Soft Skill für Young Professionals

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In den folgenden Abschnitten soll einleitend der Komplex der Selbstachtung erläutert werden. Abgegrenzt von Selbstbewusstsein hat Selbstachtung als ein uns ständig beeinflussendes Element weitreichende Bedeutung auf die folgenden Abschnitte. Als zweiter grundlegender Abschnitt folgt die Differenzierung zwischen analytischem und emotionalem Denken. Dieser Unterschied determiniert viele Problemfälle und Entscheidungsklemmen des heutigen Berufs- und Privatlebens. Als dritter Punkt wird das Denkmuster der Stärken- und Schwächenanalyse detailliert beschrieben. Dieser Punkt, welcher in der Praxis am häufigsten verwendet wird, wird hier ausführlich strukturiert.
Selbstachtung
Selbstachtung durch Wertschätzung der eigenen Person
Selbstachtung ist die Wertschätzung einer Person gegenüber seinem eigenen Ich und seiner Fähigkeit glücklich zu leben. Selbstachtung ist die ehrliche, objektive Beurteilung der eigenen Persönlichkeit. Sie wird in der Theorie von einigen Autoren nicht unbedingt von Selbstwertgefühl abgegrenzt, aber gerade in der Gliederung differenzierend zwischen Fühl- und Denkmustern ist der Unterschied evident. Selbstwertgefühl ist ein Fühlmuster, Selbstachtung jedoch ein Denkmuster, denn Selbstachtung ist die intellektuelle Wertschätzung, Selbstwertgefühl betrachtet emotionale Prozesse.

Abbildung 9: Existenzielle und intellektuelle Selbstachtung
Existenzielle und intellektuelle Selbstachtung
Selbstachtung gibt es in zwei Formen, nämlich in der existenziellen und der intellektuellen Ausprägung. Dabei ist der intellektuellen Selbstachtung besonders der eigene Wert als Persönlichkeit wichtig. Beim Verlust der existenziellen Selbstachtung geht es gar nicht mehr um kognitive Persönlichkeitsaspekte, sondern schon um die Aufgabe des Gefühls der Existenzberechtigung als ganzer Mensch. Neben Selbstzweifeln und Ungewissheit führt der Verlust der existenziellen Selbstachtung auch zur gesundheitlichen, hygienischen und körperlichen Gleichgültigkeit.
Mitunter ist gerade die gegenseitige Förderung der eigenen Selbstachtung in einer Gruppenbeziehung sehr ausschlaggebend. Howard und Charlotte Clinebell stellen in ihrem Buch „The Intimate Marriage“ die Selbstachtung als höchstes Element einer privaten Beziehung dar, welcher die Partner explizite Beachtung schenken sollen. Besonders die Stärkung der Selbstachtung des Partners führt zum dauerhaften „Eheerfolg“. Gerade in Partnerschaften gibt es einen beobachtbaren so genannten positiven Zyklus, welcher wechselseitig die Selbstachtung aufbaut. Beispielsweise baut Person 1 die Selbstachtung einer Person 2 nach einem Misserfolg wieder auf. Person 2 bedankt sich für die Unterstützung und baut damit die Selbstachtung von Person 1 auf.
Selbstachtung lässt sich mit physiologischer Gesundheit vergleichen
Ein Individuum, welches seine Selbstachtung verliert, entkoppelt sich von Fühl-, Denk- und Verhaltensmustern. In Gleichgültigkeit oder in affektiertem Auftreten gibt die Person sich allem hin, ohne die Konsequenzen für sich und andere abzuschätzen. Selbstachtung können Sie mit der physiologischen Gesundheit vergleichen. Dabei steht eine Person ohne Selbstachtung der eigenen Gesundheit meist gleichgültig gegenüber. Eine therapeutische Annäherung an mangelnde Selbstachtung ist die nondirektive oder klientenbezogene Gesprächspsychotherapie von Carl Rogers. Ihr Ziel ist die persönliche Selbstverwirklichung, und sie basiert damit auf den Problemen der mangelnden Selbstachtung. Sie propagiert die Eigenverantwortung und versucht, das aktive Erleben von Gefühlen zu forcieren. Diese Therapieform wird meist bei Depressionen, Angst- und schizophrenen Störungen eingesetzt. Basis dabei ist die professionelle Empathie des Therapeuten sowie die unbedingte Wertschätzung der zu behandelnden Person.
Analytisches und emotionales Denken
Emotional oder rational entscheiden
In der beruflichen Praxis und im Privatleben müssen Sie bei jeder Entscheidung wählen, wie weit Sie diese Entscheidung emotional oder analytisch treffen. Dabei treten wiederholt Konflikte auf, die aus dem Für und Wider beider Entscheidungswege resultieren. Ohne analytisches Denken scheint der berufliche Erfolg beschränkt zu sein, und ohne emotionale Rechenschaft fühlen Sie sich materialisiert, mechanisiert und nicht als soziales Gesellschaftsmitglied.

Abbildung 10: Analytisches und emotionales Denken
Analytische und emotionale Argumentationen, gelegentlich auch im Kontrast wirtschaftlichen und sozialen Denkens dargestellt, stellen sich gerade in der Berufswelt immer mehr als Schwierigkeit heraus. Die Wirtschaft befindet sich in einem unbeirrten Konzentrationsprozess und dabei wird jede noch so kleine Ineffizienz im Rahmen der Prozessoptimierung möglichst beseitigt. Die Arbeitsplatzanzahl eines Unternehmens ist eine lockere Stellschraube zur Kostenkontrolle geworden, welche gegenwärtig die mittelfristige Flexibilität von Organisationen gewährleisten soll. Demzufolge müssen Sie von einer emotionalen Begründung oder Rechtfertigung scheinbar größtenteils absehen, um die unternehmerischen Ziele verfolgen zu können und Ihre eigene Existenz zu gewährleisten.
Wenn Sie hierbei moralische Bedenken haben und Ihr Gewissen mit Ihnen in einen inneren, kritischen Dialog geht, ist das gut und richtig. Damit meinen wir nicht, dass Sie tendenziell in die eine oder andere Richtung entscheiden sollen. Vielmehr ist im Rahmen der Selbstbeobachtung wichtig zu erkennen, ob bei Ihnen das eine oder andere Denkmuster dominiert und inwieweit Sie beide Denkmuster in Balance halten.
Zweifelsohne werden Ihnen eines Tages Angelegenheiten und Entscheidungsfälle zugeteilt, welche schwierig zu lösen sind und Sie in die Not unangenehmer Auswahlsituationen bringen. Sie sollen eine Entscheidung treffen, die wirtschaftlich notwendig und sinnvoll ist, die Ihnen aber auf emotionaler und moralischer Ebene Bauchschmerzen bereitet. In einem solchen Dilemma und Zielkonflikt hilft es nichts, eine notwendige Entscheidung aufzuschieben.
Hilfreich ist es in den meisten Fällen, die Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten: So können Sie zum Beispiel positive Aspekte suchen und finden. Die Entscheidung wird Ihnen immer noch schwer fallen, aber das Positive ist, Sie können sie fällen. Sie können beschließen, was in der jeweiligen Situation eine adäquate Lösung ist. Dies ist eine Pflicht, aber auch eine Ehre, welche nicht allen Menschen zugetragen wird.
Solche Entscheidungen treffen Sie täglich im Kleinen sowie zunehmend auch im Großen. Es ist dabei auch eine soziale Aufgabe, analytisch zu sein. Bewahren Sie zum Beispiel die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens durch Stellenstreichung, schützen Sie alle verbleibenden Arbeitnehmer. Ebenso können Sie eine soziale Entscheidung auch analytisch fällen, so beispielsweise, wenn Sie aufgrund Ihrer Kalkulation die Unnötigkeit der Stellenstreichung beweisen können.
Wichtig ist, dass Sie Ihre Denkmuster kennen und akzeptieren. In der nächsten Ebene können Sie dann lernen, innere Konflikte zwischen Emotionalität und Rationalität nicht als Hindernis, sondern als nützlichen Mechanismus anzusehen, der Ihnen bei Ihrer Persönlichkeitsentwicklung hilft, Ihre Ziele und Werte in Einklang zu halten.
Stärken und Schwächen
„Der Stärkere ist als solcher noch lange nicht der Bessere.“
CARL JAKOB BURCKHARDT
Stärken und Schwächen aus eigener und aus fremder Sicht
Kein Bewerbungsgespräch kommt um sie herum: Stärken und Schwächen. Sie gehören zur Selbst- sowie zur Fremdeinschätzung; in der Selbsteinschätzung müssen Sie die Stärken und Schwächen finden, interpretieren und verarbeiten. Eine Fremdeinschätzung der Stärken und Schwächen, beispielsweise in Form eines Feedbacks, müssen Sie ebenfalls aufnehmen, interpretieren und verarbeiten.
Zur aktiven Herangehensweise wird im Folgenden ein Prozess beschrieben, welcher ausgehend von der Identifikation der Stärken und Schwächen über die Bewertung und Interpretation konsequent auch zur Bearbeitung der Ergebnisse führt. Der konsequente Umgang mit Stärken und Schwächen in der Bewerbungsphase und in kommunizierter Form, beispielsweise in einem Personalgespräch, werden in den jeweiligen Kapiteln besprochen.
Stärken und Schwächen identifizieren
Um sich mit Ihren Stärken und Schwächen zu beschäftigen, müssen Sie diese erst einmal identifizieren. Dafür gibt es zwei leicht abgrenzbare Möglichkeiten: erstens die Eigenidentifikation und zweitens die Fremdidentifikation. Wenn möglich, sollten Sie beide Methoden verwenden, um ein umfassendes Bild zeichnen zu können und genügend Arbeitsmaterial für die folgenden Schritte bereitzustellen. Die Identifikation von Stärken und Schwächen in der Selbsteinschätzung stellt sich leider als außerordentlich knifflig heraus. Die Fremdeinschätzung im Gegensatz bedarf zwar der Überwindung und Vorbereitung, in der Durchführung genügt ihr aber die Aufnahme der Berichterstattungen.

Abbildung 11: Eigene und fremde Identifikation individueller Stärken und Schwächen
Orientierungsfragen zur Identifikation von Stärken und Schwächen
Zur Identifikation der eigenen Stärken und Schwächen müssen Sie einerseits eine retrospektive Betrachtung Ihrer bisherigen Laufbahn vornehmen und andererseits Ihre jetzige Kompetenz beurteilen. Die Laufbahn besteht neben akademischen und beruflichen Entwicklungen auch aus unzähligen sozialen Komponenten. Für die Ableitung von Stärken und Schwächen helfen Orientierungsfragen, wobei diese mitunter besonders wirkungsvoll sind, wenn Sie aus der entgegengesetzten Richtung fragen, zum Beispiel bei Eigenschaften wie Pünktlichkeit „Was bin ich zum Glück nicht?“.
Nutzen Sie folgende Fragen als Ausgangspunkt, um Ihre Stärken zu identifizieren:
▪ Welche Themen habe ich öfter tief greifend behandelt?
▪ Was haben ich nicht, was mich an anderen Personen stört?
▪ Warum habe ich keine beruflichen oder privaten Probleme?
▪ Was prägt fast jede Arbeit oder Aktion?
▪ Was treibt mich an, etwas zu tun?
Zur Identifikation der Schwächen können Sie folgende Fragen als Anregung nutzen:
▪ In welchem Bereich habe ich noch nicht gewirkt?
▪ Was fällt mir Besonderes auf, was andere Personen besser können?
▪ Was fehlt mir am häufigsten im Alltag?
▪ Was hält mich ab, Dinge zu tun?
Zur Fremdeinschätzung verwenden Sie optimalerweise das 360°-Feedback. Ein Winkel von 360° bildet bekanntlich einen Kreis, und dieser Kreis wird um die Person gelegt, welche das Feedback erhalten möchte.

Abbildung 12: 360°-Feedback von Kunden, Kollegen, Vorgesetzten und Mitarbeitern
Es werden dem Bild folgend alle Kontaktpersonen um die betrachtete Person zur Formulierung eines Feedbacks aufgefordert. Dies heißt, dass Sie beispielsweise als Führungsperson nicht nur von Ihrem eigenen Vorgesetzten ein Feedback erhalten, sondern dieses Feedback auch durch die Beurteilung Ihrer untergeordneten Mitarbeiter ergänzt wird. Im theoretischen Konstrukt des 360°-Feedbacks werden als dritte Perspektive die gleichgestellten Mitarbeiter (Kollegen) und als vierte Dimension die Kunden befragt. Damit werden rund um die Person Meinungen und Beurteilungen gesammelt, welche dann nach der Interpretation ein vielschichtiges Porträt des Auftretens der betrachteten Person in der Gesellschaft darstellen.
Echtes Interesse und Verstehen, vor allem von negativen Fremdeinschätzungen
Die Bitte um ein Feedback ist, nach der gründlichen Vorbereitung, recht simpel. Die Rezeption der Informationen sollte keine einseitige und passive Wahrnehmung von Beurteilungen und Einschätzungen sein, sondern Sie sollten als bittende Person aktiv am Verständnis des Gesagten interessiert sein. Wenn Sie die Beurteilungen nicht komplett verstehen, ist die Fremdeinschätzung wertlos. Besonders negative Aspekte werden erfahrungsgemäß oft ausgeblendet und verdrängt, dabei müssen Sie gerade diese präzise hinterfragen und erläutern lassen sowie um Beispiele und Verbesserungshinweise bitten, um sie verstehen und zukünftig daran arbeiten zu können.
Feedback von unten fördert Kritikkultur
Das Erbitten eines Feedbacks von seinen eigenen Mitarbeitern wird bis zum heutigen Zeitpunkt kaum vorgenommen, hat aber effektvolle und sogar wirtschaftliche Vorteile. Abgesehen von einer kommunikativen Nähe und gesunden Kritikkultur, welche zwischen dem Vorgesetzten und seinen Mitarbeitern aufgebaut wird, können Arbeitsabläufe durch konkrete Hinweise des Mitarbeiters verbessert werden. Sie dürfen sich aber nicht darüber hinwegtäuschen lassen und vermuten, dass ein Feedback von den eigenen Mitarbeitern sehr objektiv ist. Ein Mitarbeiter ergründet in Ihren Fragestellungen prompt einen Hinterhalt und fürchtet, durch kritische und möglicherweise unbeschönigte Rückäußerungen negative Konsequenzen tragen zu müssen.
Stärken und Schwächen interpretieren und bewerten
Handelt es sich um tatsächliche Stärken und Schwächen?
Nicht alle Punkte, welche von Ihnen selbst oder einer anderen Person als Stärken und Schwächen identifiziert wurden, sind wirklich Ihre substanziellen Stärken oder Schwächen. Trotzdem sollten Sie die Hinweise einer Fremdeinschätzung nicht leichtfertig als falsch verbuchen, auch wenn Sie vorerst keinen persönlichen Zusammenhang erkennen können. Sie betreffen, auch wenn sie vorerst unberechtigt erscheinen, die Wahrnehmung Ihrer Person. Die Fremdeinschätzung ermittelt konkret, wie Sie eingeordnet wurden; die Eigeneinschätzung kristallisiert hingegen heraus, wie Sie ursprünglich auftreten wollten. Gerade die Differenz ist von größtem Interesse zur folgenden Bearbeitung und Weiterentwicklung. Bei grob abweichenden Auffassungen zwischen Selbst- und Fremdbewertung erfragen oder überlegen Sie, wie diese Personen auf diese spezifischen, Ihnen unbekannten Erkenntnisse gekommen sind. Eine schnelle und einfache Auflösung ist, dass die Person sich nicht viel mit Ihnen beschäftigt hat. Meist gibt es jedoch viel aussagekräftigere und ehrlichere Antworten als diese.
Primäre Bewertungsaspekte Ihrer Stärken und Schwächen
Die identifizierten Stärken und Schwächen müssen Sie nun nach ihrer Signifikanz gewichten. Dabei ist es hilfreich, die Strukturierung unter zwei Gesichtspunkten zu betrachten. Erstens: Wie oft kann ich diese Stärke einsetzen bzw. wie oft tritt diese Schwäche auf? Zweitens: Welche Folgen hat diese Stärke bzw. Schwäche? Diese erste Bewertung betrifft alle Stärken und Schwächen, egal ob Sie diese durch eine Fremd- oder Selbsteinschätzung identifiziert haben. Das Ergebnis können Sie getrennt für Schwächen und Stärken als ganz normale Matrix graphisch darstellen. Tragen Sie auf der Achse „Ausprägung“ ein, wie stark die jeweilige Stärke bzw. wie schwach die jeweilige Schwäche tatsächlich relativ zu anderen Fähigkeiten und Fertigkeiten sind. Auf der Achse „Auswirkung“ tragen Sie Ihre subjektive Einschätzung ein, wie groß der Effekt dieser Stärke oder Schwäche ist. Eine hohe Auswirkung bei einer Stärke kann also hohen Gewinn versprechen, eine Schwäche mit starker Auswirkung hingegen ein tatsächliches Risiko darstellen. Punkte, welche weiter weg vom Ursprung liegen, sind daher bei der Bewertung von besonderem Interesse, da sie besonders eklatant sind und am meisten Entwicklungspotenzial bieten.

Abbildung 13: Auswirkung und praktische Bedeutung Ihrer Stärken und Schwächen
Stärken und Schwächen bearbeiten
Die Stärken und Schwächen, welche Sie nun in gewichteter und interpretierter Form dargestellt haben, können Sie jetzt bearbeiten. Dabei gibt es drei Herangehensweisen, welche in der Literatur vielfältig diskutiert werden. Erstens: Probieren Sie, jede einzelne Ihrer Schwächen abzubauen. Zweitens: Intensivieren Sie Ihre Stärken. Und drittens: Machen Sie gar nichts – es entwickelt sich sowieso alles von selbst und anders als geplant.
„Leben oder gelebt werden“
Besonders die dritte Methode ist nicht zu empfehlen, da die passive Lebensführung meist nicht von allein in die gewünschte Richtung führt. Die Dinge entwickeln sich zwar auch ohne Ihr Zutun – allerdings verlieren Sie damit den Einfluss auf Ihr eigenes Leben. Sie werden reaktiv statt proaktiv. Konfrontieren Sie sich selbst mit der Frage: „Wollen Sie leben oder gelebt werden?“ Ihre Stärken sind Ihre Produktionsfaktoren, Ihre Eintrittskarten, Ihre Tauschmittel, welche Sie gegen andere materielle und immaterielle Güter eintauschen können. Ein passiver Umgang mit diesen Produktionsfaktoren ist möglich, gleicht jedoch einer Verschwendung wertvoller Ressourcen – nicht nur für die Wirtschaft oder ein Unternehmen, sondern vorrangig für Sie selbst.
Demzufolge bleiben nur zwei Möglichkeiten übrig, welche Sie nicht einzeln betrachten, sondern verbinden sollten. Sie können jederzeit gleichzeitig an Ihren Stärken und an Ihren Schwächen arbeiten. Probieren Sie im Privat- und Berufsleben stets Ihre Stärken zu positionieren. Wenn Sie etwas gut können, zeigen Sie es. Machen Sie noch ein Zertifikat in diesem Gebiet oder suchen Sie sich Aufgaben, in welchen gerade diese Stärken gut zur Geltung kommen können. Arbeiten Sie gleichzeitig aktiv an der Reduzierung Ihrer Schwächen. Erwarten Sie nicht, dass Führungskräfte, Kollegen oder Mitarbeiter diese übersehen. Ist beispielsweise Ihr Englisch nicht besonders gut, üben Sie es. Verfolgen Sie ab jetzt täglich die Nachrichten von CNN oder BBC. Nach spätestens einem Monat bemerken Sie die Erfolge.
Regelmäßige Selbstreflektion
Der Bearbeitung folgt eine regelmäßig wiederholte Überprüfung der eigenen Stärken und Schwächen. Sorgfältig durchgeführt, identifizieren Sie dabei zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise weitere Stärken oder Schwächen. Dabei sollten Sie mit einem neuen Arbeitsblatt anfangen, um sich nicht durch die alte Übersicht beeinflussen zu lassen. Sind die neuen Stärken und Schwächen zusammengestellt, können Sie diese in der Interpretationsphase mit dem vorherigen Bild vergleichen und schon gründlicher an die konkrete Bearbeitung herangehen.
Verhaltensmuster identifizieren und nutzen
Verhaltensmuster basieren auf Denk- und Fühlmustern
Verhaltensmuster bilden in Kapitel 1.3. das abschließende Muster. Sie sind direkt sichtbare Verhaltensweisen, und dem Denkmuster äquivalent folgend, basieren sie auf den vorherigen Strukturierungen, also auf den Fühl- und Denkmustern. Ausgelebte Verhaltensmuster zeigen Lebenseinstellungen, welche Sie einnehmen, und werden vermengt mit der Lebenseinstellung, welche Sie gern einnehmen würden. Die Muster sind demnach immer Bild von Realität und Wunschvorstellung. Verhaltensmuster zeigen sich in verschiedenen Situationen. Beispielsweise entgleisen einem Choleriker eventuell bereits die Zügel, wenn ein Phlegmatiker erst hellhörig wird. Die Kenntnis dieser eigenen und fremden Verhaltensmuster hilft bei der Konfliktprävention und -bewältigung. Strukturell können Sie Verhaltenmuster in einer einfachen Matrix darstellen.

Abbildung 14: Verhaltensmuster und Änderbarkeit
Beispielhaft ist eine große körperliche Statur physiologisch und damit nicht veränderbar. Ein außergewöhnlich zurückhaltendes Auftreten ist aber veränderbar und so der Zeile „psychologisch“ zuzuordnen. Dieses Auftreten wird zum Beispiel auch durch die Rollen determiniert, welche Menschen im Privat- und Berufsleben einnehmen. Diese werden im Folgenden dargestellt und durch das DISG-Modell konkretisiert, welches eine Einordnung von Personen in bestimmte Verhaltensstrukturen ermöglicht. Eine solche Einordnung kann hilfreich sein, um Personen individuell und situationsgerecht anzusprechen. Abschließend wird die Ausstrahlung noch als originärer Bereich aufgeführt, welcher am bedeutendsten den Unterschied zwischen Realität und Wunschvorstellung in einem Verhalten aufzeigt.
Lebensrollen
„Der ist beglückt, der sein darf, wie er ist.“
F. VON HAGEDORN
Verschiedene Rollen im Leben
Lebensrollen, welche in der Literatur mitunter auch „Lebenshüte“ genannt werden, sind Verhaltensweisen, welche ein Individuum im Alltag präsentiert. Diese Verhaltensmuster können ebenso direkt Fühl- und Denkmuster symbolisieren. Erfahrungsgemäß hat eine Person diverse Lebensrollen. Dies ist per se weder nachteilig noch vorteilhaft. Probleme können jedoch langfristig auftreten, wenn Sie sich permanent in einer Rolle für eine Zielgruppe verstellen oder zu viele unterschiedliche Lebensrollen einnehmen wollen. Die beträchtlichste und offensichtlichste Diskrepanz zwischen verschiedenen Rollenanwendungsgebieten sind die Rollen im Privat- und Berufsleben. Die Besetzung von einer Lebensrolle bei der Arbeit oder im Privaten ist vorwiegend eine logische Folge von Wertedifferenzen zwischen beiden Bereichen und der unterschiedlichen hierarchischen Position der Person. Müssen Sie beispielsweise beruflich etwas mehr Härte zeigen, kann dies sogar zur Kompensation in Form von großer Herzlichkeit im Privatleben, zum Beispiel bei Ihren Kindern führen. Diese unmittelbare Kompensation sollte von allen Freunden und Verwandten akzeptiert werden, denn die Versagung dieser Herzlichkeit kann dazu führen, dass die Person sich verhärtet oder abgestoßen fühlt. Diese Wandelbarkeit zwischen der Rolle bei der Arbeit und der Rolle im Privatleben kann besonders im Rahmen der Regeneration und Freizeitgestaltung von Bedeutung sein (Kapitel 2.5.).
Die Kenntnis der eigenen Lebensrollen hilft Ihnen, eine ausgewogene Persönlichkeit zu bilden, welche nicht nur intuitiv, automatisiert und ohne eigene Wahrnehmung Verhaltensweisen kompensieren muss, sondern aktiv alle Facetten seiner Persönlichkeit Beachtung schenkt.
Bewusst eingenommene Rollen als Spiegel individueller Werte und Bedürfnisse
Wie im Beispiel erwähnt, müssen Sie zahlreiche Lebensrollen anderer Personen bedingungslos akzeptieren, andere bedürfen aber möglicherweise der Rücksprache mit dem Rollenträger. Interessanterweise können Sie aus einer erkennbaren Lebensrolle meist auch grundlegende Bedürfnisse und Werte der jeweiligen Person ableiten. Typische Lebensrollen, welche hier dargestellt werden, sind die des „Familienmenschen“ oder „Arbeitstieres“, des „Spaßgetriebenen“, des „Vernünftigen“, des „Wohlhabenden“ und des „Ausgabenbewussten“.

Abbildung 15: Lebensrollen und Verhaltenseinstellungen
Familienmensch versus Arbeitstier
Die Herausforderung, Familie und Beruf in Einklang zu bringen
Die Lebensrolle eines „Familienmenschen“ entsteht erfahrungsgemäß in bestimmten Phasen einer Partnerschaft. Dies können die erste Wohnung, die Hochzeit oder das erste Kind sein. Sehr häufig wird diese Rolle auch als Kompensation und Gegenpol zur gleichzeitigen Rolle des „Arbeitstieres“ entwickelt. Wenn eine Person aufgrund ihrer beruflichen Situation nur wenig Zeit mit der Familie verbringen kann, entwickelt sich ein schlechtes Gewissen und die Familiennähe sowie Familientreue wird in den kurzen Zeiten des Zusammenseins voll ausgelebt. Dies kann positiv aber auch negativ aufgenommen werden.
Der Familienmensch denkt bei umfassenden Entscheidungen primär stets an die Familie. Wichtigste Frage ist für ihn, wie weit Kinder und Partner davon beeinflusst werden. An Wochenenden oder an anderen freien Tagen werden auch schon mal gegen den Willen der Familie Aktivitäten zum Zweck des Zusammenseins durchgeführt. Dies gibt dem Familienmenschen das Gefühl, Zeit mit der Familie zu verbringen, für sie da zu sein und mit ihr Spaß zu haben. Personen in dieser Rolle sollten auf keinen Fall zu stark von dieser Rolle abgedrängt werden. Eine kritische Anmerkung kann schnell dazu führen, dass die Person sich in Bezug zum vermeintlich Einzigen in ihrem Leben nicht verstanden oder sogar verstoßen fühlt. Bleibt jedoch das berufliche Engagement des Familienmenschen unter einem akzeptierbaren Niveau und reichen deshalb beispielswiese die Einkünfte nicht, muss an der Rolle als Familienmensch gearbeitet werden.








