamteuropäische Kriegsanleihe auf, die es erst nach Kriegsende zu begleichen beabsichtigte. In Bezug auf die Slowakei muss auch auf die Verknüpfung der Wirtschaftsräume anderer Staaten mit Deutschland aufmerksam gemacht werden. Deutschland forderte eine Beschleunigung der Expansion der deutschen Wirtschaft, insbesondere in diejenigen südeuropäischen Staaten, in denen dieser Prozess hinterher hinkte. Die Ausnahme bildete dabei die Slowakische Republik. Nach dem Vorbild der Slowakei sollte die Expansion nach Südosteuropa mithilfe der Kapitalzentralen der tschechischen Länder und Österreichs, die von deutschen Vertretern kontrolliert waren, vorgenommen werden. Nach dem deutschen Sieg im Westen 1940 erfolgte die Expansion auch durch die Kapitalzentralen der westeuropäischen Staaten.35
Der Prozess der Eingliederung Südosteuropas in die deutsche Großraumwirtschaft erreichte ihren Höhepunkt nach dem Balkanfeldzug im Frühling 1941. Die Institutionen und Körperschaften der Großraumwirtschaft fingen an, in den jeweiligen Staaten die langfristig vorbereiteten Entwicklungsprogramme der technologischen und teilweise auch finanziellen Hilfe Deutschlands umzusetzen. Im Sinne der wirtschaftlichen Bedürfnisse Deutschlands war deren Bestandteil der Aufbau der Infrastrukturen sowie die Entwicklung der Landwirtschaft und ausgewählter Industriebranchen. Im Gegensatz dazu sollten andere Segmente der industriellen Produktion gehemmt werden. Während für Südosteuropa ein rassisch motivierter wirtschaftlicher Generalplan Ost36 erstellt wurde, der die Erweiterung des Lebensraums des deutschen Volkes auf dem Gebiet Polens und der Sowjetunion zum Ziel hatte, überwogen in den Satellitenstaaten und besetzten Gebieten Südosteuropas in dieser Phase der Durchführung der langfristigen Vorhaben des nationalsozialistischen Deutschlands pragmatische Konzeptionen deutscher Volkswirte, die insbesondere ökonomische Ziele verfolgten. Im Sektor der Rohstoffwirtschaft wurden zum Beispiel das Bauxit-Programm in Kroatien, das Erdöl-Programm in Rumänien, die Programme zur Erhöhung des Abbaus von Antimon, Mangan, Asbest und Holz in der Slowakei und von Schwefelkiesen in Serbien sowie von Eisenerzen in Griechenland durchgeführt. In der Landwirtschaft bereitete man das Programm zum Sojaanbau in Bulgarien und Rumänien, zur Schafzucht in Bulgarien, zum Anbau neuer Leinarten im Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens und das Programm für die Züchtung hochwertiger Nutztierrassen und Getreide-, Frucht- und Gemüsearten in der Slowakei vor. Zur Durchführung der genannten Programme trugen die Körperschaften wie die Reichsgruppe Industrie und folglich auch die Deutsche Industriekommission (nachfolgend "DIKO" genannt) mit ihren Tätigkeiten bei. Die letztere gründete in den jeweiligen Ländern der südosteuropäischen Region Zweigstellen, auch in der Slowakei.37
Im Rahmen der Reichsgruppe Industrie wurden am 7. November 1941 zuerst der selbstständige Südost-Ausschuss und innerhalb von diesem sieben Ausschüsse für einzelne südosteuropäische Staaten samt ihrer Beauftragten gegründet. Zum Beauftragten für die Slowakei wählte man Wilhelm Voss, Generaldirektor der Hermann-Göring-Werke (nachfolgend "HGW" genannt) und Vorsitzender der Škoda-Werke, der wesentlich an der Kontrolle der Podbrezovské železiarne (Eisenhüttenwerke Podbrezová) in der Mittelslowakei durch den Göring-Konzern beteiligt war. Zum Vorsitzenden des Südost-Ausschusses ernannte man M. Ilgner, Vorstandsmitglied des Konzerns I.G. Farben, der den Konzern Dynamit Nobel Bratislava kontrollierte. Zugleich bekleidete er den Posten des Beauftragten für Ungarn.38 Ausgehend von Tätigkeiten der Reichsgruppe Industrie wurde im Februar 1942 der slowakisch-deutsche Ausschuss für Industrie gegründet. Damit eröffnete sich in der Zusammenarbeit der beiden Länder und der Kontrolle der slowakischen Industrie durch Deutschland ein neues Kapitel. Im Juli 1942 legte die Reichsgruppe Industrie eine detaillierte Analyse der Lage und der strategischen Programmziele für die weitere Entwicklung der slowakischen Industrie vor. Die Programme betonten die Notwendigkeit einer Beschleunigung des Aufbaus der Kraftwerksysteme, insbesondere der Kaskade am slowakischen Fluss Waag, und der anschließenden Beschleunigung der Elektrifizierung der Eisenbahn, Industrie und Landwirtschaft. In einzelnen Industriezweigen bestimmte diese Organisation also bevorzugte Entwicklungsrichtungen als auch Industriezweige, deren Entwicklung verlangsamt werden sollte. Die slowakisch-deutsche wirtschaftliche Zusammenarbeit sollte die aktuellen Kriegsbedürfnisse befriedigen, aber auch zeigen, dass „… eine Ausrichtung aller neuen Investierungen auf die Erfordernisse der zukünftigen europäischen Großraumwirtschaft notwendig ist“39.
Mit der räumlichen Expansion NS-Deutschlands vergrößerte sich auch der Kern des Großwirtschaftsraums in Mittel- und Südosteuropa um die militärisch angeschlossenen oder wirtschaftspolitisch kontrollierten Gebiete und Staaten. Nach und nach wurde fast das gesamte Kontinentaleuropa in die Großraumwirtschaft eingegliedert. Dies führte zur wirtschaftlichen Autarkie mit einem unterschiedlichen Grad der wirtschaftspolitischen Anbindung der einzelnen Gebiete und Länder an das Deutsche Reich, beginnend mit wirtschaftlich kontrollierten Gebieten über Satellitenstaaten, die die Rolle von Ergänzungsräumen einnahmen, bis zu offiziell neutralen Ländern. Die Gestaltung des deutschen Großwirtschaftsraums erreichte ihren Höhepunkt 1941–1942 durch die Expansion in die Sowjetunion und den Krieg in Nordafrika, als Deutschland über die sogenannten östlichen Gebiete Kontrolle übernahm und eine Erweiterung des Großwirtschaftsraums bis nach Asien plante.
1 Die Gründer des Mitteleuropäischen Wirtschaftstags, ursprünglich "Mitteleuropäische Wirtschaftstagung", im Jahr 1925 waren der ungarische liberale Volkswirt Elemér Hantos und der bekannte österreichische Unternehmer Julius Meinl.
2 Max Hahn (1895, Treis an der Mosel, heute BRD – 1939, München) war Rechtsanwalt und Volkswirt. Er stammte aus einer deutschen Notarfamilie. Er diente im Ersten Weltkrieg und verlor bereits 1914 infolge einer schweren Verletzung seine linke Hand. Anschließend studierte er Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. In den 20er Jahren wirkte er in der Leitung mehrerer rheinländischer Wirtschaftskörperschaften. 1931 wurde er Geschäftsführer des MWT und verfolgte in seiner Funktion Wirtschaftsinteressen Deutschlands und die Pläne der Konzerne, auch der I. G. Farben, in Mittel- und Südosteuropa, insbesondere im Balkan. Er billigte das nationalsozialistische Regime als notwendiges Mittel zur Durchsetzung der Interessen des deutschen Großkapitals, lehnte jedoch seine Ideologie und sein totalitäres System ab. Er starb unerwartet 1939 an einer Darmerkrankung.
3 Karl Adolf Tilo von Wilmowsky (1878, Hannover – 1966, Essen) war Rechtsanwalt, Volkswirt und Unternehmer. Er stammte aus einer deutschen Adelsfamilie. Er studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten in München, Göttingen und Halle (Saale). Nach dem Studium war er im Innenministerium und als Landrat tätig. Während des Ersten Weltkriegs wirkte er in der Besatzungsverwaltung in Belgien. Er heiratete die Tochter des Unternehmers F. A. Krupp Barbara Krupp und besaß einen Gutshof in Marienthal in Sachsen. Nach 1918 wirkte er als Führungskraft in mehreren regionalen Wirtschaftskörperschaften und blieb in der Führung der Gesellschaft Friedrich Krupp-AG, zuerst als Mitglied, später als Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates. Er war auch Mitglied des Preußischen Staatsrats und Vorsitzender der Fraktion der konservativen Deutschnationalen Volkspartei im Sächsischen Provinziallandtag. 1931 wurde er Vorsitzender des Präsidiums des Mitteleuropäischen Wirtschaftstags (MWT), in dem er bis 1944 wirkte und Wirtschaftsinteressen Deutschlands durchsetzte. Nach dem Machtantritt des nationalsozialistischen Regimes wurde er zuerst seiner öffentlichen Ämter entkleidet, aber 1937 trat er der NSDAP bei, erreichte eine leitende Position bei der Reichsbahn und zählte zu den Spitzenmanagern der Kriegswirtschaft. Nach dem auf Hitler verübten Attentat im Juli 1944 wurde er mit seiner Ehefrau interniert und in das KZ Ravensbrück deportiert. Nach dem Krieg verließ er Sachsen durch die sowjetische Zone und wirkte als Führungskraft in den ehemaligen Krupp-Werken in Essen. Er sagte im Krupp-Prozess als Zeuge aus.
4 Zur Gestaltung und Rolle des Mitteleuropäischen Wirtschaftstags siehe folgende: FREYTAG, Carl: Deutschlands „Drang nach Südosten“. Der Mitteleuropäische Wirtschaftstag und der „Ergänzungsraum Südosteuropa“ 1931–1945. Wien: Vienna University Press: Göttingen: V & R Unipress, 2012; FREYTAG, Carl: Die Tür zwischen Deutschland und dem Donauraum ist geöffnet. Südosteuropa-Konzepte und Positionierung des Mitteleuropäischen Wirtschaftstags nach dem Anschluss Österreichs 1938. In: SACHSE, Carola (eds.): Mitteleuropa und Südosteuropa als Planungsraum. Göttingen: Wallstein Verlag, 2010, S. 141-196.
5 KAHRS, Horst: Von der „Großraumwirtschaft“ zur „Neuen Ordnung“. Zur strategischen Orientierung der deutschen Eilten 1932–1943. In: Modelle für ein deutsches Europa. Ökonomie und Herrschaft im Großwirtschaftsraum. Beiträge zur nationalsozialistischen Gesundheits- und Sozialpolitik: 10. Berlin: Rotbuch Verlag, 1992, S. 9-28.
6 Max Ilgner, Dr. (1899, Biebesheim am Rhein, heute BRD – 1966, Schwetzingen, BRD) war Manager. Er stammte aus der Familie eines deutschen Offiziers. Im Ersten Krieg kämpfte er an der Westfront. Nach 1918 studierte er Politologie an der Universität in Frankfurt a. M., wo er den Doktortitel erhielt, und Hüttenwesen und Chemie an der Technischen Schule in Charlottenburg. Zuerst fand er eine Stelle im Konzern BASF, wo sein Onkel H. Schmitz der Finanzdirektor war. Seit 1926 baute er eine Karriere in der I. G. Farben auf. Er übernahm nach H. Gattineau die Leitung der Volkswirtschaftlichen Abteilung (VoWi) und später auch der Wirtschaftspolitischen Abteilung (Wipo). Seit 1934 war er Verwaltungsratsmitglied im Konzern. 1933 lehnte er noch einen Beitritt in die NSDAP ab, Mitglied wurde er jedoch 1937. Als Vertreter der I. G. Farben war er Mitglied in Verwaltungs- und Aufsichtsräten mehrerer Unternehmen und diverser Körperschaften, Kommissionen, Ausschüssen, wie auch den Mitteleuropäischen Wirtschaftstag (MWT), wo er den Posten des Stellvertretenden Vorsitzenden erhielt. Ab 1939 war er Verwaltungsratsmitglied im Konzern Dynamit Nobel. 1941 wurde er Vorsitzender des Südost-Ausschusses, einer Organisation für die wirtschaftliche Expansion des Reichs nach Südosteuropa. Er erwarb den Titel Wehrwirtschaftsführer. Am Ende des Krieges wurde er verhaftet und im Prozess gegen die I. G. Farben angeklagt. Als einer der wenigen Konzernvertreter wurde er als Kriegsverbrecher schuldig gesprochen und zu drei Jahren Haft verurteilt. Bereits ein Jahr später wurde er entlassen. Danach befasste er sich mit Theologie und wurde Manager in der Chemieindustrie.
7 Heinrich Gattineau, Dr. (1905, Bukarest – 1985, BRD) war Volkswirt und Manager. Er stammte aus der Familie eines deutschen Zahnarztes der rumänischen Königin. Er studierte an der Münchner Universität und schloss sein Studium mit dem Doktortitel ab. Er war Mitglied rechtsradikaler Körperschaften, auch der Organisation Bund Oberland, die 1923 am Hitlerputsch in München teilnahm. Er trat in die SA ein, später trat er der NSDAP bei. Seit 1928 war er bei I. G. Farben beschäftigt und als Assistent der bedeutenden Konzernmitarbeiter C. Duisberg und C. Bosch tätig. Er wurde mit der Leitung des Fachbereichs Presse, später der Wirtschaftspolitischen Abteilung (Wipo) betraut. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er auf dem Posten des Direktors der I. G. Farben. Die Konzerninteressen setzte er auch im MWT durch. Im Sommer 1934 konnte er nur mit Glück den Repressalien der SS gegen die SA entkommen. In den darauf folgenden Jahren leitete er die Organisation von I. G. Farben-Unternehmen in Österreich und von 1939 bis zum Kriegsende war er als I. G. Farben-Vertreter mit der Leitung des Tochterkonzerns Dynamit Nobel in Bratislava beauftragt. Nach dem Krieg wurde er interniert und im I. G. Farben- Prozess angeklagt. Nach seinem Freispruch bekleidete er weiterhin Managerposten in Chemieunternehmen im Ruhrgebiet.
8 Wilhelm Karl Keppler, Ing. (1882 – 1960) war Techniker, Unternehmer, Volkswirt und Politiker. Er studierte an der Technischen Schule in Karlsruhe und an der Technischen Hochschule in Danzig. Er war Soldat im Ersten Weltkrieg. Nach 1918 war er in der Chemieindustrie tätig, Mitbesitzer eines chemischen Unternehmens und Leiter der Braunkohle-Benzin AG, einer Tochtergesellschaft der I. G. Farben. 1927 trat er der NSDAP bei und wurde ihr Wirtschaftsberater. Seit 1933 war er auch Reichstagsabgeordneter und Reichskommissar für Wirtschaftsfragen. Er spielte eine Schlüsselrolle in der Rohstoffwirtschaft Deutschlands und auf internationaler Ebene war er im MWT tätig. 1932 trat er in die SS ein. Er gründete den Freundeskreis Reichsführer SS (Keppler-Kreis). 1936 zählte er zu den Organisatoren des Vierjahresplans als persönlicher Berater von Göring. Er erhielt den Titel Generalexperte für deutsche Rohstoffe und Industriematerialien. Zwischen 1938 und 1939 nahm er an der Organisation des Anschlusses Österreichs, der Zerschlagung der ČSR, der Entstehung des Slowakischen Staates und den Vorbereitungen des Überfalls auf Polen teil. Er wurde Staatssekretär des Auswärtigen Amtes und organisierte die Übernahme der Industrie im besetzten Polen und der Sowjetunion. 1943 wurde er zum SS-Obergruppenführer ernannt. Nach dem Krieg wurde er im Wilhelmstraßen-Prozess angeklagt t und 1949 als Kriegsverbrecher zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Seine Entlassung erfolgte jedoch bereits 1951.
9 FREYTAG: Deutschlands „Drang nach Südosten“, S. 99-102.
10 Horace Greeley Hjalmar Schacht, Dr. (1877, Tingleff, heute Tinglev, Dänemark – 1970, München) war Volkswirt, Bankier und Politiker. Er stammte aus einer deutsch-dänischen Adelsfamilie. Er studierte Medizin, Philologie, Politologie und Ökonomie an den Universitäten in München, Berlin, Leipzig, Paris und Kiel und schloss sein Studium mit dem Doktortitel ab. Er startete seine erfolgreiche Karriere zuerst im Bankwesen. Während des Ersten Weltkrieges wirkte er in der deutschen Besatzungsverwaltung in Belgien. Nach der Entstehung der Weimarer Republik wurde er Kommissar für die deutsche Währung. Er erwarb sich Verdienste um die Währungsstabilisierung nach der Hyperinflation und wurde dafür für den Posten des Präsidenten der Reichsbank empfohlen. Zugleich war er politisch tätig. Er gehörte zu den Gründern der liberalen Deutschen Demokratischen Partei und war Freimaurer. An der Spitze der Reichsbank galt er als großer Gegner der deutschen Reparationen, die Deutschland durch die Siegermächte aufgezwungen wurden, und seine Ansichten wurden immer radikaler. 1930 legte er sein Amt nieder und er begann, die NSDAP finanziell zu unterstützen. 1932 schloss er sich einer von Industriellen initiierten Petition an, in der diese die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler forderten. Nach der Machtübernahmen des nationalsozialistischen Regimes 1933 wurde er erneut zum Präsidenten der Reichsbank und 1934 zum Wirtschaftsminister ernannt. Er erarbeitete einen Plan zur Wiederbelebung der deutschen Wirtschaft, insbesondere mittels Staatsaufträgen und großer Bauprojekte, aus. Er befürwortete die wirtschaftliche Expansion Deutschlands und die Bildung ergänzender Wirtschaftsräume in den Staaten Mittel- und Südosteuropas. Er wurde Ehrenmitglied der NSDAP. Seit 1936 gehörte er jedoch zu den Gegnern des Vierjahresplans von Göring, der Rüstung wie auch der Kriegsvorbereitungen. Er sprach sich gegen den Angriff auf die ČSR aus und plante einen Staatsputsch. Aus diesem Grund wurde er 1938 von seinen Posten des Wirtschaftsministers und 1938 des Präsidenten der Reichsbank abberufen. Bis 1943 bekleidete er noch das Amt eines Ministers ohne Geschäftsbereich. Im Juli 1944 wurde er der Unterstützung des Attentats auf Hitler beschuldigt, inhaftiert und in mehrere Konzentrationslager verbracht. Am Ende des Krieges gehörte er zu den Sonder- und Sippenhäftlingen, zu der auch der slowakische Volkswirt Imrich Karvaš gehörte, die von der SS aus Dachau in die italienischen Alpen transportiert und dort von den Alliierten befreit wurden. Schacht wurde im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess angeklagt, wurde jedoch freigesprochen. In den 50er Jahren gründete er eine eigene Bank und war als Wirtschaftsberater tätig.
11 Zu den Konzeptionen von H. Schacht in Bezug auf Südosteuropa siehe zum Beispiel: KOPPER, Christopher: Hjalmar Schacht. Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Bankier. München: Deutschen Taschenbuchverlag, 2010, S. 295-305.
12 SUNDHAUSEN, Holm: Wirtschaftsgeschichte Kroatiens im nationalsozialistischen Großraum 1941–1945. Das Scheitern einer Ausbeutungsstrategie. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1983, S. 24-26.
13 KAHRS, Von der „Großraumwirtschaft“, S. 9-28.
14 Es handelte sich hierbei insbesondere um das Reichswirtschaftsministerium, bei dem sich gesonderte Gruppen und Zentralen für unterschiedliche Bereiche der Industrie und der Rohstoffwirtschaft bildeten, um Institute und Organisationen wie das Amt des Beauftragten für den Vierjahresplan, die Reichsstelle (später das Reichsamt) für Wirtschaftsausbau, die Reichsstelle (später das Reichsamt) für Bodenforschung, die Organisation Todt (benannt nach Fritz Todt, Minister für Kriegswirtschaft und Pionier des Autobahnbaus), das Amt des Generalinspektor für das Deutsche Straßenwesen.
15 FREYTAG, Deutschlands „Drang nach Südosten“, S. 163-192; Zu dieser Problematik siehe zum Beispiel auch: JANČÍK, Drahomír: Třetí říše a rozklad Malé dohody. Hospodářství a diplomacie v Podunají v letech 1936–1939 [Das Dritte Reich und der Zerfall der Kleinen Entente. Wirtschaft und Diplomatie im Donauraum in den Jahren 1936–1939]. Praha: Nakladatelství Karolinum, 1999; SLÁDEK, Zdeněk: Hospodářská Malá dohoda a její nezdar [Die wirtschaftliche Kleine Entente und ihr Misserfolg]. In: Historický časopis, Jg. 36, 1988, Nr. 4, S. 869-884; BROSZAT, Martin: Deutschland – Ungarn – Rumänien. Entwicklung und Grundfaktoren nationalsozialistischer Hegemonial- und Bündnispolitik 1938–1941, In: Historische Zeitschrift, Band 206. München, 1968.
16 Carl Krauch, Dr. (1887 – 1968) war Techniker und Volkswirt. Er absolvierte das Chemiestudium an der Universität in Gießen, später an der Universität in Heidelberg, wo er seinen Doktortitel erhielt. Seit 1912 war er im Chemiekonzern BASF und später in der I. G. Farben beschäftigt und wurde dort Verwaltungsratsmitglied und Aufsichtsratsvorsitzender. 1940 ersetzte er C. Bosch auf dem Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden im Konzern. In den 30er Jahren trat er auch in den öffentlichen Dienst ein, gehörte zu den Organisatoren des Vierjahresplans und seit 1936 leitete er eine der Abteilungen des Amtes für Deutsche Roh- und Werkstoffe, das später in das Amt für IG-Farben Ausbau transformiert wurde. Auch wurde er zum Leiter des zentralen Reichsamts für den Wirtschaftsausbau sowie zum Bevollmächtigten für Sonderfragen der chemischen Produktion ernannt. Außerdem war er Mitglied des Reichsforschungsrates, Ehrenprofessor an der Berliner Universität und Senator der Kaiser-Wilhelm Gesellschaft. Seit 1937 war er NSDAP-Mitglied und ein enger Mitarbeiter von Regierungskreisen. Nach dem Krieg wurde er interniert und im Nürnberger I. G. Farben-Prozess insbesondere wegen seiner Beteiligung an Zwangsarbeit vor Gericht gestellt. Er wurde der Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen und zur einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren verurteilt.
17 Bundesarchiv (nachfolgend nur "BArch" genannt) Berlin, Fonds R 3112/13, S. 1-3, Anhang Nr. 2. Unterlagen für den Vortrag des Feldmarschalls H. Göring über die Zielsetzung und die Unterstützung der weiteren Entwicklung des Programms zum Aufbau der Ölwirtschaft vom 1. 1. 1939; BArch Berlin, Fonds R 3112/14, S. 2-8. Arbeitsbericht des Generalbeauftragten für außerordentliche Fragen der chemischen Produktion Dr. C. Krauch für den Generalrat des Amtes für Vierjahresplan vom 20. /21. 4. 1939; EICHHOLZ, Dietrich: Rumänisches Ölkardinalproblem der deutschen Kriegsplanung. Eine Studie über Erdölimperialismus. In EICHHOLZ, Dietrich: Deutsche Ölpolitik im Zeitalter der Weltkriege. Studien und Dokumente. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, 2010, S. 281-283.
18 Alfred Bentz, Prof., Dr. (1897, Heidenheim an der Brenz, heute BRD – 1964, Stratford-upon-Avon, Vereinigtes Königreich) war Geologe, Wissenschaftler und Manager. Er studierte Naturwissenschaften und Geologie an den Universitäten in Tübingen und München und schloss sein Studium mit dem Doktortitel ab. Seit 1923 wirkte er in der Preußischen Geologischen Landesanstalt und befasste sich mit der Suche nach Erdöllagerstätten. Aufgrund seiner ausgezeichneten Forschungsergebnisse wurde er 1934 Leiter des Instituts für Erdölgeologie. 1936 erhielt er den Titel Professor und wurde zum Landesgeologen ernannt. Er gehörte zu den Hauptautoren und -organisatoren des Forschungsprogramms Reichsbohrprogramm für die systematische Suche von Erdöllagerstätten in Deutschland. Seine Tätigkeit stieß auf Görings Interesse, der Bentz 1938 zum Bevollmächtigten für die Erdölgewinnung und Beauftragten für den Vierjahresplan ernannte. Bentz beteiligte sich folglich an den Plänen zur Versorgung des Reichs mit Treibstoffen. 1940 kam er an die Spitze der Reichsstelle für Bodenforschung, die später in Reichsamt für Bodenforschung umbenannt wurde. Als Vertreter dieser Organisationen steuerte er die geologische Forschung in den besetzten Gebieten und Satellitenstaaten Deutschlands, einschließlich der Slowakei. Nach dem Krieg war er einer der bedeutendsten Geologen Deutschlands und begründete die institutionelle Grundlage für die geologische Forschung in der BRD. Seine Tätigkeit im Nationalsozialismus wurde bislang nicht kritisch aufgearbeitet.
19 EICHHOLZ, Rumänisches Ölkardinalproblem, S. 299-300.
20 GROSS, Hermann: Die Slowakei im Großraumwirtschaft Europas. In: Deutschtumsfragen im Nordkarpatenraum. II. Band. Schriftenreihe des Institutes für Heimatforschung in Käsmark. Kežmarok: Roland Verlag, 1944, S. 11-12.




